NFL Combine: Notizen vom Wochenende

Paar Notizen von der NFL Combine vom Wochenende.

Quarterbacks

Ich habe gestern Abend nur ganz kurz reingeschaut, da ich die Relevanz des ganzen Workout-Reigens für sehr, sehr begrenzt halte: Nicht nur, dass komplett jegliche Defense oder jeglicher Druck fehlt. Nein, die QBs werfen auch noch zu Receivers, mit denen sie nicht ein einziges Mal zusammengespielt haben.

Cam Newton hat eine 40 Time von 4.59 zugeschrieben bekommen. Das ist IMHO erstaunlich langsam, v.a. im Vergleich zu so manch anderem QB (Gabbert, Ponder). Seine Würfe im Drill waren teilweise arg daneben (vielfach überworfen), aber glaubt man den Experten, hat sich Rohdiamant Newton damit nicht ins Knie geschossen. Brian Billick kritisierte aber das Umfeld Newtons. Alles in allem habe ich immer mehr den Eindruck, dass sich die kompletten Medien-Riege schön langsam in Newton verknallt.

Blaine Gabberts 40 Time von 4.62 hat mich überrascht. Nach dem vom College Gesehenen hätte ich eine deutlichere Differenz zu Newton gesehen.

Jake Locker darf seinen Status nach 4.59 und Lob von WR A.J. Green als steigend ansehen. Locker, der im College z.T. unterirdische Spiele abgeliefert hat.

Ryan Mallett gilt ebenso als sehr positive Erscheinung der Combine. Mallett soll beweglicher sein als angenommen, und vor allem: präziser. Dass der Wurfarm waffenscheinpflichtig ist, wusste man bereits. Was der eigenartige Charakter Mallett in den Vorstellungsgesprächen so alles von sich gegeben hat, ist mir im Moment noch nicht bekannt.

Running Backs

Mark Ingram dürfte sich eher lächerlich gemacht haben. Zuerst kam Ingram stark untergewichtig daher (3-4kg zu wenig), zugunsten mehr Explosivität. Dann legte Ingram eine sehr, sehr maue 4.62 hin. Ingram wird einen starken Pro Day in Alabama brauchen, um nicht ordentlich durchgereicht zu werden.

Ingrams Vorteil: Es hat sich kein RB aufgedrängt. Die Speedster sind allesamt Backs, die maximal für die späteren Runden in Betracht gezogen werden. Aber narrisch wird niemand, der Ingrams athletische Voraussetzungen kennt.

Wide Receivers

Hier beginnen die ersten Kontroversen schon bei den Top 2. Julio Jones, ein physischer Receiver, stach mit einer Top-40 Time heraus: 4.39. Damit hat Jones den großen Konkurrenten A.J. Green deutlich ausgestochen (um 4.50). Green ist IMHO der viel explosivere Mann an der Anspiellinie, etwas, das eine 40 Time niemals wiedergeben kann.

Schwer enttäuscht haben soll Jonathan Baldwin von der University of Pittsburgh. Baldwin ist brutal athletisch gebaut, aber man hatte sich erwartet, dass Baldwin ein Feuerwerk hinknallen würde. Es handelt sich immerhin um einen, dessen Potenzial riesig erscheint, dessen Leistungen bisher aber eher dürftig waren. Solche Leute brauchen gute Workouts. Die lieferte Baldwin noch nicht.

Boise States Titus Young soll seinen Status verbessert haben und gilt insgeheim schon als möglicher Zweitrunden-Pick. Ebenso hat angeblich Oregons Jeff Maehl beeindruckt. Maehl war schon im Recruiting-Prozess völlig untergegangen, hat sich an der Uni dann aber durchgebissen und könnte in der NFL ein wertvoller #3-Receiver werden.

Defense

Stephen Paea kommt offenbar aus dem südpazifischen Raum: Paea zeigte den Haka-Dance. Das, nachdem er mich Lügen gestraft hatte, dass der Bankdrücker-Rekord nicht in Gefahr sein würde: Paea mit sensationellen 49 reps. 49x 102kg gestemmt.

Schlagzeilen ganz anderer Art macht Nick Fairley. Der Mann ist fünf Zentimeter (2 inches) kürzer und 4kg leichter als gedacht und bisher gelistet. Im Prinzip nichts Weltbewegendes, aber Defensive Tackles müssen in der Meinung der Scouts mindestens 300 Pfund wiegen. Fairley gilt nun als 291 Pfunds-Kerlchen und somit als Leichtgewicht.

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Denver Broncos in der Sezierstunde

Denver Broncos 2010 – dank Josh McDaniels potenziell eine butterweiche Vorlage für einen Rundumschlag. Trotzdem der Versuch einer dezidierten Analyse.

Die Vorgeschichte

Es war Anfang Jänner 2009, als die Broncos zum x-ten Mal in Serie durch einen Leistungseinbruch gegen Saisonende (v.a.: Defense) die Playoffs verpassten. Reaktion: Der langjährige Coach und Superbowl-Champ Mike Shanahan musste gehen. Und Owner Pat Bowlen schleuste im Zuge des Jugendwahns zu dieser Zeit das OFFENSIV-Genie Josh McDaniels aus New England ein.

Eingeschoben das Geständnis: Ich fand den Move nicht übel. Vor allem nicht, nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte.

According to coach Thom McDaniels, a reporter asked Josh what it felt like to be the guy who cost his team the game.

„He answered that he suspected God must’ve chosen him to be the guy that cost his team the game because he was strong enough to handle it,“ Thom says. „I was blown away that a high school senior could handle it that way.“

McDaniels legte von Beginn an ein merkwürdiges Kommunikationsverhalten an den Tag, verscherzte sich’s Franchise-QB Jay Cutler und WR Brandon Marshall. Im ersten Jahr ging es gerade noch gut, dank einer zu Beginn anständig spielenden Defense. Endergebnis: 8-8, weil wie in den Jahren zuvor die Defense gegen Saisonende kollabiert war – und der mittlerweile berüchtigte McDaniels am entscheidenden Spieltag auf WR Marshall verzichtete.

In der Offseason verscherbelte McDaniels nicht nur DefCoord Mike Nolan, sondern zudem einen 1st round pick für QB Tim Tebow – ein gewagtes Experiment, zumal im QB Kyle Orton recht formidabel gespielt hatte. RB Peyton Hillis wurde nach Cleveland verschoben (gegen QB Brady Quinn – ja, noch ein QB) und mutierte dort plötzlich zum neuen Stern am Himmel. Ach ja: CB Alphonso Smith, für den McDaniels ein Jahr zuvor einen 1st round pick verschenkt hatte, wurde quasi für lau nach Detroit abgeschoben.

2010/11

Die Broncos waren heuer ein Team mit zwei Gesichtern. Eine Offense, die extrem passlastig spielte – und entsprechend unkonstant. DVOA-Ratings: #15 overall, #9 Pass, #30 Lauf, #29 in der Konstanz. Konstanz im DVOA-Rating wird gemessen, um wie viel % die Werte Woche für Woche abwichen.

Extrem unbeständige Offense, dafür aber die konstanteste aller Mannschaften (geringste Varianz aller 32 NFL-Teams) in der Defense. Die konstant Schlechteste. Die Defensivbilanzen lesen sich so atemberaubend furchtbar, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

Die absoluten Zahlen: #25 Passverteidigung, #31 Laufverteidigung
Die gewichteten Zahlen: #30 overall, #31 Pass, #29 Lauf
Pass-Defense: #32 Sacks (23 an der Zahl), #31 INTs (ganze 10), #32 in zugelassenen Big Plays (62 Pässe über 20yds!!), #31 in zugelassenem Pass Rating (gegnerische QBs polierten ihr Rating mit 93.0 auf)

Spiele mit 59-43-39-36-35-33-31 Gegenpunkten (fast 50% aller Spiele >30 Punkte zugelassen!). Gegen Oakland nach 22 Spielminuten mit 0-38 zurückgelegen. Ganze zweimal weniger als 20 Punkte kassiert.

Seit die NFL 2002 aufgestockt wurde, hatten 32 Teams 8 Jahre lang die Chance, möglichst viele Punkte zuzulassen. Macht 256 Möglichkeiten. Nur zwei Teams haben in diesem Zeitraum mehr Punkte in einer einzigen Saison kassiert als Denver in dieser (nämlich genau 471, also fast 30 pro Spiel): Detroit 2008 und Detroit 2009. ’Nuff said.

Kollateralschäden

Die Broncos haben eine 4-12 Bilanz hingelegt, Josh McDaniels ist mittlerweile in St Louis bei dem, was er vermutlich vorerst besser kann (Offensive Coordinator), John Fox in Denver, um eine in Schutt und Asche liegende 3-4 Defense wieder rückzukonvertieren in eine 4-3 und die NFL um eine Erfahrung reicher: Ich denke nicht, dass der Kiffin/Mangini/Linehan/McDaniels-Trend, junge Coaches nach zwei Jahren Coordinator-Erfahrung zum Chef zu befördern, anhalten wird (Positiv-Beispiel Tomlin mal ausgenommen).

Dazu kommt ein schwerer Imageschaden der dem Coach am Ende das Genick brach – Spygate II – auch hier war McDaniels nicht klüger als Mentor Belichick. Wie viel mehr Unheil man in nicht ganz 23 Monaten an einer NFL-Franchise anrichten kann?

Als wäre das alles nicht schlimm genug, ist auch noch ein Toter zu beklagen (Selbstmord WR McKinley).

Wohin geht die Reise?

Fox halte ich trotz 2-14 in Carolina für einen Top-Coach, der die Defense wieder auf Trab bringen wird. Ich habe zu Beginn meiner Football-Zeit erlebt, wie Fox Carolina aufgebaut hat: Die Defense beginnt mit einer dominanten Front Four, dazu ein Top-MLB und solide Secondary.

Die Schlüsselstellen sind aktuell offen wie die Wunden, die McDaniels hinterlassen hat. Defensive Tackle zum Beispiel. Wird Denver Fairley an der #2 draften? Oder Dareus? Material für eine 4-3 Defense ist kaum vorhanden. Dazu muss DE Dumervil schnell wieder fit werden – aber ich frage mich, ob Fox mit dem eindimensionalen (Pass Rusher) Dumervil so seine Freude hat?

Die Linebackers haben durch Dumervils Re-Konvertierung (vom 3-4 OLB zum 4-3 End) andere Probleme: D.J. Williams [Madden-NFL-Hero!] wird dringend als OLB gebraucht, muss vermutlich aber als ILB spielen. Von daher: Fox ist auf der Suche nach seinem neuen Morgan.

Was ist mit der Secondary? Jüngst wurde der 33jährige CB Champ Bailey für teures Geld gehalten. CB Perrish Fox war ebenso Starter, steht aber kurz vor jahrelanger Einknastung (wegen Vergewaltigung). SS Brian Dawkins, jahrelang einer meiner Favoriten bei den Eagles, wird 38 und damit nicht mehr allzu lange spielen. Denver draftet an #2 – neben DT ist auch CB möglich, weil mit Patrick Peterson von der LSU einer der meist-gehypten Verteidigungsspieler bereit stünde. Peterson ist auch ein guter Returner.

In der Offense sind die Probleme anders gelagert: Was machen mit den Quarterbacks? Der kultige Kyle Orton ist zwar kein Franchise-QB, wäre aber trotzdem brauchbar – wenn da nicht QB Tim Tebow wäre, dem man offenbar das Vertrauen schenken will. Aber Tebow ist kein guter QB für die NFL und wird mit höchster Wahrscheinlichkeit als einer der besten College-Spieler ever nicht lange Land sehen in der NFL. Problem bei Tebow: Zusätzlich zur langen Aufbauzeit (sein Wurfstil ist immer noch katastrophal), muss die Offense recht stark auf seine Fähigkeiten abgestimmt werden.

Tebow ist Linkshänder. Das bedeutet, der rechte Tackle kriegt zusätzliche Bedeutung. RT Ryan Harris wird die Broncos aber verlassen. Eine weitere Baustelle also. Und: Fox ist aus Panthers-Zeiten gewohnt, viel laufen zu lassen. Gute Running Backs hat Denver aber keine.

Fazit

Denver ist ein Scherbenhaufen. Etwas, mit dem John Fox umgehen kann. Außerdem ist durch die Installierung John Elways (als „Vice President“ der Footballabteilung…) ein Gesicht am Werk, das massivste Aufmerksamkeit auf sich lenken wird. Dieser Katalysator wird Fox einige Zeit für ruhigeres Arbeiten geben. Außerdem dürften die Erwartungen eher eine Meile unter dem Meer liegen als drüber, und alles über „4-12“ als Erfolg gewertet werden.

Vielleicht hat die Ära McDaniels dann doch noch was Gutes: Eine dahin siechende Franchise komplett zertrümmert und somit den Weg für einen „richtigen“ Neuaufbau geebnet…

Auch andere Mannschaften sind in der Sezierstunde auseinandergenommen worden – hier zu finden. Oder mit den Tag Sezierstunde arbeiten.

UEFA Champions League 2010/11 – Power Ranking nach den Achtelfinalhinspielen

Die Aufsplittung des Achtelfinals hat mir zuerst missfallen. Vorteil: Du siehst soviel Champions League wie nie zuvor. Eine phasenweise hochklassige Hinspielrunde im Achtelfinale. Vor allem wegen zwei Spielen: Barcenal und die Finalrevanche. Beide haben die hohen Erwartungen sogar übertroffen. Der Versuch eines Power Rankings nach der Hinspielrunde.

#1 FC Barcelona. Nach wie vor das Maß aller Dinge. Keine Offensivreihe der Welt läuft selbst auf engstem Raum so geschmiert.

#2 FC Arsenal. Im Vergleich zum Vorjahr eine Stufe nach oben geklettert, aber ganz so gut wie Barcelona sind die Gunners noch nicht. Trotz des Comeback-Sieges.

#3 Bayern München. Jo, und das ist ernst gemeint. Trotz einiger Wackler in der Defense glaube ich nicht, dass irgendjemand momentan gegen diese Bayern spielen möchte.

#4 Manchester United. Im Hinspiel wollten sie nicht. Der Preis dafür: Sie müssen das Rückspiel gewinnen.

#5 Inter Mailand. Fantastische Einzelspieler, die auch in München noch für Wirbel sorgen werden. Immer noch eine brandgefährliche Mannschaft.

#6 FC Chelsea. Steht als einzige Mannschaft sicher im Viertelfinale.

#7 Real Madrid. Gute Stürmer bestrafen diese Defensive eiskalt mit 2-3 Toren/Spiel. Plan in der Offensive: Fünf lange Bälle nach vorne schlagen und hoffen, dass einmal einer durchkommt.

#8 AC Milan. Irgendwie merke ich, dass meine Schulzeit vorbei ist. Dass Milan sich so auskontern ließ? Früher undenkbar.

#9 Tottenham Hotspur. Sie putzen Milan IN San Siro OHNE Garreth Bale?

#10 Shakhtar. Romas turbulente Zeiten eiskalt ausgenutzt.

#11 FC Valencia. Bisher war Valencia für mich ein unattraktiver Betonmischer. Jetzt plötzlich: Vorne hui, hinten pfui. Die Zeiten haben sich geändert.

#12 Olympique Lyon. Biedere Mannschaft, die mit nur einem einzigen guten Stürmer Real Madrid aus dem Bewerb geschossen hätte.

#13 Schalke 04. Zwei Feel-Good-Geschichten: Manuel Neuer. Und natürlich Raul.

#14 Olympique Marseille. Das Offensivpotenzial überzeugt mich nicht.

#15 AS Roma. Nach dem Chaos von Genua interessiert die Champions League in Rom vermutlich grad niemanden.

#16 FC Kopenhagen. Wer waren noch mal Kopenhagens Gruppengegner?

NFL Combine – Bitte nicht zuviel Grips

Zusätzlich zu den athletischen Tests gibt es in der Combine noch vier weitere wichtige – ich würde sagen, zumindest die ersten drei sind sogar bedeutender geworden als die athletischen Tests – Prüfungen für die NFL-Anwärter: Medizincheck, Vorstellungsgespräch, Drogentest und den Wonderlic-Test.

Medizincheck

Der ursprüngliche Sinn der Combine Anfang der 80er: Alle Teams können mit ihren medizinischen Abteilungen anreisen und die Spieler an Ort und Stelle durchchecken. Mit der Zeit sind 40yds dash usw. wichtig(er) geworden, aber mittlerweile sind Spieler so teuer, dass man in der NFL wieder mehr Wert darauf legt, dass die Spieler, die ja Investitionen sind, auch „ganz“ sind, denn es passiert nur allzu häufig, dass schon aus dem College physische Wracks kommen. Klingt böse, und ist von NFL-Seite auch böse gemeint.

Vorstellungsgespräch

Jede Franchise kann bis zu 60 Spieler in jeweils 15-minütigen Sessionen befragen, um sich einen Eindruck vom Spieler, seiner Liebe zum Spiel und seinem Wissen über das Spiel zu beschaffen. Es gibt davon zwar keine Bilder, aber bei ESPN wird sich Kultfigur Mel Kiper bestimmt wieder darüber auslassen, welche Spieler es nur mit viel Cheaten durch die Uni (bzw. überhaupt durch die High School) geschafft haben und welche Spieler keine Spielzüge lesen können.

Drogentest

Im Prinzip ist es unglaublich, aber kaum ein Jahr, bei dem kein Athlet positiv getestet wird. Man möchte glauben, es ist Combine, du stehst unter Rundum-Beobachtung und es entscheidet sich deine Zukunft – und dann bist du so beknackt und ziehst dir genau AN DIESEM TAG einen Grashalm rein! Gibt’s nicht?

Oh, doch.

Wonderlic Test

Der Test der Tests. Ursprünglich kreiert, um sich ein Bild von Top-Managern zu machen. Berühmt geworden durch die NFL Combine. Der Wonderlic-Persönlichkeitstest gilt als gutes Bewertungs-Kriterium für die Lernfähigkeit eines Spielers bezüglich NFL-Playbook.

Worum geht’s? Die Spieler haben 12 Minuten Zeit, um 50 Fragen zu beantworten. Die Ergebnisse werden nicht offiziell mitgeteilt, aber immer wieder sickern Ergebnisse von Intelligenzbestien durch, oder von Spielern, die so katastrophal abschneiden, dass man sich ernsthaft Sorgen um deren geistigen Zustand machen muss.

Harvard-Studenten schneiden generell top ab. QB Ryan Fitzpatrick (Bills) schaffte einst 48, Punter Pat McInally vor Urzeiten mal gar die 50. McInally glaubt selbst aber, dass sein Top-Ergebnis ihm geschadet hat:

“How did it hurt me in the draft? Coaches and front-office guys don’t like extremes one way or the other, but particularly not on the high side. I think they think guys who are intelligent will challenge authority too much.”

Auch das andere Extrem sorgt für Aufsehen. Als QB Vince Young vor fünf Jahren angeblich im ersten Versuch eine 6- SECHS VON FÜNFZIG FRAGEN – schaffte, wunderte man sich selbst in der auf Dummheit gedrillten NFL, wie der Mann ohne Hilfe überhaupt seinen Namen schreiben konnte.

Wer sein Wonderlic-Ergebnis in den IQ umrechnen möchte: Die Formel lautet über den Daumen gepeilt Wonderlic *2 + 60.

Schaut man sich die durchschnittlichen Wonderlic-Ergebnisse pro Position oder pro Beruf an, kommt Überraschendes zu Tage:

Offensive tackles: 26
Centers: 25
Quarterbacks: 24
Guards: 23
Tight Ends: 22
Safeties: 19
Middle linebackers: 19
Cornerbacks: 18
Wide receivers: 17
Fullbacks: 17
Halfbacks: 16

The average scores in other professions look like this:

Chemist: 31
Programmer: 29
Newswriter: 26
Sales: 24
Bank teller: 22
Clerical Worker: 21
Security Guard: 17
Warehouse: 15

Offense Tackles die besten? Fast so gut wie ein durchschnittlicher Programmierer?

Das Interesse war geweckt – ich schaute mir einen Probetest an. 20 typische Wonderlic-Fragen in fünf Minuten und hochgerechnet auf die 50. Die Fragen sind auf den ersten Blick trivial. Das Problem ist der Zeitdruck – Einteilung ist gefragt.

Freiwillige vor – Hier geht’s zum Selbsttest. [Für die Prüflinge – Achtung: Womöglich wird in den Kommentaren gespoilert.]

45, my ass.

Sideline Zwitscherer

Zu Zeiten, als das korsakoff’sche Polit-Blog Die Goldene Mitte noch für Aufsehen in Südtiroler Landen sorgte, hatte ich es schonmal versucht. Seitdem ist einige Zeit vergangen, dank verlorener WM-Wette gibt es korsakoff sogar bei Facebook – lange Zeit undenkbar. Noch undenkbarer war für mich lange Zeit dieser eine neueste Schrei. Irgendwann siegt aber Neugierde. Und alles kriegt eine (zweite) Chance. Sogar der Zwitscherkasten. Das Comeback – korsakoff bei Twitter.

NFL Combine – Wenn Hundertstel über Millionen entscheiden

Die NFL Combine ist, wie wir mittlerweile wissen, ein Präsentierteller: 300 der besten College-Spieler, die in verschiedenen Prüfungen um die Verbesserung ihres Draft-Statuses kämpfen. Heute: Die Tests zur Athletik.

Tom Brady, QB PatriotsLinks im Bild:

QB Tom Brady, ein zierlicher Average Joe und No-Name von der University of Michigan. Das war 2000. Bradys Geschichte ist bekannt. Und bezeichnend. Denn niemand traute ihm überhaupt eine mittelmäßige NFL-Karriere zu.

Diesem Teil der Combine fehlt nur das Knastkärtchen, das die Spieler hinhalten müssen: Sie werden der Öffentlichkeit in Schwimmhosen präsentiert, grimmig dreinblickend, um Größe und Gewicht bestimmen zu können. Nicht jeder ist so zierlich wie Brady. Weil auch Defensive Tackles halbnackt auf die Waage müssen, machte sich vor einem Jahr Terrance Cody zum Gespött der Nation. Wegen solcher Bilder.

Die Messungen sind wichtiger als angenommen, selbst wenn man die Messwerte von der Uni bereits kennt. Kommt ein Spieler zum Beispiel mit Übergewicht daher, wird ihm unter Garantie „lack of work ethic“, also fehlende Grundeinstellung zum Spiel vorgeworfen.

40 Yards Dash

Die Königsdisziplin – und IMHO die meist überschätzte Sichtungskomponente überhaupt – quer durch alle Sportarten: Der Sprint über die 40 Yards. Rennt der Spieler nun 4,46 oder 4,49?

Dabei wissen NFL-Scouts ungefähr, was sie von einem Athleten erwarten können. Und zu 90% bringt der Sprint über die 40yds (also 36,6m) bei der Combine dann auch keine Überraschungen. ABER: Sollte mal ein Spieler einen Ausreißer nach unten oder oben haben (und ich rede von einer Zeitdiskrepanz von maximal +/- 15 Hundertstel), darf als sicher angenommen werden, dass der Spieler in einer anderen Runde als ursprünglich angenommen gedraftet werden wird.

Beispiel: Running Back X, der als Top-15 Spieler gilt und von dem 4,40 Sekunden erwartet werden, schafft nur eine 4,54. Das Theater ist jedes Jahr aufs Neue köstlich, X wird „lack of elite speed“ nachgesagt und X wird womöglich 10-20 Plätze im Draft nach hinten fallen. So sind die Mechanismen im NFL Draft.

Zusätzlich zur Endzeit werden zwei weitere Zeiten abgenommen – nach 10yds und nach 20yds. Beide Zeitnehmungen sollen Aufschluss über die Antrittsschnelligkeit eines Spielers geben. Was an der Zeitnehmung wichtig ist: Der Athlet kann starten, wann er will. Er muss nicht auf den Startschuss warten, also ist bsp. in 4,62s keine Reaktionszeit impliziert.

Der 40yds Dash ist besonders für vier Positionen wichtig: RB, WR, CB und Kick-Coverage. Davon sind die 40 Yards auch ursprünglich abgeleitet: Ein Punt ist im Schnitt 40yds in der Luft, was 4,5 Sekunden im Schnitt dauert. Mittlerweile ist die Zeit zum Großteil nur mehr da, damit sich Medien das Maul fusselig reden können und der eine oder andere Athlet mit künstlich antrainierter 40 Time die eine oder andere Bonus-Million einsacken kann.

Es soll in diesem Jahr einen Linebacker (!) von den Nevada Wolfpack – Dontay Moch – geben, der am College angeblich 4,19s gelaufen ist. Ein Linebacker!! Sollte der Mann in der Combine auch nur irgendwo in diesen Zeitregionen unterwegs sein, hat er ein paar Hunderttausender in weniger als viereinhalb Sekunden verdient: Denn den bisherigen Rekord hält mit 4,24s RB Chris Johnson. Der galt übrigens als zu klein für die NFL – und die 40yds-Zeit hat ihn überhaupt in Runde #1 katapultiert. Also doch noch positives Beispiel für die Wertigkeit der 40 Time.

Cone Drill/Shuttle Run

Zwei Tests, um die Explosivität und Agilität eines Spielers zu testen – etwas, mit dem Barry Sanders seine hellste Freude gehabt haben dürfte. Es handelt sich um nichts anderes als um Tests, bei denen Spielers um Hütchen („Cones“) herum oder zwischen zwei Punkten hin und her laufen (Shuttle Run).

Broad Jump

Der Weitsprung aus dem Stand. Hat im Prinzip nichts mit Football zu tun, ist aber für die Scouts eine Möglichkeit, die Power in den Oberschenkeln zu messen. Denn am Ende muss der Athlet stehen bleiben. Die allerbesten NFL-Spieler kommen heute gefährlich nahe an den Weltrekord (3,71m) heran (Combine-Rekord: 3,37m).

Vertical Jump

Der Hochsprung aus dem Stand – und eine interessante Disziplin. Wenn man bedenkt, dass Basketballprofis, für die es essenziell wäre, Stichwort Dunking, im Schnitt 70-75cm schaffen, und der Combine-Rekord bei sensationellen 1,16m (46inches) liegt, könnte man den einen oder anderen Footballprofi in die NBA transferieren. Football-technisch vor allem für Wide Receivers und Cornerbacks interessant.

Bench press reps

Die Bankdrücker. Nope, es geht nicht um Nachsitzen.

Hier werden 225-Pfund-Gewichte gestemmt – was 102kg entspricht. Offense und Defense Liner sind im Zentrum des Interesses, aber auch Tight Ends und Linebackers. Nur ganz wenige schaffen 35 und mehr Reps (Wiederholungen), und der Rekord liegt bei sensationellen 51reps! 51x 102kg gestemmt – das hat Justin Ernest vor 12 Jahren gepackt. Und wird so schnell nicht übertrumpft werden.

Position-Drills

Dazu gibt es allerhand Übungen für die einzelnen Positionen, z.B. für Quarterbacks, die zeigen müssen, dass sie präzise allerhand verschiedene Routen werfen können (z.B. Slants, Outs, tiefe Bälle). Zusätzlich wird auch ganz gerne mal die Arm strenght gemessen, also wie weit ein Quarterback den Ball das Spielfeld runterfeuern kann.

Es war zwar nicht in der Combine, aber vor ein paar Jahren fiel der Quarterback der Louisiana State University auf die Knie und pfefferte so den Ball 60 Yards durch die Luft. 60 Yards. Kniend. Scouts spielten verrückt. Medienvertreter mussten schon ganz tief in der Kiste mit den Superlativen kramen, um sich gegenseitig noch übertrumpfen zu können. Ein Superstar war geboren. Sein Name: Jamarcus Russell…

NFL Combine Checklist

Am Donnerstag, 24. Februar 2011, startet in Indianapolis derdiedas NFL Combine 2011, eine sechstägige Veranstaltung, bei dem rund 300 ausgewählte College-Footballspieler auf Herz, Nieren und Hirn getestet werden. Für die NFL-Mannschaften ist das insofern interessant, als dass sie körperliche und geistige Fähigkeiten möglicher Draftpicks getestet bekommen und auch schon mal auf persönliche Tuchfühlung mit den Draft-Anwärtern gehen können.

Wie läuft das ab?

Es gibt allgemeine, positionsunabhängige athletische Tests wie den 40yds dash (Sprint), Vertical Jump (Hochsprung aus dem Stand), Broad Jump (Weitsprung aus dem Stand), Bench press reps (Bankdrücken) oder den Cone Drill (Explosivität und Richtungsänderung beim Laufen). Natürlich haben die Tests für diverse Positionen mehr Bedeutung als für andere. Die Bankdrücker sind für die Line-Spieler am interessantesten, die Sprints für die Running Backs, Receivers und Cornerbacks usw.

Weiters gibt es Drills für einzelne Positionen, wie z.B. für Quarterbacks, die zeigen müssen, dass sie verschiedenste Würfe präzise hinkriegen.

Nebenher werden die Spieler auf Drogen getestet, von Teams zu Interviews eingeladen, abgemessen und gewogen, sowie medizinisch durchgecheckt und stellen sich dem berühmt-berüchtigten Wonderlic-Test (Stichwort im Voraus: Vince Young).

Die Mär vom Workout Warrior – eine Mär?

Die Spieler trainieren sich wochenlang extra auf die Combine fit – klar, entscheidet sich doch einiges für Draft-Position und somit Kohle und Karriere. Manche kriegen das besonders eindrucksvoll hin. Das sind die sogenannten Workout Warriors oder Workout Wonders, Spieler, deren Status sich im Verhältnis zu ihren Football-Leistungen dank großartiger Combine überproportional verbessert.

Mir fällt bei dem Term Workout Warrior stets TE Vernon Davis ein, der unglaubliche Statur hatte und gewaltige Ergebnisse beim Combine erzielte und letztendlich an #6 gedraftet wurde. Davis brauchte danach jahrelang, um ein solider NFL-Spieler zu werden. Letztes Jahr war Davis Pro Bowler.

Um einiges krasser ist der Fall Matt Jones, ein QB an der University of Arkansas. Jones war ein Riese von einem Mann – und er war unfassbar schnell. Aufgrund seines Körperbaus und seiner Athletik sah man in ihm einen Wide Receiver oder Tight End in der NFL. Jones legte eine sensationelle Combine hin und wurde an #21 gedraftet. In der NFL aber floppte der Mann, spielte nie besser als mittelmäßig und wurde am Ende für Koksereien eingeknastet.

Was gibt es sonst noch?

Die Combine ist nicht die einzige Veranstaltung, bei der die Draft-Anwärter zeigen wollen, dass sie möglichst hoch gedraftet werden sollten. Jedes Jahr gibt es Athleten, die leicht angeschlagen sind oder aus anderen Gründen nicht an der Combine teilnehmen, um nicht ihre Reputation leichtsinnig zu verspielen. Teilweise werden dann (oder auch zusätzlich zum Combine) sogenannte Pro Days auf dem Uni-Campus der Athleten veranstaltet, oder private Workouts.

Einen solchen privaten Workout hat z.B. Cameron Newton schon hinter sich. Mitte Februar hat er ausschließlich für Medienvertreter (!) ein Sichtungstraining absolviert. Eine merkwürdige Strategie.

Wo kann ich gucken?

Die Combine wird in den USA exklusiv von NFL Network gezeigt ist insgesamt etwas bizarr, weil sie in einem leeren Lucas Oil Stadium stattfindet, also unter Ausschluss von Zuschauerpublikum.

NFL.com berichtet stets sehr ausführlich vom Combine, ob in Wort oder Video. Mir ist zu Ohren gekommen, dass es auf NFL.com zum Teil auch Livestreams for free geben wird. Vermutlich wird die Combine auch über einschlägige andere Streamportale im Internet laufen.

ESPN America bringt keine Live-Coverage, aber im Sports Center wird mit Sicherheit auch über die Veranstaltung berichtet.

Was macht Sideline Reporter?

Zunächst mal bin ich froh, nach sechs Wochen des puren Stresses mal ein paar Tage zum Verschnaufen zu kriegen. Von daher: Ein paar Minuten mehr Zeit für NFL-Berichterstattung. Ich werde einzelne athletische Tests und den Wonderlic-Test vorstellen.

Eintrag #2: Athletische Tests.

Eintrag #3: Wonderlic Test und was sonst noch wichtig ist.

Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

Es war Thanksgiving und ich machte zwei Nächte lang mit wildesten Zahnschmerzen kaum ein Auge zu. Vorteil der Qual: Viel Football sorgte für die Ablenkung. Das Nachtspiel des Tripleheaders am amerikanischen Erntedank-Donnerstag hieß NY Jets – Cincinnati Bengals. Ich habe einigermaßen fassungslos am TV-Schirm gesessen. So fassungslos, dass ich diesen Beitrag noch in der Nacht geschrieben habe.

Es ist Zeit, alles in Grund und Boden zu stampfen. Die Cincinnati Bengals brauchen einen Neuanfang.

Nun bin ich eigentlich kein Freund von Aktionismus (und das kann man ruhig auch auf die Fußball-Bundesliga übertragen). Aber: Meine Fresse, ich hätte mir spätestens nach diesem Spiel NIEMALS erträumen lassen, dass Marv Lewis heute noch Coach der Bengals ist, OBWOHL sein Vertrag Anfang Jänner ausgelaufen ist UND Lewis die „Frechheit“ besaß, als dead man walking für eine Verlängerung zusätzliche Kompetenzen einzufordern.

So kann man sich täuschen. Lewis hat einen Zweijahresvertrag bekommen, inklusive mehr Involvierung in der Zusammenstellung seines Trainerstabs. Ich hielt Lewis stets für einen Top-Coach, bis Lewis in den Playoffs 2009/10 mit einem inspirationslosen Coaching gegen die Jets (harhar, wieder die Jets) die Saison vergurkte. Und, natürlich, bis Cincinnati mit dem Coach Marv Lewis im letzten Vertragsjahr 2010/11 voll gegen die Wand gefahren ist. Ich hätte keinen Cent mehr darauf gewettet, dass Lewis auch nur einen Funken Chance auf eine Vertragsverlängerung erhalten würde.

Die Probleme

Cincinnati 2010/11 war ein unglaublich schlampiges Team. Strafen zu den dümmsten Zeitpunkten, ein Kollaps des Laufspiels, Zicken² nach Owens-Einkauf, ein unkonstanter Quarterback… Während einer Niederlagenserie von 10 Spielen sorgte in jeder Partie ein anderer Mannschaftsteil (oder Coaching-Fehler oder Individualfehler) für das „L“ im Schedule.

Dabei wäre das Spielermaterial recht brauchbar. Es hakt an der charakterlichen Zusammensetzung. Für Cincinnati ist ein Knastaufenthalt in der Vita ein dickes, fettes Plus.

Carson Palmer QB Bengals, NFL Football

©Wikipedia

Als wäre die ganze Situation nicht schon verfahren genug, kündigte QB Carson Palmer (einst #1-Pick) vor ein paar Wochen an, vor einer Entscheidung zu stehen: Entweder sein Abgang aus Cincinnati. Oder das Karriereende. Palmer hat es satt, als alleiniger Sündenbock für die katastrophale 4-12 Saison hinhalten zu müssen. Jüngst stellte Palmer sogar sein Haus auf den Immobilienmarkt.

Damit der Tiger wieder brüllt…

… müssen massivste Fragezeichen geklärt werden: Ist es Palmer tatsächlich so ernst? Auf der anderen Seite kann ich mir schwer vorstellen, dass Sturkopf Mike Brown Palmer seine Wünsche erfüllen wird – solange Cincinnati nicht ordentlich Entschädigung kriegt. Ich bleibe dabei: Palmer ist ein solider QB. Nicht mehr so überragend wie vor 5-6 Jahren, aber gut genug für die Bengals im Moment. Denn die gravierenderen Probleme sind an anderen Stellen zu verorten.

Sollte Palmer wirklich gehen, kann ich mir kaum vorstellen, dass Cincinnati einen QB draftet. Lewis muss siegen und kann sich keine neuerliche Heranzucht eines QBs leisten. Positiv: Cincinnati 2011/12 wird in der Offense von Jay Gruden gecoacht, einem ehemaligen Arena-League-Trainer, der als QB-freundlich gelten sollte.

Zweite Offense-Baustelle: Das Laufspiel. RB Cedric Benson ist das alleinige Arbeitstier, aber Benson leidet an Fumbleitis und noch mehr unter dem fehlenden Komplementär-Back, der für Rhythmuswechsel sorgen könnte. 3,5yds/Lauf sind keine guten Statistikwerte. Bensons Vertrag läuft aus.

Dritte Baustelle in der Offense: Die Wide Receivers. Selbst das dickste Fell ist irgendwann nicht mehr dick genug und was sich Chad Ochocinco Johnson und Terrell Owens (zusammen 50% der Touchdowns gefangen und fast 50% der Pass-Yards geholt) geleistet haben, schreit nach Rausschmiss. Wenn Lewis einen letzten Rest Selbstachtung besitzt, entsorgt er die beiden Eierköpfe und hätte im Draft an #4 womöglich WR A.J. Green von der University of Georgia auf dem Präsentierteller. Ein Top-Mann.

In der Defense verorte ich vor allem das Fehlen einer soliden Basis für die Lauf-Verteidigung. Auffällig, wie häufig Cincinnati gegen laufstarke Teams verliert. Von daher würde ich eine Verbesserung der Defensive Line (v.a. Tackles) als essenziell ansehen.

Was die Pass-Defense angeht: Cincinnati steht statistisch nicht schlecht da und besitzt mit CB Leon Hall einen Deckungsspieler, der ligaweit als einer der besten seines Fachs eingeschätzt wird. Was mau ist: Der Pass Rush (nur 27 Sacks). Weil der beste Passrusher, DE Antwan Odom, ein verletzungsanfälliger Mann ist, darf man für die #4 auch spekulieren, ob Cincinnati nicht am besten einen Defensive End nehmen sollte.

Ausblick

Cincinnatis wichtigste Personal-Fragen sollten sein:

a) Können wir Palmer zum Bleiben bewegen? Wenn nein, welcher erfahrene QB ist der beste zu akzeptablem Preis?
b) Wiegt der sportliche Verlust CJ/Tos schwerer als die gewonnene Team-Chemie?
c) Frage b) wird auch den Draft beeinflussen, und zwar massiv: Welche Baustelle ist uns wichtiger: Wide Receiver oder Defensive Line?
d) Was machen wir mit RB Cedric Benson?

Schwierig, Cincinnati einzuschätzen. Zu viele Baustellen, zu viele Ungewissheiten. Die Einstellung von OffCoord Jay Gruden deutet auf passlastigeres Spiel hin.

Für Marv Lewis wird es in erster Linie darum gehen, ob er das Team nach der wiederholten verkorksten Saison und dem nicht bedingungslosen Rückhalt durch Owner Mike Brown hinter sich einen kann. Die ersten Schritte sollten die Säuberung des Kaders sein. Lewis dürfte IMHO an der Sideline ruhig etwas aktiver auf das Spiel einwirken. Vor allem sein Instant-Replay-Management hinterlässt mich regelmäßig ratlos.

Dazu kommt die schwere Division mit zwei Titelanwärtern und den Browns, die möglicherweise auf dem aufsteigenden Ast sind.

Das Archiv der „Sezierstunde“ ist hier zu finden – oder per Klick auf den entsprechenden Tag „Sezierstunde“.

Von der Silber-Tina zur Gold-Tina

Tina Maze Skisport WM

Tina Maze - ©Flickr

Wann ist Garmisch 2011 für mich gut gelaufen?

Wenn Südtiroler etwas gewinnen – check. Wenn Julia Mancuso auf’m Podest steht – check. Und wenn Tina Maze Weltmeisterin geworden ist. Seit gestern: Check.

Tina Maze ist für mich sowas wie die tragische Figur unter den Skifahrern geworden. Bei Großereignissen stets vorne dabei. Nur, um am Ende im Glücksspiel „Skifahren“ stets ein paar Hundertstel zu langsam zu sein. Seit Maze vor zwei Jahren in Val d’Isere von Platz 15 auf 2 im Riesenslalom vorgefahren war, nur um am Ende 0.09 Sekunden hinten zu liegen, hat sich der Eindruck in mir verfestigt, dass diese Frau das Silber anzieht. Es folgten drei weitere zweite Plätze. Und auf diese 9 Hundertstel folgten:

4 Hundertstel (Olympia-RTL 2010) und erneut 9 Hundertstel (WM-Kombination 2011). Die Zusatzzahl ist 49 (Olympia-Zweite im Super-G 2010). Im Riesenslalom 2011 waren es wieder 9 Hundertstel – Vorsprung. Irgendwann gleichen sich Glück und Pech im Leben aus. Das gilt für Sport, aber Gott sei Dank auch darüber hinaus.

New England Patriots in der Sezierstunde

Die Patriots – eines meiner Lieblingsthemen: Eine spannende Mannschaft mit spannendem Coach und einer interessanten, nicht begeisternden, Spielweise. 2010/11 hat ESPN America sagenhafte 12 Spiele in der Regular Season mit den Patriots LIVE übertragen. Das sind 75% der Regular Season. Das liegt zum einen daran, dass die Patriots stets ein Titelanwärter sind. Und zum anderen, dass die Patriots in dieser Saison einen sehr attraktiven, wie auch richtig schwierigen Spielplan bestehen mussten.

Rückwirkend betrachtet liest sich meine im September aufgestellte Prognose gar nicht so übel:

Es sieht irgendwie so aus, als würde Belichick hier eine junge Defense heranzüchten, die in ein bis zwei Jahren wieder Topniveau erreichen kann. Bis dahin muss die Pass-Offense um QB Tom Brady die Gegner outscoren.

Etwas weiter unten, Kommentar #11, schrieb ich:

Für mich sieht es damit danach aus, als würde Belichick auf 2011 oder 2012 spekulieren, um dann mit einer gereiften, dominanten Defense und einem QB Brady sein letztes Halali blasend noch ein- bis zweimal einen Angriff auf den Titel starten und sich dann in Rente begeben.

Wobei ich auch für diese Saison an eine gefährliche Patriots-Mannschaft erwarte. Ich weigere mich, Brady/Belichik aus dem Titelrennen auszuklammern, trotz Baltimore.

QB Tom Brady, Patriots

Tom Brady - ©Wikipedia

Zu dem Zeitpunkt konnte man das Fiasko Moss nur vage vorausahnen. Umso beeindruckender, wie die Patriots nach der Umstellung der Offense funktionierten: Ein paar abgewichste Spiele (Baltimore, San Diego), die mit Glück, Geschick und dreißig Kilo Eiern in der Hose gewonnen wurden, und dann eine zweite Saisonhälfte vom Allerfeinsten. Wie die Patriots gegen Pittsburgh aufs Spielfeld marschierten und ohne Rücksicht auf ihr Laufspiel mit einer Orgie an Kurzpässen zack-zack-zack die beste Defense der NFL zertrümmerten, das war methodischer Offensiv-Football in seiner reinsten Form.

Basis von allem: Eine herausragende Offensive Line, die trotz des zickigen OG Logan Mankins blockte Gegenspieler wie sonst nur die Republikaner Reformen, und QB Tom Brady alle Zeit der Welt gab. Brady konnte sich in Ruhe einen seiner 527 Passempfänger ausgucken – und fand fast immer sein Ziel. Bradys absolute Zahlen sind irre: 3900yds (okay), 36 TDs (sehr, sehr stark), 4 INTs (Bitte neuen Superlativ erfinden).

Im Schlepptau des Pass-Spiels und der O-Line funktionierte auch das Laufspiel, trotz völlig unbekannter Spieler wie Green-Ellis oder Woodhead. Überhaupt Woodhead: Der Mann kann exemplarisch für das System „Bill Belichick“ hingestellt werden. Ein Mann aus dem Gar Nichts, von der Straße aufgeklaubt und so perfekt in ein System eingebaut, dass gegnerische Defenses den flinken Woodhead, den einst keiner wollte, eigens abdecken mussten. Oder halt die Nadelstiche zu spüren bekamen. Wie New England in den letzten Wochen der Regular Season die Wunden der gegnerischen Defenses offenlegte, das hatte was.

Das DVOA für die Patriots-Offense 2010/11 in der Regular Season: 46,1%, ein Wert ohne Worte, besser noch als derjenige der 2007er Patriots, und der beste ever (ich habe nur die letzten 15 Jahre eingespeist) laut Datenbank. Immerhin wurden Defenses wie Pittsburgh, Jets, Chicago, Green Bay oder Minnesota in Grund und Boden gespielt.

Was ist also schief gelaufen?

As expected: Die Defense. Man kann mit dem Einen argumentieren:

…aber sie haben doch Turnovers gemacht!

Leser von Sideline Reporter wissen: Turnovers sind wichtig. Aber ich würde bei meiner Defense nicht darauf vertrauen, dass sie drei Dutzend Turnovers (oder mehr) produziert. New England machte eines: Sie holten sich starke 25 INTs und schnappten 13 Fumbles. Top-Werte. Aber wenn deine Defense #11 gegen den Lauf ist und gar nur #30 gegen den Pass, dann reicht eben einmal ein Tag, an dem kein Turnover produziert wird, für eine überraschende Niederlage.

Gepaart mit einer etwas überrumpelten Offense nicht in Bestverfassung bedeutet das in der ultraengen AFC schon mal das schnelle Aus. So geschehen gegen die New York Jets. Kein Turnover gegen einen opportunistischen Gegner gemacht. Und raus.

Wo den Hebel ansetzen?

Beginnend mit der Offense, gibt es durchaus Fragezeichen. Die Basis der Patriots wackelt – die Offensive Line. LT Matt Light wird ein Top-Jahr nachgesagt. Light ist vertragslos. OG Mankins gilt als einer der Allerbesten. Mankins spielt seit Jahren unterbezahlt und möchte nun finanziell aussorgen, sprich: Einen Topvertrag. In New England oder sonst wo. Jetzt hat man ihm das Preisschild (Franchise Tag) aufgesetzt. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen…

Womöglich gibt New England Light seinen Vertrag und lässt Mankins ziehen. Oder umgekehrt. Schwer vorstellbar mit New Englands Geschichte im Hinterkopf, dass wirklich beide zu adäquatem Saldo gehalten werden können. Oder wollen.

Auf der RB-Position sind 4 Männer ohne Vertrag: Green-Ellis wird sicherlich bleiben, aber dann? Fred Taylor? Sammy Morris? Kevin Faulk könnte als Publikumsliebling zurücktreten, und weiterhin in der Organisation mitarbeiten. Im Prinzip halte ich es auch nicht für ausgeschlossen, dass sich Belichick mit einem seiner fünftausend Draftpicks einen Running Back einkauft (Carolina zum Beispiel weiß nicht, was sie mit Williams und Stewart anfangen sollen).

Jerod Mayo

Jerod Mayo - ©Flickr

Die Defense sitzt auf dem kürzeren Hebel. Hier braucht es Verstärkungen. Die Defense Line ist gut, aber seit Seymours Abgang nicht Spitze. Die Linebacker sind dafür sehr junge und haben mit ILB Jerod Mayo den neuen Anführer gefunden, mit Cunningham und Spikes zwei junge Talente. Aber der dominante Pass Rusher, den New England so dringend braucht, der fehlt.

Die Secondary könnte IMHO einen oder zwei Topmänner brauchen. CB McCourty scheint höheren Ansprüchen irgendwann genügen zu können (7 INTs, aber auch recht oft böse verbraten worden), aber dahinter wird es schnell eng und CB Butler wird so schnell keine Starts mehr machen. Offenses mit mehreren Wide Receivers haben Feiertage gegen die Patriots veranstaltet (um dann mit Kater, sprich INT, aufzuwachen, aber das ist wie gehört ein anderes Thema).

Die Lösungsansätze

Jeder NFL-Interessierte wird das Kommende schon x-mal gehört haben: Bill Belichick hat sechs Draftpicks in den ersten drei Runden, je zwei pro Runde und insgesamt die #17, #28, #33, #60, #74 und #92. Belichick hatte jahrelang mäßige Drafts, aber 2010 war ein Bombenjahr: CB McCourty, die LBs Cunningham und Spikes, die TEs Gronkowski und Hernandez und der sensationelle Punter Zoltan Mesko waren in dieser Saison Haupt-Protagonisten eines 14-2 Teams.

Wenn Belichick diesmal gut draftet, wird New England für die Zukunft happig, zumal Brady noch 3-4 Jahre spielen wird. Am Draft-Tag ist mal wieder alles möglich: Belichick, der nach oben tradet, um einen großen Namen zu holen. Oder nach unten tradet, um auch 2012 wieder 386 Picks zu haben. Sicher ist nur: Belichick wird nicht ruhen.

Die Prioritätenliste würde ich in etwa so verorten:

a) Pass Rusher (im Optimalfall ein hybrider Mann DE/OLB)
b) Cornerback (zumindest für die Tiefe des Kaders)
c) Offense Line (Guard oder Tackle)
d) Safety (Strong Safety)
e) Wide Receiver (falls zufällig vorhanden ein #1-Mann wie Moss)

Same procedure as every year: New Englands Kader schaut schon jetzt gefährlich wettbewerbsfähig aus. Belichick ist bekannt dafür, aus dem vorhandenen Material immer mehr zu machen als andere Coaches. Daher werde ich nicht von meiner allerersten Wettregel abweichen, die da lautet: Setze niemals gegen die New England Patriots.

Andere Teams in der Sezierstunde gibt es hier.

Das Phänomen

Gestern hat Ronaldo seinen Rücktritt vom Fußball erklärt. Es braucht keine langen Erklärungen zu Ronaldos Fußballkarriere. Ronaldo gehörte zu den allerbesten Stürmern der Welt und sorgte Ende der 90er für Ekstase, als er zu Inter Mailand wechselte. Das ist auch die Zeit, in der ich Ronaldo am bewusstesten miterlebt habe: Als Kind in der Volksschule, als in Kaugummi verpackte Spielerbilder der Kassenschlager waren und Ronaldo der Star in einer damals noch glänzend bestückten Serie A war. Il Fenomeno. Ich habe viel Fußball im italienschen Fernsehen geschaut und obwohl Kumpels und ich niemals eine Spur von Empathie für den italienischen Fußball empfanden, so schaute doch jeder von uns zu und probierte doch jeder von uns Knirpsen, Ronaldos Schere (Hochgeschwindigkeits-Übersteiger) oder diese unfassbare Ballbeherrschung auf engstem Raum hinzukriegen.

Ronaldo hatte mit Verletzungen zu kämpfen, war mit lustigen oder weniger lustigen Frauengeschichten ein medialer Dauerbrenner und hatte wohl auch nicht das einfachste Umfeld. Trotzdem habe ich den Spieler Ronaldo immer gemocht. Keine Tricks zur Selbstdarstellung wie der neue, der portugiesische Rohrkrepierer, sondern Tricks mit einem Ziel: Das Tor zu erzielen. Außer Henry und vielleicht noch Eto’o habe ich nie einen Spieler gesehen, der einen solchen Zug zum Tor entwickeln konnte wie Ronaldo.

Seine Tore sind zum allergrößten Teil keine Weltsensationen, aber eine beachtliche Anzahl sind trotzdem Kunstwerke: Auf engstem Raum den Treffer gemacht, den 95% der Restwelt nicht gemacht hätten. Deswegen ist für mich dieses eine Tor das erste, das mir bei „Ronaldo“ in den Sinn kommt. Wir schreiben das Halbfinale der WM 2002, Brasilien gegen die Türkei. Und Ronaldo mit einem Treffer, der genau auf diese einzige Weise – und nur auf diese eine Weise – fallen konnte:

Alles Gute, Ronaldo.

Indianapolis Colts in der Sezierstunde

2010/11 war ein ungewöhnlich zähes Jahr für die Colts. Dafür gibt es eine ganze Latte an Gründen: Die Verletzungen. Die unkonstante Defense. Die unbalancierte Offense.

Die Verletzungsserie, die Indianapolis heuer heimgesucht hat, ist schon heftig: In der Offense verletzten sich WR Antonio Gonzalez, WR Austin Collie, WR Pierre Garcon, RB Joseph Addai und TE Dallas Clark alle für Teile der Saison oder mehr. Reggie Wayne war wochenlang nicht richtig fit. Dass eine Offense angesichts der Umstände nicht in Gang kommen kann, muss klar sein.

Noch schlimmer sind die Verletzungen in der Defense, denn dort gibt es keinen Peyton Manning, der die Kohlen aus dem Feuer holt: Die Strong Safetys fehlten die komplette Saison, die Cornerbacks um Hayden waren ab November auch regelmäßig außer Gefecht, die Front Seven durch schwach getimte Verletzungspausen ebenso kaum gleichzeitig am Feld. Problem dabei: Die Colts hatten kaum Möglichkeiten, sich einzuspielen.

Peyton Manning QB Colts

Peyton Manning - ©Flickr

Indianapolis‘ Offense ist weiterhin: Peyton Manning. Die #18 ist ein staubtrockener Vertreter seiner Zunft, aber für mich ist Manning weiterhin die #1 unter den Quarterbacks. Die Offense Line gilt seit Jahren als Schwachpunkt, aber Manning kassiert prozentual die wenigsten Sacks, wenn ihm zwei Pass Rusher in der Fresse herumfummeln. Manning hatte Ende November eine ganz fürchterliche Phase mit 11 INTs in 3 Spielen. Als es gegen Saisonende um die Wurst (sprich: Playoffs) ging, war der Mann wieder voll da und sattelte Indy grade so gut, dass es in einer durchwachsenen AFC South reichte.

Wer könnte gehen?

Peyton Manning. Okay, keine Scherze, aber Manning ist aktuell vertragslos. Entweder die Colts geben ihm einen Vertrag über 4-5 Jahre mit Zahlen wie jener von Tom Brady. Oder sie hängen ihm die Franchise Tag, das Preisschild, um (ca. 23M Dollar). Es gibt keine andere Alternative. Ansonsten ist man offensiv relativ gut aufgestellt: RB Addai ist kein Unverzichtbarer, könnte also für halbwegs billiges Geld weiterverpflichtet werden. OT Charlie Johnson würde kaum vermisst werden.

In der Defense sind drei Defensive Backs (Bullitt, Francisco, Hamlin) vertragslos – und dann ist da noch der Kicker: Adam Vinatieri.

Heikel wird die Diskussion bei SS Bob Sanders. Sanders gehört zu denjenigen Spielern, bei denen du sofort merkst, ob sie auf dem Feld stehen oder nicht. Beim Superbowl-Sieg vor ein paar Jahren galt Sanders’ Genesung zu den Playoffs als Hauptgrund für den Titelgewinn der Colts, ein Jahr später war Sanders Verteidigungsspieler der Saison. Sanders ist nun 7 Jahre in der NFL. Seine Anzahl der Regular-Season-Spiele pro Saison: 6-14-4-15-6-4-1. 50 von 112 Spielen. Allerdings: Jedes Mal, wenn Sanders über 6 Spiele bestritt, war er All-Pro und Pro Bowler. Sanders hat noch Vertrag, aber womöglich wird er wegen Verletzungsanfälligkeit trotzdem entlassen.

Wo hakt’s?

Beginnen möchte ich mit einem Fakt, den ich vor einigen Wochen glaube, irgendwo gelesen oder gehört zu haben: Die Colts-Offense ist mit den Jahren immer ineffektiver geworden. Schnell via der unerschöpflichen Sidelinereporter-Excel-Datenbank nachgeprüft: Das DVOA-Rating von Footballoutsiders, das die absoluten Offense-Werte in Relation zur Stärke der jeweiligen Defenses setzt:

2004 33,2% (#1)
2005 23,6% (#3)
2006 29,0% (#1)
2007 24,3% (#2)
2008 17,2% (#6)
2009 20,3% (#6)
2010 16,6% (#6)

Bildlich sieht das so aus:

DVOA Indianapolis Colts NFL 2010/11

©Sideline Reporter

Ich sehe nach 2007 einen signifikanten Absturz. Eine Anmerkung: Marvin Harrison. Harrison war ein absoluter Ausnahme-WR der Colts. Bis 2006 mit herausragenden Zahlen. Danach alternd und verletzungsanfällig. Auch Reggie Wayne wird nicht jünger…

Die große Frage: Ist es in Indianapolis schnurz, ob sie Laufspiel haben? Braucht die Offense trotz ihrer jetzt schon krassen Pass-Lastigkeit einen weiteren großartigen WIDE RECEIVER? Zum Vergleich: Der letzte Franchise-RB der Colts war Edgerrin James. Nach dessen Abgang (2005) gibt es keinen Effizienzverlust zu verorten.

Der Ruf der Zahlen nach einem Top-WR deckt sich auch mit dem Gesehenen: Indys Receiver sind gutes Mittelmaß. Aber im entscheidenden Moment werden häufig die schweren Catches nicht gemacht. Die Catches, die du nicht machen musst, aber solltest, wenn du wie die Colts auf Offensive angewiesen bist.

Denn in der Defense hakt es. Die Secondary und der Pass Rush sind trotz Verletzungsproblemen nicht so sehr das Problem. Vielmehr ist Indy seit Äonen eine Mannschaft, über die Gegner einfach drüberlaufen. Verantwortlich dafür: Ein fehlender dominanter Defensive Tackle. Eine uneingespielte und untersetzte Linebacker-Crew. Ein dauerverletzter Sanders.

Ich habe mir jüngst Superbowl XXXVII angeschaut. Die flinke Buccs-Defense (kreiert von Tony Dungy), die trotz untersetzter Männer den Lauf abwürgte. Die aktuelle Colts-Defense ist immer noch Tony-Dungy-Werk. Die Buccs hatten damals vorne drinnen mit DT Warren Sapp den ultimativen Brocken. Vielleicht könnte ein DT Shaun Rogers trotz all seiner Flauseln neben dem Spielfeld in Indy Abhilfe schaffen.

Wohin galoppieren sie?

Zusammenfassend komme ich zum Schluss, dass die drei Top-Prioritäten lauten müssten:

a) Wide Receiver
b) Defensive Tackle
c) Offensive Tackle

Blick auf das Zeiteisen: Die Colts werden nicht jünger. Peyton Manning wird nicht jünger. Womöglich schließt sich das Fenster für die Colts in absehbarer Zeit, sprich: 3-4 Jahren. Ich bin zwar skeptisch, ob Bill Polian jetzt plötzlich von seiner Strategie abgehen würde und das Team mit ein paar Star-Free Agents aufladen wird. Aber angesichts der vermutlich noch nur wenigen Chancen auf einen Titel ist das vielleicht kein ganz depperter Gedanke.

Indianapolis hatte 2009 keine überragende Mannschaft und ist trotzdem 14-0 gestartet, weil sie enge Spiele am Fließband holten. 2010 ist das nicht mehr gelungen und schwupps war man nur noch dank schwacher Divisionskonkurrenz in der Post Season.

Ich glaube zwar, dass man mit Manning immer Divisionsfavorit bleiben wird. Aber die Colts wollen mehr. Sie brauchen Titel.

Unter der Lupe waren auch andere Mannschaften – Zum „Sezierstunde“-Archiv geht es hier entlang.

St Louis Rams in der Sezierstunde

Zwischendurch mal eine Mannschaft in der Sezierstunde, die in der abgelaufenen Saison ein einziges Mal in der deutschen TV-Landschaft zu bestaunen war: Am letzten Spieltag der Regular Season. Da spielten die Rams bei den Seahawks um den Einzug in die Playoffs. Und verloren sang- und klanglos 6-16.

Vorausgeschickt: Die Rams hatten zwei ganz schlechte Saisons hinter sich (2-14 und 1-15). So schlecht, dass sie im letzten Draft den #1-Pick hatten. Nach einigen mäßigen Picks haben sie diesmal vielleicht das große Los gezogen: QB Sam Bradford von der University of Oklahoma. Bradford, ein Meister der Spread Offense am College, aber nicht in der Lage, die entscheidenden, die ganz großen Spiele, zu gewinnen. Und zudem grad von einer Schulterverletzung genesen.

Resultat 2010: Bradford spielte ordentlich für einen Rookie, nicht sensationell. Aber Bradford machte hinter einer verbesserten Offensive Line und ohne nennenswerte Wide Receivers genug Plays, um die Rams zu einem 7-9 zu führen.

Nun liest sich „7-9“ erstmal ganz gut. Aber der Spielplan der Rams gehört zu den lächerlichsten der vergangenen Jahre. NFL-weit. Siege gegen Washington, Seattle, San Diego, Carolina, Denver, Arizona und San Francisco. Ein einziges Team mit einer positiven Bilanz, als dieses in der schwersten Krise der Saison war. Gegen die ernsthafteren Mannschaften setzte es reihenweise Niederlagen.

Ich will St Louis nicht madig machen, denn immerhin haben sie die Spiele überhaupt gewonnen, im Gegensatz zu den letzten Jahren, als selbst gegen Graupentruppen verloren wurde.

Neben Bradford haben die Rams im Draft 2010 ganz leise mit LT Roger Staffold den Left Tackle gefunden, der der teure Draftpick Jason Smith vor zwei Jahren nicht war. Resultat: Deutlich weniger kassierte Sacks.

Die Defense ist komplett gesichtslos, aber langsam im Kommen. Wie auch anders bei einem Head Coach mit Namen Steve Spagnuolo? Der teure DE Chris Long (Howie’s Sohn) scheint langsam besser zu werden, der Oldie DE James Hall hatte mit 10,5 Sacks keine schlechte Saison.

Was gibt’s zu tun?

Keine Frage: Die Rams sind auf dem aufsteigenden Ast, aber sie sind noch keine gute Mannschaft. Bradford ist kein Schlechter, aber Bradford braucht Waffen. Kein Receiver mit 700yds? Die einzigen namhaften WRs haben sich alle schon früh verletzt und Bradford musste auf Leute wie Danny Amendola, Brandon Gibson und Daniel Fells werfen. Nie gehört? Kein Problem, ich auch nicht.

Steven Jackson RB Rams

Steven Jackson - ©Wikipedia

Zweite Problemzone: Die Running Backs. Ich bewundere Steven Jackson aufs Äußerste. Der Mann muss sich vorgekommen sein wie eine Perle vor den Säuen. Jahrelang in einer hoffnungslosen Mannschaft als hoffnungslos unterbezahlter Back Top-Leistungen auf Pro-Bowl-Niveau abzuliefern, das hat was. Und Jackson hat sich nie öffentlich beschwert, sondern konstant seine Yards abgeholt. Aber Jackson wird nicht jünger und hatte immer wieder Verletzungssorgen. Ein junger Backup, der langsam als Jacksons Nachfolger aufgebaut wird, könnte Abhilfe schaffen.

Andererseits… Der neue OffCoord der Rams heißt Josh McDaniels. McDaniels hat in seiner bisherigen Laufbahn nur wenig Interesse an Running Backs gezeigt und dafür seine QBs (Brady, Cassell, Orton) um die Wette werfen lassen.

Ein angelesene Beobachtung: RG Adam Goldberg gilt als abgesägt, weil viel zu schwach. Ein Rod Hudson (FSU) könnte in Runde zwei noch im Draft sein. Auf alle Fälle gilt es als ausgemacht, dass St Louis auf dieser Position ein Upgrade braucht.

In der Defense halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass Spagnuolo ein weiteres Mal auf Defensive-Line-Jagd geht. Spagnuolos Superbowl-Rezept in New York war: Dominante Defensive Line bauen, die alle Hitze der Welt von der Front Four auf den QB losbläst. Die Rams picken an #14. 2011 gilt als guter Jahrgang, wenn man Defensive Line draften möchte…

Im Prinzip kann St Louis in der Defense bis auf den kanadischen FS O.J. Atogwe überall noch Verstärkungen brauchen. Ich gehe jedoch davon aus, dass man die Prioritätenliste für 2011 ungefähr so ausgemacht hat:

1) Wide Receiver
2) Guard
3) Defense Line
4) Linebacker/Secondary

Für die Zukunft

Der Spielplan für 2011 wird hammerhart. Neben New Orleans und Green Bay warten die knackige AFC North und die unangenehme NFC East auf die Rams. Die Bilanz 2011 könnte eher schlechter sein als jene von diesem Jahr. Trotzdem muss das nicht bedeuten, dass die Rams schlechter geworden wären.

Aktuell sind für mich die 49ers mal wieder favorisiert in der NFC West. Sollten Ken Whisenhunt und seine Cardinals einen QB finden, dürfte auch Arizona gute Chancen haben, vor den Rams zu landen.

2011 könnte ein weiteres Jahr des Aufbaus werden. Ein schmerzhaftes, aber lehrreiches Jahr.

„Sideline Reporter“ Archiv – hier entlang.

San Diego Chargers in der Sezierstunde

Es ist mittlerweile 15 Wochen her, aber wie schrieb ich damals in der Blütezeit des Törggelens, mitten in der „Blütezeit“ des Herbstes?

Die San Diego Chargers 2010 sind kein schlechtes Football-Team. Sie sind „nur“ ein außergewöhnlich schlampiges. So schlampig, dass man fassungslos zurückbleibt.

San Diego hatte gerade ein Heimspiel gegen die New England Patriots auf unsägliche Weise verloren. Die Chronik der Schande gibt liest sich immer noch fassungslos. So fassungslos, dass ich bei „San Diego 2010“ daran zuerst denke, und nicht an diese Statistiken:

Offense: #1 overall, #2 Passspiel, #15 Laufspiel
Defense: #1 overall, #1 Passspiel, #4 Laufspiel

#1 in Offense UND Defense, Baby. Saisonbilanz der Chargers: 9-7, Zweiter in der AFC West, nach Jahren der Dominanz. Was ist also passiert?

Philip Rivers QB San Diego Chargers, NFL

©Wikipedia

Bei den Atlanta Falcons mag der optische Eindruck noch getäuscht haben. Spätestens bei den Chargers aber bestätigen die DVOA-Statistikwälzer das Gesehene: Die Chargers sind #32 der NFL, wenn es um Special Teams geht. Zweiunddreißig. Spiele gegen Patriots, Rams und Raiders sind alleinig von den Special Teams verloren worden. Drei Spiele? San Diego fehlte ein Sieg zu den Playoffs. Da nutzt dir auch kein QB Philip Rivers mehr, der sensationelle 4710yds und 30 Touchdowns (13 INTs) via Luftweg fabrizierte und gefühlsmäßig im kritischen Moment stets ohne Laufspiel auskommen musste.

2010/11 im Schnelldurchlauf

Das Patriots-Spiel drückte San Diegos Bilanz damals auf 2-5. Grund, nervös zu werden? Im Prinzip nicht, denn erstens spielen die Chargers in der mauen AFC West und zweitens ist ihre Tendenz zum Saison-Fehlstart seit Jahren berüchtigt. Es sah auch diesmal danach aus, als einen Monat lang jeder Gegner (u.a. Indianapolis) in Grund und Boden gespielt wurde. Nur, um dann im eigenen Stadion von den Raiders überlaufen zu werden wie einst nur die Bucs von den Panthers. Eigenes Laufspiel in dieser Partie? Nope. Nada. 21yds, 5 davon via Rivers himself.

Endgültig für die Grütze war das Jahr für San Diego nach einer Auswärtsniederlage in Cincinnati (!) in einem Spiel, das gewonnen werden musste. Diese Spiele hat San Diego heuer nicht eingesackt.

Abgangsgelüster

Während die massivste Änderung für 2011/12 von der Seitenlinie und den Köpfen der Spieler ausgehen gehen muss (Stichwort: Die Laxheit muss verschwinden. Wir sind zwar im sonnigen Kalifornien, aber auf dem Feld darf ruhig nur an Football gedacht werden.), sind einige Stützen des Vereins auf dem Absprung.

WR Vince Jackson z.B., dessen Zicken heuer um ein Haar dazu geführt hätten, dass der Mann die gesamte Saison verpasst hätte. Jackson kam rechtzeitig zu den nahenden Playoffs zurück – und dann vergeigten es die Chargers sich noch. Jackson wird kaum noch mal in San Diego unterschreiben. San Diego wird versuchen, ihm das Preisschildchen „Franchise Tag“ aufzuhängen. Aber ob das mit Jackson und den Chargers noch was wird? Mit WR Kelley Washington und WR Malcolm Floyd (mit 717yds und 6 TDs teaminterne #2) sind zwei weitere Receiver vertragslos.

Ein Vierter im Bunde: WR Legedu Naanee. Über einen ehemaligen Boise State Bronco nichts Schlechtes, aber diese Aktion hat sich verdammt tief in mein Hirn eingebrannt. Drittes Viertel, du scorst bei 7-21 den Anschluss-Touchdown und trottest so arrogant in die Endzone, dass ein jeder Coach, ein jeder Coach außer Norv Turner, dir in den Arsch treten würde? Obwohl du noch NICHTS erreicht hast und ein Jungspund im vierten Jahr bist? Dass Turner das damals in Woche #1 duldete, kann man getrost als Zeichen werten – dafür, dass die Chargers ein so undisziplinierter Haufen auf dem Feld waren.

Jetzt fallen aber nicht nur haufenweise Receivers weg. Auch Backup-QB Billy Volek, ein guter Mann, und zwei Backup-RBs mit Darren Sproles und Mike Tolbert, sind Free Agents. Sproles ist kein Back für 30 Carries/Spiel, aber ein fangsicherer Mann mit Allround-Qualitäten. Trotzdem gilt er als quasi entlassen. Tolbert war mit 735yds der beste Rusher in dieser Saison und eine gute Ergänzung zum jungen Ryan Mathews.

Die Offense (1 Starter, RT Clary) und Defense Line bleiben von allzu schweren Verlusten wohl verschont. Aber bei den Linebackers ist nach Shawne Merrimans Nieder- und Abgang Not am Mann (3 Free Agents), wie bei den Safetys (SS Oliver, FS Weddle). Mit Ron Rivera ist zudem das Mastermind hinter der Defense weg (HC in Carolina).

Watt nun?

Das Fenster für den Erfolg schließt sich langsam in San Diego. Parallel mit der Angst vor dem Abgang der Chargers in Richtung Los Angeles werden gar einige Spieler die Franchise verlassen. Und nicht alle werden gleichwertig ersetzt werden können. Es schaut danach aus, als ob auch weiterhin alles um Rivers gebaut sein wird. Rivers hat bewiesen, dass er einiges aushält. Aber die Mannschaft um ihn herum wird nicht jünger.

Ich glaube zwar, San Diego wird 2011/12 wieder haushoher Favorit auf den Divisionssieg sein. Aber: Es braucht Verstärkungen. Der beste Passempfänger ist mit Antonio Gates ein Tight End, ein sehr guter, aber auch verletzungsanfälliger Mann. RB Mathews ist noch jung, aber für mich nicht einer der beeindruckenderen RBs.

Im Prinzip müffelt schon die Endzeitstimmung aus San Diego herüber. Norv Turner dürfte schon auf dem Schleudersitz Platz genommen haben. Ich denke, Turner wird seinen Fokus auf die Positionen Wide Receiver und Linebacker legen müssen. Beides keine schwachen Positionen im heurigen Draft. Für teure Free-Agents-Einkäufe sind A.J. Smith und die Chargers nicht bekannt.

Solange ein gesunder Rivers am Werk ist und die AFC West weiterhin vor sich hin vegetiert, wird San Diego aber noch ein paar Jahre Playoffchancen haben.

Nicht nur die Chargers werden auseinandergenommen. In der „Sezierstunde“ sind auch andere Mannschaften – hier.