New York Jets in der Sezierstunde

Mark Sanchez

Wohl und Wehe der Jets hängen an Mark Sanchez - ©Wikipedia

Zum zweiten Mal en suite sind die Jets im AFC-Finale gescheitert. Diesmal nicht aufgrund fehlender Variabilität in der Offense, sondern aufgrund ihrer Schnarchnasigkeit. Gegen eine lockere schlagbare Steelers-Truppe wurde mal eben so lange gepennt, bis es 0-24 stand. Am Ende hätte es trotzdem fast noch gereicht.

Ich selbst lag durchaus lange daneben in der Einschätzung der Jets. Erst hielt ich sie für überschätzt (Resultat: sie starteten 5-1), dann für sehr mächtig, weil sie massiv enge Spiele entschieden (schwache drittes Saisonviertel), dann wegen eben dieser Pleiten wieder für überschätzt (sie wurden wieder dominanter). In den Playoffs habe ich dreimal gegen die Jets gesetzt. Erst beim dritten Mal zurecht, und rückwirkend betrachtet hätten sie selbst dieses Spiel gewinnen müssen.

Der Quarterback ist das Problem

Jo, ich weiß. QB Mark Sanchez gilt als heiße Ware und als Komet am NFL-Firmament. Sanchez hat auch erkennbare Fortschritte gemacht. Aber die Jets sind dafür gebaut, JETZT zu gewinnen und nicht erst in 2-3 Jahren. Wie anders sollte die massive Shopping-Tour der letzten Jahre interpretiert werden?

Nun ist Sanchez zwar ein sehr effizienter Spieler, wenn er Play-Action spielen kann. ABER: In dem Moment, in dem das Laufspiel aus dem Spiel genommen wird, sind die Jets auf verlorenem Posten, weil die Mannschaft zwar eine herausragende Basis besitzt, aber ausgerechnet auf der wichtigsten Position, dem Quarterback, nicht optimal besetzt ist. Ein ähnliches Problem wie beim Stadtrivalen Giants. Weil Sanchez aber einen teuren Vertrag hat und noch jung ist, wird man ihn nicht absägen (können).

Die Offense

Ich will Sanchez nicht schlechter machen, als er ist. Bei gegebenen Umständen gefällt der Mann mir sogar ausgesprochen gut (eben Play-Action). Die Jets werden also die Rahmenbedingungen verbessern müssen. Heißt: Die Offensive Line nach dem Abgang Damien Woodys verbessern. Bessere Offense Line à besseres Laufspiel à deutlich besserer Mark Sanchez.

Zweite Baustelle: Die Wide Receivers. Mit WR Holmes und WR Edwards haben gleich zwei keinen Vertrag. Es gilt als sicher, dass nur einer von beiden bleiben wird. Für die Offense (und Sanchez) wäre das eine erhebliche Schwächung. Dazu ist auch der X-Faktor Brad Smith vertragslos. Smith kann so ziemlich alles ein bisschen: Kick returnen (28.6yds/Return, 2 Touchdowns), End Arounds (7,9yds/Lauf, 1 TD), Bälle fangen (1 TD) und Bälle werfen (1 TD).

Die Defense

Wir haben es bei den Jets mit einer herausragenden Defense zu tun. Das geballte Wissen, das seit Jahren aus Baltimore auf die Liga verteilt wird, hat mit Rex Ryan und Mike Pettine nun auch in New York Einzug gehalten. Die Defense gehört zu den besten, nur ist sie nicht die allerkonstanteste. Aber sie kommt in vielen Variationen daher: Zu Saisonbeginn wurde viel und erfolgreich geblitzt, später wurde mehr auf Coverage gesetzt.

Mit NT Kris Jenkins wurde nun der Anker entlassen. Jenkins war allerdings eh die meiste Zeit verletzt. DE Shaun Ellis wird nicht jünger und daher gilt es als ausgemacht, dass die Defensive Line verbessert werden muss.

Die Expertenriege fordert für die Jets dazu ganz vehement einen Pass-Rush-Linebacker. Für mich sind die Jets aber durchaus in der Lage, mit vorhandenem Potenzial und ohne allzu reichhaltige Blitz-Packungen großen Druck zu entfachen. Der Ruf nach einem OLB wird vermutlich auch daher laut, weil sich der gehypte Vernon Gholston als komplette Grütze erwiesen hat. Die Jets werden einen Pass Rusher in Runde eins draften. Darin sind sich alle überraschend einig.

Die Secondary wird aller Voraussicht CB Cromartie verlieren. CB Darrelle Revis war in dieser Saison verletzungsbedingt nicht voll auf der Höhe und CB Kyle Wilson (Boise State!) hatte noch Anpassungsschwierigkeiten. Sollte Cromartie gehen, bräuchten die Jets auch einen Cornerback. Man stelle sich nun vor, Asomugha käme aus Oakland… Aber die Jets werden kaum einen weiteren zweistelligen Millionenbetrag in die Secondary spucken.

Die Special Teams

Viele Fragezeichen. KR Brad Smith wie gesagt ohne Vertrag. Dazu könnte auch der PR Holmes gehen. Das größte Problem stellt aber Kicker Nick Folk dar, zu dem Rex Ryan ganz offen keinen Funken Vertrauen hegt. Unter diesen Umständen ist an einen Verbleib Folks nur schwer zu denken.

Ausblick

Jets Head Coach Rex Ryan

Rex Ryan - Foto: Flickr

Die Jets haben das Personal für ganz oben. Rex Ryan hat mich vom Coaching mittlerweile auch überzeugen können, auch wenn seine sonstige Art so gar nicht meinen Geschmack trifft. Hätten die Jets einen überzeugenderen Quarterback, ich würde schon mal einen leisen Superbowl-Tipp abgeben.

So reicht es erstmal „nur“ zum Zweikampf mit den Patriots um die Divisionskrone.

Weitere „Sezierstunden“ gibt es hier oder unter dem Tag Sezierstunde.