NFL-Franchises im Kurzporträt, #4: Seattle Seahawks

Viertes NFL-Team in der Sideline-Reporter-Präsentation – dritter Vogel. Diesmal: Der Seahawk – zu deutsch so was wie die Raubmöve.

Die Brut

Der zunehmende Erfolg der NFL nach dem Zusammenschluss der beiden großen Ligen AFL und NFL sorgte Anfang der 70er dafür, dass man auch im äußersten Nordwesten über ein professionelles Footballteam nachdachte. Seattle, die Heimat der Holzindustrie, von Boeing und Jimi Hendrix. 1976 war dann auch der Vogel aus dem Football-Ei entschlüpft. Die Seattle Seahawks, eine Mannschaft für die AFC West.

Die Jungvögel

Zu Beginn war es natürlich hart, sich durchzusetzen. Premierensaison: 2-12, aber immerhin zwei Siege mehr als die Leidensgenossen Buccaneers aus Tampa. In Saison #2 waren die Seahawks dann in der NFC, um wieder gegen die schwachen Buccs spielen zu können. Es sollte langsam besser werden. Verantwortlich dafür: WR Steve Largent, der beste weiße Receiver der letzten 40 Jahre.

Flying under the radar…

…nennen die Amerikaner das Phänomen, wenn eine Mannschaft nicht wahrgenommen wird. Das lag in Seattle aber nicht nur an der sportlichen Mittelmäßigkeit der Hawks. Sondern am gesamten Image der Mannschaft (Mannschaftsfarben: das wenig begeisternde Hellgrün und Hellblau) und der Region (der graue, regnerische Nordwesten).

Größte „Stars“ der Hawks neben Largent über lange Zeit: Coach Chuck Knox und das Stadion – die spektakuläre Halle Kingdome.

Bröckeln

Der Kingdome galt als eines der lautesten Stadien der NFL – deswegen haben die Seahawks irgendwann die grandiose Idee gehabt, die #12 nicht mehr zu vergeben, sondern für die Fans zu reservieren. Dumm, dass bereits Mitte der 90er das Stadion Alterserscheinungen zeigte, und zwischendurch sogar Teile aus der Betondecke auf das Spielfeld herunterprasselten.

Auf dem Feld ging weiter nicht viel, trotz der schwachen AFC West. Fehleinkäufe wie QB Rick Mirer machten es auch nicht besser. Das Revolutionärste aus Seattle für die NFL: Die Einführung von Instant Replay – und zwar nach einem Phantom-Touchdown gegen die Hawks anno 98.

Der Gutmensch

Mitte der 90er wollten die Eigentümer mit den Hawks in den sonnigen Süden abwandern. Auftritt Paul Allen, seines Zeichens Microsoft-Mitgründer und Sportfan. Allen kaufte die Seahawks, installierte innerhalb kurzer Zeit Starcoach Mike Holmgren (Superbowl-Champ mit den Packers) und ließ ein neues Stadion bauen. Die Leistungskurve zeigte schnell nach oben.

„Mitschuldig“ daran auch: Der Wechsel der Seahawks zurück in die mittlerweile schwächere NFC. Grund dafür: Die Divisionen wurden auf vier Teams verkleinert, und da Houston und nicht Los Angeles das 32. NFL-Team bekam, brauchte es in der NFC ein viertes Team für die West-Division. Die NFC West entwickelte sich in den folgenden Jahren zur schwächsten der Liga. Gut für Seattle.

Der Softie

Holmgren kaufte einen ehemaligen Schützling aus Green Bay ein, QB Matt Hasselbeck, ein No-Name. Weitere Verstärkung: RB Shaun Alexander, zuständig für extrem viele Yards und Touchdowns, aber wenig ernst genommen, weil er a) hinter einer überragenden Offense Line spielen durfte, b) viele 1yds-TDs machte und c) als Softie verspottet war. Trotzdem: 2005 war Alexander NFL MVP, eine Sensation, wenn man Historie und Image der Seahawks im Hinterkopf behält.

2005 war die Saison. Dank einer grottenschlechten NFC marschierte Seattle durch, bis in die Superbowl XL. So richtig ernst wurden sie dennoch nicht genommen – die #6 der AFC Pittsburgh war im Finale Favorit über die #1 der NFC Seattle. Die Seahawks verloren die Superbowl dann auch 10-21. Eigentlich schade, denn man schaltete um 4h morgens das TV-Gerät aus und dachte sich: Mönsch, die Hawks waren doch eigentlich die bessere Mannschaft. Ein Mix aus fehlender Kaltschnäuzigkeit, (vorsichtig gesagt) unglücklicher Referee-Arbeit und Pech verwehrten den eigentlich in diesem Spiel verdienten Titel.

Das Hier und Jetzt

Seitdem ging nicht mehr allzu viel. RB Alexander verschwand nach dem Abbau der Offense Line mit Multimillionenvertrag innerhalb von zwei Jahren völlig von der Bildfläche und Seattles Fast-Meistermannschaft gleich mit. Dann kam Pete Carroll (ex-Pats, ex-USC) der Coach. Die erst eher wenig weitsichtig ausschauende Personalpolitik Carrolls war 2012/13 extrem erfolgreich, und man kam unter dem jungen QB Russell Wilson in die Playoffs.

Das Nest

Die Seahawks spielen im Quest Field (67.000 Plätze). Ein spektakuläres und als extrem laut geltendes Stadion. Von den oberen Rängen hat man einen Blick in die futuristische Innenstadt Seattles. Auch aktuell gilt: Der Star ist das Stadion.

Quest Field in Seattle, Seattle Seahawks

Quest Field in Seattle – ©Flickr

Rivalitäten

Remember? Graues Image. Die Seahawks haben in ihrer über 30jährigen Geschichte nicht wirklich so was wie eine heiße Rivalität aufbauen können. Das mag auch am zweimaligen Conference-Wechsel liegen. Auch die Tatsache, dass man in den letzten Jahren die grottenschlechte NFC West in Grund und Boden spielte, hat an der Situation nichts „verbessert“. Die drei Divisionsrivalen Arizona, St Louis und San Francisco waren zu beschäftigt mit sich selbst, als dass sie sich mit den Seahawks hätten fetzen können.

Als man in der Superbowl XL das ungute Gefühl hatte, Seattle wäre eher benachteiligt worden, hörte man kaum was in den amerikanischen Medien. Für Coach Mike Holmgrens Klagen über die NFL war wenig Verständnis zu spüren.

Eckdaten

Gegründet: 1976
Besitzer: Paul Allen (Microsoft)
Division: NFC West
Erfolge: Superbowl-Verlierer 2005, 11x Playoffs (8-11) – Stand 2013.

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