NFL Wochenendhäppchen #16: Schnee! Schnee! (Update)

[Update: Sunday Night Game ist nicht San Diego – Cincinnati, sondern Philadelphia – Minnesota.]

[Neues Update: In Philadelphia fällt während des geplanten Spieltermins massiv Neuschnee. Dank Blizzard wird das Spiel auf Dienstag verschoben. Termin: Di./Mi., 02h. Noch keine Angaben von ESPN America über evtl. Übertragung eingetroffen.]

Ich kann mich nicht erinnern, dass es in den letzten Jahren so lange so spannend im Playoffrennen zugegangen ist. Kein Team, das 14-0 startet oder schon Wochen vor dem Jänner die Spiele abschenken kann. Ist es Zufall oder hängt es auch damit zusammen, dass die NFL seit diesem Jahr verstärkt und mit Absicht die Divisionsspiele auf die letzten zwei Wochen eingebaut hat? Auf jeden Fall gibt es am Weihnachtswochenende eine ganze Latte an wichtigen Spielen.

Arizona Cardinals – Dallas Cowboys

Sa./So. 1h30 live bei ESPN America

Wo eine Regel, da eine Ausnahme. Dieses Spiel ist vermutlich das Uninteressanteste überhaupt und weiß der Teufel, warum ausgerechnet diese Partie nicht unter Flex Scheduling fallen konnte. Bemerkenswert allenfalls: WR Larry Fitzgerald könnte schon eine Woche vor Saisonende die 1000yds-Marke knacken. Bemerkenswert deshalb, wenn man sich die Quarterbacks der Cardinals in dieser Saison anschaut: Derek Anderson, Max Hall, John Skelton.

Chicago Bears – New York Jets

So. 19h live bei ESPN America

Schnee! Schnee!

Chicago hat dank perfekter Divisionsbilanz die NFC North schon gewonnen – es geht aber noch um Seed #2. Die Bears sind in letzter Zeit immer souveräner geworden und wäre da das Spiel gegen New England nicht passiert, man würde sie sehr ernst nehmen müssen. So bleiben aber noch einige Fragezeichen. Grad sehr schwierig war der Spielplan nicht und im Grunde wurde nur eine ernstzunehmende Mannschaft geputzt (Philadelphia; Green Bay war zu Saisonbeginn nur mau).

Die Jets hatten einen schweren Spielplan und stehen wie Chicago bei 10-4. Allerdings waren viele Siege sehr knapp und mehr herausgewürgt, denn überzeugend herausgespielt. Aber die Defense ist unangenehm und lässt nicht viele Punkte zu. Die Jets haben andere Probleme: In der Offensive muss das Laufspiel durchgedrückt werden, um QB Mark Sanchez effektiv spielen zu lassen. Sanchez bringt gerade mal 54% seiner Würfe an den Mann, vermeidet aber so gut es geht die INTs. Dumm, dass wir es bei Chicago mit einer der härtesten Laufverteidigungen überhaupt zu tun haben (#3, 89yds pro Spiel).

Außerdem wartet schon das nächste Störfeuer: Deadspin will herausgefunden haben, dass es sich bei diesen Videos um Rex Ryans Frau und hinter der Kamera Rex Ryan handelt. Sicher, nichts Schlimmes. Aber der Boulevard wird das noch ausschlachten.

Schwieriges Spiel. Sanchez kann nicht wie Brady ein Passfeuerwerk hinlegen und die Jets damit verbrennen. Aber ansonsten trifft hier Stärke auf Stärke: Laufoffense Jets gegen Laufdefense Bears. Defensive Line Bears gegen Offensive Line Jets. Cutler gegen die nicht schwache Secondary der Jets. Dazu kommt: Die Jets werden Returner-Genie Devin Hester vermeiden wie Rex Ryan die Abgeschiedenheit – das führt zu besseren Feldpositionen für Chicago. Mein Tipp: Chicago.

Green Bay Packers – New York Giants

So., 22h15 live bei ESPN America

Für beide war das letzte Wochenende kein Gutes – beide haben fast keine Chance mehr auf den Divisionstitel. Daher gleicht diese Partie einem Endspiel um die letzte Wildcard in der NFC. Grund dafür: Die dritte Konstante Saints (10-4), die zweimal ganz böse patzen müssen, um ihre Wildcard noch zu verlieren.

Es geht hier also aller Wahrscheinlichkeit um Seed #6 in der NFC. Packers (8-6) gegen Giants (9-5). Die Giants sind mit einem Sieg durch. Die Packers haben es mit einem Sieg in der Hand, könnten mit einem weiteren Sieg zum Saisonschluss gegen Chicago das Ticket buchen. Von daher ist es für beide ein Friss-oder-Stirb-Spiel.

Green Bay darf froh sein, dass QB Aaron Rodgers wieder da ist. Backup Matt Flynn hat wirklich nicht schlecht ausgesehen. Wenn’s um die Wurst geht, ist Rodgers aber unverzichtbar. Green Bay ist offensiv sehr eindimensional, sehr auf den Pass ausgerichtet.

In der Defense sind die Packers vor allem gegen den Pass schwer zu überwinden. New York besitzt mit QB Eli Manning denn Mann mit den meisten INTs ligaweit (20). Die Packers sind #5 bei abgefangenen Bällen (18)… Ich vermute aber, dass aufgrund des Wetters, der heiklen Receiver-Situation und der starken Passdefense der Giants-Fokus eher auf dem Laufspiel liegen wird. Mit RB Bradshaw und RB Jacobs ist man diesbezüglich nicht schlecht aufgestellt.

Fraglicher ist die psychologische Situation nach dem fassungslosen Kollaps gegen die Eagles. Jetzt geht es nach Green Bay. Es wird Temperaturen unter 0°C haben und vermutlich schneien. Ich gebe Green Bay einen kleinen Vorteil.

San Diego Chargers – Cincinnati Bengals

So./Mo., 02h20 live bei ESPN America

Vor einem Jahr war das ein Spiel zweier Playoffmannschaften, „angereichert“ durch die Emotionen des kurz zuvor verstorbenen Bengals-Receiver Chris Henry. Diesmal herrscht in Cincinnati gruselige Stimmung. WR Ochocinco wird ausfallen und schießt via Twitter gegen Head Coach Marvin Lewis. Der andere egomanische WR Terrell Owens unterstellt öffentlich Owner und Coach Inkompetenz und wird in zwei Wochen aus der Stadt vertrieben sein. In Cincy herrscht Endzeitstimmung. Man „spielt“ noch um den #1-Pick: 3-11.

Gegner San Diego wird zwar auf TE Antonio Gates verzichten müssen, doch mit der Wiedergeburt von WR Vince Jackson und der Glanz-Saison von QB Philip Rivers haben die Chargers ganz große Trümpfe. Die Chargers MÜSSEN siegen, um ihre kleine Chance aufrecht zu erhalten – und gleichzeitig auf einen Ausrutscher der Chiefs hoffen. Auch von der psychologischen Situation spricht daher alles für die Bolts.

Klarer Sieg der Bolts.

[Update: Danke, malikshabazz. Hatte den Spieletausch nicht auf dem Radar, sorry. Sunday Night Game ist Philadelphia – Minnesota und wird dementsprechend bei ESPN America gezeigt. Damit kein San Diego und kein Cincinnati.]

[Neues Update: Sunday Night Game Philadelphia – Minnesota wegen Schneesturms verschoben auf Dienstag (s.o.). Die Vikes-Spiele stehen heuer offenbar unter keinem guten Stern.]

Tampa Bay Buccaneers – Seattle Seahawks

Mo. 15h als Tape bei ESPN America

Verkehrte Welt in Tampa. Die Buccs spielen eine insgesamt überraschend starke Saison, liegen bei 8-6 Siegen – und werden die Playoffs aller Wahrscheinlichkeit nach verpassen. Gegner Seattle liefert eine sehr graue, unauffällige Saison, liegt bei 6-8 Siegen – und hat die etwas besseren Karten für die Playoffs als Tampa, sofern im Parallelspiel St Louis gegen San Francisco gewinnt. In diesem Falle könnten die Seahawks aus eigener Kraft mit einem Heimsieg gegen St Louis die Playoffs erreichen. Sollte jedoch San Francisco die Rams putzen, würde Seattle im letzten Spieltag selbst bei eigenem Sieg über die Rams auf eine Niederlage von San Francisco zuhause gegen Arizona angewiesen sein.

Grund hierfür sind die komplizierten Tie Breaker. Ich hab grade in Excel die Möglichkeiten durchgespielt. Sollten alle drei Teams die Saison mit 7-9 beenden, und dafür gibt es nur eine Konstellation, steht San Francisco in den Playoffs. Beenden Seattle und St Louis die Saison beide mit 7-9, ist je nach Szenario der eine oder andere durch.

Das Playoff-Bild in der NFC West

Für San Francisco gilt: Gewinnen sie beide Spiele und verliert Seattle auch nur eines seiner beiden Spiele, stehen die Niners in den Playoffs. St Louis spielt in dem Fall keine Rolle mehr.

Für Seattle gilt: Nur mit zwei Siegen ist man sicher durch. Verliert man eines der beiden Spiele, ist man auf eine Niederlage der 49ers angewiesen.

Für St Louis gibt es nur zwei Möglichkeiten: Beide Spiele zu gewinnen. Und beide Spiele sind auswärts. Oder: Gegen Seattle gewinnen und auf eine Heimniederlage von San Francisco gegen Arizona zu hoffen. St Louis muss aber auf jeden Fall gegen Seattle gewinnen.

Fest steht: Seattle hat die Schlüssel in der Hand und empfängt mit zwei Siegen die #5 der NFC. Die Seahawks fliegen total unter unser aller Wahrnehmung und werden für uns im TV erstmals am Montag zu sehen sein. Trotz katastrophaler Pass-Defense und trotz nicht vorhandenem Laufspiel und trotz der extremen Fehleranfälligkeit von QB Matt Hasselbeck: Die Seahawks würgten sich zu sechs Siegen. Wie? No Idea. In allen Yards-, Effizienz- und Turnover-Statistiken ist man im unteren Drittel oder schlechter angesiedelt. Zudem hat man 84 Punkte mehr kassiert, als erzielt, was u.a. daran liegt, dass man sich in einigen Spielen gegenwehr- und willenlos abschlachten hat lassen.

Tampa Bay dagegen ist eine der positiveren Überraschungen der Saison. Die Mannschaft bewegt den Ball vornehmlich via Running Backs, und vor allem Ex-Duck LeGarrette Blount hat sich dabei bewiesen. Blount ist nicht gedraftet worden nach seinem Faustschlag gegen eine Boise-State-Spieler, zeigt aber Bestleistungen und hat 777yds und 6 TDs erzielt. Dazu gesellen sich Publikumsliebling Cadillac Williams und der laufstarke QB Josh Freeman mit jeweils über 300yds.

Freeman ist der Mann des Jahres in Tampa. Ein großgewachsener, mobiler QB mit dem Riecher für Comebacks. Freeman hat sich in Windeseile zu einem meiner Lieblings-QBs in der NFL entwickelt – ein unerschrockener Mann mit Eisvenen unter Druck. Die Defensive Line der Buccs ist trotz des hohen Draftpicks DT McCoy (steht schon auf der injuried reserve) schwach gegen den Lauf und schwach im Pass Rush. Dafür besitzt Tampa eine hervorragende Secondary.

Tipp: Tampa. Auch wenn es für die Buccs wohl trotzdem nicht für die Playoffs reichen wird.

Oakland Raiders – Indianapolis Colts

Mo. 17h als Tape bei ESPN America

Auch hier verschiedene Vorzeichen für beide. Indianapolis ist mit zwei Siegen durch und #3 oder #4 in der AFC, Oakland braucht ebenso zwei Siege und eine Menge anderer Hilfen, hat also praktisch keine Chance mehr.

Trotzdem sind die Raiders eine der besseren Geschichten der NFL. Mann des Jahres ist sicherlich RB Darren McFadden, der phasenweise wie zu Hogs-Zeiten spielte. McFadden ist aber eine launische Diva, nicht immer so explosiv wie möglich. Das Passspiel ist bei QB Jason Campbell in den besseren Händen als bei seinen Konkurrenten, aber Campbell wird dir kein Spiel allein gewinnen. Oakland braucht viel Laufspiel und viel Special Teams zum Erfolg.

Eigentlich wäre Indianapolis ja wie gemacht für die Raiders: Viel Passspiel, schwach gegen den Lauf. Oakland besitzt eine hervorragende Verteidigung gegen das Passspiel und sollte mit seinen Running Backs wie geschaffen sein für die softe Colts-Defense. Und der Wetterbericht sagt auch böiges und sehr regnerisches Wetter bei Temperaturen um die 5°C voraus.

Eigentlich nicht schlechte Voraussetzungen für Oakland. Eigentlich. Es fällt mir aber recht schwer, gegen QB Peyton Manning zu setzen. Für die Raiders dürfte Manning abgewichst genug sein.

Zum Monday Night Spiel Atlanta – New Orleans gibt es im Laufe des Wochenendes einen eigenen Blogeintrag. Ich wünsche derweil ein frohes Weihnachtsfest, ein paar schöne Tage mit der Familie und für Sonntag einen spannenden Footballabend!

Bowl Season 2010/11, Tag 5: Aloha!

Für die Eiskalten, die sich selbst an Heiligabend Football reinziehen. Herumfliegende Eier auf Hawaii.

Sheraton Hawai’i Bowl

Fr../Sa.., 24.12. um 02h live bei ESPN America und am 25.12., 22h30 als Tape

Hawaii Warriors – Tulsa Golden Hurricane

Welcher Sponsor könnte zur Ferieninsel besser passen als Sheraton? Und welche Mannschaft könnte auf Hawaii eher Fans ins Stadion bringen, als die heimischen Warriors? Die Hawaii Bowl ist ein sehr junges Spiel, erst zum neunten Mal ausgetragen, nachdem frühere Bowls auf Hawaii abgewandert oder gecrasht sind.

Zum sechsten Mal sind die Hawaii Warriors dabei, die automatisch für diese Bowl qualifiziert sind, sollten sie sechs Siege haben und nicht wie 2007 in die Sugar Bowl einziehen. Die Warriors sind für die Veranstalter auch eine Garantie, dass wenigstens drei Viertel des Aloha Stadiums gefüllt werden. Als letztes Jahr der beliebte June Jones nach Hawaii zurückkehrte, waren es insgesamt nur mickrige 30.000, die zuschauen kamen.

Heuer sind die Warriors wieder dabei. Und sie sind nach zwei schwachen Jahren wieder auf Vordermarsch. Unter Jones-Nachfolger Greg McMackin ist die Philosophie die gleiche geblieben: Pass first, think later. McMackin ist zwar eher der defensivorientierte Coach, aber unter OffCoord Nick Rolovich funktioniert heuer die Offense wieder blendend.

Hauptverantwortlich dafür ist QB Bryant Moniz mit 4629yds (!) durch die Luft, 36TDs und 12 INTs. Die Warriors haben zwei WRs mit mehr als 1300yds, der bessere ist Greg Salas (1675yds, 12TDs), der so was wie den Wes Welker gibt – Notnagel auf der kurzen Route mit vielen Yards nach dem Catch. Hawaii hat heuer 10-3 Siege eingefahren. Niederlagen gab es nur gegen die USC, in Colorado und bei Boise State. Das Spiel gegen die Broncos sticht in die Stats sofort heraus: Hawaiis Super-Offense wurde damals komplett abgewürgt: Ganze 127 Pass Yards, knapp ein Drittel des Schnitts!

Auf der anderen Seite kommt Tulsa (Conference USA, 9-3) daher, eine Uni fast so klein wie die meinige (ganze 4000 Studierende), aber ein stark offensivorientiertes Team in einer Spread Offense. 284 Yards durch die Luft stehen 215 am Boden gegenüber. Dabei fällt auf, dass die Lasten auf extrem viele Schultern verteilt sind. QB G.J. Kinne wirft viel (3300yds, 28TDs), aber kein Receiver hat mehr als 771 Yards gefangen. Dafür haben acht Receiver mehr als 200yds. Ähnlich beim Laufspiel: Kinne ist #1 mit 557yds, danach folgen fast zwei Handvoll Running Backs mit ein paar hundert Yards.

Beide Teams werfen viel und das birgt Gefahren. Die Defenses sind nicht grad als undurchdringlich bekannt, fangen aber viele Bälle ab: Hawaii im Schnitt zwei pro Spiel, Tulsa hatte immerhin 19 in der Saison.

Hawaii ist 11pt-Favorit. Wäre ich eine Spielernatur, ich würde die Wette annehmen.

Zur Bowl-Season-Übersicht geht es hier entlang.

Las Vegas Bowl 2010 in der Nachbetrachtung

Ich warne vor Spoiler.

 

 

Der Zeitpunkt der Spielansetzung war für europäische Zustände unchristlich, aber ich habe mir die Las Vegas Bowl trotzdem live gegeben. Es hat sich nur bedingt gelohnt. Die spielerische Klasse war definitiv nicht da. Die Spannung auch nicht. Der Unterhaltungswert der Las Vegas Bowl 2010 zog sich aus einer Orgie von Pleiten, Pech und Pannen und einigen Schlägereien nach ein paar unglücklichen Pregame-Statement via Mikro und Twitter.

Vorausgeschickt: Respekt an die Defense der Utah Utes. Kyle Whittinghams Jungs haben mit diszipliniertem Pass Rush und aggressivem Draufgehen auf die Ballträger die Offense der Boise State Broncos vergleichsweise gut unter Kontrolle gehalten. QB Kellen Moore musste vor allem zu Beginn des Spiels einige sehr überhastete Bälle werfen, von denen einige sehr gefährlich in die Nähe der Defensive Backs flogen und einer ganz abgefangen wurde.

Die Broncos kamen lange Zeit offensiv einfach nicht in Gang. Erst Mitte des zweiten Viertels sorgte ein toller Lauf von RB Doug Martin für die Wende. Boise State bis dahin mit drei Ballverlusten, aus denen die Utes nur drei Punkte schlagen konnten. Der Lauf über 84yds war so was wie der Knackpunkt. In Viertel #2 überrollten die Broncos Utah plötzlich. Bei einem Pass in die Endzone auf WR Titus Young hatten die Utes noch mal Glück, als Young mit einem Zeh auf der weißen Linie war. Sonst hätte der Halbzeitstand trüber ausgesehen als 16-3.

Die Utes spielten ohne ihren etatmäßigen QB Jordan Wynn, und der Backup Terrance Cain brachte nur sehr wenig zustande. Die Utes versauten meist schon das 1st down. Nicht nur einmal wurde Cain bei den einfallslosen Option-Spielzügen mit -10yds bestraft. Vor allem der Safety der Broncos, #17 Winston Venable, hat mir auf seinen Blitz-Routen gefallen. Starker Mann, aggressiv und kein Tackle verpassend. Lieber NFL-Scout, hoffentlich haben Sie zugeschaut.

Utah oft mit 2nd und plusminus 20, daraus folgenden langen dritten Versuchen und vielen Drives, die daher praktisch keinen verwerteten 3rd downs. Zwei von 13, um genau zu sein. Eine unterirdische Quote, aber bei Betrachten nicht verwunderlich. Boise States Defense machte die Drives fast immer schon beim First Down zunichte.

Auf der anderen Seite wurden die Broncos offensiv immer dominanter, obwohl es nicht „rund“ wirkte. Immer wieder stießen die Broncos in die Redzone vor. Ergebnis: Ein einziger Touchdown (WR Austin Pettis) und ein Field Goal. Weitere Scores wurden eigenverschuldet zunichte gemacht. Einmal lief Pettis nach herrlichem Slant-Pass in die Endzone, aber an der 2yds Line wurde der Ball aus der Hand geschlagen. Young griff sich das herumkullernde Ei, aber um wenige Zentimeter aus dem Spielfeld – Touchback.

Ein kurzes Field Goal Brotzmans geblockt. Bei einem Punt-Fake den Ball obwohl meilenweit allein auf weiter Flur den Ball fallengelassen. Auf der anderen Seite machten sich die Utes Drives auch selbst kaputt. Fumble, Holding beim Touchdown-Pass, verkicktes Field Goal aus 36yds.

Es war kein gutes Spiel, aber unterhaltsam, weil beide Mannschaften keinen Wert drauf legten, das Ei zu beschützen. 6-7 Fumbles, eine Serie an verpassten Möglichkeiten, eine Serie von Strafen zur Unzeit, vor allem auf Utahs Seite. Am Ende ein hochverdientes 26-3 für Boise State, aber man muss klar sagen: Mit dieser Vorstellung hätten die Broncos auch nicht in eine BCS Bowl gehört. Trotzdem machte BSU 543yds Offense und 23 First Downs.

Utah wird nun in die Pac-12 wechseln. Die Utes sollten froh sein, dass QB Wynn Sophomore ist. Cain hat sich nicht wirklich als Alternative aufgedrängt. Aber die Defense hat insgesamt ordentliche Arbeit geleistet.

Für Boise State wird es bitterer. Vor allem in der Defense wird es einen Aderlass geben. In der Offense werden beide Top-WR, Young und Pettis, die Mannschaft verlassen. Aber schlimmer: Aufgrund der völlig unnötigen Niederlage gegen Nevada wird die Mannschaft auch in der kommenden Saison mit Argusaugen betrachtet werden. Jede Wette. Diese verschossenen Field Goals hängen noch lange nach. Und die Recruitings schauen bisher nicht sooo überragend aus.

Spieler der Saison in Boise ist für mich QB Kellen Moore. Extrem gelassener Mann, mit präzisen Würfen und der Möglichkeit, auch rattenscharfe tiefe Bälle zu werfen (ich erinnere an die Bombe gegen Nevada mit neun Sekunden auf der Uhr!). Moore sollte NFL-kompatibel sein, mit Sicherheit NFL-kompatibler als Vorgänger QB Jared Zabransky. Die Kommentatoren sprechen Moore eine solide Backup-Karriere in der NFL zu. Wenn ein Daniel McCoy in Cleveland starten kann, warum nicht Moore an einem besseren Ort? Aber erstmal sollte Moore noch sein Senior-Jahr spielen.

So long. Boise State, auf ein Neues 2011.