Carolina Panthers in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#1 QB Cameron Newton (Auburn)
#65 DT Terrell McClain (South Florida)
#97 DT Sione Fua (Stanford)
#98 CB Brandon Hogan (West Virginia)
#132 WR Kealoha Pilares (Hawaii)
#166 LB Lawrence Wilson (Connecticut)
#203 C Zachary Williams (Washington State)
#244 OT Lee Ziemba (Auburn)

Bis zu allerletzt hatte ich es nicht geglaubt, aber die Carolina Panthers haben sich unter dem neuen Head Coach Ron Rivera tatsächlich entschieden, gleich zu Beginn die Football-Variante von Russisch Roulette zu spielen. Cameron Newton hat kaum 300 Bälle geworfen und ist nun #1-Pick.

Der Amerikaner sagt dazu: high risk, high reward. Newton ist ein Entwicklungsprojekt für die nächsten Jahre und wird eine sehr speziell auf ihn zugeschnittene Offense brauchen. Carolina hat mit diesem Pick den QBs Matt Moore und vor allem Jimmy Clausen mit beiden Fäusten in die Fresse geschlagen. Der Gedanke hinter diesem Pick ist: Alles oder nichts. Kann zweifellos funktionieren. Aber das Gefühl sagt eher: Nope.

Weil’s so schön ist, dieses wunderbare Stück Beschreibung zum Newton-Pick:

There’s inevitability — almost a sense of obligation — about Newton’s rise to the top of the football universe. We have seen all of this before. Newton was built from the spare parts left over from other prospects – the athleticism of Vince Young, the character questions of Ryan Leaf, the peripatetic college career of Jeff George, the sudden, meteoric arrival of Akili Smith – and anyone who follows football can do a risk-reward analysis in his or her head and reach the same conclusion: uh oh. And yet we sincerely debate his merits and potential, saying things like “character issues aside” and “if he receives strong coaching” as wishful thinking mantras, hoping we can transform the latest handsome, big-armed, fleet-footed time bomb into a franchise quarterback through the awesome power of euphemisms.

Newtonthrew 280 passes for Auburn in 2010. That works out to 20 per game, many of them quick screens to the flat that looked more like option pitches than anything Peyton Manning is asked to do. Scandal preceded him atAuburn: he arrived after a one-year junior college exile (he left Florida under clouds of allegations ranging from academic dishonesty to larceny) and promptly became embroiled in a pay-for-play scandal. After helping Auburn win a B.C.S. championship, most experts considered Newton the third or fourth best quarterback in the draft – the Pro Football Weekly Draft Guide, published before the Combine, ranked him fifth – though everyone acknowledged he might be overdrafted by a team with ticket sales issues (Jaguars, Bills) or an affinity for talented, photogenic troublemakers (Cowboys, Bengals, Cowboys, Cowboys).In the off-season, Newton ran a surprisingly slow 40-yard dash at the Combine, called himself “an icon and a showman,” overthrew a bunch of passes at his pro day, and did all the things that make red alert claxons sound in the minds of sane talent evaluators. Meanwhile, he moved up the draft board, until his status as the first overall selection was all-but-solidified by conventional wisdom.Newtonwas like a pop single: peppy, fun, overhyped, and uninspiring, yet vaulted by groupthink’s invisible hand to the top of the charts. The big difference: pop singles cost $1.29 to download.

Aus: Live-Blog der New York Times zum NFL Draft 2011.

In Runde #3 und #4 wenigstens die geforderten Defensive Tackles für die Panthers: McClain/Fua werden recht unverhohlen schnell in in die Startaufstellung geschmissen werden (müssen), aufgrund fehlender Alternativen.

Dazu für die Secondary CB Hogan und die Linebackers Lawrence Wilson als Alternativen zu halbwegs soliden (DB) bzw. recht ordentlichen (LB) Units.

Für die Offense mit WR Kealoha Pilares (dreimal dürfen sie bei diesem Namen das College erraten) eine Anspielstation, aber Carolinas Receiving Corp ist so derart blutjung, dass ich mich frage, ob man nicht noch ein bisschen Erfahrung einbringen sollte.

Der letzte Pick OT Lee Ziemba ist einer von Newtons Uni-Teamkollegen. Ob Ziemba aus rein sportlichen Gründen gedraftet worden ist?

Summa summarum

Ich kann Carolinas Risiko-Strategie nachvollziehen. Goutieren kann ich sie nicht. IMHO kommt für Newton jeder Einsatz 2011/12 zu früh. Aber: Man muss extra für Newtons Vorzüge die Offense umstellen und neu justieren. Warum also noch ein weiteres Jahr mit dem dead man walking Clausen spielen? Wie vertragen sich überhaupt zwei solche Egos wie Clausen und Newton?

Carolinas Draftees können einschlagen wie sie wollen. Wenn Cam Newton nicht Fuß fasst, wird dieser Draft immer als Fehltritt gelten.

7 Kommentare zu “Carolina Panthers in der Frischzellenkur

  1. Ich verstehe diese Skepsis gegenüber Cam Newton nicht. Carolinas Offense brauchte händeringend einen QB und hat ihn bekommen. Jimmy Claussen war es nicht, das konnte jeder sehen.

    Cam hat die Gabe, aus dem Nichts heraus ein Play zu machen und seine Rushing Qualitäten werden den Defense Coaches schlaflose Nächte bereiten. Und der Wurfstil von Cam ist bereits ein gutes Skill Set. Ich glaube, Cam wird rocken.

  2. @He Hate Me
    So unromantisch es sich anhört, aber im American Football versuchen die besten Coaches, die Kreativität ihrer Spieler („aus dem Nichts heraus ein Play zu machen“) so weit wie möglich auszuschalten.

    Warum?

    Weil sie damit im Schnitt erwiesenermaßen deutlich mehr Erfolg haben.

    Die Coaches, die ein klares System spielen und danach ihre Spieler auswählen, haben in der NFL spürbar mehr Erfolg als die Coaches, die gemäß dem ESPN’schen Heldenfootball-Gedanken die wurfgewaltigen Spielertypen oder die großen Scrambler vor dem Herrn draften. Anders gesagt: Für mich ist die Notwendigkeit, einen Spieler für „Plays aus dem Nichts“ zu benötigen, der Beweis für die Inkompetenz eines Trainers.

    Die Inkompetenz, ein adäquates Spielsystem zu basteln, in dem ein Quarterback einfach nur zu „exekutieren“ braucht (was schwierig genug ist, aber eine andere Art von Schwierigkeit).

    Kann Cam Newton ein paar 30yds-Scrambles liefern? Zweifellos.

    Aber: An wie viele spektakuläre oder „epische“ Spielzüge erinnert man sich bei Brady, Manning, Rodgers? An relativ wenige. Weil sie ihre Offense einfach „am Laufen halten“. Als verlängerte Arme des Coaches, der eine intelligente Offense kreiert hat.

    Versucht Brady auf eigene Faust, „plays“ zu machen? Nein. Brady exekutiert, minimiert Fehler und punktet sich einen ab. Weil er sich an das (Belichicksche?) Offensivkonzept hält. Bedingungslos und notfalls lieber den Ball ins Aus wirft.

    Cam Newton macht mir mit seinem Gehabe nicht den Funzen Eindruck, dass er gewillt ist, sich einem Spielsystem unterzuordnen.

  3. korsakoff, diesen Beitrag würd ich sofort unterschreiben!

    Cam hat in der Tiger’s Offenses zweifellos einen Leadertypen wieder gegeben.

    Aber es gibt einfach zuviel was gegen Cam spricht…:

    Die Hardcore Umstellung von der softy College Football Offense in Auburn, auf die Hardcore Version der NFL.

    Sein unpräziser Wurfarm, seine unerfahrenheit, usw usw usw.

    Doch die allergrößte Schwierigkeit für Newton ist mMn das Team das er um sich hat…!

    Eine O – Line die fürn Arsch ist, ein nicht vorhandenes Laufspiel, und wenn sie Steve Smith auch noch vertschüsst dann so gut wie keine anständigen Anspielstationen.

    Newton wird gezwungen sein zu sramblen, und die LB Kanonen ala Urlacher, Lewis und co. werden mit Freuden schon darauf warten sein Gesicht zu Boden drücken zu können!

    Newton ist 1ten zu früh ins falsche Team gedraftet worden, und ohne Laufspiel und Anspielstationen zum scheitern verurteilt.

    Schade um diesen jungen Mann!

  4. Ich muss noch zwei Sachen ergänzen:

    1) Ich halte es für durchaus möglich, dass Newton ein recht simples System gebastelt kriegt, ähnlich der Titans-Offense von 2009 (zumindest im Spiel gegen Buffalo wurde damals ein sehr Triple-Option-ähnliches Angriffssystem angewandt), vielleicht auch sowas wie Chris Aults Pistol-Offense (Pistol = „halbe Shotgun“, QB 4yds hinter dem Center, RB 3yds hinter dem QB).

    Etwas, in dem Newton nicht allzu komplizierte Reads machen muss und im Rahmen des Offensivkonzepts „Plays“ machen kann. Die Running Backs dafür hätte Carolina. Die Wide Receivers vermutlich allerdings nicht. Newtons Spielertyp würde dafür passen.

    Allein, wie schon angedeutet: Newton macht mir nicht den Eindruck, dass er gewillt ist, sich auf ein „niedrigeres Niveau“ zu begeben und sich bedingungslos in ein System einzwängen lässt. Das bereitete mir an Panthers-Stelle seit Monaten Kopfzerbrechen, wie auch der Fakt, dass ich eine neue Offense auf Newton umstellen muss, während vielleicht zu Beginn noch der viel konventionellere Jimmy Claussen eingesetzt wird.

    Auf jeden Fall eine spannende Situation, ist nicht zu leugnen.

    2) Auch meine Augen haben eine katastrophale Offensive Line 2010/11 gesehen. Das waren allerdings nur zwei Spiele von 16. Erstaunlicherweise kriegt die Panthers-Offense Line im Schnitt trotzdem recht gute Zeugnisse ausgestellt, auch von geschätzten Portalen, was ich angesichts der Spiele gegen Saints und Steelers nicht für möglich gehalten hätte.

  5. Pingback: Zwei Jahre danach: Cameron Newton | Sideline Reporter

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