NFL Draft 2011 Countdown T-minus 7 – Die Running Backs am Karfreitag

(Man lege es mir nicht als Pietätlosigkeit aus, aber Countdown-Unterbrechung geht nicht)

Die Auguren sind sich einig: Der herausragende Top-Running Back fehlt – wie schon 2010. Stattdessen wird die Draftklasse vom etwas biederen Mark Ingram jr. angeführt, ein ehemaliger Heisman Trophy-Gewinner an der University of Alabama. Ingram ist ein kleingewachsener, bullig gebauter und vielseitiger Back, dem das Eine abgeht: Speed. Und ohne „Grundspeed“ bist du in der NFL zumindest was den Draft angeht schnell mal unten durch. Da können noch so viele Emmitt Smiths durch die Lande rushen.

Ingram war aber im Herbst eine zeitlang verletzt, und mir persönlich gefiel sein Backup Trent Richardson etwas besser.

Die halbe Augurenschaft sieht Ingram als soliden Pick für die Miami Dolphins (#16). Persönlich frage ich mich, was Miami mit Ingram bezwecken möchte – sie hatten mit dem Duo Brown/Williams zwei IMHO ziemlich ähnliche Spielertypen. Spielertypen für eine langweilige, uninspirative Offense. Miami könnte IMHO einen explosiven Back viel dringender benötigen.

Ingram halte ich trotzdem für einen soliden Running Back, weil er sehr durchhaltefähig ist und die Eier hat, auch mal einen Moment länger zu warten, bis sich das Loch öffnet, anstatt blindlings in einen Menschenberg hineinzupreschen. Vermutlich wird man Ingram auch locker 300 Carries pro Saison geben können und er wird dir verlässlich seine Yards runterspulen.

Während Ingram der große Name ist, gilt Mikel LeShoure (sprich: Muuukel Luuuschour) unter Insidern als bester Running Back. LeShoure ist kein Kind von Traurigkeit – vor drei Jahren zertrümmerte er einem Teamkollegen den Kiefer, vor zwei Jahren stand er kurz vor dem Rausschmiss aus seiner Uni (Illinois). Illinois? Richtig, und somit erklären sich auch die vielen Vergleiche mit Pittsburghs Rashard Mendenhall. LeShoure ist ein ähnlich kraftvoller Läufer, einer vom Typus „gebt mir einen schnellen, wendigen Back als Abwechslung und ich mache euch 1300yds pro Saison!“ Gegen die Northwestern hat er schon mal gepflegte 330yds in einem Spiel hingelegt.

Ein spezieller Fall ist Ryan Williams von Virginia Tech. 2009 hatte der Mann ein gutes Jahr mit vielen Carries, 2010 brach er förmlich ein. Schaute, wie viele gute Backs in den Draft gehen würden – und schlug zu. Williams hätte noch ZWEI Jahre am College bleiben können, wäre aber vermutlich nie wieder so hoch einberufen worden. Wenn ich persönlich an Ryan Williams denke, fällt mir immer wieder ein, wie Williams gegen Boise State zum Saisonstart keinen einzigen Stich machte. Aber es gibt auch Tapes, die Williams’ Leichtfüßigkeit unter Beweis stellen.

Diversität ist der Trumpf

Hinter dem Top-Trio gibt es eine Reihe an unterschiedlichen RB-Typen. Und wir wissen, dass viele gute NFL-Running Backs durchschnittlich recht spät gedraftet wurden.

So ein Kandidat ist Jordan Todman, mit 1,75m und 92kg nicht grad NFL-Gardemaß. Anders gesagt: Sobald Todman als Blocker abgestellt wird, kann getrost die Pfannkuchen-Polizei angefordert werden.

Was soll man dann erst über Kendall Hunter sagen? 1,70 und 90kg? Das USRK (oder so) sofort in Einsatzbereitschaft anfordern? Hunter gilt immerhin als flink genug, um sämtlichen Tacklern ein Schnippchen zu schlagen und soll die Leichtgüßigkeit eines Hasen auf der Flucht haben. Gilt als idealer Change-of-Pace-Back als Ergänzung zum Arbeitstier-RB, auch genannt „Michael Turner“.

Noch einen Tick mehr Winzling ist Oregon States Jaquizz Rodgers mit seinen 1,69m und 87kg. Das sind Kampfgnom-Maße in der NFL. Quizzes‘ Bewerbungsschreiben liest sich in etwa so: Pfeilschnell, sehr leichtfüßig, kann Tacklern ausweichen und ist ein ausgelernter Ballfänger, kaum sichtbar hinter einer großen Offensive Line und schwer zu Boden zu bringen. 1st round? Mitnichten, denn 1) ist Quizz etwas sehr klein und leicht für die NFL und 2) hat Quizz bei allem jugendlichen Daherkommen (21 Jahre alt) schon massivste Hits einstecken müssen. 651 Ballberührungen über die letzen 2 Jahre. Wer Dinge lieber direkt anspricht, sagt dazu „verheizen“. Kandidat für die Runden #2 oder #3, als Back für die Rhythmuswechsel zwischendurch.

Flexibler sollte DeMarco Murray sein, der Krokodilstränen verdrücken sollte, dass er nicht noch ein fünftes Jahr an der University od Oklahoma bleiben durfte – die Sooners gelten als h-e-i-ß-e-r Kandidat auf die BCS-Trophäe 2011/12. Der verletzungsanfällige Murray „muss“ jetzt in die NFL, gilt aber unter Scouts als reifer, ausgeglichener Spieler, der das Ingenieur-Syndrom verkörpert: Nirgends brillant, aber überall gut.

Wie Murray kommt auch Roy Helu von einem Traditions-College (für Ignoranten: Nebraska). Anders als bei Murrays Sooners bestand dort der Gameplan aus zirka 97% Laufspiel. Entsprechend viele Carries hat Helu schon auf dem Buckel – und gilt trotzdem als wenig zuverlässiger Back.

Mario Fannin ist mit Auburn National Champion geworden. Obwohl RB, hatte Fannin dort annähernd so viele receptions wie carries. Gilt als Waffe für Laufen, Fangen und Returnen. Klein, aber sehr kräftig gebaut – und schnell: 4.38 über 40yds. Erstaunlich für einen Back mit 104kg.

3 Kommentare zu “NFL Draft 2011 Countdown T-minus 7 – Die Running Backs am Karfreitag

  1. Ich weiß gar nicht was die Leute an Mark Ingram nicht gut finden. Wenn ich mich nicht täusche, hat man das alles auch Emmitt Smith „vorgeworfen“: Zu langsam, zu unspektakulär und zu klein. Für mich MUSS Ingram eigtl. nach Miami!

  2. Pingback: Vorher / nachher | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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