San Francisco 49ers in der Sezierstunde, die zwoate

Es geht weiter mit den 49ers in der etwas anderen Sezierstunde. Diesmal ein Triplepack, wieder beantwortet von Martin, Reiner und Chris von der 49ers Fanzone.

#3 Die Suche nach dem neuen General Manager hat sich aus’m Hinterzimmer betrachtet nicht wirklich als „Suche“ erwiesen. Hat man von Anfang an auf Trent „Hey, ich bin der Praktikant ausm eigenen Hause!“ Baalke gesetzt und wenn ja, aus welchen mir nicht ersichtlichen Gründen?

* Chris:

Es hätte eine ausgedehntere Suche geben können. Dieser Punkt wurde im Rahmen des Webradios zu jener Zeit auch heiss diskutiert. Die Suche begann jedoch zu einer Zeit, als die meisten interessanten Kandidaten noch mit ihren Teams noch mitten in der Saison und daher nicht verfügbar waren. Man hatte also die Wahl zwischen einem der verfügbaren, den man für kompetent hält, oder auf einen anderen warten, in der Ungewissheit, ob er dann besser ist. Das Risiko hätte sein können, dass der bessere Kandidat dann nicht mehr da ist. Irgendwann musste eine Entscheidung getroffen werden. Baalke kannte man. Man weiss was man an ihm hat und offenbar gefiel Jed York, was er da kennenlernte. Es gibt kein kopierbares Erfolgsrezept. Die 49ers in den glorreichen Zeiten waren aber auch deshalb erfolgreich, weil Owner, General Manager und Head Coach harmonierten. Genau dies muss nun auch wieder funktionieren und Baalke kann beweisen, ob er der richtige Mann ist.

* Reiner:

Gute Frage. Es wirkt zumindest so. Ich war in der Zeit skeptisch, weil mir die Gespräche mit interessanten Leuten aus der NFL gefehlt haben. Nicht zuletzt, um auch mehr Input zu bekommen, was eine mögliche Restrukturierung der 49ers angeht. Allerdings muss man zugeben, dass es schwer geworden wäre, Jim Harbaugh als HC zu bekommen, wenn man sich mit der Suche nach einem GM länger Zeit gelassen hätte. Ich bin nach wie vor nicht begeistert von einigen Äußerungen der 49ers in der Zeit, aber zumindest scheint es, als hätte man von Anfang an einen Plan gehabt und diesen strikt durchgezogen. Ob es die richtige Entscheidung war, oder ob Baalke nicht doch ein Teil der bisherigen Probleme war/ist, wird sich trotzdem erst noch zeigen müssen.

* Martin:

Es ist relativ schwierig zu sagen, ob es eine Suche war und wie lange diese gedauert hat. Ich vermute, dass die Suche spätestens nach der Bye-Week begonnen hat und halt nicht so öffentlich durchgeführt wurde, wie die anschließende Coach-Suche. Fakt ist aber, dass – wenn Harbaugh von Anfang an der Wunschkandidat war – ein GM bis zum letzten Spieltag der NFL oder in diesem Fall bis zum Orange Bowl installiert sein musste. Und „der Praktikant“ aus dem eigenen Hause, war hier ja durchaus erfolgreich. Die Frage ist nun aber, was die Alternativen zu Baalke waren? Es gibt nur zwei: einen arbeitslosen Ex-GM (der sicher nicht ohne Grund arbeitslos ist) oder einen Praktikant aus fremden Haus (und da könnte der aus dem eigenen das kleinere Risiko sein).

#4 Auf dem Ex-Quarterback Jim Harbaugh lasten zirka drei Tonnen Druck, eine kreativere Offense zu installieren. Spricht Harbaughs Besetzung des OffCoords dafür, dass Harbaugh den Angriff selbst zimmern will und dafür die ganze Defense wie in Stanford seinem Kumpel Vic Fangio überlässt?

* Reiner:

Harbaugh wird sicher starken Einfluss auf die Offense haben. Die Grundzüge wird er als Head Coach selbst bestimmen. Außerdem kann ich mir schon vorstellen, dass Harbaugh auch beim Playcalling in bestimmten Situationen eingreifen wird. Welche das dann sind muss sich erst noch erweisen. Dass Greg Roman aber nur eine Art „Strohmann“ ist würde mich überraschen. Harbaughs Einfluss auf die Defense wird sicher deutlich geringer ausfallen als das bei der Offense der Fall sein wird. Aber als Head Coach sollte er auch hier Grundzüge vorgeben, also z.B. ob er die Defense aggressiver haben will. Das Playcalling wird hier jedoch ausschließlich bei Fangio liegen.

* Martin:

Eins ist sicher, es wird Jim Harbauhgs Offense sein! Jede neue Offense wäre kreativer als die vorherige, aber er hat seinen Staff mit einem klaren Plan für die Offense zusammengestellt. Er wird sie primär entwickeln aber sicher Rat von seinem Koordinator und seinen Position Coaches einholen. Er wird vermutlich auch sehr nah an der Entwicklung der jeweiligen Game-Plans sein. Ich hoffe auch darauf, dass man wieder dahin kommt, die ersten Plays bereits vorher festzulegen und auch hier dürfte er maßgeblichen Einfluss haben. Ich kann es momentan schwer einschätzen, wie er das Play-Calling gestalten wird, aber ganz wird er sich nicht raushalten. Darüber hinaus dürfte mehr als nur ein Auge auf die Quarterbacks werfen und ich erwarte hier intensives In-Game Coaching. Daher wird er wohl in der Defense nur dann eingreifen, wenn etwas komplett gegen seine Vorstellungen läuft. Ansonsten dürfte Fangio mit Head-Coach ähnlichen Kompetenzen ausgestattet sein.

* Chris:

Harbaugh hat erkannt, wo seine Stärken liegen. Dies ist die Offense. In Entwicklung und Planung wird Harbaugh sicherlich viel Einfluss auf die Offense haben. Roman als OC ist wie das Rainer richtig sagt kaum „nur“ ein Strohmann. Er hat ja auch schon einiges an Erfahrung als Coach. Im Spiel muss sich Harbaugh auch ganz allgemein um seine Head Coach Aufgaben konzentrieren können. Die Defense „gehört“ Fangio. Er wird sie entwickeln, planen und callen. Harbaugh hat mit Fangio den DC gewählt, den er kennt. Harbaugh wird auf Fangio den Einfluss haben, dass er mehr oder weniger Aggressivität fordern wird. Die Offense wird durch den Einfluss von Harbaugh mit ganz grosser Wahrscheinlichkeit attraktiver sein, was ja nicht so schwierig ist, als die letzte. In wichtigen Situationen wird Harbaugh sicherlich auch Plays callen. Am Ende muss sich Harbaugh um mehr als nur die Offense kümmern und somit wird sich zeigen, ob Harbaugh einen NFL-fähigen Staff zusammengestellt hat.

#5 Weder die Quarterbacks im Roster, noch die Quarterbacks im Draft treiben dem gemeinen Fan den Speichel aus dem Mund. Die 49ers picken an der #7: Wie groß ist die Chance, dass der Starting-QB 2011 nicht Smith heißt oder anders gefragt – Findet Harbaugh sein Glück (=neuer Luck) im Draft?

* Reiner:

Es ist davon auszugehen, dass die 49ers im Draft einen QB holen. Auch ein Veteran QB wird wohl per Trade (Kolb, Palmer, …) oder via Free Agency bei den 49ers landen. Und Alex Smith wird die Free Agency testen, denn in den letzten sechs Jahren ist einfach zu viel passiert. Vieles hängt aber von der CBA-Situation ab, sodass letztlich gar nichts auszuschließen ist. Dennoch: Alex Smith als Starting QB der 49ers in der kommenden Saison wäre eine faustdicke Überraschung. Dass ein Rookie-QB (Gabbert? Kaepernick? Ponder?) gleich starten wird ist eher unwahrscheinlich, was aber nicht heißt, dass derjenige längerfristig nicht doch der Franchise-QB sein kann. Die naheliegendste und wahrscheinlichste Lösung dürfte sein, dass ein Veteran QB als Starter aufläuft.

* Martin:

Die Wahrscheinlichkeit, dass Harbaugh sein QB-Glück in der Draft findet ist recht hoch – die Frage ist jedoch, in welchem Jahr! Sollten die 49ers ihren Pick in der ersten Runde behalten, wird dieser ziemlich sicher nicht in einen QB investiert. Die einzige QB-Alternative an dieser Stelle wäre Gabbert, aber ich kann es mir derzeit kaum vorstellen. Eine Rückkehr von Alex Smith ist nur dann denkbar, wenn sich die CBA Verhandlungen bis kurz vor der Saison hinziehen und sich für Smith keine vernünftigen Alternativen auftun. Er wird sicher den Anspruch haben, als Starter zu einem Team zu gehen. Diese Chance würde er bei einem langen CBA Streit aber wohl nur bei den 49ers haben. Wenn man sich in Kürze einigt, wird der Starter der 49ers zumindest nicht Smith, Alex oder Troy, heißen. Da es bei den Free Agents und Rookies keinen QB mit dem Namen Smith gibt, wird der Starter 2011 also vermutlich anders heißen. Hier vermute ich, dass er eher Kolb als Palmer bzw. Ponder als Newton heisst.

* Chris:

Alex Smiths Zeit in San Francisco ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorbei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Alex Smith irgendetwas in der Bay Area hält. Die 49ers brauchen zwei bis drei neue QBs. Ponder oder Locker wären in der Draft die besten Kandidaten. In Runde eins ist kein QB Pick #7 wert. In den späten Runden könnte dann ein zweiter Rookie geholt werden. Sobald die Free Agency dann vielleicht losgeht wird ein Veteran hinzukommen. Die besten Namen an dieser Stelle sind wohl Hasselbeck und Palmer. Für Harbaugh gilt es dann den QB zu entwickeln. Ansonsten wird es in der nächsten Draft wiederum einen QB zu picken geben. Dann sieht die Klasse deutlich interessanter aus: Andrew Luck, Landry Jones, Matt Barkley oder Terrelle Pryor tönen aus aktueller Sicht allesamt besser als die diesjährige Klasse.

Weitere Sezierstunden hier. Der dritte Teil (Defense) folgt dann an dieser Stelle.