Er war der Schattenmann

Die Riege der Fußball-Helden aus der Kindheit wird immer kleiner: Paul Scholes hat heute seinen Rücktritt erklärt.

Das ist insofern eine Nachricht wert, als dass Scholes ganz bestimmt einer der komplettesten Spieler der letzten Jahre war. Und einer der unscheinbarsten. Das Scholes-Zitat aus einer uralten Four-Four-Two-Ausgabe habe ich mir aufbewahrt:

„Morgens Training, die Kinder von der Schule holen, nach Hause. Mit den Kindern spielen, Tee trinken, Kinder ins Bett bringen, Treppe runtergehen, fernsehen.“

Scholes war der rothaarige Fighter. Scholes war der Schattenmann und einer der ersten Spieler, die ich verehrt habe. 1998 zum Beispiel, bei der WM, als die Engländer zum letzten Mal eine richtig begeisternde Mannschaft gestellt haben, inklusive Scholes’ Supertor gegen die Tunesier (ja, miserable Qualität, ich weiß):

Dass Scholes nach der EURO 2004 im Nationaldress aufgehört hat, war schade und mit ein Grund, immer weniger Empathie für die Three Lions zu empfinden.

Dass Scholes drei Jahre nach einer Augenblutung, 2007/08, nicht nur United mit einem tollen Fernschuss ins CL-Finale geschossen hat, sondern dann auch noch im siegreichen Endspiel mitmachen durfte – eine Wiedergutmachung dafür, dass er das Spiel der Spiele – Barcelona 99 – verpasst hatte.

Man hat keine exklusive Meinung, wenn man Paul Scholes vermisst. Bestimmt nicht.

Washington Redskins in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#16 DE Ryan Kerrigan (Purdue)
#41 DT Jarvis Jenkins (Clemson)
#79 WR Leonard Hankerson (Miami)
#105 RB Roy Helu (Nebraska)
#146 S Dejon Gomis (Nebraska)
#155 WR Niles Paul (Nebraska)
#177 RB Evan Royster (Penn State)
#178 WR Aldrick Robinson (SMU)
#213 CB Brandyn Thompson (Boise State)
#217 OT Maurice Hurt (Florida)
#224 DE Markus White (Florida State)
#253 DT Chris Neild (West Virginia)

Exakt ein Dutzend Picks für Washington, ein Viertel davon von den Nebraska Cornhuskers, und wenn auch nur das halbe Dutzend einschlägt, ist es ein sehr guter Draft. Washington hat potenziell viele Lücken im Kader. Die größte ist nach der sinnfreien Enteierung von QB Donovan McNabb nicht angegangen worden (QB, für Ignoranten), dafür haufenweise Einkaufen von Skill Players in der Offense.

Dreimal Wide Receivers (Hankerson, Paul, Robinson in den mittleren Runden) und zweimal Running Backs (Helu, Royster, ebenso mittlere Runden). Robinson und Helu sind mir vom College in positiver Erinnerung: Explosive Spieler, die von Shanahan reinrotiert werden.

Die verheerende Defense wurde am Anfang und Ende mit Line-Spielern und mitten drin mit Defensive Backs angegangen. Die Idee hinter DE Ryan Kerrigan dürfte eine Umschulung auf 3-4 OLB sein, da neben OLB Orapko ein zweites Element für Druck gegen den Quarterback gesucht wird. DT Jarvis Jenkins ist mehr der Edeljoker für die Defensive Line.

Interessant ist die letzte Einberufung, #253 in Runde 7: DT Chris Neild, der als wie geschaffen für die Position des Nose Tackles gilt. Washington hat eine 3-4 Defense, aber keinen Nose Tackle, weil Kemoeatu zu schlecht und Haynesworth zu bockig ist. Nicht ausgeschlossen, dass Neild sofort ausgetestet wird. Der Pick #224, DE/OLB White von der FSU, könnte für die von Shanahan gepredigte Rotation geschmissen werden.

Summa summarum

12 Picks, schön aufgeteilt: Eine Hälfte Offense, die andere Defense. Sehr gute Idee, die Defense in der Front 7 aufzuladen und haufenweise neue Optionen einzukaufen, da mit Haynesworth der gedachte Ankermann gefloppt zu sein scheint. In der Offense haufenweise Skill Players, die ein Jahr eingelernt werden dürften, bis 2012 der Franchise-QB geholt wird – oder?