Dallas Cowboys in der Sezierstunde

Ein französisch-deutsches Online-Portal hat vor Wochen mal meine Texte für ihre Zwecke aggregieren wollen. Gegenleistung eher bescheiden. Diese Woche ist Sideline Reporter Punkt WordPress Punkt com selbst Aggregator von externen Texten, geschrieben von Fans und Experten. Es ist mir unmöglich, 32 NFL-Mannschaften qualitativ ordentlich zu covern und da ich das zu Beginn der Sezierstunden nicht mal wollte, habe ich mir Gastautoren für drei Traditionsclubs gesucht (zusätzlich zu den Dolphins vor ein paar Wochen).

Die Autoren kriegen von mir nicht mehr als ein ehrliches und aufrichtiges Dankeschön. Mehr habe ich auch nicht zu bieten (nicht mal den berüchtigten feuchten Händedruck). Also, heute die Dallas Cowboys vom Roman ak.a. maschemist von der Spox’schen NFL-Gruppe. Roman ist auch der, der dort mit gestrengem Blick derzeit die Hausaufgaben der NFL-Teams kontrolliert.

Ähh ja, und Roman ist Cowboys-Fan (an der Stelle sei noch an den coolen Blogeintrag „Der einsame Fan“ von vergangenem November verwiesen). Na, denn…

Am Ende stand die Enttäuschung

Cowboys Stadium innen

©Flickr

So heißt es immer wieder schön in den Schlagzeilen der Presse. Bei den Cowboys kam die Enttäuschung aber nicht erst am Ende sondern schon von Beginn an, mit ihrem Höhepunkt gegen Green Bay.

Eine fast schon unfassbare Aneinanderreihung individueller Fehler, schlechtem Play Calling und teilweise auch Pech und Verletzungen führten zu der Entlassung von Wade Phillips und der Beförderung von Jason Garret zum neuen HC.

Der (teilweise) Neuaufbau

Gerade die zweite Saisonhälfte unter Garrett hat gezeigt, dass nicht alles schlecht ist im Kader der Cowboys. Dez Bryant ist (zumindest auf dem Feld) ein Monster mit nichts als Talent, Doug Free hat Flo Adams weitestgehend vergessen gemacht und die gewohnten Pro Bowler (Austin, Witten, Ratliff, Ware) sind immer noch Pro Bowler. Um diese Spieler (und Romo) kann man mit gezielten Verstärkungen wieder eine schlagkräftige Truppe aufstellen. Aber gucken wir uns das genauer an:

Offense

Tony Romo ist vielleicht nicht der beste QB der Liga, aber er gehört sicher zu den Besseren. Sollte er wieder ausfallen, steht mit Jon Kitna ein passabler Backup bereit, der selbst im hohen Alter noch bei manchem Team Starter wäre. Die Anspielstationen können sich auch sehen lassen. Mit Miles Austin, Roy Williams, Dez Bryant, Jason Witten und Felix Jones hat man ein ordentliches Arsenal an Waffen beisammen.

Bei den RBs könnte man sich von Marion Barber trennen, da seine Leistung einfach nicht zu seinem Vertrag passt. Das würde mehr Snaps für Tashard Choice bedeuten, der sein Potential schon angedeutet hat.

Das mit dem Vertrag gilt auch für G Leonard Davis. Insgesamt ist die O-Line etwas alt geworden. Während G Kyle Kosier und C Andre Gurode noch weitestgehend solide spielten, entwickelte sich die rechte Seite mit Davis und T Marc Colombo zur Schwachstelle. Kosier könnte noch einen weiteren Vertrag erhalten. Sollte das nicht geschehen oder Davis entlassen werden, steht mit Montrae Holland ein Backup mit Starting Kaliber bereit. Wichtig wird die Vertragsverlängerung mit Free, bevor die Free Agency losgeht, sonst könnte ein anderes Team zuschlagen.

Defense

Die D-Line wird nächstes Jahr ziemlich anders aussehen. Marcus Spears, Jason Hatcher und Bruce Bowen (alle DEs) sind Free Agents und mindestens einer, wahrscheinlich Spears, wird nicht wiederkommen.

Bei den LBs ist man da schon etwas weiter. Alle Starter haben Verträge für nächstes Jahr und mit Sean Lee steht ein junger Backup bereit, eine größere Rolle einzunehmen. Auch der letztes Jahr so enttäuschende OLB Anthony Spencer wird wohl unter Neu-DC Rob Ryan eine neue Chance erhalten.

Das Defensive Backfield war aber die größte Schwachstelle der Cowboys-Defense. Alan Ball wird seinen Job als Starter wohl los sein, darf aber noch als Backup und Special Teamer bleiben. Als neuen FS wird man wohl bei den Free Agents zuschlagen (sobald die Free Agency losgeht). SS Gerald Sensabaugh ist auch Free Agent, wird aber wahrscheinlich ein Angebot zum Bleiben bekommen. Die CBs haben auch nicht wirklich gut gespielt, allerdings hat Terence Newman fast das ganze Jahr über verletzt gespielt und bei Mike Jenkins hofft man, dass er wieder zur Pro Bowl Form von 2009 findet.

Unter Rob Ryan soll die Defense wieder etwas unberechenbarer werden, als sie zuletzt unter Phillips war. Besonders das Erzeugen von Turnovers wird von Garrett gefordert. Schon unter der Führung von Paul Pasqualoni erzielte man 20 TOs in acht Spielen, nach nur 10 in den ersten acht.

Hoffen auf einen Impact Player

Mit dem 9. Pick im Draft müssen die Cowboys einen Impact Player, sprich Starter, finden. Das Problem: Spieler (Peterson, Miller, Dareus, Bowers, Fairley), die im Kader der Cowboys Starter wären, sind dann wohl schon alle weg. Anderen, die auch Starter wären (Watt, Castonzo), wären einen so hohen Pick nicht unbedingt wert. Daher sehe ich eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Cowboys runtertraden. Insbesondere wenn ein Team sich Julio Jones (z.B. Rams, Patriots) oder Prince Amukamara (Texans, Lions) sichern möchte, wäre Jerry Jones gesprächsbereit. Im Bereich zwischen 11 und 20 würde man immer noch einen Starting DE oder OT bekommen und hätte dazu weitere Picks, um später noch andere Schwachstellen anzugehen. Man sollte noch nach Interior Offensive Linemen, Defensive Backs und einem neuen Running Back gucken, sollte man Barber entlassen wollen.

Ausblick

Die Hoffnung ist da, dass die Cowboys nächstes Jahr wieder in die Playoffs einziehen können. Der positive Trend in der zweiten Saisonhälfte unter Garrett war ein Anfang. Jetzt muss aber personell noch nachgelegt werden, um die offensichtlichen Schwächen (FS, O-Line) auszumerzen und etwas mehr Depth zu haben.

Im Endeffekt kann es nur besser werden als letztes Jahr und ich halte es auch für sehr wahrscheinlich. HC Garrett lässt härter und mit mehr Aufmerksamkeit fürs Detail trainieren, um die leichten Fehler zu verhindern. Dazu wollen es die Spieler jetzt besonders allen zeigen, dass sie nicht so schlecht sind, wie es den Eindruck machte. Außerdem kann es nicht schaden, seinen Franchise QB wieder gesund zurückzubekommen.

Sollte man sich sinnvoll verstärken, halte ich es für durchaus möglich, wieder in die Playoffs einzuziehen. Dort angekommen wäre dann alles möglich. Das haben nicht zuletzt die Packers gezeigt…

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