Mister, Ihr Zertifikat?

Keine Frage: Es gibt an Tagen wie heute schlimmere Nachrichten. Aber heute haben DeMaurice Smith und seine NFLPA sich zur Dezertifizierung entschieden. Sofern ich meinem amerikanischen Studienfreund Glauben schenken darf, steht uns damit ein (mindestens) monatelanger Arbeitskampf „Millionäre gegen Milliardäre“ bevor.

Oder mit anderen Worten: Die NFL-Saison 2011 ist ist ernsthaft in Gefahr.

Um die AFL-CIO („Join people across America who are rising up to support workers in Wisconsin, Ohio, Indiana and other states fighting for middle-class (sic!) jobs.“) zu zitieren:

Unfortunately, the NFL and its 32 team owners, who have enjoyed the fruits of a 9 billion dollar industry in a devastating economy for working families, could not reach a fair deal with the men who risk their health and safety to play professional football. In light of this unfortunate situation, the players have decided to renounce the NFLPA’s status as their exclusive bargaining unit. Working people stand shoulder to shoulder with the players and their right to protect themselves and their families through anti-trust laws that prohibit illegal and greedy corporate behavior.

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Miami Dolphins in der Sezierstunde

Miami Dolphins Stadium

Unerklärlich heimschwach. Gestatten: Miami Dolphins - ©Flickr

Nächster Teil der Sezierstunden, diesmal dran: Die Miami Dolphins. Diesmal kein Eigenprodukt, sondern verfasst von Herrmann, Blogger auf Vier Viertel plus Nachspielzeit, an den an der Stelle ein herzliches Dankeschön geht! Was die Fußball-Blogger können, schaffen auch die Football-Blogger – also: Der Gastbeitrag von Herrmann. Vui Spaß 😉

Die Miami Dolphins sind mit großen Ambitionen und zwei Auftaktsiegen in die Saison gestartet, mit dem Anspruch angetreten, den Patriots und den Jets in der AFC East Paroli bieten zu können, beendeten die Delphine die Saison 2010 mit drei Niederlagen in Folge – gegen die Bills, Lions und ein Patriots-Team, für das es in Woche 17 um gar nichts mehr ging. Im Januar beschäftigte man sich in Südflorida nicht mit den Playoffs, sondern mit drängenden Fragen nachdem Umbau: braucht man einen neuen Head Coach? Braucht man einen neuen Quarterback? Braucht man neue Running Backs? Daß man zumindest einen neuen Offensive Coordinator finden mußte, war ausgemachte Sache.

Gewinnen

Hey, den Nolan gibt's auch in kurzen Hosen! ©Wikipedia

Aber der Reihe nach. Begonnen wurde die Saison mit zwei Auswärtssiegen in Buffalo und Minnesota (15-10, 14-10). Schon hier wurde deutlich, daß die Verteidigung unter dem neuen Defensive Coordinator Mike Nolan das Prunkstück des Teams ist – der Angriff dagegen die offensichtliche Achillesferse. Größtes Problem war die völlige Kreativlosigkeit von OC Dan Henning. Die Wildcat wurde über Bord geworfen, weil die meisten Gegner sich gut darauf eingestellt hatten und danach fiel Henning nicht viel mehr ein als die (in Running-Back-Jahren) steinalten Ronnie Brown (29) und Ricky Williams (33) durch die Mitte laufen zu lassen, was bei Williams noch für 4,2Yds/Versuch reichte, bei Brown lediglich für 3,7Y/A. Notlösung war dann meistens ein verzweifelter Versuch QB Chad Hennes, irgendwie auf die neue Wunderwaffe WR Brandon Marshall zu werfen. Marshall,vor der Saison für zwei 2-nd-rd-picks aus Denver gekommen, war einer der wenigen Lichtblicke in diesem „Angriff“ mit 86 Receptions für 1014 Yards.

Mithalten

In Woche drei verlor man knapp gegen die Jets. Beim Stand von 23-31 in der letzten Minute waren die `Fins schon bis an die 6-Yard-Linie marschiert, ehe Henne beim letzten vierten Versuch intercepted wurde. Im Monday Night Game eine Woche später verlor Miami dann auf legendäre Weise daheim gegen New England. Zur Halbzeit führten die Delphine noch mit 7-6 gegen die Patriots; was dann in der  zweiten Hälfte passierte, hatte man so in der NFL noch nicht gesehen.

Den Kickoff trägt Brandon Tate über 101 Yards in die Endzone. Der anschließende Ballbesitz für Miami endet schnell bei einem Punt – der von Pat Chung geblockt wird. Im vierten Viertel blockt Chung auch einen FG-Versuch, den Kyle Arrington zum Touchdown zurückträgt. Und weil der aggressive Safety noch nicht genug hatte, fängt er schließlich auch noch einen Paß von Henne ab und macht die sechs Punkte selbst. Am Ende hält Miami die Patriots bei nur 265 Yards, macht selber 400 und verliert 14-41.

Nach der folgenden Bye-Week spielen die Delphine fünf Wochen lang wieder sehr anständig, vor allem ihre starke Defense hält sie regelmäßig bis zum Schluß im Spiel. Siegen beim späteren Super-Bowl-Gewinner Green Bay, in Cincinnati und gegen Tennessee stehen nur eine 1-Punkt-Niederlage gegen Pittsburgh sowie eine schwache Leistung in Baltimore gegenüber.

Verlieren

Der Knackpunkt der Saison war das Thursday Night Game in Woche 11 gegen Chicago. Zu diesem Zeitpunkt hatten die `Fins einen Record von 5-4. Die Niederlagen waren knapp und ärgerlich, aber nicht das Ergebnis unterirdischer  Leistungen – die Playoffs waren noch fest im Blick. Die Probleme im Angriff meinte man mit ein bißchen Arbeit abstellen zu können. Allerdings hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon QB Henne und LT Jake Long verletzt. Henne wurde gegen Chicago von Tyler Thigpen ersetzt, denn auch Backup Chad Pennington hatte sich verletzt. Long, einer der besten Left Tackles der Liga, spielte von da an verletzt die Saison zu Ende und das sah man deutlich. Zu allem Überfluß haben sich im Laufe des Spiels auch noch WR Marshall und Center Cory Procter verletzt. Weil OC Henning dann auch noch von allen guten Geistern verlassen schien – 3rd-stringer Thigpen sollte in einem knappen Spiel 29 Mal den Ball werfen, Brown und Williams zusammen nur sechs (!) Carries bekommen – war der Endstand: Miami 0, Chicago 16. Wieder einmal hatte die Verteidigung hervorragend gespielt, während die Offense kein Bein vor das andere bekam.

Von dieser Niederlage erholte sich Miami nicht mehr. Nach einem letzten Aufbäumen gegen Oakland Ende November (33-17) setzte es vier Schlappen in den letzten fünf Spielen, in denen die Dolphins gerade mal 68 Punkte aufs Scoreboard brachten. Die Verteidigung spielte unterdessen so überragend, daß in Woche 14 absurderweise sechs First Downs und 10 Punkte reichten, um bei den New York Jets zu gewinnen.

Ausmisten

Im Januar ging’s dann rund. Die Playoffs wurden zum zweiten Mal in Folge nach nur 7 Siegen in der Regular Season verpaßt. Man ist endgültig nur noch die Nummer 3 in der AFC East hinter den Patriots und den Jets und der einzige Grund, daß die Mannschaft aus Südflorida mal Gesprächsthema ist, sind die illustren Anteilseigner Venus & Serena Williams, Marc Anthony und Gloria Estefan – die allesamt nur einen einzigen Heimsieg genießen durften.

Als erste Maßnahmen wurde OC Henning rausgeworfen. Head Coach Tony Sparano, der harte Hund mit der Sonnenbrille, war auch schon so gut wie weg. Owner Stephen Ross hat erst versucht, Jim Harbaugh, den Cheftrainer von Stanford, nach Miami  zu locken. Als ihm das nicht gelang, hat Ross auch bei den Super-Bowl-Ring-Trägern Bill Cowher und Jon Gruden angefragt, die blieben aber lieber im Fernsehen bei CBS bzw. ESPN. Nachdem die öffentlich gewordenen Versuche, einen neuen Head Coach mit großem Namen zu verpflichten, scheiterten, bekam Sparano eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre.

Als neuer OC wurde dann Brian Daboll verpflichtet, der selbige Position in den letzten zwei Jahren bei den Cleveland Browns innehatte – die Browns, die neben den Panthers die einzige Mannschaft waren, die noch weniger Punkte erzielte als Miami. Dabolls Verpflichtung kann wohl einzig auf seine tollen (Coaching-)Wurzeln zurückgeführt werden: er war fünf Jahre lang im Offensive Staff der New England Patriots, bevor ihn Eric Mangini erst als QB-Coach mit zu den Jets nahm und anschließend eben als OC mit nach Cleveland. Daß Daboll aus den ´Fins mehr Offensivpower rausholen kann als Henning ist eine gewagte Wette. Heath Evans, der unter Daboll bei den Patriots gespielt hat, ist sich sogar sicher, daß der Dolphins-Angriff noch schlechter ist als vorher.

Ausblick

Chad Henne

Chad Henne - ©Wikipedia

Ein neuer Offensive Coordinator wird aber so oder so nicht reichen, um in Miami einen besseren Angriff aus dem Boden zu stampfen. Man benötigt vor allem einen explosiven Playmaker, idealerweise einen Percy-Harvin- oder Dexter McCluster-Typen, der die beiden WR Marshall und Davone Bess ergänzt. Dazu braucht man ganz dringend frische Beine auf der Running-Back-Position, zumal Brown und Williams auch Free Agents sind. Schließlich noch einen Starter auf einer der Guard-Positionen. Viertes Bedürfnis sind bessere Leistungen auf der Spielmacherposition. Hier sollte man Chad Henne noch nicht abschreiben. So schwach er teilweise auch gespielt hat, so litt er doch erheblich unter seinem überforderten Offensive Coordinator und hatte auch relativ viel Pech. Pennington und Thigpen sind Free Agents, einer wird wohl gehen. Ansonsten sind alle Leistungsträger für die kommende Saison unter Vertrag.

Die Defense dagegen ist hervorragend aufgestellt. Miami hat nur 264 1st Downs zugelassen, der drittbeste Wert der Liga; sie waren Sechster in zugelassenen Yards  und stellten die drittbeste Lauf-D mit 3,6 Yards pro Carry. Paul Soliai, der Anker der 3-4-Defense, wurde per Franchise-Tag für ein weiteres Jahr gebunden. Für die zwei DE-Positionen hat man mit Kendall Langford, Randy Starks und Phillip Merling gleich drei gute Leute. Dahinter ist der starke ILB Karlos Dansby der Anführer des jungen LB-Corps. Neben Dansby spielte mit Rookie Koa Misi einer der besseren OLB in der AFC und auf der anderen Seite lehrt Cameron Wake die gegnerischen Quarterbacks das Fürchten (14 Sacks 2010). Sean Smith und Vontae Davis, 1st- bzw. 2nd-round-pick 2009, sind als Cornerbacks gesetzt. Die 23 und 25 Jahre alten Reshad Jones und Chris Clemons kämpfen um den Stammplatz neben dem 33jährigen Yeremiah Bell – dem einzigen Starter über 29. Auf dieser Seite des Balles sieht es rosig aus für die Zukunft.

Draft

In der Draft muß man sich fast ausschließlich um die Offense kümmern. In Runde 1 an Position 15 wird es höchstwahrscheinlich Alabamas RB Mark Ingram werden, so er noch nicht weg ist. Den 2nd-rd-pick hat infolge des Marshall-Trades Denver. In der dritten Runde sollte man sich dann um einen Guard kümmern und in den späteren Runden reicht es, sich um Tiefe im Kader zu sorgen (Secondary, O-Line).

Wenn es gelingt, die Angriffsmaschine zum Laufen zu bringen und die Verteidigung das Level halten oder sich noch verbessern kann, dann spielt man in Miami nächstes Jahr wieder um die Playoffs mit.

Weitere Sezierstunden gibt es hier oder unter dem Tag „Sezierstunde“.

BREAKING: Konformist in anderem Sinne

Nächster Stein aus der Mauer gebrochen – aus der Mauer der NCAA, der Hüterin der Moral im College Football: Jim Tressel ist für zwei Spiele suspendiert worden – von seiner eigenen Universität. Tressel ist nicht irgendwer. Tressel ist der Head Coach der Ohio State Buckeyes, eines der größten und erfolgreichsten Programme der letzten Jahre und neben Michigan das Flagschiff der Big Ten Conference.

Tressel Ohio State University

Jim Tressel - ©Flickr

Tressel ist der Inbegriff des Konformisten, die personifizierte Strickjacke, der Traum aller republikanischen Schwiegermütter. So abgrundtief konservativ wie Tressel sich gibt, sendete Tressel damit ein Signal an die Öffentlichkeit: Seht her, für mich gelten noch Regeln der Gesellschaft!

As it turns out, ist Tressel tatsächlich Konformist – Konformist im Sinne vieler Collegefootball-Coaches: Für den Sieg wird alles in Kauf genommen und bei Regelwidrigkeiten werden schon mal beide Augen zugedrückt.

Im Jänner hatte die NCAA fünf Buckeyes gesperrt, weil sie Geld angenommen hatten und ihre Championship-Ringe verhökert hatten. Tressel wusste davon,  unternahm aber dagegen nichts. Das ist gegen die Regeln der NCAA. Tressel gegen die Regeln!

Die Ohio State University hat Tressel nun eigenhändig gesperrt – für die ersten zwei Saisonspiele 2011/12 – Spiele gegen Akron und Toldeo, die locker gewonnen werden sollten. Die Sperre kann so interpretiert werden, dass OSU schlimmeren Bestrafungen durch die NCAA entgehen wollte. Die NCAA kann trotzdem noch zusätzliche, härtere Strafen verhängen.

Siehe auch Mark Schlabachs Kommentar dazu.

Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Arrowhead Stadium Kansas City Chiefs NFL Sideline Reporter

Arrowhead Stadium in Kansas City - ©Flickr

Die Chiefs gelten gemeinhin als positive Überraschung. Nach Jahren des Niedergangs aus dem Nichts eine 10-6 Saison samt Divisionssieg gezaubert. Ich tue mich recht schwer, die Mannschaft einzuordnen. Zum einen natürlich der Aufwärtstrend.

Aber Grund zum Hypen sehe ich dennoch wenig – ein ganz schwacher Spielplan (nicht ein einziger der 10 Siege gegen Teams, die zum Zeitpunkt eine positive Bilanz hatten), kollabierende Divisionsgegner (Chargers, I’m looking @you!) und fast schon absurde Abhängigkeit vom Laufspiel. Positiv auf der anderen Seite: Der Kern der Mannschaft ist blutjung und versehen mit viel Talent, dank reichlich hohen Draftpicks in den letzten Jahren.

In den Playoffs gegen die abgewichsten Ravens offenbarten die Chiefs die Schwächen einer unerfahrenen Mannschaft, die keinen Plan B heranziehen kann, wenn das Laufspiel nach 1-2 langen Runs ausgeschaltet wird. Die Verunsicherung griff um sich und führte zu haufenweise Turnovers. Alles, was in der Regular Season halbwegs lief, flog den Chiefs um die Ohren und es zeigte sich, dass QB Matt Cassell eben nur bei gegebenen Umständen (funktionierendes Laufspiel) fehlerlose Leistung bringen kann.

Gebt mir einen WR!

Die Grundvoraussetzungen in Kansas City sind um Cassell herum gegeben: Funktionierendes Laufspiel mit One-Two-Punch, intakte Offensive Line (falls C Wiegmann nicht doch noch zurücktreten sollte), junger Tight Ende Moeaki, mit WR Dwayne Bowe ein Mann für 1000+ Yards und 15 Touchdowns.

Diese Offense braucht allerdings händeringend noch einen zweiten Wide Receiver. Nach Bowe (1162yds, 15TD) und Moeaki (556yds, 3TD) kommt noch RB Charles und dann laaaaaange nichts. Gebt Cassell einen zweiten NFL-würdigen Wide Receiver und es wird auch das Laufspiel entlasten.

Kansas City pickt an #21. In der ersten Runde werden die beiden Top-WRs Jones/Green weg sein, aber aus dem Pulk Baldwin/Young könnte noch einer zu haben sein. Baldwin wäre ein groß gewachsener Rohdiamant, der bisher aber mehr von seinen athletischen Voraussetzungen denn seinen Leistungen gehypt wird, Young ein Winzling, aber ein pfeilschneller und fangsicherer. Tendieren würde ich zu Young.

Problematisch an der Offense: Coordinator Charlie Weis ist gen University of Florida abgewandert. Nachfolger Bill Muir hat schon in den 70ern gecoacht und war zuletzt hauptsächlich für die Offense Line zuständig. Ebenso neu ist QB-Coach Jim Zorn, der als Head Coach auf Jahre hinaus verbrannt sein dürfte, aber einen exzellenten Ruf als Quarterback-Coach genießt. Nicht zu unterschätzen auch: Head Coach Todd Haley ist ehemaliger OffCoord und sollte weiterhin massiven Einfluss nehmen können.

Denn die Defense ist in guten Händen – bei Romeo Crennell.

Gib mir Pass Rush!

Um mal Abwechslung reinzubringen – eine Mannschaft, die Pass Rush braucht! Pass Rush! Haben Sie gehört??

Eric Berry The Fifth Dimension Kansas City Chiefs NFL Sideline Reporter

The Fifth Dimension - ©Wikipedia

Für mich persönlich ist die Defense der Chiefs eine der Geschichten der Saison – was dort an jungem Spielerpotenzial herumstolziert, kann in absehbarer Zeit ganz groß werden: In der Secondary u.a. der großartigen Safety Eric Berry („The Fifth Dimension“), der noch besser werden soll, und der Cornerback Brandon Flowers. Die Linebackers können mit Derrick Johnson und dem liberanisch/amerikanischen Passrush-Spezialist Tamba Hali (bekam erstmal die Franchise Tag übergestülpt).

Kopfzerbrechen bereitet einzig die Defensive Line: Die teuren Draftpicks Tyson Jackson und Glenn Dorsey sind zwar gut, aber nicht so dominant wie erwartet. Dorsey hat sich zudem als unfähig gezeigt, den in der 3-4 so wichtige Nose Tackle zu geben. Eben dieser Nose Tackle dürfte in Kansas City händeringend gesucht werden. Der US-Running Back an meiner Würstelbude hat mir einmal gesagt:

Nose Tackle for a 3-4 defense is as important as the catcher in baseball.

Problem: Dominante Nose Tackles sind schwer zu finden. Wir suchen hier fette Säcke (150kg aufwärts), die so athletisch sind, dass sie es mit 2-3 Blockern aufnehmen können und dem Pass Rush dadurch Raum und Zeit geben.

„Pass Rush“ wird eben auch noch gesucht – Hali hat schon die Franchise Tag über und könnte spätestens in einem Jahr zu teuer werden, aber auch schon für 2011/12 ist jede Verstärkung bzw. Verbreiterung des Kaders hoch willkommen. Muss ich wiederholen, dass auch in den späteren Runden noch Qualität auf dieser Position vorhanden ist, zumal vermehrt 3-4 OLB/DEs aus den Colleges strömen.

Ausblick

Matt Cassell

Matt Cassell - ©Wikipedia

Trotz Defense, trotz Laufspiel, trotz gutem Coaching: Das Spiel der Chiefs steht und fällt mit QB Matt Cassell. Thomas Jones kann daran anschließen, was er seit gefühlt drei Jahrzehnten macht, Jameel Charles kann die 5,6yds/Lauf halten, es nützt nichts, wenn Cassell nicht zulegt.

Cassell ist kein Schlechter – aber um von einem mittelmäßigen Team zu einem Top-Team zu mutieren, brauchst du in der NFL entweder eine sensationelle Defense, oder einen Top-Quarterback. Beides haben die Chiefs noch nicht und ich werde das Gefühl auch noch nicht los, dass wir es hier mit einer talentierten Mannschaft zu tun haben, die noch 1-2 Jahre braucht, weil noch zu grün. Mal schauen, wie Cassell mit neuen Wide Receivers spielt – schon allein deshalb ist es vital, den „richtigen“ Wide Receiver in der Draftlotterie zu ziehen.

Das Grundgerüst steht. Die Chiefs brauchen jedes Spiel und würden unter einem Lockout leiden junge Hunde mit Maulkorb. Entwicklung ist das Stichwort – für 2011/12 erwarte ich von Kansas City zu diesem Zeitpunkt einen leichten Rückschritt.

Ein Schritt zurück, um den Durchbruch zu schaffen – so sieht es das Script vor.

Weitere „Sezierstunde“-Folgen gibt es hier zu finden.

Washington Redskins in der Sezierstunde

Voran meine grandiose Saison-Prognose:

Ich traue Washington 2010 durchaus die Playoffs zu, selbst in der schwierigen NFC East. Wenn Snyder die Klappe hält und seine Coaches machen lässt, wenn die Defense so weiter spielt und die Offense unter Shanahan/McNabb den Erwartungen gerecht wird, sind die Redskins für mich sogar Favorit in dieser Division.

Ich werde mich an der Stelle nicht auf das Wörtchen „wenn“ hinausreden. Die Prognose steht neben meinen Schuhen – so geht es, wenn man aus blanker Not, nachher als Genie dazustehen – den Risikotipp rausposaunt.

Wobei: Im Prinzip war alles gegeben. Neuer Headcoach mit Sachverstand, ein eigenhändig mundtot gemachter Owner und ein hochkarätiger, neuer Quarterback. Sogar die NFC East erwies sich als erwarteter Rohrkrepierer.

Trotzdem war Washington am Ende mit 6-10 Tabellenletzter. Frage: Wie waren die Probleme gelagert?

Antwort: Vielschichtig.

Mike Shanahan

Mike Shanahan - ©Flickr

Mike Shanahan machte von Beginn an einen auf Disziplin-Nazi und vergraulte damit den faulen und überbezahlten DT Albert Haynesworth. Im Lauf der Saison verärgerte Shanahan dann auch noch QB Donovan McNabb, indem er ihn mehrfach öffentlich demontierte.

Sportlich war Washingtons Offense hilfloser als erwartet, weil das Laufspiel schnell kollabierte und McNabb nicht dauerhaft in der Lage war, das Problem zu übertünchen. Das 16-13 (OT) gegen die Packers Anfang Oktober ist mir dabei im Gedächtnis geblieben: Trotz Sieg eine extrem maue Vorstellung, weil das Laufspiel in all seinen Facetten abgewürgt war.

Weil es immer noch schlechter geht, bitteschön – die Defensiv-Statistiken: DVOA #25 overall, #18 Lauf, #27 Pass. In absoluten Zahlen: #31 overall, #26 Lauf, #31 Pass. Schande der Saison war natürlich die desaströse Heimschlappe gegen Vicks Eagles Mitte November (mit 59 kassierten Punkten noch gut bedient).

Was tun?

Zuerst: Eine Umstellung auf eine 3-4 Defense ist bekanntlich nicht einfach, und nachdem Haynesworth sich unfähig zeigte, den Nose Tackle zu spielen, war das System erstmal fürn Arsch. Für Shanahan muss die oberallererste Priorität lauten: Passende Spieler für die Systemumstellung einkaufen. Shanahan scheint auch über diesen Weg seine Defense in den Griff bekommen zu wollen, denn der Trainerstab blieb unangetastet.

Wichtigste Positionen dabei IMHO: Nose Tackle, Pass Rusher (Hey, alle wollen Pass Rusher!), Cornerbacks (aufgrund vieler auslaufender Verträge ist die Position arg dünn besetzt).

Gute Nose Tackles sind schwer zu finden, aber ich glaube kaum, dass der eigensinnige Shanahan nochmal mit Haynesworth probieren wird. Pass Rusher sollte dagegen weniger ein Problem darstellen – der Jahrgang gilt im Draft als reich bestückt. In der Secondary ist mit O.J. Atogwe schon ein guter Safety eingekauft worden, die Cornerbacks (Buchanon, Rogers) sollten nach Bedarf gehalten werden.

Problematischer ist die Offense: QB McNabb ist in Landover vermutlich verbrannt. Ob Shanahan wirklich mit REX GROSSMAN die Saison bestreiten wird? Und: Wo sind die Abnehmer für des Quarterbacks Pässe?

Es könnte auch einen Running Back brauchen – Clinton Portis ist raus. Shanahan war in der Vergangenheit dafür bekannt, No Names zu Top-Running Backs zu machen. Ryan Torain war über Phasen auch so einer. Aber eben nur über Phasen.

Draftpick #10

Die Redskins sind zur Zeit sowas wie das dark horse an der #10 im Draft – gesegnet damit, alle Optionen offen zu haben: Einer der fünftausenvierhundertsechsundsechzig Quarterbacks wird auf alle Fälle frei sein, vermutlich auch einer der beiden Top-WRs (Julio Jones, A.J. Green), die beide den Skins gut zu Gesicht stünden. Ein Trade nach unten sollte ebenso eine Option sein wie ein Trade hinauf.

Der Gedanke, einen QB zu draften, sollte nicht ganz abgewiesen werden. Locker, Gabbert und vor allem Newton – drei mobile Quarterbacks, die den Ball ein paar Dutzend Yards das Spielfeld hinunter jagen können. Wie war datt nochmal mit den Elways, Plummers und Cutlers dieser Welt?

Sollte Washington sein Auge auf einen speziellen der drei werfen, könnte ein Trade in eine bessere Draftposition von Nöten sein. Sollte kein CBA bis zum Draft unterzeichnet werden, kann man allerdings keinen McNabb als Handelsware einsetzen…

Ausblick

Ich bin einigermaßen schockiert über die gezeigten Leistungen der Redskins. Ich hatte die Mannschaft deutlich „runder“ erwartet – aber die Defensivumstellung war wohl ärger als erwartet und wenn dein Laufspiel so abschmiert, ist „6-10“ vorprogrammiert.

Da die Löcher eher breit gestreut sind und aktuell schwer vorhersehbar ist, in welche Richtung die größten Bemühungen angestrengt werden, ist eine Prognose schwierig. Schwer vorstellbar, dass Grossman der QB #1 sein wird oder dass McNabb noch einen Funzen Bock auf Shanahan hat, von daher ist QB in Runde 1 vielleicht wirklich am wahrscheinlichsten.

Cam Newton-Show in Landover?

Weitere „Sezierstunde“-Ausgaben gibt es hier.

Minnesota Vikings in der Sezierstunde

Minneapolis Metrodome kollidiert

Symbolisch und fast schon Tragikomödie - Das Dach des Metrodomes kollabierte ähnlich schlimm wie die Saison der Minnesota Vikings - Foto: Bobak Ha'Eri

Nach dem erneut unsäglichen Theater rund um QB Brett Favre und sein sechshundertsiebenundachtzigstes Comeback waren die Vikings für mich eine Unbekannte und ich war gespannt auf die ersten Auftritte – ESPN war ja zu Saisonbeginn regelmäßig sehr lila gefärbt.

Es war erschreckend: Eine Offense komplett aus dem Rhythmus, eine auf Normalgröße gestutzte Defense und ein weltabgewandter Head Coach an der Seitenlinie. Verletzungen, Uneingespieltheit und teaminterne Reibereien mixten sich mit Favres Schniedel-Fotostory.

Resultat: Ein krasser Fehlstart, den man mit dem spektakulären Trade für Randy Moss zu korrigieren versuchte, was die Spirale in den Abgrund aber nur um ein paar Prozent beschleunigte und schließlich schon nach zwei Drittel der Saison mit der Demission Moss’ und Entlassung Brad Childress’ endete.

Dass im Dezember bei heftigen Schneefällen das eigene Stadiondach kollabierte und man bei zig Minusgraden und ohne Bieraufschank im Freien spielen musste – geschenkt und ein verhältnismäßig kleines Ärgernis (zumal es den seit Jahren nach einer neuen Arena krähenden Vikings vielleicht nicht mal unrecht gewesen sein dürfte).

Umkrempelungen

Die Vikings werden sich in der nächsten Saison rundumerneuert zeigen, und das liegt nicht nur daran, dass Uropa Favre „definitiv“ (hatten wir das nicht schon mal ein paar Mal?) in den Ruhestand geht.

Neuer Mann am Kommandostand wird Head Coach Les Frazier sein, der ein paar Wochen Erfahrung sammeln durfte und das gut genug hingekriegt hat, um den Posten behalten zu dürfen. Frazier hat sich für seinen Stab einen alten Bekannten eingekauft: Mike Singletary. Die beiden haben einst zusammen als Spieler mit den Bears die Superbowl gewonnen (Jänner 1986). Jetzt ist Singletary nach seiner desaströsen Zeit als 49ers-Coach Fraziers Assistent. Auch die Offense ist in neuen Händen: Bill Musgrave ist aus Atlanta gekommen.

Tavaris Jackson

Kein Franchise-QB: Tavaris Jackson

Musgrave steht nach Favres Rücktritt erstmal ohne brauchbaren Quarterback da, denn Tavaris Jackson wird nach fünf wechselhaften Jahren gehen und Joe Webb gilt als noch nicht annähernd bereit für die komplexe NFL. Neben den besten QBs kommt auch der beste Wide Receiver abhanden: Sidney Rice wird seinen Vertrag wohl nicht mehr verlängern.

In der Defense wird der „Williams Wall“ auseinandergerissen. Bestehend aus Kevin Williams und Pat Williams hat das Defensive-Tackle-Duo drogenunterstützt über Jahre jedes Laufspiel im Ansatz erwürgt. In jüngster Vergangenheit war der Williams Wall aber schon löchriger als gewohnt – sicherlich altersbedingt und wohl auch, weil die beiden mit einer bevorstehenden Sperre nicht mehr jedes Mittel bedenkenlos schlucken konnten. Pat Williams hat mit seinen 38 Lenzen auf dem Buckel am Mittwoch bekannt gegeben, dass er die Vikings verlassen wird.

Die Suche nach dem Häuptling

Der Kern der Mannschaft ist auch nach zwei verschwendeten Jahren unter QB Favre noch eher jung – allein: Es fehlt der Franchise-QB. Ein neuer soll nun via Draft gefunden werden, was 2-3 Jahre Entwicklungszeit verlangt. Dadurch wird aber vermutlich die Blütezeit von RB Adrian Peterson verschenkt – ein ähnliches Problem wie vor ein paar Jahren in San Diego mit dem großartigen LaDainian Tomlinson. Und jammerjammerjammerschade.

Die Vikings haben im Draft Pick #12. Der QB-Jahrgang darf ruhig als nicht überschwänglich angesehen werden, und an #12 dürfte einer der vielen QBs zu haben sein: Der Rohdiamant Jake Locker, der fertigere Blaine Gabbert oder Selbstdarsteller Cam Newton. Ich kann noch keine Tendenz erkennen, in welche Richtung von Offense sich Minnesota entscheiden wird. Ich würde aber auch über einen Chris Ponder (2. Runde) nachdenken. Ungeschickt: Bei Lockout könnte man über Monate die Option „Trade für einen QB á la McNabb“ vergessen.

Minnesota hat auch andere Schwachstellen: Ein neuer Defensive Tackle wird händeringend gesucht. Nur leider keiner im Draft, der Williams heißt. Dafür aber gilt der Jahrgang für Defensive Liner als überdurchschnittlich.

Die Secondary war außerordentlich unzuverlässig und immer gut für zugelassene Big Plays. Soweit ich das überblicke, ist nur ein einziger Safety und neben CB Antoine Winfield eine Reihe an namenlosen Cornerbacks unter Vertrag – Verstärkungen höchst erwünscht.

Verstärkungen der Kategorie „Ergänzungsspieler“ braucht es bei den Linebackers, von denen nur fünf Vertrag haben. Geschichte der abgelaufenen Saison war MLB E.J. Henderson, der nach einer fürchterlichen Verletzung ein ganz spezielles Comeback feierte und am Ende sogar Pro Bowl spielen durfte.

In der Offense sollten O-Line und Running Backs (Peterson & Gerhart) passen, aber die Wide Receivers bilden ein Fragezeichen. Rice wird gehen, Percy Harvin hat seit gefühlt 50 Jahren mit Migräne zu kämpfen und abgesehen davon ist wenig Klangvolles da, mit dem sich der geneigte Vikings-Fan hochziehen kann.

Ausblick

2011/12 könnte ein bitteres Jahr werden: Vermutlich wird man mit Rookie-QB spielen und im Falle eines Lockouts nur eine arg beschnittene Vorbereitung bestreiten können. Deswegen – und wegen der wenig überzeugenden Top-Quarterbacks im Draft – würde ich an Vikings-Stelle drüber nachdenken, einen Defensive Tackle in Runde 1 zu nehmen und später Chris Ponder oder Andy Dalton draften. Auf diesen Rat wird Les Frazier aber kaum hören…

Neben dem Sportlichen wird das Front Office der Vikings eine strategische Entscheidung zu treffen haben: Neues Stadion, altes Stadion renovieren oder aus den Twin Cities ausziehen? Die Aktien eines Stadion-Neubaus sollen in den letzten Wochen gestiegen sein, auch wenn man sich in Minneapolis/St. Paul noch nicht einig ist, ob man das Stadion mit Dach versehen soll.

Die bisherigen Sezierstunde-Artikel sind auf der NFL-Überblicksseite (ganz unten) zu finden.

May God Bless All Of You

Free Agency gibt es in diesem Jahr keine, aber trotzdem werden in den NFL-Franchises fleißig die Kader ausgemistet und für den NFL Draft herausgeputzt. Solange das Collective Bargaining Agreement (CBA) noch aktiv ist (also noch 7 Tage lang), dürfen Spieler gefeuert werden und vertragslose Spieler eingekauft werden.

Wichtige Spieler, deren Verträge mit dem CBA-Ende auslaufen, können per Franchise Tag gehalten werden (so geschehen bei Vick & Manning), wobei nicht klar ist, ob diese unter einem neuen CBA noch gültig sein werden.

Zweites Fragezeichen: Restricted Free Agents (RFA) vs. Unrestricted Free Agents (FA) – bis zum Ende der Saison 2009/10 waren Spieler, deren Verträge ausliefen und mindestens vier Jahre in der Liga waren, uneingeschränkt frei, auf dem Markt ihren Wert zu testen. Seit dem vergangenen Frühjahr sind sie erst ab dem sechsten Jahr frei.

Spieler, deren Verträge in diesen Tagen auslaufen und die weniger als sechs Jahre NFL-Profis sind, sind somit RFAs, d.h. ihre Rechte liegen auch nach Vertragsende noch beim Team. Das Team kann eine sog. Tender verhängen. Das ist bsp. ein Einjahresvertrag zu einer gewissen Höhe. Dadurch kann der Spieler nur wechseln, sofern eine andere Mannschaft daherkommt und Draftpicks sowie mehr Geld bietet.

Im vergangenen Jahr hat diese Neuregelung z.B. Shawne Merriman viel Geld gekostet. Merrimans Fünfjahresvertrag war ausgelaufen und unter den alten Konditionen wäre er Free Agent gewesen und hätte abkassieren können. Aber da er weniger als 6 Jahre Profi gewesen war (nämlich 5), konnten die Chargers eine 3Mio.-Tender verhängen und Merriman spottbillig halten, weil keine andere Mannschaft für Merriman 1st und 3rd round picks zahlen wollte.

Heuer haben wir solange keine Free Agency, bis eine Einigung im Arbeitskampf gefunden ist. Trotzdem wechselten einige Spieler in diesen Tagen die Mannschaften – weil sie aus ihren Verträgen entlassen worden sind (diejenigen, die Free Agents werden, haben noch Vertrag, bis das CBA ausläuft, und können daher bis zur Einigung nicht wechseln).

Die Recken in den Schützengräben

Tommie HarrisDie Chicago Bears haben ihren mehrfachen Probowl-Defensive Tackle Tommie Harris gefeuert. The Real Deal Harris antwortete darauf mit einer Liebeserklärung in einer Chicagoer Tageszeitung, so herzerweichend, dass nur noch ein Violinenquartett, Kerzenlicht und ein edler Tropfen fehlten, um das Schmalz so richtig zum Rinnen zu bringen – links nachzulesen. Dass der eiskalte Profisport ausgerechnet in diesen Tagen mit so was aufbieten kann, ist doch auch mal ganz nett.

Ein zweiter ganz großer Defensive Tackle der letzten Jahre war Shaun Rogers (Lions, Browns). – Das Riesenbaby wurde in Cleveland rausgeschmissen und autographierte unmittelbar danach für ein Jahr und $4 Mio. bei den Saints.

Defensive Tackle, die dritte: Marcus Stroud hat nach seiner Dienstenthebung bei den Bills in New England unterschrieben. Stroud gehörte wie Rogers einst zu den ganz Großen seines Fachs, als Anführer einer der dominantesten Laufdefenses in Jacksonville. Zuletzt in Buffalo war Stroud verletzungsanfällig und von daher ist es leicht überraschend, dass Bill Belichick sich Stroud für zwei Jahre anlacht.

BTW, Strouds College-Teamkollege Richard Seymour, einst von eben diesem Belichick aus New England vertrieben, hat in Oakland vor zwei Wochen für zwei Jahre unterschrieben.

Ein vierter Defensive Tackle von Format ist erst gestern gefeuert worden: Jamal Williams, dreifacher Pro Bowler in San Diego und zuletzt in Denver am Werkeln. Das allerdings in einer 3-4 Defense und in Denver will John Fox bekanntlich die 4-3 reinstallieren. Williams muss so unflexibel sein, dass die Broncos ihn trotz großer Not auf dieser Position gehen lassen.

Von entlassenen Topleuten strotzt es nur so: Auch Kris Jenkins ist ausgeschmissen worden. Jenkins war dauerverletzt, ABER: Wenn fit, einer der dominantesten und ein Hauptfaktor, dass die Panthers sich 2003/04 bis in die Superbowl durchgewürgt haben. Dieses Sports-Science-Video mit Jenkins ist mit einem Wort am besten beschrieben: Scary. Nein, in zwei: Scary shit.

Safety first

Mehrere Top-Verteidiger waren in den letzten Tagen vertragstechnisch in den Schlagzeilen. Angefangen bei SS Bob Sanders, einem der Allerbesten, wenn er fit ist. „Wenn“ ist dabei das Schlüsselwort: Sanders hat in 7 Jahren Profitum nur zweimal (!!!) mehr als sechs Regular Season-Spiele bestritten – dabei aber 2x Pro Bowler gewesen und einmal Defensive MVP. Sozusagen der Kris Jenkins auf der Safetyposition. Sanders wurden in Indianapolis nach zuletzt nur mehr 9 Einsätzen in drei Jahren rausgeschmissen und hat bei den San Diego Chargers einen neuen Arbeitgeber gefunden.

Noch ein Safety: O.J. Atogwe, einer der wenigen Kanadier in der NFL und in St Louis entlassen, weil $8 Mio. einfach zu viel waren. Atogwe hat den selben Weg eingeschlagen wie einst Safety Adam Archuleta und ist von den Rams zu den Redskins gegangen (5 Jahre, $26 Mio.).

Der Hawk ist wieder da

Sogar $10 Mio. hätte Linebacker A.J. Hawk in Green Bay kassiert – viel zu viel. Green Bay schmiss Hawk kurzerhand raus, um ihn gestern wieder per Fünfjahresvertrag weiter zu beschäftigen.

Ein anderer gefeuerter Linebacker/Defensive End dürfte es schwerer haben: Vernon Gholston, #6 Pick der Jets vor drei Jahren im Draft. Gholston kam damals von der Ohio State University und absolvierte eine Combine, die die Scouts erstmal atemlos zurückließ. Gholston säckelte schnell seine Millionen ein. Jahre später versucht der geneigte Experte dann gerne, den Koeffizienten aus „Millionen pro Sack“ zu errechnen. Bei Gholston dürfte die Mathmatiker [$ Mio. geteilt durch #Sacks] vor Probleme stellen: Division durch Null.

Nicht mehr so stürmische Hurricanes

TE Jeremy Shockey (TD-Catch in der Superbowl 44) wurde in New Orleans rausgeschmissen. Shockey hat schnell einen neuen Arbeitgeber gefunden – und er zeigt, dass es ihm auf seine alten Tage hauptsächlich noch um $$$ geht: Unterschrift bei den Carolina Panthers, die locker 2-3 Jahre von NFL-Relevanz entfernt sein sollten.

RB Clinton Portis, früher wie Shockey bei den Miami Hurricanes am College, ist der noch größere Name. Portis’ Zeit in Washington ist abgelaufen. Zu viele Verletzungen, zu hohes Gehalt, zu wenige Spiele, zu wenig Leistung. Portis dürfte zwar schon ausgesorgt haben, aber Portis ist trotz seiner langen Karriere noch keine 30 und könnte locker noch den Change-of-Pace-Back in einer Mannschaft mit Superbowl-Chancen geben. Ich bin gespannt, wo der Mann, der einst nach einem 5-TD-Spiel an der Seitenlinie mit Schwergewichtsgürtel und 15kg geschwollenen Eiern herumstolziert ist, landet.

Die Hoffnung lebt [Update]

[Update: Siehe unten im Liveblog – Die Deadline ist erst um 24h und dann noch einmal um 7 Tage verlängert worden.]

Die NFL und die NFLPA haben sich dazu durchgerungen, den CBA-Vertrag um vorerst 24h zu verlängern, um den hochoktanzahlig laufenden Verhandlungen noch eine Chance zu geben. Ob es was bringen wird, who knows?

Auf jeden Fall: Neue Deadline – Mitternacht Freitag/Samstag Ostküstenzeit oder Samstag, 6h MEZ.

Derweil sind die Populisten auf ESPN.com in ihrem Element:

  1. Fan-Abstimmung über zentrale Fragen, mit unüberraschenden Ergebnissen…

Update: Deadline-Verlängerung

[16h25] Lt. New York Times arbeiten die beiden Verhandlungsparteien daran, das aktuelle CBA noch zu verlängern. Die Rede ist angeblich von 7-10 Tagen, die von der NFLPA vorgeschlagen worden ist. Spannend, ob die Owner darauf eingehen werden. Auf jeden Fall ist es ein Zeichen, dass grundsätzlich eine rasche Einigung nicht völlig utopisch ist.

[16h33] Bei ESPN erklären Andrew Brandt (ex-Offizieller der Packers), warum die letzten Verhandlungen 2006 viel einfacher waren und Chris Mortensen (ESPN-Experte), warum der Mediator eine Verlängerung um 7-10 Tage vorgeschlagen hat.

[16h42] Die 24h-Verlängerung soll angeblich einzig mit dem Ziel durchgegangen sein, um heute eine weitere Fristverlängerung aushandeln zu können.

[18h10] Die ganze Szenerie hat offenbar etwas von Und täglich grüßt das Murmeltier. Andrew Brandt (National Football Post) mit einer Analyse, wie es weitergehen sollte.

Aufgeschreckt hat heute Nachmittag ein Artikel von Michael Silver, für mich einer der Top-Schreiber überm Teich. Silver prophezeihte Deal of Armageddon. Schwer zu erraten, was sich „Armageddon“ nennen würde. Silver hat sogar aufgelistet, was er von den Verhandlungen erwartet: 18-Spiele-Saison, Gehalsbündelungen für Rookies, Verhinderung von David Doty (der spielerfreundliche Richter) für zukünftige Verhandlungen. Ich sehe keinen Grund, warum Silver seine Glaubwürdigkeit mit diesem Artikel aufs Spiel hätte setzen sollen – sprich: Die Einigung wird immer wahrscheinlicher.

[19h11] Sports Guy Bill Simmons über den schleichenden Weg des Wahns. Gott sei Dank wird Sideline Reporter diesen Weg so schnell nicht einschlagen (können). Nichtsdestotrotz ein klasse Anschauungsbeispiel.

[23h41] Die Deadline ist tatsächlich um 7 Tage verlängert worden. 7 Tage, um für beide Seiten doch noch eine Übereinkunft in den zentralen Fragen hinzukriegen. Das Prozedere in der Verhandlung läuft so, dass ein Mediator (George Cohen) zwischen zwei Räumen hin und her wechselt – in einem Raum sitzen die NFL-Vertreter, im anderen die Spieler-Vertreter.

Lester Munson erklärt in dem Video, was passiert, wenn die Deadline verstreicht: Die Spieler werden vor Gericht ziehen und versuchen, Richter David Doty zu einer Einstweiligen Verfügung zu bewegen.

Habe grade noch mit einem Jus-Studenten über’m Teich geskyped. Dessen Meinung: Wenn es in diesen 7 Tagen nicht zu einer Einigung kommt, stehen uns schwere (sprich: frostige) Zeiten bevor.

NFL Lockout – Die harten Nippel der NFLPA

Da uns die Aussperrung nur noch 18 Stunden bevorsteht, ein Hinweis auf einen hoch interessanten Q&A-Artikel bezüglich der CBA-Verhandlungen und allem Drum und dran:

The NFLPA’s power play: Cease to exist

Executive summary:

[Achtung, vielleicht sollte man den gestrigen Eintrag gelesen haben!]

Auflösung der NFLPA: Die NFLPA hat zwei gute Gründe, sich sofort als zertifizierte Spielergewerkschaft aufzulösen – 1) weil sie ansonsten ein halbes Jahr warten müsste, was nichts außer Zeitverlust bedeuten würde, und 2) weil sie dann für Streitfragen am „Bundesgericht“ (federal bench mal frei übersetzt) in Minnesota bleiben können. Letzteres ist immens wichtig, da dort mit Richter David Doty ein sehr Spieler-freundlicher Mann den Hammer hält.

Keine Union ist eine Union: Durch die Dezertifizierung wird aus einem Arbeitskampf mit ziemlicher Sicherheit ein Fall für das Gericht, weil die Spieler sich zusammenschließen werden und eine Sammelklage gegen die NFL einreichen werden. Eine Sammelklage ist erst dann möglich, wenn die NFLPA keine zertifizierte Gewerkschaft mehr ist (hängt mit dem US-Arbeitsrecht zusammen, siehe auch den gestrigen Eintrag).

David Doty: Doty hat in den 90ern mit seinen Urteilssprüchen für deutliche Verbesserung der Position der Spieler gesorgt (Free Agency). Daher haben die Spieler ein Klausel einbauen lassen, die letzten Endes immer wieder dazu geführt hat, dass Unklarheiten zum Schluss immer wieder auf Dotys Tableau gelandet sind, von dem die Spieler tendenziell mehr Gegenliebe erwarten.

Dass die NFL sich darauf berufen wird, dass der Urteilsspruch von vorgestern (4 Mrd. Dollar an TV-Geldern werden nicht ausgezahlt, wenn keine Saison stattfindet – die Owner hatten das Geld fest eingeplant, um über den Lockout ohne Verluste drüber zu kommen) „Betrug“ und Doty „voreingenommen“ sei, wird auch vor anderen Gerichten wenig Erfolgsaussicht haben. Doty genießt offenbar einen US-weit exzellenten Ruf.

Vorteil Dezertifizierung: Die Spieler halten durch die Dezertifizierung zwei Waffen in der Hand – 1) die Möglichkeit einer Sammelklage und 2) die Möglichkeit, eine einstweilige Verfügung zu erhalten. Das sind ernsthafte Bedrohungen, weil die Monopolstellung der NFL erst kürzlich in einem Verfahren (NFL gegen American Needle) EINSTIMMIG bestätigt worden ist.

Zu 1) Die Sammelklage bringt den Spielern mit großer Wahrscheinlichkeit einen Sieg vor Gericht. Aber eine Sammelklage dauert Monate bis Jahre.

Zu 2) Die einstweilige Verfügung würde den Lockout aufheben – Alptraumszenario für die Owner. Es gilt aber als sehr unwahrscheinlich, dass das Gericht eine einstweilige Verfügung verhängt (passiert normalerweise nur im Notfall). ABER: Allein die Forderung nach einer einstweiligen Verfügung könnte die NFL und die Owner stark genug in Bedrängnis bringen, dass sie ein akzeptables Angebot machen muss.

Im Prinzip haben die Spieler also allen Grund, mit den ganz harten Nippeln die Dezertifizierung durchzuziehen.

Die Mittel der NFL: Der Versuch der NFL, den Fall vom Gerichtshof David Dotys weg zu bringen, ist zum Scheitern verurteilt. Also bleibt erstmal nur der Weg, Dotys Urteile anzufechten. Zweitens, eine Verzögerungstaktik: Die NFL wird argumentieren, dass die NFLPA nie an Verhandlungen interessiert war, sondern von Anfang an gezielt auf die Dezertifizierung hingearbeitet hat. Dieser zweite Einspruch der NFL – eben, dass die Spieler bisher hanebüchne Pseudo-Verhandlungen geführt haben – würde bis zur Klärung Monate an Zeit verbrennen.

Die Dezertifizierung ist aber aus Spielersicht verständlich: Die NHLPA (Gewerkschaft der Eishockeyspieler) hat 2004/05 davon abgesehen. Ergebnis: Die Verhandlungen führten ins Leere und die komplette Saison fiel damals aus. Ein Fiasko für beide Seiten…

Der Richter hält den Schlüssel: Laut Autor Lester Munson ist David Doty der entscheidende Mann. Die Spieler werden eine einstweilige Verfügung gegen den Lockout fordern. Doty wird getrennt davon den Fall der TV-Ausschüttung betrachten. Wenn es Doty geschickt anstellt, hat er mit dem Druckmittel der einstweiligen Verfügung im Hintergrund lt. Manson eine große Chance, die beiden Streitparteien zusammenzubringen.

NFL Lockout und was es damit auf sich hat

Disclaimer: Im Folgenden handelt sich um ein arg rechtliches Thema. Ich bin kein Jurist und ich mag juristische Spitzfindigkeiten, zu denen auch stets höchst-korrekte Nominierung von Begriffen gehört, nicht. Ich habe mich vor eineinhalb Monaten mit einem ehemaligen Studenten in den Staaten in Verbindung gesetzt und mir dadurch ein Bild über die Verhandlungen verschafft. Ich hoffe, keine juristischen Böcke [„De-Zertifizierung“ usw.] abgeschossen zu haben.

Freitag, 4.3. um 6h00 MEZ, läuft der Tarifvertrag (CBA) zwischen NFL und Spielergewerkschaft (NFLPA) aus und die NFL würde tatsächlich den viel zitierten Lockout riskieren.

Heute hat ein Gericht in Minnesota ein vielleicht bahnbrechendes Urteil in der Revision gefällt: Die TV-Verträge zwischen NFL und den Networks sind rechtlich nicht sattelfest. Bedeutet: Die Owner werden von den 4 Milliarden Dollar (!!), die sie 2011 geglaubt hatten, auch ohne stattfindende Saison zu kassieren, keinen Dollar sehen. Für die Spieler (NFLPA) bedeutet das: Die Verhandlungsposition im Kampf um einen neuen Tarifvertrag hat sich deutlich verbessert.

Lockout? NFLPA? WTF?

Um die Fronten zwischen den Verhandelnden zu klären: Die großen amerikanischen Profi-Footballligen gelten in den USA als verbotene Kartelle. Ausgenommen davon ist seit 1922 die Major League Baseball, aber NFL, NBA, NHL usw. sind kartellrechtlich nicht in Ordnung, da sie gegenüber ihren Angestellten eine überlegene Macht besitzen.

Das US-Arbeitsrecht sieht aber vor, dass bei Vorhandensein einer Spielergewerkschaft (muss zertifiziert sein) die Liga (also im Prinzip der Arbeitgeber) das abgekartete Spiel betreiben darf – sie muss in ihren Verträgen aber auch die Belange der Spieler vertreten. Dies wird im Tarifvertrag, dem CBA (Collective Bargaining Argreement), abgestimmt.

Dieses CBA läuft am 4.3.2011 um Mitternacht US-Ostküstenzeit aus. In diesem Moment hätten wir einen Lockout (Aussperrung der Spieler) bis zum Moment, in dem ein neues CBA unterzeichnet wird. Das kann aber dauern, im schlimmsten Falle bis Herbst, was einen verspäteten Saisonstart oder gar einen Ausfall der Saison bedeuten könnte. 2004/05 ist z.B. in der NHL die komplette Hockey-Saison ausgefallen, weil sich Liga und Gewerkschaft nicht einigen konnte.

Die Spielergewerkschaft der NFL ist die NFLPA (National Football League Player Association). Präsident ist der ehemalige Top-Center Kevin Mawae, der glaubt, dass ihm seine Tätigkeit für die NFLPA eine Weiterbeschäftigung in der NFL gekostet hat. Geschäftsführer und Chef-Verhandler der NFLPA ist nach dem Tod von Gene Upshaw nun der berüchtigte schwarze Anwalt DeMaurice Smith, der sich in einer Art Titanenkampf mit der NFL sieht und der des Öfteren den Eindruck erweckte, dass ihm die zögerlichen Verhandlungen nur in den Kram passten. Dazu gleich mehr.

Worum geht es?

Vier zentrale Punkte sind im Mittelpunkt der Verhandlungen – die NFLPA ist überzeugt, dass die NFL die Verträge zu Ungunsten der Spieler modifiziert hat, während die Liga argumentiert, dass die Gehälter unverhältnismäßig im Vergleich zu den Umsätzen gestiegen seien.

  1. Die Verteilung von $9 Mrd. – Wie viel Prozent der Umsätze werden an die Spieler verteilt?
  2. Die Ausweitung der Saison – Die NFL möchte die Regular Season um zwei Spiele auf 18 ausweiten. Die NFLPA befürchtet mehr Verletzungen und will wenigstens ansprechend entschädigt werden, noch lieber die 16-Spiele-Saison beibehalten.
  3. Begrenzung der Rookie-Gehälter – Die Einstiegsgehälter von hoch gedrafteten Rookies sind in den letzten Jahren explodiert. Zuletzt hat Sam Bradford (#1 Pick 2010) 50 Mio. Dollar kassiert, bevor er überhaupt einen einzigen Pass geworfen hat. Und das sind nur die fixen 50 Mio., zu denen noch Gehalt und Boni kommen.
  4. Rentenversicherung – Viele ehemalige Profis sind schwer gesundheitsgeschädigt. Die NFL kümmert sich nur begrenzt darum. Auf diesem Terrain soll es Versicherungen für die Spieler in der arg gesundheitsbeeinträchtigenden Sportart „American Football“ geben.

Die Verhandelnden – Phlegmatiker oder eiskaltes Kalkül?

Von Seiten der NFL kommt immer wieder der Vorwurf, die NFLPA würde die Verhandlungen verschleppen und gezielt auf einen Lockout hinarbeiten. Geschäftsführer DeMaurice Smith machte wie angedeutet oft den Eindruck, die Verhandlungen auf persönlicher Ebene zu sehen und gezielt den Lockout anzusteuern. Was steckt dahinter?

Es ist erneut das Kartellrecht („Anti-Trust“): Die NFLPA kann sich nach Ablauf des CBA am Freitag auflösen [„decertification“ – die Spieler können der NFLPA die Zertifizierung als Unions, die ihre Interessen vertritt, entziehen] – eine gewollte Auflösung – und die NFL wäre auf einen Schlag kartellrechtlich belangbar. Spieler könnten eine Sammelklage starten und gegen einschränkende Maßnahmen wie Draft (entzieht dem Spieler das Recht auf freie Arbeitsplatzwahl), Salary Cap (bzw. auch Gehaltsgrenzen nach unten) oder Rookiegehaltseindämmung vorgehen.

Also im Prinzip eine nachvollziehbare Taktik (um das Maximum in der CBA-Verhandlung herauszuholen) durch Mr. Smith und eine ernsthafte Drohung in Richtung NFL.

Problem an der Sache: Die NFL-Profis haben sich schon vor etwas mehr als 20 Jahren (1989) an diesem Schritt versucht und dabei lange und viele Prozesse gebraucht, um sich durchzusetzen. Erst nach einer Individualklage von Reggie White gegen die NFL kam damals Anfang der 90er Schwung in die Sache, was letztendlich zur Einführung der heute bekannten Free Agency (Freier Spielermarkt) führte. Die Free Agency ist aber immer noch nicht ganz „free“ (Stichwort: RFA – restricted free agent, Franchise Tag und andere Tags usw.).

Was sonst noch?

Die Owner glaubten bisher (und nach Richterspruch in erster Instanz), dass sie die Kohle aus den abgeschlossenen TV-Verträgen kassieren würden, selbst bei Ausfall der NFL-Saison 2011. Dem ist nach Richterspruch in zweiter Instanz nicht so (s. Link oben im zweiten Absatz) – für die Spieler also ein wichtiges Urteil, da es die Owner arg unter Druck setzt.

Links

Forbes – Blick auf das Zahlenmaterial und warum die Argumentation der NFL Bullshit-Detektoren in der Forbes-Redaktion anspringen ließ.

Win-Football – Chronologie der Auseinandersetzung in den letzten Monaten.

FORTSETZUNG: In einem ESPN-Artikel wird erklärt, warum die Spieler gute Chancen haben, für sich eine sehr gute Lösung herauszuschlagen. Hier entlang zur Zusammenfassung.

UPDATE: Die NFLPA hat sich aufgelöst. Hier entlang.

NFL Combine: Notizzettel zum Abschluss

Die NFL Combine ist zu Ende. Ein paar Notizen zum Abschluss. [Notizen vom Wochenende]

Quarterbacks

Ich werde den Eindruck nicht los, dass Cam Newton medial ganz langsam zum Top-QB gehypt wird. Meine Kinnlade ist bei Newtons Workouts nicht grad in Mitleidenschaft gezogen worden und Newton hat diverse ungute Kommentare (Iwanttobeanentertainerslashicon) abgelassen… und trotzdem ist die Betrachtung rundum positiv? Nicht mehr ausgeschlossen, dass die Buffalo Bills an #3 Cam Newton einkaufen. Die Bills gelten zwar als unberechenbar im Draft, aber der greise Owner Ralph Wilson hat jüngst mehrfach seinen Wunsch nach einem Top-QB geäußert.

Der in den Kommentaren gelobte Joshua Portis ist ein QB von einem aberwitzig kleinen College: Der California University of Pennsylvania. Nicht etwa in Kalifornien gelegen, sondern in California, Pennsylvania. Ein Team der Division II, also nicht mal FCS-Niveau. Portis ist kein prototypischer QB, hat einst an der University of Florida als Tebow-Backup begonnen – und sich wenigstens neben dem Spielfeld einiges NICHT von Tebow abgeschaut.

Ryan Mallett ist auch auf diesem Blog diskutiert worden. Zu all den Spekulationen um Malletts Drogensucht und seinem merkwürdigen Umgang mit den Medien in der Combine kommt ein weiterer Faktor: Malletts College-Coach war Bobby Petrino, dessen QBs nicht gerade im Ruf stehen, in der NFL brilliert zu haben (Ragone, Redman, jüngst Brian Brohm).

Einer meiner Lieblings-QBs im Draft 2011 ist Greg McElroy. Ein ruhiger Mann, ein interessanter QB, dem ich aber an der University of Alabama Unsouveränität in kritischen Momenten vorgeworfen habe. Und: McElroy ist ein intelligenter Bursche: 48 im Wonderlic Test. Achtundvierzig. Ich kann mir vorstellen, dass ein Team wie San Francisco mit einem Coach wie Jim Harbaugh und der Idee einer West Coast Offense sich in Richtung McElroy bewegen könnte. Viel Glück, Mr. McElroy!

Julio Jones

McElroys Top-Receiver an der Uni war Julio Jones, ein physischer, groß gewachsener Mann, über den ich im Jänner geschrieben hatte:

Am Ende des Tages in der Highlight-Show, aber auch drei Drops und fünfmal die Route falsch gelaufen. Schlüsselwort für Scouts: Fokus. Was ihm helfen wird: Jones ist als harter Knochen bekannt, der auch lieber drei Pillen zu viel schluckt und die ganze Woche schlecht schläft, als mal ein Spiel wegen Wehwehchen zu verpassen.

Jones hat die Scouts ob seiner Combine staunend hinterlassen. Fassungslos gemacht hat nun aber der Umstand, dass Jones auch noch mit einer Fraktur im Fuß (!) angetreten ist und absolute Top-Werte erreicht hat. Die Verletzung ist nicht gravierend, aber in NFL-Kreisen dürfte Jones ab sofort als Synonym für toughness eingesetzt werden. Ob das WR-Rennen doch noch einmal eröffnet wird, obwohl ich A.J. Green weiterhin für den explosiveren Mann an der Anspiellinie halte?

Defensive Line

Die Defensive Line gilt nach wie vor als stärkste Position im Draft 2011. Obwohl mit DT Nick Fairley der meist gehypte Mann nicht nur kleiner und leichter als erwartet war, sondern auch noch ziemlich „graue“ Workouts hinlegte, haben laut Mike Mayock satte neun Defensive Ends Erstrundenpotenzial (im Schnitt über die Jahre werden 3 bis 4 Des gezogen). Und der vermeintlich beste Line-Spieler hat noch nicht mitgemacht: Da’quan Bowers.

Wer #1-Defensive Tackle wird, könnte interessant werden: Fairley hatte die beeindruckendere Saison, ist aber aus genannten Gründen vielleicht leicht in Ungnade gefallen. Marcel Dareus ist athletischer gebaut und hatte die bessere Combine, war aber am College etwas weniger dominant und konstant. Auburn (Fairley) gegen Alabama (Dareus) – Iron Bowl im Mini-Format.

Linebackers

Dontay Moch von der University of Nevada (Reno) hat die erwartet überragende 40 Time hingeknallt: 4.44. Moch war angereist mit einer angeblichen 4.19, was für Running Backs sensationell wäre, für einen Defensive End (im College) schlicht exorbitant. Dazu gesellen sich ein paar andere starke athletische Tests. Oakland Raiders, ick hör dir trapsen…

Sicher kein Raider werden wird OLB Von Miller. Über Miller habe ich im Lauf der College-Saison zwar Zweifel an seiner NFL-Kompatibilität gehört. Aber der Mann hat eindrucksvolle Statur und seine Athletik ist beeindruckend. Ich gehe davon aus, dass ein Team ganz oben drin sich an Miller vergreifen wird. Zu einer Zeit, zu der Oakland noch lange keinen Draftpick gesehen hat.

Mark Herzlich, der Mann, der den Krebs besiegte, war weniger Thema als ich gedacht habe. Herzlich hat ordentliche Workouts gemacht, aber nichts Überragendes. Bei ihm bleibt die Aussicht auf einen Leadertypen und die Erwartung, sich weiterhin kontinuierlich an seine körperliche Bestverfassung zurück zu arbeiten. Herzlich gilt als Kandidat für die späteren Runden.

Defensive Backs

Der Mann mit dem klingendsten Namen, Prince Amukamara (Nebraska), hat Top-Sprintzeiten hingeknallt und in den Augen der Scouts seine Voraussetzungen für die langen Routen bewiesen. Amukamara gilt nun als sicherer Top-10 Pick, der spätestens von Dallas (#9) gezogen wird, wenn nicht noch lila Kühe auf dem Campus der Cornhuskers aufkreuzen.

Kleine Brüder

Zwei Spieler sind in der Verlosung 2011, deren Brüder schon am Ziel sind, bzw. fast. Casey Matthews (University of Oregon) läuft ebenso wie Bruder Clay (Superbowl-Champ mit den Packers) mit wehendem Haar durch die Gegend – und spielt ebenso Linebacker. Mike Pouncey ist der kleine Bruder von Steelers-Center Maurkice – und wie dieser Offense Liner. Nicht ausgeschlossen, dass die beiden Brüder im Draft von den jüngsten Erfolgen der großen Brüder profitieren und höher als erwartet genommen werden. Beide gelten aber als nicht so gut wie diese – aber die waren einst auch nicht so hoch angesehen gewesen.

Spiel GM

NFL@Spox veranstaltet einen „Mock Draft“ von Fans für Fans. Die Idee: Jeder kann sich ein verfügbares Team aussuchen und in wie im NFL Draft dafür seinen Favoriten für seine Mannschaft draften, sofern der noch verfügbar ist. Da ich mich für besser als Matt Millen – ich weiß: Kein Qualitätsnachweis – habe ich mich für die Detroit Lions beworben. Es sind noch Mannschaften frei. Wer will, ist herzlich eingeladen, für einen Tag General Manager und Draft-Stratege zu spielen: Hier entlang.