In Cincy geht die Sonne unter

In Cincy geht die Sonne unterSonnenuntergang hinter dem Paul Brown Stadium – ©Flickr

Ich bin heute Nacht mit Zahnschmerzen noch einmal aufgewacht. Also hab ich mich noch mal vor den Schirm gesetzt, um die lange Thanksgiving-Footballnacht noch zu verlängern. Zweite Halbzeit Jets – Bengals. Eineinhalb Viertel, dann hatte ich genug gesehen.

Es ist Zeit, alles in Grund und Boden zu stampfen. Die Cincinnati Bengals brauchen einen Neuanfang.

Augenscheinlich wurde das, als Mitte des dritten Viertels, frisch nach einem verschossenen kurzen Field Goal zum möglichen 10-10, die Jets gestoppt und zum Punt gezwungen wurden. Der Punt kullerte in die Red Zone der Bengals, die Bengals drehten ab und plötzlich warf sich ein Jet drauf. Turnover.

An der Seitenlinie ganz cool: Marvin Lewis. Das rote Taschentuch blieb in den Socken stecken, und keine Anstalt, damit zu wedeln oder es noch besser wutentbrannt ins Spielfeld zu feuern. Obwohl in keiner Zeitlupe irgendetwas von einer Bengals-Berührung mit dem Ball zu sehen war.

Das hässliche Entlein

Marvin Lewis kam vor fast genau acht Jahren von den Baltimore Ravens zu den Bengals. Er machte aus dem hässlichen Entlein innerhalb von zwei Jahren einen Superbowl-Anwärter. Gemeinsam mit dem jungen QB Carson Palmer. Stinkstiefel wie RB Corey Dillon wurden gefeuert und sogar der exzentrische WR Chad Johnson konzentrierte sich auf das Spielfeld.

Aus den Fugen geriet die plötzlich heile Bengals-Welt an einem frühen Sonntagnachmittag im Jänner 2006. Erstes Playoffspiel der Bengals seit Äonen. Palmer gleich zu Beginn mit einem langen Pass, als Steelers-DE Von Oelhoffen sämtliche Bänder in Palmers Knie zertrümmerte. Seitdem sind die Bengals nicht mehr die gleichen: Palmer kam zwar zurück und spielte zwei überdurchschnittliche Saisonen, allein, die Mannschaft kam nicht mehr in die Nähe der Playoffs, trotz einer mediokren AFC North.

2008 verletzte sich Palmer erneut schwer, diesmal am Ellenbogen. Die Bengals mit dem Totalabsturz. 4-11-1, wobei das noch geschönt wurde durch drei Siege zum Saisonausklang. Ich hielt Palmer für essentiell für die Mannschaft und hatte trotzdem vage Playoffhoffnungen für 2009. Und siehe da: Die Bengals mit einer formidablen Saison. Allein: Palmer machte trotzdem keinen guten Eindruck. Marv Lewis, das Genie, coachte die Bengals mit einer starken Defense und viel Laufspiel in die Playoffs. Trotz Palmers schwacher Vorstellung. Trotz unglaublich vieler charakterlicher Problemfälle. Trotz eines internen Todesfalls während der Saison.

Erste Playoffrunde gegen die mäßigen Jets. Und Marv Lewis coachte einen derartigen Mist zusammen, dass ich schon Mitte des zweiten Viertels jegliche Sieg-Hoffnungen begraben hatte. Zwei sinnlose Challenges im ersten Viertel, ein völlig uninspirierter Gameplan, eine katastrophale Defense. Es waren Vorboten des jetztigen Herbstes.

Die Bengals haben acht Spiele in Serie verloren. ACHT. U.a. letzte Woche gegen die Bills, wo trotz 21-Punkte-Führung mit 18 Punkten verloren wurde! Auch gegen die Jets war eine legitime Siegchance da. Aber die Mannschaft hat die Scheiße am Fuß, und sie scheint so sehr festzustecken, dass es ohne Neuanfang nicht mehr geht.

Ich brauche frische Luft!

Marv Lewis’ Vertrag läuft am Saisonende aus. Obwohl ich den Coach immer noch schätze und glaube, dass er irgendwann noch einmal eine Mannschaft zu einem Titelanwärter machen wird. In Cincinnati wird das nicht der Fall sein. Es braucht frischen Wind. Carson Palmer? Der Mann ist nicht mehr großartig, aber nicht die Baustelle. Notfalls ginge noch ein Jahr. Aber das steht noch auf einem anderen Blatt – bis der neue Head Coach gefunden ist und klar ist, wohin die Reise geht.

Freilich wäre es mir am liebsten, Mike Brown würde sich aus Cincy verziehen. Der Mann ist nicht nur für den von mir hoch geschätzten Michael Silver einer der übelsten Owner. Brown, der Geizhals, der sich stets in der Opferrolle sieht, der die Liga torpediert und gleichzeitig einen einzigen charakterlichen Sauhaufen an Spielern auf dem eigenen Trainingsplatz hat. Der sich seit Jahren gegen ein neues Trainingszentrum verwehrt und sich weigert, Scouts zu bezahlen. Wenn ein Mann wie Brown einer Franchise dann auch noch als Präsident vorsteht und nichts anderes im Kopf hat, als die finanziellen Nachteile gegenüber Redskins und Cowboys zu beklagen, dann kann das nicht förderlich sein für rosigere Zeiten..

Brown wird die Bengals so schnell aber nicht verkaufen. Ihn in den Ohio zu spülen wäre zwar das Beste für die Bengals, doch wer soll das machen?

Fest steht: Es braucht ein Ausmisten und Frischwind mit neuem Coach (Stanfords Jim Harbaugh?).

So. Ich bin nicht der Bengals-Insider und ich tue es mir auch nicht Woche für Woche an, das Gegurke anzuschauen, aber ich blute innerlich, wenn ich diese wunderbare Franchise so den Bach runtergehen sehe. Daher die paar Cents von meiner Seite.

3 Kommentare zu “In Cincy geht die Sonne unter

  1. Dein Rufen ist verhallt. Die Bengals wollen nicht nur Lewis behalten. Lewis will auch noch Carson Palmer behalten! ie einzigen Änderungen zu heuer: Lewis kann seine Trainermannschaft so zusammenstellen wie er will.

  2. Pingback: Cincinnati Bengals in der Sezierstunde « Sideline Reporter

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