NFL Free Agency 2011 – Die Stunde null

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[23h09] Was in dieser dreitägigen Free Agency bisher auffällt: Viele Teams versuchen, ihre eigenen Spieler weiterzuverpflichten. Und obwohl die meisten Verträge durchaus sehr happig sind (5 Jahre/30 Millionen dürfte so was wie der Modalwert dieser Tage sein), sind die ganz krassen Ausreißer nach oben bisher ausgeblieben. Aber CB Nnamdi Asomugha ist auch noch auf freiem Fuß.

Bei den Rookies fällt auf, dass sie schnell und angenehm ohne Theater verpflichtet werden und die Vierjahresverträge zum Großteil über hohe Handgelder ausgeschrieben werden, mit sehr wenig Grundgehalt im ersten Jahr, aber trotzdem wird das meiste Geld über die kompletten vier Jahre fix ausgezahlt („guaranteed“).

Beispiel WR AJ Green: 4 Jahre, 19 Mio. Dollar, 12,8 Mio. Signing Bonus. In Jahr eins kriegt Green zusätzlich 375.000 Dollar (Minimalgehalt für Rookies), im zweiten Jahr 1,2 Mio., im dritten 2,1 Mio. und im vierten Jahr 3,06 Mio. Dollar. Geld, das er auf alle Fälle erhält. Das Team hat eine Option auf ein fünftes Jahr. Die Option sieht vor, dass Green den Durchschnitt der zehn höchstbezahlten WR im Jahr 2015 kriegen würde – falls die Option gezogen wird, ebenso ein Fixgehalt. Das neue Rookie-System gefällt.

[22h13] #Asomugha-Poker: Dallas gilt noch immer als ein mögliches Ziel für Asomugha, aber die Cowboys haben im Gegensatz zu NYJ gerade einen neuen, teuren Vertrag an einen eigenen Spieler ausgezahlt: DE Marcus Spears kriegt 5yrs/19,2 Mio. Dollar.

[21h50] Asomugha bei den Jets wird wahrscheinlicher: Die Jets haben in den letzten Stunden den Verträge von ILB Bart Scott, RB L.T., OLB Calvin Pace und OG Brandon Moore eine neue Struktur gegeben, um Platz unter der Salary Cap schaffen zu können. Womöglich wird das Traumduo Revis/Asomugha tatsächlich wahr.

[21h30] #Salary_Cap_Floor: Tampa Bay hat heute einen Sechsjahresvertrag für 19,5 Mio. Dollar ausgestellt. Einem Punter.

[21h23] Was ich vor ein paar Tagen fast vermutet hatte, scheint zu passieren:

New Englands Kader wird mächtig ausgedünnt und verjüngt. Das „verjüngt“ war bis vor kurzem kein Belichick-Charakterzug. Dort wurde lieber per Verdrängungskampf der Kader fit gehalten. Nun scheinen die Pfifferlinge auf die letzten beiden Rookie-Klassen gesetzt zu werden.

TE Crumpler wurde wie in der Frischzellenkur erwähnt durch Lee Smith entbehrlich. OT Nick Kaczur hätte hinter dem Duo Solder/Vollmer und eventuell Light keine Chance zum Starten mehr bekommen.

Etwas merkwürdiger sind die Entlassungen in der Defensive Line: Marcus Stroud war erst im März gekommen. Ty Warren kommt von einer Verletzung zurück, aber es zeigte sich schon seit Vrabel und Seymour, dass Belichick auch seine Lieblings irgendwann ohne mit der Wimper zu zucken ziehen lässt.

OLB Banta-Clain hatten wir schon gestern. 15 Sacks in zwei Jahren waren zu viele für New Englands Pass Rush.

[20h55] Zwei Entlassungen: DE Jamaal Anderson in Atlanta und DE Derrick Harvey in Jacksonville. Zwei Spieler, die eines eint: Sie wurden vor nicht allzu langer Zeit sehr hoch einberufen (Anderson #8 2007, Harvey #8 2008) und beide haben nie wirklich ihre Verträge rechtfertigen können. Weil ich vorhin von Mr Locker schrieb.

Bleibt die Frage, wo die Herren unterkommen. Oft reichen kleine Änderungen in der Philosophie der Trainer oder einfach nur neue Landluft, um aus Top-Athleten – und beide müssen Topathleten sein, wenn sie in den Top-10 gedraftet wurden – auch nach gescheiterter Erfahrung im ersten Team noch richtig gute Profi-Footballer zu machen.

[20h42] Nicht wirklich neu, aber nicht uninteressant: Chicago hat sich WR Roy Williams geangelt. Das ist deswegen interessant, weil Williams einer der meistkritisierten NFL-Spieler ist und nur eine einzige „wirklich“ herausragende Saison spielte: 2006/07 mit Detroit, unter dem Offensive Coordinator Mike Martz. Der Offensive Coordinator 2011/12 in Chicago? Mike Martz.

[20h26] Nächste Richtzahl für Rookies: QB Jake Locker (Pick #8/Tennessee) kassiert für vier Jahre 12 Millionen Dollar. Das ist eine Zahl, die Bradford für ein Jahr kassiert – und damals wäre Locker womöglich anstelle Bradfords an #1 gedraftet worden.

[19h42] Huge Move oder so: Atlanta kauft DE Ray Edwards, den reinrassigen Pass Rusher der Minnesota Vikings, die dieser Tage ganz schön ausverkauft werden. Deal für Edwards ist die Region, die wir mittlerweile bis ins hinterste Loch kennen gelernt haben: 5yrs, 30 Mio./11,5 Mio. guaranteed. Atlanta hätte allen Augen zur Folge einen Pass Rusher im Draft holen sollen. Nun ist Edwards via Free Agency gekommen und Edwards ist erst 26. Großer Sport, Atlanta strebt mit aller Macht gen Super Bowl, und zwar besser heute als morgen, das zeigen diese Offseason-Aktionen (Jones, Edwards).

[19h06] Hierzulande (ergo: in deutschen Foren) wird auf die Baltimore Ravens eingeprügelt, weil sie gestern vier Spieler entlassen haben. Die Skepsis erschließt sich mir nicht. Das gestrige Quartett ist nicht mehr als „große Namen“ & Ergänzungsspieler. Die Ravens leben seit mehr als einer Saison nicht mehr von Willis McGahee, sondern Ray Rice als Running Back – und Rice ist ein vielseitiger Mann, dem den Ball in vielerlei Hinsicht reindrücken kannst.

WR Derrick Mason ist mittlerweile 37 und Baltimore hat mit WR Torrey Smith und WR Tandon Doss zwei Rookies (mit dem möglichen WR Tyrod Taylor sogar drei), die alle ihre Einsatzzeiten kriegen müssen. Dazu kommt der alte Kämpe Boldin. TE Todd Heap (ebenso entlassen) hatte zwar 40 Catches/5TD und einen Tag für die Ewigkeit in den Playoffs, aber bitte die Hand heben, der einen Heap als zentralen Punkt der Offense gesehen hat.

DT Kelly Gregg hat in der abgelaufenen Saison ganze 505 Snaps gespielt, weniger als die Hälfte. Gregg ist auch schon 35 und die Ravens haben mit DE Sergio Kindle und DT Terrance Cody zwei junge Spieler im Kader, die bisher kaum gespielt haben und getestet werden wollen. Solange Baltimore mit Ngata, Lewis und Suggs vorne und Reed hinten auftritt, wird diese Defense halten – und es braucht Nachfolger, da Lewis und Reed nicht mehr ewig spielen werden. Also ebenso nachvollziehbar.

CB Josh Wilson ging, aber mit CB Jimmy Wilson Smith ist da ein Rookie aus der ersten Runde, den man mit Sicherheit spielen lassen wird. (auch wenn Wilson bissl der Knallkopf vom Dienst ist)

Und die wichtigsten beiden Free Agents wurden bereits verlängert: OT Gaither und OG Yanda. Einzigen Abgang, den ich nicht verstehe: S Dawan Landry, aber die Ravens setzen wohl auf ihre jungen Safetys mit den japanischen und polnischen Namen.

[18h49] Breaking News: Seit einer halben Stunde ist Jürgen Klinsmann offiziell neuer Nationalcoach der US-Männermannschaft im Fußball. Die Assistenten werden noch nicht genannt, aber am 10. August gibt es bereits Klinsmanns Debüt, standesgemäß gegen Erzfeind Mexiko.

[18h15] Seit gestern, 23h01, ist die NFL-Waiver-Liste offiziell offen, und heute um Mitternacht mitteleuropäischer Sommerzeit dürfen die Verträge dann auch offiziell unterschrieben werden. „Offiziell“ werden die Verträge dann aber erst mit dem 4. August, dem Tag, an dem das Ligajahr beginnt.

Was hat sich heute bisher getan? Wie gewohnt, gibt es hier trotz der irreführenden Überschrift Free Agents, Rookies, Trades und alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Die Quellen sind wie immer: NFL/Yahoo, NFL/ESPN und Adam Schefters Twitteraccount – Ihre verlässlichsten und schnellsten Dienstleister neben dem Sideline Reporter.

QuarterbacksQB Vince Young hat einen Einjahresvertrag bei den Eagles unterschrieben. Da schreit die ganze Welt „Ist ja logisch!“. Schwarzer QB, recht wendig, kann Vick 1:1 ersetzen? IMHO ist Young kein Vick, weil er nicht den Raketenarm besitzt und mit weitem Abstand nicht so gut scrambelt. Ich habe es gestern bereits angedeutet: Young ist für mich kein richtiger „Scrambler“: Der Mann ist aber sehr beweglich und während Vick elektrisierend ist, ist Young mehr der Geschmeidige. Auf alle Fälle wichtig für die Eagles, einen halbwegs erfahrenen Backup nach Kolb zu haben, da Vick 2-3 Spiele/Saison mit Verletzungen fehlt.

Bei den Jets hat man QB Mark Brunell rausgeworfen. Glaubt man einigen Gerüchten, bietet sich QB Daunte Culpepper verzweifelt bei der halben Liga um einen Job an.

Ein Spieler, der zwar die „Franchise Tag“ übergestülpt bekommen hat, aber trotzdem einen neuen Vetrag will: QB Peyton Manning. Die Colts versuchen sich gerade an der Gotteslästerung und wollen Manning einen Salarycap-freundlichen Deal unterjuxen, was Manning bestimmt nicht mitmachen wird. Kollateralschaden: Den Colts sind aufgrund der Ungewissheit um Manning die Hände in der Free Agency gebunden.

Denver dagegen wird QB Kyle Orton nicht los, weil Miami nun auch noch Matt Moore eingekauft hat und somit kein Interesse mehr an Orton hat. Außerhalb von Denver fallen mir nicht mehr allzu viele Plätze mit Starterchancen für Orton ein – es sei denn, die Broncos scheuen trotzdem noch erstmal Tebow.

Running Backs – Die Saints haben ihren neuen Reggie eingekauft: RB Darren Sproles (4yrs/14Mio./6M guaranteed). Sproles ist noch ein bissl kleiner als Bush, ein bisschen kräftiger, aber insgesamt nicht so explosiv. Ungefähr gleich wenig in der Lage, eine Offense zu tragen, aber als RB/WR/KR/PR-Kombination immer in der Lage, ein Big Play herauszuschinden. Und wo passt „Big Play“ besser hin als nach New Orleans?

Sehr interessanter Deal in Denver: RB Willis McGahee geht für drei Jahre dorthin. Gehalt: 7,5 Mio. Dollar. McGahee ist nicht mehr der große Superstar wie einst in Buffalo und anfangs in Baltimore, aber ein harter Knochen immer noch.

Ziemlich brutal ist die Entlassung von FB Leonard Weaver. Ich werde kein Video von der horrenden Verletzung Weavers online stellen. Die NFL ist brutal zur Ressource „Mensch“ und die Eagles und Weaver sind keine Ausnahme.

Tight Ends – Die Carolina Panthers mal wieder. TE Greg Olsen aus Chicago geholt, für wenig Kompensation: Später Draftpick und ein Ersatzspieler. Die Panthers versuchen nichts ungenützt zu lassen, um QB Cameron Newton Anspielstationen und Entlastung zu geben. Unter John Fox wäre das nicht möglich gewesen: Mit Shockey und Olsen zwei Tight Ends, die eher fangen als blocken!

Offensive Line – Die Pittsburgh Steelers halten mit OT Willie Colon (5yrs/29 Mio.) ihren besten Tackle, während OT Max Starks ohne Umschweife gehen gelassen wurde. Ziemlich ähnlicher Deal für OT Tyson Clabo in Atlanta: 5yrs/25 Mio./11,5M guaranteed, mit Option auf zwei weitere Millionen.

Defensive Line – Deal des Tages ist der Vierjahresvertrag für DT Marcell Dareus in Buffalo: 20 Mio. und alle 20 Mio. guaranteed. Das ist die Strategie, um die Basisauslastung zusammenzubekommen, mit der man ein Salary Cap/Salary Cap Floor leichten kontrollieren kann.

Linebackers – Carolina, wer sonst? MLB Jon Beason, der knallharte Hitter, kriegt einen gewaltigen Vertrag: 5yrs/50 Mio./25 guaranteed. Was die Panthers dieser Tage ausgeben, passt gar nicht zur bisherigen Knauser-Strategie. So ist datt, wenn man zu seinem Glück gezwungen wird.

CornerbacksCB Joseph ist Houston also tatsächlich so viel wert: 5yrs/49 Mio./23,5 guaranteed, davon 12,5 Mio. zur Unterschrift. Joseph wird die Defense der Texans massiv verstärken, allerdings ist Joseph gerne 4-5 Spiele/Saison verletzt.

Safetys – Jacksonville hat sich S Dawan Landry geschnappt. Die Jaguars mit zwei sehr guten Neuverpflichtungen in zwei Tagen: Session und Landry.