Superbowl-Countdown T-minus 8: Die #1 und #2 der NFL-Fans

Das monströse, neue Cowboys Stadium ist das potenziell größte der National Football League. Randvoll fasst es 105.000 Zuschauer, was die größte Superbowl-Kulisse ever bedeuten würde. Angesichts dieser Tatsache ist die Finalpaarung Pittsburgh Steelers vs. Green Bay Packers ein Traum.

Grundsätzlich gilt bei Super Bowls: Wer als Zufallsbesucher ins Stadion will, hat recht gute Chancen, wenn er a) geduldig und b) nicht knapp bei Kasse ist. Auf dem Schwarzmarkt kosten Eintrittskarten mal eben schlanke $6000 mit einer Varianz von ein paar Tausendern. Aber der Herr Zufallsbesucher könnte reinkommen.

Diesmal wird’s schwer, trotz des größten Stadions der Superbowl-Geschichte. Grund dafür: Mit den Pittsburgh Steelers und den Green Bay Packers treffen zwei Teams mit extrem großer Anhängerschaft aufeinander. Teams, die nicht bloß auf den lokalen Markt beschränkt sind, sondern Fans überall und quer durch alle Staaten haben.

Drei „Fanbase-Rankings“: Aus dem Jahr 2005 bei OnMilwaukee, 2008 bei ESPN.com und 2010 beim Bleacherreport. Die drei Rankings zeichnen zum Teil durch deutliche Abweichungen aus, aber es gibt zwei Konstanten. Rankings der Steelers: #1 OnMilwaukee, #1 ESPN, #2 Bleacherreport. Die Platzierungen der Packers: #2, #2, #1. Noch Fragen?

Steeler Nation

Was der Totenkopf für St. Pauli ist, das sind die Terrible Towels für Pittsburgh: Das markanteste Symbol der Anhängerschaft, ein gelbes Taschentuch kreiert in den 70ern von einem Radioreporter, und über die Jahre zu dem Kennzeichen für Steelers-Fans geworden. Wenn 70.000 im Heinz Field die Tücher schwenken, sieht das so aus (ab 1:25):

Als fünftälteste Franchise der NFL (gegründet 1933) haben die Steelers schon mal sehr viel Tradition. Schon in den 50ern und 60ern waren sie eines der beliebteren Teams, aber so richtig zackig wurde es in den 70ern unter dem legendären Head Coach Chuck Noll. Pittsburgh holte vier Superbowl-Titel. Und es wurden Bezugspunkte aufgebaut: Steelers-Football besteht prinzipiell aus drei Dingen: Defense. Defense. Defense.

Generell gilt: Die Steelers haben überall ihre Fans. Das ist historisch begründet. Denn zeitgleich zur NFL-Dominanz erlebte die Pittsburgher Stahl-Industrie in den 70ern eine schwere Krise. Folge: Massivste Abwanderungen. Die Pittsburgher verteilten sich quer durch die Lande. Damit einhergehend: Die Steelers haben fast überall Anhänger, weil fast überall Leute wohnen, die aus Pittsburgh stammen.

Das und die Reisefreudigkeit der Steelers-Fans sorgt für gut besuchte Auswärts-Spiele. Es passiert, dass Stadien anderer Mannschaften nur dann voll werden, wenn die Steelers in der Stadt sind. Weil die ansässigen Stahlstadt-Stämmigen dann zum Spiel gehen. In den 90ern spielte Pittsburgh in Phoenix eine Superbowl gegen die Dallas Cowboys, Americas Team. Trotzdem war die Stadt grellgelb dominiert. Oft thematisiert: Superbowl XL, als die Halle in Detroit von Terrible Towels übersäht war. Auch vor zwei Jahren war man gegen die Cardinals in Tampa meilenweit in der Überzahl.

Die Cheeseheads

Fünfälteste Franchise? Darüber kann Green Bay nur lachen. Je nach Ansicht ist man #2 oder #3 (hinter den Cardinals und im Clinch mit den Bears), gegründet 1919 als Amateurclub und seit 1921 in der NFL. Dass die Green Bay Packers so viele Fans haben, hat viele Gründe, aber vor allem den EINEN: Die Packers gehören den Fans. Sie haben als einziges NFL-Team keinen Besitzer oder keine Besitzergruppe, sind eine Non-Profitorganisation und jeder Fan kann sich als Owner einkaufen.

Green Bay ist mit 100.000 Einwohnern die Antithese zur typischen NFL-Stadt. Ein winzig kleiner Markt, gelegen im kalten, rauen Norden am Michigansee, ohne irgendwelche Attraktionen – bis auf die Packers und auf das Lambeau Field, das berühmteste Stadion der NFL. Über 70.000 Leute gehen rein – und seit 1960 waren alle Spiele ausverkauft. Alle. Noch eindrucksvoller: Die Warteliste für Saisonkarten übersteigt mittlerweile die Kapazität für das Stadion. Wer jetzt eine Saisonkarte neu bestellt, darf ein paar Augenblicke warten. 30 Jahre mindestens. Oder so.

Zu diesen Außergewöhnlichkeiten mischen sich beim NFL-Rekordchamp (13 Titel, davon 3 Superbowls) eine Reihe von charismatischen Persönlichkeiten. Namen, bei denen man sofort „Green Bay“ assoziiert: Curly Lambeau, Vince Lombardi, Bart Starr, Brett Favre, um einige zu nennen. Köpfe, die zu den beliebtesten quer durch die Lande gehören.

Cheesehead Green Bay Packers

Cheeseheads - ©Flickr

Markenzeichen der Packers-Fans ist der Käseköpp geworden. Cheeseheads nennt man den gemeinen Packers-Fan. Grund dafür: Die in Wisconsin weit verbreitete Käseproduktion. Ende der 80er wollte man mit Cheeseheads die Einwohner von Wisconsin beleidigen. Die Packers-Fans haben die Vorlage selbstironisch aufgegriffen und laufen seit den 90ern zum Großteil mit dem markanten Käse-Dreieck aufm Kopf durch die Gegend. Der Cheesehead – wie die Terrible Towels das Markenzeichen der Fans. Wir werden einige davon am nächsten Sonntag in Arlington sehen.