St Louis Rams in der Sezierstunde

Zwischendurch mal eine Mannschaft in der Sezierstunde, die in der abgelaufenen Saison ein einziges Mal in der deutschen TV-Landschaft zu bestaunen war: Am letzten Spieltag der Regular Season. Da spielten die Rams bei den Seahawks um den Einzug in die Playoffs. Und verloren sang- und klanglos 6-16.

Vorausgeschickt: Die Rams hatten zwei ganz schlechte Saisons hinter sich (2-14 und 1-15). So schlecht, dass sie im letzten Draft den #1-Pick hatten. Nach einigen mäßigen Picks haben sie diesmal vielleicht das große Los gezogen: QB Sam Bradford von der University of Oklahoma. Bradford, ein Meister der Spread Offense am College, aber nicht in der Lage, die entscheidenden, die ganz großen Spiele, zu gewinnen. Und zudem grad von einer Schulterverletzung genesen.

Resultat 2010: Bradford spielte ordentlich für einen Rookie, nicht sensationell. Aber Bradford machte hinter einer verbesserten Offensive Line und ohne nennenswerte Wide Receivers genug Plays, um die Rams zu einem 7-9 zu führen.

Nun liest sich „7-9“ erstmal ganz gut. Aber der Spielplan der Rams gehört zu den lächerlichsten der vergangenen Jahre. NFL-weit. Siege gegen Washington, Seattle, San Diego, Carolina, Denver, Arizona und San Francisco. Ein einziges Team mit einer positiven Bilanz, als dieses in der schwersten Krise der Saison war. Gegen die ernsthafteren Mannschaften setzte es reihenweise Niederlagen.

Ich will St Louis nicht madig machen, denn immerhin haben sie die Spiele überhaupt gewonnen, im Gegensatz zu den letzten Jahren, als selbst gegen Graupentruppen verloren wurde.

Neben Bradford haben die Rams im Draft 2010 ganz leise mit LT Roger Staffold den Left Tackle gefunden, der der teure Draftpick Jason Smith vor zwei Jahren nicht war. Resultat: Deutlich weniger kassierte Sacks.

Die Defense ist komplett gesichtslos, aber langsam im Kommen. Wie auch anders bei einem Head Coach mit Namen Steve Spagnuolo? Der teure DE Chris Long (Howie’s Sohn) scheint langsam besser zu werden, der Oldie DE James Hall hatte mit 10,5 Sacks keine schlechte Saison.

Was gibt’s zu tun?

Keine Frage: Die Rams sind auf dem aufsteigenden Ast, aber sie sind noch keine gute Mannschaft. Bradford ist kein Schlechter, aber Bradford braucht Waffen. Kein Receiver mit 700yds? Die einzigen namhaften WRs haben sich alle schon früh verletzt und Bradford musste auf Leute wie Danny Amendola, Brandon Gibson und Daniel Fells werfen. Nie gehört? Kein Problem, ich auch nicht.

Steven Jackson RB Rams

Steven Jackson - ©Wikipedia

Zweite Problemzone: Die Running Backs. Ich bewundere Steven Jackson aufs Äußerste. Der Mann muss sich vorgekommen sein wie eine Perle vor den Säuen. Jahrelang in einer hoffnungslosen Mannschaft als hoffnungslos unterbezahlter Back Top-Leistungen auf Pro-Bowl-Niveau abzuliefern, das hat was. Und Jackson hat sich nie öffentlich beschwert, sondern konstant seine Yards abgeholt. Aber Jackson wird nicht jünger und hatte immer wieder Verletzungssorgen. Ein junger Backup, der langsam als Jacksons Nachfolger aufgebaut wird, könnte Abhilfe schaffen.

Andererseits… Der neue OffCoord der Rams heißt Josh McDaniels. McDaniels hat in seiner bisherigen Laufbahn nur wenig Interesse an Running Backs gezeigt und dafür seine QBs (Brady, Cassell, Orton) um die Wette werfen lassen.

Ein angelesene Beobachtung: RG Adam Goldberg gilt als abgesägt, weil viel zu schwach. Ein Rod Hudson (FSU) könnte in Runde zwei noch im Draft sein. Auf alle Fälle gilt es als ausgemacht, dass St Louis auf dieser Position ein Upgrade braucht.

In der Defense halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass Spagnuolo ein weiteres Mal auf Defensive-Line-Jagd geht. Spagnuolos Superbowl-Rezept in New York war: Dominante Defensive Line bauen, die alle Hitze der Welt von der Front Four auf den QB losbläst. Die Rams picken an #14. 2011 gilt als guter Jahrgang, wenn man Defensive Line draften möchte…

Im Prinzip kann St Louis in der Defense bis auf den kanadischen FS O.J. Atogwe überall noch Verstärkungen brauchen. Ich gehe jedoch davon aus, dass man die Prioritätenliste für 2011 ungefähr so ausgemacht hat:

1) Wide Receiver
2) Guard
3) Defense Line
4) Linebacker/Secondary

Für die Zukunft

Der Spielplan für 2011 wird hammerhart. Neben New Orleans und Green Bay warten die knackige AFC North und die unangenehme NFC East auf die Rams. Die Bilanz 2011 könnte eher schlechter sein als jene von diesem Jahr. Trotzdem muss das nicht bedeuten, dass die Rams schlechter geworden wären.

Aktuell sind für mich die 49ers mal wieder favorisiert in der NFC West. Sollten Ken Whisenhunt und seine Cardinals einen QB finden, dürfte auch Arizona gute Chancen haben, vor den Rams zu landen.

2011 könnte ein weiteres Jahr des Aufbaus werden. Ein schmerzhaftes, aber lehrreiches Jahr.

„Sideline Reporter“ Archiv – hier entlang.

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