NFL Draft 2011 – Sie haben es getan oder: Quarterbacks, baby

[Update 18h33: Ich habe den Text an einigen Stellen (Ponder, Locker) etwas ausgebaut.]

Seit diesem Draft ist es endgültig: Die NFL ist eine Quarterback-Liga. Obwohl der Jahrgang ohne den offenbar besten Quarterback (Andrew Luck) auskommen musste und die Top-QBs alle so ihre Flauseln hatten, gingen vier unter den ersten 12 weg. VIER.

An oberster Stelle haben die Carolina Panthers tatsächlich das getan, was von den Auguren seit Wochen erwartet worden war, und was ich niemals getan hätte: Sie haben QB Cam Newton von der Auburn University genommen. Dann darf man schon gespannt sein, wie sich die Sache entwickelt bei einem Publikum, dass den Sympathen Jake Delhomme immer wieder nach wenigen Fehler aus vollem Leibe ausgebuht hat. Nun kommt keiner der bescheideneren Jungs nach Carolina…

Die größte Überraschung ist für mich Tennessees Einberufung von QB Jake Locker. Ist Mike Munchak vielleicht weniger Übergangslösung als gedacht? Will sich Munchak mit dem Pick Zeit erkaufen? Ich war einigermaßen baff, denn ich hatte nie einen QB für Tennessee erwartet: Die Offensive Line ist unterirdisch und es gibt eine schlimme Lücke in der Defense Line, die potenziell hochkarätig hätte besetzt werden können. Nun kommt Locker. Ein ungeschliffener Spieler, dessen größtes Problem die fehlende mentale Coolness sein soll – ob das bei einem Rookie hinter so einer Line gut gehen kann? Tennessee wird auf alle Fälle spannend: Werden sie Locker ähnlich schnell wie einst Vince Young (2006: Rohdiamant) reinwerfen? Wie wird Locker eingesetzt in dieser run first offense mit potenziell so tollen Receivers wie Kenny Britt?

An der #10 haben sich die Jaguars QB Blaine Gabbert geschnappt. Wenig überraschend, dass sich die Redskins mit Mike Shanahan gegen einen Quarterback entschieden und den Jaguars das Feld überlassen haben. Für meinen Favoriten Dave Garrard ist das ein Messer in den Rücken.

QB-Sensation #2 ist Chris Ponders Pick in Minnesota. Es hatte sich angedeutet, dass Ponder in der zweiten Runde nicht mehr verfügbar gewesen wäre. Trotzdem überraschend, wie hoch Ponder ging. Ich hatte für meinen Lieblings-QB auf Einlernzeit gehofft. Die ist in Minnesota mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegeben, zumal als #12-Pick. Ponders Vorteil: Eine relativ gute Offensive Line und ein bärenstarker Running Back, der in Zukunft (hoffentlich) häufiger eingesetzt wird, denn 2010/11 war Minnesota trotz Peterson eine passlastige Mannschaft.

Sonstso – Die Top 10

#2 Denver Broncos – Mittlere Überraschung: OLB Von Miller. Ich hätte John Fox eher zugetraut, die Defensive Line sofort neu zu bauen. Miller ist dann doch mehr der reine Pass Rusher. Der Pick könnte Miller glücklicher machen, den er kriegt ein Genie als Coach.

#3 Buffalo Bills – Mit DT Marcell Dareus von Alabama wird hier massiv an einer der schwächsten Lauf-Defenses gebaut. Buffalo hat neben dem Sensations-Tackle Kyle Williams (mehr der Pass Rusher) nun einen Guten gegen den Lauf.

#4 Cincinnati Bengals – WR A.J. Green wird vielleicht kotzen, aber Green dürfte es gewohnt sein, in einer schwachen Offense mit ungeklärter QB-Situation zu sein. Ich bin überrascht, dass Cincy nicht auf Teufel komm raus den QB genommen hat.

#5 Arizona Cardinals – CB Patrick Peterson. Perle vor die Säue? Wenn Arizona einen gscheiten QB einkauft, könnten sie schneller in den Playoffs zurücksein, als wir alle glauben.

#6 Atlanta Falcons – WR Julio Jones, so long. Fassungslos ist, was Atlanta für diesen Pick an Cleveland abgegeben hat: Aus diesem Jahr #27, #59 und #124 und die Draftpicks der 1st round und 4th round im nächsten Jahr. Fassungslos, echt. Für Jones natürlich ein toller Ort, eine Karriere zu beginnen.

#7 San Francisco 49ers – die 49ers basteln an einer mächtigen Defense Line. DE Aldon Smith ist mehr der reine Pass Rusher. Kann eingelernt werden neben einem Haufen an sehr guten Spielern.

#9 Dallas Cowboys – spätestens hier hätte CB Prince Amukamara gehen sollen, aber Dallas hat mit OT Tyron Smith eine kleinere Überraschung gesorgt. Du hast Romo, also schütze Romo.

Sonstso – Trenches, Trenches, Trenches und ein paar Trades

Nach den Top 10 kommen h-a-u-f-e-n-w-e-i-s-e Picks für die beiden Lines: Bis auf Ponder und an #19 Giants/Amukamara sind die Picks bis 20 ausschließlich Offense und Defense Liner. Auch das ist nur eine kleine Überraschung.

Die größte ist noch Detroits Pick von DT Nick Fairley. Fairley und Ndamukong Suh: Da will einer um jeden Preis eine mächtige, mächtige Line, die eines soll: Druck bringen über die Mitte. Ob der Pidck hinsichtlich Laufspiel abwürgen so optimal war, bin ich mir nicht sicher. Aber Detroit braucht vor allem Pass Rush.

Der solide, aber langweilige J.J. Watt geht nach Houston. Houston hat eine nette Ansammlung an hochkarätigen Namen in Offense und Defense. Mit Phillips einen guten Defensive Coordinator neu bekommen. Watt sollte in die neue 3-4 Defense passen. Houston hat zumindest den logischen Pick gemacht.

Der Taxi-Schläger DE Adrian Clayborn geht wie erwartet nach Tampa. Tampa erwartete einen Defensive End. Tampa bekam einen Defensive End.

Cleveland nach zwei Trades (erst runter, dann rauf) an #21 mit NT Phil Taylor. Taylor hätte ich locker auch für Kansas City gedacht gehabt. Aber genau die Chiefs sind von #21 runter gegangen, haben sich ein paar Picks später WR Jon Baldwin geholt. Baldwin, ich hatte es gesagt: Wer körperlich monströs gebaut ist, wird geliebt. Es spielt keine Rolle, dass er am College nichts zustande gebracht hat.

Colts und Patriots jeweils mit Offensive Tackles. Ob New England damit Matt Light goodbye gesagt hat? Solder gilt allerdings als nicht mehr als ein Rohdiamant und wurde in Colorado böse, sehr böse von Cam Jordan verbrannt. Und Jordan war der einzige NFL-würdige End, gegen den Solder gespielt hat.

Kuriosität: An #26 haben die Ravens ihren Pick verschlafen und mussten dann an der #27 draften. Mayock meinte, die Ravens hätten eh CB Jimmy Smith gewollt. Frage: Warum haben sie dann so lange gebraucht?

RB Mark Ingram an #28 nach New Orleans. Ingram musste länger warten als gedacht, aber New Orleans ist mit seinem Passfeuerwerk exakt der richtige Ort, um eine Karriere als Back zu beginnen. Dementsprechend happy schaute Ingram dann auch drein, vermutlich auch, weil es peinlich gewesen wäre, noch länger zu warten.

Die Patriots hatten die #28. Sie haben es dann wieder getan: Trade nach unten bzw. nach hinten. Sie kriegen die #56 (wie viele 2nd rounder wollen Sie eigentlich noch, Mr. Belichick?) und den – Achtung – Erstrunden-Draftpick im nächsten Jahr. Ich nenne so was volles Vertrauen, Mr. Ingram.

#30 Jets mit DT Wilkerson (Temple) aus der MAC, kein ausgelernter Tackle, aber Wilkerson mit literweise Tränenflüssigkeit beim Pick.

#31 Steelers mit DE Cam Heyward. DA wird es interessant: Heyward (Ohio State Buckey und damit hohes Flop-Potenzial) zu Dick LeBeau. Interessant auch, dass die Steelers weiterhin konsequent die Offensive Line ignorieren.

#32 Green Bay mit OT Derrek Sherrod. Schutz für Rodgers ist so essenziell, dass man mit dem durchaus möglichen Running Back (noch?) wartet.

Die komplette erste Runde

#1 Carolina Panthers: QB Cam Newton
#2 Denver Broncos: OLB Von Miller
#3 Buffalo Bills: DT Marcell Dareus
#4 Cincinnati Bengals: WR A.J. Green
#5 Arizona Cardinals: CB Patrick Peterson
#6 Atlanta Falcons: WR Julio Jones (!)
#7 San Francisco 49ers: DE Aldon Smith
#8 Tennessee Titans: QB Jake Locker (!!)
#9 Dallas Cowboys: OT Tyron Smith
#10 Jacksonville Jaguars: QB Blaine Gabbert (!)
#11 Houston Texans: DE J.J. Watt
#12 Minnesota Vikings: QB Chris Ponder (!!)
#13 Detroit Lions: DT Nick Fairley
#14 St Louis Rams: DE Robert Quinn
#15 Miami Dolphins: OL Mike Pouncey
#16 Washington Redskins: DE Ryan Kerrigan
#17 New England Patriots:
OT Nate Solder
#18 San Diego Chargers: DT Corey Liugut
#19 New York Giants: CB Prince Amukamara
#20 Tampa Bay Buccaneers: DE Adrian Clayborn
#21 Cleveland Browns: DT Phil Taylor
#22 Indianapolis Colts: OL Anthony Castonzo
#23 Philadelphia Eagles: OL Danny Watkins
#24 New Orleans Saints: DE Cameron Jordan
#25 Seattle Seahawks: OL James Carpenter
#26 Kansas City Chiefs: WR Jon Baldwin (!)
#27 Baltimore Ravens: CB Jimmy Smith
#28 New Orleans Saints: RB Mark Ingram jr.
#29 Chicago Bears: OT Gabe Carimi
#30 New York Jets: DT Muhammad Wilkerson
#31 Pittsburgh Steelers: DE Cam Heyward
#32 Green Bay Packers: OT Derek Sherrod

Schlussbemerkung

An DE Da’quan Bowers sieht man, wie schnell es in der NFL gehen kann: Spieler nicht topfit, kann nicht an Workouts teilnehmen und fällt deswegen mal eben vom Top-Pick (im Jänner) aus der ersten Runde (heute). Morgen hat New England Pick #1. Wenn sie nicht traden, traue ich Belichick zu, Bowers zu holen, obwohl Bowers eher der 4-3 End sein sollte.