NFL Wochenendhäppchen, Week #14: Der Lehrmeister und sein Chef und umgekehrt

Zwei Spiele ragen an diesem Wochenende aus dem NFL-Spielplan heraus: Das AFC-Westduell San Diego – Kansas City und das Topspiel Chicago – New England.

Chicago Bears – New England Patriots

So. 22h live bei ESPN America

Mike Martz hatte im Winter 2001 einen dicken Hals. Und zwar auf seine Defense. Die Rams hatten dank des komplizierten Martz-Systems voller langen Passrouten und heftiger Einbindung von RB Marshall Faulk ins Passspiel eine der besten Offense aller Zeiten aufgestellt: 540 Punkte in der Regular Season. Im Wild Card Playoffspiel war allerdings schon Schluss. Grund: Die miserable Defense. Martz schaute sich also um und griff beim Linebackers-Coach in Tampa zu.

Dieser Linebackers-Coach wurde neuer Defensive Coordinator in St. Louis, und die Rams spielten 2001 die beste Saison ihrer Vereinsgeschichte. Erst in der Superbowl wurden sie sensationell von den New England Patriots gestoppt. Trotzdem: Die schlechteste Verteidigung der Liga war plötzlich in den Top-5 zu finden. Zwei weitere Jahre später war der Defensive Coordinator der Rams Head Coach in Chicago geworden. Und die Glanzzeit der Rams war vorüber.

Dieser Mann, der vom LB-Coach in Tampa zum DefCoord in St Louis zum Head Coach ini Chicago mutierte, ist Lovie Smith. Smith bastelte in Chicago innerhalb von drei Jahren einen Superbowl-Teilnehmer, der fast ohne Offense ins NFL-Finale kam und nur knapp an Indianapolis scheiterte (Indy übrigens mit Smiths Ex-Chef Tony Dungy).

Seit der Finalniederlage im verregneten Miami erlebten die Bears allerdings Stagnation. 7-9 wechselte sich mit 9-7 und 7-9 ab. Im Winter 2010 stand Smith vor dem Abschuss. Nicht einmal der Einkauf von QB-Hoffnung Jay Cutler hatte sich bezahlt gemacht.

Smith erinnerte sich an einen ehemaligen Kumpanen. Mike Martz. Smith installierte sich Martz, seinen ehemaligen Chef, als OffCoord in Chicago. Ziel: Cutler zu einem effizienteren QB zu machen und Chicago somit zu einem Double-Trick-Pony zu machen.

Und Martz machte die Bears-Offense zu einer gefährlichen. In zweierlei Hinsicht: Erstmal ist da QB Cutler, der an einem guten Tag schnell genug die Bälle das Feld hinunter wirft und 4 TDs produziert. Dann ist da aber auch die Offensive Line, hinter der Cutler zwischendurch mal wieder zehnmal pro Spiel niedergeschlagen wird. Gefahr also für die gegnerische Defense und den eigenen QB.

Und jetzt kommt New England

Großes Spiel im Soldier Field. Und eines, das vor allem für Chicago crucial ist, wie die Amerikaner zu sagen pflegen: Chicago rangiert in der NFC North mit 9-3 an der Tabellenspitze, ein Spiel vor den Packers. Da die Bears aber noch nach Green Bay fahren müssen, dürfte ein Sieg Pflicht sein, zumal das Wild-Card-Rennen in der NFC verdammt eng zugeht.

New England kommt mit so breiter Brust daher, dass man Angst haben muss, ob die Jungs überhaupt noch durch den Stadioneingang passen. Die Offense ist derzeit um den alles überragenden QB Tom Brady nicht aufzuhalten und die Defense ist verbessert, macht Turnovers zu kritischen Zeitpunkten.

Zwei Matchups werden höchst interessant: Die gewaltige Bears-Defensive Line gegen die in dieser Saison schlicht sensationell gute Offensive Line der Patriots. Die Bears haben mit dem Einkauf von DE Julius Peppers so was wie den Hauptpreis gezogen. Ich habe Peppers gegen Green Bay, Minnesota und Philadelphia gesehen. Der Mann ist auffälliger als zu Panthers-Zeiten. Auf LT Matt Light kommt einige Anstrengung zu.

Zweites Matchup: Das Patriots-Laufspiel gegen die Bears-Laufdefense. New Englands Running Backs heißen BenJarvus Green-Ellis und Danny Woodhead. Ein großer, kräftiger Mann und ein kleiner, flinker. Keine Stars, aber Spieler, die in den 10-15 Mal pro Spiel, in denen sie eingesetzt werden, zuletzt extrem effizient waren und große Raumgewinne holten. Für die Bears-Defense ist die Patriots-Offense die größte Herausforderung in dieser Saison.

Ich tippe auf die Patriots. Sie erinnern mich erschreckend an die großen Zeiten vor ein paar Jahren.

San Diego Chargers – Kansas City Chiefs

Mo. 17h30 bei ESPN America (Tape)

Es ist so etwas wie das Spiel der letzten Chance in der AFC West. Keine Mannschaft wird über die Wild Card weiterkommen, so stark wie sich Baltimore heuer präsentiert. Daher reicht nur der Gruppensieg: Kansas City steht bei 8-4, San Diego bei 6-6. Das „Hinspiel“ holten sich die Chiefs.

Von daher ist eine Niederlage der Chargers gleichbedeutend mit dem endgültigen Aus (direkter Vergleich).

San Diego fiel zuletzt gegen die Raiders wieder in alte Verhaltensmuster zurück: Fehler, Turnovers, Flaggen. Das sollte man gegen Kansas City vermeiden. Die Chiefs kommen mit eingepflanztem Patriots-Gen daher: OffCoord Charlie Weis und DefCoord Romeo Crennel haben das Ihrige getan.

Eine große Saison spielt auch QB Matt Cassel – jo, ein ehemaliger Patriot. Cassel wird womöglich ausfallen (Blinddarmoperation), aber sollte der Mann spielen, darf man das bewundern, was man allgemein care-taker nennt: Fehlervermeidung. Die Chiefs sind eine Lauf-Mannschaft, mit dem bärenstarken Duo aus RB Jameel Charles und RB-Oldie Thomas Jones. Cassel braucht die Entlastung durch das Laufspiel. Wenn er dann mal passt, dann sehen seine Stats so aus: 212 von 354 für 2503yds, 23 TD, 4 INTs. Das nenne ich Effizienz.

Für San Diego ist es das Spiel der letzten Chance. Ich bewundere, was QB Philip Rivers da drunten so zusammenzaubert. Aber ein Rivers ist nicht genug. Trotzdem: Die Chargers sollten dieses Spiel gewinnen und sich ihre Chance auf die Playoffs erhalten können.

Was sonst noch so übern Schirm flimmert

Sonntag, 19h ESPN America live: Minnesota – N.Y. Giants*. Für Minnesota ist die Saison für die Grütze. Die Giants brauchen jeden Sieg, 1) für den Divisionssieg und 2) für die Wild Cards. Das Rennen ist sauknapp. Eine Woche vor dem Duell mit den Eagles muss ein Sieg her. New York kommt mit starkem Laufspiel (#6) gegen eine starke Laufdefense (#4). Andererseits besitzen die Giants eine ausgeglichen starke Defense. Minnesota sollte mehr auf sein Laufspiel um RB Peterson setzen.

So./Mo. 02h20 ESPN America live: Dallas – Philadelphia. Die Cowboys sind seit dem Trainerwechsel nicht mehr die gleiche Mannschaft: Weniger fehleranfällig und effizienter. Die Eagles hängen sehr stark von QB Michael Vick ab. Für Philadelphia gilt Ähnliches wie für die Giants: Verlieren vorerst verboten.

Montag 15h30 ESPN America Tape: Pittsburgh – Cincinnati*. Pittsburgh steht mit eineinhalb Beinen in den Playoffs. In Spiel #1 tat man sich aber schwer gegen die Bengals. Diese werden noch vier Spiele in der aktuellen Zusammensetzung auftreten, bevor es einen Umbruch gibt. Bei Pittsburgh sollte man auf OLB Harrison achten, der auf dem Feld mit Brutalität und daneben mit Geplärre von sich reden macht.

Mo./Di. 02h30 ESPN America live: Houston – Baltimore. Die Ravens sind mit 8-4 für m.E. unter Wert verkauft. Zuletzt verlor man ein völlig ausgeglichenes Spiel gegen die Steelers. Die Ravens halten all ihre Begegnungen stets knapp, kassieren nicht viele Punkte. Houston versucht zuletzt wieder vermehrt, den Luftweg als Erfolgmittel heranzuziehen. Trotzdem ist die Saison mit 5-7 eine einzige Enttäuschung.

*Womöglich werden die beiden Spiele im Sendeplan noch vertauscht. In den Trailern wird als Livespiel PIT-CIN angekündigt. Im Sendeplan steht MIN-NYG. ESPN Americas Plan z.Zt.:

Sonntag
19h00 LIVE: Minnesota – NY Giants
22h00 LIVE: Chicago – New England
02h20 LIVE: Dallas – Philadelphia

Montag
15h30 Tape: Pittsburgh – Cincinnati
17h30 Tape: San Diego – Kansas City
02h30 LIVE: Houston – Baltimore

Die Übersicht zum Playoffrennen habe ich hier zusammengefasst.