Eine Menge Musik drin gewesen

Jo, das war dann mal eine spannende Nacht. In der Music City Bowl war ordentlich Rock’n’Roll dabei, aber auch die anderen Bowls hatten was zu bieten. Und jetzt eine Warnung vor Spoiler.

Music City Bowl

Ich hatte es in meiner Vorschau geschrieben: Die Vorgeschichte von beiden war nicht ohne. Das Spiel indes auch nicht. Lange Zeit ein Spiel zweier wackeliger Offenses, mit allerdings sehenswerten Touchdowns: RB Shaun Draughn zündete im zweiten Drive den Turbo und lief der kompletten Defense der Volunnteers auf und davon. Der Konter im zweiten Viertel: QB Tylor Bray nach Play-Action mit einem ganz tiefen Ball genau auf die Brust von WR Da’Rick Rogers. Letzte Sekunden der ersten Halbzeit, und nun war North Carolina dran. QB T.J. Yates unter Druck, entweicht nach rechts draußen und aus vollem Lauf mit dem rechten Arm (!) einen perfekten Ball in die Hände von WR Highsmith geworfen, der zum 17-14 in die Endzone trottet. Tennessee hatte immer wieder Probleme, weil QB Bray zum ungünstigen Zeitpunkt eine Interception einstreute. Nach einigem Gewürge in der zweiten Halbzeit nahm das Spiel zum Ende wieder Fahrt auf. Tennessee dank TD-Bombe mitten in die Endzone hinein wieder in Führung – und verschoss den P.A.T.! Nur 20-17.

Letzter Drive und die Tar Heels 16 Sekunden vor Schluss in Field Goal Range. Spike. Dann ein Irrsinnscall – ohne Timeouts ein Lauf durch die Mitte? Entschuldigung, Butch Davis, aber WTF? Auf dem Spielfeld wird es wild. Während der Ball wieder zurückgelegt wird, rennen die hellblauen Tar Heels wie wild geworden über das Spielfeld, die halbe Field Goal Unit ist schon auf dem Platz, ehe Yates erneut einen Spike macht. Uhr ausgelaufen, die Gatorade-Dusche schon gemacht und die Trainer beim Handschlag, da bringen die Refs Farbe ins Spiel. Flagge gegen North Carolina – zu viele Männer auf dem Platz (klar, war ja eine Mixtour aus FG-Unit und Offense) und die Uhr auf eine Sekunde zurückgesetzt. Kicker Casey Barth kommt auf das Spielfeld und verwandelt zum 20-20.

Erste Overtime. North Carolina kommt mehr mit Strafen als mit Offense zum ersten Touchdown. Tennessee kontert per 20yds-Pass.

Zweite Overtime. Tennessee steht wieder kurz vor dem Touchdown. Dann QB Bray mit einer hirnlosen Interception, genau in die Arme eines Verteidigers, der in die Wurfroute hineinläuft. North Carolina hat ein Leichtes, per erneutem Field Goal das Spiel zu entscheiden. 30-27 und eine Music City Bowl, in der ordentlich Musik drinnen war.

Holiday Bowl

Unglaublich, wie unvorbereitet Nebraska in San Diego aufkreuzte. Die Cornhuskers glänzten durch Turnovers, Penalties und löchrige Offense Line. Die Defense wurde gnadenlos überlaufen und spätestens nach der Verletzung von QB Martinez (nach Sack) war die Suppe gegessen. Backup-QB Green machte furchtbare Würfe, ich glaube nur drei oder vier Completions.

Auf der anderen Seiten kam Washington mit QB Jake Locker daher. Lockers schleichender Abstieg hatte im September gegen Nebraska begonnen und auch diesmal wurde Locker kaum als Quarterback gebraucht. Das Pass-Spiel der Huskies war ziemlich inexistent und Locker hatte am Ende ganze fünf Completions.

Trotzdem war Locker spielentscheidend. Im zweiten Viertel in die Zange genommen und benommen vom Spielfeld gewankt, aber nach der Pause wieder voll da: Play-Action an der NEB 25 und dann den Turbo gezündet. Locker walzte sich durch zwei Tackles und raste in die Endzone. Überhaupt arbeitete Washington viel mit Play-Action und Läufen über Locker und RB Chris Polk (über 30 Carries für fast 200yds). Nebraska war darauf schlecht vorbereitet. Ergebnis: 19-7 Washington. Ein sehr verdienter Sieg.

Armed Forces Bowl

Turnovers kill teams. Die Mustangs mit vielen, vielen Yards durch QB Kyle Padron und RB Zack Line, aber eben auch mit Turnovers zum ungünstigsten Zeitpunkt. Gleich zu Beginn warf Padron tief (45yds), aber ein Play später der Fumble zum Touchdown zurückgetragen. Die Army spielte eiskalt ihre Option-Laufspielzüge runter, und SMU fand dagegen kein Mittel – und holte sich vor allem keine Turnovers.

16-0 zur Pause, in Halbzeit zwei kam SMU langsam auf, obwohl Padron immer wieder sinnlose INTs einstreute. Zwei sehenswerte Touchdown-Pässe Padrons, aber vier Minuten vor Schluss setzte der Kicker den Ball aus 47yds links vorbei. Die Army lief die Uhr runter. Der entscheidende Spielzug war am Ende ausgerechnet ein Pass durch QB Steelman – seine zweite Completion. Die zweite. Steelman warf 7x, 2x complete für 30yds. Army mit einem nicht unbedingt erwarteten Sieg.

Bowl Season 2010/11, Tag 12: Die Schüsseln werden größer – Das Vorabendprogramm zu Neujahr

Neujahrstag ist Großkampftag im College Football. Nicht weniger als sechs Bowls werden veranstaltet. Vorab ein kleiner Überblick über das Geschehen:

TicketCity Bowl: Texas Tech – Northwestern, 18h
Outback Bowl: Penn State – Florida, 19h
Capital One Bowl: #9 Michigan State – #16 Alabama, 19h
Gator Bowl: #21 Mississippi State – Michigan, 19h30
Rose Bowl: #3 TCU – #5 Wisconsin, 23h live bei ESPN America
Fiesta Bowl: #7 Oklahoma – Connecticut, 02h30 live bei ESPN America

Sechs Bowls, und nur zwei sind live bei ESPN America?

Nun, ich habe dafür ausnahmsweise Verständnis: In der NHL findet um 19h die „Winter Classic“ statt. Das allein ist Grund genug für eine Live-Übertragung von Eishockey. Was es einen no brainer macht: Es ist Pittsburgh Penguins – Washington Capitals angesagt. Crosby vs. Ovechkin. Ich erinnere an das fantastische Spiel vom letztjährigen Superbowl-Aufwärmprogramm und an das ebenso sehenswerte Spiel vom vergangenen Donnerstag.

Die beiden Live-Bowls sind auch gleich die ersten BCS Bowls. Dazu in einem eigenen Blogeintrag mehr. Vorab der erste Viererpack an Bowls in der Vorstellung, beginnend wieder mit Seminole, die über die Outback-Bowl schreibt – mit Florida States großem Rivalen Florida.

Outback Bowl

Sa., 1.1.2011 um 19h. Als Tape bei ESPN America am Sonntag, 2.1. um 10h30

Florida Gators – Penn State Nittany Lions

Gestern gings um gefüllte Hühner. Heute wechseln wir von der Hühnerfabrik ins Steakhaus. Welcome to the Outback Bowl! Outback ist eine Imbiss-Kette, serviert in gekünstelt urig gehaltenen Restaurants auf. Und Outback kommt aus Tampa. Dort wird der Outback Bowl auch ausgespielt. Heuer garniert mit ganz großen Namen. Auf der einen Seite die Pennsylvania State University mit Coach Joe Paterno. Auf der anderen Seite die University of Florida, wo ein anderer ganz großer Trainer seinen letzten Weg geht: Urban Meyer.

Florida ist nicht gleich Florida State. Die Übersetzer der Simpsons sind nicht imstande, Florida State und Florida zu unterscheiden. Dabei handelt es sich um zwei sehr rivalisierte Unis. Die Florida Gators sind auf dem FSU-Campus *hust* nicht die beliebteste Footballmannschaft, wenn ich das so sagen darf.

Tschüss, Urban! In den letzten Jahren waren sie uns deutlich überlegen, eben auch dank Urban Meyer, dem jungen Mann im Bild. Und dank Tim Tebow. Ich erinnere mich mit Grauen an das Heimdebakel vor zwei Jahren gegen die Gators. Tebow ist weg, und schon sind die Gators nur noch die Hälfte wert. Jetzt ist auch noch Meyer zurückgetreten, aus einem Mix aus gesundheitlichen Problemen und Burnout. Meyer coacht die Outback Bowl, sagt dann aber Tschüss und auf Nimmerwiedersehen. Es ist nur Meyer und seiner Bescheidenheit zu verdanken, dass ich einen Funzen Zuneigung für Florida empfinde. Der Neue wird dann Will Muschamp sein, Defensivcoach in Texas. Muschamp ist einer der besten Kumpels vom Seminoles-Coach Jimbo Fisher. Die Welt ist klein.

Keep on, Joe! Auf der anderen Seite läuft der steinalte Joe Paterno an der Seitenlinie entlang. Als Paterno jung war, hat Fred Feuerstein noch seine Wilma durch die Gegend gekarrt, haben Spechte einen auf Disc Jockey gemacht und statt Hausfrauen Mammuts die Wohnung gesaugt. Paterno ist seit Dienstag 84. Dieses Spiel ist sein 37. Bowl. 24 hat er bisher gewonnen, mehr als jeder andere Coach. Wer mehr wissen will: korsakoff hat ihn vor Zeiten mal durchleuchtet.

JoePa und seine Frau mit dem klingenden Nick SuePa sind sowas wie die grauen Eminenzen, die lebendem Beweise, dass auch in der Urzeit bereits Football gespielt wurde und es auch mal ohne Totalvermarktung Sport gegeben hat. Ein ganz, ganz großer Trainer, den man für seine Energie einfach nur bewundern kann. Und ein Trainer, der im Gegensatz zu Meyer viel, sehr viel Wert darauf legt, dass seine Jungs sich gebildet verhalten und dass seine Jungs sich schulisch bilden.

Für die kulturell Interessierten. Während meines Highschool-Auslandssemesters hat mich der Host Daddy mal auf den Campus der Penn State mitgenommen. Ein schönes, weitläufiges Gelände. Florida State und Florida können da nicht mithalten. Wer mal in die Nähe von University Park kommt und wem was an amerikanische Uni-Campi (?) liegt, der darf sich das schon mal anschauen.

Prognose: Am 1. Jänner – Penn State Nittany Lions gegen Florida Gators. Berglöwen gegen Krokodile. Es dürfte klar sein, wo meine Präferenzen liegen. Aber auch ohne Daumendrücken sollte Penn State das Spiel eigentlich gewinnen.

Ich lasse das mal so stehen. Zu den anderen drei Bowls, die alle auf die Tage nach Neujahr verteilt bei ESPN America aufgezeichnet werden.

TicketCity Bowl

4.1. um 10h30 als Tape bei ESPN America

Texas Tech Red Raiders – Northwestern Wildcats

Eine neu geschaffene Bowl und das aus einem Grund: Die Cotton Bowl Classic ist aus Dallas nach Arlington in das monströse Cowboys-Stadium abgewandert. Die altehrwürdge Cotton Bowl (WM-Stadion 94, u.a. Deutschland-Südkorea) hat sich nach Ersatz umgesehen und die TicketCity Bowl eingeführt. Sie findet um 11h Ortszeit statt.

Die Texas Tech Red Raiders (Big 12) treffen auf die Northwestern Wildcats (Big Ten). Die Northwestern ist eine der akademisch am höchsten angesehenen Unis. Das Footballprogramm dümpelt seit Jahrzehnten vor sich hin. Seit dem Rose-Bowl-Sieg von 1949 hat man nur mehr selten Bowls gespielt und keine einzige davon gewonnen. Heuer war es eigentlich eine ganz ansprechende Saison, bis sich QB Dan Persa verletzte. Die Ersatzmänner sind sehr unerfahren und die Offense Line nicht prall. Das Laufspiel wird komplett dezimiert sein: Verletzungen und Spielerabgänge führen dazu, dass 1227 von 1798 rushing yards nicht einsatzfähig sein werden.

Texas Tech hat andere Sorgen. Nach dem elegant gelösten Theater um Mike Leach vor einem Jahr stand Nachfolge-Coach Tom Tuberville lange Zeit vor dem Absprung Richtung Miami. Tuberville bleibt, aber die Defense ist extrem löchrig und fängt sich extrem viele Yards und Punkte ein. Zum Glück ist die Wildcats- Offense sehr ausgedünnt. Offensiv sind die Red Raiders passgewaltig (QB Taylor Potts 3357yds, 31 TDs, 9 INTs). Ich tippe auf einen klaren Sieg von Texas Tech im „Heim-Bowl“ (der Campus ist 6 Autostunden vom Stadion entfernt).

Capital One Bowl

2.1. um 8h als Tape bei ESPN America

#9 Michigan State Spartans – #16 Alabama Crimson Tide

Die Nachfolgerin der Citrus Bowl – und ausgespielt in der Citrus Bowl in Orlando (remember: Champ Sports Bowl vor einer Woche). Sportlich ist es ein hochwertiges Duell. Alabama hat „nur“ eine 9-3 Saison in der SEC gespielt und über weite Strecken nicht sooooo überzeugend. Niederlagen gegen South Carolina und Lousiana State machten die BCS-Hoffnungen zunichts. Aber nichts war bitterer als die fassungslose 27-28 Schlappe gegen Auburn in der gehypten „Iron Bowl“ – eine unglaubliche Niederlage vor allem wegen der 24pt-Führung und der erdrückenden Dominanz.

Alabama ist für mich besser als #16. Das Laufspiel um die RBs Mark Ingram (Heisman Trophy 2009) und Trent Richardson ist durchaus stark, das Passspiel ist dazu nur die Ergänzung. QB Greg McElroy ist einer, von dem ich nicht weiß, was ich davon halten soll. Mal spielt er sehr blass, mal wieder recht souverän, aber insgesamt halte ich nicht allzu große Stücke auf McElroy. Auf jeden Fall ist er einer, der lieber den riskanten Pass scheut als eine INT zu werfen. Top-WR ist Superstar Julio Jones (75 Catches, 1084yds, 7 TDs), den wir unter Garantie ganz weit vorne im NFL Draft sehen werden, vielleicht in den Top 10. Eine große Stärke der Offense: Sie gibt den Ball nur selten her. Es sei denn, sie spielt gegen Auburn. Die Defense der Crimson Tide ist knackig, angeführt vom DT Marcel Dareus, auch so ein zukünftiger hoher Draftpick. Stärke der Defense: Sie macht viele INTs und ist eine einzige Mauer gegen den Lauf. Es sei denn, sie spielt gegen Auburn.

Michigan State hat die Big Ten punktegleich mit Ohio State und Wisconsin gewonnen, spielt aber als einzige Uni des Trios nicht in einer BCS Bowl. Grund: BCS #9 war zu wenig! Die Spartans werden angeführt von QB Kirk Cousins, eigentlich ein solider Mann, aber gegen Saisonende doch eher fehleranfällig. Gegen die hungrige Bama-Defense sollte der Mann aufpassen, zumal der Top-Receiver ausfällt. Für Michigan gilt Ähnliches wie für Alabama: Gutes Laufspiel, gute Defense, angeführt vom MLB Greg Jones.

Viele Gregs und Jones’ laufen da by the way herum…

Interessante Komponente: Alabamas Coach Nick Saban war vor 15 Jahren Head Coach an der Michigan State University. Sabans Assistent damals: Mark Dantonio. Heutiger Head Coach der Spartans: Mark Dantonio. Dantonio hatte anfangs der Saison einen Herzinfarkt. Die Spartans haben sich davon nicht abschrecken lassen und danach Vollgas gegeben, u.a. mit Siegen über Wisconsin, Michigan und Penn State. Einzig die ärgerliche Niederlage gegen Iowa machte alle Rosebowl-Hoffnungen zunichte.

#9 gegen #16. Ich sehe Alabama trotzdem als Sieger aus dem Spiel hervorgehen, und zwar nicht mal besonders knapp.

Gator Bowl

3.1. um 11h als Tape bei ESPN America

#21 Mississippi State Bulldogs – Michigan Wolverines

Nach Michigan State auch noch Michigan. Die Wolverines sind ein traditionelles und sehr populäres Team. In den letzten Jahren aber auch zu erfolglos und verstrickt in interne Zwistigkeiten und Affären rund um Head Coach Rich Rodriguez (Stichwort: knallharte Trainings und Überschreitungen der maximalen Trainingszeit). Auf mich wirkt es, als ob Michigan Rodriguez lieber heute als morgen los wäre. Rodriguez ist bei den Spielern allem Anschein nach auch nicht der Beliebteste und es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Spiel Einfluss auf die Jobaussichten von Rich Rodriguez hat…

Auf der anderen Seiten haben die Bulldogs einen Coach, der überall begehrt ist: Dan Mullen, der jüngst auch bei den Florida Gators als HC im Gespräch war.

Die Bulldogs werden in dem Spiel Acht geben müssen auf den explosiven QB der Wolverines, Denard Robinson. Robinson spielte zu Saisonbeginn gewaltig auf, ist ein Sprinter mit Wurfarm, aber insgesamt ist Robinson (noch) zu unkonstant und lauf-fokussiert. Robinson ist vor allem unglaublich wendig und stolpert nur selten, obwohl der Mann stets mit offenen Schuhlitzen spielt.

Mississippi State hat schon gegen Cam Newton gespielt – und Newton damals im September halbwegs ordentlich unter Kontrolle gehalten. Aber Robinson ist athletisch noch einmal eine Kategorie höher anzusiedeln, wenn auch nicht ganz so souverän im Einsetzen seiner Lauf-Fähigkeiten.

Ich bin mir ob des Spielausgangs nicht sicher. Michigan ist offensiv nur Denard Robinson und hat in der Defense arge Probleme offenbart. Die Bulldogs kenne ich viel zu wenig. Ich würde eher auf einen Bulldogs-Sieg tippen.

NFL Week #17 Preview

Drei Playoffplätze sind noch zu vergeben und die Seedings können noch mächtig durcheinandergewirbelt werden, von daher: Ich erwarte einen hitzigen letzten Spieltag am Sonntag, der getränkt ist mit Divisionsspielen. Ich finde die Spielauswahl von ESPN America erfreulich.

Sonntag: Live-Übertragugen

19h00 New Orleans Saints – Tampa Bay Buccs
22h15 Green Bay Packers – Chicago Bears
02h20 Seattle Seahawks – St Louis Rams

Montag: Tapes

15h30 Cleveland Browns – Pittsburgh Steelers
17h30 Indianapolis Colts – Tennessee Titans

New Orleans Saints – Tampa Bay Buccaneers

Sonntag, 19h live. Die Saints haben dank MNF-Sieg in Atlanta ihre Fahrkarte gelöst und noch Außenseiterchancen auf den #1-Seed. Die Buccs brauchen einen Auswärtssieg in New Orleans gepaart mit Niederlagen von Giants UND Packers.

Eine sehr theoretische Chance also. Trotzdem und trotz der Tatsache, dass die Buccs nicht in der Lage waren, die größeren Namen zu besiegen, haben sie mir heuer sehr gefallen. Coach Raheem Morris redet bis auf wenige Ausnahmen nicht viel, sondern macht einfach seine Arbeit. Wenn ich mich darüber aufrege, dass junge Coaches mit wenig Coordinators-Erfahrung zum Head Coach gemacht werden – Morris ist dafür kein Grund. Die Buccs haben eine spannende Offense mit einer starken Offense Line, Comeback-Kid QB Josh Freeman, der mich heuer begeistert hat, RB Legarrette Blount, dem einstigen Schläger von Boise, WR Mike Williams und TE Kellen Winslow jr.

New Orleans war phasenweise sehr passlastig, und QB Drew Brees hat eine überraschend fehlerträchtige Saison gespielt (21 Interceptions!), bringt aber mehr als zwei Drittel seiner Pässe an den Mann. Die Saints-Defense ist überraschend stark gegen das Passspiel gewesen – aber gegen Tampa muss man mit allen rechnen: Die Buccs sind sehr unberechenbar und rücken zur Not einen gaaaaanz langen Punt Return raus, um ein Spiel plötzlich zu drehen… Tipp: Die Saints gewinnen.

Green Bay Packers – Chicago Bears

Sonntag, 22h15 live. Chicago ist als NFC-North-Champ durch und hat wie New Orleans eine Außenseiterchance auf die #1. Green Bay hat sein Schicksal in der eigenen Hand, kann mit einem Sieg die Playoffs schaffen, aber mehr als Seed #6 ist nicht drin.

Ein bisschen Feel Good gibt es auch für die Packers. In Green Bay verletzte sich heuer ein Spieler nach dem anderen, inklusive Komplettzusammenbruch von Laufspiel und Laufdefense. Anfang Oktober war ich drauf und dran, die Packers nach einem Graupenspiel in Washington abzuschreiben, aber dann haben sie sich mit einem starken November wieder in Playoff-Nähe gespielt. Zuletzt ein paar unkonstante Spiele. Offensiv sind die Cheeseheads abhängig vom grandiosen QB Aaron Rodgers, dessen Nicht-Berücksichtigung für die Pro Bowl zum Skandal taugen würde, hätte die Pro Bowl nur ansatzweise an Standing.

Chicago hatte zu Saisonbeginn große Probleme, QB Jay Cutler Zeit zu geben. Folge: Viele INTs. Aber mittlerweile haben die Bears das Problem im Griff und schon spielt Cutler eine ganze Etage höher. Die Defense (v.a. gegen den Lauf) ist schlicht beeindruckend und DE Julius Peppers dürfte den Defensive-MVP-Preis bekommen, aber das soll Cutlers Saison nicht schmälern. Das Laufspiel um RB Matt Forte ist oft genug weggebrochen und die Offense produziert nicht viele Yards, aber Cutler hat im kritischen Moment die ganz dicken Hosen an.

Schon aufgrund der Historie ein wichtiges Duell: Green Bay und Chicago können sich nicht riechen und spielen seit 1921 gegeneinander. Damals hießen die Bears noch Staleys und Football wurde noch in putzigen Schlapphosen gespielt. Für die Bears sollte es einige Motivation sein, Green Bay aus dem Bewerb zu schießen.

Tipp: Trotz allem Green Bay.

Seattle Seahawks – St Louis Rams

Sonntag/Montag 02h20 live. Das letzte Spiel der Regular Season, und was für eins: Es geht im direkten Duell der beiden um den Titel in der NFC West, den #4-Seed in der NFC und darum, welche Mannschaft sich danach eine Woche lang anhören darf, wie unverdient sie in die Playoffs eingezogen ist. St Louis könnte die Ehre der NFC West retten und eine 8-8 Bilanz schaffen. Seattle kann den Historikern Freude bereiten und abseits der Streiksaisons als erste Mannschaft mit negativer 7-9 Bilanz die Playoffs schaffen.

Die Seahawks… ich habs letzte Woche geschrieben:

Die Seahawks würgten sich zu sechs Siegen. Wie? No Idea. In allen Yards-, Effizienz- und Turnover-Statistiken ist man im unteren Drittel oder schlechter angesiedelt. Zudem hat man 84 Punkte mehr kassiert, als erzielt, was u.a. daran liegt, dass man sich in einigen Spielen gegenwehr- und willenlos abschlachten hat lassen.

Hat sich nix daran geändert. Außer, dass die Punktebilanz mittlerweile bei -107 liegt. MINUS EINHUNDERTUNDSIEBEN. Dazu kommt, dass QB Matt Hasselbeck sich mit Hüftverletzung herumplagt. Immerhin ist Seattle „heimstark“: 4-3, Siege gegen San Francisco, San Diego, Arizona und Carolina…

Die St Louis Rams hatte vor der Saison keiner auf der Rechnung – zu grottig waren die letzten beiden Jahre. Ohne die Rams heuer jemals spielen gesehen zu haben: Der Strenght of Victory ist ziemlich unterirdisch: Nur ein herausgewürgter Sieg gegen San Diego würde bei den Votern in einem BCS-System leichtes Anheben der Augenbrauen verursachen. Der Rest? Washington, Seattle, Carolina, Denver, Arizona, San Francisco…

Irgendwie haben die Rams Glück, heuer ausgerechnet gegen die ähnlich maue AFC West gematcht worden zu sein, bzw. Glück, dass die anderen Divisionsvierten ebenso schwache Saisons erlebt haben. Gilt irgendwie für die gesamte NFC West, die bei einem Aufeinandertreffen mit einer AFC East noch unterirdischere Saisonbilanzen eingefahren hätte.

Wie dem auch sei: Rookie-QB Sam Bradford hat dem allgemeinen Tenor nach eine starke Saison gespielt und wird Offensive Rookie des Jahres. Bradfords Bilanz: 3357yds, 18TDs, 14INTs, 60.5%Completion. Nicht schwach, wenn man sich die Namen der Wide Receivers durchliest und daran denkt, dass die besten WRs Avery und Clayton schon lange auf der IR stehen.

RB Steven Jackson hat mal wieder über 1000yds eingefahren. Dem Mann würde ich eine Playoff-Teilnahme mal richtig gönnen. Jackson kämpft gegen eine Reihe an Verletzungen, macht aber seit Jahren trotzdem richtig gute Spiele, obwohl die Rams ganz furchtbar chancenlos waren. Jackson hat sich nie großartig beklagt, dass er seine Blütezeit in St Louis verschwenden musste. Respekt dafür.

Tipp? Ich bin gespalten. St Louis hat das begeisterungsfähigere Spielermaterial, aber die Auswärtsschwäche… Seattle ist gefühlt immer noch eine heimstarke Mannschaft, aber viel zu oft willenlos untergegangen. Leichte Vorteile Seahawks, wegen der größeren Erfahrung und des Qwest Fields.

Cleveland Browns – Pittsburgh Steelers

Montag, 15h30 Tape. Wir kriegen die Browns zu sehen! Die Browns! Head Coach Eric Mangini soll in Cleveland trotz einer respektablen Saison vor dem Abschuss stehen – zu groß sind die Differenzen mit Sportdirektor Mike Holmgren, der den Laden nur zu gerne wieder coachen möchte. Cleveland ist ein Team ohne große Namen, hat aber dem Vernehmen nach einen sehr physischen Spielstil der ganz alten Schule. Die Offense wird angeführt von QB Colt McCoy, RB Peyton Hillis und Allzweckwaffe Josh Cribbs. Die Defense ist ein namenloser Haufen, nicht besonders sackfreudig, aber immer für eine Interception gut. Wie immer bin ich gespannt, wie es in Cleveland weitergehen wird. „5-10“ und man spricht von einer eher rosigeren Zukunft – wie so oft.

Pittsburgh braucht einen Sieg, um nicht eventuell noch Seed #2 an Baltimore verlieren. Bei einer Niederlage ist auch ein Rückfall auf die #6 nicht undenkbar (BAL und NYJ gewinnen).

Indianapolis Colts – Tennessee Titans

Montag, 17h30 Tape. Die Colts sind mit einem Sieg durch. Bei einer Niederlage muss man auf eine Niederlage der Jacksonville Jaguars hoffen. Die Vorzeichen stehen gut: Tennessee ist nach dem Krach um QB Vince Young ein Trümmerhaufen und die Offense trotz Topmaterial ganz schwach. HC Jeff Fisher steht vor dem Abschuss. Die Colts haben eine enttäuschende Saison gespielt. Dank ganz mauer AFC South sollte es trotzdem für die Post Season reichen.

Bowl Season 2010/11, Tag 11: Seminoles, Baby.

Silvesterabend, halb zwei Uhr: Die Florida State Seminoles spielen. Footballfan mit weiblichen Schwingungen Seminole, im Leben außerhalb von Bits und Bytes einfach nur die Sabine, ist eine ehemalige FSU-Studentin. Ihr Senf zum Thema „Football an Silvester“.

Chick-fil-A Bowl

Fr./Sa., 31.12. um 01h30 live bei ESPN America

#23 Florida State Seminoles – #20 South Carolina Gamecocks

Das Neueste zuerst: Mädchen shoppen gerne! Hierzulande und übern Teich, überall dasselbe. Auch in Tallahassee, Floridas Hauptstadt und Heimat der Florida State University. So war die Mall am Governor’s Square, 2km vom Campus, immerzu ein attraktiver Ort… An so einer Mall darf in Amiland kein Schnellimbiss fehlen. Willkommen bei Chick-fil-A. Dort, wo sie dir die Hühnchen nachschmeißen, dass McDonalds vor Neid erblasst.

Ein paar Kilometer weiter nördlich, in Atlanta, hat Chick-fil-A seine Zentrale. Atlanta ist auch der Ort, wo seit den 60ern der Peach Bowl ausgespielt wurde. Peach wie der gute alte Pfirsich. Vor ein paar Jahren kaufte sich Chick-fil-A den Namen des Pfirsich-Bowls und so läuft er jetzt nicht mehr unter Steinobst, sondern unter „Gefülltes Huhn ohne Champignons“.

Chick-fil-A Bowl: s’Hühnchen rupfen!

Ich könnte kotzen. Nicht bloß, weil ich das Zeug nicht gemocht habe. Sondern wegen der Terminansetzung. Silvesternacht um halb zwei. Wer schaut sich um die Zeit ein Footballspiel an? Obwohl die FSU spielt: Da hülft nur das nette Tape.

Die Köpfe: Die FSU wird Quarterback Chris Ponder verabschieden. Er geht in die NFL. Der neue Coach Jimbo Fisher hat schon den Nachfolger gefunden: EJ Manuel wird uns in Zukunft führen.

Sicher nicht in die NFL wird Avis Commack gehen, obwohl ich es mir wünschen tät. Ich hab Avis bei einer kleinen Soiree kennengelernt. Avis war damals Freshman und eigentlich Hürdensprinter. Obwohl er High-School-Champion in Florida war, ging bei ihm trotzdem nix über Football. Avis, Wide Receiver und mit Stipendium ausgestattet. Gespielt hat er nicht wirklich oft, Bälle hat er kaum welche gesehen. Mittlerweile ist er zum Cornerback umfunktioniert. Heuer hatte er einige Probleme – im Winter brach er sich beim Sprinten den Oberschenkel. Ich hoffe mal auf ein paar Plays Einsatz. Avis, lauf soweit dich deine Beine tragen!

Die Geschichte: Auf alle Fälle geht es wieder aufwärts mit den Noles. Die ganz große Zeit war in den 80ern und 90ern unter Trainerlegende Bobby Bowden. Die FSU war damals das dominante Team im College Football, und das landesweit. In den letzten Jahren haben die ganz großen Erfolge gefehlt, und deswegen nahm Bobby Bowden im letzten Jahr auch seinen Hut, mehr gezwungen, denn freiwillig. Unter Jimbo Fisher ist es heuer wieder aufwärts gegangen. Das Doak Campbell Stadium ist wieder dauerausverkauft und der Sound im Stadion wieder gefürchtet. Dieser Bowl kann trotz Chris Ponders Abschied nur Zwischenstation sein.

Die Anderen: Was vergessen? Gegner der Noles wird South Carolina sein. NFL-Fans werden Steve Spurrier kennen. Spurrier hat in den 90ern mit Offensivspektakel für viel Action bei den Florida Gators gesorgt und eine Handvoll legendäre Spiele gegen die FSU gespielt. In der NFL ging als Redskins-Trainer aber gar nichts. Jetzt ist Spurrier seit ein paar Jahren mäßig erfolgreich bei South Carolina. Heuer schaffte er es ins SEC-Finale, aber Cam Newton war dort dann doch zu gut. Für die Noles wird es ein Wiedersehen mit Spurrier und die Erinnerung an die Glanzzeiten.

Die Hühnchen: Ah ja – die Footballer von South Carolina schimpfen sich übrigends Gamecocks. Gamecock wie Hahn. Was tischt Chick-fil-A noch mal auf?

Genau die richtige Bowl für die Seminoles, die Hühnchen zu rupfen… Vorwärts, Seminoles!

So weit Sabines Geschichten. Zum Sportlichen:

Florida State hat mich heuer nicht überzeugt, und trotzdem stimme ich dem Punkt „Aufwärtstrend“ zu. Die Defense ist kein Vergleich zum Vorjahr, wenn auch noch verbesserungswürdig gegen den Lauf. In der Offense wird trotz eines QBs wie Chris Ponder gelaufen. Viel gelaufen. Ponder hat Probleme mit seinem Ellbogen und wird gegen die Gamecocks vielleicht gar nicht spielen – man will seine Zukunft in der NFL nicht aufs Spiel setzen. Meines Ermessens größte Stärke der Seminoles: Die Offense Line. Guard Rod Hudson wurde von ESPN ins All-America Team verufen.

South Carolinas Offense ist recht sexy. QB Steve Garcia ist großgewachsen und wurfstark, aber diese Aussetzer immer wieder… Kein konstanter QB und für mich nichts für die NFL. RB Marcus Lattimore ist der Meistbeschäftigte in der Offense mit 1198yds und 17TDs. Star der Offense ist aber WR Alshon Jeffery (1387yds, 9TDs), der für die Hälfte aller Passyards zuständig ist. Ein Receiver, den wir garantiert in der NFL sehen werden, aber frühestens 2012. Jeffery ist Sophomore – ein erschreckender Gedanke.

Ich würde die Theorie des Grillfestes nicht unterstützen. Für mich ist South Carolina recht eindeutig favorisiert.

Die anderen Bowls zu Silvester

Silvester heißt im Hause korsakoff: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Das Gastgewerbe ist gnadenlos und lässt keine Feier zu – nicht bis zwei Uhr nachts. Von daher für mich doppelt kein großer Bowl-Abend. Ein paar Notizen zum restlichen Geschehen im College Football an dem Abend.

Meineke Car Care Bowl, 31.12. um 18h live bei ESPN America. Die Clemson Tigers (ACC) spielen gegen die South Florida Bulls (Big East). Ein Duell zweier schlechter Offenses. Dafür treffen hier bombige Defenses aufeinander. Stärke der Tigers-Defense: Schnelligkeit und Flinkheit. Angeführt werden sie von DE Da’Quan Bowers, der in den Top 10 gedraftet werden wird. Die Bulls gelten als Defense des Typs „Ravens“: Gnadenlose Hits, viele blaue Flecken. Kickoff um 18h MEZ – könnte sich also für Dinner for One in der Halbzeit ausgehen…

Hyundai Sun Bowl, um 20h, aber bei uns erst am Neujahrstag um 14h30 in der ESPNA-Aufzeichnung zu sehen. Zwei ganz große Namen treffen aufeinander: Die Miami Hurricanes und die Notre Dame Fighting Irish. College-Football-Glamour, aber leider nur Glamour vergangener Tage. Miami spielte trotz guter Recruitings in den letzten Jahren eine ganz schwache Saison (7-5 mit einem Debakel gegen die FSU), schmiss daher den schwarzen Head Coach Randy Shannon raus. Der Neue ist Al Golden, dessen Vita die Umkrempelung von Temple ausweist. Miami läuft viel, scort aber wenige Punkte. Emotionale Komponente: Vor ein paar Tagen starb die Mutter von RB Mike James bei einem Autounfall.

Notre Dame hat nach den unseligen Jahren unter Charlie Weis den ehemaligen Cincinnati-Coach Brian Kelly eingestellt. Kelly lässt ein extrem schnelle Offense spielen, aber die Resultate waren heuer eher durchwachsen. 7-5. Einige gute Spiele waren dabei: Nur knappe Niederlage gegen Michigan State, Sieg gegen Utah. Insgesamt aber trotz vieler Pass-Yards zu wenige Punkte. Positiv: QB Nate Montana (der Sohn von Joe) hat seine Football-Karriere hingeschmissen. Montanas Pässe waren einfach grausam.

Mein Favorit ist Miami.

AutoZone Liberty Bowl, 21h30 live bei ESPN America. Die Central Florida Knights haben die Conference USA gewonnen und sind noch ein recht junges Programm in der FBS, bisher noch kein Bowl-Spiel gewonnen. Die Georgia Bulldogs sind ein sehr großes Programm, aber seit dem Abgang von QB Matt Stafford etwas in der Krise – und mit einem Coach Mark Richt, der als dead man walking gilt. Das wichtigste Duell in diesem Spiel: UCFs Laufspiel (#25) gegen die miserable Lauf-Defense der Bulldogs.

NFL Playoffs 2010/11: Die letzten Geheimnisse von Woche 17

Nicht nur dank des strahlenden Wetters hat sich das Playoff-Bild deutlich aufgehellt. Noch ein Spieltag, dann geht der Spaß richtig los! Als erste Einstimmung auf den Sonntag mal kurz deine Aufschlüsselung der Positionen für die NFL Playoffs.

Vorab schon mal bemerkt: Der Schachzug der NFL, möglichst viele Divisionsspiele an den letzten beiden Spieltagen auszutragen, ist voll aufgegangen. So viel Spannung war lange nicht mehr drin im Rennen um die 12 Plätze.

AFC

Fünf von sechs Teams stehen fest: New England, Pittsburgh, Kansas City, N.Y. Jets und Baltimore. Das sechste Team wird aus der AFC South kommen – Indianapolis und Jacksonville streiten sich um den Platz. Bezüglich der Seeds steht bislang nur New England als #1 fest.

#1 New England Patriots (13-2). Steht fest.

#2 Pittsburgh Steelers (11-4). Die Steelers sind AFC North-Champ und behalten den #2-Seed, wenn sie ihr letztes Spiel in Cleveland gewinnen oder wenn Baltimore daheim gegen Cincinnati verliert. Es gilt: Bei gleicher Bilanz steht Pittsburgh vor Baltimore. Ein erheblicher Unterschied: Sollte Pittsburgh verlieren, können sie unter Umständen (BAL gewinn und NYJ gewinnen) auf #6 abfallen.

#3 Kansas City Chiefs (10-5). Faustdicke Überraschung, aber der #3-Seed noch nicht ganz fix: Wenn Kansas City das Heimspiel gegen Oakland verliert und Indianapolis sein letztes Spiel gegen Tennessee gewinnt, fallen die Chiefs auf Seed #4. Die Playoffteilnahme haben die Chiefs aber in der Tasche –

#4 Indianapolis Colts (9-6). Mit einem Sieg in der eigenen Halle gegen Tennessee sind die Colts durch und bei entsprechendem Ausgang sogar mit Chancen auf die #3, weil Kansas City besiegt wurde. Mit einer Niederlage und einem Jaguars-Sieg in Houston rutschen die Colts aber durch das Sieb.

#5 Baltimore Ravens (11-4). Baltimore kann bei entsprechendem Ausgang noch die AFC North gewinnen und #2 werden. Die Ravens sind aber mindestens #5, weil sie im ersten Saisonspiel die Jets geputzt haben.

#6 N.Y. Jets (10-5). Für die Jets gibt es nur Seed #6, außer bei einem Szenario: Pittsburgh verliert, Baltimore gewinnt und die Jets gewinnen selbst auch. Dann würden sie dank gewonnenem direkten Duell an den Steelers an #5 vorbeirutschen.

Noch mit Playoff-Chancen: Die Jacksonville Jaguars. Bei eigenem Sieg in Houston und Colts-Niederlage gegen Tennessee kriegen die Jags die AFC South-Krone und Seed #4.

NFC

Wesentlich komplizierter ist das Bild in der NFC. Vier Teams stehen fest (Atlanta, Chicago, Philadelphia, New Orleans), aber einzig und allein der #3-Seed der Eagles ist unverrückbar. Und in Seattle steigt gar ein direktes Endspiel um den #4-Seed – als Sunday Night Game. Wer hätte das gedacht?

#1 Atlanta Falcons (12-3). Das Spiel gegen die Saints wird vermutlich ohne Schaden bleiben: Am Sonntag wartet Carolina und der Sieg darf als sicher eingebucht werden. Mit Sieg die #1 der NFC. Bei einer Niederlage wird es komplizierter: New Orleans und Chicago hätten dann bei entsprechendem Ausgang die Chance auf die #1.

#2 Chicago Bears (11-4). Dank der Eagles-Niederlage ist Chicago sicher an #2, mit der angesprochenen kleinen Gelegenheit auf die #1. Wichtig ist Woche 17 trotzdem: Man kann Green Bay rausschießen.

#3 Philadelphia Eagles (10-5). Saudumme Pleite gegen Minnesota. Jetzt kommt noch Dallas. Die Eagles haben den Seed #3 in der Tasche und werden weder runter-, noch raufrutschen.

#4 St Louis Rams (7-8). Die Rams müssen nach Seattle fahren und sie dürfen dort nicht verlieren. Bei einer Niederlage ist St Louis raus, bei einem Sieg oder einem unwahrscheinlichen Remis durch.

#5 New Orleans Saints (11-4). Haben den Fahrschein abgestempelt – wohl gen Westen. Aber noch gibt es die kleine Chance auf Seed #1. Dafür braucht es Atlantas Heimniederlage gegen Carolina. Die eigene Aufgabe ist auch nicht ohne: Es kommt Tampa Bay in den Superdome.

#6 Green Bay Packers (9-6). Die Packers empfangen Chicago. Ein Sieg reicht zur Playoff-Teilnahme, aber Seed #6 ist das Maximum. In den Wild Cards ginge es nach Philadelphia – wo die Packers am ersten Spieltag Michael Vicks Karriere wiederbelebt haben…

Es sind noch drei weitere Teams in der Lostrommel.

Seed #4: Wenn die Seahawks das Heimspiel gegen St Louis gewinnen, schreiben sie Geschichte – als erstes Team seit der Streiksaison 1982 mit negativer Bilanz in den Playoffs. Als Belohnung würde wohl Titelverteidiger New Orleans im Qwest Field aufwarten.

Seed #6: Green Bay hat das Schicksal in der Hand. Sollten die Packers aber patzen, lauert ein Duo an 9-6 Teams. Die Schicksalsreihenfolge sieht so aus:

Die N.Y. Giants fallen doch noch rein, wenn sie in Washington gewinnen und Green Bay sein Spiel verliert.

Tampa Bay hat eine sehr ordentliche Saison gespielt. Die Buccs brauchen aber Schützenhilfe von Chicago (gegen Green Bay) und Washington (gegen die Giants). Und müssen dann immer noch in New Orleans gewinnen – ich denke, die Playoffs für Tampa kann man damit getrost abhaken.

Der Vollständigkeit halber die NFL-Übertragungen bei ESPN America an diesem letzten Regular-Season-Wochenende. Genauere Vorschau sollte noch folgen.

Sonntag, 2.1.2011: Live-Übertragugen
19h00 New Orleans Saints – Tampa Bay Buccs
22h15 Green Bay Packers – Chicago Bears
02h20 Seattle Seahawks – St Louis Rams

Montag, 3.1.2011: Tapes
15h30 Cleveland Browns – Pittsburgh Steelers
17h30 Indianapolis Colts – Tennessee Titans

Bowl Season 2010/11, Tag 10: In Nashvilles Bowl steckt eine Menge Musik und Locker ist nicht locker

Sollte der 29.12. „fett“ sein, fehlt für den 30.12. das passende Vokabel. Vier Bowls, verstreut über die Staaten. Dallas, New York, Nashville, San Diego – jede Region hat ihre Bowl. Von 18h bis um halb acht Uhr morgens gibt es volles Programm.

Bell Helicopter Armed Forces Bowl

Do., 30.12. um 18h live bei ESPN America

Southern Methodist Mustangs – Armed Forces Black Knights

Auf der einen Seite spielen die Black Knights von der US Army. Ein sehr laufintensives Team, für Freunde der Option-Laufspielzüge wie geschaffen. Man bedenke: Die Army wirft im Schnitt nur 10x pro Spiel, bei 56 Läufen!

Für den Clash der Kulturen sorgt der Gegner. Denn der kommt mit einer sehr passgewaltigen Offense daher: Run and Shoot nennt sich das System von Head Coach June Jones. Jones ließ diese Offense schon zu Zeiten als NFL-Coach in Atlanta spielen, scheiterte damit grandios (wer erinnert sich an Jeff George?). Jones war 1998 nochmal für kurze Zeit Interimscoach in San Diego, ehe er zu einem am Boden liegenden College wechselte: Hawaii. Trotz minimalem Budget krempelte Jones die Hawaii Warriors um und machte sie zu einem der passgewaltigsten Programme. Jones gab sich extrem gewandt im Umgang mit den Medien und mutierte in Manoa zum Publikumsliebling. Das konnte ihn Ende der 2007er-Saison aber nicht davon abhalten, seine Zelte unter den Vulkanen abzubrechen – nach einer (verlorenen) Sugar Bowl(!)-Teilnahme.

Jones wiederholte sein Spielchen und ging in den Süden der USA, wieder zu einem aberwitzig kleinen Programm. Besser gesagt, einer Uni, die vor Urzeiten mal guten Football hatte spielen lassen – bis sie 1987 dabei erwischt wurde, wie sie Athleten bezahlte. Ein Unding. Wofür heute die USC (Reggie Bush!) mit einer Bowl-Ausladung und Auburn (Cam Newton!!!) mit einer lächerlichen Abmahnung „bestraft“ werden, dafür musste diese Uni annodazumal die „Todesstrafe“ (siehe auch „Pony Excess“ aus der 30 for 30-Serie von ESPN) einstecken: Eine Saison Sperre, jahrelangen Verlust von Stipendien und Verlust der kompletten Mannschaft. Mehr als 20 Jahre lang litt diese Uni unter den Sanktionen, die das komplette Programm in Schutt und Asche gelegt hatten.

Auftritt June Jones. Er unterschrieb im Jänner bei eben dieser Southern Methodist University. Kurz: SMU, gelegen in einer Enklave von Dallas. Eine Uni, die der Footballwelt RB Eric Dickerson und AFL-Gründer Lamar Hunt geschenkt hat und George Double-U Bush seine Ehefrau. Eine Uni für Jus-Studenten, gegründet 1911, der evangelisch-methodistschen Kirche gehörend, und mit dem Mustang im Football-Logo.

SMU spielt unter Jones nun zum zweiten Mal hintereinander in einer Bowl. Im Vorjahr, bei Jones’ Rückkehr nach Hawaii, gewann man die Hawaii Bowl. Nun spielt Jones wieder daheim: Die Armed Forces Bowl (ausgetragen seit 2003) wird im Stadion der Mustangs ausgespielt. Grund: Das reguläre Stadion, jenes der TCU, wird renoviert. Die Mustangs werden passgewaltig daherkommen. QB Kyle Padron, ein Sophomore (zweites Jahr), produzierte 3529yds in der Regular Season, für 29TDs und 12INTs. Zwei WRs hatten über 1000yds: Der pfeilschnelle Aldrick Robinson und Cole Beasley.

Ich freue mich auf das Duell Pass gegen Option-Lauf. Und auf die coole Sau June Jones.

New Era Pinstripe Bowl

Do., 30.12. um 21h15 live bei ESPN America

Kansas State Wildcats – Syracuse Orange

Eine Premiere: Die Pinstripe Bowl findet im neuen Yankees Stadion statt, eine Baseballarena. Dementsprechend waren auch die Einladungen recht begehrt. Eine zeitlang war gar Notre Dame im Gespräch. Das ist nicht zustande gekommen, aber dafür mit Syracuse ein recht „heimatliches“ Team.

Die Orange haben aber eine mäßige Saison gespielt, 7-5 in der schwachen Big East. Die Offense ist ganz schwach, macht nicht viele Yards, spielt aber immerhin relativ ausgeglichen. Anführer ist QB Ryan Nassib, der einst seinen Job gegen Basketball-Wunder Greg Paulus verloren hatte, jetzt aber wieder sich im Sattel sitzt. Die Defense gehörte zu den besseren in der Big East, muss aber einige Ausfälle verkraften – Studenten hatten andere Dinge im Kopf als zu lernen. Das wird nicht gerne gesehen. Traurigster Ausfall bei Syracuse ist Punter Rob Long, bei dem vergangene Woche ein als einst gutartig angenommener Hirntumor sich als bösartig herausgestellt hat.

Die Wildcats sind mit 7-5 in der Big East schon sehr zufrieden. Die letzten Jahre waren schon ziemlich ernüchternd, trotz eines QB Josh Freeman, der mittlerweile die NFL begeistert. Kansas State ist unter dem zurückgekehrten Bill Snyder im Gegensatz zur unsäglichen Ära Prince fast ausschließlich Lauf-Offense (Verhältnis 2:1 zum Pass, 37 TDs), mit dem wichtigsten RB Daniel Thomas (1495yds, 16TDs).

Es wird allgemein eine punkteärmere Angelegenheit erwartet. Ich sehe den Spielausgang völlig offen – nicht nur, weil ich schon einige Male danebengetippt habe…

Franklin American Mortgage Music City Bowl

Do/Fr.., 30.12. um 0h30 live bei ESPN America, Tape zu am 31.12. um 14h

North Carolina Tar Heels – Tennessee Volunteers

Keines der beiden Teams hat eine besonders nennenswerte Saison gespielt – zumindest sportlich. Die Zeilen werden hier außerhalb des Gridirons gefüllt. Von beiden Seiten.

Tennessee gehört zu den Teams mit sehr großer Tradition. In den letzten Jahren ging es in Knoxville aber drunter und drüber, so sehr, dass vor zwei Jahren der langjährige Coach Phil Fulmer (coachte die Volunteers 1998 zum einzigen Titelgewinn) rausgeschmissen wurde. Nachfolger: Großmaul Lane Kiffin, den auch ein völlig missratenes Engagement bei den Oakland Raiders nicht bändigen konnte. Kiffin redete viel Müll und war trotz 6-Jahresvertrag schon im letzten Jänner wieder weg. Nun haben die Vols nicht nur massive Wechsel auf der Trainerposition, sondern vor allem auch viele, viele Spielerabgänge verkraften müssen. Kiffin hat viel verbrannte Erde hinterlassen.

Der neue Coach ist Derek Dooley. Der Auftakt in die heurige Saison war schwach, aber dank vier Siegen zum Saisonende wurde 6-6 herausgewürgt und die Bowl-Teilnahme gesichert, auch wenn wir über die Gegnerschaft mal lieber kein Wort verlieren (Stichwort: Masolis INT gegen die Vols an der 5yds Line, wo das EKG nicht mal mehr beeeeept). Jedenfalls ging es aufwärts, seit QB Brady für Matt Simms übernommen hat. Simms? Yep, ein weiterer der Phil-Simms-Sprösslinge.

Nun traut man Dooley in Knoxville noch nicht so sehr über den Weg, dass man ihm einen schweren Schedule aufhalsen möchte, verständlich, so wie sich der Kader u.a. dank Kiffin ausgedünnt hat. Sportdirektor Hamilton hat daher kürzlich einen bestehenden Vertrag mit einer recht starken Uni aufgekündigt, gegen die man hätte spielen sollen. Ein Move, der dem Anhang übel aufgestoßen ist.

Bei jener Uni handelt es sich um die University of North Carolina. Hamilton hat nun auf die Music City Bowl entsprechenden Druck ausgeübt, sodass die Tar Heels wenigstens in diesem Spiel Vols-Gegner sein werden. Die Tar Heels kommen angeknockt daher und werden froh sein, die Saison erst mal hinter sich zu haben.

Seit dem Frühsommer wird dort an mehreren Orten ermittelt. Grund: Illegale Kontakte zu Spieleragenten, Komplettlösungen für Prüfungen… was man halt so kennt aus den letzten Jahren. Beim Auftaktspiel war dann gleich mal die halbe Mannschaft gesperrt, und im Laufe der Saison wurden nach und nach fünf Leistungsträger inklusive DL-Coach rausgeschmissen. Am Ende haben es die Verbliebenen zu einem 7-4 gebracht – und hatten am letzten Spieltag die Chance auf das ACC-Finale. Eine Niederlage gegen die Terps zerstörte die Hoffnungen. Jetzt also Music City Bowl – ein Bowl, in dem wie wir jetzt wissen ordentlich Musik steckt!

Bridgepoint Education Holiday Bowl

Do/Fr.., 30.12. um 04h live bei ESPN America

#18 Nebraska Cornhuskers – Washington Huskies

Wer erinnert sich noch an den Weihnachtsstern? Eine Woche nach der Poinsettia Bowl findet in San Diego die deutlich beliebtere Bowl statt: Holiday Bowl. Diesmal mit einem Re-Match. Nebraska und Washington haben sich im September schon mal duelliert. Resultat: 56-21 Kantersieg der Cornhuskers.

Dieses Spiel war auch der Beginn des schleichenden Abstiegs von QB Jake Locker, der lange Zeit als #1-Pick galt. Locker ist ein großgewachsener, bulliger QB, beweglich und gesegnet mit starkem Arm. Ich bin von dem Mann aber wenig überzeugt: Locker wirft ungenau und viel Leadership hab’ ich auch nicht gespürt. Lockers Zahlen: 17TDs, 9 INTs, 2209yds, nur 56% Completion Rate. In Spiel eins gegen Nebraska brachte Locker 4 (!) von 20 Pässen an den Mann, für 71yds, 1 TD, 2 INTs. Sieht so aus, als würde Locker in diesem Spiel einige Millionen gewinnen oder verlieren können.

Nebraska auf der anderen Seite lebt von der starken Defense, die nur wenige Punkte zulässt. In der Offense wird viel gelaufen, u.a. mit dem sehr mobilen QB Trevor Martinez. Die Huskers werden nach dem Spiel in die Big Ten wechseln. Dass sie zum Abschied nicht in der Fiesta Bowl stehen, das haben sie sich selbst zuzuschreiben. Im Big-12-Finale haben sie sich mit einer Orgie an Ballverlusten eine 17-0 Führung selbst kaputt gemacht.

Es ist Lockers erstes Bowl-Spiel und gleichzeitig sein letztes College-Spiel (außer evtl. Senior Bowl). Ich sehe einen klaren Sieg der Huskers über die Huskies.

Lust auf mehr? Zur Bowl-Übersicht bitte hier entlang.

Bowl Season 2010/11, Tag 9: Triplepack oder das Beste erst frühmorgens

Ganz fetter Tag mit drei Live-Übertragungen bei ESPN America.

Military Bowl Presented By Northrop Grumman

Mi., 29.12. um 20h30 live bei ESPN America

Maryland Terrapins – East Carolina Pirates

Military Bowl. Formerly known as EagleBank Bowl, und eine dieser Retorten-Bowls der letzten Jahre (seit 2008 ausgespielt). Military… Da passt der Sponsor, der den B-2 Bomber baut, nur allzu gut. Northrop Grumman.

Viel niedlicher ist da schon das Titeltier der University of Maryland: Eine dahinvegetierende Schildkröte. „Dahinvegetieren“ ist ein gutes Stichwort, wenn man über die Terrapins in den letzten Jahren spricht. Unter dem extrem beleibten Coach Ralph Friedgen gab es zuletzt ein Auf und Ab. Friedgen ist seit 10 Jahren Coach in Maryland, nach einem ACC-Titel im ersten Jahr gab es danach viele durchwachsene Saisons, mit dem negativen Höhepunkt von 2-10 im Vorjahr.

Heuer ging es mit Freshman-QB Danny O’Brien (nur 56% Completion Rate, aber TD-INT Ratio von immerhin 21-6) wieder erkennbar aufwärts: 8-4 und am letzten Spieltag den NC State Wolfpack die Saison vermiest. Trotzdem muss Friedgen gehen. Das Management der Terps will Friedgen wohl so dringend beseitigt wissen, dass man ihm freiwillig immerhin 2 Mio. Dollar dafür bezahlt, dass er sein letztes Vertragsjahr 2011 nicht mehr coacht. Ganz schuldlos an der Entlassung ist auch der Abgang von OffCoord James Franklin (Vanderbilt) nicht. Franklin machte einen auf Mangini und begann damit, fein säuberlich die Assistenztrainer aus Maryland mitzunehmen. Die Militärbowl ist nun also das Abschiedsspiel für Friedgen.

Der Austragungsort könnte dabei nicht besser sein: Das alte RFK Stadium in Washington, nur 15km vom Uni-Campus entfernt. Die Bowl könnte gut besucht sein, zumal auch der Gegner East Carolina Pirates nicht weit entfernt liegt – für amerikanische Verhältnisse: Fünf Stunden.

Die Pirates passen mit ihrem Logo, das unweigerlich an Jim Knopf und die Wilde 13 erinnert, optisch schon besser zur Military Bowl. Die Pirates werden seit einem Jahr von einem der wenigen schwarzen Head Coaches, Ruffin McNeill, trainiert. 6-6 ist die Bilanz im Rookie-Jahr, und obwohl McNeill eher der defensiven Seite zuzuordnen ist, präsentieren sich die Pirates als offensivgewaltig. Unter Wandervogel-QB Dominique Davis (Boston College, Fort Scott, nun East Carolina) ist man eine passgewaltige Offense, die sämtliche Schulrekorde gesprengt hat. 36TDs, 3699yds. Da drücken wir mal ein Auge zu, dass es nur zu Platz zwei in der mäßigen Conference USA gereicht hat.

Vorteil Terps, ganz klar. Der 7pts-Spread in den Wettbüros ist mir zu klein.

Texas Bowl

Mi./Do., 29.12. um 00h00 live bei ESPN America

Baylor Bears – Illinois Fighting Illini

Nächste Retortenbowl. Die Texas Bowl kommt ohne Sponsor aus, zahlt aber dementsprechend nur sehr wenig Geld aus (weniger als 1M pro Conference). Gespielt wird im riesigen Reliant Stadium in Houston, und dank guter Teamwahl war das Spiel bei den bisherigen vier Ausgaben stets ordentlich besucht. Mit der Baptistenuni Baylor ist auch diesmal ein texanisches Team dabei.

Die Bears sind keine der Größen. Zu Zeiten der Southwestern Conference war das mal ein respektables Team, aber seit deren Zusammenbruch und der Fusion zur Big 12 war man lange nicht mehr in einer Bowl dabei. Sehr lange – seit 16 Jahren. Heuer spielte man eine für Baylors Verhältnisse sehr, sehr gute Saison, mit dem Highlight eines Auswärtssieges bei den Texas Longhorns vor 100.000 Zuschauern in Austin. Am Ende war die Bilanz 7-5, nach einer Niederlagenserie zum Saisonende. Zwischendurch war man sogar mal in den Rankings dabei.

Der QB Robert Griffin spielt eine sehr gute Saison, wenn man diese letzten drei Spiele eben ausnimmt, die alle verloren wurden. Griffin ist wurfgewaltig (3195yds, 21TDs), aber auch laufstark (591yds, 8TDs).

Gegner Illinois spielt unter Ron Zook (jo, der Mann, der Florida in Grund und Boden gecoacht hat) eine Option-basierte Offense mit dem perfekten QB dafür: Nathan Scheelhaase, recht passstark (1500yds, 17TDs) und sehr laufstark (815yds, 4 TDs). Arbeitstier in der Offense ist der RB #5 Mikel Leshoure (1513yds, 14TDs), der gegen die Northwestern 330yds gemacht hat. Ähnliche Voraussetzungen also für beide Mannschaften.

Die Wettbüros sehen das ähnlich: Nur mit 2pts ist Baylor favorisiert.

Valero Alamo Bowl

Mi./Do., 29.12. um 03h15 live bei ESPN America, Tape am 30.12. um 9h morgens

#14 Oklahoma State Cowboys – Arizona Wildcats

Geradezu eine Traditionsbowl im Vergleich zu den anderen beiden ist die Alamo Bowl in San Antonio, Texas (seit 1993). Gespielt wird im sinnlosesten Stadion ever, dem Alamodome, das einst gebaut wurde, um eine NFL-Mannschaft anzulocken. Der Versuch ist fehlgeschlagen und so braucht man in San Antonio händeringend Veranstaltungen, um die Betriebskosten der riesigen Halle zu decken. Eine Bowl mit 3 Millionen Dollar Playout ist da nicht die unattraktivste Möglichkeit.

Die Oklahoma State Cowboys kommen da gerade recht. Ein Team, nicht allzu weit entfernt beheimatet und extrem offensivgewaltig. Mit QB Brandon Weeden (4037yds, 32TDs, 13 INTs) und WR Justin Blackmon (102 Catches (!) für 1663yds, 18TDs) ist hier eine Combo am Werk, die weiß, wie man Yards zurücklegt. Dazu gesellt sich ein Star-RB wie Kendall Hunter (1516yds, 16 TDs), bei dem man noch nicht ganz so genau weiß, ob er nur ein Produkt der Pass-Entlastung, oder wirklich so gut ist.

Die Cowboys sind allerdings noch im Aufbau – und so setzte es gegen die routinierten Mannschaften die einzigen beiden Saisonniederlagen (Nebraska und nach wildem Schlussviertel auch gegen Oklahoma).

Gegen die Sooners von Coach Bob Stoops verpassten die Cowboys durch das 41-47 auch die Chance auf Big-12-Finale und in weiterer Folge die Fiesta Bowl. Nun kommt in der Alamo Bowl Arizona daher, Arizona auch mit einem Stoops an der Spitze: Mike Stoops, der Bruder von Sooners Bob.

Die Wildcats haben über weite Strecken eine starke Saison gespielt. Allerdings folgte dann ein fürchterlicher November mit vier Niederlagen in Serie. Fast prototypisch war das Spiel in Eugene, Oregon. Nach erster Hälfte mit massiven Big Plays und 19-14 Führung folgte der Einbruch in Halbzeit zwei. Am Ende eine glasklare 29-48 Pleite bei den Ducks. Dabei ist QB Nick Foles nicht der allerschlechteste.

Schlecht bei den Wildcats ist vor allem die Lauf-Defense.

Ich sehe einen Sieg und insgesamt viele Punkte für Oklahoma State kommen. Obwohl die Wildcats jetzt ein paar Wochen Zeit hatten, sich nach dem desaströsen Saisonfinale wieder zu sammeln: Die beiden Top-Offenses, die sie bisher serviert bekommen haben (Oregon, Stanford), haben den Wildcats mal eben 90 Punkte eingeschenkt.

Bowl Season 2010/11, Tag 8: Die Enttäuschten im Doppelpack

Tag 8 der Bowl Season 2010/11. Diesmal mit zwei live übertragenen Spielen. Es geht schön langsam in Richtung wichtigere Bowls.

Champ Sports Bowl

Di./Mi., 28.12. um 0h30 live bei ESPN America, am 29.12. um 12h30 als Tape (s. Kommentar)

#22 West Virginia Mountaineers – North Carolina State Wolfpack

Die Champ Sports Bowl wird in Orlando ausgetragen. Orlando? Citrus Bowl? Richtig, Citrus Bowl, aber nur das Stadion, in dem annodazumal auch ein paar Spiele der Fußball-WM 1994 ausgetragen wurden. Die Champ Sports Bowl ist jedoch nicht die Nachfolgerin des ehemaligen Citrus-Bowl-Spiels. Dieses findet in am Neujahrstag im gleichen Stadion statt – unter dem Namen Capital One Bowl.

Die Champ Sports Bowl haben sie ursprünglich unter einem anderen Namen in Miami gegründet, 1990, um das damals neue Stadion der Dolphins zu pushen. Mittlerweile ist dort die Orange Bowl beheimatet. Seit 2000 wird dieses Spiel ein paar Tage nach Weihnachten in Orlando ausgespielt.

Wir hätten da zum Einen die #22 West Virginia Mountaineers, Zweite in der Big East. Die Mountaineers haben rein von den Ergebnissen kein ganz schlechtes Jahr gespielt, 9-3, und eine recht knackige Defense, vor allem gegen den Lauf, präsentiert. Offensiv war das jedoch trotz des soliden QB Geno Smith sehr mau. Und vor allem: Ende Oktober wurde in der Overtime gegen Connecticut verloren. UConn hat dadurch eine Einladung in die Fiesta Bowl bekommen, während die von allen Experten als besser angesehenen Mountaineers trotz des starken Schlussspurts nach Orlando „müssen“.

Dass man in Morgantown nicht zufrieden ist, wäre eine Untertreibung. Der Sportdirektor Oliver Luck (Vater von Stanford-QB und möglichem #1-Pick Andrew Luck) setzte Head Coach Bill Stewart vor ein paar Tagen das Messer in den Rücken und kaufte den Offensive Coordinator der Oklahoma State Cowboys ein, Dana Holgorsen. Holgorsen hat bei den Cowboys eine passgewaltige Offense zusammengezimmert. In Morgantown wird er zunächst ein Jahr als OffCoord arbeiten, ehe er 2012 Stewart beerben wird. Eine merkwürdige Strategie. Aber Luck hat offenbar Ambitionen auf den Gewinn des National Championship.

Stewart wird in einem Jahr im Management mitarbeiten. Die Coach-Karriere ist damit nicht die längste gewesen: Vor drei Jahren war Stewart als Nachfolger für Kotzbrocken Rich Rodriguez kurz vor der Fiesta Bowl in den Sessel gerutscht.

Noch mehr als bei West Virginia liegt bei Gegner N.C. State der Fokus in der Offense auf dem Pass-Spiel. QB Russell Wilson hat über 3000yds geworfen und 26TDs, aber am Ende hat es nicht zum ACC-Finaleinzug gereicht. Das Wolfpack versagte gegen die Terps zum Ende der Regular Season. Wilson ist auch ein recht mobiler Mann, der 9 TDs via Scrambles erzielt hat. Gelaufen wird bei NC State kaum.

WVU gilt als leichter Favorit. Von der Spielweise her müsste aber die Passgewalt des Wolfpacks eher prädestiniert dafür sein, den Abwehrriegel der Mountaineers zu knacken. Bin gespannt.

Insight Bowl

Di./Mi., 28.12. um 05h30 Live-Einstieg oder zeitversetztes Tape bei ESPN America, am 29.12. um 15h als Tape (s. Kommentar)

#12 Missouri Tigers – Iowa Hawkeyes

Beide Mannschaften gehen mit unterschiedlicher Gefühlswelt in dieses Spiel. Die #12 Tigers haben unter Coach Gary Pinkel mal wieder eine sehr solide Saison abgelegt (10-2 in der Big 12), u.a. mit einem Sieg über die damals an #1 gerankten Oklahoma Sooners im Oktober. Mizzou lebte über weite Strecken von einer souveränen Defense, die selbst bessere Offenses abgewürgt hat. Im Angriff ist man sehr balanciert unterwegs, mit dem wenig fehleranfälligen QB Blaine Gebbart, der vielleicht irgendwann NFL spielen wird, und trotz der Suspendierung von RB Washington.

Die Tigers werden einzig den beiden nicht nötigen Niederlagen in Nebraska und Texas Tech nachweinen. Andernfalls hätte das durchaus eine noch erfolgreichere Saison werden können.

Gegner Iowa kommt am Boden liegend daher. Da wäre zum Einen der komplette Kollaps gegen Saisonende hin, als in der Big Ten eiskalt die drei letzten Spiele verloren wurden. Alles knappe Niederlagen, gegen die Northwestern, Ohio State und Minnesota. Aber eben Niederlagen, die für eine 7-5 Saison zuständig sind und daher inakzeptabel für die stolzen Hawkeyes.

Jetzt hat man noch an der Enttäuschung zu knabbern, da kommen noch ganz andere Probleme dazu. WR Derrell Johnson-Koulianos ist vorerst rausgeschmissen. Der Mann war die beste Offensivwaffe der Hawkeyes, naschte aber ein wenig zu viel am weißen Pulver, rauchte ein wenig zu viel Gras, futterte ein paar Pillen zu viel und hat sich womöglich eine NFL-Karriere damit kaputt gemacht. DJK ist Senior. Aber nicht der einzige auf der Blacklist von Head Coach Kirk Ferentz. RB Adam Robinson kümmerten die mannschaftsinternen Regeln nicht. Ergebnis: Rausschmiss.

QB der Hawkyes ist Ricky Stanzi, ein Senior, der heuer sehr fehlerlos gespielt hat. 25TDs, 4 INTs, aber Stanzi muss mit geschwächtem Laufspiel und ohne Top-Receiver auskommen. Positiv für Iowa: Auch die eigene Defense genügt gehobeneren Ansprüchen, allen voran dank DE Adrian Clayborn, ein Mann für die NFL. Clayborns Saison war nicht so gut wie erhofft, aber gut genug, um reihenweise Offense Lines in Angst und Schrecken zu versetzen. Rasta-Man Clayborn wird sich nach dem Spiel gen Profifootball verabschieden.

Missouri ist leichter Favorit, vor allem auch aufgrund der mannschaftsinternen Probleme in Iowa. Ich denke aber, die Hawkeyes werden ganz froh sein über die wochenlange Pause nach dem Einbruch gegen Saisonende und halte dieses Spiel trotz allem für absolut offen.

Die Insight Bowl wird im Übrigen u.a. von Matt Millen kommentiert/analysiert. Millen, der beim NFL Network die Donnerstagsspiele an der Seite von Bob Papa und Joe Theisman begleitet – und nicht gerade für Begeisterungsstürme dabei sorgt.

NFL Week #16: Der Sonntagabend im Live-Blog

Nachwehen

[09h11] Das Sunday Night Game am kommenden Sonntag ist das NFC-West-Endspiel Seattle – t Louis. Der Sieger ist in den Playoffs. Der Verlierer draußen. Beim unwahrscheinlichen Remis stünden die Rams in der Wildcard-Runde.

[08h56] Coach Watching:

Die 49ers haben Mike Singletary gefeuert – der vierte in der laufenden Saison. Kann mich nicht erinnern, dass schon mal so viele vor dem Black Monday runtermussten. Singletary soll keine Gameplans entwickelt haben und kein Playcalling gemacht haben. Er hat sich nur über Motivation definiert – Motivation? Wie viele Spieler wurden da an der Seitenlinie zusammengeschissen? Ebenfalls nicht erkennbar: Jedwede Konsequenz im Handling mit den Quarterbacks.

John Fox und Marvin Lewis haben auslaufende Verträge. Beide werden sicher nicht verlängert.

Mittlerweile sieht es danach aus, als ob auch Eric Mangini wieder unter Beschuss kommen könnte. Cleveland hat keine ganz schwache Saison absolviert und mit mäßigem Spielermaterial knallharten Football gezeigt. Aber Mike Holmgren ist Mangini übergestellt – und hat ganz andere Vorstellungen von Football.

Holmgren, und jetzt wird es interessant, möchte jedoch selbst wieder coachen. Clevelands Posten dürfte nicht der attraktivste sein – aber Holmgren war Assistenztrainer zu den großen 49ers-Zeiten. Nicht ganz ausgeschlossen, dass der Mann zurück nach San Francisco geht. Als Head Coach.

Tom Coughlin – hab gestern seinen Stuhl klappern hören. Könnte mir vorstellen, dass er runtermuss, wenn die Giants noch einmal so unvorbereitet auftauchen wie gestern. Das war lange Zeit ein unverhältnismäßig knappes Spiel. Der erneute komplette Zusammenbruch gegen Spielende ist diesmal nicht an der Defense allein festzumachen. QB Manning mit ganz grausamen INTs.

In Buffalo kann ich mir eine Entlassung von Chan Gailey vorstellen – der Neuaufbau wird unter Gailey nicht vonstatten gehen. Die Frage ist, ob man heuer noch weiterwurstelt, und dann im nächsten Jahr QBs draftet.

Houstons Gary Kubiak ist für mich seit Wochen dead man walking. Eine Defense wie Schweizer Käse und seit Jahren keine Weiterentwicklung. Und noch immer keine Siegermentalität. Kubiak könnte Denver-Coach werden.

Tennessees Jeff Fisher könnte von Owner Bud Adams geopfert werden, weil Adams verknallt in QB Vince Young ist, mit dem Fisher kein weiteres Training mehr bestreiten wird. Wäre eine verheerende Entlassung, aber aufgrund der festgefahrenen Positionen nachvollziehbar.

Tom Cable sollte in Oakland vorerst bleiben dürfen.

Norv Turner ist ein weiterer Kandidat für eine Demission. Die Chargers brauchen mehr Disziplin in ihrem Spiel – ein Problem, das schon länger existiert. Die Stats sind überragend und zwar fast alle. Nur die Siegbilanz nicht: 8-7 und das Playoff-Aus.

Macht minimum sechs freie Plätze – mit Option auf sagenhafte 12.

Green Bay Packers – New York Giants und die 22h-Spiele

[01h24] #6. Manning mit VIER INTs. Drei in den letzen drei Drives. Toller Leader. Aber es ist eh wurscht.

[01h21] 22h-Spiele:

Cincinnati 34, San Diego 20. Palmer mit einem großen Spiel – mal schauen, ob es ihm den Kopf rettet. San Diego ist damit raus, eine echte Überraschung gemessen am Potenzial der Mannschaft und gemessen an den Stats. Aber die Chargers waren ganz einfach zu schlampig, schon das ganze Jahr über.

Denver 24, Houston 23. Tim Tebow – let the hype begin. Zweiter Start, erster Sieg, und das nach 13-Punkte-Rückstand. Über 300 Pass yds und 2 TDs für Tebow. Houston ist nur mehr ein Trümmerfeld, das aufgeräumt werden wird. Kubiak ist mit Sicherheit weg.

Oakland 26, Indianapolis 31. Manning wieder mal durchwachsen. Gerettet hat das Spiel die Defense der Colts – nur 80yds Rushing für Oakland?

Tampa Bay 38, Seattle 15. Wichtiger Sieg für Tampa, schmerzlose Niederlage für Seattle. Es sei denn, Matt Hasselbecks Hüfte ist schwerer angeschlagen. 5TDs für QB Josh Freeman, der seine Stats weiter aufpoliert.

Green Bay 45, N.Y. Giants 17, 4:25min vor Schluss. Verdienter Sieg der Packers, die New York unnötig lange im Spiel hielten. Seit zwei Vierteln sorgen die Giants aber mit zig Turnovers für ihren eigenen Tod. QB Rodgers mit einem fantastischen Spiel, während Eli Manning das brachte, was man gewohnt ist: 1-2 Geistesblitze, 2-3 hirntote Aktionen. In New York beginnt ein Trainerstuhl bedrohlich zu wackeln – und es ist nicht der von Rex Ryan… Die Packers nähern sich den Playoffs damit rasant. Die Giants riskieren bei einer Niederlage in Washington sogar das Aus.

[01h11] #5 bzw. Manning/Manning #40 *kopfschüttel*

[01h03] Vierter Turnover Giants. Meine Güte – und man möchte ungern in Washington um das letzte Playoff-Ticket spielen. So kann man seine Saison auch gegen die Wand fahren. Mannings INT #22 in dieser Saison. Noch eine und die Mannings haben die 40 für die Saison geknackt.

[00h51] Den San Diego Chargers vergeht gerade Hören und Sehen. 13-33 in Cincinnati, mit einem QB Carson Palmer 16-von-21 für 269yds, 4TDs, Rating 157.2. Unglaublich – damit stehen die Kansas City Chiefs tatsächlich in den Playoffs und sind aller Wahrscheinlichkeit nach #3 und Gegner der Jets in Runde 1.

Die Chargers sind damit auch nach Bilanz die AFC-Enttäuschung der Saison. Ich würde nicht drauf wetten, dass Norv Turner auch nächste Saison noch Head Coach in San Diego ist, so schlampig wie die Chargers phasenweise in dieser Saison gespielt haben…

Und in Cincy ist nicht ausgeschlossen, dass sich Palmer doch noch den Kopf rettet – zumindest für eine weitere Saison. Palmer ist eine Baustelle, aber Cincy hat größere Sorgen.

[00h40] Die Giants demolieren sich selbst. Saudummer Fumble von WR Hakeem Nicks an der Seitenlinie und Green Bay ist endgültig am Ball, nachdem schon vor ein paar Minuten eine Challenge einen Fumble negiert hatte.

Coughlin wird schön langsam darauf schauen, wie er die Giants nach Hause bringen kann bei dem Schneesturm in New York. Und sollte sich langsam etwas beruhigen.

[00h23] Green Bay 31, New York 17. So wie Rodgers phasenweise mit langen und kurzen Bällen die Defense auseinanderlegt, sieht das für mich sehr gegessen aus. Aber niemand weiß besser wie die Giants, dass ein Spiel schnell kippen kann…

[00h06] Es wird grad nach jedem Play RB Ahmad Bradshaw gezeigt. Das hat seinen Grund – Bradshaw hat mit seinem Fumble den Packers weitere drei Punkte in den Korb gelegt. 24-14.

[23h46] Halbzeit in Green Bay. Die Packers führen 21-14, und eigentlich ist die Führung zu knapp. Ein dummer Fumble und anschließender langer Pass sind dafür verantwortlich, dass die Giants nicht schon jetzt über die problematische Heimreise nachdenken müssen.

Blick nach Oakland: Peyton Manning ist halt Peyton Manning. Führte die Colts kurz vor der Pause noch mal das Feld runter. 17-13 Colts.

Blick nach Cincy: QB Carson Palmer mit perfect passer rating? 9-von-9 für 145yds und 2 TDs. Ein vergeigter P.A.T. von ex-Makler Clint Stitser, dafür ein Goal Line Stand der Defense. 13-3 Bengals.

Blick nach Tampa: Nach einem Drive merkte Pete Carroll, wie sinnlos das Spiel ist und wechselte QB Charlie Whitehurst ein. Der startete mit drei Incompletions. Mittlerweile dominiert Tampa, 17-7. Die Buccs werden interessiert nach Wisconsin schauen und dürften aktuell erfreut sein.

[23h36] Wieder eine sauberer Drive der Packers – diesmal per Lauf zum TD abgeschlossen. Die Giants müssen sich Gedanken machen. Green Bay marschiert fast jedes Mal in die Redzone, schließt häufig mit Touchdowns ab.

[23h21] Big Play – genau das brauchte New York jetzt. WR Jordy Nelson probiert auf Teufel komm raus das 1st down zu machen. Dabei schlägt CB Ross den Ball aus dessen Hand. Bitter, da ein Field Goal relativ sicher war.

Nächstes Play: WR Mario Manningham mit einem wohl getimten Schubser gegen seinen CB, fängt den langen Ball und läuft in die Endzone durch. Touchdown #30 für Eli Manning! 14-14, so schnell kann’s gehen.

[23h14] Lange Field Goal Kicks aus Oakland: Sebastian Janikowski nagelt einen 59yder rein. OAK 10, IND 10.

[23h09] Green Bay 14, N.Y. Giants 7. Etwas zäher Drive, aber dann steht plötzlich WR Nicks weit offen und läuft in die Endzone durch. Manning wirkt nicht immer souverän, kriegt jetzt aber drei Sekunden mehr Zeit. Die Botschaft ist nicht zu übersehen: New York bleibt im Spiel.

[23h00] Something personal. Ich freue mich übrigens sehr, wie viele Leute die Live-Blogs auf dieser Seite verfolgen. Dass so viele diese noch sehr junge Seite verfolgen, hätte ich nicht gedacht. Dankeschön!

[22h50] Lambeau-Leap II. Nach der INT und der guten Feldposition ein unaufgeregter Drive mit Rodgers-Scramble. Abgeschlossen mit kurzem TD-Pass auf WR Jones. Büsschen Improvisation, und Tom Coughlin ist schon wieder auf 180. 14-0 Packers.

Habe ich irgendwann schonmal gesagt, dass ich QB Aaron Rodgers liebe?

[22h37] Manning baut seine INT-Bilanz aus: Völlig unmotivierter Pass in eine Vierfach(!-Deckung. Green Bay führt bei Eisschrank-Temperaturen, aber schönem Wetter, nach Rodgers‘ langem Pass zu WR Nelson 7-0.

[22h33] Für Indianapolis ist es der Matchball: Sieg in Oakland oder gegen die schwachen Titans reicht zum #4-Seed. Für San Diego gilt: Siegen oder Fliegen. Dito Tampa Bay. Seattle kann es relaxt sehen – sie müssen das Heimspiel gegen St Louis gewinnen, wurscht was heute passiert. Einzig der Umstand, ein mögliches 7-9 als Divisionssiegbilanz in den Annalen zu haben, sollte Motivation sein.

Chicago Bears – New York Jets und die 19h-Spiele

[22h28] Was bisher heute passiert ist:

Buffalo 3, New England 34. New England ist damit AFC #1. Brady mit dem Anti-INT-Rekord, aber die Geschichte des Spiels: New England mit mehr als 200yds Rushing, das meiste schon vor der Pause.

Baltimore 20, Cleveland 10. Colt McCoy mit einem Tag zum Vergessen. Die Ravens sind gelaufen, gelaufen, gelaufen. 2:1-Verhältnis von Lauf zu Pass – auch deshalb war das Spiel so schnell fertig. Baltimore ist in den Playoffs, und fast sicher #5. Ed Reed hat sechs Spiele verpasst – und trotzdem schon wieder 6 INTs gemacht…

St Louis 25, San Francisco 17. St Louis brachte zwar kein Laufspiel zusammen, aber Bradford mit einer souveränen Leistung. Auf der Gegenseite ist der Stuhl von Mike Singletary fast durchgesägt. Der Rams-Sieg bedeutet aber auch: Seattles Spiel von heute ist praktisch bedeutungslos. Das Endspiel wird entscheiden: Gewinnen die Rams, sind sie durch. Verlieren sie, sind sie raus – ganz egal, was Seattle nun in Tampa macht.

Jacksonville 17, Washington 20 OT. Oh my gosh, David Garrard. INT in der Overtime in der eigenen Hälfte. Folge 1: Indy muss nun beide Spiele verlieren für eine Playoff-Quali der Jags. Folge 2: Die Jets sind damit durch.

Miami 27, Detroit 34. Wann hat Miami zuletzt daheim gewonnen? Chad Henne mit der INT, die 2:25 vor Schluss zum entscheidenden Touchdown zurückgetragen wird. Wie lange hat Detroit nicht mehr auswärts gewonnen. 3 Jahre? Jetzt zum zweiten Mal in Serie.

Kansas City 34, Tennessee 14. 2:1 Ballbesitz, über 450yds Offense. Ganz einfacher Sieg der Chiefs. Mit Heimsieg über Oakland sind sie durch.

[22h14] Jacksonville – Washington geht in die Overtime, während die Raiders gerade gegen Indianapolis in Führung gegangen sind (Opening Kickoff zm TD zurückgetragen). Jacksonville gewinnt den Münzwurf.

[22h08] Chris Harris entscheidet das Spiel mit einer INT gegen einen eigentlich schönen Wurf von QB Sanchez. Für die Jets setzt sich damit fort, was sich seit einiger Zeit durch die Saison zieht: Gegen die Großen können sie nicht mehr gewinnen, nachdem sie reihenweise mittelstarke Mannschaften ganz knapp geschlagen haben. Wenn Jacksonville jetzt gewinnt…

Die Jets müssen nun wohl gegen die auswärtsstarken Dolphins gewinnen. Böse, böse, wie die letzten Wochen gelaufen sind.

[21h55] Back to Soldier Field. Die Defense der Jets halt und scort fast bei einem Safety. 4:32 und die Bears müssen punten. Starker Punt über 50yds das Feld runter. Interessant, dass die Jets plötzlich wieder mit Blitzes arbeiteten. Haben sie zu Beginn des Spiels gemacht und Cutler warf dabei viele Incompletions. Resultat diesmal: 3 Pässe, 3 Incompletions.

38-34 Bears, aber die Jets werden schnell gestoppt. Neuerlicher Punt an die 5 der Bears.

[21h50] Wieder ein Schielen nach St Louis. Mittlerweile spielt QB Alex Smith – welch Wunder. Fünf Minuten vor Schluss bei acht Punkten Rückstand lässt Singletary ein Field Goal kicken. Oh Mann. San Francisco steht damit vor dem Aus – und St Louis muss immer noch in Seattle gewinnen, egal, wie die Seahawks heute spielen.

[21h46] Baltimore gewinnt gegen Cleveland 20-10 und ist wie erwartet im Jänner dabei. Mit kleiner Chance auf Seed #2, sollte Pittsburgh nächsten Sonntag in Cleveland bei eigenem Sieg verlieren.

[21h39] In Cleveland sind nur mehr 2:00 zu spielen, in Chicago noch mehr als elf. Verkicktes Field Goal von Robbie Gould aus durchaus machbarer Entfernung – es bleibt bei 38-34 Bears. So wie die Secondary der Jets – hauptverantwortlich Antonio Cromartie – sich verbrennen lassen, dürfte das aber nicht Chicagos letzte Chancen zum Punkten gewesen sein.

[21h25] Blick nach St Louis: Nach einer INT scheißt Mike Singletary QB Troy Smith derart zusammen, dass Smith Singletary contra gibt. Kurz vor der Schlägerei zwischen Coach und QB schreitet WR Ted Ginn ein. Singletary ist so was von nicht mehr Head Coach in der nächsten Saison…

[21h14] Chicago 38, N.Y. Jets 31. Bei Kickoffs wird weiterhin Devin Hester bedient. Resultat: Erneut starten die Bears in der gegnerischen Platzhälfte. Zwei, drei Pässe und der Touchdown, ein artistischer Fang erneut durch WR Johnnie Knox. Dritter TD-Pass Cutlers innerhalb von acht Minuten. Unglaublich, wie die Secondary der Jets verbrannt wird – und unglaublich, wie viel Zeit Cutler in der Pocket mit seinen Tippelschritten hat.

[21h07] Meine Güte, was ist mit diesen Defenses los? 31-31 nach einem simplen Playaction-Fake von Sanchez samt Pass auf einen meterweit offen stehenden WR Santonio Holmes. Die Bears hatten nur eine Chance, den Drive zu stoppen: Als LB Urlacher den Ball um zwei Zentimeter verfehlte. Chicago, wir haben einen Shootout.

[20h59] Tom Brady hat den Rekord für die meisten Pässe ohne Interceptions aufgestellt – standesgemäß mit einem Touchdown-Pass. Letzte INT von Brady, wenn ich mich nicht ganz falsch erinnere: Eine Hail Mary mit auslaufender Uhr gegen Baltimore, als sie auch hätten ein Field Goal kicken.

Zeitgleich macht Hester seinen Touchdown per Pass-Reception. Furchtbare Arbeit des Defensive Backs.

Und nur mal so by the way: Hatten die Jets nicht angekündigt, Hester wie den Teufel zu meiden, wenn es um Kicks und Punts geht?

[20h55] Die Bears-Defense erhöht den Druck. Sie kommt zwar nicht zu QB Sanchez durch, aber es reicht aus, dass Sanchez in zweieinhalb Minuten mehr Incompletions geworfen hat, als in der gesamten ersten Hälfte. Dank PR Devin Hesters Return sind die Bears schon wieder in der Nähe von Punkten und die Kulisse im Soldier Field pumped up. Ziemlich verrücktes Spiel im Chicagoer Nieselregen.

[20h49] Die Bears gehen raus, erstes Play, Cutler mit 6-7 Tippelschritten nach hinten und dem Hail Mary Pass in die Endzone. WR #13 Davis Knox durchgelaufen und fängt in der Endzone den Touchdown. Sensationeller Pass von Culter aus dem Armgelenk gezaubert, ansatzlos. Ich bin begeistert. Ausgleich.

[20h46] Die Jets kommen aus der Kabine und spielen in der eigenen Hälfte einen Fake Punt. Das misslingt. Man kann drüber diskutieren, ob man mit so einer Defense bei 7pt-Führung ausspielen muss, aber gut: Prinzipiell befürworte ich ausgespielte 4th downs.

[20h29] So, die Arbeit ist getan. Halbzeit Chicago 17, N.Y. Jets 24. Ich hab nur mit einem halben Auge zugeschaut. Die Bears haben schnell auf das Laufspiel verzichtet. Die Jets dagegen setzen gekonnt das Laufspiel ein, gepaart mit quicken Pässen von QB Sanchez. Ergebnis: 13 von 15 für starke 156yds. Den Unterschied macht bisher der kurze INT-Return Lowerys aus.

[19h27] Kein guter Beginn der Jets in Chicago. Zwei Fumbles im ersten Drive. Den zweiten kriegen die Bears zu fassen. Chicago bisher viel mit Laufspiel. So auch beim TD Forte. Chicago führt schon 10-0.

Pregame

[18h22] Das Sunday Night Game Philadelphia – Minnesota wird verschoben. Neuer Termin: Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 02h00. Der Schneesturm in Philly war zu stark. Verschiebung auf Dienstag, damit keine Überschneidung mit dem Monday Night Game.

[17h58] Sehr, sehr geil: Schneeflocken in Jacksonville! Im hohen Norden (Chicago, Green Bay) dagegen keine Spur davon. Im Nordosten ist das Wetter ungemütlich – Redskins und die New Yorker Teams wissen noch nicht, wann sie nach Hause fliegen können.

[17h42] Woche 16 steht uns bevor. Die wichtigste Personalie des ersten Partien-Pakets ist bereits geklärt: QB Mark Sanchez wird für die New York Jets im Soldier Field starten. Die Schulter hat keine weiteren Probleme veranstaltet.

Zweitwichtigste Personalie: RB Maurice Jones-Drew (Jacksonville) fällt aus. Ganz böse für die Jaguars.

Die 19h-Spiele sind:

Buffalo – New England. Patriots sind mit Sieg AFC #1.
Chicago – N.Y. Jets. Jets sind mit Sieg in den Playoffs.
Cleveland – Baltimore. Ravens lösen mit Sieg das Playoff-Ticket.
Kansas City – Tennessee. Chiefs brauchen Sieg, um nicht evtl. später von San Diego ein- und überholt zu werden.
St Louis – San Francisco. St Louis legt mit Niederlage sein Schicksal in die Hände der Niners.
Miami – Detroit. Nicht playoff-relevant. Aber Miami ist 1-6 daheim. Detroit 1-6 auswärts.
Jacksonville – Washington. Wohl nur ein Sieg hält die Jaguars im Rennen.



NFL-Franchises im Kurzporträt, #4: Seattle Seahawks

Viertes NFL-Team in der Sideline-Reporter-Präsentation – dritter Vogel. Diesmal: Der Seahawk – zu deutsch so was wie die Raubmöve.

Die Brut

Der zunehmende Erfolg der NFL nach dem Zusammenschluss der beiden großen Ligen AFL und NFL sorgte Anfang der 70er dafür, dass man auch im äußersten Nordwesten über ein professionelles Footballteam nachdachte. Seattle, die Heimat der Holzindustrie, von Boeing und Jimi Hendrix. 1976 war dann auch der Vogel aus dem Football-Ei entschlüpft. Die Seattle Seahawks, eine Mannschaft für die AFC West.

Die Jungvögel

Zu Beginn war es natürlich hart, sich durchzusetzen. Premierensaison: 2-12, aber immerhin zwei Siege mehr als die Leidensgenossen Buccaneers aus Tampa. In Saison #2 waren die Seahawks dann in der NFC, um wieder gegen die schwachen Buccs spielen zu können. Es sollte langsam besser werden. Verantwortlich dafür: WR Steve Largent, der beste weiße Receiver der letzten 40 Jahre.

Flying under the radar…

…nennen die Amerikaner das Phänomen, wenn eine Mannschaft nicht wahrgenommen wird. Das lag in Seattle aber nicht nur an der sportlichen Mittelmäßigkeit der Hawks. Sondern am gesamten Image der Mannschaft (Mannschaftsfarben: das wenig begeisternde Hellgrün und Hellblau) und der Region (der graue, regnerische Nordwesten).

Größte „Stars“ der Hawks neben Largent über lange Zeit: Coach Chuck Knox und das Stadion – die spektakuläre Halle Kingdome.

Bröckeln

Der Kingdome galt als eines der lautesten Stadien der NFL – deswegen haben die Seahawks irgendwann die grandiose Idee gehabt, die #12 nicht mehr zu vergeben, sondern für die Fans zu reservieren. Dumm, dass bereits Mitte der 90er das Stadion Alterserscheinungen zeigte, und zwischendurch sogar Teile aus der Betondecke auf das Spielfeld herunterprasselten.

Auf dem Feld ging weiter nicht viel, trotz der schwachen AFC West. Fehleinkäufe wie QB Rick Mirer machten es auch nicht besser. Das Revolutionärste aus Seattle für die NFL: Die Einführung von Instant Replay – und zwar nach einem Phantom-Touchdown gegen die Hawks anno 98.

Der Gutmensch

Mitte der 90er wollten die Eigentümer mit den Hawks in den sonnigen Süden abwandern. Auftritt Paul Allen, seines Zeichens Microsoft-Mitgründer und Sportfan. Allen kaufte die Seahawks, installierte innerhalb kurzer Zeit Starcoach Mike Holmgren (Superbowl-Champ mit den Packers) und ließ ein neues Stadion bauen. Die Leistungskurve zeigte schnell nach oben.

„Mitschuldig“ daran auch: Der Wechsel der Seahawks zurück in die mittlerweile schwächere NFC. Grund dafür: Die Divisionen wurden auf vier Teams verkleinert, und da Houston und nicht Los Angeles das 32. NFL-Team bekam, brauchte es in der NFC ein viertes Team für die West-Division. Die NFC West entwickelte sich in den folgenden Jahren zur schwächsten der Liga. Gut für Seattle.

Der Softie

Holmgren kaufte einen ehemaligen Schützling aus Green Bay ein, QB Matt Hasselbeck, ein No-Name. Weitere Verstärkung: RB Shaun Alexander, zuständig für extrem viele Yards und Touchdowns, aber wenig ernst genommen, weil er a) hinter einer überragenden Offense Line spielen durfte, b) viele 1yds-TDs machte und c) als Softie verspottet war. Trotzdem: 2005 war Alexander NFL MVP, eine Sensation, wenn man Historie und Image der Seahawks im Hinterkopf behält.

2005 war die Saison. Dank einer grottenschlechten NFC marschierte Seattle durch, bis in die Superbowl XL. So richtig ernst wurden sie dennoch nicht genommen – die #6 der AFC Pittsburgh war im Finale Favorit über die #1 der NFC Seattle. Die Seahawks verloren die Superbowl dann auch 10-21. Eigentlich schade, denn man schaltete um 4h morgens das TV-Gerät aus und dachte sich: Mönsch, die Hawks waren doch eigentlich die bessere Mannschaft. Ein Mix aus fehlender Kaltschnäuzigkeit, (vorsichtig gesagt) unglücklicher Referee-Arbeit und Pech verwehrten den eigentlich in diesem Spiel verdienten Titel.

Das Hier und Jetzt

Seitdem ging nicht mehr allzu viel. RB Alexander verschwand nach dem Abbau der Offense Line mit Multimillionenvertrag innerhalb von zwei Jahren völlig von der Bildfläche und Seattles Fast-Meistermannschaft gleich mit. Dann kam Pete Carroll (ex-Pats, ex-USC) der Coach. Die erst eher wenig weitsichtig ausschauende Personalpolitik Carrolls war 2012/13 extrem erfolgreich, und man kam unter dem jungen QB Russell Wilson in die Playoffs.

Das Nest

Die Seahawks spielen im Quest Field (67.000 Plätze). Ein spektakuläres und als extrem laut geltendes Stadion. Von den oberen Rängen hat man einen Blick in die futuristische Innenstadt Seattles. Auch aktuell gilt: Der Star ist das Stadion.

Quest Field in Seattle, Seattle Seahawks

Quest Field in Seattle – ©Flickr

Rivalitäten

Remember? Graues Image. Die Seahawks haben in ihrer über 30jährigen Geschichte nicht wirklich so was wie eine heiße Rivalität aufbauen können. Das mag auch am zweimaligen Conference-Wechsel liegen. Auch die Tatsache, dass man in den letzten Jahren die grottenschlechte NFC West in Grund und Boden spielte, hat an der Situation nichts „verbessert“. Die drei Divisionsrivalen Arizona, St Louis und San Francisco waren zu beschäftigt mit sich selbst, als dass sie sich mit den Seahawks hätten fetzen können.

Als man in der Superbowl XL das ungute Gefühl hatte, Seattle wäre eher benachteiligt worden, hörte man kaum was in den amerikanischen Medien. Für Coach Mike Holmgrens Klagen über die NFL war wenig Verständnis zu spüren.

Eckdaten

Gegründet: 1976
Besitzer: Paul Allen (Microsoft)
Division: NFC West
Erfolge: Superbowl-Verlierer 2005, 11x Playoffs (8-11) – Stand 2013.

Bowl Season 2010/11, Tag 7: Wer noch Beine hat, der möge bitteschön laufen. Jetzt!

Lousiana ist Schauplatz der womöglich einseitigsten Bowls dieser Bowl Season 2010/11. Nicht wegen des Ergebnisses, sondern aufgrund der Spielart beider Mannschaften.

AdvoCare V100 Independence Bowl

Mo., 27.12. um 23h live bei ESPN America, am 28.12. um 9h als Tape

Georgia Tech Yellow Jackets – Air Force Falcons

Gestatten: Wir haben es heute mit zwei Mannschaften zu tun, die sich gegenseitig in Grund und Boden laufen. Georgia Tech kommt mit dem Head Coach Paul Johnson daher, der einst die Navy zu ein paar erfolgreichen Saisons gecoacht hat und nun seit drei Jahren in Atlanta wurstelt.

Johnson hat bei den Yellow Jackets die sogenannte „Triple-Option Flexbone Offense“ eingeführt, eine Offense, die darauf abzielt, fast ausschließlich zu laufen, noch mehr als in der normalen Flexbone-Offense. Hinter dem QB steht der Fullback, der Option #1 ist. Kriegt der Fullback keinen Ball, ist Option #2 für den QB, selbst zu laufen, oder Option #3, dem hinterherhechelnden Slotback (ist links oder rechts der Offensive Line postiert) den Ball zuzupitchen. Die Offense hat sieben Blocker aufgestellt: Fünf O-Liner, den Tight Ende und den Wingback, der versetzt unmittelbar neben dem Tight End steht.

Johnson hat mit QB Josh Nesbitt einen perfekten Spieler für sein System. Dumm für die Yellow Jackets: Nesbitt hat sich Anfang November den Arm gebrochen und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ausfallen. Ersatzmann Tevin Washington ist bei weitem nicht so gut im Laufen, weshalb die Yellow Jackets nach Nesbitts Ausfall ganz stark auf RB Anthony Allen gesetzt haben, der plötzlich über 40yds mehr pro Spiel laufen musste.

So oder so ist die Saison der Yellow Jackets für die Grütze. Im Vorjahr spielten sie als ACC-Champ in der Orange Bowl, heuer war es schon mit Nesbitt eine zähe Geschichte, wofür vor allem die schwache Defense verantwortlich war. Der ex-Jets-Head Coach Al Groh hat hier keine Besserung bringen können.

Auf der Gegenseite sind die Air Force Falcons, die mit ihrem Spiel eigentlich ihren Namen vergewaltigen. Luft und Falken? Hier wird gelaufen, bis der Boden einbricht. Sind die Yellow Jackets landesweit #1, so sind die Falcons die #2. 317yds pro Spiel machen die Falcons, gegen 119yds über die Luft. 145 Pässe haben sie geworfen, und das in 12 Spielen. Gut genug für eine 8-4 Bilanz. Und es wird auf absehbare Zeit keine Änderungen geben. Head Coach Troy Calhoun hat gerade erst bis 2015 verlängert.

Für Paul Johnson wird es ein Wiedersehen mit der Air Force. Als Navy-Coach hat er häufig das obligatorische Spiel gegen die Falcons bestritten. Diesmal gilt er als 3pt-Außenseiter. Sollte Nesbitt tatsächlich nicht spielen können, ist es für mich eine klarere Geschichte. Mit Nesbitt sind die Yellow Jacket allerdings mein Favorit.

NFL Week #16, Monday Night Preview

Das Spiel hat einen Großteil seines Thrills deshalb verloren, weil die New Orleans Saints am vergangenen Sonntag in Baltimore eine Niederlage eingesteckt haben. Die Saints stehen somit zwei Spiele hinter den Atlanta Falcons, die fast sicher die #1 der NFC sind, selbst bei einer Heimniederlage gegen den Erzrivale Saints: Ein Heimsieg gegen die desolaten Panthers würde zur Not immer noch reichen.

New Orleans steht ein klein wenig mehr unter Druck. Um überhaupt in die Playoffs zu kommen, müssen sie wenigstens eines der letzten beiden Spiele gewinnen. Am nächsten Sonntag geht es zuhause gegen Tampa Bay – und bei einer Niederlage könnte das ein Endspiel um die #5 oder #6 in der NFC werden, wobei der Seed #5 mit Sicherheit sehr begehrt sein dürfte – ist doch ein Vertreter der lausigen NFC West dann der Gegner in Runde 1 (im Vergleich zu womöglich Chicago oder Philly).

Atlanta ist im heimischen Georgia Dome eine Macht – sechs Spiele, sechs Siege. Die Falcons haben sich mit ihrer Unaufgeregtheit zu einem meiner Lieblingsteams gemausert. Vom Glitzer und Glamour der unseligen Michael-Vick-Ära ist nicht mehr viel zu sehen. Dafür ziehen die Männer von Head Coach Mike Smith ganz gelassen ihre Drives durch – ganz egal, welche Defense man ihnen vorwirft: Atlanta wird immer auf das Laufspiel der RBs Turner und Snelling bauen, was QB Matt Ryan die nötige Basis verschafft, ein effizientes Passspiel aufzuziehen. WR Roddy White ist Ryans Go-To-Guy. Wenn es kritisch wird, kann sich Ryan zudem immer auf TE Tony Gonzalez verlassen. Gonzalez, dem nachlassende Leistungen attestiert werden – nach allem Gesehenen kann ich nicht nachvollziehen, warum.

Die Falcons haben heuer drei Probleme gehabt: Zum ersten spielen sie ihr Spiel nicht immer „zu Ende“, was dazu führte, dass eigentlich dominierte Partien hin und wieder knapper endeten, als es ihnen lieb sein könnten. Zum anderen sorgt die Secondary nicht wirklich für ruhige Nächte. Gegen Atlanta kann man definitiv via Passweg erfolgreich sein. Zum dritten sind die Special Teams recht anfällig gegen bessere Returner – könnte für Courtney Roby und Reggie Bush einer der besseren Tage werden.

Und genau da wären wir bei der großen Stärke der Saints – QB Drew Brees wirft pro Spiel 41 Pässe für durchschnittlich 282 Yards. Brees hat die beste Completion Rate der NFL, hat sich aber auch anfällig gegen Interceptions gezeigt. 19 INTs, das ist zweit“bester“ Wert der Liga. Laufspiel-Entlastung findet statt, aber nicht in DEM Maße. Daran sind auch Verletzungen Schuld: RB Thomas und Bush waren wochenlang nicht spielfähig, daher ist mit RB Chris Ivory ein völlig unbekannter Rookie der beste Rusher (683yds, 5 TDs). Aber wir haben es hier eh mit einer Offense zu tun, die sich sehr auf Pass und Big Plays verlässt.

Eine der Schwächen der Saints über die Jahre waren die Defensive Backs. Heuer sorgt der Blick auf die Defensivstatistiken für Stirnrunzeln: #4 der Liga, obwohl 31/Spiel gegen New Orleans geworfen wird. Nur 10 zugelassene TDs via Luftweg. Dafür im Gegensatz zu früheren Jahren nur wenige Interceptions abgefangen. Ich bin angesichts der Zahlen leicht überrascht. Da waren Mannschaften durchaus in der Lage, gegen New Orleans zu werfen.

Auf alle Fälle bietet das Monday Night Spiel zwei Duelle Stärke gegen Schwäche: Brees gegen die Falcons Secondary, Turner/Snelling gegen die Saints-Laufdefensive.

Das „Hinspiel“ im September war imho eines der besten Spiele der Regular Season. Atlanta dominierte mit langen, unaufgeregten Drives, während die Saints sich mit Special Teams und Big Plays im Spiel hielten, aber in der Overtime ein Field Goal verkickten. Ein Spiel, das für beide als exemplarisch für die gesamte Saison gelten darf.

Atlanta ist mit Sieg #1 der NFC, New Orleans mit Niederlage unter Druck und in einem Entscheidungsspiel gegen Tampa. Hätte ich nix dagegen. Aber vielleicht zeigen die Falcons nicht alles im Hinblick auf die Playoffs, wo es durchaus zu einem Re-Match schon in den Divisionals kommen könnte.

Atlanta – New Orleans, in der Nacht auf Dienstag, 02h30 bei ESPN America.

NFL Wochenendhäppchen #16: Schnee! Schnee! (Update)

[Update: Sunday Night Game ist nicht San Diego – Cincinnati, sondern Philadelphia – Minnesota.]

[Neues Update: In Philadelphia fällt während des geplanten Spieltermins massiv Neuschnee. Dank Blizzard wird das Spiel auf Dienstag verschoben. Termin: Di./Mi., 02h. Noch keine Angaben von ESPN America über evtl. Übertragung eingetroffen.]

Ich kann mich nicht erinnern, dass es in den letzten Jahren so lange so spannend im Playoffrennen zugegangen ist. Kein Team, das 14-0 startet oder schon Wochen vor dem Jänner die Spiele abschenken kann. Ist es Zufall oder hängt es auch damit zusammen, dass die NFL seit diesem Jahr verstärkt und mit Absicht die Divisionsspiele auf die letzten zwei Wochen eingebaut hat? Auf jeden Fall gibt es am Weihnachtswochenende eine ganze Latte an wichtigen Spielen.

Arizona Cardinals – Dallas Cowboys

Sa./So. 1h30 live bei ESPN America

Wo eine Regel, da eine Ausnahme. Dieses Spiel ist vermutlich das Uninteressanteste überhaupt und weiß der Teufel, warum ausgerechnet diese Partie nicht unter Flex Scheduling fallen konnte. Bemerkenswert allenfalls: WR Larry Fitzgerald könnte schon eine Woche vor Saisonende die 1000yds-Marke knacken. Bemerkenswert deshalb, wenn man sich die Quarterbacks der Cardinals in dieser Saison anschaut: Derek Anderson, Max Hall, John Skelton.

Chicago Bears – New York Jets

So. 19h live bei ESPN America

Schnee! Schnee!

Chicago hat dank perfekter Divisionsbilanz die NFC North schon gewonnen – es geht aber noch um Seed #2. Die Bears sind in letzter Zeit immer souveräner geworden und wäre da das Spiel gegen New England nicht passiert, man würde sie sehr ernst nehmen müssen. So bleiben aber noch einige Fragezeichen. Grad sehr schwierig war der Spielplan nicht und im Grunde wurde nur eine ernstzunehmende Mannschaft geputzt (Philadelphia; Green Bay war zu Saisonbeginn nur mau).

Die Jets hatten einen schweren Spielplan und stehen wie Chicago bei 10-4. Allerdings waren viele Siege sehr knapp und mehr herausgewürgt, denn überzeugend herausgespielt. Aber die Defense ist unangenehm und lässt nicht viele Punkte zu. Die Jets haben andere Probleme: In der Offensive muss das Laufspiel durchgedrückt werden, um QB Mark Sanchez effektiv spielen zu lassen. Sanchez bringt gerade mal 54% seiner Würfe an den Mann, vermeidet aber so gut es geht die INTs. Dumm, dass wir es bei Chicago mit einer der härtesten Laufverteidigungen überhaupt zu tun haben (#3, 89yds pro Spiel).

Außerdem wartet schon das nächste Störfeuer: Deadspin will herausgefunden haben, dass es sich bei diesen Videos um Rex Ryans Frau und hinter der Kamera Rex Ryan handelt. Sicher, nichts Schlimmes. Aber der Boulevard wird das noch ausschlachten.

Schwieriges Spiel. Sanchez kann nicht wie Brady ein Passfeuerwerk hinlegen und die Jets damit verbrennen. Aber ansonsten trifft hier Stärke auf Stärke: Laufoffense Jets gegen Laufdefense Bears. Defensive Line Bears gegen Offensive Line Jets. Cutler gegen die nicht schwache Secondary der Jets. Dazu kommt: Die Jets werden Returner-Genie Devin Hester vermeiden wie Rex Ryan die Abgeschiedenheit – das führt zu besseren Feldpositionen für Chicago. Mein Tipp: Chicago.

Green Bay Packers – New York Giants

So., 22h15 live bei ESPN America

Für beide war das letzte Wochenende kein Gutes – beide haben fast keine Chance mehr auf den Divisionstitel. Daher gleicht diese Partie einem Endspiel um die letzte Wildcard in der NFC. Grund dafür: Die dritte Konstante Saints (10-4), die zweimal ganz böse patzen müssen, um ihre Wildcard noch zu verlieren.

Es geht hier also aller Wahrscheinlichkeit um Seed #6 in der NFC. Packers (8-6) gegen Giants (9-5). Die Giants sind mit einem Sieg durch. Die Packers haben es mit einem Sieg in der Hand, könnten mit einem weiteren Sieg zum Saisonschluss gegen Chicago das Ticket buchen. Von daher ist es für beide ein Friss-oder-Stirb-Spiel.

Green Bay darf froh sein, dass QB Aaron Rodgers wieder da ist. Backup Matt Flynn hat wirklich nicht schlecht ausgesehen. Wenn’s um die Wurst geht, ist Rodgers aber unverzichtbar. Green Bay ist offensiv sehr eindimensional, sehr auf den Pass ausgerichtet.

In der Defense sind die Packers vor allem gegen den Pass schwer zu überwinden. New York besitzt mit QB Eli Manning denn Mann mit den meisten INTs ligaweit (20). Die Packers sind #5 bei abgefangenen Bällen (18)… Ich vermute aber, dass aufgrund des Wetters, der heiklen Receiver-Situation und der starken Passdefense der Giants-Fokus eher auf dem Laufspiel liegen wird. Mit RB Bradshaw und RB Jacobs ist man diesbezüglich nicht schlecht aufgestellt.

Fraglicher ist die psychologische Situation nach dem fassungslosen Kollaps gegen die Eagles. Jetzt geht es nach Green Bay. Es wird Temperaturen unter 0°C haben und vermutlich schneien. Ich gebe Green Bay einen kleinen Vorteil.

San Diego Chargers – Cincinnati Bengals

So./Mo., 02h20 live bei ESPN America

Vor einem Jahr war das ein Spiel zweier Playoffmannschaften, „angereichert“ durch die Emotionen des kurz zuvor verstorbenen Bengals-Receiver Chris Henry. Diesmal herrscht in Cincinnati gruselige Stimmung. WR Ochocinco wird ausfallen und schießt via Twitter gegen Head Coach Marvin Lewis. Der andere egomanische WR Terrell Owens unterstellt öffentlich Owner und Coach Inkompetenz und wird in zwei Wochen aus der Stadt vertrieben sein. In Cincy herrscht Endzeitstimmung. Man „spielt“ noch um den #1-Pick: 3-11.

Gegner San Diego wird zwar auf TE Antonio Gates verzichten müssen, doch mit der Wiedergeburt von WR Vince Jackson und der Glanz-Saison von QB Philip Rivers haben die Chargers ganz große Trümpfe. Die Chargers MÜSSEN siegen, um ihre kleine Chance aufrecht zu erhalten – und gleichzeitig auf einen Ausrutscher der Chiefs hoffen. Auch von der psychologischen Situation spricht daher alles für die Bolts.

Klarer Sieg der Bolts.

[Update: Danke, malikshabazz. Hatte den Spieletausch nicht auf dem Radar, sorry. Sunday Night Game ist Philadelphia – Minnesota und wird dementsprechend bei ESPN America gezeigt. Damit kein San Diego und kein Cincinnati.]

[Neues Update: Sunday Night Game Philadelphia – Minnesota wegen Schneesturms verschoben auf Dienstag (s.o.). Die Vikes-Spiele stehen heuer offenbar unter keinem guten Stern.]

Tampa Bay Buccaneers – Seattle Seahawks

Mo. 15h als Tape bei ESPN America

Verkehrte Welt in Tampa. Die Buccs spielen eine insgesamt überraschend starke Saison, liegen bei 8-6 Siegen – und werden die Playoffs aller Wahrscheinlichkeit nach verpassen. Gegner Seattle liefert eine sehr graue, unauffällige Saison, liegt bei 6-8 Siegen – und hat die etwas besseren Karten für die Playoffs als Tampa, sofern im Parallelspiel St Louis gegen San Francisco gewinnt. In diesem Falle könnten die Seahawks aus eigener Kraft mit einem Heimsieg gegen St Louis die Playoffs erreichen. Sollte jedoch San Francisco die Rams putzen, würde Seattle im letzten Spieltag selbst bei eigenem Sieg über die Rams auf eine Niederlage von San Francisco zuhause gegen Arizona angewiesen sein.

Grund hierfür sind die komplizierten Tie Breaker. Ich hab grade in Excel die Möglichkeiten durchgespielt. Sollten alle drei Teams die Saison mit 7-9 beenden, und dafür gibt es nur eine Konstellation, steht San Francisco in den Playoffs. Beenden Seattle und St Louis die Saison beide mit 7-9, ist je nach Szenario der eine oder andere durch.

Das Playoff-Bild in der NFC West

Für San Francisco gilt: Gewinnen sie beide Spiele und verliert Seattle auch nur eines seiner beiden Spiele, stehen die Niners in den Playoffs. St Louis spielt in dem Fall keine Rolle mehr.

Für Seattle gilt: Nur mit zwei Siegen ist man sicher durch. Verliert man eines der beiden Spiele, ist man auf eine Niederlage der 49ers angewiesen.

Für St Louis gibt es nur zwei Möglichkeiten: Beide Spiele zu gewinnen. Und beide Spiele sind auswärts. Oder: Gegen Seattle gewinnen und auf eine Heimniederlage von San Francisco gegen Arizona zu hoffen. St Louis muss aber auf jeden Fall gegen Seattle gewinnen.

Fest steht: Seattle hat die Schlüssel in der Hand und empfängt mit zwei Siegen die #5 der NFC. Die Seahawks fliegen total unter unser aller Wahrnehmung und werden für uns im TV erstmals am Montag zu sehen sein. Trotz katastrophaler Pass-Defense und trotz nicht vorhandenem Laufspiel und trotz der extremen Fehleranfälligkeit von QB Matt Hasselbeck: Die Seahawks würgten sich zu sechs Siegen. Wie? No Idea. In allen Yards-, Effizienz- und Turnover-Statistiken ist man im unteren Drittel oder schlechter angesiedelt. Zudem hat man 84 Punkte mehr kassiert, als erzielt, was u.a. daran liegt, dass man sich in einigen Spielen gegenwehr- und willenlos abschlachten hat lassen.

Tampa Bay dagegen ist eine der positiveren Überraschungen der Saison. Die Mannschaft bewegt den Ball vornehmlich via Running Backs, und vor allem Ex-Duck LeGarrette Blount hat sich dabei bewiesen. Blount ist nicht gedraftet worden nach seinem Faustschlag gegen eine Boise-State-Spieler, zeigt aber Bestleistungen und hat 777yds und 6 TDs erzielt. Dazu gesellen sich Publikumsliebling Cadillac Williams und der laufstarke QB Josh Freeman mit jeweils über 300yds.

Freeman ist der Mann des Jahres in Tampa. Ein großgewachsener, mobiler QB mit dem Riecher für Comebacks. Freeman hat sich in Windeseile zu einem meiner Lieblings-QBs in der NFL entwickelt – ein unerschrockener Mann mit Eisvenen unter Druck. Die Defensive Line der Buccs ist trotz des hohen Draftpicks DT McCoy (steht schon auf der injuried reserve) schwach gegen den Lauf und schwach im Pass Rush. Dafür besitzt Tampa eine hervorragende Secondary.

Tipp: Tampa. Auch wenn es für die Buccs wohl trotzdem nicht für die Playoffs reichen wird.

Oakland Raiders – Indianapolis Colts

Mo. 17h als Tape bei ESPN America

Auch hier verschiedene Vorzeichen für beide. Indianapolis ist mit zwei Siegen durch und #3 oder #4 in der AFC, Oakland braucht ebenso zwei Siege und eine Menge anderer Hilfen, hat also praktisch keine Chance mehr.

Trotzdem sind die Raiders eine der besseren Geschichten der NFL. Mann des Jahres ist sicherlich RB Darren McFadden, der phasenweise wie zu Hogs-Zeiten spielte. McFadden ist aber eine launische Diva, nicht immer so explosiv wie möglich. Das Passspiel ist bei QB Jason Campbell in den besseren Händen als bei seinen Konkurrenten, aber Campbell wird dir kein Spiel allein gewinnen. Oakland braucht viel Laufspiel und viel Special Teams zum Erfolg.

Eigentlich wäre Indianapolis ja wie gemacht für die Raiders: Viel Passspiel, schwach gegen den Lauf. Oakland besitzt eine hervorragende Verteidigung gegen das Passspiel und sollte mit seinen Running Backs wie geschaffen sein für die softe Colts-Defense. Und der Wetterbericht sagt auch böiges und sehr regnerisches Wetter bei Temperaturen um die 5°C voraus.

Eigentlich nicht schlechte Voraussetzungen für Oakland. Eigentlich. Es fällt mir aber recht schwer, gegen QB Peyton Manning zu setzen. Für die Raiders dürfte Manning abgewichst genug sein.

Zum Monday Night Spiel Atlanta – New Orleans gibt es im Laufe des Wochenendes einen eigenen Blogeintrag. Ich wünsche derweil ein frohes Weihnachtsfest, ein paar schöne Tage mit der Familie und für Sonntag einen spannenden Footballabend!

Bowl Season 2010/11, Tag 5: Aloha!

Für die Eiskalten, die sich selbst an Heiligabend Football reinziehen. Herumfliegende Eier auf Hawaii.

Sheraton Hawai’i Bowl

Fr../Sa.., 24.12. um 02h live bei ESPN America und am 25.12., 22h30 als Tape

Hawaii Warriors – Tulsa Golden Hurricane

Welcher Sponsor könnte zur Ferieninsel besser passen als Sheraton? Und welche Mannschaft könnte auf Hawaii eher Fans ins Stadion bringen, als die heimischen Warriors? Die Hawaii Bowl ist ein sehr junges Spiel, erst zum neunten Mal ausgetragen, nachdem frühere Bowls auf Hawaii abgewandert oder gecrasht sind.

Zum sechsten Mal sind die Hawaii Warriors dabei, die automatisch für diese Bowl qualifiziert sind, sollten sie sechs Siege haben und nicht wie 2007 in die Sugar Bowl einziehen. Die Warriors sind für die Veranstalter auch eine Garantie, dass wenigstens drei Viertel des Aloha Stadiums gefüllt werden. Als letztes Jahr der beliebte June Jones nach Hawaii zurückkehrte, waren es insgesamt nur mickrige 30.000, die zuschauen kamen.

Heuer sind die Warriors wieder dabei. Und sie sind nach zwei schwachen Jahren wieder auf Vordermarsch. Unter Jones-Nachfolger Greg McMackin ist die Philosophie die gleiche geblieben: Pass first, think later. McMackin ist zwar eher der defensivorientierte Coach, aber unter OffCoord Nick Rolovich funktioniert heuer die Offense wieder blendend.

Hauptverantwortlich dafür ist QB Bryant Moniz mit 4629yds (!) durch die Luft, 36TDs und 12 INTs. Die Warriors haben zwei WRs mit mehr als 1300yds, der bessere ist Greg Salas (1675yds, 12TDs), der so was wie den Wes Welker gibt – Notnagel auf der kurzen Route mit vielen Yards nach dem Catch. Hawaii hat heuer 10-3 Siege eingefahren. Niederlagen gab es nur gegen die USC, in Colorado und bei Boise State. Das Spiel gegen die Broncos sticht in die Stats sofort heraus: Hawaiis Super-Offense wurde damals komplett abgewürgt: Ganze 127 Pass Yards, knapp ein Drittel des Schnitts!

Auf der anderen Seite kommt Tulsa (Conference USA, 9-3) daher, eine Uni fast so klein wie die meinige (ganze 4000 Studierende), aber ein stark offensivorientiertes Team in einer Spread Offense. 284 Yards durch die Luft stehen 215 am Boden gegenüber. Dabei fällt auf, dass die Lasten auf extrem viele Schultern verteilt sind. QB G.J. Kinne wirft viel (3300yds, 28TDs), aber kein Receiver hat mehr als 771 Yards gefangen. Dafür haben acht Receiver mehr als 200yds. Ähnlich beim Laufspiel: Kinne ist #1 mit 557yds, danach folgen fast zwei Handvoll Running Backs mit ein paar hundert Yards.

Beide Teams werfen viel und das birgt Gefahren. Die Defenses sind nicht grad als undurchdringlich bekannt, fangen aber viele Bälle ab: Hawaii im Schnitt zwei pro Spiel, Tulsa hatte immerhin 19 in der Saison.

Hawaii ist 11pt-Favorit. Wäre ich eine Spielernatur, ich würde die Wette annehmen.

Zur Bowl-Season-Übersicht geht es hier entlang.

Las Vegas Bowl 2010 in der Nachbetrachtung

Ich warne vor Spoiler.

 

 

Der Zeitpunkt der Spielansetzung war für europäische Zustände unchristlich, aber ich habe mir die Las Vegas Bowl trotzdem live gegeben. Es hat sich nur bedingt gelohnt. Die spielerische Klasse war definitiv nicht da. Die Spannung auch nicht. Der Unterhaltungswert der Las Vegas Bowl 2010 zog sich aus einer Orgie von Pleiten, Pech und Pannen und einigen Schlägereien nach ein paar unglücklichen Pregame-Statement via Mikro und Twitter.

Vorausgeschickt: Respekt an die Defense der Utah Utes. Kyle Whittinghams Jungs haben mit diszipliniertem Pass Rush und aggressivem Draufgehen auf die Ballträger die Offense der Boise State Broncos vergleichsweise gut unter Kontrolle gehalten. QB Kellen Moore musste vor allem zu Beginn des Spiels einige sehr überhastete Bälle werfen, von denen einige sehr gefährlich in die Nähe der Defensive Backs flogen und einer ganz abgefangen wurde.

Die Broncos kamen lange Zeit offensiv einfach nicht in Gang. Erst Mitte des zweiten Viertels sorgte ein toller Lauf von RB Doug Martin für die Wende. Boise State bis dahin mit drei Ballverlusten, aus denen die Utes nur drei Punkte schlagen konnten. Der Lauf über 84yds war so was wie der Knackpunkt. In Viertel #2 überrollten die Broncos Utah plötzlich. Bei einem Pass in die Endzone auf WR Titus Young hatten die Utes noch mal Glück, als Young mit einem Zeh auf der weißen Linie war. Sonst hätte der Halbzeitstand trüber ausgesehen als 16-3.

Die Utes spielten ohne ihren etatmäßigen QB Jordan Wynn, und der Backup Terrance Cain brachte nur sehr wenig zustande. Die Utes versauten meist schon das 1st down. Nicht nur einmal wurde Cain bei den einfallslosen Option-Spielzügen mit -10yds bestraft. Vor allem der Safety der Broncos, #17 Winston Venable, hat mir auf seinen Blitz-Routen gefallen. Starker Mann, aggressiv und kein Tackle verpassend. Lieber NFL-Scout, hoffentlich haben Sie zugeschaut.

Utah oft mit 2nd und plusminus 20, daraus folgenden langen dritten Versuchen und vielen Drives, die daher praktisch keinen verwerteten 3rd downs. Zwei von 13, um genau zu sein. Eine unterirdische Quote, aber bei Betrachten nicht verwunderlich. Boise States Defense machte die Drives fast immer schon beim First Down zunichte.

Auf der anderen Seite wurden die Broncos offensiv immer dominanter, obwohl es nicht „rund“ wirkte. Immer wieder stießen die Broncos in die Redzone vor. Ergebnis: Ein einziger Touchdown (WR Austin Pettis) und ein Field Goal. Weitere Scores wurden eigenverschuldet zunichte gemacht. Einmal lief Pettis nach herrlichem Slant-Pass in die Endzone, aber an der 2yds Line wurde der Ball aus der Hand geschlagen. Young griff sich das herumkullernde Ei, aber um wenige Zentimeter aus dem Spielfeld – Touchback.

Ein kurzes Field Goal Brotzmans geblockt. Bei einem Punt-Fake den Ball obwohl meilenweit allein auf weiter Flur den Ball fallengelassen. Auf der anderen Seite machten sich die Utes Drives auch selbst kaputt. Fumble, Holding beim Touchdown-Pass, verkicktes Field Goal aus 36yds.

Es war kein gutes Spiel, aber unterhaltsam, weil beide Mannschaften keinen Wert drauf legten, das Ei zu beschützen. 6-7 Fumbles, eine Serie an verpassten Möglichkeiten, eine Serie von Strafen zur Unzeit, vor allem auf Utahs Seite. Am Ende ein hochverdientes 26-3 für Boise State, aber man muss klar sagen: Mit dieser Vorstellung hätten die Broncos auch nicht in eine BCS Bowl gehört. Trotzdem machte BSU 543yds Offense und 23 First Downs.

Utah wird nun in die Pac-12 wechseln. Die Utes sollten froh sein, dass QB Wynn Sophomore ist. Cain hat sich nicht wirklich als Alternative aufgedrängt. Aber die Defense hat insgesamt ordentliche Arbeit geleistet.

Für Boise State wird es bitterer. Vor allem in der Defense wird es einen Aderlass geben. In der Offense werden beide Top-WR, Young und Pettis, die Mannschaft verlassen. Aber schlimmer: Aufgrund der völlig unnötigen Niederlage gegen Nevada wird die Mannschaft auch in der kommenden Saison mit Argusaugen betrachtet werden. Jede Wette. Diese verschossenen Field Goals hängen noch lange nach. Und die Recruitings schauen bisher nicht sooo überragend aus.

Spieler der Saison in Boise ist für mich QB Kellen Moore. Extrem gelassener Mann, mit präzisen Würfen und der Möglichkeit, auch rattenscharfe tiefe Bälle zu werfen (ich erinnere an die Bombe gegen Nevada mit neun Sekunden auf der Uhr!). Moore sollte NFL-kompatibel sein, mit Sicherheit NFL-kompatibler als Vorgänger QB Jared Zabransky. Die Kommentatoren sprechen Moore eine solide Backup-Karriere in der NFL zu. Wenn ein Daniel McCoy in Cleveland starten kann, warum nicht Moore an einem besseren Ort? Aber erstmal sollte Moore noch sein Senior-Jahr spielen.

So long. Boise State, auf ein Neues 2011.