NFL Draft 2011 am Samstagabend

Die 5. Runde neigt sich in diesen Minuten dem Ende zu. Nach und nach ein paar Blicke auf ein paar Picks seit 18h. Der Ticker wird nach unten ergänzt, bis mir heute die Augen zufallen, was wohl nicht mehr lange dauern wird.

[21h33] Die Jacksonville Jaguars haben zum Ende der 5. Runde bereits alle ihre Picks gemacht. Auffälligster Pick von heute: WR Cecil Shorts von Mount Union, der besten Football-Uni in der Division III. Und die Uni, die vor wenigen Jahren WR Pierre Garcon herausgebracht hat. Jacksonville hat nur fünf Spieler gedraftet – und nicht ein einziger ist ein Defensive End.

[21h37] Baltimore hat nach Torrey Smith noch einen WR geholt: Tandon Doss aus Indiana. Doss muss ein Top-Charakter sein, hat in einem unterirdischen Programm jahrelang herausragend gespielt. Smith für den Speed, Doss für den Slot – interessante Picks, zumal die Ravens dafür bekannt sind, dass ihr Top-WR Anquan Boldin extrem variabel eingesetzt wird und alles andere als ein Spieler nur für außen ist.

[21h40] Die Atlanta Falcons mit RB Jaquizz Rodgers in der 5. Runde. Rodgers ist der von mir geforderte change of pace Back zum brachialen Michael Turner. Rodgers ist ein Wiesel, der in Oregon State aber verheizt wurde (über 25 Ballberührungen IM SCHNITT pro Spiel über die letzten beiden Jahre). Für Rodgers optimal: Kriegt eine funktionierende Offense und wird nur situativ eingesetzt.

[21h52] Houston Texans: Zweimal Secondary mit CB Rashard Carmichael (VT) und S Shiloh Keo (Idaho), zusätzlich zum grottenschlechten Tackler Brandon Harris. Hatte ich nicht unbedingt damit gerechnet, dass die Texans ihre bis hinter die Ohren grüne Secondary via Draft so quantitativ erweitern. Der zweite Fünftrundenpick: T.J. Yates, ein Quarterback. Damit dürfte für Matt Leinart die Tür zur NFL nur mehr einen winzigen Spalt offen sein. Ein fassungsloser Abstieg von Party-King Leinart.

[21h58] Indianapolis mal wieder mit einem Running Back: Delone Carter von Syracuse. Der Halb-Flop Don Brown ist aktuell RFA. Indy kann nicht ohne Skill Player.

[22h02] Die Chiefs haben sich an #135 mit QB Ricky Stanzi ein QB-Entwicklungsprojekt gegönnt. Schaut für mich nicht danach aus, als seit Cassell schon jetzt leicht unter Druck.

[22h05] Die Redskins haben noch haufenweise Picks in der 7. Runde. Bis hierher war heute der Tag der Offense: Zweimal WR (Paul Nikes und der SMU Mustang Aldrick Robinson, der mir persönlich in der Run’n’Shoot Offense von June Jones sehr gut gefallen hat), zweimal RB (Roy Helu, Evan Royster). Auffällig ist wie Nebraskaphilie bei den Skins: Dreimal Cornhuskers am heutigen Tag. Shanahans way of thinking: Drei Wide Receivers bisher in diesem Draft. Konnte man in etwa so erwarten.

[22h09] Ergänzung zu den Ravens: Tyrod Taylor geht in diesem Moment nach Baltimore. Taylor ist ein sehr beweglicher College-QB, der aber womöglich nur Wide Receiver spielen will – Baltimores Receiverjagd könnte also eine Fortsetzung gefunden haben.

[22h16] Sinnlosester Fact ever: Die Oakland Raiders haben angeblich die drei schnellsten Spieler der diesjährigen Combine gedraftet.

[22h19] Die Eagles in der dritten Runde mit der Einberufung von OLB Casey Matthews, dessen Bruder Clay im vergangenen September Kevin Kolb ausgeknockt hatte und Vick & den Eagles überhaupt zu der starken abgelaufenen Saison verholfen hatte. Noch interessanter: Die Eagles holten sich K Alex Henery – während sie vor wenigen Wochen den angesehenen Star-Kicker David Akers erst getagt hatten.

[22h23] New England mit zwei Picks in der fünften Runde: Einmal OT/G Marcus Cannon. Ich habe Cannon in schlechter Erinnerung, sprich Rose Bowl und J.J. Watt. Aber eben erklärte Dalton, warum Watt damals nicht geblockt wurde. Cannon sollte mehr Guard, denn Tackle sein. Zweiter Pick: TE Lee Smith. Mayock erklärt sich den Pick damit, dass Smith ein exzellenter Blocker sei und den Patriots viele Optionen gibt, da a) Crumpler rapide altert, b) Hernandez fast als reiner Wide Receiver behandelt wird und c) Gronkowski nicht alles machen kann. Die größte Sensation der Patriots zum Ende: Sie haben tatsächlich NACH OBEN (Edit: tatsächlich sind die Pats von 193 auf 194 runtergegangen. Wäre ja auch noch schöner. Aber die Sache mit der nicht vorhandenen Kompensation stimmt) getradet – als sie eben ihren #194 Pick mit dem #193 der Eagles getauscht haben. Weiteren Gegenwert gab es nicht. 193 gegen 194. Belichick sorgt für mind games.

[22h53] Belichick hat mit dem Pick #194 einen Defensive End geholt: Markell Carter von Central Arkansas. Ein FCS-College. Na also.

[22h56] So. An der Stelle klinke ich mich aus. Spieler, die bisher noch nicht gedraftet worden sind, u.a.:

QB Greg McElroy
WR Jeff Maehl
WR Dane Sanzenbacher
TE Virgil Green

NFL Draft 2011: Tag zwei im Rückblick

Die Nacht der bizarren Entscheidungen, könnte man sagen.

Allen voran die New England Patriots, die sich immer mehr zu van-Gaalscher Bockigkeit entwickeln und eine Reihe von Entscheidungen trafen, zu denen mir momentan nicht mehr einfällt als „interessant“. Need pick ist definitiv nicht in Foxboro erfunden worden. Neben wieder mal Dutzenden Trades fischte sich Belichick an #33 Ras-I Dowling, den Cornerback mit dem geilsten Namen dieser Erde. Und dann?

RB, RB, QB. Shane Vereen (Cal), Stevan Ridley (LSU) und der Hammer, QB Ryan Mallett (Arkansas). Ich hatte noch nicht mal den Ofen angemacht, um die Finger reinzulegen, dass Belichick nicht eine Sekunde über Mallett nachdenken würde. As it turned out, ich hätte mich schwer verbrannt. Immerhin hat Belichick jetzt potenziell eineinhalb Hand voll Running Backs und immer noch keinen Pass Rusher – dafür aber 2012 wieder drei Hand voll Draftpicks.

„Interessant“ ist auch, was Martin Mayhew mit den Detroit Lions anstellt. Als Lücken hatten wir Defensive Backs und Offensive Line ausgemacht. Mayhew fischte sich erst DT Fairley und in Runde zwei heute Nacht zwei skill players. Bei Boise States Titus Young passte wenigstens emotional alles (Lieblingsmannschaft, Lieblingsspieler, Lieblings-Uni und der Pick ausgerufen vom Lieblingssportler), aber danach nach oben zu traden, um sich RB Mikel Leshoure zu angeln? Ich hoffe, irgendwo steckt dahinter noch ein Masterplan.

Die volle Ladung Defense haben sich dagegen die Tampa Bay Buccs geschnappt. Nach DE Clayborn kamen heute Nacht mit DE Da’quan Bowers und LB Mason Foster noch zweimal Arbeiter für den Pass Rush. Die Buccs-Taktik 2010: Defensive Tackles. 2011: Defensive Ends. Bowers fiel vertikal durch die Boards, aus einem Grund: Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob Bowers’ Knie länger als eine Handvoll Saisons durchhält. Irgendwann war aber die schiere Rush-Gewalt zu gut, um weiter zu fallen.

Büschen Augenbrauenheben auch bei Arizonas Pick: Das Sekundengenie RB Beanie Wells sollte ersetzt werden – mit einem weiteren unkonstanten Sekundengenie. RB Ryan Williams (VT), der Giftzwerg von den Hokies.

Schotte & Trabant

Die Quarterbacks standen auch abseits von Malletts Einberufung im Fokus. Andy Dalton wurde an #35 von den Cincinnati Bengals gedraftet. Damit darf Carson Palmers NFL-Karriere in Ohio als beendet angesehen werden. Dalton ist etwas klein und ich weiß nicht, ob ich die eine bärige Rose-Bowl-Vorstellung als Beweis für Daltons Genie heranziehen sollte. Aber Dalton ist auf alle Fälle ein charakterlicher Schock für Cincinnati: Sieht aus wie ein Säufer aus dem Norden des UK, agiert wie ein Musterschüler. Dalton & A.J. Green als neue Version von Palmer & Johnson – unterschrieben.

Eine merkwürdige Entscheidung trafen die 49ers: QB Colin Kaepernick, der einst als Mischlingskind aus Wisconsin in Kalifornien aufgewachsen war und in der Pistol-Offense von Nevada sensationell aufgeigte. Ich hätte nie gedacht, dass sich Jim Harbaugh für einen QB der Güteklasse „Kaepernick“ interessieren würde. Ob damit Alex Smith doch noch ein Jahr bleiben wird?