Lieblingskind der NFL: Die Jets

Paar Gedanken beim Drüberschauen über den heute Nacht veröffentlichten NFL-Spielplan der Saison 2011/12.

(Disclaimer: Ich nehme mir die Frechheit und zähle Thanksgiving-Spiele als „prime-time“.)

Opener – Gesucht war ein attraktiver Gegner für Titelverteidiger Green Bay. Ist gefunden. As expected: New Orleans Saints. Datum: Do/Fr 8./9.9. um 02h30.

9/11 – Der Sonntag ist wie der Zufall es will der 11. September – und somit auch der 10. Gedenktag der mythenumrankten Anschläge. Die Spielansetzungen lassen ein Muster erahnen: Die New Yorker Teams mit folgenden Ansetzungen: Giants spielen zu Mittag (Ortszeit) bei den Redskins (Tribut to Washington/Pentagon), die Jets im Sunday Night Game daheim gegen die Dallas Cowboys. Und – man höre und staune: PittsburghBaltimore ebenso an diesem Tag. Pittsburgh ist die nächstgelegene Stadt des abgestürzten „vierten“ Flugzeugs von jenem Dienstag im September 2001. Man werfe noch fuffzig Tausend Militärs und den Star Spangled Banner in den Mixer und bekommt Badewannen voller Tränen in die Stube serviert.

J-E-T-S – Überhaupt die Jets. Neben dem SNG in Woche 1 spielt die Gang Green noch weitere vier Mal in der Primetime: Woche 4 @Baltimore (SNG), Woche 6 gegen Miami (MNF), Woche 10 gegen New England (SNG), Woche 11 @Denver (Donnerstagnachtspiel). Eine solche geballte Ladung an Spielen zur besten Sendezeit hat auf den ersten Blick bis auf Titelverteidiger Green Bay kein anderes Team.

New Yorker Derby – Bei allem 9/11 und Primetime: Jets und Giants spielen heuer auch direkt gegeneinander. Und zwar an Heiligabend, zur besten europäischen Abendzeit (19h MEZ), wenn bei uns Friedefreudeeierkuchen alles vorm Christbaum Weihnachtslieder singen wird.

NFL International – Wie bereits gestern angekündigt, wird das diesjährige London/Wembley-Spiel Tampa Bay Buccaneers vs. Chicago Bears lauten und am 23. Oktober als Buccs-Heimspiel ausgetragen. Aber nur, wenn der Tarifvertrag bis 1. August steht.

Toronto Bills – Eine Woche später, am 30.10.2011 spielen die Bills ihr alljährliches Auswärts-Heimspiel im Skydome von Toronto gegen die Washington Redskins.

Buster – Alle Jahre wieder kriegen schnelle Aufsteiger von ESPN oder NFLN Primetime-Spiele in den Arsch geblasen. So heuer Tampa Bay (zweimal zuhause), St. Louis (2x auswärts) und sogar die Detroit Lions, die neben dem alljährlichen Thanksgiving-Spiel sogar ein weiteres Monday Night Spiel bekommen haben und somit bei uns sehen sein dürften. Die Lions!

Detroit Lions – „meine“ Mannschaft. Die ersten vier Wochen haben drei Auswärtsspiele im Programm, aber alle machbar (ZB, MIN, DAL). Weil die Chancen, dass QB Matt Stafford bis dahin noch fit ist, gut sein sollten, könnten die Lions mit gutem Start öfters im späteren Saisonverlauf zu bestaunen sein, als nur bei den beiden Primetime-Übertragungen (Woche 5 MNF gegen CHI und zu Thanksgiving). Das Thanksgiving-Spiel serviert uns übrigens Lions vs. Packers. Geile Ansetzung.

New England Patriots – der Topfavorit. Und was ein attraktiver Spielplan, wie schon im abgelaufenen Herbst. In Woche zwei gegen San Diego, dann im Oktober/November viermal an fünf Wochenenden um 22h15 gegen richtige Kaliber: NY Jets, Dallas, @Pittsburgh, NY Giants. Der November wird heiß, mit SNG @Jets, MNF gegen Kansas City, 22h15-Spiel @Philadelphia und als Nikolausgeschenk der Kracher der Saison, Sonntagnachtspiel gegen die Indianapolis Colts. Vielleicht gibt es nicht wieder 12 Liveübertragungen wie 2010/11, aber mit Bestimmtheit mehr als eine Handvoll – und spätestens Anfang/Mitte November sollten wir die Patriots richtig gut einschätzen können.

Sonst so – Die 49ers sind trotz neuem Coach unerwartet unattraktiv für die NFL. Nur zwei Primetime-Spiele (wobei ab Mitte November noch abgetauscht werden kann)? Dafür haben die Packers einen sehr ansehnlichen Spielkalender mit fünf Mal Primetime (Opener, 2x SNG, Thanksgiving, MNF). Und zum Abschluss: In Woche 2 steht die Rückkehr von QB Michael Vick nach Atlanta an – Falcons vs. Eagles im Sonntagnachtspiel, diesmal im Gegensatz zu vor zwei Jahren fast sicher ein „richtiges“ Duell mit Vick als Starting QB.

NFL Draft 2011 Countdown T-minus 9 – Draft? Watt is des?

Laut Sports Illustrated ist der Tag, an dem die erste Runde im NFL Draft abgehalten wird,  der siebtbeste Sporttag des Jahres. Und es stimmt: NFL Draft, das hat was. Der bzw. die Tage, an denen monatelanges Sezieren von Jungspunden endet und die 32 Mannschaften ihre Hoffnungsträger für die Zukunft auswählen.

Anders als hierzulande haben die jungen Sportler in Übersee nämlich keine freie Arbeitsplatzwahl. Der Draft ist ein System, bei dem die 32 Mannschaften in der NFL (bzw. 30 in MLB, NBA, NHL) in gestürzter Reihenfolge sieben Runden lang College-Talente auswählen können. In den CBA-Verhandlungen war auch der NFL-Draft eines der Themen. Nicht alle sind damit glücklich. Kartellrechtlich verstoßen die großen Ligen gegen das Gesetz, aber dank zig Kompromissen hält sich der Draft.

Er ist auch ein Garant dafür, dass in den amerikanischen Ligen sportlich erstaunliches Gleichgewicht im Vergleich z.B. zum europäischen Fußball herrscht. Mal ausgeklammert, dass man auch jahrelang Matt Millen an die Front schicken kann, haben jedes Jahr die schwächsten Teams das erste Draftrecht und der Superbowl-Champ das letzte in jeder Runde.

Dadurch und durch die (zumindest theoretische) finanzielle Gleichberechtigung haben die 32 Mannschaften zumindest halbwegs gleich gute Chancen, ein Spitzenteam zu werden.

Draft 2011

Do., 28. April – 1. Runde
Fr., 29. April – 2. und 3. Runde
Sa., 30. April –
4., 5., 6. und 7. Runde

Ein kleines Glossar zum NFL Draft

Allgemein

Draft class – der „Jahrgang“. Heuer sprechen wir von „Class of 2011“.

Rookie – jeder Spieler, ob gedraftet oder nicht, ist, sofern er es in einen NFL-Kader schafft, ein „Rookie“. Für ein Jahr lang.

Vor dem Draft

Big board – das Tableau von Teams, Gurus, Medien oder Fans, in denen die Wertigkeit eines jeden Spielers angegeben. Sozusagen die Priorisierung auf Basis von Spielstärke, Notwendigkeit aufgrund von Lücken im Kader und Potenzial des Anwärters.

1st/2nd/3rd/4th/5th/late round grade – Im Big Board kriegen die Spieler auch eine “Wertigkeit” der anderen Art: Ist ein Spieler einen Pick in Runde #2 wert oder warten wir lieber eine Runde, bis er uns in Runde #3 in den Schoß fällt?

Mock draft – sprießen in diesen Tagen und Wochen aus dem Boden wie Unkraut auf den immer grüner werdenden Wiesen. Auch NFL@Spox und Vier Viertel haben schon mock drafts veranstaltet. Es handelt sich hierbei um Prognosen, welche Spieler von welchen Teams gedraftet werden, unter Missachtung von Trades und selten mit einer größeren Präzision als 25% für die erste Runde.

Draft Day

Draft guru – die Experten der großen amerikanischen Zeitungen, Medien und TV-Stationen. Leute, die sich für Halbgötter halten und die man Jahre später immer wieder für ihre horrenden Fehlprognosen teeren und federn könnte. Die bekanntesten sind der eigenartig kultige Mel Kiper (ESPN) und der fachlich ungeheuer bewanderte, jedes Jahr etwas weniger lispelnde Mike Mayock (NFL Network), den ich für den besten von allen halte.

Radio City Music Hall – der Ort des Geschehens. In dieser Halle in New York City findet der NFL Draft statt. Meistens bevölkert von haufenweise Jets- und Giants-Fans, die alles andere niederbuhen und am meisten ihre eigenen Teams.

Draft Prospect – sowas wie ein „Anwärter“. Alle Spieler, die in den Draft gehen, sind sog. Prospects, also Kandidaten.

(Draft) Pick – Das Wahlrecht wird im Jargon „pick“ (analog zum sich etwas aus der Masse herauspicken) genannt.

On the clock – ist die Mannschaft, die den nächsten Pick hat, also als nächstes wählen kann.

#1 overall pick – der erste Spieler, der ausgewählt wird.

1st round draft pick – Ein Spieler, der in der ersten Runde ausgewählt wird.

On the board – ist die Mannschaft, die grad ihre paar Minuten Zeit zum Draften eines Spielers hat.

Off the board – ist ein Spieler, der schon gedraftet worden ist.

Draft day trade – ein integraler Bestandteil des Drafts. Ich gebe dir Pick 17 in Runde 1 im Gegenzug für Pick 13 in Runde 2 und Pick 3 in Runde 4. Oder so. Auch langjährige NFL-Profis sind Tauschwaren, aufgrund der CBA-Situation aber nicht in diesem Jahr.

No brainer – Einem Team mit einer klaffenden Lücke fällt zufällig ein hoch talentierter Spieler in den Schoß, der eigentlich schon hätte vor 15 Picks weggehen müssen. Das ist dann ein no brainer. Nicht zweimal drüber nachdenken, Spieler draften und Sekt ausm Kühlschrank holen.

Steal – ein Spieler, der nach Ansicht der Experten basierend auf seinem Potenzial zu spät gedraftet wurde. Anders gesagt: Ein Schnäppchen.

Reach – Das Gegenteil vom steal. Anders gesagt: Ted Ginn jr.

System quarterback – Quarterbacks, die eine starke College-Karriere hinter sich haben, deren Leistungen aber dadurch geschmälert werden, dass sie in simplen Systemen gespielt haben und in anderen, NFL-artigen Systemen nicht funktionieren können.

Red flag – Spieler mit fragwürdigem Charakter oder Verletzungshistorie in Gelbeseiten-Format. Im milden Fall Koksnasen, Schläger, Diebe, Waffenfans, geldgeile Säcke und im schlimmsten Fall Spieler, die mehr als 1kg Übergewicht mit sich rumschleppen.

Safe pick/safe choice – Spieler, die als sehr reif für die NFL gelten und daher als entsprechend „risikolos“ angesehen werden. Oft verbunden mit der Floskel you can’t go wrong with this guy. Spieler wie einst Matt Leinart 😉

Risk pick/Potential bust – Spieler, denen man bei allem großen Potenzial nachsagt, sie würden in der NFL floppen.

The next Ryan Leaf – die Steigerungsform von „potential bust“. Ein Spieler, meist Quarterback, der ganz hoch einberufen werden soll, der aber als besonders riskanter Pick gilt.

The next Jamarcus Russell – Steigerungsform von „the next Ryan Leaf“.

Mr. Irrelevant – der Spieler, der in der allerletzten Runde als allerletztes ausgewählt wird.

Nach dem Draft

Undrafted free agent – die Spieler, die nicht unter den ca. 250-260 gedrafteten sind, können als Free Agents (sofern irgendwann das CBA autographiert wird) zu jedem Team stoßen. Also alles, was nach Mr. Irrelvant kommt.

Draft grade – die Noten, die nach dem Draft für jeden Pick und jedes Team vergeben werden. Noten, die man spätestens zwei Saisons später getrost die Etsch runterspülen kann. Nicht zu verwechseln mit den 1st/2nd/3rd/late round grades von oben.

Rookie symposium – Fete für alle Rookies ein paar Tage nach dem Draft, wo die Jungs auf die Gefahren in der NFL hingewiesen werden sollen. Klappte besonders gut bei: Pacman Jones oder Aqib Talib, der sogar beim Symposium mit einem zukünftigen Teamkollegen schlägerte.