NFL Draft 2011 Countdown T-minus 6 – Alles, was Bälle fängt am Karsamstag

Beim Blick über die Big Boards und Mock Drafts dieser Erde fällt auf: Unter die Top 10 sind in schöner Regelmäßigkeit zwei Wide Receivers. Der erste ist meistens A.J. Green (University of Georgia) mit seiner mächtigen Statur und seiner immensen Sprungstärke. Greens Catch der Catches – da spielt es nicht mal eine Rolle, dass der Catch in der NFL womöglich nicht mal gezählt hätte. Diese Koordination ist schlicht und einfach krass:

Allerdings hat Greens Status etwas an seiner eher enttäuschenden 40Time gelitten (4,52 Sekunden). Dass die 40time gnadenlos überschätzt wird, wissen Leser von Sideline Reporter mittlerweile. Ich erwarte daher, dass Green als erster Wide Receiver genommen wird. Tipp: Ohio ruft. Cincinnati oder Cleveland.

Über die Wochen ist Julio Jones (Alabama Crimson Tide) scheinbar immer näher an Green herangerückt. Jones ist mir aus den vielen SEC-Übertragungen als extrem harter Knochen in Erinnerung geblieben, der mindestens drei spektakuläre Catches („Wow!-Faktor“ hoch) pro Spiel macht, aber dann immer wieder seine Aussetzer einstreut und Bälle fallen lässt, die auch meine Großtante mit der Kappe gefangen hätte.

Jones hat in der Combine für Action gesorgt, als er mit Frakturen im Fuß Fabelzeiten über 40yds hinlegte und Green auf die Pelle rückte. Es dürfte NFL-Freunden bekannt sein, wie sehr Scouts solche eisenharten Spieler, die auch mit Verletzungen performen, lieben.

Hinter den beiden gibt es noch einen dritten Mann mit Potenzial für ganz nach oben: Jonathan Baldwin (University of Pittsburgh), ein 1,96m-Hüne und 105kg schwer. Ein Mann für die Floskel build like a tight end, runs like a receiver. Massiver, massiver Receiver-Typ. Soll allerdings ein laxer Vogel sein, und allzu triebgesteuert: Wäre mal fast wegen Vergewaltigung in den Bau gewandert.

Das Trio aus Liliput City

Sowas wie der Zwerg im doppelten Sinne ist Boise States Titus Young. Zum einen wegen der Körper“größe“ (1m78), aber seit Branch und Steve Smith hat die NFL auch Liliputaner-WRs angenommen. Zum anderen, weil Boise State immer noch eine eher verlachte Football-Uni ist. Young ist zwar klein, aber wieselflink, fangsicher und einer, der auch zwei Kilometer das Feld runter angespielt werden kann.

Ich hatte es schon mal in den Sezierstunden angekündigt: Young ist ein ernsthafter Kandidat für Kansas City. Stichwort: Deep Threat.

Noch so ein Giftzwerg könnte Randall Cobb von Kentucky sein – ein pfeilschneller Receiver, der sich als ehemaliger QB auch in die Denke der Spielmacher versetzen kann. Erfahren in der Wildcat, die man in Kentucky Wild Cobb nannte. Ich bin gespannt wie ein Regenschirm, auch weil man Cobb unheimliche Einsatzbereitschaft auch im Blocken für das Laufspiel nachsagt.

Dritte/s/r (Sie haben die Wahl) Deep Threat im Bunde: Torrey Smith von den Maryland Terps, der von Zeit zu Zeit vom Butterfinger-Syndrom befallen wird. Bemerkenswert: Smith ist in der unguten Zone Colonial Beach/Fredericksburg in Virginia aufgewachsen – dort, wo Jugendkriminalität so sehr an der Tagesordnung steht, dass selbst zwei Angeschossene und drei Schwerverletzte aufm Revier keinen Alarm mehr auslösen.

Für einmal folgt nun keine Auflistung von Schusswechseln, Vergewaltigungen und Grasdrehen: Smith hatte damit tatsächlich nie etwas am Hut. Das sollte helfen, auch wenn er aufgrund vielseitiger sportlicher Interessen relativ spät auf Receiver umschulte und erst jüngst explodiert ist.

Little, aber nicht Liliput

Greg Little ist einer von den unzähligen Athleten von der University of North Carolina. Die UNC schickt auf fast jeder Position aussichtsreiche Kandidaten in den Draft – und wie wir sehen werden, haben alle ihre eigene, undurchsichtige Vergangenheit. Little zum Beispiel gilt als Spieler, der schonmal das Visier aufklappt und keinen Tackle scheut. Aber Little war an der Uni lange Zeit gesperrt (verdeckte Zahlungen). Soll die geistige Reife eines Neunjährigen haben, der im Eifer des Gefechts auch mal Coaches und Quarterbacks zusammenscheißt. Ob man sich sowas in der NFL wohl gefallen lässt?

Slot? Slot!

Es folgt eine Reihe an Receivern, denen man bei entsprechendem Gameplan und Coaching durchaus eine gescheite NFL-Karriere auf die eine oder andere Art zutraut.

Tandon Doss ist so einer. Soll eine herausragende Karriere im ansonsten in Trümmern liegenden College von Indiana gehabt haben, aber verletzungsanfällig sein und keine Rauchschwaden hinterlassen, wenn er geradeaus das Feld hinuntersprintet.

Klein und leichtgewichtig kommt Ohio States Dane Sanzenbacher daher (1,77m, 81kg), dafür aber soll Sanzenbacher alles fangen, was bei drei nicht unter der Dampfwalze ist. Wenn ich mich an OSU-Spiele erinnere… dann sollte Sanzenbacher Wes Welker zwei Drinks spendieren. Zwei Drinks, dass Wes Welker diesen Typus „Wide Receiver“ in der NFL salonfähig gemacht hat. Durchaus möglich, dass der Mann in Runde #3 wandert und mit 97 Catches für 836yds und 7 Touchdowns Rookie des Jahres wird.

Noch so ein Lieblingsspieler: Jeff Maehl von den Oregon Ducks. Maehl war ein integraler Bestandteil der atemberaubenden Ducks-Offense, obwohl keiner, der dir das Spielfeld in 2,44sek auseinanderzieht. Maehl hat eine interessante Geschichte hinter sich – Recruiting bei den Ducks erst nach dem Abspielen von Beziehungsseilschaften – und war dann erst Defensive Back, ehe er zum sog. Slot receiver mutierte.

Jernel Jernigan (Troy) traut man nicht zu, die Komplexität von NFL-Playbooks zu kapieren. Austin Pettis (der zweite Boise State Bronco im Felde) ist zu langsam, um als #1-WR zu gelten und wird Zeit brauchen, um sich als Option für die kurzen Routen anzubieten.

Dark horse

Sehr bekannter Name – und doch völlig unbemerkt: Fred Rouse. Jawohl, der Fred Rouse. Geboren in Tallahassee und vor Jahren als Top-Recruting (fünf Sterne) daheim an der Florida State University geblieben. Aber wie einst auch Randy Moss konnte Rouse nicht mit Bobby Bowden, flog nach x-fachem Grasgenuss von der Uni, wechselte über UTEP an ein so aberwitzig kleines College (Concordia – nein, Sie sind kein Ignorant, wenn sie dieses noch nie gehört haben), dass selbst die größten Fanatiker Fred Rouse aus den Augen verloren. Concordia – es gibt haufenweise High Schools, die höherklassigen Football spielen. Rouse gilt mit mittlerweile 25 und nach mehrfachem Knastaufenthalt als geläutert. Und sollte Fred Rouse nicht gedraftet werden, so wird Fred Rouse bestimmt als Free Agent irgendwo seine Chance bekommen. Bengals, anyone?

Tight Ends

Allernorts wird dem Jahrgang eher mickriges Potenzial nachgesagt. Über allen steht Kyle Rudolph (Notre Dame), dessen Verletzungshistorie zwar ein paar Seiten länger ist als normal und dessen Füße ihn nicht allzu flink das Spielfeld runtertragen und dessen Hände zwar nicht alles aus dem Weg blocken. Aber Rudolph kann Bälle fangen. Und wenn man sich vor Augen führt, wie viele Offenses grade in der Red Zone auf engem Raum Probleme haben, vorwärts zu kommen…

Aus der WAC kommt Virgil Green. Green hat bei Nevada (Reno) gespielt und mitgeholfen, die Rose-Bowl-Chancen der Boise State Broncos zu zerstören. Gilt als verheerender Blocker, aber wer athletische Tight Ends mit starken Fanghänden sucht, soll hier genau richtig sein.

Daneben habe ich noch Lance Kendricks zu bieten – wie so viele Tight Ends mit Vergangenheit bei den Wisconsin Badgers. Hat IMHO eher die Statur eines Wide Receivers und sollte kein überragender Blocker sein.