NFL Draft 2011 Countdown T-minus 3 – Linebacker und herzliche Geschichten

Dominiert wird die Position von einem Mann, der sicher nicht am Donnerstag und womöglich erst am Sonntag einberufen wird: Boston Colleges OLB Mark Herzlich, dessen heroischer Kampf gegen den Krebs für Schlucken gesorgt hat – und für Freudentränen. Herzlich ist ein Leadertyp, eine Inspiration und eine furchteinflößende Gestalt.

Die anderen Olbs

Der meistgehypte OLB der letzten Wochen ist Von Miller von Texas A&M. Miller macht den Eindruck eines Sympathen, mit dem du als Studienkollege gerne mal einen heben gehst, scheint aus gutem Haus zu kommen und nebenan eben aus Spaß mal ein paar Stunden Football spielt. Millers Hauptproblem: Er braucht intelligentes Coaching.

Am College hat Miller fast ausschließlich den gen Quarterback stürmenden Defensive End gegeben, oder besser: OLB. Als End kommt er in der NFL nicht in Frage (viel zu leichtgewichtig mit 107kg). Miller hat die Faxen, blind in Richtung Quarterback zu stürmen und dabei zu vergessen, dass ja auch Laufspiel nicht ausgeschlossen werden kann. Mit geduldigem und kreativem Coaching kann aus Miller sicher was werden – die Frage ist, ob ein Team volles Risiko geht und schon in den Top 5 Miller herauspickt.

Wenig beachtet wird Akeem Ayers von UCLA, ein aggressiver Spieler, der mit einiger Sicherheit eine Handvoll Fumbles provozieren wird. Zweifel sind da ob seiner Spielintelligenz, aber man traut ihm mit adäquatem Coaching durchaus die eine oder andere Pro Bowl zu.

Der Georgia Bulldog Justin Houston ist einer der schwereren Jungs mit 117kg, hat aber ein ähnliches Problem wie Miller: Wo auch immer man ihn einsetzt – er muss erst einmal eingelernt werden. Sozusagen ein Bachelor-Student in den ersten zehn Monaten an der neuen Arbeitsstelle. Kräftig, aber nicht der athletischste.

Arizonas Brooks Reed gilt als unheimlich schneller Pass Rusher, dem aber jegliche Spielintelligenz abgeht – mit draws soll er leicht zu verladen sein. Zudem sehr eindimensional auf seine Antrittsschnelligkeit vertrauend und katastrophal in der Deckung.

Damit zum obligatorischen UNC Tar Heel – Bruce Carter, der unheimlich schnell sein soll, sich aber nicht den Scouts stellen konnte, weil er eine Bänderverletzung gegen Saisonende erlitt. Man befürchtet, dass ihm sämtliche kräftigeren Running Backs bei seiner Tackle-„Technik“ durch die Hände flutschen werden.

„Unheimlich schnell“ ist genau das Stichwort für Nevadas Dontay Moch. Man muss sich das vorstellen: Moch wiegt 112kg und soll an der Universität die 40yds in 4,19sek gelaufen sein. In der Combine war Moch ein paar Zehntel langsamer, aber ein paar Scouts dürften ihre Unterhöschen bereits gewechselt haben. Man traut ihm nicht zu, jemals ein kompletter Spieler zu werden. Heißt: Er wird irgendwann am zweiten oder dritten Tag genommen werden und womöglich zu einem Spezialisten für 3rd downs gemacht werden.

Die Mikes

Mikes und Ilbs gelten diesmal als eher schwach besetzt. Abgesehen von der möglichen Inspiration für Mitspieler haben die Inside Linebackers IMHO aber im Vergleich zu vor vier-fünf Jahren etwas an Bedeutung verloren.

Illinois’ Martez Wilson ist groß gewachsen und für 113kg recht athletisch. Sorgen macht seine Ungestümheit, weswegen man ihm wohl ein paar Jahre Einlernzeit geben wird müssen.

Greg Jones ist ein Abgänger der Michigan State University. Die Spartans haben sich am Ende als deutlich überschätzt gezeigt, aber Jones hat mich überzeugt: Als sich die Spartans in der Capital One Bowl von Alabama abschlachten ließen, spielte Jones trotzdem deutlich erkennbar voll durch. Ich halte sowas für einen sehr positiven Charakterzug.

Casey Matthews ist der Bruder von Green Bays Clay und fällt mit einer ebenso wehenden blonden Mähne auf. Colin McCarthy von den Miami Hurricanes hatte Schulterprobleme und soll Probleme in der Deckung haben.

Um Abschluss der UNC-Beitrag für die Mikes: Quan Sturdivant. Laut Arbeitsprofil ein Liebhaber von Gras, aber ebenso ein guter Tackler, der mehr aus seinen Anlagen zu machen imstande ist als andere.

3 Kommentare zu “NFL Draft 2011 Countdown T-minus 3 – Linebacker und herzliche Geschichten

  1. Ich bin überzeugt dass Miller und Ayers sich durchsetzen werden in der NFL. Miller ist einfach ein zu starker Pass Rusher und ich würde ihn in Foxboro mit Kusshand aufnehmen, aber nach allen Vorhersagen ist er spätestens an der 5 (ARI) weg. Vielleicht fällt Ayers weit genug in den Boards…

  2. Ja, Von Miller ist ein fantastischer Athlet und ich glaube auch dass man ihn vercoachen muss, damit er keinen Impact in der NFL haben wird. Wird aber ein paar Pfund zunehmen müssen, wenn er auch als End eingesetzt werden sollte.

    Auch auf Mark Herzlich bin ich gespannt. Scheint die Feel Good Story der Draft zu sein. Ich wünsche ihm eine gute Karriere, aber der Bonus mit der Lebensgeschichte wird in der NFL schnell vorbei sein und nur mehr Leistung zählen.

  3. Pingback: Vorher / nachher | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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