Amerikas Guy Roux: Joe Paterno

Moin! Diesmal werden zwei der legendärsten Trainer des College Football kurz portraitiert. Ich beginne mit Joe Paterno. Im zweiten Teil stellt Gast-Autorin Seminole einen zweiten Coach vor! Vorerst ist das als Zweiteiler geplant. Vielleicht gibt es in Zukunft weitere Teile.

Joe Paterno a.k.a. The Legend

Joe „JoePa“ Paterno, a.k.a. The Legend

Wer kennt noch Guy Roux, den legendären Trainer von AJ Auxerre? Roux war 44 Jahre lang Übungsleiter beim französischen Erstligisten. Astonishing, würden die Amerikaner dazu sagen…

…gäbe es da nicht einen gewissen Joe Paterno. Denn Paterno stellt selbst Roux in den Schatten. Schlanke 61 Jahre steht der Mann nun schon in Diensten der Pennsylvania State University, mittlerweile das 45. Jahr als Head Coach der Nittany Lions, nach 16 Jahren Einlernphase als Assitenzcoach. Der Mann sprengt alle Rekorde. Man muss sich das vorstellen: 56% der Spiele der Nittany Lions wurden von Paterno gecoacht. Penn State spielt seit 1887 Football!

Vergangenes Wochenende schaffte Paterno Historisches – mal wieder: Als erster Coach der College-Sportgeschichte holte sich Paterno den 400. Sieg in der Division I. Paterno musste dafür zittern: Seine Berglöwen lagen mit drei Touchdowns zurück, ehe das Spiel gegen die Northwestern noch auf 35-21 umgebogen werden konnte. Schon beeindruckend, wie die Jungspunde danach den fast 84 Jahre alten Coach aus dem Stadion getragen haben.

Paterno, der Trophäenhamster

Paterno ist New Yorker, geboren 1926 in Brooklyn. Nach seinem Uni-Abschluss entsetzte der junge Mann seine Eltern durch seine Karrierewahl: Er lief seinem Football-Coach nach, um 1950 an der Penn State University dessen Assistent zu werden. Seit 1966 nun steht der Mann selbst am Kommandostand und hat bemerkenswerte Erfolge eingefahren.

Fünfmal coachte er seine Mannschaften zu einer Perfect Season (blieb ungeschlagen). Dummerweise wurde nur eine einzige davon auch zum National Champion gewählt (1986). Aber so ist College Fooball, und auch wenn Paterno verständlicherweise ein Befürworter von Playoffs ist, wird sich daran vorerst nichts ändern. Paterno hatte schon vorher eine erste Meisterschaft nach Pennsylvania geholt: 1982.

Die Liste der Errungenschaften liest sich auch abseits der allerhöchsten Ehren beeindruckend: 36 Bowls in 44 Jahren mit 24 Siegen, drei Big-Ten-Titel seit 1993, Siege in allen wichtigen Bowls, die wir während der Blogpokal-Woche vorgestellt hatten. 29 Mal beendeten seine Nittany Lions die Saison in den Top 10 der Rankings. Paterno gewinnt im Schnitt drei Viertel der Spiele.

Joe Paterno Statue am Beaver Stadium

Die Statue am Penn-State-Stadion, dem „Beaver Stadium“ – ©Flattr/ColeCamp

[EDIT: Die Statue wurde im Zuge des Pädophilie-Skandals um den Assistenztrainer Sandusky mittlerweile entfernt – korsakoff]

Paterno in Indiana

JoePa hat seit Frühjahr 2006 seine Statue in der College Football Hall of Fame in South Bend, Indiana, hineingewählt gerade ein paar Jahre, nachdem ihn erste Stimmen aufgrund angeblicker Verkalktheit hatten absägen wollen. Des Coaches Antwort: Eine 11-1 Saison im Herbst 2005 und eine Einladung in die Orange Bowl im Jänner 2006.

Ein legendäres Spiel, nicht, weil Penn State die Florida State Seminoles 26-23 putzte. Viel beeindruckender das Bild der beiden junggebliebenen Coaches: Auf der einen Spielfeldseite Paterno, auf der anderen Paternos Kumpel und die zweite große Trainer-Legende im Division-I-A-College Football: Bobby Bowden, damals 77 und heute mit 377 Siegen hinter Paterno die #2 in der höchsten Kategorie.

Paterno, der Ambivalente

Der Mann ist bekannt dafür, von seinen Spielern nicht nur harte Hits, sondern vor allem auch gute Noten zu erwarten: Seine Alumnis sind in dieser Hinsicht die Zweitbesten in der BigTen. Gegen die Northwestern auf diesem Gebiet zu verlieren, ist wahrlich keine Schande. Auch privat gilt der Mann als intellektuell, sammelte u.a. Spenden für Bibliotheken.

JoePa ist auch bekannt als Spezl von Mr. President, Gerald Ford, und Mr. President, George Bush Sr., und gilt als eingefleischter Republikaner. Paterno unterhält einen diesbezüglich verschieden gelagerten Haushalt: Während ein Sohn republikanischer Gouverneur-Kandidat war, unterstützte ein anderer öffentlich Barack Obama. Nicht dass das ein Problem für den Mann wäre: Paterno kann darüber nur schmunzeln.

Paterno ist bei weitem nicht einer der bestverdienenden Coaches, trotz seines Legenden-Status. Trotzdem hat man nie ein böses Wort von seiner Seite zu diesem Thema vernommen.

Paterno zum Frühstück

So. Wer Lust bekommen hat auf den schmächtigen Mann, der möge am Samstag seine Feieraktivitäten im Rahmen halten, um am Sonntagmorgen ab 5h30 (das Spiel gibt es nur als Aufzeichnung auf ESPN America) der heißen Auseinandersetzung von Paternos Nittany Lions mit den Ohio State Buckeyes beiwohnen zu können. Oder seinen Samstagabend verlängern, wie auch immer.

Zwischen Penn State und Ohio State gibt es eine lange Tradition – begründet schon zu Zeiten, als Penn State noch Independent war – und beide Unis besitzen Stadien mit über 100.000 Plätzen. Ohio State ist an #9 gerankt und hat noch eine kleine Chance auf den BigTen-Titel und die damit verbundene automatische Einladung in die Rose Bowl, und Paternos Jungs würden das natürlich liebend gerne verhindern.

Paterno selbst wird wie immer an der Seitenlinie stehen. Und mit etwas Glück kommen wir sogar in den Genuss und erleben, wie sich JoePa mal wieder mit den Refs fetzt…

8 Kommentare zu “Amerikas Guy Roux: Joe Paterno

  1. Pingback: Faszination College Football « Sideline Reporter

  2. Great goods from you, man. I have remember your stuff prior to
    and you are simply too wonderful. I actually like what you’ve acquired here, really like what you’re stating and the way in which by which you assert it. You are making it enjoyable and you continue to take care of to stay it smart. I can not wait to learn far more from you. That is actually a great web site.

  3. Pingback: Faszination College Football II: Grundwissen auf einen Blick | Sideline Reporter

  4. Warum wurde seine Statue entfernt wenn sein Assistent in solch einen Skandal verwickelt war?

  5. Pingback: Faszination College Football II: Grundwissen auf einen Blick | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.