Was verdient ein NFL-Spieler? Oder: warum man tatsächlich immer das Kleingedruckte lesen sollte

Michael Vick unterschreibt 100-Millionen-Dollar Vertrag! Calvin Johnson verlängert für 8 Jahre! Mark Sanchez bekommt $41Millionen für drei Jahre! Das waren die wildesten Headlines in den letzten beiden Free-Agency-Perioden.

Irreführend wäre noch eine lächerliche Untertreibung für solche Schlagzeilen, aber trotzdem hält sich der Glaube, daß Michael Vicks Vertrag und $100 Millionen Dollar irgendetwas miteinander zu tun hätten. Die meisten Menschen scheinen auch zu glauben, daß Calvin Johnson und die Lions nicht in vier Jahren wieder am Verhandlungstisch sitzen werden. Und Mark Sanchez wird nächstes Jahr auch nicht mehr in New York sein, die $41 Millionen wird der 1st-rd pick bekommen. Landry Jones oder werauchimmer.

Aber statt einer müßigen Erregung über die Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts sollen hier kurz nochmal die wichtigsten Aspekte in Erinnerung gerufen werden, unter denen man sich so einen Vertrag anschauen sollte, bevor dann in den nächsten Tagen nochmal eine Zusammenfassung der interessantesten Verträge der Free Agency folgt. (Die erste Welle der neuen Verträge wurden hier schon mal zusammengetragen.)

Der NFL-Vertrag und was alles dazugehört

Verträge in der NFL sind sehr komplex und voller Wenns und Danns und halb-/ganz-/gar-nicht-garantierten Summen garniert mit jeder Menge incentives, escalators und Bonizahlungen für die verschiedensten individuellen und kollektiven Errungenschaften.

Die meisten NFL- Verträge beginnen mit dem Signing Bonus. Das ist noch sehr einfach. Der Spieler bekommt von seinem Team bei Vertragsabschluß den Signing Bonus sofort überwiesen. Das Geld kann ihm niemand mehr nehmen (es sei dann man macht irgendwas mit Hundekämpfen oder so…). Für das Team ist wichtig, daß der Signing Bonus über die Vertagslaufzeit anteilig gegen den Salary Cap zählt, allerdings höchstens fünf Jahre lang. Bei einem Fünf-Jahres-Vertrag mit $15 Millionen Signing Bonus zählen also in jedem der fünf Jahre $3 Millionen gegen den Cap. Auch, wenn der Spieler vorher schon entlassen wurde (das sogenannte dead money).

In den meisten Vertägen gibt es dann, je nach Vertragsjahr unterschiedlich, einen Roster Bonus. Heißt: wenn der Spieler im Jahr X zum Zeitpunkt Y noch im Kader ist, bekommt er Summe Z frei Haus. Entweder auf einen Schlag, in letzter Zeit wird der Roster Bonus immer öfter auch anteilig pro Spiel gezahlt. Bekommt ein Spieler in diesem Fall einen Roster Bonus Z für die Saison X, spielt in dieser 12 Spiele, bekommt er schließlich 12/16 von Z.

Auch kennen viele Verträge den Workout Bonus. Sprich: Geld dafür, daß Star A und Sternchen B einen Anreiz haben, sich doch bitte gnädigerweise an den OTAs und den Mini Camps zu beteiligen.

Salary und Outs

Schließlich gibt es auch noch das ganz gewöhnliche Gehalt (“Salary“). Hier wirds tricky. Ein Teil des Gehalts ist in der Regel fully guaranteed. Will heißen: egal, was in der Zukunft passieren wird, dieses Geld wird fließen. Das ist in der Regel der geringere Teil des Gehalts. Für einen weiteren Teil gibt es einen injury guarantee, verletzt sich der Spieler und wird ob der Schwere der Verletzung gar entlassen, bekommt er den für den Verletzungsfall garantierten Teil trotzdem.

Darüber hinaus kann auch noch ein Teil des Gehalts für Kündigungen aus Leistungs- und/oder Salary-Cap-Gründen garantiert werden. Beim Salary muß man immer ganz genau hinschauen, welcher Betrag für welche Gründe garantiert ist und wieviel des vielen Geldes aus den Überschriften eben nicht garantiert ist. Ich habe das für den Vick-Vertrag mal auseinandergenommen und von den $100 Millionen blieben nur $22,5 Millionen als garantiertes Gehalt übrig.

Aus den Informationen über halb-/ganz-, und gar-nicht-garantierte Summen kann man in der Regel auch rauslesen, zu welchen Zeitpunkten sich die Mannschaft “outs” eingebaut hat. Als outs werden die Möglichkeiten bezeichnet, zu denen ein Spieler relativ problemlos und kostengünstig entlassen, “gecuttet” werden kann. Das machen Mannschaften gleichermaßen gerne bei alten Spielern, die potentiell verletzungsanfälliger und leistungsschwächer werden, als auch bei jungen Talenten, die ihr Talent dann vielleicht doch nicht aussschöpfen.

Typische outs sind zum Beispiel hohe Roster Boni in Vertragsjahr drei oder vier, die per definitionem nur gezahlt werden müssen, wenn man den Spieler dann noch haben will. Will man ihn nicht mehr, entläßt man ihn und ist ihm nichts mehr schuldig. Ganz klassisch war es so bei Peyton Manning. Im März hätte er einen Roster Bonus von $28 Millionen bekommen; den Colts aber war ein junger Andrew Luck dann doch verheißungsvoller als ein alter, vielfach operierter Manning. Vick zum Beispiel hat für 2013 einen dicken Roster Bonus im Vertrag, dafür aber nur ein gegen Verletzungen garantiertes Gehalt von $3 Millionen. Watch out.

Incentives, Escalators und 3-yr-average

Incentives und Escalators gehören schließlich bei den meisten Verträgen auch noch dazu. Leider aber werden diese nur in den seltensten Fällen öffentlich. Incentives gibt es einmalig für ein konkret definiertes Ziel. Beispielsweise kann ein Pass Rusher $100,000 für jeden Sack bekommen oder $1 Millionen, wenn er über die gesamte Saison mindesten 10 macht. Escalators dagegen erhöhen das Gehalt in den kommenden Jahren um die Summe X, wenn der Super Bowl erreicht wird oder wenn der Spieler beispielsweise bei mindesten 80% der Snaps auf dem Feld steht. Sanchez und Vick haben sogar negative escalators in ihren Veträgen, die besagen, daß in den Folgejahren das Gehalt verringert wird, wenn sie kein Championship Game bzw. Super Bowl gewinnen.

Um bei diesem ganzen Durcheinander und vor dem Hintergrund, daß kaum ein Vertrag die vereinbarte Laufzeit erreicht, ungefähr ein Gefühl dafür zu bekommen, wie gut oder wenig gut dotiert der jeweilige Vertrag denn nun ist, bietet sich der Durchschnitt der ersten drei Jahre an. Das 3-year-average setzt sich aus Signing Bonus und Salary zusammen, das der Spieler in den ersten drei Vertragsjahren ausbezahlt bekommt plus eventuelle Roster/Workout-Boni in dieser Zeit und LTBE incentives (“likely to be earned”) – alles geteilt durch drei. Nimmt man beispielsweise das 3-yr-average von Peyton Mannings letztem Vertrag mit den Colts, kommt man auf $23 Millionen. Vor diesem Hintergrund wird dann auch deutlicher, warum Drew Brees nicht für $21M unterschreiben möchte. Und über Franchise Tags haben wir dabei noch gar nicht geredet.

Also Quintessenz: glaubt keinen Überschriften!

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6 thoughts on “Was verdient ein NFL-Spieler? Oder: warum man tatsächlich immer das Kleingedruckte lesen sollte

  1. Zählt der Signing Bonus auch anteilig gegen das Cap von Team A, wenn der Spieler zu Team B getraded wird? Oder zählt das dann gegen das Salary Cap von Team B?

  2. @Sir: Nope. Zählt nur gegen Team A. Und wie er gegen Team A zählt, hängt vom Zeitpunkt der Entlassung oder des Trades ab – kann man mit einer Amortisierung vergleichen. Der Signing Bonus kann nach Stichtag (meistens der 1. Juni) anders “abgeschrieben” werden als vorher, weswegen viele Entlassungen und Trades erst nach dem 1. Juni passieren.

  3. naja die monster verträge sind meiner meinung bei den QB etwas sinlos,ihr football leben in der nfl kann schnell vorbei sein wenn der erfolg nicht kommt auser mein heist brady und spielt jahre lang erfolgreich,vor allem bei sanchez kanns diese season schon vorbei sein wenn er die ersten 5 spiele vergeigt.

  4. Pingback: Startschuss zur NFL-Free Agency 2014 | Sideline Reporter

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