NFL Date am Donnerstag, Week #14: Die Wachablöse droht

Do./Fr. 02h30 ESPN America

Das Donnerstagsspiel in Woche 14 gibt kurz Anlass, über die AFC South nachzudenken. Die Division ist so künstlich wie ihre Mitglieder: Dank der Neugründung der Houston Texans musste zur Saison 2002 die AFC South gegründet werden. Mit dabei ein Quartett aus wenig traditionellen Mannschaften: Die Indianapolis Colts, die einst aus Baltimore geflüchtet waren, die Tennessee Titans, die als Houston Oilers jahrzehntelange Verlierertradition vorweisen konnten, und dann noch zwei Teams frisch aus der Retorte: Die Jacksonville Jaguars und eben die Texans.

So wenig Old-School-Flair in dieser Staffel steckt, so potent waren ihre Vertreter seit ihrer Gründer. Oder besser: Zwei ihrer Vertreter. Wir schreiben die neunte Saison und noch immer haben keine anderen Mannschaften als Indianapolis und Tennessee den Titel geholt. Houston fehlt gar immer noch ein Playoff-Einzug, während die Jaguars wenigstens zweimal als starkes Wild-Card-Team in die Post Season gegangen sind.

Die beiden Top-Teams des Jahrzehnts treffen nun aufeinander: Indianapolis vs. Tennessee. Und je nach Spielausgang könnte der Grundstein dafür gelegt werden, dass wir eine Premiere erleben: Kein Divisionssieger Colts oder Titans.

Aktueller Stand:

#1 Jacksonville 7-5
#2 Indianapolis 6-6
#3 Houston 5-7
#4 Tennessee 5-7

In Betracht ziehend, dass keine Mannschaft eine Wild Card ziehen wird, braucht es den Gruppensieg für die Playoff-Qualifikation.

Der Fluch der verlorenen Superbowl?

Die Colts waren 2009 keine überragende Mannschaft. Sie war trotzdem nah dran an einer Perfect Season und am Titelgewinn. Grund dafür: Ein sensationell gut spielender QB Peyton Manning, eine halbwegs ordentlich spielende Defense und die Qualität, die engen Spiele zu gewinnen.

Die Bilanz nach dreiviertel Regular Season 2010 ist ernüchternd: 6-6. Rein optisch ist Indy immer noch eine reine Pass-Offense und unfähig, den Lauf zu stoppen. Was noch dazukommt, ist eine offene Secondary. Vor allem ist man aber nicht mehr in der Lage, Spiele wie jüngst gegen die Patriots oder die Cowboys zu biegen. 2009 wäre das gelungen.

Den meisten Hohn steckt derzeit Peyton Manning ein. Schon allein die Vergleiche mit Bruder Eli dürften für #18 Schande genug sein.

Dabei wird aber gern übersehen, dass Manning hinter ein furchtbaren Offensive Line spielen muss. Was derzeit über die Mitte an Druck zum QB durchkommt, das geht auf keine Kuhhaut mehr. Vor allem Center Jeff Saturday, mittlerweile auch schon 35, hat seine besten Tage hinter sich.

Zweites Problem: Die Verletzungen. Mittlerweile sind die WRs Wayne und Garcon wieder zurück. Aber dahinter wird es schon eng: Die Optionen danach hören auf die Namen White, James und Tamme. Liebe Leser, Sie brauchen sich nicht zu schämen, wenn sie nichts von denen gehört haben. Vermutlich wusste Manning selbst bis vor kurzem noch nichts von den Jungs.

In der Defense rächt sich immer mehr, dass jahrelang Backup-RBs und WRs gedraftet wurden, anstatt die größte Schwachstelle zu beseitigen: Defensive Tackles. Nach dem Ausfall von SS Bob Sanders und einigen Abgängen in der Front Seven ist die Laufdefense mittlerweile wieder fürchterlich. In der Secondary spielen Leute wie Powers und Lacey. Unter diesen Umständen spielt die Defense noch halbwegs annehmbar.

Probleme solcher Art hatten die Colts schon des Öfteren. Manning konnte das bisher stets ausgleichen. Würfe wie gegen die Cowboys mitten in die Doppeldeckungen hinein habe ich von Manning aber noch selten gesehen. Insofern ist die aktuelle Niederlagenserie auch an Manning selbst festzumachen.

Der Anführer, den es nicht gibt

Die Colts müssen nach Nashville, Tennessee. Sie sind dort trotz aller Verletzungen, Interceptions und Pleiten klarer Favorit. Denn die Titans sind mal wieder im Chaos. Spätestens seit der Demission von QB Vince Young ist die Saison für den Gully.

Dabei ist es wurst, ob Coach Jeff Fisher QB Kerry Collins oder den völlig unerfahrenen QB Rusty Smith aufstellt. Im Übrigen ist bei Smith der Vorname Programm. So wenig, wie der Mann mit dem Rest der Offense eingespielt ist. Die Titans haben also kein Pass-Spiel, trotz Receivers wie Kenny Britt (ist nicht ganz fit) oder Randy Moss.

Kollateralschaden für das Laufspiel: Die Defenses konzentrieren sich massiv auf RB Chris Johnson, dessen Zahlen mehr und mehr in den Keller wandern. 59yds in San Diego, 5 (!) in Houston, 53 gegen Jacksonville. Das alles führt dazu, dass Tennessee seit Wochen kaum mehr Punkte erzielt: Seit Anfang November in vier Spielen nur deren 39.

Zu allem Überfluss fuchtelt in Nashville auch noch der Owner dazwischen. Bud Adams sieht in Vince Young immer noch den Mann, um den herum man das Team aufbauen sollte. Es wird gerüchtelt, dass Adams für Young sogar den Bruch mit Head Coach Jeff Fisher riskieren möchte. Trotz Young wiederholt demonstrierter Unreife.

Sollte man 2010 abschenken – und ich sehe nicht, wie die Saison zu retten ist – gibt es wohl trotzdem nur eins: Young entlassen, Fisher halten und einen Quarterback einkaufen. Leute wie Kevin Kolb, Matt Leinart oder sogar Carson Palmer dürften frei sein.

Bei Leinart kommt die Komponente dazu, dass der Mann im Draft 2006 Fishers Favorit gegenüber Young gewesen ist. Damals setzte sich der Owner durch. Vielleicht kauft Fisher einen Leinart ein.

Auf dem Spielfeld

Die Colts haben drei in Serie verloren, die Titans deren fünf. Die Colts sind Zweite, die Titans Letzte in der Division. Trotzdem sind die beiden die einzigen mit positivem Punkteverhältnis in der Division. Beiden nutzt in der sehr knappen, aber nur wenig hochklassigen AFC South nur ein Sieg.

Ich tippe auf Indianapolis. Die Colts haben im Übrigen einen sehr machbare Rest-Schedule (2x TEN, OAK, @JAX), sodass ich die Colts noch immer nicht für die Playoffs abgeschrieben habe.

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