College Football Week #11 Preview [Update: Cam Newton]

Zielgerade für den College Football. Das Rennen um das BCS Championship Game wird heuer so umstritten sein wie lange nicht mehr. Einen kurzen Überblick habe ich bei Spox gegeben.

Die Spiele der Top 4 an diesem Wochenende: #1 Oregon @ California/Berkeley, #2 Auburn vs. Georgia, #3 TCU vs. San Diego State, #4 Boise State @ Idaho. ESPN America zeigt uns leider nur einen der Top 4: Auburn.

Road to Glendale

California Golden Bears – #1 Oregon Ducks

© John Morgan

Aaarggh. Das Spiel ist bei uns im TV nicht zu sehen. Dabei rieche ich durchaus die Möglichkeit einer Sensation. Die Golden Bears zeigen diese Saison zwei Gesichter: Auswärts katastrophal, daheim nicht zu stoppen. Die Unterschiede sind frappierend: Daheim 4-0 bei einem durchschnittlichen Punkteverhältnis von 47-8. Auswärts 1-4 mit im Schnitt 17-32 Punkten. Die ersten beiden Heimgegner waren schwach, aber der allgemein Trend ist doch auffallend. Allerdings wird QB Kevin Riley weiterhin fehlen.

Oregon kommt ähnlich daher. Daheim 61-12, auswärts 47-25. Immer noch eindrucksvoll, aber abseits des SmurfTurf in Eugene ist das doch etwas „zäher“. Die Ducks bringen eine eindrucksvolle Offense nach Berkeley: QB Darron Thomas, RB LeMichael James und WR Jeff Maehl sind die Eckpunkte.

#2 Auburn Tigers – Georgia Bulldogs

Samstag, 21h30 bei ESPN America

Upset alert auch in diesem Spiel. In Auburn wird die Affäre um QB Cam Newton und die angeblichen Zahlungen von Seiten der Uni Auburn immer undurchsichtiger, nachdem Newtons Vater mehrdeutige Kommentare rausgelassen hat. Newton ist ein famoser Quarterback, 1,98m groß, extrem laufstark (pulverisierte schon Mitte Oktober den SEC-Rekord für die meisten Laufyards eines QB/Saison) und soll mit seiner Wurfbewegung auch bestens in die NFL passen. Kurzum: Newton ist der haushohe Favorit, die Heisman Trophy zu gewinnen. Wenn da nicht die NCAA-Ermittlungen wären…

Auf der anderen Seite kommen die Bulldogs mit aufsteigendem Trend daher, nachdem es noch im September zappenduster ausgeschaut hatte. Einzige Niederlage seit Mitte Oktober: OT gegen Florida. Es gibt trotzdem Gerüchte über einen Abgang von Head Coach Mark Richt, da Georgia seit Jahren stagniert. Allerdings schafften mit QB Matt Stafford und RB Knowshon Moreno zwei Topspieler zuletzt den Sprung in die NFL. Mit WR A.J. Green könnte der nächste demnächst folgen. Green könnte im April schon in den Draftpool wandern, als Junior aber auch noch eine Saison im College anhängen.

Green spielt erst seit Anfang Oktober wieder Football, nachdem er bis dahin von der NCAA gesperrt war. Grund: Er hatte sein Trikot von einem letztjährigen Bowl-Spiel an einen ehemaligen Footballspieler verkauft – den die NCAA als Spieleragenten eingestuft hatte. Das ist verboten. Also: Attention, Mr. Newton!

[UPDATE: Auburns „Sportdirektor“ wollte heute Nacht auf Nachfrage von ESPN keine Auskunft geben bzgl. eines Einsatzes von QB Cam Newton. Das kann bereits als Rückzieher gewertet werden, denn noch am Mittwoch (als ich die Preview geschrieben habe) ließ man aus Auburn verlauten, es gäbe keinen Grund, Newton nicht starten zu lassen. Newtons Vater Cecil gab inzwischen zu, von Mississippi State Geld verlangt zu haben für Cam Newtons Dienste. Mittlerweile ist auch das FBI in die Ermittlungen der NCAA eingeschaltet worden. Die Sache nimmt also Fahrt auf.

Für Auburn ist die Entscheidung nicht leicht. Nach all dem, was ich von den Tigers bisher gesehen habe, habt Newton sie eine ganze Klasse nach oben. Ohne Newton könnte es vielleicht für das mäßige Georgia reichen, aber spätestens gegen Alabama in zwei Wochen dürfte Schluss sein. Setzt man Newton wiederum ein, riskiert man wohl ärgere Sanktionen und womöglich sogar zukünftige Ausschlüsse von Bowls, siehe USC/Reggie Bush.

Die BCS dürfte gar nicht erfreut sein. Womöglich werden nun doch die ungeliebten TCU oder Boise State ein Thema für das BCS Finale. Ich würde eine Wette abschließen, dass Auburn ohne Cam Newton nicht nacheinander Georgia, Alabama und den SEC-East-Sieger putzt.]

#3 Texas Christian Horned Frogs – San Diego Aztecs

TCU wird dieses Spiel dominieren und locker nach Hause fahren. Upset alert gleich null.

Idaho Vandals – #4 Boise State Broncos

Es ist eh wurscht, was passiert. Boise State wird das Spiel dominieren und haushoch gewinnen – oder halb Amerika und die gesamte Bowl Alliance schnaufen auf. Idaho hat ein respektables Basketball-Team, aber die Footballmannschaft spielt selbst in der schwachen WAC unter ferner Liefen.

Road to BCS Bowls?

Damit kurz zu den Spielen bei ESPN America.

Samstag, 18h: Northwestern Wildcats – #13 Iowa Hawkeyes

Die Northwestern ist als Spitzenuni bekannt, von Forbes sogar in die Top-20 weltweit gevotet. Das Football-Team ist nicht so doll. Seit Jahren dümpeln die Wildcats vor sich hin. Problem: Sie erzielen wenige Punkte. Vor ein paar Wochen wurde allerdings Michigan State ein harter Kampf geliefert.

Iowa spielt mit Coach Kirk Ferentz eine eher lauflastige Offense: 330 zu 240 Laufspielzüge. Es sah allerdings krasser aus, als mit Shonn Greene (jetzt N.Y. Jets) ein Klasse-Running Back da war. Interessant ist das Spiel für NFL-Fans, weil hier mit DE Adrian Clayborn einer der Top-Ends für den kommenden Draft spielt. Rastamann Clayborn ist Senior.

Iowa kann noch in die Top 10 rutschen, muss dafür aber überzeugend gewinnen.

Samstag, 21h30: #2 Auburn – Georgia. Siehe oben

Sa./So. 1h15: #22 Florida Gators – #23 South Carolina Gamecocks

In diesem Spiel wird der SEC-East-Champion ausgespielt. Beide Mannschaften stehen bei 4-3 und es ist ihr letztes Conference-Spiel.

Story des Spiels dürfte aber die Rückkehr von Steve Spurrier in seine alte Heimat, das Stadion in Gainesville, sein. Spurrier ist der Mann, der die SEC revolutioniert hat. Die SEC war eigentlich stets eine bodenständige, lauforientierte Liga, bis Spurrier ab 1990 mit den Gators und seiner Fun’n’Gun-Offense von Conference-Sieg zu Conference-Sieg eilte und 1996 gar National Champion wurde. Spurrier hörte 2002 in Florida auf, ging in die NFL zu den Redskins und scheiterte dort grandios ebenso wie sein QB Danny Wuerffel, der unter Spurrier Heisman-Trophy-Sieger war. Sein Nachfolger Ron Zook coachte die Gators derweil in Grund und Boden.

Spurrier hat sich in Carolina eine starke Defense angelacht und hatte damit einigen Erfolg: Der ganz große Durchbruch ist aber noch nicht gelungen. Die Gators sind in Jahr eins nach Tim Tebow natürlich geschwächt, aber nicht so brutal wie vielleicht angenommen. Spurrier kann in diesem Spiel mit seinen Gamecocks erwachsen werden, ins Georgia Dome fahren und im SEC-Finale auf Auburn treffen (und vielleicht den Tigers das BCS Finale vermasseln).

Sonntag, 5h30: #9 Ohio State Buckeyes – Penn State Nittany Lions (Aufzeichnung)

100.000 werden im Stadion sein. Mindestens. Es ist ein heißes Aufeinandertreffen. Zwei alte BigTen-Rivalen. Der legendäre Penn State-Coach Joe Paterno kommt nach Ohio mit seinem 400. Sieg letzten Samstag. Der war hart erarbeitet: Die Northwestern führte schon mit drei Touchdowns, ehe dank fünf TDs in Serie mit 35-21 gewonnen werden konnte.

Die Buckeyes auf der anderen Seite sind eine der ganz großen Nummern im College Football, nicht nur wegen des riesigen Stadions. Sie gehören seit Jahren zu den Top 5, waren auch heuer zwischendurch #1, ehe sie von Wisconsin ausgebremst wurden. Nun braucht es dringend einen Sieg, um Wisconsin noch verdrängen zu können und in die Rose Bowl einzuziehen. QB Trevor Pryor ist laufstark und mittlerweile auch als Passer gereift. Nicht alle trauen Pryor jedoch eine NFL-Karriere zu.

[Update zu dem Spiel: Kleine Huldigung für Penn-State-Coach Joe Paterno.]

Am Sonntag um 13h wird Texas – #10 Oklahoma State aufgezeichnet. Für Oklahoma State geht es darum, Punkte zu sammeln, um die Big12-South zu gewinnen. Oklahoma ist divisionsintern mit 4-1 vorn, hat aber noch drei Spiele: Texas, @Kansas und #16 Oklahoma zum Abschluss der Regular Season.

NFL Week #10 Preview

Aktuell das heißeste Thema in der NFL: Die Schiedsrichter-Auslegungen bei Hits. Am Sonntag musste Austin Collie vom Feld, nachdem er minutenlang regungslos am Boden liegen geblieben war. Der Hit war legal.

Der ehemalige Safety und Wandervogel Matt Bowen (u.a. Redskins, Browns) schreibt zwei Dinge raus, die mir auch auffallen: Verteidiger tackeln schlechter, aber gleichzeitig ist die Unart (besonders von Defensive Backs), mit dem Helm voran zu gehen, immer weiter verbreitet. Zweitens: Defenses gehen mehr Risiko – lieber drei Tackles verpassen, als einen Turnover weniger provozieren.

Der Sonntag

Chicago Bears – Minnesota Vikings

19h bei ESPN America und Sport 1+

Die Chicago Bears haben sich in dieser Saison nicht immer von der konstanten Seite gezeigt. Ein paar begeisternden Spielen zu Saisonbeginn folgten zuletzt sehr schwache Auftritte. Ich prophezeie den Bears ja lange schon den Einbruch. Gründe gibt es dafür genug: Die O-Line stinkt. Und zwar nach Schweizer Käse. QB Jay Cutler, eh schon nicht der Zuverlässigste, wird dadurch gezwungen, schneller zu werfen als geplant, was in den Angriffsschemen von Mike Martz nie ein gutes Zeichen ist. Die Martz-Offense bevorzugt lange Pass-Routen, die Zeit erfordern. Zeit, die Cutler nicht bekommt.

Dazu kommt Martz’ Desinteresse an RB Matt Forte. Forte wird nur sehr selten eingesetzt, obwohl die Receiver in Chicago nach und nach alle ausfallen. Aber das ist ein altbekanntes Problem in Martz’ Offense-Strategien.

In Minnesota geht es derzeit dezent drunter und drüber. Man spricht über Gott und die Welt und Randy Moss und Brett Favre und Randy Moss und Brad Childress und Brett Favre… Nur über die sportliche Situation wird wenig geredet – und über RB Adrian Peterson. Der ist Minnesotas größte Waffe in diesen Tagen, wird aber m.E. zu selten eingesetzt. Dazu kommt, dass zuletzt Gunslinger Favre mal wieder die ganz tiefen Pässe ausgepackt hat, was zu einem herausgewürgten Sieg über Arizona reichte. Ich bin nicht überzeugt, dass das der Knopflöser war.

Viel optimistischer darf man auf Defense-Seiten sein: Minnesota besitzt einen guten Pass Rush. Ich weiß, zu wenige Sacks. Aber, Baby: Es ist die Offensive Line der Bears! Ich sehe ein gewaltiges Mismatch kommen. Minnesota hat alle Ingredienzien, um zu gewinnen. Sie müssen nur über 60 Minuten fehlerfrei spielen. Die Fehler werden die Gegner machen.

Miami Dolphins – Tennessee Titans

19h, Aufzeichnung bei ESPN America am Montag um 15h30

Miami steht mächtig unter Druck: Mit einer 4-4 Bilanz kann man sich keine weitere Niederlage leisten. Da kommt es gerade extrem ungünstig, dass QB Chad Henne immer verunsicherter wirkt. Henne „knipste“ gegen die Ravens drei INTs. Die Dolphins haben mittlerweile reagiert: Tony Sparano macht für diesen Sonntag Chad Pennington wieder zum Quarterback. Pennington, der in der famosen Comeback-Saison der Dolphins 2008 als Neuzugang in Miami so derart sicher das Spiel managte, dass er sogar Stimmen in der MVP-Wahl bekam – nur, um dann im ersten Playoff-Spiel gegen Miami vier INTs zu werfen und früh in der nächsten Saison seinen Job an den jungen Henne zu verlieren. Nun also wieder zurück zu Pennington, dem ein schwacher Wurfarm nachgesagt wird. Möglich, dass all diese Dinge auch in den Überlegungen der Dolphins eine Rolle gespielt haben, deep threat Randy Moss nicht einzukaufen.

Die Titans kommen aus der Bye Week und müssen ebenso gewinnen: Die AFC South ist sehr eng, und mit 5-3 ist Tennessee nur einen Sieg vor dem Tabellenletzten Jacksonville. Hauptfokus der Titans: Mit Randy Moss Plätze schaffen für RB Chris Johnson.

Indianapolis Colts – Cincinnati Bengals

19h, Aufzeichnung bei ESPN America am Montag um 17h30

Die Colts verlieren heuer die engen Spiele, die sie im Vorjahr gewonnen haben. Das ist m.E. das Hauptproblem der Colts. Zweitens natürlich, dass sich ein Receiver nach dem anderen verletzt. WR Austin Collie dürfte den schrecklichen Bildern vom Sonntag nach zu urteilen noch nicht wieder fit sein.

Cincinnati? Ähnliches Problem wie Indy, aber anders gelagert: Sie gewinnen die engen Spiele nicht, ganz einfach, weil sie zu schlampig sein, wenns drauf ankommt. Ende.

Das ist ein Spiel, das unter Umständen hätte ein Spitzenspiel sein können. Aber beide kommen angeschlagen daher, von daher wahrscheinlich nicht wirklich ein sehenswertes Spiel.

New York Giants – Dallas Cowboys

22h15 bei ESPN America

Die Giants versprühen teilweise hammerharte Defense. Besorgniserregend, wie so manche Offense Line von der Front Seven auseinander genommen wurde. QB Tony Romo dürfte ganz froh sein, in diesem Spiel nicht starten zu müssen.

Auf der Gegenseite ist der Pass Rush der Cowboys nur ein laues Lüftchen geblieben. QB Eli Manning sollte hinter einer über meinen Erwartungen spielenden Offense Line einigermaßen Zeit bekommen, seine Receiver zu finden. Und die Receiver haben bisher vieles gefangen, was in ihre Richtung kam. Gemixt mit dem abwechslungsreichen RB-Duo Bradshaw/Jacobs haben die Giants eine herzeigbare Offense.

Die Cowboys dagegen haben sich unter Wert verkauft. Jetzt, da das lange Erwartete passiert ist und Wade Philipps abgesägt ist, geht es für Dallas hauptsächlich darum, den Wert von Jason Garrett zu testen. Garrett war bisher Offensive Coordinator und gefiel mir mit seinen Playcalls ungefähr genauso gut wie einem Blinden seine Brille. Garrett wird seinen Job am Saisonende los sein.

Ich würde meine Moneten eher auf New York setzen. Aber ich habe nicht vergessen, dass die Cowboys eine gute Mannschaft besitzen, die bisher unerklärlich gefloppt ist.

San Francisco 49ers – St. Louis Rams

22h bei Puls 4

Do-or-Die-Spiel (das wievielte eigentlich) für die 49ers. Nach 2-6 Start kann San Francisco tatsächlich den Anschluss an die Divisionsspitze herstellen, wenn gegen St Louis (4-4 und Erster) gewonnen wird.

Die Rams bringen eine attraktive Mannschaft daher, mit QB Sam Bradford, der meinen Rookie-of-the-Year-Tipp immer besser aussehen lässt. Bradford ist mutig und couragiert und scheut nicht davor zurück, auch mal einen Pass in eine etwas engere Deckung zu werfen. Trotzdem basiert die Rams-Offense auf dem Laufspiel von RB Steven Jackson.

Die Niners sind aber grad besonders gut darin, das Laufspiel zu stoppen, allen voran MLB Pat Willis, der die Antithese zu Matt Bowens Theorie gibt: Solider, harter Tackler, überall zu finden und selten einen Tackle verpassend. Die Offense war gegen die Broncos wenig überzeugend, machte aber gerade genug Plays, um Denver zu schlagen. QB Troy Smith ist mir aber noch ein Rätsel. Smith wird ziemlich sicher für den schulterverletzten Alex Smith antreten, und kann wenigsten auf den genesenen TE Vernon Davis setzen. Mal schauen, wie die Linebacker der Rams Davis aus dem Spiel nehmen wollen.

Das Spiel ist extrem wichtig für die 49ers und noch mehr ihren Coach. Wenn die Misere noch anhält, halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass das Management zur Rasur ansetzt und Mike Singletary noch im November rausschmeißt.

Pittsburgh Steelers – New England Patriots

02h20 bei ESPN America und Sport 1+

Ike Taylor mit Coordinator

©Flattr/SteelCityHobbies

Eine Partie, die seit Jahren immer wieder Topspiel-Charakter besitzt. Für mich ist das Duell immer jenes, das das letzte war, bevor ich zum Football kam: Das AFC Championship Game vom Jänner 2002: New England zieht mit dem zurückgekehrten Ex-Franchise-QB Drew Bledsoe in die Superbowl ein, wo der neue Starter Tom Brady beginnt, New England zur NFL-Macht zu machen.

Im Herbst 2004 zerstörten die wiederauferstandenen Steelers die Rekord-Serie der New England Patriots: Im Heinz Field wurde New Englands Laufspiel zertrümmert und mit Rookie QB Ben Roethlisberger deutlich gewonnen. Die Strafe der Pats folgte erneut im AFC Finale: Mit einer derartigen Eiseskälte wurde die Steelers erneut im Heinz Field auseinandergenommen, da fröstelte es bis ins heimische Zimmer. Schon zur Halbzeit 24-3 und gelichtete Reihen im Stadion. Als Deion Branch gegen Spielende winkend einen End Around zum 41-27 in die Endzone trug, war klar: New England würde mal wieder Superbowl-Champ werden.

2007 wollten die Steelers im Dezember die Perfect Season der Pats zerstören: Nix da, Pats dominierten von Beginn an und gewannen 34-13. Die Pats gewannen die Big Points. Und führen nach Superbowls 3-2 in dieser Dekade – zweimal nach „Halbfinalsiegen“ über Pittsburgh.

Dieses Mal kommen beide leicht angeschlagen daher: New England wurde von einem anderen AFC North-Team verprügelt – den Browns! – Pittsburgh hatte im divisionsinternen Duell mit Cincinnati alle Mühe und siegte nur dank der Dämlichkeit der Bengals. Schmerzhaft am Sieg: Safety Allen, RB Moore und RB Redman wurden jeweils ausgeknockt. Es ist noch nicht sicher, ob das Trio wieder einsatzbereit sein wird. Medizinische Tests werden notwendig.

Wichtiger Ausfall auch in New England: Kicker Stephen Gostkowski (All-Pro Kicker 2008) hat eine Beinverletzung und wird heuer nicht mehr für New England spielen. Shayne Graham ist der Neue. Graham ist kein Unbekannter: Galt zu seinen Zeiten in Cincinnati als Top-Kicker, nur um in den vergangenen Wild Card Playoffs reihenweise kurze Field Goals zu verschießen, was an dem Tag gut zu den Bengals passte – aber mehr als mitentscheidend für das Erstrundenaus der Bengals war.

Ich halte beide trotzdem für NFL-Top-5-zugehörig. New England war über Wochen sehr abgebrüht, Pittsburgh machte stets in engen Spielen genügend Plays, um den Sieg herauszuwürgen.

Was vergessen? Ach ja, und genau das sind die Markenzeichen der fünf Steelers/Patriots-Titelmannschaften in den letzten zehn Jahren…

Der Montag

Washington Redskins – Philadelphia Eagles

02h30 bei ESPN America und Sport 1+

Das Spiel gab es schon einmal Anfang Oktober – es war das Spiel, als sich Michael Vick bei einem langen Scramble die Rippen verstauchte. Washington entkam mit einem herausgewürgten 17-12 Sieg, bei dem die ersten 14 Punkte nach wenigen Minuten erzielt waren und danach mehr oder weniger unansehnlicher Football gespielt wurde.

Philly kommt mit Vick nach Landover, Maryland. Ich wäre überrascht, wenn die Eagles wieder so schlecht vorbereitet erscheinen würden wie damals und ein Viertel zur Eingewöhnung brauchen. Daher glaube ich auch an einen Eagles-Sieg, zumal die Skins seit Wochen unter den Erwartungen spielen.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #2: Baltimore Ravens

Zweiter Teil der Vorstellungsreihe „NFL-Teams“ bei Sideline Reporter. Ich habe für die Präsentation der Baltimore Ravens einen eingefleischten Fan gewinnen können: Blogger huddle*, der seit seinem Auslandssemester vor einigen Jahren Anhänger von Ray Lewis und Kumpanen ist. Dankeschön!

* „Huddle“ scheint mittlerweile als „David52“ in unseren Breitengraden unterwegs zu sein und auf Football-Stammtisch zu bloggen.

Vorgeschichte

1995 entschied der Besitzer der Cleveland Browns, seine Franchise nach Baltimore im Bundesstaat Maryland (bei Washington DC) zu verfrachten. Das „neue“ Team sollte ursprünglich Baltimore Colts genannt werden. Doch weil es die Baltimore Colts, ein  Vorgänger-Team der Indianapolis Colts, bereits in den 1950er Jahren gegeben hatte, wollte man einen anderen Namen suchen. Fans und Einwohner Baltimores hatten wochenlang Zeit, Vorschläge für einen geeigneten Namen einzureichen. Letztendlich entschied man sich für den Namen Baltimore Ravens. „The Raven“ ist ein bedeutendes Werk des in Baltimore  gestorbenen Schriftstellers Edgar Allan Poe. Die Wahl des Namens spaltete Football-Fans in ganz Amerika in zwei Lager: jene, die den Namen aufgrund des unattraktiven Erscheinungsbilds eines Rabens unglücklich fanden und jene, die gerade das Unübliche an diesem Namen so schätzten.

Die Anfänge

In ihren ersten drei Saisons von 1996 bis 1998 spielten die Ravens unter Coach Ted Marchibroda eher schlecht als recht. 16 Siege, 31 Niederlagen und 1 Unentschieden war die ernüchternde Bilanz. Die Ravens spielten zu der Zeit eine Art Football, die wenig Begeisterung bei den Zuschauern auslöste. Mit einer ideenlosen Offense verließ man sich meist auf die relativ solide Defense und bewegte sich mit dieser Spielweise knapp oberhalb des NFL-Abgrunds.

Doch nicht alles war schlecht: Im Draft von 1996 sicherten sich die Ravens mit dem #26 Overall-Pick einen gewissen Ray Lewis, der Herz, Hirn, Milz, Niere, Leber, Magen, Darm und Seele der Ravens werden sollte. Aber dazu später mehr.

Der Beginn der Billick-Ära

1999 übernahm Brian Billick bei den Ravens. Und der neue Coach brachte ordentlich Schwung in den Laden. Er war verantwortlich für die Verpflichtung des zuvor bei den Rams spielenden Quarterbacks Tony Banks, der bei Baltimore gut mit Wide Receiver Qadry Ismail harmonierte und der Offense Frische verlieh. Die Ravens absolvierten ihre erste nicht negative Saison (8-8).

Year 2000

Es gibt wohl kein Jahr, welches die Baltimore Ravens besser beschreibt, als das Jahr 2000, auch wenn das Ende sicherlich ein bisschen zu viel Hollywood ist.

Vor der Saison drafteten die Ravens einen Raketen-RB mit Jamal Lewis, der im Jahr 2003 einer von bis zum damaligen Zeitpunkt fünf Running Backs werden sollte, der die 2000-yd-Marke innerhalb einer Saison geknackt haben. (CJ2K stolperte damals schließlich noch über High-School-Plätze.) In seiner Rookie-Saison kam Jamal Lewis auf eindrucksvolle 1364 Rushing Yards.

Wesentlich angsteinflößender für gegnerische Teams war jedoch die Ravens-Defense. Was Defensive Coordinator Marvin Lewis damals auf die Beine stellte, war wohl eine der stärksten Defensive Units, die je dieses Spiel gespielt haben. Die Ravens-D stellte einen NFL-Rekord auf, bezüglich zugelassener Punkte in der Regular Season. Mit 165 Punkten unterboten sie den bisher geltenden Rekord der 1986er Chicago Bears, die 186 Punkte zuließen.

Die Ravens begannen die Saison 5-1. Doch in den darauf folgenden fünf Spielen erlebte Baltimore eine Durststrecke und erzielte in keinem dieser fünf Spiele einen Offensive Touchdown (!). Noch beeindruckender ist jedoch, dass das Team trotzdem zwei dieser Spiele wegen überragender Leistungen der Defense gewann. Nach dieser Durststrecke übernahm Trent Dilfer als Quarterback und die Ravens gewannen jedes der verbleibenden sieben Spiele. Mit einem Record von 12-4 erreichte Baltimore erstmals die Playoffs. Im Wildcard-Game gegen die Denver Broncos gewannen die Ravens problemlos 21-3. Dann ging es zu den Tennessee Titans. Nach dem vierten Quarter stand es 10-10. Ein Interception-Return-TD von Ray Lewis entschied die Partie. Im AFC Championship Game gegen die Oakland Raiders war relativ früh klar, wer in den Super Bowl einziehen würde. Ein spektakulärer 96-Yard-TD-Catch von Shannon Sharpe, eine Verletzung von Raider-QB Rich Gannon sowie eine gewohnt eisenharte Ravens-Defense führten zu einem 16-3 Sieg.

Im Super Bowl waren die Ravens gegen die New York Giants krasser Außenseiter, gewannen aber 34-7. Kurios: In diesem Spiel entstanden innerhalb von drei direkt aufeinander folgenden Plays drei Touchdowns. Ravens-CB Duane Starks punktete mit einem Interception-Return-TD. Den darauf folgenden Kick brachte Giants-Returner Ron Dixon in die Endzone. Und gleiches gelang Ravens-Returner Jermaine Lewis beim anschließenden Kick der Giants.

Ray Lewis wurde zum Super-Bowl-MVP sowie zum Defensive Player of the Year ernannt und spielte mit seinen Teamkollegen Rod Woodson (SS) und Sam Adams (DT) im Pro Bowl.

2001-2007

In den Jahren nach dem Super-Bowl-Sieg blieb den Ravens die starke Defense zum größten Teil erhalten. Doch auch die eindimensionale Offense änderte sich nicht. Der 2003 gedraftete QB Kyle Boller hielt nie, was man sich von ihm versprach und so war es einzig RB Jamal Lewis, der Yardage produzierte, unterstützt vom überragenden LT Jonathan Ogden. Die Ravens wurden wie in den Jahren vor dem Super Bowl wieder Liga-Mittelmaß und retteten sich 2001 und 2003 dank ihrer guten Defense jeweils mit 10-6 ins Wild Card Game, wo sie kläglich scheiterten. 2006 spielte Baltimore dank QB Steve McNair eine solide Runde (13-3) und schied in einem denkwürdigen Playoff-Spiel aus. Das 6:15 bei den Indianapolis Colts war das bisher einzige Playoff-Spiel der NFL-Geschichte, in dem keine Touchdowns, sondern nur Field Goals erzielt wurden. Nach einer katastrophalen Saison 2007 (5-11) trennten sich die Ravens von Brian Billick.

Die neue Ära

2008: Das große Jahr der Veränderungen bei den Ravens. Brian Billick ging, Jamal Lewis ging, und einige Neue kamen. Hier die wichtigsten personellen Veränderungen: Headcoach John Harbaugh, Offensive Coordinator „Cam“ Cameron, Rookie-QB Joe Flacco, Rookie-RB Ray Rice.

Diese vier Personen haben großen Anteil an dem sich nach wie vor vollziehenden Veränderungs-Prozess der Ravens. Zwar zählt die Defense immer noch zu den stärksten der Liga. Doch in Baltimore hat man nun das Passspiel für sich entdeckt. Flacco warf in seiner ersten Saison für 3000 Yards sowie 14 TDs und brachte 60% seiner Pässe an den Mann. Die Ravens spielten eine starke Saison, und kamen mit ihren Rookie-Coach und QB bis ins AFC Championship Game und scheiterten dort mit 14-23 bei den Pittsburgh Steelers, was die ohnehin schon große Rivalität der beiden AFC North Division Rivals um ein vielfaches anheitzte. In der Saison 2009 zog Baltimore erneut in die Playoffs ein. Im Wild Card Game fegten die Ravens die New England Patriots aus dem Gillette Stadium. Nach dem ersten Quarter stand es bereits 24-0. Doch in der nächsten Runde scheiterte das Team von Harbaugh am späteren Super-Bowl-Teilnehmer Indianapolis. Ray Rice spielte in diesem Jahr überragend und produzierte mehr als 2000 Yards from Scrimmage. Mit seinen 700 Receiving Yards zeigte der kleine Wirbelwind, wie vielseitig er ist.

Die diesjährige Mannschaft

Head-Coach John Harbaugh: Er ist für mich der Jürgen Klopp der NFL: Jung, dynamisch und immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Er begeistert die Menschen in der sonst so unattraktiven Industriestadt Baltimore, die die vierthöchste Kriminalitätsrate unter amerikanischen Großstädten aufweist. Seit Harbaugh die Ravens trainiert, ist das 70.000 Menschen fassende M&T-Bank-Stadium stets ausverkauft.

Offensive-Coordinator Cam Cameron: Cameron ist ein absolutes Schlitzohr. Trick Plays sind bei ihm keine Seltenheit. Daher hat man als Ravens-Fan in den vergangenen Jahren oft Flea Flicker, Wild Cats und dergleichen gesehen.

Defense: Auch wenn die Defense sicherlich nicht mehr so dominant ist, wie sie es vor knapp zehn Jahren war, gehört sie immer noch zu den stärksten in der NFL. DE Haloti Ngata räumt alles aus dem Weg, was ihm in die Quere kommt. Mit CB Ladarius Webb hat Baltimore einen der am meisten unterschätzten Spieler der Liga. Safety Ed Reed liest das Spiel so gut wie kaum ein anderer auf seiner Position. Und neben der OLB-Maschine Terrell Suggs (dem am höchsten bezahlten Linebacker der NFL) gibt es da noch MLB Ray Lewis. Ray Lewis IST Baltimore und Baltimore ist Ray Lewis. Und jedes Mal, wenn Leute munkeln, Lewis könne jetzt langsam zu alt werden, bestätigt er durch Mega-Hits, dass er immer noch dazu gehören muss. Bei der Wahl der besten Spieler aller Zeiten von Experten auf NFL.com landete Lewis auf Platz 18. Legendär ist sein Einmarsch samt Tänzchen im heimischen Stadion.

Offense: Bis vor drei Jahren hätten hier nur zwei Wörter gestanden: „Jamal Lewis“. Doch die Zeiten sind vorbei. Neben den starken RBs Ray Rice und Willis McGahee sowie Pro-Bowl-FB LeRon McClain verfügen die Ravens über einen der besten WR-Corps der Liga. Anquan Boldin, Derrick Mason, TJ Houshmandzadeh, Donte Stallorth, TE Todd Heap und im Grunde auch Ray Rice – das kann sich sehen lassen. Ein solches Arsenal an Receivern ist ein Traum für jeden Quarterback. Und da wären wir auch schon beim Zünglein an der Waage. Bei den Ravens steht und fällt alles mit QB Joe Flacco. Nach seiner für Rookie-Verhältnisse fantastischen Premieren-Saison 2008 rechnete jeder in Baltimore damit, dass sich Flacco zu einem der absoluten Top-QBs der Liga entwickeln würde. Diese Entwicklung blieb bisher aus. Flacco spielt solide, mehr aber nicht. Noch zu oft fehlt ihm einfach das Auge für den offenen Receiver oder die Genauigkeit im Pass. Vielleicht braucht Flacco noch dieses eine Jahr, um sich an die neuen Receiver und die Rolle eines Quarterbacks zu gewöhnen in einem Team, das immer mehr auf den Pass setzt und dank einer eisenharten Defense in diesem und sicher auch im kommenden Jahr ein Kandidat für den ganz großen Wurf ist.

Das Stadion

M&T Bank Stadium

©Flattr/Iswicicki

Seit 1998 spielen die Ravens im M&T Bank Stadium, das für Footballspiele 71.000 Zuschauer fasst und im klassischen Outdoor-Stil gebaut wurde.

Eckdaten

Gegründet: 1996
Besitzer: Steve Bisciotti (Aerotek/Allegis)
Division: AFC North
Erfolge: Superbowl-Sieger 2000 und 2012, 9x Playoffs (14-7)