NFL Week #17 Preview

Drei Playoffplätze sind noch zu vergeben und die Seedings können noch mächtig durcheinandergewirbelt werden, von daher: Ich erwarte einen hitzigen letzten Spieltag am Sonntag, der getränkt ist mit Divisionsspielen. Ich finde die Spielauswahl von ESPN America erfreulich.

Sonntag: Live-Übertragugen

19h00 New Orleans Saints – Tampa Bay Buccs
22h15 Green Bay Packers – Chicago Bears
02h20 Seattle Seahawks – St Louis Rams

Montag: Tapes

15h30 Cleveland Browns – Pittsburgh Steelers
17h30 Indianapolis Colts – Tennessee Titans

New Orleans Saints – Tampa Bay Buccaneers

Sonntag, 19h live. Die Saints haben dank MNF-Sieg in Atlanta ihre Fahrkarte gelöst und noch Außenseiterchancen auf den #1-Seed. Die Buccs brauchen einen Auswärtssieg in New Orleans gepaart mit Niederlagen von Giants UND Packers.

Eine sehr theoretische Chance also. Trotzdem und trotz der Tatsache, dass die Buccs nicht in der Lage waren, die größeren Namen zu besiegen, haben sie mir heuer sehr gefallen. Coach Raheem Morris redet bis auf wenige Ausnahmen nicht viel, sondern macht einfach seine Arbeit. Wenn ich mich darüber aufrege, dass junge Coaches mit wenig Coordinators-Erfahrung zum Head Coach gemacht werden – Morris ist dafür kein Grund. Die Buccs haben eine spannende Offense mit einer starken Offense Line, Comeback-Kid QB Josh Freeman, der mich heuer begeistert hat, RB Legarrette Blount, dem einstigen Schläger von Boise, WR Mike Williams und TE Kellen Winslow jr.

New Orleans war phasenweise sehr passlastig, und QB Drew Brees hat eine überraschend fehlerträchtige Saison gespielt (21 Interceptions!), bringt aber mehr als zwei Drittel seiner Pässe an den Mann. Die Saints-Defense ist überraschend stark gegen das Passspiel gewesen – aber gegen Tampa muss man mit allen rechnen: Die Buccs sind sehr unberechenbar und rücken zur Not einen gaaaaanz langen Punt Return raus, um ein Spiel plötzlich zu drehen… Tipp: Die Saints gewinnen.

Green Bay Packers – Chicago Bears

Sonntag, 22h15 live. Chicago ist als NFC-North-Champ durch und hat wie New Orleans eine Außenseiterchance auf die #1. Green Bay hat sein Schicksal in der eigenen Hand, kann mit einem Sieg die Playoffs schaffen, aber mehr als Seed #6 ist nicht drin.

Ein bisschen Feel Good gibt es auch für die Packers. In Green Bay verletzte sich heuer ein Spieler nach dem anderen, inklusive Komplettzusammenbruch von Laufspiel und Laufdefense. Anfang Oktober war ich drauf und dran, die Packers nach einem Graupenspiel in Washington abzuschreiben, aber dann haben sie sich mit einem starken November wieder in Playoff-Nähe gespielt. Zuletzt ein paar unkonstante Spiele. Offensiv sind die Cheeseheads abhängig vom grandiosen QB Aaron Rodgers, dessen Nicht-Berücksichtigung für die Pro Bowl zum Skandal taugen würde, hätte die Pro Bowl nur ansatzweise an Standing.

Chicago hatte zu Saisonbeginn große Probleme, QB Jay Cutler Zeit zu geben. Folge: Viele INTs. Aber mittlerweile haben die Bears das Problem im Griff und schon spielt Cutler eine ganze Etage höher. Die Defense (v.a. gegen den Lauf) ist schlicht beeindruckend und DE Julius Peppers dürfte den Defensive-MVP-Preis bekommen, aber das soll Cutlers Saison nicht schmälern. Das Laufspiel um RB Matt Forte ist oft genug weggebrochen und die Offense produziert nicht viele Yards, aber Cutler hat im kritischen Moment die ganz dicken Hosen an.

Schon aufgrund der Historie ein wichtiges Duell: Green Bay und Chicago können sich nicht riechen und spielen seit 1921 gegeneinander. Damals hießen die Bears noch Staleys und Football wurde noch in putzigen Schlapphosen gespielt. Für die Bears sollte es einige Motivation sein, Green Bay aus dem Bewerb zu schießen.

Tipp: Trotz allem Green Bay.

Seattle Seahawks – St Louis Rams

Sonntag/Montag 02h20 live. Das letzte Spiel der Regular Season, und was für eins: Es geht im direkten Duell der beiden um den Titel in der NFC West, den #4-Seed in der NFC und darum, welche Mannschaft sich danach eine Woche lang anhören darf, wie unverdient sie in die Playoffs eingezogen ist. St Louis könnte die Ehre der NFC West retten und eine 8-8 Bilanz schaffen. Seattle kann den Historikern Freude bereiten und abseits der Streiksaisons als erste Mannschaft mit negativer 7-9 Bilanz die Playoffs schaffen.

Die Seahawks… ich habs letzte Woche geschrieben:

Die Seahawks würgten sich zu sechs Siegen. Wie? No Idea. In allen Yards-, Effizienz- und Turnover-Statistiken ist man im unteren Drittel oder schlechter angesiedelt. Zudem hat man 84 Punkte mehr kassiert, als erzielt, was u.a. daran liegt, dass man sich in einigen Spielen gegenwehr- und willenlos abschlachten hat lassen.

Hat sich nix daran geändert. Außer, dass die Punktebilanz mittlerweile bei -107 liegt. MINUS EINHUNDERTUNDSIEBEN. Dazu kommt, dass QB Matt Hasselbeck sich mit Hüftverletzung herumplagt. Immerhin ist Seattle „heimstark“: 4-3, Siege gegen San Francisco, San Diego, Arizona und Carolina…

Die St Louis Rams hatte vor der Saison keiner auf der Rechnung – zu grottig waren die letzten beiden Jahre. Ohne die Rams heuer jemals spielen gesehen zu haben: Der Strenght of Victory ist ziemlich unterirdisch: Nur ein herausgewürgter Sieg gegen San Diego würde bei den Votern in einem BCS-System leichtes Anheben der Augenbrauen verursachen. Der Rest? Washington, Seattle, Carolina, Denver, Arizona, San Francisco…

Irgendwie haben die Rams Glück, heuer ausgerechnet gegen die ähnlich maue AFC West gematcht worden zu sein, bzw. Glück, dass die anderen Divisionsvierten ebenso schwache Saisons erlebt haben. Gilt irgendwie für die gesamte NFC West, die bei einem Aufeinandertreffen mit einer AFC East noch unterirdischere Saisonbilanzen eingefahren hätte.

Wie dem auch sei: Rookie-QB Sam Bradford hat dem allgemeinen Tenor nach eine starke Saison gespielt und wird Offensive Rookie des Jahres. Bradfords Bilanz: 3357yds, 18TDs, 14INTs, 60.5%Completion. Nicht schwach, wenn man sich die Namen der Wide Receivers durchliest und daran denkt, dass die besten WRs Avery und Clayton schon lange auf der IR stehen.

RB Steven Jackson hat mal wieder über 1000yds eingefahren. Dem Mann würde ich eine Playoff-Teilnahme mal richtig gönnen. Jackson kämpft gegen eine Reihe an Verletzungen, macht aber seit Jahren trotzdem richtig gute Spiele, obwohl die Rams ganz furchtbar chancenlos waren. Jackson hat sich nie großartig beklagt, dass er seine Blütezeit in St Louis verschwenden musste. Respekt dafür.

Tipp? Ich bin gespalten. St Louis hat das begeisterungsfähigere Spielermaterial, aber die Auswärtsschwäche… Seattle ist gefühlt immer noch eine heimstarke Mannschaft, aber viel zu oft willenlos untergegangen. Leichte Vorteile Seahawks, wegen der größeren Erfahrung und des Qwest Fields.

Cleveland Browns – Pittsburgh Steelers

Montag, 15h30 Tape. Wir kriegen die Browns zu sehen! Die Browns! Head Coach Eric Mangini soll in Cleveland trotz einer respektablen Saison vor dem Abschuss stehen – zu groß sind die Differenzen mit Sportdirektor Mike Holmgren, der den Laden nur zu gerne wieder coachen möchte. Cleveland ist ein Team ohne große Namen, hat aber dem Vernehmen nach einen sehr physischen Spielstil der ganz alten Schule. Die Offense wird angeführt von QB Colt McCoy, RB Peyton Hillis und Allzweckwaffe Josh Cribbs. Die Defense ist ein namenloser Haufen, nicht besonders sackfreudig, aber immer für eine Interception gut. Wie immer bin ich gespannt, wie es in Cleveland weitergehen wird. „5-10“ und man spricht von einer eher rosigeren Zukunft – wie so oft.

Pittsburgh braucht einen Sieg, um nicht eventuell noch Seed #2 an Baltimore verlieren. Bei einer Niederlage ist auch ein Rückfall auf die #6 nicht undenkbar (BAL und NYJ gewinnen).

Indianapolis Colts – Tennessee Titans

Montag, 17h30 Tape. Die Colts sind mit einem Sieg durch. Bei einer Niederlage muss man auf eine Niederlage der Jacksonville Jaguars hoffen. Die Vorzeichen stehen gut: Tennessee ist nach dem Krach um QB Vince Young ein Trümmerhaufen und die Offense trotz Topmaterial ganz schwach. HC Jeff Fisher steht vor dem Abschuss. Die Colts haben eine enttäuschende Saison gespielt. Dank ganz mauer AFC South sollte es trotzdem für die Post Season reichen.

Bowl Season 2010/11, Tag 11: Seminoles, Baby.

Silvesterabend, halb zwei Uhr: Die Florida State Seminoles spielen. Footballfan mit weiblichen Schwingungen Seminole, im Leben außerhalb von Bits und Bytes einfach nur die Sabine, ist eine ehemalige FSU-Studentin. Ihr Senf zum Thema „Football an Silvester“.

Chick-fil-A Bowl

Fr./Sa., 31.12. um 01h30 live bei ESPN America

#23 Florida State Seminoles – #20 South Carolina Gamecocks

Das Neueste zuerst: Mädchen shoppen gerne! Hierzulande und übern Teich, überall dasselbe. Auch in Tallahassee, Floridas Hauptstadt und Heimat der Florida State University. So war die Mall am Governor’s Square, 2km vom Campus, immerzu ein attraktiver Ort… An so einer Mall darf in Amiland kein Schnellimbiss fehlen. Willkommen bei Chick-fil-A. Dort, wo sie dir die Hühnchen nachschmeißen, dass McDonalds vor Neid erblasst.

Ein paar Kilometer weiter nördlich, in Atlanta, hat Chick-fil-A seine Zentrale. Atlanta ist auch der Ort, wo seit den 60ern der Peach Bowl ausgespielt wurde. Peach wie der gute alte Pfirsich. Vor ein paar Jahren kaufte sich Chick-fil-A den Namen des Pfirsich-Bowls und so läuft er jetzt nicht mehr unter Steinobst, sondern unter „Gefülltes Huhn ohne Champignons“.

Chick-fil-A Bowl: s’Hühnchen rupfen!

Ich könnte kotzen. Nicht bloß, weil ich das Zeug nicht gemocht habe. Sondern wegen der Terminansetzung. Silvesternacht um halb zwei. Wer schaut sich um die Zeit ein Footballspiel an? Obwohl die FSU spielt: Da hülft nur das nette Tape.

Die Köpfe: Die FSU wird Quarterback Chris Ponder verabschieden. Er geht in die NFL. Der neue Coach Jimbo Fisher hat schon den Nachfolger gefunden: EJ Manuel wird uns in Zukunft führen.

Sicher nicht in die NFL wird Avis Commack gehen, obwohl ich es mir wünschen tät. Ich hab Avis bei einer kleinen Soiree kennengelernt. Avis war damals Freshman und eigentlich Hürdensprinter. Obwohl er High-School-Champion in Florida war, ging bei ihm trotzdem nix über Football. Avis, Wide Receiver und mit Stipendium ausgestattet. Gespielt hat er nicht wirklich oft, Bälle hat er kaum welche gesehen. Mittlerweile ist er zum Cornerback umfunktioniert. Heuer hatte er einige Probleme – im Winter brach er sich beim Sprinten den Oberschenkel. Ich hoffe mal auf ein paar Plays Einsatz. Avis, lauf soweit dich deine Beine tragen!

Die Geschichte: Auf alle Fälle geht es wieder aufwärts mit den Noles. Die ganz große Zeit war in den 80ern und 90ern unter Trainerlegende Bobby Bowden. Die FSU war damals das dominante Team im College Football, und das landesweit. In den letzten Jahren haben die ganz großen Erfolge gefehlt, und deswegen nahm Bobby Bowden im letzten Jahr auch seinen Hut, mehr gezwungen, denn freiwillig. Unter Jimbo Fisher ist es heuer wieder aufwärts gegangen. Das Doak Campbell Stadium ist wieder dauerausverkauft und der Sound im Stadion wieder gefürchtet. Dieser Bowl kann trotz Chris Ponders Abschied nur Zwischenstation sein.

Die Anderen: Was vergessen? Gegner der Noles wird South Carolina sein. NFL-Fans werden Steve Spurrier kennen. Spurrier hat in den 90ern mit Offensivspektakel für viel Action bei den Florida Gators gesorgt und eine Handvoll legendäre Spiele gegen die FSU gespielt. In der NFL ging als Redskins-Trainer aber gar nichts. Jetzt ist Spurrier seit ein paar Jahren mäßig erfolgreich bei South Carolina. Heuer schaffte er es ins SEC-Finale, aber Cam Newton war dort dann doch zu gut. Für die Noles wird es ein Wiedersehen mit Spurrier und die Erinnerung an die Glanzzeiten.

Die Hühnchen: Ah ja – die Footballer von South Carolina schimpfen sich übrigends Gamecocks. Gamecock wie Hahn. Was tischt Chick-fil-A noch mal auf?

Genau die richtige Bowl für die Seminoles, die Hühnchen zu rupfen… Vorwärts, Seminoles!

So weit Sabines Geschichten. Zum Sportlichen:

Florida State hat mich heuer nicht überzeugt, und trotzdem stimme ich dem Punkt „Aufwärtstrend“ zu. Die Defense ist kein Vergleich zum Vorjahr, wenn auch noch verbesserungswürdig gegen den Lauf. In der Offense wird trotz eines QBs wie Chris Ponder gelaufen. Viel gelaufen. Ponder hat Probleme mit seinem Ellbogen und wird gegen die Gamecocks vielleicht gar nicht spielen – man will seine Zukunft in der NFL nicht aufs Spiel setzen. Meines Ermessens größte Stärke der Seminoles: Die Offense Line. Guard Rod Hudson wurde von ESPN ins All-America Team verufen.

South Carolinas Offense ist recht sexy. QB Steve Garcia ist großgewachsen und wurfstark, aber diese Aussetzer immer wieder… Kein konstanter QB und für mich nichts für die NFL. RB Marcus Lattimore ist der Meistbeschäftigte in der Offense mit 1198yds und 17TDs. Star der Offense ist aber WR Alshon Jeffery (1387yds, 9TDs), der für die Hälfte aller Passyards zuständig ist. Ein Receiver, den wir garantiert in der NFL sehen werden, aber frühestens 2012. Jeffery ist Sophomore – ein erschreckender Gedanke.

Ich würde die Theorie des Grillfestes nicht unterstützen. Für mich ist South Carolina recht eindeutig favorisiert.

Die anderen Bowls zu Silvester

Silvester heißt im Hause korsakoff: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Das Gastgewerbe ist gnadenlos und lässt keine Feier zu – nicht bis zwei Uhr nachts. Von daher für mich doppelt kein großer Bowl-Abend. Ein paar Notizen zum restlichen Geschehen im College Football an dem Abend.

Meineke Car Care Bowl, 31.12. um 18h live bei ESPN America. Die Clemson Tigers (ACC) spielen gegen die South Florida Bulls (Big East). Ein Duell zweier schlechter Offenses. Dafür treffen hier bombige Defenses aufeinander. Stärke der Tigers-Defense: Schnelligkeit und Flinkheit. Angeführt werden sie von DE Da’Quan Bowers, der in den Top 10 gedraftet werden wird. Die Bulls gelten als Defense des Typs „Ravens“: Gnadenlose Hits, viele blaue Flecken. Kickoff um 18h MEZ – könnte sich also für Dinner for One in der Halbzeit ausgehen…

Hyundai Sun Bowl, um 20h, aber bei uns erst am Neujahrstag um 14h30 in der ESPNA-Aufzeichnung zu sehen. Zwei ganz große Namen treffen aufeinander: Die Miami Hurricanes und die Notre Dame Fighting Irish. College-Football-Glamour, aber leider nur Glamour vergangener Tage. Miami spielte trotz guter Recruitings in den letzten Jahren eine ganz schwache Saison (7-5 mit einem Debakel gegen die FSU), schmiss daher den schwarzen Head Coach Randy Shannon raus. Der Neue ist Al Golden, dessen Vita die Umkrempelung von Temple ausweist. Miami läuft viel, scort aber wenige Punkte. Emotionale Komponente: Vor ein paar Tagen starb die Mutter von RB Mike James bei einem Autounfall.

Notre Dame hat nach den unseligen Jahren unter Charlie Weis den ehemaligen Cincinnati-Coach Brian Kelly eingestellt. Kelly lässt ein extrem schnelle Offense spielen, aber die Resultate waren heuer eher durchwachsen. 7-5. Einige gute Spiele waren dabei: Nur knappe Niederlage gegen Michigan State, Sieg gegen Utah. Insgesamt aber trotz vieler Pass-Yards zu wenige Punkte. Positiv: QB Nate Montana (der Sohn von Joe) hat seine Football-Karriere hingeschmissen. Montanas Pässe waren einfach grausam.

Mein Favorit ist Miami.

AutoZone Liberty Bowl, 21h30 live bei ESPN America. Die Central Florida Knights haben die Conference USA gewonnen und sind noch ein recht junges Programm in der FBS, bisher noch kein Bowl-Spiel gewonnen. Die Georgia Bulldogs sind ein sehr großes Programm, aber seit dem Abgang von QB Matt Stafford etwas in der Krise – und mit einem Coach Mark Richt, der als dead man walking gilt. Das wichtigste Duell in diesem Spiel: UCFs Laufspiel (#25) gegen die miserable Lauf-Defense der Bulldogs.