NFL Week #11 Preview [Update]

An einem Wochenende, das in meiner Wahrnehmung ganz schwer vom Regular-Season-Highlight New England – Indianapolis und dem CFL-West Finale Calgary – Saskatchewan überstrahlt wird, gibt es auch noch anderweitig NFL-Football zu sehen. Beginnend mit dem Donnerstagsspiel und einer Reihe interessanter Sonntagsspiele.

National Football League

Minnesota Vikings – Green Bay Packers

Sonntag, 19h bei ESPN America Kurzfristige Programmänderung: Das Spiel wird nur mehr am Montag, 15h30 bei ESPN America aufgezeichnet. Sport 1+ überträgt es dafür ab 19h live.

Brett Favre gegen Green Bay, die Vierte. Mir geht der Hype langsam auf den Sack.

Viel interessanter ist die Personalie Brad Childress. Childress, ehemaliger Offensive Coordinator der Eagles, kam im Winter 2006 nach einer Seuchensaison in Philly nach Minnesota. Der neue Owner Zygi Wilf verlangte von Childress vor allem eines: Den Sauhaufen Vikings aufzuräumen. Stichwort: Love Boat. Childress rasierte Franchise-QB Daunte Culpepper (zwei Saisons zuvor noch mit 39 TD-Pässen) und sorgte dafür, dass sich die Lilafarbenen außerhalb des Spielfels in angemessenerem Rahmen verhielten. Childress blieb gegenüber den Medien ein komischer Kauz, baute aber Stein für Stein eine immer dominanter werdende Vikes-Mannschaft zusammen.

Im Sommer 2009 hatte Childress das Glück, mit QB Brett Favre den finalen Baustein quasi geschenkt zu bekommen. Die Vikes waren im Jänner eine Dummheit von Favre von der Superbowl-Teilnahme entfernt. Nach dem langen Versteckspiel und der erschreckend langen Leine, an die Childress dem egomanischen QB heuer legte, wirkt das Verhältnis Childress-Favre zerrüttet. Dazu kommt die unsägliche Randy-Moss-Geschichte. Ich gehe nicht davon aus, dass Wilf Childress noch während der laufenden Saison rausschmeißt, aber nach Saisonende dürfte es um Childress geschehen sein.

Was bleibt Childress trotz 3-6 aktuell anderes übrig, als mit Favre weiterzumachen? Die Playoffs sind nicht außer Reichweite, trotz der unguten Ausgangslage. Favre ist immer noch gehemmt durch verschiedenste Wehwehchen, die sehr verständlich sind bei den Hits, die der Opa einstecken muss.

Green Bay ist mehr oder weniger eine reine Pass-Mannschaft. QB Aaron Rodgers macht das immer besser, seit der lauen Vorstellung gegen Washington Anfang/Mitte Oktober habe ich die Packers allerdings nicht mehr bestaunen dürfen. Und auch die Defense spielt immer besser. Die Packer sind definitiv trotz der vielen Verletzungen nicht außer Acht zu lassen.

Auf jeden Fall ist es ein eminent wichtiges Duell für beide. Minnesota hilft einzig ein Sieg. Green Bay kann das direkte Duell gegen Chicago höchstens noch ausgleichen und sollte sich wohl keine weitere Divisions-Niederlage erlauben.

New England Patriots – Indianapolis Colts

Sonntag, 22h15 bei ESPN America und zeitversetzt ab 00h45 bei Puls 4

Zur Vorgeschichte sollte fast alles gesagt sein.

Die Patriots kommen von einer unglaublich dominanten Vorstellung in Pittsburgh zurück. Ohne lange Zeit überhaupt zu versuchen, eine ausbalancierte Offense zu spielen, wurden die Steelers nach Strich und Faden vorgeführt, so wie ich es lange nicht mehr gesehen habe. QB Tom Brady mit einer Passorgie, die ihresgleichen sucht, und fast alles ging auf. In Halbzeit zwei wurde auch noch mit Laufspiel angefangen und es klappte wie am Schnürchen. Schwer zu glauben, dass die Colts da mehr entgegenzusetzen haben als die Steelers.

Indianapolis spielt eine unkonstante Saison. QB Peyton Manning gehen nach und nach die Anspielstationen flöten und trotzdem hält der Mann den Laden zusammen, so gut es geht. Berauschend spielt die Mannschaft nicht, aber das hat sie selbst beim 14-0-Run vor einem Jahr nicht getan. Damals haben sie trotzdem immer wieder die knappen Spiele gewonnen, die sie heuer verlieren.

Eigentlich sollten die Patriots favorisiert sein. Aber die Spiele zwischen den beiden waren fast immer so knapp, dass ich mir keine Prognose zutraue.

Philadelphia Eagles – New York Giants

So./Mo. 02h20 bei ESPN America

Höchst unterschiedliche Wochenenden, die die beiden hinter sich haben. Die Giants wurden im eigenen Stadion von den Dallas Cowboys mit Interimscoach und Backup-QB verdient geschlagen. Enttäuschend hat die Defense gespielt.

Die Eagles dagegen kommen im Stimmungshoch daher: 59 Punkt in Washington erzielt und dabei vor allem von QB Michael Vick eine dermaßen brillante Vorstellung geliefert bekommen, dass unmittelbar nach dem Spiel die Hall of Fame Vicks Trikot angefordert hat. Der ehemalige Hundequäler spielt so gut wie zu seinen Falcons-Zeiten niemals. Das mag daran liegen, dass Vick als geläutert gilt.

Aber ganz bestimmt auch an Head Coach Andy Reid und Marty Mornhinweg, der zwar ein fürchterlicher Unsympath ist, dafür ein sehr, sehr guter Offense Coordinator. Während Vicks Talente in Atlanta in einem auf Timing basierten System von Jim Mora jr. schlicht verschwendet wurde, lässt Reid Vick von der Leine. Keine Three-Step-Drops mehr, dafür ein agiler Vick, der sich in der Pocket mehr bewegt als andere QBs, aber endlich komfortabel wirkt. Und tiefe Pässe en masse einstreuen darf. Insgesamt SECHS Touchdowns gegen Washington. Pass-Rating von 115 über die Saison.

Vick wird zum Saisonende den letzten großen Vertrag unterschreiben. Mit jedem Top-Spiel wird der Mann teurer. Was Vick schon jetzt erreicht hat: Philadelphia ist ein Zuschauermagnet geworden: Das Spiel von Woche 12 gegen Chicago wird aus diesem Grund um drei Stunden zurückverlegt auf einen attraktiveren Sendeplatz.

Pittsburgh Steelers – Oakland Raiders

Mo. 15h30 auf ESPN America (Aufzeichnung) ESPN America hat das Spiel ins Live-Programm aufgenommen. Sonntag um 19h wird es live übertragen.

Ein AFC-Klassiker. Die Rivalität geht bis in die 70er zurück, als auf der einen Seite die Steelers mit Coach Chuck Noll und QB Terry Bradshaw viermal Superbowl-Champ waren, auf der anderen Seite die Raiders mit dem jungen Coach John Madden und einer Reihe an andernorts gescheiterten Spielern. Mehrmals trafen sich die Teams im AFC Finale und bekriegten sich nicht nur auf dem Feld, sondern beschimpften sich außerhalb ebenso gerne als Kriminelle. Legendär geworden ist die „Immaculate Reception“ von Franco Harris gegen Jahresende 1972.

Als jüngerer Zeitgenosse erinnere ich mich hauptsächlich an den Season Opener 2004. Pittsburgh in einem der letzten Spiele ohne QB Roethlisberger gegen den fantastischen QB Rich Gannon, der eine tiefe Bombe nach der anderen wirft, in einem seiner letzten Spiele. Am Ende siegten die Steelers knapp und ihr Lauf wurde erst im AFC Finale gestoppt. Es war das Spiel, als RB Jerome Bettis fünf Carries hatte für nur einen einzigen Yard Raumgewinn – aber drei Touchdowns dabei erzielte:

Oakland anno 2010 muss sich erst wieder daran gewöhnen, ein positives Sieg-Niederlagen-Verhältnis zu besitzen, darf aber nach den jüngsten Erfolgen als auf dem aufsteigenden Ast gelten. Das Laufspiel mit RB McFadden ist spektakulär, die Defense kracht und gegen die Chiefs wurde sogar ein unverdienter Sieg eingefahren.

Pittsburgh leckt noch seine Wunden vom Debakel gegen die Patriots. Vor allem die Defense wurde verarscht, wie ich es lange nicht gesehen habe. Safety Polamalu wurde mit seinem spekulativen Spielstil ein ums andere Mal verladen und die Blitzes kamen gegen die Pats-Offense Line nie durch. Mit den Raiders kommt allerdings eine völlig anders gelagerte Offense ins Heinz Field.

New York Jets – Houston Texans

Mo. 17h30 bei ESPN America (Aufzeichnung)

Die Jets sind eine der „lautesten“ Mannschaften der Saison. Das liegt zum einen am sonoren Head Coach Rex Ryan, zum anderen an der hohen Erwartungshaltung, die vom Team selbst geschürt wird. Eine Reihe an Altstars und der junge QB Sanchez sorgen bisher für Furore. Zwar spielen die Jets nicht spektakulär und gewinnen auch nicht hoch, aber sie hängen selbst in schlechten Spielen wie die Kletten am Gegner, nur um am Ende das Näschen dafür zu beweisen, das Spiel in der letzten Minute oder in der Verlängerung – oder wahlweise in der letzten Minute der Verlängerung – zu gewinnen.

Houston? Viel geschrieben, aber es ist immer dasselbe Lied: Das Potenzial vor allem in der Offense ist enorm, aber es fehlt jeglicher Killerinstinkt. Die Defense ist seit dem Ausfall von MLB Ryans nicht mehr die gleiche und spielt sehr unkonstant. Es riecht eigentlich nach Jets-Sieg, aber wer will schon ausschließen, dass QB Schaub mal wieder ein 350yds-Spiel raushaut und WR Johnson 185yds fängt?

San Diego Chargers – Denver Broncos

So./Mo. 02h30 bei ESPN America

Die AFC West ist eng. So eng, dass bei einem Broncos-Sieg in San Diego sogar Denver wieder im Rennen sein könnte. Denver – nach all den hohen Schlappen der letzten Wochen. Zuletzt wurde aber Kansas City 49-29 geschlagen. So ganz schlau werde ich aus der Truppe von Coach McDaniels und dem rockigen QB Orton nicht. Das fängt beim Draften an und hört beim Spielsystem auf. Aber bitte.

San Diego ist ein potenzielles Top-Team. Die Chargers haben zwar viele Verletzungsprobleme und sind stark von QB Philip Rivers abhängig, aber trotzdem immer noch gefährlich. Wenn die Chargers ihre Neigung zur Selbstzerstörung bekämpfen können, wird diese Mannschaft noch ein Weilchen im Bewerb bleiben und sowohl Raiders, als auch Chiefs ordentlich einheizen.

Mir tut es leid um die Broncos, aber ich sehe kaum einen Weg, wie sie dieses Spiel schadlos überstehen wollen.

Canadian Football League

Ich habe heuer kaum Canadian Football gesehen, daher auch keine ausführliche Preview. Am Sonntag finden die Halbfinals in der CFL statt – und nach dem spektakulären Playoff-Auftakt am letzten Sonntag möchte ich die CFL ans Herz legen. Es gibt live nichts im TV zu sehen. Aber auf der Internetseite von TSN soll live gestreamt werden. Außerdem gibt es die Spiele in der Datenbank von TSN noch einmal anzuschauen – komplett und in sehr guter Qualität.

Ich habe mir das Divisions-Halbfinale zwischen den Saskatchewan Roughriders und den BC Lions angeschaut – und es war ein sehr spektakuläres Spiel, samt großem Comeback der Lions und Sieg der Roughriders in der zweiten Overtime. Saskatchewan trifft im West-Finale auf die Calgary Stampeders. Die Stampeders werden von John Hufnagel gecoacht, dem Coach, der RB Tiki Barber einst in New York so verärgerte, indem er den jungen Eli Manning Pass um Pass werfen ließ, während Barber nur als Komplementärwaffe gebraucht wurde. Hufnagel ist nicht unerfolgreich in der CFL: Vor zwei Jahren Grey-Cup-Champion und heuer mit der besten Regular-Season-Bilanz und Offense ausgestattet. Auf der Gegenseite die Roughriders mit einer eher balancierten Offense, aber einem fehleranfälligen QB Darian Durant. Das Spiel findet um 22h30 am Sonntag statt, also parallel zu New England – Indianapolis.

Im Osten treffen die Montreal Alouettes auf die Toronto Argonauts. Ich habe beide heuer nie gesehen. Montreal ist der Titelverteidiger und wird immer noch angeführt vom uralten, aber immer noch starken QB Tony Calvillo. Der ehemalige Gators-QB Chris Leak versauert dagegen auf der Ersatzbank. Die Alouettes haben einen kleinen Hype entfacht, spielen oft vor ausverkauftem Haus im Olympiastadion. Toronto steht nach zwei unterirdischen Jahren mal wieder in den Playoffs. QB ist Cleo Lemon, noch bekannt aus seiner unsäglichen Dolphins-Zeit. Lemon ist auch in Toronto eine Turnover-Maschine. Von daher dürfte das Spiel eine klar Angelegenheit zugunsten der Alouettes sein. Das Spiel findet am Sonntag um 19h statt.