Detroit Lions in der Sezierstunde

Matthew Stafford NFL-Lions Quarterback

©Flickr

Einleitend das Geständnis: Ich bin Detroit-Lions-Fan. Es ist kein einfaches Dasein als Lions-Anhänger. Zum einen, weil sie ganz einfach zu selten bei uns gezeigt werden (nur zu Thanksgiving). Das ist der Preis für die jahrelange Erfolglosigkeit. Zum anderen, weil man seit Jahren denkt, Mensch, jetzt bauen sie die richtigen Puzzleteile ein, jetzt geht’s aufwärts! Und dann verletzt sich zum ungünstigsten Zeitpunkt ein Quarterback oder fallen drei Defensive Backs aus und die Saison ist wieder den Bach runter.

2010/11 hat uns ein 6-10 beschert. Es passiert nur in Detroit, dass „6-10“ mit gutem Gewissen in das Regal mit dem Aufkleber „Erfolg“ eingelegt werden kann.

2010/11 waren die Lions ein deutlich wettbewerbsfähiger Haufen als in den letzten 2-3 Jahren. Die Schwachstellen sind teilweise eklatant, aber sie haben meist voll durchgespielt und mit ihrem Sieg über Tampa in Woche 15 sogar dem Superbowl-Champ Green Bay überhaupt erst die Playoff-Teilnahme ermöglicht!

Die zehn Saisonniederlagen lesen sich so: -5 gegen Chicago, -3 gegen Philadelphia, -14 gegen Minnesota, -2 gegen Green Bay, -8 gegen die Giants, -3 (OT) gegen die Jets, -2 gegen Buffalo, -14 gegen Dallas, -21 gegen New England (als die jeden Gegner in Grund und Boden gespielt haben) und -4 gegen Chicago. Vier Siege im Dezember, unter anderem gegen Green Bay und Tampa Bay, die beide voll im Saft um die Playoffs waren. Und man bedenke: Über weite Strecken wurde mit Backup-QB und sogar Third Stringer und Backup-RB gespielt. Trotzdem hat z.B. ein Calvin Johnson wieder über 1000yds und 12TDs gefangen.

Wo hakt’s?

Das unbeschreibbare Wort „Siegermentalität“ ist zwar nicht so meins. Aber so oft wie die Lions diese Saison an einem Sieg dran waren und trotzdem noch vergeigt haben… Wenn ich an Leute wie C Raiola denke, die seit ungefähr drei Jahrzehnten nur losing seasons erleben mussten, ist das auch kein Wunder. Die wissen gar nicht, wie man das macht, selbst wenn einem mal ein starkes Spiel ausrutscht.

Größtes Problem in der Offense: Zahlreiche Verletzungen. QB Matthew Stafford ist ein mutiges Kind, ein harter Knochen, aber er ist zu oft verletzt, als dass seine guten Ansätze in Siegesserien umgemünzt werden könnten: 13 Spiele hat Stafford in zwei Jahren bestritten. Heuer hat er nur 3x gespielt: 6 TDs, 1 INT, Rating 91,3. Das sind erstaunliche Zahlen, die Stafford da fabriziert, angesichts der Unerfahrenheit und der wenigen Spielzeit. Nun ist die rechte Schulter (Wurfarm) mal wieder operiert worden.

Ich war vor zwei Jahren ein Gegner, Stafford an der #1 zu draften. Nicht dass Stafford ein Flop wäre. Aber wenn du keine Offensive Line hast, dann stellst du nicht einen teuren und rohen Franchise-QB ins Tollhaus „Pocket“. Mit zahlreichen Verletzungen zahlen die Lions jetzt den Preis. Daher würde ich dringend empfehlen, in Runde 1 oder 2 einen Offensive Tackle einzuberufen. Oder zwei. Das bietet keine Garantien, erhöht aber die Chance, Stafford mal über längere Zeit gesund zu halten. Dass Stafford sich wohl fühlt, zeigen die Zahlen.

Die Defense hat ebenso eine gewaltige Problemzone, nachdem die Defensive Line mit dem sensationellen Rookie Ndamukong Suh und Kyle Vanderbosch zwei Spieler wenigstens für den Pass Rush eingekauft hat. Das Laufspiel darf aber ruhig noch härter abgewürgt werden, auch von DT Suh.

Richtig der Wurm drin ist in der Secondary. Es hat weh getan, so wie Detroit an Thanksgiving auseinandergenommen worden ist. Jeder Pass eine Completion, am besten für 25yds und jeder Drive mit Touchdown abgeschlossen.

Ich schrieb damals:

Als die Patriots mit Smith die Schwachstelle ausgemacht hatten und die Offense Line Brady den Tick mehr Zeit geben konnte, war das gegessen. Drei Touchdowns in Serie und es gab nie etwas, was die Lions zum Entgegensetzen hatten.

Man kann es an CB Alphonso Smith festmachen. Oder an seinen Nebenleuten. Punkt ist: Das Material genügt nicht höheren Ansprüchen. Oder ist noch zu grün hinter den Ohren. Dumm, dass der Draftpool für Defensive Backs nicht als allertiefster gilt.

Early Draftstrategie: Defensive Back mit dem 1st round pick, Offense Line mit den zwei-drei folgenden Picks. Bitte keine TEs und RBs draften. Detroit hat genügend gute Skill Players. Die Löcher sind anderswo.

Auf dass sie mal wieder brüllen

Es geht eindeutig aufwärts. Gegen die Patriots sind sogar eine ganze Weile lang die Zuschauer im Ford Field richtig mitgegangen. Das hatten wir lange nicht. Die vertragslosen Spieler wäre allesamt keine übermäßig schmerzhaften Verluste. Wenn die Prioritäten

a) Schutz für Stafford/Offensive Line
b) Pass-Deckung/Defensive Backs
c) Laufspiel-Verteidigung/Defensive Tackle & Linebacker

in der Reihenfolge angegangen werden, bin ich zuversichtlich. Genügend gute bis exzellente Draftpicks wurden in den letzten Jahren gehortet. 1-2 erfahrene Free Agents für die Defense (DBs, LBs) würden auch nicht schaden. Da ich Vertrauen in Jim Schwartz habe, werden die Playoff-Träume in absehbarer Zeit ja vielleicht wirklich mal erfüllt.

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