NFL Date am Donnerstag, Week #15: Der Quarterback und sein einzig brauchbarer Coach

Das Woche-15-Donnerstagsspiel führt uns in den Westen der USA. Kalifornisches Duell San Diego ChargersSan Francisco 49ers (Do./Fr. 02h30 ESPN America). War da mal was?

Rüschtisch, die beiden haben in den 90ern mal eine Superbowl ausgespielt. Die kleinen Chargers wurden damals von Steve Young und seinen Niners ganz heftig verhauen. Mittlerweile sind die Vorzeichen etwas andere.

San Diego ist seit einigen Jahren eines der Topteams der Liga, das allerdings Jahr für Jahr in den Playoffs seine letzten paar Zerquetschten an Leistungspotenzial nicht abrufen kann und daher gerne immer mal wieder gefühlt zu früh rausfliegen.

San Francisco ist auch so ein Team, dem man nachsagen kann, die Möglichkeiten nicht gänzlich abzurufen. Allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau: Die Niners waren zuletzt vor acht Jahren in den Playoffs.

Die Vorzeichen sind für beide ähnlich, trotz einer 3-Spiele-Differenz in der Bilanz. Grund dafür ist die absurde Schwäche der NFC West, wo San Francisco doch tatsächlich mit 5-8 noch in der Verlosung um den Divisionstitel ist – und nur ein Spiel Rückstand auf Seattle und St Louis hat.

Ein Spiel Rückstand haben auch die heuer enttäuschenden Chargers. Allerdings stehen sie bei 7-6. Für einen der beiden wird nach dieser Woche vielleicht Schluss sein, denn beide werden keine Wild Cards erhalten.

Für San Francisco wird dieses Mal QB Alex Smith starten. Es ist der Smith, der 2005 aus Utah in die NFL gekommen ist, an #1 von den 49ers gepickt wurde und seitdem konstant unterdurchschnittlich gut gespielt hat. Smiths Probleme sind nicht nur an ihm selbst festzumachen: So viele Coach-Wechsel wie San Francisco hat es selten gegeben. Smith musste jedes Jahr unter neuen OffCoordinators antreten – so was ruiniert auch bessere Leute.

Den größten Erfolg hatte Smith in seinem zweiten Jahr in der NFL. Nach einem derart miserablen Rookie-Jahr, dass sogar Jimmy Clausen wie ein ROY-Kandidat aussieht, stabilisierte sich Smith schnell in der Saison 2006. Offensive Coordinator an der Bucht damals: Norv Turner.

Smith wird Turner nun erstmals wiedersehen. Turner, der Smith zu einem akzeptablen NFL-Quarterback gemacht hatte, übernahm 2007 die San Diego Chargers und coachte diese Jahr für Jahr nach schwachem Saisonstart in die Playoffs – nur, um dort jedes Mal rauszufliegen. Mal überraschend, mal weniger.

Das Spiel

San Diego hat seine Saison mit einem 31-0 gegen Kansas City am Leben gehalten. Die Chiefs spielten allerdings ohne QB Matt Cassel, wodurch die Offense schon vor jedem Ansatz erstickt war. Ganz böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass auch San Francisco ohne Quarterback daherkommt. Alex Smith möchte man die Last nicht auf die Schultern laden, sofern man mit Gewinnabsichten nach Südkalifornien fährt. Dumm, dass RB Frank Gore heuer nicht mehr spielen wird. Aber RB Brian Westbrook zeigte zuletzt ein paar Ansätze aus alten Iggles-Tagen.

Trotzdem: Ich glaube, dass San Diego nicht mal ein perfektes Spiel brauchen wird, um das zu gewinnen. Ich sehe einen klaren Sieg mit 2-3 Touchdowns kommen. Und Mike Singletarys Entlassung zu Jahreswechsel.

Bowl Season, Tag 1: Kältester Ort, heißestes Spiel

Die Bowl Season geht am Samstag, 18. Dezember schon richtig los. Kleine Einstimmung von Sideline Reporter für die ersten drei Spiele.

New Mexico Bowl

Sa., 18.12. um 20h LIVE bei ESPN America

Brigham Young Cougars – University of Texas/El Paso Miners

Kein berauschendes Matchup, um ehrlich zu sein. Beide Mannschaften brachten heuer nur ein 6-6 zustande und das in keinen starken Divisions. UTEP bringt seit Jahren wenig auf die Reihe. Auch heuer spielte man eher durchwachsen. Die Offense um den unbeständigen QB Trevor Vittatoe (Senior) reißt niemanden vom Hocker. Die Defense ist löchrig und lässt viele Punkte zu.

Gegner BYU macht sein letztes Spiel als MWC-Mitglied, bevor die Mormonen-Uni im kommenden Herbst den Weg in die Unabhängigkeit antritt. Die BYU wird seit 2005 von Bronco Mendenhall gecoacht. Mendenhall war vorher Assistenzcoach an der Uni von New Mexico – in jenem Stadion, in dem die New Mexico Bowl stattfindet. Für Mendenhall ist es sozusagen ein Homecoming.

Unter Mendenhall erlebte BYU zuletzt einen Aufschwung, mit einer Serie an Saisons mit minimum zehn Siegen und war Stammgast in den Rankings von AP und BCS. Die ganz großen Zeiten liegen aber schon länger zurück: In den 80ern spielten u.a. QBs wie Jim McMahon und Steve Young für die Mormonen. 1984, ein Jahr nach Youngs Abgang, war man sogar mal National Champion.

Das wird in absehbarer Zeit nicht mehr passieren. Zu durchschnittlich ist die Offense um QB Jake Heaps. In der Spread Offense polierte Heaps erst in den letzten paar Wochen seine Stats auf, die immer noch wenig berauschend sind: 11TDs, 8INTs. Solider ist das Laufspiel, das auf mehrere Schultern verteilt wird. Geschichte der Saison ist aber die Defense: Furchterregend schlecht zu Saisonbeginn, als reihenweise Niederlagen eingefahren wurden. Nach der Blamage gegen Utah State wurde DefCoord Jaime Hill gefeuert und seitdem ging es aufwärts.

Wohl auch aufgrund der verbesserten Defense gilt BYU in den Wettbüros als klarer Favorit. Ich würde auch auf die Cougars tippen.

Humanitarian Bowl

Sa., 18.12 um 23h30. Bei ESPN America als Tape am 19.12. um 9h30

Fresno State Bulldogs – Northern Illinois Huskies

Gleich eine Vorwarnung: Gegen grelles Blau sollte immun sein, wer sich diese Begegnung reinzieht! Gespielt wird nämlich in Boise, Idaho im Bronco Stadium. Das Stadion der Boise State University ist berüchtigt für sein tiefblaues Spielfeld. Die Humanitarian Bowl ist eine der wenigen Cold-Wheater-Bowls.

Den Norther Illinois Huskies wird dies vorerst egal sein. Sie haben andere Probleme. Coach Jerry Kill verschwand vor einigen Tagen wortlos durch die Hintertür in Richtung Minnesota, wo er neuer Golden Gophers Coach werden wird. Kill gab bislang keine Erklärungen dafür ab, weshalb er nicht noch hätte die zwei Wochen abwarten können, bis die Bowl gespielt ist.

Die Huskies haben sich mit einer Siegesserie über mehrere Wochen zuletzt gar in die Rankings gespielt, fielen dort nach der knappen Niederlage gegen Miami (Ohio) um den MAC-Titel wieder heraus. Trotzdem: 10-3 schaut an sich nicht so schwach aus. Die Offense besteht hauptsächlich aus Laufspiel und RB Chad Spann, der 1293yds und 20TDs gemacht hat. Geworfen wird nur, wenn es unbedingt sein muss. Nun geht es ohne Coach in das Bowlspiel.

Gegner Fresno State spielt in der WAC und wird nach dem Spiel in die MWC wechseln. Die Bulldogs bestehen aus einer recht ausgeglichenen Offense und hatten einen schwereren Spielplan als die Huskies. Trotzdem reichte es zu einem 8-4. Im November musste man hintereinander gegen die beiden WAC-Schwergewichte antreten: Während es gegen Nevada um ein Haar zur Sensation gereicht hätte (34-35), wurde gegen Boise State sang- und klanglos verloren (0-51). Gegen laufstarke Mannschaften war Fresno State heuer eher erfolgreich als gegen die passgewaltigen Offenses.

Coach im kalifornischen Fresno ist seit 14 Jahren Pat Hill. Hill steht mit seiner Uni seit Jahren im Schatten von Boise State. Die beste Saison spielte Fresno State 2001 mit QB David Carr. Um ein Haar hätten Hills Jungs damals eine BCS Bowl erreicht. Diese Zeiten sind vorerst vorbei.

In den Wettbüros wird Northern Illinois als hauchdünner Favorit angesehen. Von der Spielweise dürften die Huskies den Bulldogs eher entgegenkommen, von daher tippe ich auf Fresno State. Auf jeden Fall dürfte dieses Spiel das interessanteste von den dreien sein – trotz des kalten Wetters in Boise.

New Orleans Bowl

Sa./So. 18.12 um 03h. Bei ESPN America als Tape am 19.12. um 12h

Troy Trojans – Ohio Bobcats

Viel gibt es nicht zu sagen. Die Trojans besitzen eine passgewaltige Offense um Freshman-QB Corey Robinson. Coach Larry Blakeney ist mittlerweile das 20. Jahr bei den Trojans am Ruder und hat nach dem Wechsel in die FBS vor zehn Jahren eine respektable Mannschaft zusammengestellt, die keinen umwirft, aber offensiv viele Punkte erzielt.

Ohio hat keine schlechte Defense, aber was heißt das schon in der Mid-American Conference? QB Boo Jackson ist unkonstant und wirft mehr INTs als TDs. Head Coach Frank Solich, der einst mit den Nebraska Cornhuskers in den ganz großen Bowls gespielt hat, ist mittlerweile sechs Jahre in Athens am Steuer, aber die ganz großen Erfolge haben sich noch nicht eingestellt und vor allem die Bowls werden in schöner Regelmäßigkeit verloren.

Ohio ist in den Wettbüros ganz leichter 2-pts-Favorit. Ich sehe aufgrund der starken Pass-Offense hier eher Troy etwas vorn.

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