Crazy League mal anders: Vom neuen Meadowlands-Miracle

Na bitte, das war doch mal ein Spiel, das man sich anschauen konnte. New York GiantsPhiladelphia Eagles, beide bei 9-4. Der Sieger mit der großen Chance auf den Divisionssieg, der Verlierer mit dem Schwert im Rücken, das drohende Saisonende spürend.

Für die Giants ging das eigentlich ganz prima los. Der Gameplan von Defensive Coordinator Perry Fewell: Michael Vick unter Druck setzen, notfalls mit zusätzlichen Pass Rushern und Blitzes. Das klappte schon im zweiten Spielzug, als Vick mit drei Rushern in der Fresse einen ungenauen tiefen Pass genau in die Hände von CB Corey Webster warf.

Im zweiten oder dritten Giants-Drive beim dritten Versuch: QB Eli Manning mit einem tiefen Ball auf WR Hakeem Nicks. Ganz klar kein kompletter Pass, doch Andy Reid verzichtete auf die rote Flagge. Kurz danach der Touchdown für die Giants. Auch danach lief es bei den Giants trotz einer INT recht ordentlich, viele Drives wurden mit Touchdowns abgeschlossen, während bei den Eagles so gar nichts zusammenlief.

In der letzten Minute vor der Pause: Vick mit einem Pass in die Hände von WR Jeremy Maclin. Maclin verliert den Ball anschließend, und die Eagles müssen ein Timeout verbrennen. Aus der Video-Refereebox ein lautes und laaaaanggezogenes *schnaaarrrrcccccccchh** Doch dann entschließen sich die Zebras doch zum Review. Und geben dem Einspruch nicht statt – obwohl ganz klar ersichtlich war, dass Maclin den Ball für höchstens ein Augenzwinkern in den Armen hatte. Statt unvollständigem Pass gehört der Ball den Giants und QB Manning mit dem Pass links raus auf den freistehenden WR Nicks zum 24-3. CB Dmitri Patterson erlebt ganz böse Momente in dieser Halbzeit.

Nach der Pause ist das Spiel tot. Die Eagles bewegen den Ball mühselig und sehr strafen-anfällig, kommen aber nicht in Reichweite von Punkten. Erst ein völlig unmotivierter Fumble von WR Mario Manningham ausgangs des dritten Viertels in der eigenen Hälfte bringt Philadelphia zurück ins Spiel. Zwei Läufe und einen Pass später steht WR Maclin ca. 15 Meter frei und verkürzt auf 10-24.

Ein paar Drives später schlägt wieder Andy Reids Schnarchnasigkeit zu: Langer Pass Vick zu WR DeSean Jackson. Jackson wird im Fallen von einem Giants-Verteidiger am Trikot gezogen, lässt am Boden liegend den Ball aus. Ballbesitz Giants, obwohl schon die allererste Wiederholung nach ROTE FLAGGE! schreit. Reid steht eiskalt an der Seitenlinie und steckt das Tuch wieder ein. Vier Minuten und 47yds später ist Philadelphia erneut in der Endzone. Manning mit Touchdown-Pass #4, diesmal auf TE Boss.

Es sind die Momente, in denen man normalerweise den Ton leiser stellt, sich ein Stück Speck, Schüttelbrot und eine Flasche Bier holt, und sich gemütlich auf die zweite Partie einstimmt. Und hätte es nicht unmittelbar danach einen 65yds-Pass auf TE Brent Celek zum 17-31 gegeben, es wäre so passiert. Aber weil die Giants eiskalt einen Defensive-Liner auf den Tight End abstellten, konnte Celek ein paar Slalomlinien durchlaufen.

Zehn Meter gegen den Wind stinkt es nun, dass ein Onside Kick kommen wird. Vor der Pinkelpause noch schnell den Onside Kick angeschaut. Der Kicker mit dem Anlauf, die Giants bewegen sich synchron dazu nach hinten, sodass die heranlaufenden Eagles das Ei unbedrängt aus der Luft pflücken können. Was für eine Antizipation ist das denn? Sieben Minuten vor Schluss, der Gegner hat grad auf zwei Touchdowns verkürzt, und kein Blauer kommt auf die Idee, dass ein Onside Kick folgen könnte?

Es beginnt die Michael-Vick-Experience II. Erst sorgt Vick im Hühnerstall „Giants-Defense“ für großes Chaos bei einem 35yds-Lauf quer über das Feld, dann sprintet er kurz danach beim dritten Versuch aus kurzer Entfernung zum 24-31 in die Endzone. Fünfeinhalb Minuten to go, die Giants schalten in den Laufspiel-Modus um, und der funktioniert eine Weile ganz gut. Bis LT David Diel beim Uhr runterticken (!) drei Minuten vor Schluss (!!) im eigenen Stadion (!!!) mit einem Fehlstart den Drive kaputt macht. Die Eagles schon ohne Auszeiten und die Giants müssen punten.

Die Show geht weiter. Beim 3ten und 10 schnackelt Vick nacheinander 33, 13 und 22yds aus den Beinen und Philadelphia ist plötzlich in der Redzone. Den Giants wird nun zum Verhängnis, was lange so gut geklappt hat: Die aggressiven Defensive Backs und Linebackers, die anfangs immer zu Vick durchkamen, kommen nun einen Tick zu spät bzw. hätten besser für Containment gesorgt, anstatt auf den großen Sack zu gehen. 84 Sekunden vor Schluss steht plötzlich WR Maclin links draußen kilometerweit frei, Touchdown, Ausgleich, aber noch Zeit zum Konter.

Der scheitert, aber dank Sack tickt wenigstens die Uhr runter. Auf 14 Sekunden. Der Punter kommt raus und kickt einen flachen, wobbeligen Ball mitten ins Spielfeld hinein. Returner DeSean Jackson, kein unbeschriebenes Blatt, fumbelt den Ball. Klaubt ihn dann auf, bricht zwei bis drei Tackles und läuft DURCH. Am Ende ein Tänzchen entlang der Goal Line und zum unfassbaren 37-31 mit ausgelaufener Uhr eingelaufen. Wie einst Brian Westbrook, der zu Beginn meiner Zeit als Football-Fan mal eine ganze Eagles-Saison mit einem späten Punt-Return gegen die Giants gerettet hat.

Siebeneinhalb Minuten. 15 Spielzüge, 220 Yards plus ein 65yds-Puntreturn, VIER Touchdowns. Und das, nachdem die Eagles so mausetot gewesen waren, selbst nach dem sinnlosen Fumble von Manningham. Reid hatte das Spiel schon abgeschenkt und darf nun alle Kreuzzeichen der Welt machen, dass das trotzdem noch mal gut gegangen ist.

Auf Giants-Seite kriegt Punter Dodge, ein Rookie, nun sein Fett ab. Nicht ausgeschlossen, dass der Kollaps die Playoff-Teilnahme gekostet hat. Kommenden Sonntag geht es nach Green Bay. Green Bay, das selbst mit Backup Matt Flynn in Foxboro fast gewonnen hätte. Und am Sonntag kommt QB Aaron Rodgers zurück…

5 Kommentare zu “Crazy League mal anders: Vom neuen Meadowlands-Miracle

  1. Sehr schöner Bericht zu einem sehr verrückten Spiel! Reid hat angeblich die Anweisung vom Assi gekriegt, nicht zu challengen. Coughlin war ja bitterböse auf den Punter, aber dass die Defence auseinandergenommen worden ist, sollte er nicht vergessen. Die Giants haben aber noch alles in der Hand, wenn sie in Green Bay gewinnen.

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