College Football: Das Thanksgiving-Wochenende (1)

Das kommende Wochenende sorgt für Kopfzerbrechen. „Eier, wir brauchen Eier“ bekommt angesichts des prallen Football-Programms (NFL, College, Grey Cup) eine ganz neue Bedeutung. NFL und CFL mal außen vor gelassen: Im College Football gibt es eine ganze Latte an rivalry games, und einige davon sind nicht nur historisch aufgeladen, sondern vor allem heuer auch sportlich heiß wie Frittenfett.

NFL-Preview gibt es hier.

Road to Glendale

Vier Spiele stehen im Fokus des Rennens um den nationalen Meistertitel:

Fr. 20h30 #11 Alabama – #2 Auburn (live ESPN America)
Fr./Sa. 01h #1 Oregon – #21 Arizona (live ESPN America)
Fr./Sa. 04h #19 Nevada – #4 Boise State (live ESPN America)
Sa. 22h New Mexico – #3 TCU

Oregon, Auburn, TCU und Boise State sind noch unbesiegt. Drei erwarten knifflige Aufgaben. #1 Oregon bekommt mit Arizona keinen angenehmen Gegner präsentiert und muss eine Woche später noch nach Corvallis zu Oregon State. Sollten die Ducks aber beide Spiele gewinnen, werden sie ins BCS Finale einziehen. #2 Auburn wird gleich etwas genauer durchleuchtet. #3 TCU zeigte zuletzt Ansätze von Laxheit. New Mexico wird aber kein Problem darstellen. Viel mehr ist es ein Problem für TCU, dass #4 Boise State im Ranking ganz nahe herangerückt ist und mit #19 Nevada einen starken Gegner bekommt. Sollten die Broncos gegen den WAC-Konkurrenten Nevada überzeugend gewinnen, wovon man ausgehen kann, wird Boise State im Ranking wohl an TCU vorbeiziehen. Platz #3 im Ranking würde für die beiden Underdogs TCU und Boise State eine automatische Einladung in die Rose Bowl bedeuten. Auf das BCS Finale haben sie weiterhin nur Chancen, wenn Oregon und Auburn straucheln. Da nützt es nichts, dass Boise State durch die Bank Woche für Woche von allen gegnerischen Coaches in höchsten Tönen gelobt wird.

Trotzdem: Boise State in der Rose Bowl, das hätte was. Die kleine Uni wird von den Pac-10 Big Players wie USC oder Stanford nicht nur milde belächelt, sondern sogar mit Verachtung gestraft. Die Pac-10 ist Mitveranstalter der Rose Bowl.

Iron Bowl

Iron Bowl
©Flickr

Alabama liegt im Südosten der USA, im Herzen des Bible Belt. Eine Region, geprägt von Dixie und erzkonservativem Christentum und in Sachen Rassen-Gleichberechtigung, naja, nicht unbedingt der Vorreiter. Aber nicht nur der Protestantismus ist in diesen Breitengraden Religion, sondern auch der College Football. Mit der University of Alabama (Tuscaloosa) und der Auburn University gibt es zwei der national bekanntesten Football-Programme, zwei Unis, deren Stadien immer ausverkauft sind.

Die beiden Unis verbindet als innerstaatliche Rivalen eine innige Abneigung. Beide spielen in der Southeatern Conference (SEC) in der West-Division. Beide streiten sich um die Vorherrschaft im Goldspecht-Staat. 1893 spielten sie zum ersten Mal auf dem Footballfeld gegeneinander. Grün waren sie sich dabei nicht. 1907 stritten sie sich wegen der Referees und um 50 Cent Unterkunfts-Zuschuss für die Studenten der anderen Uni. Grund genug, sich für fassungslose 41 Jahre nicht mehr über den Weg zu trauen: Erst 1948 wurde die Serie zwischen den beiden Unis wieder aufgenommen, auf Intervention des Repräsentantenhauses des Staates!

Spielort: Birmingham, größte Stadt in Alabama und von Tuscaloosa rund eine Autostunde entfernt und mit dem Legion Field das größte Stadion des Staates besitzend. Gleich zur Wiederaufnahme prügelten die Crimson Tide die Tigers 55-0 nach Hause. Überhaupt war das lange Zeit eine Abfolge von Defensivschlachten zwischen beiden Mannschaften. Der Name „Iron Bowl“ rührt aber nicht daher. Birmingham lebte von Eisen- und Stahlindustrie.

Punt, Bama, Punt!

Das legendärste Spiel fand 1972 statt. Alabama unbesiegt, kurz vor dem Titelgewinn stehend, führte schon 16-0. Zehn Minuten vor Schluss buhten die Tigers-Fans ihren Coach nach Herzenslust aus, als der es wagte, ein Field Goal zum 3-16 zu kicken. Reaktion der Tigers: Alabamas Offense zu stoppen, den Punt zu blocken und zum Touchdown zurückzutragen. 10-16 und das Spiel wieder spannend. Alabamas Offense wieder zu stoppen – und wieder den Punt zu blocken und zum TD zurückzutragen. Dadurch wurde „Punt, Bama, Punt!“ zum beliebten Slang in Auburn. Auburn gewann 17-16, Crimson-Tide-Coach Bear Bryant machte Iron Bowl zur primären Angelegenheit. Und Alabama gewann gleich die nächsten neun Spiele, gerne mit möglichst vielen Punkten. Daher der Gegen-Schlachtruf „Score, Auburn, Score!“

Homecoming

Bryant Denny Stadium©Flickr

Die Iron Bowl wurde immer populärer und 1989 spielte Auburn sie erstmals im eigenen Jordan-Hare-Stadium. Zur Feier des Tages wurde #2 Alabama mal wieder geputzt und den Crimson Tide wieder der mögliche Titelgewinn versaut. Alabama spielte erst zehn Jahre später Iron Bowl im eigenen Bryant Denny Stadium (s. Bild, die gegenüberliegende Tribüne ist mittlerweile ebenfalls zugebaut) – und verlor zum Homecoming bei Sauwetter mit 0-9. Alabama hatte zuhause lange Zeit kein Glück: Im eigenen Stadion wurde erst 2006 erstmals gewonnen. Dann aber gleich richtig: 36-0. Im Vorjahr war Alabama #2, lag nach wechselhaftem Spielverlauf kurz vor Schluss 26-21 in Front. Zur Abwechslung vermasselten die Tigers den Crimston Tide mal nicht die Saison: Der Hail Mary Pass in der letzten Sekunde glückte nicht. Alabama zog ins Finale ein und wurde Meister. Heuer findet das Spiel in Tuscaloosa statt. Und zwar erstmals vor mehr als 100.000 Zuschauern, nachdem die Uni von Alabama die Arena zum wiederholten Male ausgebaut hat. Besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Tuscaloosa nur knapp 90.000 Einwohner hat. Vergleich: Auburn hat ca. 55.000 Bewohner – mit einem Stadion der Größenkategorie 87.000…

Cam we go?

Cam Newton

Am Freitag, 20h30 (ESPN America live) findet die 75. Iron Bowl statt. Auburn ist an #2 gerankt und braucht einen Sieg. Alabama hat schon zweimal verloren – möchte aber den Tigers den Finaleinzug vermiesen. Der eine Spieler steht im Fokus: Tigers-QB Cam Newton. Nicht nur absolviert er eine Saison, dass sämtlichen Experten die Spucke im Hals stecken bleibt: Er steht auch aktuell inmitten einer Affäre um illegale Zahlungen.

Die Auburn Tigers 2010 sind in erschreckendem Ausmaß von Cam Newton abhängig. Ohne Newton hätten sie keine Chance auf eine Top-20 Platzierung, wage ich zu behaupten. Die Crimson Tide besitzen unter Coach Nick Saban (ex-Dolphins) eine knackige Defense. Gepaart mit dem eigenen fanatischen Publikum? Könnte ein denkwürdiges Spielchen werden. Anschauen!

Zum Liveblog der Iron Bowl 2010 geht es hier.

Backyard Brawl und Sunshine Showdown: Hier entlang.