New Orleans Saints in der Sezierstunde

In der NFC galt seit neun Jahren: Wer will, wer will, wer hat noch nicht? Neun NFC-Sieger in neun Jahren. Grund genug, die Saints schon im Sommer aus dem Superbowl-Rennen gesehen zu haben. Ich schrieb damals von einer Unbekannte, die die Saints darstellen:

Die Saints sind zwar als Titelverteidiger mit einer hervorragenden Offense um QB Drew Brees und RB Pierre Thomas gesegnet, aber sowohl die (Pass-)Defense als auch die psychologische Situation gilt als suspekt. Die Defense war 2009 zwar stark im Provozieren von Turnovers, aber die Passverteidigung nur #26 in der NFL. Dass man 26 Interceptions wiederholen kann, gilt als eher unwahrscheinlich.

Outcome: Nach einer unkonstanten Saison (11-5) sind die Saints in Playoffrunde #1 in Seattle rausgeflogen und haben die Serie auf 10 Jahre/10 NFC-Champs verlängert. Mit einer unterirdischen Pass-Verteidigung und völlig überrannt von einem euphorisierten, aber keineswegs spielstarken Gegner.

Zugegeben, die Passabwehr war in der Regular Season nicht mal das Problem. Unter 200yds/Spiel zugelassen (#4 in der NFL), aber nur mehr 9 INTs in der Regular Season (+1 in Seattle) gemacht. Kombiniert mit einer durchwachsenen Laufverteidigung haben die Saints aber immer wieder ganz gerne lange, sehr lange Drives aufgegeben.

Drew Brees QB New Orleans Saints

©Flickr

Zu Saisonbeginn glänzte New Orleans durch Blitz-Genie-Momente in der Offense. 55/60 der Spielzeit lief nichts zusammen, nur um in den restlichen fünf Minuten Spielzeit zwei-drei Big Plays zu zaubern, die 1-2 Touchdowns produziert haben. Im Lauf der Saison wurde es besser, aber es war nicht so, dass ich jemals jedwede Angst verspürt hätte, New Orleans könnte in die Super Bowl durchmarschieren.

Zu wenig Laufspiel, zu viel auf den Schultern von QB Drew Brees (mal eben nebenbei 22INTs produziert), zu wenig Offense-Konstanz. Klar, wenn das Laufspiel nicht in die Gänge kommt.

Wo hakt’s?

Bevor die Saints irgendwelche neue Spieler ins Blickfeld aufnehmen, müssen inter Verträge verlängert werden: 3/5 der Offense Line ist vertragslos (LT Jermon Bushrod, OG Carl Nicks, C Jonathan Goodwin).

Bei den zirka dreitausend Running Backs und Wide Receivers wird eher ausgemistet werden. RB Pierre Thomas ist zwar noch eher jung, aber verletzungsanfällig und es gilt als unsicher, ob er bleiben wird. RB Reggie Bush hat zwar Vertrag, sich aber als Flop erwiesen, der nur situativ eingesetzt werden kann, nicht aber die Last auf seinen schmalen Schultern tragen kann. WR Lance Moore hat gute Dienste geleistet, aber New Orleans hat noch eine Reihe anderer WRs. Ebenso vertragslos: WR Roby, RB Jones, RB Betts, TE Thomas, FB Evans.

In der Defense könnten neben DT Ayodele auch noch beide Safetys wegfallen: Der alte Darren Sharper (heuer nicht mehr der Mann für entscheidende INTs) und Roman Harper. Harper war mal Pro Bowl? Vermutlich ist nach dem Seattle-Desaster Harpers Ruf für die nächsten zwei Jahrzehnte verbrannt. Ich bin gespannt.

Wo ansetzen?

IMHO hat New Orleans offensiv ein großes Problem, das 2009/10 phasenweise überdeckt werden konnte: Schwaches Laufspiel. Bush ist teuer und bringt sportlich nur etwas Variation, nicht aber den RB, den du in jedem Down einsetzen kannst. Seit McAllisters Abgang fehlt da etwas, und daran gilt anzusetzen. Brees’ Interception-Orgie führe ich zum Großteil auf die fehlende Offense-Balance zurück.

In der Defense sind die Bausteine eigentlich gegeben. Ein starker Pass Rusher könnte nicht schaden, und ein verlässlicher Safety. Was sich Harper im Playoffspiel geleistet hat, spottet jeder Beschreibung, auch die Cornerbacks sahen in der Nickel-Formation ganz schwach aus. Greer und Porter dürften höheren Ansprüchen genügen, aber dahinter wird es schnell eng. Mit 3-4 WR dürfte New Orleans recht einfach zu knacken sein.

Ausblick

Solange der Mann mit den dicken Nüssen, Sean Payton, den Laden managt und QB Brees am Werk ist, wird New Orleans nicht durchgereicht werden. An angesprochenen Baustellen muss man sich zwar in die Hände spucken und ansetzen, aber das Grundgerüst dürfte stehen. Zumal man zwar passlastig ist, aber nicht von einem Receiver abhängig ist, sondern konstant 4-5 Anspielstationen hat.

Blick auf den Spielplan, sofern wir eine volle Saison erleben: Huiiii. AFC South, NFC North und die eigene Division. Okay, gilt für alle in der NFC South. Aber für die höheren Seeds könnte das für die heimstarken Saints schwer werden…

Andere Teams in der „Sezierstunde“ gefällig? Hier entlang.

6 Kommentare zu “New Orleans Saints in der Sezierstunde

  1. Ich glaube, Reggie Bush wird auf Geld verzichten und in NO bleiben. Kein anderes Team ist so durchgeknallt und zahlt Bush Monstergehalt. Da ist für Bush die Option NO die beste. Die Saints sehe ich defensiv verbesserungswürdig & mit dem angesprochenen RB-Loch haben sie auch in der Offense ihre Probleme. Glaube aber nicht daran, dass NO so schnell untergehen wird, auch wenn die NFC south sehr stark ist.

  2. Schönes Post-Season-Feature :). Gefällt mir, auch wenn mich nicht alle Teams interessieren :P.

    PS: Dein Blog geht mir viel zu oft durch die Lappen xD…

  3. Büsschen D’Oh!

    Die Saints haben just in diesen Minuten TE Jeremy Shockey rausgeworfen. Das Gerücht brodelte seit einigen wenigen Stunden. Sportlich für mich nicht unbedingt nachvollziehbar.

    Gewaltig ist die Reaktionszeit in der Wikipedia: Eine Minute nach dem ersten Tweet durch Adam Schefter ist der Eintrag schon modifiziert und Shockey Free Agent.

  4. Die Gründe für Shockeys Entlassung sind in seinem Vertragswerk zu finden. 4,5M hätte der Mann 2011/12 verdient.

    Wenn 4,5M für Shockey zu viel sind, dann dürfte RB Reggie Bush nun gewaltig zittern. Bush würde nächste Saison sagenhafte 11,8M einstreichen, für noch weniger Leistung.

  5. Der Hauptgrund dürfte wohl Jimmy Graham gewesen sein. Wenn der sich weiterhin so entwickelt, geht der in die Antonio Gates Richtung. Da brauchen die Saints Shockey auch gar nicht mehr und geben das Geld lieber besser aus.

  6. Pingback: New Orleans Saints in der Frischzellenkur « Sideline Reporter

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