NFL Combine: Notizen vom Wochenende

Paar Notizen von der NFL Combine vom Wochenende.

Quarterbacks

Ich habe gestern Abend nur ganz kurz reingeschaut, da ich die Relevanz des ganzen Workout-Reigens für sehr, sehr begrenzt halte: Nicht nur, dass komplett jegliche Defense oder jeglicher Druck fehlt. Nein, die QBs werfen auch noch zu Receivers, mit denen sie nicht ein einziges Mal zusammengespielt haben.

Cam Newton hat eine 40 Time von 4.59 zugeschrieben bekommen. Das ist IMHO erstaunlich langsam, v.a. im Vergleich zu so manch anderem QB (Gabbert, Ponder). Seine Würfe im Drill waren teilweise arg daneben (vielfach überworfen), aber glaubt man den Experten, hat sich Rohdiamant Newton damit nicht ins Knie geschossen. Brian Billick kritisierte aber das Umfeld Newtons. Alles in allem habe ich immer mehr den Eindruck, dass sich die kompletten Medien-Riege schön langsam in Newton verknallt.

Blaine Gabberts 40 Time von 4.62 hat mich überrascht. Nach dem vom College Gesehenen hätte ich eine deutlichere Differenz zu Newton gesehen.

Jake Locker darf seinen Status nach 4.59 und Lob von WR A.J. Green als steigend ansehen. Locker, der im College z.T. unterirdische Spiele abgeliefert hat.

Ryan Mallett gilt ebenso als sehr positive Erscheinung der Combine. Mallett soll beweglicher sein als angenommen, und vor allem: präziser. Dass der Wurfarm waffenscheinpflichtig ist, wusste man bereits. Was der eigenartige Charakter Mallett in den Vorstellungsgesprächen so alles von sich gegeben hat, ist mir im Moment noch nicht bekannt.

Running Backs

Mark Ingram dürfte sich eher lächerlich gemacht haben. Zuerst kam Ingram stark untergewichtig daher (3-4kg zu wenig), zugunsten mehr Explosivität. Dann legte Ingram eine sehr, sehr maue 4.62 hin. Ingram wird einen starken Pro Day in Alabama brauchen, um nicht ordentlich durchgereicht zu werden.

Ingrams Vorteil: Es hat sich kein RB aufgedrängt. Die Speedster sind allesamt Backs, die maximal für die späteren Runden in Betracht gezogen werden. Aber narrisch wird niemand, der Ingrams athletische Voraussetzungen kennt.

Wide Receivers

Hier beginnen die ersten Kontroversen schon bei den Top 2. Julio Jones, ein physischer Receiver, stach mit einer Top-40 Time heraus: 4.39. Damit hat Jones den großen Konkurrenten A.J. Green deutlich ausgestochen (um 4.50). Green ist IMHO der viel explosivere Mann an der Anspiellinie, etwas, das eine 40 Time niemals wiedergeben kann.

Schwer enttäuscht haben soll Jonathan Baldwin von der University of Pittsburgh. Baldwin ist brutal athletisch gebaut, aber man hatte sich erwartet, dass Baldwin ein Feuerwerk hinknallen würde. Es handelt sich immerhin um einen, dessen Potenzial riesig erscheint, dessen Leistungen bisher aber eher dürftig waren. Solche Leute brauchen gute Workouts. Die lieferte Baldwin noch nicht.

Boise States Titus Young soll seinen Status verbessert haben und gilt insgeheim schon als möglicher Zweitrunden-Pick. Ebenso hat angeblich Oregons Jeff Maehl beeindruckt. Maehl war schon im Recruiting-Prozess völlig untergegangen, hat sich an der Uni dann aber durchgebissen und könnte in der NFL ein wertvoller #3-Receiver werden.

Defense

Stephen Paea kommt offenbar aus dem südpazifischen Raum: Paea zeigte den Haka-Dance. Das, nachdem er mich Lügen gestraft hatte, dass der Bankdrücker-Rekord nicht in Gefahr sein würde: Paea mit sensationellen 49 reps. 49x 102kg gestemmt.

Schlagzeilen ganz anderer Art macht Nick Fairley. Der Mann ist fünf Zentimeter (2 inches) kürzer und 4kg leichter als gedacht und bisher gelistet. Im Prinzip nichts Weltbewegendes, aber Defensive Tackles müssen in der Meinung der Scouts mindestens 300 Pfund wiegen. Fairley gilt nun als 291 Pfunds-Kerlchen und somit als Leichtgewicht.

7 Kommentare zu “NFL Combine: Notizen vom Wochenende

  1. Hab mir das Werfen der QB angesehen. Teile die Einschätzung zu Newton, dass er nichts getroffen hat.
    Mallet hatt einen tollen arm, ich denke bei ihm gibt es nur Superstar oder bust. Ich bin gespannt wie er sich in den interviews verkauft, denke das in erster Linie davon seine Draft Position abhängt.
    Wer mir gut gefallen hat war ein Division II QB ( nein nicht Devlin) der kam von Cal-Poly.

  2. Joshua Portis (California University of Pennsylvania), oder?

    Die Uni liegt übrigens nicht in Kalifornien, sondern in California (Pennsylvania).

  3. Bin gespannt wohin die Reise für Ryan Mallett gehen wird. Sieht richtig locker aus, wie ihm das Bällchen aus der Hand flutscht und mit 150km/h den Abnehmer findet. Die Pässe fand ich alle präzise, nur 1-2x leicht off target.

    Was mich gewaltig stört sind die Rumors, die Mallett umgeben. Von „arrogante Sau“ bis „drogensüchtig“ ist alles drunter und Typen wie Wes Bunting schreiben unverhohlen, sie würden Mallett nicht draften weil sie Dinge wüssten die andere nicht wüssten. Ja, dann schreibt doch mal, was ihr wisst!!

    In keinem Medium kann man genau erfahren, was Mallett verbrochen hat. Von ehemaligen Kommilitonen weiß ich, dass Mallett sich wohl etwas selbst überschätzt und nicht immer der Kumpeltyp von Mannschaftskamerad war. Und vor ein paar Jahren mal eine Nacht im Knast pennen durfte. Das wars dann aber auch…

    Dass Mallett bisher nicht viel öffentlich dazu getan hat, den Ruf zu entkräften, ist leider auch Fakt. Vielleicht ist es auch besser, wenn er erst in der 2. Runde gedraftet wird –> weniger Druck und vielleicht eine bessere Mannschaft…

  4. @ Korsakoff. Genau den meinte ich. CBS hat den auf Nr. 16 unter den QB. Hat keine NFL typischen Maße, aber seine Beweglichkeit und sein touch haben mir gut gefallen.
    Was Mallet betrifft, gab es in der Vergangenheit auch Fälle mit ähnlichen Bedenken? Ich bin mir unsicher, seine Würfe gefallen mir extrem gut, seine Entscheidungen und sein Umfeld eher weniger. Eigentlich wieder ein klassischer Draft Pick für die Raiders 😉

  5. @Koblenzer

    Bei Quarterbacks fällt mir Dan Marino ein: Gerüchte um Drogenabhängigkeit und deshalb an die Pos. 27 zurückgefallen. Die Karriere konnte sich danach aber recht gut sehen lassen.

    Bei WR sind einige schwierige Charakter zu nennen: Randy Moss oder Dez Bryant beispielsweise, die in die 20er gefallen sind, obwohl sie als Top 5 Talente galten. Bei RB kann ich mich erinnern, dass Ende der 90er (als ich in den Staaten studierte und arbeitete) die Rams einen ganz weit vorne genommen haben dem geistige Verwirrung nachgesagt wurde. Die Rams und der kultige Dick Vermeil haben den nach einer Saison dann auch rausgeschmissen.

    Warren Sapp galt als drogensüchtig (Gerüchte, aber nie irgend ein Nachweis) und wurde an Pos. 12 von den Buccaneers genommen. Die Geschichte (SB-Sieg) ist bekannt, aber ohne die Gerüchte wäre Sapp an Pos. 1 gegangen.

    Bei QB sind die Gerüchte natürlich tödlich weil man Führungsqualitäten erwartet und wenn der QB ein schwieriger Charakter ist, haben Mannschaft und HC ein Problem. Bei Ryan Mallett stört mich, dass es keine KONKRETEN Vorwürfe gibt, sondern nur in den Raum gestellte „character issues“ usw… Die Autoren und Blogger, die Mallett solche vorwerfen, sollen endlich konkret werden!!1

  6. Ach ja, nochwas: Für mich ein Horrorszenario, wenn Mallett zu den Raiders muss (Hawgs-Fan und Raiders-Hasser). Aber wie Koblenzer sehe ich auch Parallelen: Arm für das vertikale Spiel, (vermutlich) unsichere Persönlichkeit, Gunslinger-Typ. OAK pickt erst in der 2. Runde und Mallett wird dorthin fallen, wenn ihn die Medien weiter niederschreiben… *schauder*

  7. Pingback: NFL Combine: Notizzettel zum Abschluss « Sideline Reporter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.