Week #13 Preview: Das Wiedersehen am Donnerstag

Do./Fr. 02h30 bei ESPN America: Philadelphia Eagles vs. Houston Texans

Irgendwann im Herbst 2005 muss es gewesen sein, als es augenscheinlich wurde: Matt Schaub ist der bessere Quarterback als Michael Vick. Vick, der schwarze Super-Athlet und Atlantas Franchise-QB, und Schaub, der Jungspund, ein Hüne, immobil, aber wurfgewaltig. In Atlanta hatte Schaub keine Chance, an Vick vorbeizukommen.

Im Frühjahr 2007 reichte es Schaub nach drei Jahren Fristen als Schattenmann und nur zwei Starts, und Schaub wechselte für Zweitrundenpicks nach Houston. Houston war gerade im Begriff, neu aufgebaut zu werden. Ließ Vick und Atlanta hinter sich. Schaub war in Houston sofort Starter und trotz vieler Verletzungsprobleme zuletzt mit Pro-Bowl-artiger Saison: 4700 yds, 29 Touchdowns.

Am Donnerstag treffen sich Vick und Schaub zum ersten Mal seit jenem Trade wieder. Vick ist nach seinem Gefängnisaufenthalt vom Falken zum Adler geworden und seit September 2010 Starter in Philadelphia. Vick spielt so gewaltig wie niemals zuvor zu seinen Atlanta-Zeiten: Effizient als Passspieler, mit wohl dosierten Einsätzen als Läufer. Kurzum: Vick wirkt sehr relaxt in seiner Pocket, ganz anders zu den Zeiten als aufgescheuchtes Huhn in Atlanta.

Die Texans

Houston war unter Gary Kubiak jahrelang eine reine Pass-Offense. Das hat sich heuer geändert: Mit dem kometenhaften Aufstieg von RB Arian Foster (1124yds) sind die Texans recht balanciert. Natürlich spielt die Mannschaft immer noch viel via Luftweg. Mit WR Andre Johnson hat Houston einen der besten seines Fachs aufzubieten.

Johnson leistete sich am Sonntag gegen Tennessee eine handfeste Schlägerei. Keine Rangelei, sondern richtig mit fliegenden Fäusten und fliegenden Helmen. Johnsons Ziel: Der ligaweit berüchtigte CB Cortland Finnegan. Johnson kam mit Geldstrafe davon, wird nicht suspendiert.

Problemzone #1 in Houston ist die Defense. Vielmehr die Pass-Defense. Die Probleme beginnen in der Defensive Line, die ganz einfach zu wenig Druck zustande bringt. DE Mario Williams spielt zwar eine starke Saison (8.5 Sacks trotz vieler Doppeldeckungen), aber der Rest ist mau (9.5 Sacks für den Rest). Das sorgt für Festtage unter den gegnerischen QBs. Es werden tiefe Pässe noch und nöcher in tief in die Zone der Defensive Backs gefeuert, und fast alles führt zu Raumgewinn.

Problemzone #2: Die Texans haben immer noch nicht heraus, wie man enge Spiele gewinnt. Ich denke, Gary Kubiaks Zeit ist nach dieser Saison abgelaufen. Es ist kein Fortschritt erkennbar. Siegermentalität ist kein schönes Wort, aber in Kombination mit „fehlend“ für Houston absolut angebracht.

Die Eagles

Dass die Eagles 2010 offensiv vor allem von Michael Vick leben, ist bekannt. Vick verursachte am Sonntag in Chicago seine erste Interception der Saison: Ein abgefälschter Pass, für den er nichts konnte. Trotzdem muss man konstatieren, dass die Eagles unglaublich schlecht in der Redzone spielten: Bei gefühlt 25 Versuchen sprang nur ein einziger TD heraus. Erstaunlich gut funktionierte aber das Laufspiel über RB McCoy.

Trotzdem bin ich nicht ganz überzeugt von der Eagles-Offense: Das Playcalling ist mir zu ungeduldig. Sie versuchen durchgehend, den großen Raumgewinn zu suchen. Das mag zwischendurch funktionieren. Aber das braucht auch Zeit. Zeit, die Vick gegen Leute wie DE Peppers nicht bekam, und womöglich gegen DE Williams ebenso nicht kriegen wird. Andererseits ist da die Secondary der Texans…

Die Iggles haben auch mit dem Kapriolen von WR DeSean Jackson zu kämpfen, der aktuell vom Phänomen Kreisklass/Weltklasse befallen ist. Jackson ist mal großartig, mal schlicht unsichtbar.

Die Defense muss auf einen Einsatz von CB Asante Samuel hoffen. Samuel ist kein überragender Cornerback. Er schaltet keine Wide Receivers aus. Aber Samuel ist ein Mann, der sehr viel mit Spekulation arbeitet. Das sorgt für viele Würfe in seine Richtung, für manchmal viel Raumgewinn. Aber eben auch für Interceptions. Gegen den riskanten QB Cutler wäre es für Samuel ein Traum-Spiel gewesen. Philadelphia braucht Samuel und seine Gabe, zum passenden Zeitpunkt einen Ball abzufangen. Dumm nur, dass der Mann immer noch Knieprobleme hat.

Ausblick

Die Texans stehen bei 5-6 und damit einen Sieg hinter dem ersten Platz in der engen, aber mittelmäßigen AFC South. Selbst mit einer Niederlage ist nichts kaputt, weil man noch gegen Jacksonville und Tennessee spielen wird und gegen Indianapolis das direkte Duell nicht verloren hat. Und über die Wildcards wird sich in dieser Division niemand qualifizieren.

Philadelphia ist mit einer Bilanz von 7-4 Erster in der NFC East. Der verbleibende Spielplan ist nicht allzu schwer, mit EINER Ausnahme: Es geht noch nach New York. Die Giants, die aktuell punktgleich sind. Für die Eagles ist das schon ein Spiel, das gewonnen werden sollte, denn auch das Rennen um die Wildcards ist in der NFC ziemlich eng (Tampa und Green Bay sind aktuell gleichauf bei 7-4, New Orleans mit 8-3 gar vorne).

Sieg Eagles.

Drinking Game

Im NFL Network wird wieder das glorreiche Trio Bob Papa, Matt Millen & Joe Theisman kommentieren. Die Drei sorgen für einige Belustigung. Für welche, die freitags gerne mit Brummschädel in die Uni/ins Büro fahren, empfehle ich ein Drinking Game für really nice job.