Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

Rashard Mendenhall RB Steelers NFL

Rashard Mendenhall - ©Wikipedia

Es war eine merkwürdige Saison für die Pittsburgh Steelers. Zuerst musste man auf QB Ben Roethlisberger verzichten, dann kam die Offense nicht in Gang, dann floppte die Defense – und am Ende stand man trotz einer heiß/kalten Post Season in der Super Bowl. Die wurde dann verloren. Obwohl sie eigentlich locker „gewinnbar“ gewesen wäre.

Problem der Steelers 2010/11: Sie waren nicht beständig. Sie waren Sekundengenies. Eine Mannschaft, die pro Spiel erst drei Momentum Changes überstehen musste, ehe es am Ende zwei Kilo Eier in Head Coach Mike Tomlins Unterhosen brauchte, um das Spiel zu drehen oder einen Vorsprung über die Zeit zu wursteln.

Die Offense von Bruce Arians

Es ist eine Offense, die nicht Spektakel veranstaltet, sondern rational, effizient arbeiten möchte. Basierend auf Laufspiel möchte man QB Big Ben Roethlisberger Gestaltungsmöglichkeiten im Passspiel geben und Roethlisbergers Fähigkeit zur Improvisation nutzen.

Problem: Dadurch, dass die Offensive Line seit Jahren stiefmütterlich behandelt wird, werden gleich die ersten paar Prozent Effizienz abgezogen. Mit C Maurkice Pouncey hat man die Mitte gestärkt, aber alles drum herum ist und bleibt Stückwerk. Pittsburgh kann IMHO Verstärkungen bei Guards und Tackles brauchen. Treppenwitz wäre natürlich eine Draft-Verpflichtung von G Mike Pouncey, Maurkices Bruder.

Der Running Back heißt Rashard Mendenhall. Er ist als Arbeitstier gedacht. Mendenhall ist allerdings sehr eindimensional und kein guter Fänger. Irgendwann wird ein vielseitigerer Back eingekauft werden müssen. Priorität aber vorerst (noch) nicht allzu hoch.

Die Passempfänger sind gut aufgestellt. Roethlisberger verfügt über einen ausbalancierten Mix aus kräftigen Receivers und Tight Ends sowie pfeilschnellen Leuten und guten Blockern. Von Running-Back-Seite ist Mewelde Moore der Mann, der in Pass-Situationen eingesetzt wird (der aber kein zuverlässiger Rusher ist). Ich sehe den enttäuschenden Limas Sweed kurz vor der Entlassung. Sweeds Bilanz in drei Jahren: 7 Catches, 69yds, 1 Fumble. Auch der eisenharte Hines Ward wird nicht jünger und wird immer häufiger von Wehwehchen gezwickt – Weltsensation, bei so einem Spielstil.

Die Defense von Dick LeBeau

Das Prunkstück der Steelers. Es ist eine Defense, die sich durch gnadenlosen Zug zum Quarterback auszeichnet, vielseitig blitzend und mit einigen der spektakulärsten Spieler auf allen Positionen topp aufgestellt. Auf fast allen.

Die Cornerbacks gelten seit Jahren als nicht höchsten Ansprüchen genügend. Entweder via Draft oder Free Agency wird ein Starting-CB gesucht werden. Steelers-Philosophie hieße „via Draft“.

Dazu könnte die eine oder andere Gelegenheit genützt werden, einen Verjüngungsprozess einzuleiten. NT Casey Hampton wird 34, OLB James Harrison ist auch schon 33 und ILB James Farrior sogar auf dem Sprung zum 36. Geburtstag. Das sind drei Schlüsselspieler, die nicht mehr allzu lange auf höchstem Niveau spielen können. Es riecht nach Frischzellenkur am zweiten oder dritten Tag im Draft. Stichwort: Langsames Heranführen an den Kader.

Ausblick

Die Mannschaft braucht dringend bessere Offensive Line. Für mich liegt darin der Schlüssel für mehr Balance und folglich den Erfolg. Mike Tomlin wird sich gewiss in dieser Hinsicht bewegen. Deswegen wird Pittsburgh auch im Rennen um Divisionssieg und Superbowl bleiben, trotz der aufkommenden divisionsinternen Konkurrenz.