Bowl Season 2010/11, Tag 4: Im Zeichen des Weihnachtssterns

Am vierten Spieltag der Bowl Season zeigt der Weihnachtsstern nach Südkalifornien. San Diego ist dran…

San Diego County Credit Union Poinsettia Bowl

Do./Fr., 23.12. um 02h, bei ESPN America nur als Tape: Am 24.12. um 10h30

San Diego State Aztecs – Navy Midshipmen

Es ist ein Bowl-Spiel, das eigentlich keiner braucht. Außer San Diegos Tourismus-Strategen. San Diego besitzt bereits eine Bowl – die Holiday-Bowl, die einen Tag vor Silvester ausgespielt wird. Im Bemühen, so was wie „Festwochen“ aufzuziehen und den Tourismus anzukurbeln, haben die Südkalifornier 2005 erstmals die Poinsettia Bowl ausgerufen.

„Poinsettia“ wie „Weihnachtsstern“. Die Bowl wird einen Tag vor Heiligabend ausgespielt, und keiner geht hin. Das riesige Qualcomm Stadium ist nie mehr als halb gefüllt: Der Zuschauerrekord steht bei knapp 40.000. Trotzdem setzt die Stadt durch die Bowl ca. 11 Millionen Dollar um. Einmal machte sie von sich reden, 2008, als sie mit #9 Boise State und #11 TCU beide Teilnehmer höher gerankt hatte als die große Orange Bowl.

Heuer sind wir von solchen Größen meilenweit entfernt. Es treffen aufeinander die San Diego State Aztecs und die Navy Midshipmen. Bei der Navy weiß man, wie man dran ist: Knallharte Triple-Option und Laufspiel bis zum Abwinken. Dreh- und Angelpunkt dabei: QB Ricky Dobbs, der in der kompletten Saison ganze 74 Pässe komplettiert hat, aber dabei 1380yds und 12 TDs gemacht hat. Dobbs ist auch der Mann mit den meisten rush yards bei der Navy (860yds, 13 TDs). Die Navy erzielt insgesamt 288yds am Boden pro Spiel, #5 landesweit.

Heuer hat sie erstmals die Chance, zweimal in Folge mit 10 Siegen abzuschließen. Insgesamt war der Spielplan aber recht mau.

San Diego State war jahrelang eines der schlechteren Footballprogramme, bis vor zwei Jahren Brady Hoke von der Ball State University nach San Diego kam. Hoke verbesserte ein dahinsiechendes Programm schlagartig in der Defense und so kommt es, dass die Aztecs zu den besseren Lauf-Verteidigungen gehören.

Auch offensiv hat SD State einiges zu bieten. QB Ryan Lindley hat ein starkes Junior-Jahr gespielt, 26TDs und weit über 3000yds. Lindleys zwei Top-Receiver heißen DeMarco Simpson (65 Catches, 1175yds, 8TDs) und Vince Brown (61 Catches, 1187yds, 9 TDs) und haben fast identische Statistiken. Brown gilt als zukünftiger NFL-Spieler. Zum passgewaltigen Angriff gesellt sich mit dem Freshman-RB Ronnie Hillman ein aufstrebender Läufer (1304yds, 14TDs).

San Diego State kann man durchaus als eine der Überraschungen der Saison sehen. 8-4 in der Mountain West Conference ist durchaus respektabel. Was auffällt: Sogar gegen die Big Players wurde ordentlich mitgehalten. Missouri gewann erst durch einen langen Touchdown-Pass in der letzten Minute, Brigham Young nur mit drei Punkten, #19 Utah mit vier, #3 TCU mit fünf Punkten.

Ich bin überrascht, dass die Aztecs nur als 4pt-Favorit gehandelt werden. Mit dieser Offense, dieser Laufdefense und dem Heimvorteil im Rücken sollte es ein klarer Erfolg für San Diego State werden.

Gespannt darf man auch sein, wie viele Zuschauer kommen. Die Poinsetta Bowl ist wie gesagt eher schwach besucht, und auch die Aztecs, die im Qualcomm Stadion daheim sind, bringen dort im Schnitt kaum mehr als 30.000 Leute rein…

UPDATE: Die Umgebung des Stadions ist ziemlich überflutet. 24h Zeit, um die Wassermassen abzusaugen und wenn ich mir das so anschaue, könnte eine nicht allzu große Zuschauermenge schon hilfreich sein.

Die anderen Bowls sind im Übersichtsblog zu finden.

NFL Date am Donnerstag, Week #16: Keine mehr frei? Okay, dann nehm ich dich.

Das letzte Donnerstagsspiel für die laufende NFL-Saison. Und es ist ein gewaltiges Mismatch, so groß, dass ich mich wundere, warum hier kein Flex Scheduling der NFL in Kraft getreten ist.

Pittsburgh Steelers zuhause gegen die Carolina Panthers. Das ist kein Date, mit dem du ausgehen möchtest. Vielmehr ist es gerade das Mädchen, weil es halt noch das einzige in der Verlosung geblieben ist. Muss kein versauter Abend werden deswegen, aber so ganz das Wahre ist es eben nicht. Für beide.

Die Pittsburgh Steelers wurden auch hier auf dem Blog schon des Öfteren durchleuchtet: Solide Offense mit gutem Laufspiel und einem QB Ben Roethlisberger, der hinter einer durchwachsen spielenden Offensive Line meist genügend zusammenimprovisiert, dass es zum Sieg reicht. Auf der anderen Seite eine gnadenlose Defense, die kaum einen Lauf-Yard hergibt, aber via Luftweg durchaus zu knacken ist, weil der Pass Rush für meinen Geschmack heuer nicht so effektiv ist und die Secondary eh seit Jahren eine der schwächeren Punkte in Pittsburgh ist. Nun fällt mit Safety Troy Polamalu der wichtigste Verteidiger gegen den Lauf aus. Es sollte nicht auffallen.

Das Donnerstagsspiel ist für mich vielmehr Gelegenheit, auf die Carolina Panthers zu blicken.

Die Streichelkätzchen

Ich gebe an der Stelle eins zu. Ich hatte die Carolina Panthers vor der Saison als mein dark horse eingeplant. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Defense eigentlich recht gut besetzt, ein nominell tolles Laufspiel mit RB Jonathan Stewart und RB DeAngelo Williams, eine solide Offensive Line und QB Matt Moore, der mir im Vorjahr gut gefallen hat. Wenn ein Team von Coach John Fox den Ball am Boden bewegen kann, setze ich ungern dagegen.

Wie der Teufel es will, kam das Laufspiel von Anfang an nie in die Gänge. Selbst als Williams und Stewart noch fit und einsatzfähig waren ging nichts. QB Moore war eigentlich nur dazu eingeplant, seine 15-20 Alibi-Pässe zu werfen, um die Quote zu halten. Durch das unterirdische Laufspiel ging das nicht und Moore musste mehr werfen als es den Panthers lieb sein konnte. Moore konnte nicht.

So war eigentlich schon nach drei Wochen klar, dass das nichts mehr werden würde. John Fox sägte Moore ab, wechselte den Rookie-QB Jimmy Clausen ein, der aber noch schlechter spielte. Clausen ist ein Unsympath, ein arroganter Schönling, aber er kann dir leid tun: Als Rookie in eine am Boden liegende Offense ohne Waffen zu kommen, da scheitert der beste.

Carolina kann im Prinzip von Glück sprechen, dass man mit der NFC West die einfachste Division im Spielplan hatte. Gegen eine „normale“ Division hätte das eine 0-16 Saison werden können. So gabs wenigstens zwei Siege gegen San Francisco und Arizona. Beides keine glanzvollen, versteht sich.

Wie geht es weiter?

Das steht in der Schwebe. John Fox’ Vertrag läuft aus. Fox galt aber schon vor dem Kollaps als sicherer Abgang: Owner Jerry Richardson hat mehrfach betont, für Coaches seine Brieftasche nicht weit aufzumachen. In den nächsten Wochen werden einige Namen fallen, aber ich bin mir nicht sicher, wie attraktiv Carolina noch ist, nachdem es noch vor zwei Jahren eine der besten NFL-Kader gehabt hat.

Fox’ Marktwert dürfte indes extrem gelitten haben. Fox hat die Panthers damals innerhalb von zwei Jahren vom 1-15 Team zum Superbowl-Finalisten geformt und war danach noch zwei weitere Male in den Playoffs, einmal im NFC-Finale. Aber dieser recht willenlos wirkende Kurs gegen den Einbruch… Nicht sicher, ob Fox nächstes Jahr noch irgendwo Head Coach ist. Vielleicht in Tennessee?

Weitere Unbekannte: Ist Jimmy Clausen schon so verbrannt, dass er in Carolina schon nach dem ersten Jahr vor die Hunde geschmissen wird und ein hoher Draftpick kommt, vielleicht Ryan Mallet oder Andrew Luck? Es wird letztendlich vom neuen Head Coach abhängen, aber ich glaube es ehrlich gesagt nicht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob man den Draftpick #1, so man ihn am Ende holt, überhaupt behalten will.

Wie geht das Spiel?

Pittsburgh ist laufstark. Carolina hat trotz Fox verlernt, wie man das Laufspiel stoppt. Pittsburgh wird vielleicht nicht haushoch gewinnen, aber 1-2 Touchdowns Vorsprung dürften es am Ende doch sein.