NFL Week #11 Preview: Miami Dolphins – Chicago Bears

Do./Fr. 02h30, ESPN America

Zwei Sieger vom Sonntag treffen aufeinander, aber nicht mit den gleichen Vorzeichen. Denn in Miami herrscht akute Quarterback-Not. Coach Tony Sparano hatte vergangene Woche überraschend Starter Chad Henne auf die Bank gesetzt. Henne musste gegen die Titans aber schon nach wenigen Minuten ran, weil Nachfolger Chad Pennington sich zum x-ten Mal seine Schulter im Wurfarm kaputt gemacht hat. Henne spielte nicht lange, in Viertel drei war auch er mit Knieverletzung raus. Nur vielleicht kehrt Henne im laufe der aktuellen Saison zurück.

Die Verzweiflung ging so weit, dass gestern Gerüchte aufkamen, ex-Raiders-QB JaMarcus Russell als möglichen Notnagel einzustellen. So weit ging es doch nicht: Der neue Mann heißt Pat Ramsey, ehemaliger Redskins-QB und unter Steve Spurrier und Joe Gibbs grandios gescheitert. Starter wird aber wohl Tyler Thigpen sein, der das Spiel am Sonntag souverän nach Hause schaukelte.

Die Fins plagen auch anderweitig Verletzungsprobleme. LT Jake Long ist nicht fit. Long ist wichtig für Miami, vor allem weil die Bears mit DE Julius Peppers einrücken. Die Offense Line wird dringend gebraucht, denn Miami muss in diesem Spiel das Laufspiel durchbringen. Am Sonntag klappte das gegen Tennessee nicht wirklich.

In der Defense ist DE Cam Wake womöglich trotz Hüftenschmerzen dabei. Wake ist ein ehemaliger CFL-Spieler der BC Lions und seit eineinhalb Jahren ein schnell aufgestiegener Pass Rusher in Miami. Wake dürfte heiß darauf sein, seine Stats gegen den schwache Bears-Offense Line weiter aufzupolieren.

Die Chicago Bears haben am Sonntag überrascht. Die Offense Line ließ kaum Druck der Vikings über außen zu, dafür durften die Defensive Tackles immer wieder fast zu QB Jay Cutler durch. Cutler warf aber immer rechtzeitig den Ball weg, häufig auf kurze Slant-Routen. Tief ging Cutler kaum. Auch wenn der Mann schlampig spielte und u.a. einen Pass in Doppeldeckung in die Endzone schmetterte: Cutler machte ausreichend Plays, um die Vikes ein ums andere Mal bei 3rd Down zu verbrennen.

Die Bears Defense ist sehr beeindruckend. Sie ist nicht spektakulär, aber spielt aggressiv, besonders bei Third Downs. Mit Laufspiel ist den Bears nur schwer beizukommen, und wer sich als QB traut, zu oft tief in die Secondary zu werfen, wird mit einiger Sicherheit ein oder zwei Turnovers produzieren.

Auch wenn es vor allem bei Donnerstagsspielen vor allem für Auswärtsmannschaften schwer ist: Die Bears haben eigentlich alle Voraussetzungen, um das Spiel zu gewinnen. Es sei denn, Cutler reist mit nervösen Fingerchen an…

NFL-Franchises im Kurzporträt, #3: Miami Dolphins

Am Mittwoch habe ich die Atlanta Falcons vorgestellt. Die wurden 1965 als NFL-Team in Atlanta gegründet. Die AFL hatte das Nachsehen und musste sich nach anderen Standorten umsehen. Das vom College Football dominierte Florida (Profi-Footballmannschaften damals: null) erlebte grad seine Boomzeit, mit einer rasant wachsenden Bevölkerung rund um Miami.

Der Fisch entschlüpft

Geschäftsmann Joe Robbie entschied sich mit dem AFL-Präsidenten gegen den US-Norden und für das warme Florida mit und gründete gemeinsam mit Schauspieler Danny Thomas Anno 65 die Miami Dolphins. „Dolphins“ war das Ergebnis einer Abstimmung unter tausenden Fans.

Und die jungen Meeressäuger starteten standesgemäß in ihr Abenteuer: 15-39-2. Das ist die Sieg-Niederlage-Remis-Bilanz in den ersten vier Jahren. Der radikale Umschwung setzte mit dem Anheuern von Coach Don Shula im Winter 1970 ein. Shulas Verpflichtung kann so was wie die franchise-definierende Entscheidung angesehen werden, denn von nun an ging es mächtig aufwärts und die Dolphins hüpften an die Spitze der NFL: Erste Super-Bowl-Teilnahme (mit Niederlage) 1971.

14-0

Legendär ist die Mannschaft von 1972, das bis heute einziges NFL-Team in der Superbowl-Ära ohne eine einzige Saisonniederlage. Das grottenschlechte Endspiel gewannen die Fins mit 14-7 gegen Washington und noch heute kommen die übrig gebliebenen Spieler zum Sekttrinken zusammen, wenn die letzte NFL-Mannschaft ihr erstes Spiel verliert. Ein Jahr später wiederholte Miami den Titelgewinn, allerdings diesmal mit zwei Saisonpleiten. Mit dem Abgang des populären Fullbacks Larry Csonka gen World Football League ging die Erfolgsserie erst einmal zu Ende. Nur in der Streiksaison 1982 erreichte man noch einmal die Superbowl, würde aber von den Washington Redskins gerächt.

Die #13

Ab Anno 83 dann eine weitere p-r-ä-g-e-n-d-e Figur in Miami: QB Dan Marino. Marino sollte in den kommenden 17 Jahren sämtliche Pass-Rekorde pulverisieren und gleich in seinem zweiten Jahr die Superbowl erreichen – gleichzeitig zum letzten Mal seiner Karriere. Mit 16-38 wurden Marino und Co. verprügelt. Der Quarterback mit der Nummer 13 und dem Zahnpastalächeln versuchte sich noch einige Male an seiner Nemesis „Superbowl“. Erfolglos: 1999 wurden seine Dolphins in seinem letzten Spiel in Jacksonville brutal mit 7-62 niedergemacht. Schon vier Jahre zuvor hatte die Ära Don Shula nach erfolgreichen 25 Jahren und einer 17-14 Playoffbilanz geendet.

Run, Run, Run

Aktuell sind die Dolphins weniger ein Luftangriffs-Team, sondern mehr ein mit Laufspiel agierendes. Eingeläutet wurde der Trend vom Shula-Nachfolger Jimmy Johnson (siehe auch im Kapitel „Dallas Cowboys“ nach) noch in den späten 90ern, als der QB noch Marino hieß.

Ohne Franchise-QB waren die Fins aber trotz einiger großartiger Spieler wie RB Ricky Williams, RB Ronnie Brown, MLB Zach Thomas oder DE Jason Taylor zuletzt eher im Mittelmaß unterwegs. 2007 hätte man fast das Kunststück der 72er Mannschaft wiederholt – mit der Null auf der falschen Seite: Erst im drittletzten Spiel der Saison wurde der erste Saisonsieg eingefahren. Unter dem neuen Head Coach Tony Sparano ging es zuletzt aber wieder leicht bergauf.

Das Joe Robbie/Pro Player/Dolphins/Dolphin/Land Shark/Sun Life Stadium

Miami Dolphins Stadium©Flickr/Mr. Usaji

Seit 1987 spielen die Fins im Stadion mit den vielen, vielen Namen. Nicht einmal das Hamburger Fußballstadion kommt auf eine derartige Anhäufung an Namenswechseln im Laufe von so wenigen Jahren. Das Stadion hat zuletzt zweimal die Superbowl gesehen. Die Fans werden auch Dolfans genannt.

Rivalitäten

New York Jets. Als die New England Patriots noch nicht über Jahre die Division dominierten, teilten sich Jets und Dolphins jahrelang die Divisionssiege untereinander auf. Zwischen den beiden gab es sehr viele enge, spannende Spiele. Stellvertretend seien das „Fake-Spike“-Spiel zu Thanksgiving 1994 und das unglaubliche Monday Night Spiel 2000 genannt. Oft genug passierte es, dass eine Mannschaft der anderen gegen Saisonende mit einer Niederlage noch die Playoffteilnahme vermieste, zuletzt 2008 geschehen, als die Dolphins mit Ex-Jets-QB Chad Pennington am letzten Spieltag im Giants Stadium die Jets putzten und anstelle der Gang Green selbst in die Post Season einzogen. Zwischen beiden Mannschaften gab es auch in jüngster Zeit gerne mal hitzige Wortgefechte. Besonders hervor tat sich dabei Ex-Dolphins-DE Jason Taylor. Taylor spielt mittlerweile bei den Jets…

Weniger heiß sind die Auseinandersetzungen mit den Buffalo Bills und den New England Patriots. Bei ersteren zieht sich die Brisanz vor allem aus den Gegensätzlichkeiten der beiden Städte: Das kalte, raue Buffalo mit Schneestürmen schon im Spätherbst auf der einen Seite, die warme Ferienregion Südflorida mit Badewetter bis spät in den Herbst hinein, auf der anderen. Bei den Patriots geht es besonders um die letzten Jahre, v.a. 2007, als Miami riskierte, sieglos zu bleiben und New England bis 35 Sekunden vor Saisonende den Allzeit-Rekord der 72er auszulöschen drohte.

Eckdaten

Gegründet: 1965
Besitzer: Stephen Ross (95%, Related Companies) und eine Reihe von Kleinaktionären
Division: AFC East
Erfolge: Superbowl-Sieger 1972 und 1973, Superbowl-Verlierer 1971, 1982 und 1984, 22x Playoffs (20-20)