Der Championship-Sunday-Kopfweh am Tag danach

Pittsburgh gegen Green Bay: Superbowl XLV wird also die Title Bowl. Die Spiele selbst waren nicht berauschend, aber auf ihre Weise unterhaltsam. Zweimal eine leblose Mannschaft, die sich nach und nach ins Spiel reinbiss, um am Ende den Rückstand doch nicht mehr aufholen zu können. Aber Bears und Jets hatten beide Chancen genug, das Finale zu erreichen.

Die Bears

In Chicago ist nach dem Ausscheiden von QB Jay Cutler die leidige toughness-Frage entbrannt. Cutler wird vorgeworfen, ein Weichei zu sein, weil er mit Knieverletzung ausgeschieden ist. Das ging so weit, dass MLB Urlacher Cutler öffentlich mit einem EristhartwiedieHölle den Rücken stärken musste. Bei der Chicago Tribune hängten 50% der Fans dem QB das Andy-Möller-Schildchen um, immerhin 19% warten noch bis zur Untersuchung ab.

Die Presse hat unterdessen drei Hauptschuldige ausgemacht: OffCoord Mike Martz, HC Lovie Smith und – wen überrascht’s – Jay Cutler himself. Generell gilt: Unter Cutler und danach kurzfristig QB Collins spielte Chicago so schwach, dass das 140-Zeichen-Kästchen bei Twitter mehr Unterhaltung bot, als das NFC-Finale.

Am Ende wäre fast Third Stringer Caleb Hanie zum Hero geworden. Eine INT in der RedZone der Packers beendete alle Träume.

Die Jets

Die Jets wandeln auf den Spuren der Philadelphia Eagles und haben nun schon zwei AFC-Finals in Serie verloren. Eine bittere Pleite, weil sich Pittsburgh als durchaus nicht unschlagbar herausstellte – sondern nur als wacher. Die New Yorker Presse zeigt sich bisher nicht allzu hart mit den Jets, obwohl im Prinzip eine traumhafte Chance liegen gelassen wurde.

Als Knackpunkte werden drei Dinge angesehen: Der Dornröschenschlaf in Halbzeit #1, der Goal Line Stand der Steelers und der Hechtsprung in den Punter, der Pittsburghs Drive verlängerte (später gab es dann die INT in diesem Drive) und als symbolisch für die Vorstellung der Jets über weite Strecken der Partie gilt. Allgemeiner Tenor: Enttäuschung ja, Weltuntergang nein.

Im Prinzip wirkte es lange so, als würden die Jets genau die eine Befürchtung hemmen: Der mentale Drop-Off nach dem massiv gehypten Patriots-Spiel von vergangener Woche. Die Jets entschieden sich anfangs zu deferren. Pittsburgh ging also raus und legte einen Kraftakt-Drive hin, der Sanchez über einie halbe Stunde an der Seitenlinie frieren ließ. Die Jets brauchten bis Sekunden vor der Pause, um halbwegs in Schwung zu kommen. Eingerostet, wie man es ansonsten nur von Teams kennt, die zwei Wochen Regular Season plus Bye Week abschenken und in den Divisionals einsteigen.

QB Mark Sanchez kommt mit guten Kritiken davon. Sanchez war nicht der Grund für das Aus, aber im Prinzip passt Sanchez nicht so recht in diese Mannschaft: Die Jets waren dafür zusammengestellt, JETZT den Titel zu holen. Die Einkaufstour, die Sprüche, die Star-Ansammlung. Da wirkt ein so junger und mitten in der Entwicklung steckender QB-Jungspund etwas Fehl am Platze in meiner bescheidenen Meinung.

Wie auch immer, der Kern der Jets ist bei näherem Hinsehen jünger als ich erwartet hatte. Für die nächsten 1-2 Jahre muss Feintuning betrieben werden. Vielleicht ein neuer Running Back (Tomlinson wird auch nicht jünger und Greene ist womöglich nicht dafür gebaut, alleine die ganze Last zu tragen) und ein dominanter Safety sind im Prinzip alles, was der Mannschaft noch fehlt. Und Sanchez, der ruhig noch mehr Verantwortung übernehmen sollte und wegkommen muss vom Image des Play-Action-QBs, der nur mit funktionierendem Laufspiel effizient ist.

3 Kommentare zu “Der Championship-Sunday-Kopfweh am Tag danach

  1. Es gibt ein paar sehr heftige Tweets von anderen NFL-Profis über Culter und seinen Ausstieg. Da wird durchaus stark das Weichei-Immage angesprochen. Ich wette, in Chicagos Locker ist es nicht anders, da kann Urlacher sagen, was er will. Derrick Brooks lässt sich bei ESPN.com ziemlich über Cutler aus [http://espn.go.com/video/clip?id=6054646], das wird der allgemeine Tenor sein.

    Bei Cutlers Charakter bin ich nicht überrascht, dass er nicht weitergespielt hat. Der Typ will sich seine Karriere nicht ruinieren und schenkt dafür den Superbowl ab, von dem die Bears in der Halftime so weit weg waren wie Rex Ryan von der Glückseligkeit. Den Typen interessiert die Meinung der Fans nicht.

    Die Röntenaufnahmen haben jetzt gezeigt, dass das Knie wirklich nicht in Ordnung ist und daher eine Entschuldigung für Cutler geliefert. Aber dass Cutler weiterspielen gekonnt hätte, daran besteht kein Zweifel! Und deswegen prophezeihe ich Cutler eine bittere Zukunft in Chicago mit den Fans und den Teammates. Auch wenn er für sich die klügere Entscheidung getroffen hat.

  2. So wie Culter seit Jahr und Tag auftritt, sehe ich für Cutler im Moment „Halbzeit“ fast kein WIN-Situation.

    Geht er raus und spielt scheiße, ist er der Egoist, der sein Ego über die Mannschaft gestellt hat und trotz Verletzung gespielt hat und zwar so einen Mist, dass er die komplette Mannschaft mit in den Untergrund gerissen hat.

    Bleibt er auf der Bank, ist er der Typ, der sich vor der schwierigen Situation wie einst schon in Denver drückt und flüchtet. Der Typ, der lieber gesund bleibt und in den nächsten Jahren weiter abkassiert, als seine Karriere zu riskieren.

    Ja, Cutler hätte zum großen Hero werden und sich großen Respekt verschaffen können, in dem er trotz Verletzung einen heroischen Fight gegen sich und die Packers liefert. Letztlich ist diese Toughness-Diskussion und die generelle Einstellung dazu im amerikanischen Wesen, in den Medien, im Trainerstab, unter den Spielern und in den Medien, IMHO ein Problem. Weil Spieler dazu gezwungen werden, ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen für ein Spiel.

    Unter dem Gesichtspunkt respektiere ich Cutlers Entscheidung. Ich habe auch gelernt, Cutler ohne Abscheu anzuschauen. Der Mann ist, wie er ist. Er verstellt sich nicht und er wird auch immer weiter gleich traurig und teilnahmslos in die Kamera schauen. Cutler verstellt sich nicht und das kann auch schon ein Charakterzug eines Leadertypen sein.

  3. Pingback: NFL-Franchises im Portrait, #31: Green Bay Packers | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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