Rose Bowl und Fiesta Bowl 2011: Jetzt wird gemolken. Aber keine Milch

Das Vorspiel ist um. Jetzt gehen die ganze großen Bowls los – die BCS Bowls. Dort, wo in einer Bowl so viel Geld für die Big Cows abgeschöpft wird, wie in allen anderen Bowls zusammen nicht (naja, fast zumindest). Beginnend gleich mit der Mutter aller Bowls, dem Rose Bowl Game in Pasadena. Wer mehr zu den Big Five wissen möchte – hier gibt es eine Übersicht über die BCS-Bowls.

Am Neujahrstag also Rose Bowl und Fiesta Bowl. Und zweimal in der David-gegen-Goliath-Version. Die Rose Bowl aufgrund des Standings der beiden Mannschaften, die Fiesta Bowl aufgrund des eklatanten sportlichen Unterschieds.

Rose Bowl Game

Sa., 1.1.2011 um 23h live bei ESPN America und am 5.1. um 11h30 als Tape

#3 TCU Horned Frogs – #5 Wisconsin Badgers

Die TCU Horned Frogs sind eines von drei ungeschlagenen Teams in der Football Bowl Subdivision. Für das BCS Finale hat es wie erwartet trotzdem nicht gereicht, da Oregon und Auburn als BCS-Teams einen schwereren Spielplan und mehr Reputation genießen. Trotzdem ist die Rose-Bowl-Teilnahme ein schöner Trostpreis für die Texas Christian University, handelt es sich doch um die älteste, prestigeträchtigste Bowl von allen.

Die Veranstalter dagegen werden kotzen. Wir haben es da mit extrem konservativen Leuten zu tun, denen nichts über Tradition geht. Die Rose Bowl ist traditionell das Spiel der Champs aus der Big Ten Conference und der Pac-10 Conference. Weil Oregon als Pac-10 Champ im BCS Finale spielt und TCU als Mid Major die Kriterien für eine automatische Einladung erfüllte, war die Rose Bowl vertraglich dazu gezwungen, anstatt der Stanford Cardinal (Pac-10 #2) die kleinen Horned Frogs zu nehmen.

TCU hat man heuer nur sehr selten begutachten können. Die Horned Frogs von Head Coach Gary Patterson zeichnet eine extrem schnelle Defense aus, die ganz selten mehr als 10 Punkte zulässt und sowohl gegen Pass (125yds/Spiel) und Lauf (89yds/Spiel) extrem gut aufgestellt ist, obwohl da kaum bekanntere Gesichter herumlaufen. Das hat seine Gründe: Die TCU in Fort Worth nahe Dallas hat in ihrer Umgebung mit den ganzen großen Unis um die Talente zu kämpfen: Texas, Texas Tech, Oklahoma. Da bleibt meist „nur“ die zweite Garnitur für die Horned Frogs übrig.

Es ist daher umso höher einzustufen, was Gary Patterson mit der TCU seit Jahren veranstaltet. Vor einem Jahr spielten sie zum ersten Mal in einer BCS Bowl – und durften „nur“ gegen die Boise State Broncos ran (10-17 Niederlage). Heuer folgt endlich die Auseinandersetzung mit einem großen Namen. Dieses Mal sind die Frogs ungeschlagen und sie haben schon explosivere Offenses abgewürgt. SMU oder Utah machten keinen Stich.

Die Offense ist ebenso gut aufgestellt, mit Senior-QB Andy Dalton, dessen Zahlen sich sehen lassen können: 2638yds, 26 TDs, 6 INTs. Dazu gesellt sich ein hartes Laufspiel um die RBs Tucker und Wesley.

Die Wisconsin Badgers sind der Big Ten Champ mit dem besten BCS-Ranking (#5). Bei den Badgers war Coach Bret Bielema nach ein paar durchwachsenen Jahren nicht ganz unumstritten, aber diese Saison hat die Kritiker vorerst verstummen lassen. Trotz vieler Verletzungsprobleme – phasenweise spielte man ohne Top-RB, Top-WR und Top-TE – wurden die ganz Großen niedergemäht: Ohio State, Iowa und Michigan wurden etwa in Grund und Boden gespielt, obwohl der BigTen-Auftakt mit einer Niederlage bei Michigan State gar nicht gut begonnen hatte.

Die Badgers haben schon mehrfach in der Rose Bowl gespielt, aber zuletzt seit Jahren nicht mehr. Zu groß war die interne Konkurrenz um Ohio State oder USC. Die letzte Rose-Bowl-Generation bestand noch aus QB Brooks Bollinger und RB Ron Dayne Ende der 90er.

Die Saison ist für beide schon jetzt ein Erfolg. Ich finde dieses Matchup ein extrem attraktives. Im Gegensatz zum Vorjahr werden heuer keine non-BCS-Teams frech gegeneinander gematcht, um die Fassade nicht zu gefährden: Bei einem Sieg von TCU über die BCS-Mannschaft könnte ein weiterer Stein aus der BCS-Mauer brechen und die non-AQ-Conferences weiteren Aufwind erfahren. Boise State, Utah, Hawaii, TCU: Die Zahl der BCS Buster ist stetig gewachsen. Und TCU hat nur noch dieses und nächstes Jahr zu Chancen zum Spoilern – danach wechseln sie selbst in die Big East – eine BCS Conference…

Fiesta Bowl

Sa./So., 1.1.2011 um 02h30 live bei ESPN America und am 2.1. um 13h als Tape

#7 Oklahoma Sooners – Connecticut Huskers

Es schaut alles nach einem kolossalen Mismatch aus. Die großen Oklahoma Sooners gegen die Connecticut Huskers, die als Champ der schwachen Big East nicht einmal in den Top-25 gerankt sind, aber dank starkem November mit Siegen über Pitt und West Virginia noch die Sensation geschafft haben.

Es wird derzeit ganz gewaltig die Geschichte um CB Jasper Howard gehypt, der vor einem Jahr auf dem heimischen Campus bei einer Siegesfeier niedergestochen wurde und in den Armen von WR Kashif Moore schließlich starb. Howard gilt noch immer als so was wie die Inspiration für die Huskies nach ihrem ganz schwachen Start in die heurige Saison.

Sportlich gesehen hat Connecticut in der Fiesta Bowl nichts zu suchen und es stößt Ärger auf, wenn man bedenkt, dass Michigan State oder Boise State keine Einladungen erhalten haben. Aber es ist immerhin der vorläufige Höhepunkt eines kontinuierlichen Aufstiegs von einem Div.-I-AA Team der 90er zu einem BCS-Bowl-Team. Die Beigeisterung an der UConn ist so gewaltig, dass ganze 4000 von 17.500 verfügbaren Tickets über den Ladentisch gegangen sind. Die Huskies werden angeführt von RB Jordan Todman (1574yds, 14TDs).

Gegner Oklahoma ist eines der ganz großen Schwergewicht, wenn nicht das erfolgreichste Footballprogramm überhaupt. Bowl #44, bei 25 Siegen und seit der Inthronisierung von Head Coach Bob Stoops jedes Jahr bowl-eligible. Unter Stoops haben sich die Sooners aber auch ein FC-Arsenal-Image angelacht: Bombenstark, attraktiv spielend, aber ohne den Killerinstinkt für den ganz großen Triumph. Selbst mt RB Adrian Peterson oder QB Sam Bradford wurden „nur“ gigantische Stats produziert, aber keine Titelgewinne.

Heuer ist man mit Sophomore-QB Landry Jones angetreten. Jones ist ebenso wurfgewaltig wie hüftsteif: 4289yds und 35TDs via Luftweg, aber nicht ein einziger Laufversuch. Wichtigste Anspielstation ist WR Ryan Broyles, der gnadenlos 9 Catches pro Spiel macht – im Schnitt. Resultat: 1452yds, 13TDs. Dazu gesellt sich die Allzweckwaffe RB DeMarco Murray, der überall effizient eingesetzt wird und nur schwer zu verteidigen ist. Die Defense fand ich dagegen eher wenig überzeugend, aber gegen Nebraska spielte sie eine sensationelle zweite Halbzeit. Herausragender Spieler ist OLB Jeremy Beal, der mit Sicherheit in den ersten Runden gedraftet werden wird.

Wenn ich mich an die letzten BCS Bowl-Auftritte der Sooners zurückerinnere… Die unglaubliche Niederlage gegen Boise State vor vier Jahren. Überraschende Niederlage gegen West Virginia vor drei Jahren. BCS Finale gegen Florida – ein eher maues Spiel, und wieder verloren.

Wenn die Sooners diesmal nicht die Niederlagenserie in den großen Bowls durchbrechen, glaube ich nicht mehr an das Gute im Menschen. Sieg mit mindestens drei Touchdowns und wieder aufkeimende Diskussionen über den Status der Big East.

3 Kommentare zu “Rose Bowl und Fiesta Bowl 2011: Jetzt wird gemolken. Aber keine Milch

  1. Großartige Einstimmung auf die lange Bowl-Nacht. Wird es liveblogging geben?

    Lt. ESPNA werden im Übrigen beide Bowls live gezeigt und die Winter Classic kommt dann erst morgen als Tape.

  2. Pingback: Rose Bowl 2011 live: Wisconsin Badgers – TCU Horned Frogs « Sideline Reporter

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