NFL Playoffs 2010/11: Die letzten Geheimnisse von Woche 17

Nicht nur dank des strahlenden Wetters hat sich das Playoff-Bild deutlich aufgehellt. Noch ein Spieltag, dann geht der Spaß richtig los! Als erste Einstimmung auf den Sonntag mal kurz deine Aufschlüsselung der Positionen für die NFL Playoffs.

Vorab schon mal bemerkt: Der Schachzug der NFL, möglichst viele Divisionsspiele an den letzten beiden Spieltagen auszutragen, ist voll aufgegangen. So viel Spannung war lange nicht mehr drin im Rennen um die 12 Plätze.

AFC

Fünf von sechs Teams stehen fest: New England, Pittsburgh, Kansas City, N.Y. Jets und Baltimore. Das sechste Team wird aus der AFC South kommen – Indianapolis und Jacksonville streiten sich um den Platz. Bezüglich der Seeds steht bislang nur New England als #1 fest.

#1 New England Patriots (13-2). Steht fest.

#2 Pittsburgh Steelers (11-4). Die Steelers sind AFC North-Champ und behalten den #2-Seed, wenn sie ihr letztes Spiel in Cleveland gewinnen oder wenn Baltimore daheim gegen Cincinnati verliert. Es gilt: Bei gleicher Bilanz steht Pittsburgh vor Baltimore. Ein erheblicher Unterschied: Sollte Pittsburgh verlieren, können sie unter Umständen (BAL gewinn und NYJ gewinnen) auf #6 abfallen.

#3 Kansas City Chiefs (10-5). Faustdicke Überraschung, aber der #3-Seed noch nicht ganz fix: Wenn Kansas City das Heimspiel gegen Oakland verliert und Indianapolis sein letztes Spiel gegen Tennessee gewinnt, fallen die Chiefs auf Seed #4. Die Playoffteilnahme haben die Chiefs aber in der Tasche –

#4 Indianapolis Colts (9-6). Mit einem Sieg in der eigenen Halle gegen Tennessee sind die Colts durch und bei entsprechendem Ausgang sogar mit Chancen auf die #3, weil Kansas City besiegt wurde. Mit einer Niederlage und einem Jaguars-Sieg in Houston rutschen die Colts aber durch das Sieb.

#5 Baltimore Ravens (11-4). Baltimore kann bei entsprechendem Ausgang noch die AFC North gewinnen und #2 werden. Die Ravens sind aber mindestens #5, weil sie im ersten Saisonspiel die Jets geputzt haben.

#6 N.Y. Jets (10-5). Für die Jets gibt es nur Seed #6, außer bei einem Szenario: Pittsburgh verliert, Baltimore gewinnt und die Jets gewinnen selbst auch. Dann würden sie dank gewonnenem direkten Duell an den Steelers an #5 vorbeirutschen.

Noch mit Playoff-Chancen: Die Jacksonville Jaguars. Bei eigenem Sieg in Houston und Colts-Niederlage gegen Tennessee kriegen die Jags die AFC South-Krone und Seed #4.

NFC

Wesentlich komplizierter ist das Bild in der NFC. Vier Teams stehen fest (Atlanta, Chicago, Philadelphia, New Orleans), aber einzig und allein der #3-Seed der Eagles ist unverrückbar. Und in Seattle steigt gar ein direktes Endspiel um den #4-Seed – als Sunday Night Game. Wer hätte das gedacht?

#1 Atlanta Falcons (12-3). Das Spiel gegen die Saints wird vermutlich ohne Schaden bleiben: Am Sonntag wartet Carolina und der Sieg darf als sicher eingebucht werden. Mit Sieg die #1 der NFC. Bei einer Niederlage wird es komplizierter: New Orleans und Chicago hätten dann bei entsprechendem Ausgang die Chance auf die #1.

#2 Chicago Bears (11-4). Dank der Eagles-Niederlage ist Chicago sicher an #2, mit der angesprochenen kleinen Gelegenheit auf die #1. Wichtig ist Woche 17 trotzdem: Man kann Green Bay rausschießen.

#3 Philadelphia Eagles (10-5). Saudumme Pleite gegen Minnesota. Jetzt kommt noch Dallas. Die Eagles haben den Seed #3 in der Tasche und werden weder runter-, noch raufrutschen.

#4 St Louis Rams (7-8). Die Rams müssen nach Seattle fahren und sie dürfen dort nicht verlieren. Bei einer Niederlage ist St Louis raus, bei einem Sieg oder einem unwahrscheinlichen Remis durch.

#5 New Orleans Saints (11-4). Haben den Fahrschein abgestempelt – wohl gen Westen. Aber noch gibt es die kleine Chance auf Seed #1. Dafür braucht es Atlantas Heimniederlage gegen Carolina. Die eigene Aufgabe ist auch nicht ohne: Es kommt Tampa Bay in den Superdome.

#6 Green Bay Packers (9-6). Die Packers empfangen Chicago. Ein Sieg reicht zur Playoff-Teilnahme, aber Seed #6 ist das Maximum. In den Wild Cards ginge es nach Philadelphia – wo die Packers am ersten Spieltag Michael Vicks Karriere wiederbelebt haben…

Es sind noch drei weitere Teams in der Lostrommel.

Seed #4: Wenn die Seahawks das Heimspiel gegen St Louis gewinnen, schreiben sie Geschichte – als erstes Team seit der Streiksaison 1982 mit negativer Bilanz in den Playoffs. Als Belohnung würde wohl Titelverteidiger New Orleans im Qwest Field aufwarten.

Seed #6: Green Bay hat das Schicksal in der Hand. Sollten die Packers aber patzen, lauert ein Duo an 9-6 Teams. Die Schicksalsreihenfolge sieht so aus:

Die N.Y. Giants fallen doch noch rein, wenn sie in Washington gewinnen und Green Bay sein Spiel verliert.

Tampa Bay hat eine sehr ordentliche Saison gespielt. Die Buccs brauchen aber Schützenhilfe von Chicago (gegen Green Bay) und Washington (gegen die Giants). Und müssen dann immer noch in New Orleans gewinnen – ich denke, die Playoffs für Tampa kann man damit getrost abhaken.

Der Vollständigkeit halber die NFL-Übertragungen bei ESPN America an diesem letzten Regular-Season-Wochenende. Genauere Vorschau sollte noch folgen.

Sonntag, 2.1.2011: Live-Übertragugen
19h00 New Orleans Saints – Tampa Bay Buccs
22h15 Green Bay Packers – Chicago Bears
02h20 Seattle Seahawks – St Louis Rams

Montag, 3.1.2011: Tapes
15h30 Cleveland Browns – Pittsburgh Steelers
17h30 Indianapolis Colts – Tennessee Titans

Bowl Season 2010/11, Tag 10: In Nashvilles Bowl steckt eine Menge Musik und Locker ist nicht locker

Sollte der 29.12. „fett“ sein, fehlt für den 30.12. das passende Vokabel. Vier Bowls, verstreut über die Staaten. Dallas, New York, Nashville, San Diego – jede Region hat ihre Bowl. Von 18h bis um halb acht Uhr morgens gibt es volles Programm.

Bell Helicopter Armed Forces Bowl

Do., 30.12. um 18h live bei ESPN America

Southern Methodist Mustangs – Armed Forces Black Knights

Auf der einen Seite spielen die Black Knights von der US Army. Ein sehr laufintensives Team, für Freunde der Option-Laufspielzüge wie geschaffen. Man bedenke: Die Army wirft im Schnitt nur 10x pro Spiel, bei 56 Läufen!

Für den Clash der Kulturen sorgt der Gegner. Denn der kommt mit einer sehr passgewaltigen Offense daher: Run and Shoot nennt sich das System von Head Coach June Jones. Jones ließ diese Offense schon zu Zeiten als NFL-Coach in Atlanta spielen, scheiterte damit grandios (wer erinnert sich an Jeff George?). Jones war 1998 nochmal für kurze Zeit Interimscoach in San Diego, ehe er zu einem am Boden liegenden College wechselte: Hawaii. Trotz minimalem Budget krempelte Jones die Hawaii Warriors um und machte sie zu einem der passgewaltigsten Programme. Jones gab sich extrem gewandt im Umgang mit den Medien und mutierte in Manoa zum Publikumsliebling. Das konnte ihn Ende der 2007er-Saison aber nicht davon abhalten, seine Zelte unter den Vulkanen abzubrechen – nach einer (verlorenen) Sugar Bowl(!)-Teilnahme.

Jones wiederholte sein Spielchen und ging in den Süden der USA, wieder zu einem aberwitzig kleinen Programm. Besser gesagt, einer Uni, die vor Urzeiten mal guten Football hatte spielen lassen – bis sie 1987 dabei erwischt wurde, wie sie Athleten bezahlte. Ein Unding. Wofür heute die USC (Reggie Bush!) mit einer Bowl-Ausladung und Auburn (Cam Newton!!!) mit einer lächerlichen Abmahnung „bestraft“ werden, dafür musste diese Uni annodazumal die „Todesstrafe“ (siehe auch „Pony Excess“ aus der 30 for 30-Serie von ESPN) einstecken: Eine Saison Sperre, jahrelangen Verlust von Stipendien und Verlust der kompletten Mannschaft. Mehr als 20 Jahre lang litt diese Uni unter den Sanktionen, die das komplette Programm in Schutt und Asche gelegt hatten.

Auftritt June Jones. Er unterschrieb im Jänner bei eben dieser Southern Methodist University. Kurz: SMU, gelegen in einer Enklave von Dallas. Eine Uni, die der Footballwelt RB Eric Dickerson und AFL-Gründer Lamar Hunt geschenkt hat und George Double-U Bush seine Ehefrau. Eine Uni für Jus-Studenten, gegründet 1911, der evangelisch-methodistschen Kirche gehörend, und mit dem Mustang im Football-Logo.

SMU spielt unter Jones nun zum zweiten Mal hintereinander in einer Bowl. Im Vorjahr, bei Jones’ Rückkehr nach Hawaii, gewann man die Hawaii Bowl. Nun spielt Jones wieder daheim: Die Armed Forces Bowl (ausgetragen seit 2003) wird im Stadion der Mustangs ausgespielt. Grund: Das reguläre Stadion, jenes der TCU, wird renoviert. Die Mustangs werden passgewaltig daherkommen. QB Kyle Padron, ein Sophomore (zweites Jahr), produzierte 3529yds in der Regular Season, für 29TDs und 12INTs. Zwei WRs hatten über 1000yds: Der pfeilschnelle Aldrick Robinson und Cole Beasley.

Ich freue mich auf das Duell Pass gegen Option-Lauf. Und auf die coole Sau June Jones.

New Era Pinstripe Bowl

Do., 30.12. um 21h15 live bei ESPN America

Kansas State Wildcats – Syracuse Orange

Eine Premiere: Die Pinstripe Bowl findet im neuen Yankees Stadion statt, eine Baseballarena. Dementsprechend waren auch die Einladungen recht begehrt. Eine zeitlang war gar Notre Dame im Gespräch. Das ist nicht zustande gekommen, aber dafür mit Syracuse ein recht „heimatliches“ Team.

Die Orange haben aber eine mäßige Saison gespielt, 7-5 in der schwachen Big East. Die Offense ist ganz schwach, macht nicht viele Yards, spielt aber immerhin relativ ausgeglichen. Anführer ist QB Ryan Nassib, der einst seinen Job gegen Basketball-Wunder Greg Paulus verloren hatte, jetzt aber wieder sich im Sattel sitzt. Die Defense gehörte zu den besseren in der Big East, muss aber einige Ausfälle verkraften – Studenten hatten andere Dinge im Kopf als zu lernen. Das wird nicht gerne gesehen. Traurigster Ausfall bei Syracuse ist Punter Rob Long, bei dem vergangene Woche ein als einst gutartig angenommener Hirntumor sich als bösartig herausgestellt hat.

Die Wildcats sind mit 7-5 in der Big East schon sehr zufrieden. Die letzten Jahre waren schon ziemlich ernüchternd, trotz eines QB Josh Freeman, der mittlerweile die NFL begeistert. Kansas State ist unter dem zurückgekehrten Bill Snyder im Gegensatz zur unsäglichen Ära Prince fast ausschließlich Lauf-Offense (Verhältnis 2:1 zum Pass, 37 TDs), mit dem wichtigsten RB Daniel Thomas (1495yds, 16TDs).

Es wird allgemein eine punkteärmere Angelegenheit erwartet. Ich sehe den Spielausgang völlig offen – nicht nur, weil ich schon einige Male danebengetippt habe…

Franklin American Mortgage Music City Bowl

Do/Fr.., 30.12. um 0h30 live bei ESPN America, Tape zu am 31.12. um 14h

North Carolina Tar Heels – Tennessee Volunteers

Keines der beiden Teams hat eine besonders nennenswerte Saison gespielt – zumindest sportlich. Die Zeilen werden hier außerhalb des Gridirons gefüllt. Von beiden Seiten.

Tennessee gehört zu den Teams mit sehr großer Tradition. In den letzten Jahren ging es in Knoxville aber drunter und drüber, so sehr, dass vor zwei Jahren der langjährige Coach Phil Fulmer (coachte die Volunteers 1998 zum einzigen Titelgewinn) rausgeschmissen wurde. Nachfolger: Großmaul Lane Kiffin, den auch ein völlig missratenes Engagement bei den Oakland Raiders nicht bändigen konnte. Kiffin redete viel Müll und war trotz 6-Jahresvertrag schon im letzten Jänner wieder weg. Nun haben die Vols nicht nur massive Wechsel auf der Trainerposition, sondern vor allem auch viele, viele Spielerabgänge verkraften müssen. Kiffin hat viel verbrannte Erde hinterlassen.

Der neue Coach ist Derek Dooley. Der Auftakt in die heurige Saison war schwach, aber dank vier Siegen zum Saisonende wurde 6-6 herausgewürgt und die Bowl-Teilnahme gesichert, auch wenn wir über die Gegnerschaft mal lieber kein Wort verlieren (Stichwort: Masolis INT gegen die Vols an der 5yds Line, wo das EKG nicht mal mehr beeeeept). Jedenfalls ging es aufwärts, seit QB Brady für Matt Simms übernommen hat. Simms? Yep, ein weiterer der Phil-Simms-Sprösslinge.

Nun traut man Dooley in Knoxville noch nicht so sehr über den Weg, dass man ihm einen schweren Schedule aufhalsen möchte, verständlich, so wie sich der Kader u.a. dank Kiffin ausgedünnt hat. Sportdirektor Hamilton hat daher kürzlich einen bestehenden Vertrag mit einer recht starken Uni aufgekündigt, gegen die man hätte spielen sollen. Ein Move, der dem Anhang übel aufgestoßen ist.

Bei jener Uni handelt es sich um die University of North Carolina. Hamilton hat nun auf die Music City Bowl entsprechenden Druck ausgeübt, sodass die Tar Heels wenigstens in diesem Spiel Vols-Gegner sein werden. Die Tar Heels kommen angeknockt daher und werden froh sein, die Saison erst mal hinter sich zu haben.

Seit dem Frühsommer wird dort an mehreren Orten ermittelt. Grund: Illegale Kontakte zu Spieleragenten, Komplettlösungen für Prüfungen… was man halt so kennt aus den letzten Jahren. Beim Auftaktspiel war dann gleich mal die halbe Mannschaft gesperrt, und im Laufe der Saison wurden nach und nach fünf Leistungsträger inklusive DL-Coach rausgeschmissen. Am Ende haben es die Verbliebenen zu einem 7-4 gebracht – und hatten am letzten Spieltag die Chance auf das ACC-Finale. Eine Niederlage gegen die Terps zerstörte die Hoffnungen. Jetzt also Music City Bowl – ein Bowl, in dem wie wir jetzt wissen ordentlich Musik steckt!

Bridgepoint Education Holiday Bowl

Do/Fr.., 30.12. um 04h live bei ESPN America

#18 Nebraska Cornhuskers – Washington Huskies

Wer erinnert sich noch an den Weihnachtsstern? Eine Woche nach der Poinsettia Bowl findet in San Diego die deutlich beliebtere Bowl statt: Holiday Bowl. Diesmal mit einem Re-Match. Nebraska und Washington haben sich im September schon mal duelliert. Resultat: 56-21 Kantersieg der Cornhuskers.

Dieses Spiel war auch der Beginn des schleichenden Abstiegs von QB Jake Locker, der lange Zeit als #1-Pick galt. Locker ist ein großgewachsener, bulliger QB, beweglich und gesegnet mit starkem Arm. Ich bin von dem Mann aber wenig überzeugt: Locker wirft ungenau und viel Leadership hab’ ich auch nicht gespürt. Lockers Zahlen: 17TDs, 9 INTs, 2209yds, nur 56% Completion Rate. In Spiel eins gegen Nebraska brachte Locker 4 (!) von 20 Pässen an den Mann, für 71yds, 1 TD, 2 INTs. Sieht so aus, als würde Locker in diesem Spiel einige Millionen gewinnen oder verlieren können.

Nebraska auf der anderen Seite lebt von der starken Defense, die nur wenige Punkte zulässt. In der Offense wird viel gelaufen, u.a. mit dem sehr mobilen QB Trevor Martinez. Die Huskers werden nach dem Spiel in die Big Ten wechseln. Dass sie zum Abschied nicht in der Fiesta Bowl stehen, das haben sie sich selbst zuzuschreiben. Im Big-12-Finale haben sie sich mit einer Orgie an Ballverlusten eine 17-0 Führung selbst kaputt gemacht.

Es ist Lockers erstes Bowl-Spiel und gleichzeitig sein letztes College-Spiel (außer evtl. Senior Bowl). Ich sehe einen klaren Sieg der Huskers über die Huskies.

Lust auf mehr? Zur Bowl-Übersicht bitte hier entlang.