Einfach… unglaublich

Als Kind hatte ich einen Film über Wyatt Earp gesehen und war dann jahrelang überzeugt von einer Kinofigur ausgegangen. Wyatt Earp lieferte sich in seinem Leben Zilliarden von Schießduellen und Schusswechseln, wurde dann aber über 80 Jahre, und das, ohne jemals einen Kratzer abbekommen zu haben. Eine Filmgeschichte. Stimmt… nicht wirklich. Wyatt Earp lebte tatsächlich – und weil seine Geschichte so fassungslos unglaublich ist, ist Wyatt Earp Filmmaterial geworden.

Vor wenigen Wochen las ich von einer unglaublichen Serie in einem Casino in Nevada, wo im Roulette die Serie hingelegt wurde, von der ich schon seit Kleinkindzeiten träume: Sieben Mal in Serie die 19 gelocht. Die Wahrscheinlichkeit dazu liegt bei 1 zu 114 Milliarden.

Bar in Downtown Melbourne. Am Tisch gegenüber hockt ein bekanntes Gesicht. Wir haben uns seit Jahren nicht gesehen, aber der Junge aus dem Nachbardorf, dessen Bruder mit mir in der Schulbank saß… es ist tatsächlich er. Unchlaublich.

Oder?

Das schwer greifbare Gesetz der kleinen Wahrscheinlichkeiten besagt, dass alles passieren kann, wenn man nur hinreichend Versuche startet. Sieben Mal in Serie die 19 lochen – datt iss genauso wahrscheinlich, wie die Serie 9-3-4-22-36-18-34. Oder anders: Bei dem Pensum in den Casinos mit ihren endlosen Rouletteserien sollte 19-19-19-19-19-19-19 alle 15 Monate vorkommen. Das, und warum Aaron Rodgers’ furchtbare Bilanz im vierten Viertel auch reiner Zufall sein könnte, können wir bei Chase Stuart/Football Perspective nachlesen: Der Wyatt Earp Effekt.

Die Thematik fügt sich nahtlos in weitere Phänomene ein, die unser Hirn nur schwer begreifen will. Wie die sprichwörtlichen Fantillionen Affen, wo bei einem irgendwann das Äquivalent zu Romeo und Julia herausspringen wird, wenn sie nur lange genug auf den Schreibmaschinen tanzen dürfen. Oder beachten Sie eintausend zufällige Finanzjongleure auf der Börse. Allesamt schlechter als der Durchschnitt. Allesamt mit 40% Leistungsstärke. Nach Jahr eins werden die schlechten aussortiert. 400 von eintausend bleiben übrig und dürfen weitermachen. Same procedure im zweiten Jahr. Diesmal bleiben noch 160 übrig. 240 werden aussortiert. Nach Jahr drei sind noch vierundsechzig Leute übrig, nach Jahr vier noch fünfundzwanzig. Nach dem fünften Jahr sind genau zehn Leute noch mit auf der Party. Zehn Leute, die es gepackt haben. Zehn Leute, allesame schlechter als der Durchschnitt. Nach oben gespült rein vom Gesetz der Wahrscheinlichkeiten. Es schaffen nicht immer die Besten. Die Besten können auch einfach Pech gehabt haben. Vielleicht schafft das beste Team der NFL im Jänner nichtmal den Einzug in die Playoffs.

Beachten Sie zumindest die Möglichkeit dessen.

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