Das Phänomen

Gestern hat Ronaldo seinen Rücktritt vom Fußball erklärt. Es braucht keine langen Erklärungen zu Ronaldos Fußballkarriere. Ronaldo gehörte zu den allerbesten Stürmern der Welt und sorgte Ende der 90er für Ekstase, als er zu Inter Mailand wechselte. Das ist auch die Zeit, in der ich Ronaldo am bewusstesten miterlebt habe: Als Kind in der Volksschule, als in Kaugummi verpackte Spielerbilder der Kassenschlager waren und Ronaldo der Star in einer damals noch glänzend bestückten Serie A war. Il Fenomeno. Ich habe viel Fußball im italienschen Fernsehen geschaut und obwohl Kumpels und ich niemals eine Spur von Empathie für den italienischen Fußball empfanden, so schaute doch jeder von uns zu und probierte doch jeder von uns Knirpsen, Ronaldos Schere (Hochgeschwindigkeits-Übersteiger) oder diese unfassbare Ballbeherrschung auf engstem Raum hinzukriegen.

Ronaldo hatte mit Verletzungen zu kämpfen, war mit lustigen oder weniger lustigen Frauengeschichten ein medialer Dauerbrenner und hatte wohl auch nicht das einfachste Umfeld. Trotzdem habe ich den Spieler Ronaldo immer gemocht. Keine Tricks zur Selbstdarstellung wie der neue, der portugiesische Rohrkrepierer, sondern Tricks mit einem Ziel: Das Tor zu erzielen. Außer Henry und vielleicht noch Eto’o habe ich nie einen Spieler gesehen, der einen solchen Zug zum Tor entwickeln konnte wie Ronaldo.

Seine Tore sind zum allergrößten Teil keine Weltsensationen, aber eine beachtliche Anzahl sind trotzdem Kunstwerke: Auf engstem Raum den Treffer gemacht, den 95% der Restwelt nicht gemacht hätten. Deswegen ist für mich dieses eine Tor das erste, das mir bei „Ronaldo“ in den Sinn kommt. Wir schreiben das Halbfinale der WM 2002, Brasilien gegen die Türkei. Und Ronaldo mit einem Treffer, der genau auf diese einzige Weise – und nur auf diese eine Weise – fallen konnte:

Alles Gute, Ronaldo.

2 Kommentare zu “Das Phänomen

  1. Pingback: Caipirinha zum WM-Auftakspiel 2014: Brasilien vs Kroaten | Gruppe A | Sideline Reporter

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