Florida ist nicht mehr Urban

Das Trainerkarussell im Footballgeschäft dürfte ins Rollen kommen. Der Head Coach der Florida Gators, Urban Meyer, hat gestern seinen Rücktritt erklärt. Meyer ist nicht einfach nur ein Footballtrainer.

Meyer ist eine der markantesten Gestalten, die an der Sideline herumrennen. Der Mann coachte einst mit den kleinen Utah Utes mit QB Alex Smith und ihrer Spread Offense als erster Coach ein Team aus einer non-BCS Conference in eine BCS Bowl, restaurierte danach das von Ron Zook in Grund und Boden gecoachte Footballprogramm in Gainesville und gewann dort zweimal die College-Meisterschaft (2006, 2008).

Der Rücktritt zu diesem Zeitpunkt kommt – mal wieder – überraschend. Meyer litt unter so was wie Burnout, ein Coach, der sich über die Jahre kaum eine Pause zugemutet hatte. Weihnachten 2009 war Meyer schon mal zurückgetreten, damals aus gesundheitlichen Gründen. Schon einen Tag danach machte er einen auf Brett Favre. In der Offseason tourte Meyer durch die Welt, beschäftigte sich mit Dingen abseits des Footballfeldes. Jetzt also der endgültige Rücktritt.

Verschwörungstheoretiker…

…blicken nun nach Colorado. In der Nacht auf Dienstag (MEZ) wurde bei den Denver Broncos Head Coach Josh McDaniels entlassen. McDaniels, der die Broncos in Schutt und Asche gelegt hatte mit merkwürdigem Kommunikationsverhalten, merkwürdigen Spielertauschs und merkwürdigen Drafts.

Der Pick, der die Augenbrauen am meisten hob, war der von QB Tim Tebow. Tebow war jahrelang eine absolute Ausnahmeerscheinung nicht nur an seiner Uni, sondern im gesamten College Football gewesen. Und Tebow war QB an der University of Florida. Ein Sprössling Meyers, seines Coaches und Mentors. Meyer sprach stets in höchsten Tönen über Tebow.

Ganz abwegig ist der Gedanke nicht, Meyer könnte im Jänner die vakante Headcoach-Position in Denver übernehmen. Tebow ist dort aktuell #2 hinter Kyle Orton, der fast ohne Laufspiel um sein Leben gunslingert, ohne großartige Statistiken in Siege umwandeln zu können.

Und jetzt?

Im College wird der Rücktritt auch einige Bewegung bringen. Die Uni Florida ist eine der profiliertesten, vergleichbar mit Notre Dame, und die Interessenten dürften Schlange stehen.

Ein Name, der aktuell bei fast jeder frei gewordenen Trainerstelle fällt: Jon Gruden, ehemaliger Coach der Raiders und Superbowl-Champ mit den Buccs. Ein weiterer Kandidat, der schon vor einem Jahr im Gespräch war: Bob Stoops, siegreicher Coach der Oklahoma Sooners, der aber in schöner Regelmäßigkeit seine Bowl-Spiele verliert. Auch Bobby Petrino scheint ein Kandidat. Petrino, der Kotzbrocken, der Atlanta so schnell nicht wieder betreten darf, gilt als exzellenter Recruiter. Ebenfalls favorisiert sollte Dan Mullen sein. Mullen war jahrelang das Mastermind hinter der Gators-Offense, ehe er vor zwei Jahren in Richtung Mississippi State abwanderte. Die Bulldogs erleben seitdem einen Aufschwung.

Ein Außenseiter für den Job könnte Chris Petersen sein. Petersen ist ein recht junger, kreativer Coach, der in Boise eine der besten Teams landesweit aufgebaut hat. Die Gators haben einst auch Meyer von einem Mid Major eingekauft und ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Petersen in Boise für Florida hinschmeißt.