College Football 2011/12 Preview: Atlantic Coast Conference (ACC)

FBS-Preview 2011/12, die Achte. Die Atlantic Coast Conference ist im Westen Osten (memo: die Atlantikküste befindet sich im OSTEN) der Staaten beheimatet, quer von Nord nach Süd, beginnend mit Massachusetts (Boston College) bis nach Südflorida (Miami). Trotz einiger ganz großer Namen ist nicht nur die Basketball-Abteilung, sondern vor allem die Football-Abteilung der ACC in den letzten Jahren immer durchwachsener geworden, obwohl sich im hochklassigen Highschool-Sport Floridas die Footballtalente schier auf die Füße treten.

(Für eine abgespeckte Variante bitte zu meinem Spox-Eintrag wechseln)

Atlantic Division – Seminoles vs. World

„Durchwachsen“ war jahrelang das Stichwort, das zu den Florida State Seminoles geführt hat. Seit dem unschönen Abgang von Headcoach-Legede Bobby Bowden ist in Tallahassee aber neuer Schwung eingekehrt, wofür vor allem ein Mann zuständig ist: Jimbo Fisher, jahrelang Bowdens Nachfolger in spe. Fishers Debütsaison 2010/11 war recht vielversprechend.

In der Offense ist mit dem hohen Draftpick Chris Ponder der Quarterback abhanden gekommen, doch so bizarr es klingt: Nachfolger E.J. Manuel, ein Ziehkind Fishers, könnte mit seiner Beweglichkeit gar die bessere Option für diese Offense sein – denn die RedZone-Offense war alles andere als überzeugend (Chick-fil-A Bowl!!).

Positiv für Manuel: Seine Erfahrung von mehreren Einsätzen für den verletzungsanfälligen Ponder, eine erfahrene Offensive Line und ein sehr breit aufgestelltes Laufspiel für verschiedenste Spielsituationen. Allenfalls der 120kg-Brecher fehlt. Ähnliches gilt für das Passspiel: Zwischen Sprintern und possession receivers ist alles dabei – inklusive Erfahrung.

Die Defense lebt in erster Linie von einem aggressiven Pass Rush, der angeführt wird von DE Brandon Jenkins, der 2010/11 aus dem Nichts zur absolut dominanten Waffe explodiert ist und im Winter in Richtung NFL abwandern könnte. Mit sehr guten Starter-Chancen ausgestattet ist DE Björn Werner. Deutsche Verpackung, deutscher Inhalt: Werner ist vor eineinhalb Jahren von den Berliner Adlern über Highschool-Umwege an die FSU gegangen, hat geheiratet und gilt als legitimer Starter.

Neben dem Quarterback zerreißen sich die meisten über die Secondary das Maul, was hauptsächlich an der phänomenalen Rekrutierungsarbeit in den letzten Jahren liegt. Das geht soweit, dass der massivst gehypte LaMarcus Joyner nur Free Safety spielen darf, da die Passdeckung vom aufstrebenden Pärchen CB Xavier Rhodes/Greg Reid gebildet wird. Reid ist nebenher ein brillanter Punt Returner.

Seit Mark Stoops (Bobs Bruder) die Seminoles-Defense coacht, hat diese Uni die Siebenmeilenstiefel in der Entwicklung angezogen, und das erschreckenste: Die meisten Athleten sind entweder noch zwei Jahre spielberechtigt oder aus dem nie versiegenden Talentepool von Floridas High Schools bald ersetzbar.

Die allermeisten sehen Florida State irgendwo in der Nähe des National Titles spielen, trotz des neuen Quarterbacks, und der Schedule hält außerhalb der schwachen ACC-Aufgaben nur zwei echte Prüfsteine bereit. Die haben es allerdings in sich: Woche 3 kommen die womöglich an #1 gerankten Oklahoma Sooners ins Stadion und zu Thanksgiving muss man zu den verhassten Florida Gators. Eine einzige Saisonniederlage könnte aufgrund der schwachen ACC schon zu wenig sein hinsichtlich BCS-Titelambitionen.

Und dann ist da noch jenes beklemmende Gefühl, wenn eine Mannschaft quasi per Reputation aus dem Nichts zum Titel-Kandidaten in der BCS gehypt wird. Ein erfolgreiches Ende einer solchen Mission wäre IMHO eine Weltneuheit.

Der Rest der Atlantic Division sieht sich in der Rolle des Spoilers für Florida State. Die Clemson Tigers zum Beispiel, ein Kultteam daheim in einer Kleinstadt in South Carolina. Stichwort Memorial Stadium, genannt Death Valley, gelegen in einem Tal mit Blick auf einen Friedhof. Clemson war jahrelang gecoacht von Terry Bowden, dem Sohnemann von FSUs Bobby, aber seit drei Jahren ist Dabo Swinney am Werk – und schon schwer unter Druck: Trotz schneller, spektakulärer Defense reißt man wenig, weil die Offensividentität pure Langeweile ist.

Swinney wird in dieser Saison auf die Trumpfkarten „No-Huddle-Offense“ (eine in der ACC kaum bekannte Offensivtaktik) und „Verjüngung“ setzen und kann dabei auf alle Fälle auf eine sensationelle Recruiting-Class verweisen: RB Mike Bellamy z.B. wird gehypt ohne Ende und soll sofort starten. Sollte Swinney gehen müssen – und eine weitere durchwachsene Saison ist angesichts des brutalen Schedule nicht ausgeschlossen – wird er auf alle Fälle einen großartigen Recruiting-Jahrgang hinterlassen.

Die kleine Uni Wake Forest ist unter dem sympathischen Coach Jim Grobe eine Wundertüte, mal ohne Ambitionen zu 8-5 und ACC-Champ, mal als Anwärter 3-9, wie 2010/11, weswegen in diesem Sommer die Erwartungen niedrig sind. Grobe setzt auf eine erfahrene Offense und auf guten Pass Rush in der Defense. Ob das gegen neun Gegner mit Bowl-Ambitionen reichen wird?

Beim innerstaatlichen Rivalen North Carolina State sind die Probleme hausgemacht: 2010/11 war überraschend positiv (9-4), aber in der Offseason schaltete der eigentlich erfahrene Head Coach Tom O’Brien den Selbstzerstörungsmodus ein und mobbte QB Russell Wilson ohne erkenntlichen Grund vom Campus. Nun muss ein unerfahrener Quarterback hinter einer rundumerneuerten Offense Line antreten – O’Brien wird jetzt schon wissen, welche Schlagzeilen ihm im Falle eines Kollapses drohen.

Auch 9-4 schafften die Maryland Terrapins und trotzdem musste der Stratege hinter dem kontinuierlichen Aufstieg der Terps gehen: Ralph Friedgen ist mittlerweile durch UConns Randy Edsall ersetzt. Edsalls Wechsel spricht für dessen Ambitionen: Hätte er dank Fiesta Bowl bei UConn einen gemütlichen Job bis ans Lebensende gehabt, wird das Leben in Maryland etwas turbulenter sein. Ich gehe davon aus, dass Edsall eine ähnlich lauforientierte Offense wie bei UConn spielen lassen wird, wobei der QB Danny O’Brien 2010/11 tolle Zahlen hingelegt hat: 2438yds, 22 TD, 8 INT, und das als Freshman.

Im hohen Norden der ACC kämpfen die Boston College Eagles im Land der Patriots um Aufmerksamkeit und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob das Bostoner Urgestein Frank Spaziani sich als Head Coach eignet. Spaziani wird seine ultralangweilige Offense vorgehalten, so was wie die College-Version von Marty Ball – aber bei einem RB wie Montel Harris (über 3600yds in drei Jahren) und einem so unerfahrenen QB wie Chase Rettig sollte man so was nachsehen.

Boston Colleges große Stärke ist die Laufdefense mit LB Luke Kuechly, der sensationell gut sein soll und im Schnitt pro Spiel 14,1 Tackles macht. Über Kuechly schreibt der großartige Paul Myerberg folgendes:

Kuechly is a middle linebacker straight from central casting, a big, tall, tough, nasty, rough, gritty, unstoppable tackling machine – 183 of them a year ago, most in the F.B.S., after ranking second in the nation in that category as a freshman.

Allerdings müssen die Eagles einen verdammt ungünstigen Schedule spielen, inklusive der drei vermeintlichen Topteams aus der anderen Division.

Coastal Division – Hokies vs. World

Die sich da recht sinnfrei „Coastal Division“ nennt. Und während wir in der Atlantic-Version aus dem Süden in den Norden gefahren sind, drehen wir um und beginnen diesmal mit den Virginia Cavaliers, kein sportlicher Topfavorit, aber eine sympathische Uni mit viel Frischwind aus dem Trainerbüro. Head Coach Mike London ist seit 2010 am Werkeln und hat mit seinen drei Grundprinzipien einiges bewegt:

Go to class.
Show class.
Treat people with dignity and respect.

Das muss man bei 90-Mann-Kadern erstmal durchhalten. Das Substanziellste an Londons Arbeit bisher: Trotz 4-8 ist von Malaise nicht mehr viel zu spüren, da die Cavs vor Feuer glühen und sämtliche Gegner mit blauen Flecken aus dem Stadion prügeln. London hat auch trotz unterlegener Ressourcen bisher den Wettbewerb um die besten innerstaatlichen Talente gewonnen.

Und zwar gegen die Virginia Tech Hokies, kein schwacher Gegner auf diesem Gebiet. Die Hokies sind unter Head Coach Frank Beamer (im 25. Jahr in dieser Position) seit Jahren eine Konstante, fast immer irgendwo zwischen 10 und 20 in den verschiedenen Polls vertreten. Der ganze große Wurf ist noch nicht geglückt – und nun ist der Hauptgrund für die starke Mannschaft der Vorsaison weg: QB Tyrod Taylor. Der neue ist das sagenhaft gebaute Mischlingskind Logan Thomas (1,98m, 115kg), ein Mann mit einem Spielstil wie Cameron Newton. Die Defense zeichnet eine starke Front Seven mit großem Zug zum Quarterback aus. Potenzielles Plus im Rennen um das BCS-Endspiel: Ein recht lauwarmer Schedule… bis dann im ACC-Finale womöglich Florida State wartet?

Von Virginia nach Carolina, genauer gesagt: North Carolina, wo sich im Herzen des Bundesstaates vier Unis auf 50km Radius die Kante geben. Wake Forest/NC State aus der Atlantic Division, und dann die beiden Basketball-Universitäten in Durham (Duke) und Chapel Hill (UNC). Zwei verfeindete Unis wie Feuer und Wasser. Die  Duke Blue Devils sind im Football allerdings keine große Nummer, was sich an der Bilanz von Head coach David Cutcliffe ablesen lässt: 12-24 in drei Saisons – eine der besten Footballbilanzen in Dukes Geschichte. Kopfschmerzen macht die katastrophale Defense, während die Offense um den starken RB Desmond Scott über recht gute Bausteine verfügt.

Sehr viel ambitionierter ist das Footballprogramm der University of North Carolina Tar Heels aus Chapel Hill – die Hellblauen fallen Jahr für Jahr mit massiven Recruiting-Bestrebungen auf. So massiv, dass die seit Jahren kochenden Gerüchte um Bestechungsgelder zum Jüngsten Gericht führen könnten: Über UNC schwebt die Death Penalty, die Auflösung des Footballprogramms. Als erste Gegenmaßnahme wurde vor drei Wochen Chefcoach Butch Davis wegen zu großer Toleranz mit seinen korrupten Assistenzcoaches gegangen. Da auch am amerikanischen College die Hiobsbotschaften in Salamitaktik nach außen dringen, werden wir in schönen Abständen bald mehr erfahren – ich kann mir kaum vorstellen, dass die Turbulenzen die sportliche Bilanz nicht beeinträchtigen werden.

Dabei wäre Potenzial vorhanden (harhar, woher denn bloß?), vor allem in der Defense, wo der angehenden Superstar-DE Quinton Coples nach einer Saison als DT-Notnagel nun neben dem angehenden Superstar-DT Donta Moss-Paige für Rabatz sorgen wird. In der Offense sind die Top-Spieler noch höchst unkonstant. WR Dwight Jones fing 2010/11 946yds, die sich so verteilen: 233yds gegen Florida State, 198yds gegen Virginia, 121yds gegen Duke, 394yds gegen die restlichen neun Gegner. Der Schedule ist einfach, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass UNC es bis ins ACC-Finale schaffen kann.

Ihre ganz eigenen Erfahrungen mit NCAA-Auditoren haben die Georgia Tech Yellow Jackets jüngst gemacht (und dabei keine gute Figur abgegeben), doch man scheint mit einer vierjährigen Bewährungsstrafe und 100.000 Dollar Bußgeld und einem nachträglich aberkannten ACC-Titel davonzukommen.

Schlimmer für Headcoach Paul Johnson ist: QB Josh Nesbitts College-Karriere ist zu Ende. Wir sprechen hier von dem Quarterback schlechthin für Johnsons spektakuläre Triple-Option-Offense aus der Flexbone-Formation. Ersatzmann Tevin Washington war zulezt kein adäquater Ersatz und schon kriechen die Stänkerer wieder aus ihren Löchern und werfen Johnson die angeblich antiquierte und gegen schnelle Defense ineffiziente Option-Offense vor. Dabei sähe ich den größten Handlungsbedarf im Defensive Backfield, das reihenweise verbrannt wurde.

Das verblassende U

Und damit ganz tief in den Süden Floridas: Welcome to The U, Welcome to the Miami Hurricanes, dort, wo vor zwei Wochen einer der massivsten Korruptions-Skandale ever im College Football aufgedeckt wurde.

Mitten drin: Ein Booster, der durch Immobilienspekulation in jungen Jahren extrem reich geworden war, und sich mit Geld, Partys, Nutten und allerlei sonstiger Zuwendungen Hurricanes-Spieler als „Freunde“ kaufen wollte. Der Booster – Nevin Shapiro – sitzt mittlerweile seit Dezember wegen illegalem Pyramidensystemspiels („Ponzi“/Schneeballsystem) 20 Jahre im Knast.

Die Tragikomödie: Als Shapiro vergangenen Herbst in Schwierigkeiten geriet, rief er seine „Freunde“, NFL-Superstars wie Andre Johnson/Wilfork/Vilma/Konsorten, an und wunderte sich, dass diese überhaupt kein Interesse an möglichen Hilfestellungen zeigten. Tief enttäuscht packte Shapiro bei Yahoo! aus – den Canes drohen nun massivste Sanktionen, das Damoklesschwert death penalty ist nicht ganz ausgeschlossen.

Treppenwitz: Bei den jüngsten NCAA-Ermittlungen gegen USC war Paul Dee mit weit aufgerissener Klappe („Große Programmen müssen groß bestraft werden“) Chef-Ermittler. Paul Dee, der Direktor der Sport-Abteilung bei den Miami Hurricanes über all die Jahre, in denen Shapiro unbeaufsichtigt mit der halben Mannschaft ins Bett hüpfte.

Fraglich, wie sich die Mannschaft machen wird – immerhin sind mehrere aktuelle Spieler auch im Verdacht, mit Shapiro verbandelt gewesen zu sein. Und dann kommt noch der Fakt, dass die Mannschaft einen neuen Head Coach bekommen hat: Al Golden (aus Temple/Philadelphia gekommen), der den netten, aber glücklosen Randy Shannon, einen (zu?) sehr auf Kontrolle bedachten Schwarzen, ablöst – und für die Hurricanes ein Risiko ist: Golden gilt seit Ewigkeiten als Joe Paternos Nachfolger in Penn State – wenn Golden bei diesen Widrigkeiten halbwegs Erfolg haben wird und Paterno irgendwann in den nächsten 15 Jahren doch mal seinen Job niederlegt… who knows, Golden wird dann wohl weg sein.

Goldens Spezialität ist, Defenses aufzubauen. In Miami findet er eine statistisch hervorragende Mannschaft vor: #1 in der ACC in der Offense, #3 in der ACC in der Defense. Ein Mysterium, dass es nur zu sieben Siegen reichte – Shannons Schwächen im Clock Management waren allerdings legendär.

So findet Golden einen insgesamt höchst talentierten Kader vor, dessen größtes Fragezeichen aber ausgerechnet der Quarterback ist: Jacory Harris, ein Mann mit bei Zeiten fürchterlichen Aussetzern, der ganze Drives und Spiele im Alleingang kaputt machen kann. Harris kann sich mittlerweile seines Platzes nicht mal mehr so sicher sein: In der Hinterhand wartet mit Stephen Morris ein junger Mann. „Jung“, nicht „überzeugend“, ansonsten wäre Harris wohl schon lange abgesägt.

Knackpunkt für Golden neben den möglichen Sperren für die halbe Mannschaft: Weil nach dieser Saison haufenweise Seniors die Uni verlassen werden, müssen parallel zum Saisonablauf massivste Ressourcen ins Recruiting gesteckt werden – Zeit, die in der Entwicklung der Mannschaft fehlen könnte – und in den nächsten Jahren werden viele, sehr viele Stipendien von der NCAA gestrichen werden.

Nur noch vier Conferences übrig? Morgen im neunten Teil wird es nach schwere Rucksäcke voller Tradition geben.

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College Football 2011/12 Preview: Mountain West Conference (MWC)

Die Mountain West Conference ist eine recht junge Conference und aktuell stark im Wandel begriffen. Wenn alle Bewegungen der letzten beiden Jahre mit TCUs Abgang im kommenden Jahr beendet sein werden, wird die MWC 10 Mitglieder zählen und nicht mehr und nicht weniger als eine verbesserte WAC sein.

Trotz dann namhafter Abgänge (Utah, BYU, TCU) dürfte die Conference ab 2012 an sportlicher Attraktivität gewonnen haben: Boise State und Nevada sind Kaliber geworden, Fresno State gehört seit Jahren zu den WAC-Größen und Hawaii ist reinstes Recruiting-Gold.

Kleines Hintertürchen in Sachen „nicht mehr als eine verbesserte WAC“: Mit ein bisschen Kalkulations- und Verhandlungsglück ist es nicht ausgeschlossen, dass die MWC 2013 und 2014 eine BCS-Conference sein wird. Die Chancen stehen tatsächlich wohl eher gering, werden die MWC-Kernmärkte nach dem Abfall des TV-Marktes in Fort Worth/Dallas (TCU) ab 2012 nur noch 6% des TV-Marktes in den USA ausmachen.

Boise State Broncos

Boise Turf Big Bubya

Das Markenzeichen von Boise State: Knallblaues Spielfeld - ©Flickr/Big Bubya

Die Boise State Broncos scheiden zwischen „gnadenlos gut“ und „völlig überschätzt“ die Geister und dürften favorisiert auf den MWC-Titel sein. Das große Ziel ist aber die BCS, wenn möglich das National Championship Game.

Die Boise State University ist eine recht junge, pulsierende Bildungsanstalt, deren rasantem sportlichem Aufstieg selbst die größten Kritiker allerhöchsten Respekt zollen. Was in der Hauptstadt von Idaho trotz limitiertem Recruitings und relativ geringer Budgets innerhalb weniger Jahre aufgestellt wurde, ist sagenhaft – Boise State spielt erst seit 2001 in der obersten Kategorie (FBS) mit und hat sich zu einem alljährlichen BCS-Buster hochgespielt. Haupt-Protagonist der Erfolge: Head Coach Chris Petersen, ein Pokerface und Offensiv-Geist vor dem Herrn.

Die Unaufgeregtheit der Broncos spiegelt sich nicht nur in der stets gleichbleibenden Miene Petersens, sondern auch im unschuldigen Gesicht von QB Kellen Moore, der 38 seiner 40 Spiele am College gewonnen hat (bei einer Niederlage mit einem Punkt und eine Overtime-Niederlage mit drei Punkten. Fassungslos). Moore, Linkshänder, wirkt recht harmlos, ist aber kaum aus der Ruhe zu bringen und wirkt extrem souverän in der Pocket, selbst unter Druck. Trotz nur 1,83m nicht ausgeschlossen, dass wir es mit einem Quarterback für die NFL zu tun haben.

Die Offensive Line muss allerdings umgebaut werden, allein der allgemein als NFL-1st round-Kaliber OT Nate Potter bleibt eine Konstante. Das Laufspiel wird vom untersetzten, kräftigen RB Doug Martin und seiner Handvoll Kollegen getragen, Top-WR dürfte nach den Abgängen von Young/Pettis Kellens Bruder Kirby Moore sein.

Eine harte Nuss beim Boise Viewing: Die Offense. Während Boise State neben dem Spielfeld und vor allem mit seinem Spielfeld (Stichwort: stechend blauer Spieluntergrund) recht peppig daherkommt – man könnte auch sagen: „schreiend“ – will die Philosophie auf dem Spielfeld so gar nicht zu diesem Image passen. Petersens Offense ist extrem punktegewaltig (über 40Pkte/Spiel), aber irgendwie… eigenartig, nicht etwas für die Laufstege dieser Welt.

Jeder Spielzug beginnt mit viiiiel Bewegung an der Line of Scrimmage, Scharen an Leuten laufen durch die Gegend, ehe sich rund um QB Kellen Moore eine Block-Armada aus Offensive Line, Tight Ends und Fullbacks aufstellt. Nach dem Snap meistens der kurze, schnelle Pass – und es ist frappierend auffällig, wie häufig die Defense verarscht wird: End-Arounds, Läufe und Würfe gegen die Laufrichtung der Defense, Fantillionen Tackles ins Nichts.

Die Offense wirkt unglaublich unaufgeregt, spielt mit einer ungesehenen Seelenruhe ihren Stiefel runter, streut zwischendurch immer mal wieder einen Spielzug aus der Trickkiste ein und scort fast in jedem Drive, häufig Touchdowns. Selbst nach großen Raumgewinnen, selbst gegen unterlegene und tote Gegner wird hier nicht der K.o.-Schlag gesucht. Die Offense kehrt immer wieder zu ihrem fast einschläfernden Kleingewichse zurück.

Ich gebe zu, dass ich es nicht recht beschreiben kann: Systemloses System mit System, oder so. Büsschen was Parasitäres, büsschen Trickspielorgie, büsschen Ratlosigkeit meinerseits. Aber es ist eine Offense, zu der ich Vertrauen hege – und die auf alle Fälle sehenswert ist. Ein Problempunkt, der gegen Nevada auffiel: Aufgrund der schieren Dominanz und des Schonens der Starter im Schlussviertel geht den Broncos im Falle eines 60minütigen Grabenkampfs womöglich irgendwann die Puste aus – schneller als bei der Konkurrenz.

Die Defense mit ihrem 4-2-5 ist schwerer von Abgängen gebeutelt. Der beste Pass Rusher DE Ryan Winterswyk ist weg, dazu fehlen die drei besten Defensive Backs: CB Brandyn Thompson (Redskins), SS Jeron Johnson (Seahawks) und S Winston Venable (Bears?) – Venable hatte meistens den Freigeist gegeben und wird nun wohl von Cedric Febis ersetzt.

Boise State hat von der MWC-Führung als Begrüßungsgeschenk das Verbot aufgebrummt bekommen, auf dem heimischen Spielfeld knallblaue Trikots auf knallblauem Untergrund (s. Bild) zu tragen. Könnten also orangene Heimleibchen werden – wie gemacht für unsere holländischen Sportsfreunde in der Mannschaft: Genannter Febis, WR Geraldo Hiwat und DT Ricky Tjong-a-Tjoe bilden unser Oranje-Trio. Eine Story hat ihnen vor Monaten mal Rivals.com gewidmet.

Der Blick wird mal wieder gen BCS-Bowls gehen – wie immer in den letzten Jahren. Zum dritten Mal in Serie wird die Saison gegen einen ganz großen Gegner eröffnet: 2009 putzte man Oregon, 2010 Virginia Tech, diesmal ist auf „neutralem“ Feld Georgia dran. Georgia war schon vor sechs Jahren mal im Schedule, und damals verlor BSU haushoch 13-48. Dass in diesem Jahr mittlerweile der Zwerg BSU gegen den Giganten Georgia beim Spiel in Atlanta favorisiert ist, zeugt von der Verschiebung der Kräfteverhältnisse bzw. der Ehrfurcht, die den kleinen Broncos mittlerweile entgegengebracht wird.

TCU Horned Frogs

Boise State hat Chris Petersen, die TCU Horned Frogs haben Gary Anderson Patterson, ihre Version vom langjährigen, visionären Head Coach, der den Verlockungen der Big Cows widerstanden hat und trotz zahlreicher Angebote immer noch daheim coacht. TCU war in der vergangenen Saison so was wie der heimliche National Champion, durfte aber trotz Ungeschlagenheit nicht im BCS-Finale antreten. Dafür putzte man verdient BigTen-Champ Wisconsin in der Rose Bowl.

Danach allerdings verließen haufenweise Spieler die Universität, angeführt vom großartigen QB Andy Dalton und TCU hat nun eine recht unerfahrene Mannschaft. Daltons Nachfolger QB Chase Pachall ist noch sehr grün, aber die Horned Frogs laufen eh viel lieber als sie werfen und verfügen über Running Backs wie andere über Zahlscheine. Sorgen macht allerdings die Offensive Line, wo 4/5 Uni-Abgänger waren.

Prunkstück von TCU ist aber die Defense, die womöglich landesweit beste. Selten, dass TCU mehr als zehn Punkte kassiert, und das liegt zu großen Teilen am sensationellen Linebacker-Duo: Tank Carder und Tanner Brock dominieren das Spiel, und das merkte man in der Rose Bowl ganz massiv.

2011/12 scheint für TCU ein Übergangsjahr zu sein, ein Aufbaujahr, um dann 2012/13 mit dem Wechsel in die Big East Conference ein richtiger Player im BCS-Wettkampf zu werden. Unterschätzen sollte man die Horned Frogs aber auch in dieser Saison nicht.

Die potenziellen Spoiler

Die Falcons von der US-Air Force aus Colorado gelten als dark horse auf den MWC-Titel. „Air Force“ wie „wir waren seit fünf Jahren stets maximal 117ter von 120 im Passspiel“. Netter ausgedrückt: Hier werden sämtliche Gegner über den Haufen gelaufen, wenn nötig über vier Downs. 2010/11 holte sich die Air Force sogar den Commander-in-Chief’s Cup – die Meisterschaft unter den US-Militärs (Air Force, Navy, Army).

QB Tim Jefferson warf dabei ganze 152 Pässe – der Rest besteht aus knallhartem Laufspiel (letztes Jahr #2 im College Football) über eine Handvoll verschiedener Running Backs und immer wenn es bei 3rd und 4th downs eng wird, werden die Fullbacks ins Getümmel geschmissen. Das Beeindruckende an den Falcons: Sie machen schlicht keine Fehler. Sie werfen dich nicht vom Hocker mit endlosen Laufspielorgien, aber sie spielen ihren Stiefel runter und zwischendurch immer mal wieder ein langer, tödlicher Pass in die Tiefe. Troy Calhoun hat hier einen Anwärter auf höhere Ziele beisammen.

Einen noch gepflegteren Ball spielen die San Diego State Aztecs, lange Zeit unter ferner Liefen, im Vorjahr aber plötzlich in 9-4 Sphären aufgestiegen. Allerdings ist Head Coach Brady Hoke nun gen Michigan abgewandert und es wäre nicht das erste Mal, dass eine Mannschaft nach so schnellem Aufstieg und Trainerwechsel wieder in der Versenkung verschwindet, zumal mit WR Demarco Sampson und WR Vince Brown die beiden besten Anspielstationen abhanden gekommen sind. Noch da sind QB Ryan Lindley und RB Ronnie Hillman (1532yds, 17TD als Freshman), die Hauptprotagonisten einer Offense, die 29 TD via Luft und 28 TD auf Bodenweg gemacht hat – gemeinsam mit einer eingespielten Offense Line schaut das Fundament der Aztecs allerdings so schlecht nicht aus. Die Defense spielt ein 3-3-5, mit einer Secondary aus einem Free Safety („Aztec“) und zwei Stong Safetys („Warriors“) – ein Konzept, das Rocky Long eingeführt hat. Long ist nun Head Coach.

Schon seit Monaten sabbert man in San Diego dem 24. September entgegen. Dann nämlich geht es nach Ann Arbor, zu Michigan, zum Wiedersehen mit dem alten Coach Brady Hoke. Und dann – es ist Woche 4 – werden wir schon einen Eindruck davon haben, wie brutal Hokes Abgang sich auf San Diego State ausgewirkt haben wird.

Bodensatz

Der Rest der Conference dürfte Kanonenfutter sein und die ambitionierte MWC mehr hemmen denn zu einem möglichen BCS-Status beitragen. Die Wyoming Cowboys besitzen einige Ingredienzien, um irgendwann mal wieder nach oben blicken zu können, aber noch hängen die schwache 2010er-Saison und ein tödlicher Autounfall einer Handvoll Spieler nach. Wyomings Offense lebt vom Hoffnungsträger RB Alvester Alexander, der diese Saison erstmals durchspielen soll, aber Head Coach Dave Christensen gilt mehr als Quarterback-Entwickler denn als Fan von Running Backs. Für deutsche Fans interessant: In der Defense spielt mit Oliver Schober ein (nicht so „deutsch“ aussehender) Middle Linebacker, dem hinter einer potenziell starken Defensive Line ein sehr starker Herbst prognostiziert wird.

Wyoming hat 2010 nur einen einzigen Sieg gegen einen Conference-Rivalen gehabt: Ein 44-0 über die noch schlechteren Colorado State Rams, die ihre Blütezeit vor einem Jahrzehnt hatten. Head Coach Steve Fairchield gilt als Eigengewächs, war einst QB für die Rams, und steht daher auch trotz zweier ganz schwacher Spielzeiten zuletzt noch unter Artenschutz.

„Artenschutz“ ist nicht grad das, was Mike Locksley bei New Mexico genießt. Nach zwei Spielzeiten, einer 2-22 Bilanz, Prügelgeschichten gegen Spieler und einem Vergewaltigungsvorwurf ist die verbleibende Anerkennung der Fans in der Wüste eher drei Meter unter der Erde anzusiedeln. Locksley war als Offensivgenie und starker Recruiter bei den Lobos (spanisch für „Wölfe“) angetreten, aber bisher macht eine schwache Offensive Line die Basis jeder Locksley-Offense, das Laufspiel, kaputt. Eine unterirdische Defense tut das ihrige und so kassierte man zuletzt trotz +4 Turnovers eine haushohe Niederlage gegen Wyoming. Der Gestank „Trainerentlassung“ müffelt schon schwer aus der Wüste herauf.

Auch in Las Vegas spielt man College Football: Bei den UNLV Rebels (University of Nevada/Las Vegas). Gestatten, das Looser-Programm der MWC, seit 1996 in der FBS, bisher eine einzige Winning Season (Saison mit über 50% Siegen), und auch unter dem neuen HC Bobby Hauck setzte sich die Misere fort: 2-11 mit 11 glasklaren Niederlagen. Ob man sich daran hochzieht, dass sich die Gegnerschaft recht ordentlich las? (u.a. Wisconsin, Utah, Nevada, West Virginia, TCU, Air Force, San Diego State, Hawaii und BYU) Der kommende Schedule verspricht, keinen Deut einfacher zu werden.

In Teil 8: Die Rückkehr einer Großmacht – oder?

College Football 2011/12 Preview: Big East Conference

Teil 6 der großen Saisonvorschau im College Football features: Big East Conference, die erste der BCS-Conferences, d.h. der Conference-Champ bekommt auf alle Fälle einen Platz in einer der lukrativen BCS-Bowls, unabhängig von seinem Ranking in den Polls. Beheimatet im Nordosten der USA, mit einem ganz großen Ausreißer, der University of South Florida, die ein paar tausend Meilen weiter südlich im Tampa spielt, sieht man die Big East seit Jahren auf dem absteigenden Ast, nachdem Miami, Virginia Tech und Boston College gen ACC abgewandert sind. In anderen Worten: Nicht wenige sind der Meinung, dieser Conference müsste der automatische Startplatz in der BCS-Bowl entzogen werden.

Gegenreaktion: Ab 2012 werden die TCU Horned Frogs dort mitspielen. TCU liegt im fernen Forth Worth (nahe Dallas), dessen Werbeslogan „Where The West Begins“ dann eigentlich in „Where The East Ends“ umgetauft werden müsste.

Ohne TCU wird sich in diesem Herbst ein Trio um den BCS-Bowlplatz balgen. Top-Favorit sind dabei die West Virginia Mountaineers, trotz ihrer turbulenten Offseason inklusive Intrigen und Selbstbereinigung im Trainerstab. Den merkwürdigen Umständen rund um das Mobbing gegen OffCoord Dana Holgorsen habe ich bereits im Juni einen eigenen Blogeintrag spendiert – Dochnichtalki Holgorsen ist nun ein Jahr früher als gedacht Cheftrainer.

Und Holgorsen steht für Offense, bedingungs- und gnadenlos. Wer vor zwei Jahren Houston (College-Variante namens „Cougars“) und letzen Herbst die Oklahoma State Cowboys gesehen hat, weiß, wovon die Rede ist. Hier wird die famose „Air Raid“-Offense rauf und runter gespielt, ein Erbe des zwielichtigen Mike Leach.

„Air Raid“ bedeutet: Konsequentes Spiel aus der Shotgun-Formation, mit 4 WR und 1 RB, zigtausende schnelle, kurze Pässe über die Mitte und noch mehr Yards after Catch. Holgorsen hatte zuletzt in Oklahoma State mit Kendall Hunter einen famosen Running Back, der in West Virginia abgehen wird, wie auch ein monströser Wide Receiver á la Justin Blackmon. Man darf also erwarten, dass hier die Freunde vom Weswelker-Spiel feuchte Höschen bekommen werden – und die Mitte des Spielfeldes besonders liebevoller Platzwart-Pflege bedürfen wird.

Ich bin gespannt, wie sich Offensivgenie Holgorsen als Cheftrainer machen wird, ein Job, der dann doch mehr Qualitäten als simples Play Designing erfordert. Allerdings scheint Holgorsen im ultra-enthusiastischen Morgantown aktuell kritikfreies Objekt zu sein – wir erleben hier den BigEast-Favoriten 2011/12.

Unterhaltsam in Sachen „Trainersessel“ war es auch bei den Pittsburgh Panthers, allerdings noch in der Winterzeit. Der langjährige Coach Dave „Schnäuzer“ Wannstedt wurde trotz ordentlicher Bilanzen wegen zu einschläferndem Spielstil gefeuert und gegen den ambitionierten, aber unkoscheren Mike Haywood ausgetauscht. Haywood war dann ganze 16 Tage Chef, bis er zu Sylvester wegen häuslicher Gewalt (ergo: die Mutter seines Sohnes im Würgegriff gehalten) und zu negativer Presse wieder rausgeworfen wurde. Notnagel, aber immer noch zufriedenstellende Lösung: Todd Graham, der aus Tulsa kommt und nun die ultralangweilige Wannstedt-Offense gegen eine No-Huddle/Spread-Offense eintauschen soll. Welch Überraschung: Sämtliche Vorbereitungsbeobachter sprechen von massiven Timing-Problemen. Als Kollateralschaden der winterlichen Trainerposse könnte sich in einigen Jahren die ausgedünnte Recruiting-Klasse erweisen.

Dritter im Bunde der Favoriten: Die South Florida Bulls mit ihrer leidenschaftlichen black’n’blue-Defense, die keine Knochen verschont lässt. Der Hund liegt in der Offense begraben, wo der inakkurate Scrambler QB B.J. Daniels ein Unsicherheitsfaktor ist und immer wieder Spiele mit zwei oder drei Turnovers einstreut. Persönlich gefiel mir Daniels in der Meineke Car Care Bowl gegen Clemson so übel allerdings nicht (31-26 Sieg). Mit RB Darrell Scott kommt übrigens ein einst brutal gehypter Back frisch aus Colorado. Dort war Scott eine große Enttäuschung.

Star auf der Uni in Tampa ist Head Coach Skip Holtz, der Sohn der Legende Lou, und seit eineinhalb Jahren am Steuer. Holtz könnte die Schlüsselfigur für dieses aufstrebende Programm werden und hat schon bei East Carolina gezeigt, wie man eine Offense innerhalb weniger Jahre titelfähig macht. Einmal Holtz auffm Trainersessel und einmal Notre Dame als Saison-Opener: Gebt mir ESPN mit Lou Holtz in der Pregame-Show!

Abseits der Top 3

In Schlagdistanz könnten sich die Cincinnati Bearcats befinden, deren Ansprüche nach dem sensationellen Aufenthalt von Head Coach Brian Kelly (2007-09, jetzt Notre Dame) in die Höhe geschnellt sind – kuschelige sieben Siege werden nun nicht länger akzeptiert. Butch Jones hatte schon bei Central Michigan Erfahrungen als Kellys Nachfolger gemacht und dort für neue Höhenflüge gesorgt. In Cincinnati gab es eher einen auf’s Maul: 4-8 in der Debütsaison, vor allem dank katastrophaler Defense. Diese sollte heuer erfahrener sein, wie auch QB Zach Collaros, der mit der konservativeren Offense von Davis nicht recht zurechtkommen wollte. Diese Saison gilt noch einmal als Aufbausaison, aber 2012 wird es mit brutalem Schedule Zeit, dass die Bearcats wieder zur Hochform auflaufen.

Wie Cincy hatten auch die Louisville Cardinals vor wenigen Jahren mal eine Blütezeit unter einem großen Coach („groß“ wirklich nur im Sinne von „Coach“, es handelt sich um Windhund Bobby Petrino) und seitdem nur Enttäuschungen. Seit eineinhalb Jahren coacht nun der schwarze Charlie Strong, der so manchem Unipräsidenten bereits öffentlich Rassismus unterstellte, nun aber endlich den verdienten Chefsessel bekam, nachdem er masisiv an Floridas Titelgewinnen beteiligt war. Strongs Mannschaften spielen wie selbiger: knüppelhart. Passend dazu der QB Will Stein, ein ehemaliger Walk-on, ohne auffallende physische Attribute, aber der einnehmende Leadertyp. Strong muss ansonsten auf zig Abgänger verzichten und sich mit einem chaotisch zusammengestellten Kader plagen. Nicht die allerbesten Voraussetzungen.

Titelverteidiger in der Big East ist das Sensationsteam der Connecticut Huskies. UConn, ebenso NCAA-Basketballchamp zur Zeit, erlebte aber im Anschluss an die Fiesta Bowl eine herbe Enttäuschung: Head Coach und Vaterfigur Randy Edsall floh gen Virginia. Wer gedacht hatte, hier sei eine Dynastie am Horizont erkennbar, fühlte sich getäuscht. Der neue Coach ist Paul Pasqualoni, ein Urgestein und einstiger McNabb-Entdecker, und er muss eine tote Offense beleben, deren Top-RB Jordan Todman in die NFL ging.

Pasqualonis Ex-Uni: Syracuse, wo die Orange in ihrer Halle eine Dekade des Siechtums hinter sich haben, zufällig genau seit Pasqualonis Abgang. Unter Offensivgenie Doug Marrone geht es zuletzt wieder aufwärts, aber bizarrerweise genau wegen der DEFENSE, die ganze 164yds/Spiel zulässt. Las man, nur um dann einen Kollaps in der Pinstripe Bowl zu erleben. Quarterback ist mit Ryan Nassib einer, der lieber den Ball in den dritten Rang schmeißt als irgendwo in die Nähe eines Abwehrspielers – wichtige Essenzien für Syracuse, aber ungebräuchlich für eventuelle NFL-Ambitionen.

Und damit zum vermeintlichen Bodensatz der Big East: Rutgers. Vor zwei Jahren hätte das lachhaft gewirkt, die Scarlet Knights aus New Jersey waren unter dem omnipräsenten Greg Schiano schnurgerade auf dem Weg nach oben – und das auch noch mit den zweitbesten Noten im Prüfungssaal landesweit! – aber Abgänge und interne Reibereien haben für sehr niedrige Erwartungen in dieser Saison gesorgt.

Teil 7 morgen: Die letzte non-BCS Conference. Mit zwei mittlerweile sportlichen Schwergewichten und zwei gefährlichen Außenseitern.

Die Geister, die ich nicht mehr rufen wollte

Terrelle Pryor darf in Oakland seine geliebte Nummer 2 nicht tragen. Grund: Das Schreckgespenst „Jamarcus Russell“ schwebt auch eineinhalb Jahre nach dessen Rauswurf noch über Oakland. Kommentar dazu bei NFL/Yahoo:

This [Russells Trikotnummer] might be the first jersey number ever retired just because nobody ever wants to see it again.

Mit den Detroit Lions die Sonne anlachen

Matthew Stafford Detroit Lions NFL 2011/12

Wenn die Hoffnungen auf einer Schulter ruhen... Matthew Stafford - ©Flickr/Hawk Eyes

Für die morgendliche Lektüre am heutigen Samstag halten die Detroit Lions her, das Team, das nun jahrelang wie kein zweites für die Niederungen der NFL stand. Statt König der Tiere eher der Bettvorleger. Seit dem Tiefpunkt der sieglosen Saison 2008/09 ist allerdings ein radikaler Schnitt gemacht worden, die Besitzer-Familie Ford hat sich dazu durchgerungen, dem neuen GM Martin Mayhew, einem aus dem eigenen Haus, das Vertrauen zu schenken – und Mayhew entzückt mit seiner Arbeitsweise immer besser.

Erste Amtshandlung war die Einstellung von Head Coach Jim Schwartz aus Tennessee. Schwartz gefällt mir als Pragmatiker außerordentlich, ein Mann, der gnadenlos seinen Glauben an die Macht von Zahlen und Statistiken lebt und danach handelt – und sich mit Scott Linehan und Gunther Cunningham zwei erfahrene Coordinators an seine Seite geholt hat.

Und Schwartz hat die größte Herkules-Aufgabe bereits gemeistert: In Detroit herrscht nicht mehr Depression, sondern Aufbruchstimmung. In diesem Sommer ist die Stimmung nach zahlreichen geglückten personellen Transaktionen plötzlich so enthusiastisch wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Enthusiasmus basierend auf einer Unzahl an jungen, hohen und eigenen Draftpicks in den letzten Jahren – und einigen klugen Einkäufen.

Die Offense hängt an Staffords Schulter

Vor zwei Jahren wurde unter Linehans Aufsicht damit begonnen, eine nicht nur in Spuren vertikale Offense aufzuziehen – und dafür wurden neben dem vorhandenen Personal nach und nach die passenden Spieler geholt.

Recht unangetastet blieb die Offensive Line, die nicht zu den besten der NFL gehört, aber ihre Sache gerade gut genug macht, um nicht als größtes Sorgenkind durchzugehen. LT Jeff Backus oder C Dominic Raiola sind Spieler, denen man nichts anderes als vollste Bewunderung entgegenbringen kann. Beide spielen seit Äonen in dieser Stadt und haben alle Niederungen durchgemacht und trotzdem immer nach Möglichkeit ihre Leistung geliefert. Das ist schwerer als man glaubt und diese wenigen Zeilen an Anerkennung von Herzen verdienend.

Knackpunkt in der Offense ist der Quarterback. „Vertikale Offense“ bedeutet: Der QB muss über einen starken Arm verfügen. Den hat der junge Matt Stafford, Top-Pick von 2009, der brillante Ansätze gezeigt hat und in der Lage ist, eine Offense blitzschnell mit kilometerlangen Pässen das Feld hinunterzutreiben. Allein: Stafford verbrachte bisher mehr Zeit im Krankenstand und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob die Schulter im Wurfarm überhaupt halten wird.

Backup Shaun Hill zeigte bemerkenswerte Courage und hielt die Lions als Third Stringer oft genug im Spiel, aber mit Hill spielt die Offense um einiges blasser.

Die Anspielstationen sind breit gestreut: Der „Megatron“ genannte WR Calvin Johnson ist der athletische Idealtyp eines Wide Receivers und ein deep threat vor dem Herrn. Zu Superstar Johnson gesellen sich Nate Burleson und der quicke slot receiver Titus Young, ein Rookie. Für die Mitteldistanzen hat sich zuletzt TE Brandon Pettigrew nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten angeboten. Insgesamt eine ordentliche Pass-Armada, der vielleicht etwas die nötige Tiefe (im Sinne von Kadertiefe) abgeht.

Im April sorgte das Front Office mit der Einberufung von RB Mikel LeShoure für Augenbrauenrunzeln. Der zweite Gedanke war dann aber: Geil! LeShoure ist ein brachialer Back, der gerne mit dem Kopf durch die Wand (sprich: über die Mitte des Spielfelds) rennt, während der im Vorjahr hoch gedraftete RB Jahvid Best, ein ungeduldiger Running Back, mehr der burner ist. Solche grundverschiedenen Angriffsoptionen bieten oft nicht nur ästhetischen Genuss beim Zuschauen, sondern aufgrund ihrer Variabilität auch viel Erfolgspotenzial.

Weil wir hier aber über die Detroit Lions sprechen, müssen wir an dieser Stelle das Sternchen einfügen: LeShoure fällt für die komplette Saison mit Verletzung aus, ein ernsthafter Schuss vor den Bug – zu gut hätte LeShoure in diese Offense gepasst. Nun ist mit Mike Bell und dem Dreispielewunder von Cleveland, Jerome Harrison, halbwegs annehmbarer, händeringend gesuchter Ersatz gefunden.

Die Wucht steckt in den Schützengräben

Größter Problempunkt war in Detroit aber jahrelang nicht die Offense, sondern die Abwehr, was auch Matt Millens krankem Verlangen nach Wide Receivers geschuldet war. Unter dem Defensiv-Genie Schwartz setzte naturgemäß ein Umdenken ein.

Hauptaugenmerk gilt der Defensive Line, in die die größten Ressourcen gesteckt werden. 2010 wurde Nebraskas Freak DT Ndamukong Suh geholt, dessen schiere Präsenz nicht nur Blockern Schrecken einjagt, sondern im vormals oft mucksmäuschenstillen Ford Field die amerikanische Version des Ruuuuuuuuuuuudi Völler-UUUUUUs heraufbeschwört hat.

Suh gilt als vorbildlicher Charakter und Mentor-Typ für den jüngsten Top-Pick DT Nick Fairley, ein potenziell dominanter Pass Rusher, aber auch für seine Auszeiten mitten im Spiel und seine oftmals unfaire Spielweise bekannt, und in der Vorbereitung mit diversen Wehwehchen gehandicapt (remember the Lions). Suh und Fairley werden flankiert von starken Defensive Ends wie Kyle Vandenbosch und Cliff Avril, und für die von Schwartz gepredigte Rotation können abwechselnd der aufstrebende DE Lawrence Jackson und der solide DT Corey Williams in die Schützengräben geworfen werden.

Auch wenn ich das Flop-Potenzial eines Nick Fairley für erhöht halte: Eine dominante Defensive Line ist meistens der wichtigste Baustein für eine auf Jahre hinaus starke Defense. Die Sollbruchstellen bei den Lions sind weiter „hinten“ zu finden.

Bei den Linebackers zum Beispiel, wo aber mit dem starken Lauf-Verteidiger Justin Durant und vor allem mit Schwartz-Liebling MLB Stephen Tulloch vor wenigen Wochen zwei möglicherweise lebenswichtige Bestandteile eingekauft wurden. Interessant an Tullochs Verpflichtung: Die Lions konnten es sich leisten, Tulloch einen Vertrag ihres Geschmacks aufzuoktroyieren – undenkbar noch im vergangenen Sommer.

Die Probleme in der Secondary sind großteils auf mangelnde Erfahrung zu schieben. Die meisten Defensive Backs sind noch recht grün hinter den Ohren und der erfahrenste Mann, CB Nate Vasher, hat seine besten Zeiten hinter sich. Dass man die Top-WR dieser Welt den Cornerbacks Alphonso Smith, Eric Wright oder Chris Houston anvertrauen möchte, erstaunt. Der Top-Defensive Back ist FS Louis Delmas, ein aufstrebender Mann im dritten Jahr.

Die wenig speziellen Special Teams

P Nick Harris und K Jason Hanson sind seit Ewigkeiten im Kader und waren stets verlässliche Sportskameraden. Mit dem jungen K Dave Rayner steht womöglich ein Generationswechsel an. Return-Mann ist Stefan Logan, 2010 mit einem TD und ansonsten ansehnlichen Zahlen (12,1yds/Puntreturn, 26,3yds/Kickreturn).

Ausblick

Wie jedes Jahr ist es schwierig, eine Prognose bezüglich der Detroit Lions abzugeben. Es sind Ingredienzien für den Durchbruch da, Kader und Trainerstab sind mit etwas Optimismus – kein Scherz – superbowlfähig. Trotzdem handelt es sich immer noch um die Detroit Lions und der wichtigste Bestandteil, der Quarterback, hat nicht zu verachtende Verletzungssorgen und verfügt immer noch über recht wenig Erfahrung.

Dazu kommt dieser, gemessen an 2010/11, viertschwerste Schedule der NFL:

Wk #1 @Buccs
Wk #2 vs Chiefs
Wk #3 @Vikings
Wk #4 @Cowboys
Wk #5 vs Bears (MNF)
Wk #6 vs 49ers
Wk #7 vs Falcons
Wk #8 @Broncos
Wk #9 BYE
Wk #10 @Bears
Wk #11 vs Panthers
Wk #12 vs Packers (Thanksgiving)
Wk #13 @Saints
Wk #14 vs Vikings
Wk #15 @Raiders
Wk #16 vs Chargers
Wk #17 @Packers

Dieser Sommer ist etwas anders. Dieser Sommer gibt erstmals in meiner Vita als glühender und vor allem mit Liebe leidender Anhänger der Detroit Lions Grund, auf bald kommende Erfolge zu hoffen. Weil es sich aber immer noch um die Lions handelt, bin ich noch hin- und hergerissen zwischen gerechtfertigtem Optimismus und der prinzipiellen Skepsis gegenüber dieser Franchise.

Das Zeiteisen verrät: 447 Minuten verbleiben. WordCount nach 19 Teams: 18298.

(Dem einen oder anderen werden Teile des Eintrags bekannt vorkommen. Vor ein paar Wochen ist die Vorschau etwas abgespeckt bei Spox erschienen, mit der Unsinns-Behauptung, Detroit spiele „Run and Shoot“ – ich weiß nicht, wie ich in der Eile „Downfield attack“ oder „vertikales Spiel“ mit June Jones‘ Lieblingsspielzeug verwechseln konnte. An dieser Stelle: Sorry, hochnotpeinlich und ich vergräme mich in Schamesröte, dass mir dieser eklatante Fehler erst beim Überarbeiten des Artikels für Sideline Reporter aufgefallen ist.)

College Football Preview 2011/12: Conference USA (C-USA)

Teil V der College-Football-Vorschau vor der Kickoff-Woche an Amerikas Universitäten. Heute dran: Die Conference USA, abjekürzt C-USA, gelegen im Süden der Staaten, sozusagen so was wie die kleine Schwester der SEC, zumindest geographisch. Denn während in der SEC immer noch knackige Defenses dominieren, bietet die Mid-Major-Conference USA atemberaubende Offensivgewalten.

Eastern Division

Erstaunlicherweise ist mit den University of Central Florida Knights das Topteam eher defensivorientiert. UCF spielt John-Fox-Football: Stoppe den Lauf in der Defense, laufe in der Offense und die Welt wird wieder schön. Hier wird noch klassisch mit haufenweise Tight Ends und Fullbacks aufmarschiert, in der Defense kaum ein Play, an dem nicht die Fetzen fliegen oder drei Blitzrouten gen QB geschickt werden. Mit dieser Taktik wurde Georgia in der Liberty Bowl abgewürgt. In der Offseason gab es viel Wirbel um einen Todesfall eines ehemaligen Spielers, der die Uni ein paar Worte der Entschuldigung und 10 Mio. Dollar kostete – die negative Publicity für dieses junge Programm kann nur mit Siegesserien weggewischt werden. Allein: Der Schedule ist brutal.

Ob brutal genug, dass von den Southern Mississippi Golden Eagles Gefahr droht? Southern Miss war einst eine Uni, die von knackiger Defense lebte, aber das letzte Jahrzehnt liest sich so:

278, 282, 293, 309, 355, 356, 361, 398, 428, 478.

Das ist die Punkteentwicklung in der Offense von 2001 bis 2010 – ein deutlicher Trend, der sich in der Sieg/Niederlagen-Bilanz nicht niederschlägt. Head coach Larry Fedora hat nun zwei neue DefCoords eingestellt, deren Systemwechsel den Durchbruch bringen soll. Was in der Bowl gegen Louisville auffiel: Die Defense der Golden Eagles ist unheimlich schnell – und ich meine unheimlich schnell.

Die East Carolina University kann sich damit rühmen, Zuschauerkrösus der C-USA zu sein: 50.000 kommen im Schnitt, und sie kommen, um eine sensationelle Offense rund um QB Dominique Davis zu sehen: Über 4000yds, 37 TDs produzierte Davis, aber die Defense machte alle Werte zunichte, war nach aufgegebenen Yards die #120 von 120 FBS-Mannschaften. Coach Ruffin McNeill möchte die Defense auf 3-4 umstellen, um die Beweglichkeit seiner Abwehrspieler besser zu nutzen, aber ein Nose Tackle fehlt an allen Ecken und Enden. Wenn man gegen die Navy spielen will, muss man den Lauf verteidigen können. 2010/11 rollte die Navy 521 yds Rushing und 76 Punkte über die Pirates – und ist auch 2011/12 wieder im Schedule.

Die University of Alabama/Birmingham ist das Gegenteil von „Zuschauerkrösus“: Im Schnitt verirren sich 18.000 in das Legion Field (über 70.000 Plätze), was auch schon mal sehr trostlos aussieht. Sportlich sind die Blazers etwas unkonstant und schmieren immer dann ab, wenn man eine Serie zu starten scheint. QB ist mit Bryan Ellis ein fußsteifer Gunslinger, das krasse Gegenteil zum Vorgänger Joe Webb, der nun in Minnesota um sein Leben scrambelt.

Die Marshall University ist uns bekannt vom Film We Are Marshall und nach der Rückkehr in die oberste Kategorie war man auch erstmal ein Top-Team mit QBs wie Pennington oder Leftwich und WRs wie Randy Moss. Mittlerweile ist man eher Bodensatz, und hat daher vor einem Jahr John „Doc“ Holliday als neuen Head Coach geholt, den Top-Recruiter hinter den Titeln der Florida Gators. Hauptaugenmerk sollte auf dem Pass Rush liegen.

Nicht „eher Bodensatz“, sondern „100% grottig“ ist das Sportprogramm der Memphis Tigers, die nicht bloß schlecht sind, sondern nicht wettbewerbsfähig. Im vergangenen Herbst nur ein Sieg, und die durchschnittliche Niederlage betrug -30 Punkte und mehr als 500yds/Spiel aufgegeben. Das meist gähnend leere Footballstadion ist auch nicht gerade motivationsfördernd und Coach Larry Porter (hey, der Porter heißt nun wirklich Larry!) steht schon nach einem Jahr vor einem Scherbenhaufen, weil die Spieler das Vertrauen in ihn verloren haben: QB Ryan Williams, ein Hoffnungsträger, verließ die Uni freiwillig. Alles keine guten Vorzeichen um die Fans aus der Basketballhalle zurück ins Footballstadion zu holen.

Western Division

Titelverteidiger in der West-Division sind die SMU Mustangs aus einer Enklave von Dallas, nach langen Jahren des Siechtums in Folge des Death Penalty aus den 80ern erst vor Kurzem wiederauferstanden. Hauptverantwortlich hierfür: Headcoach June Jones, dessen Run’n’shoot-Offense in der NFL nicht funktionierte, dafür am College umso erstaunlichere Offenses hervorgebracht hat: Erst Hawaii und nun die Southern Methodist University, zwei Programme, die Jones von Grund auf umgekrempelt hat. Die College-Variante von winning against the odds. Jones‘ Ruf wird so ehrfürchtig vernommen, dass die Mustangs im heurigen Winter DE Davon Moreland aus Kalifornien trotz Konkurrenz von USC und UCLA nach Dallas holen konnten – Moreland galt als heiße Ware.

Und Moreland kommt in eine Defense, die sich in den letzten drei Saisons um 150yds/Spiel verbesserte – im Schnitt. Die Defense wird auch entscheidend sein, wie weit SMU kommt, nachdem die Offense um QB Kyle Padron und den brachialen RB Zach Line multidimensional ist – allerdings auch, was die Fehleranfälligkeit angeht. Padron warf im Bowlspiel gegen die Army hanebüchene INTs.

Für SMU ist das erste Spiel dieser Saison sehr, sehr wichtig, obwohl es kein Conference-Spiel ist: Es geht gegen Texas A&M, und nachdem A&M in die SEC möchte, lechzt SMU danach, den frei gewordenen Platz in der Big 12 zu bekommen. SMU hat vieles, inklusive einer gehobenen Anhängerschaft (viele Reiche, viele Einflussreiche), den attraktiven Heimmarkt Dallas, allerdings auch die Story mit der Death Penalty. Ein überzeugendes Spiel würde allerdings auch sportlich ein Statement abgegeben und womöglich schafft es SMU sogar, in absehbarer Zeit AQ-Status zu erreichen.

Zur Konkurrenz. Noch krasser ist die Spread Offense der Tulsa Golden Hurricane, die im Vorjahr angeführt von QB G.J. Kinne mal eben 215yds/Spiel durch Laufspiel servierte und oben drauf noch gemütliche 284yds/Spiel via Luftweg legte, und das auf breitester Basis, denn kein Spieler erläuft mehr als 43yds/Spiel. Dem gegenüber steht eine abfangbereite Defense (24 INTs), die sich aber auch allzuoft verspekuliert und 33 TDs via Luftweg kassierte und die #120 gegen das Passspiel ist. Nun muss man nach dem Abgang von Todd Graham (zu Pitt) mit neuem Headcoach Bill Blankenship und einem fassungslosen Auftaktprogramm (@Oklahoma, vs Oklahoma State und @Boise State) antreten, aber in der C-USA könnte man trotzdem vorne dabei bleiben.

Es gibt da allerdings noch einen X-Faktor, der sich Houston Cougars nennt. Cougars 2009/10, das waren KILLER: QB Case Keenum mit 5671yds und 44 TDs in 13 Spielen. Im vergangenen Herbst verletzten sich dann allerdings Keenum und sein Backup in Woche drei und Houston schmierte gnadenlos ab. Keenum hat ein sechstes Jahr Uni zugestanden bekommen und trägt nun alle Hoffnungen auf den schmalen Schultern. Die Cougars haben Potenzial – sie haben sogar Potenzial, zum Team der Stunde in Houston zu werden, nachdem die Misserfolge der Texans (NFL), Rockets/Yao (NBA) und Astros (MLB) für eine neu Krankheit namens HSD (Houston Sports Depression) gesorgt haben.

Ebenso aus Houston: Die Owls von der Elite-Uni Rice, bekannter für ihre Raumfahrt-Programme denn ihre sportlichen Erfolge. 2010 steigerte sich die Defense um 5Pkt/Spiel und kassierte immer noch 36Pkte/Spiel. Am spannensten wird eh die Frage nach dem ersten Kick-Returntouchdown nach 27 Jahren und 296 Spielen sein.

Dahinter die UTEP Miners aus El Paso, die sich in der letzten Saison dank extrem leichtem Schedule zu einer Bowl-Qualifikation schmarotzten um dort ohne Erbarmen von BYU niedergemacht zu werden. Nun muss die komplette Offensive Line umgestellt werden, vermutlich ein Freshman-QB (Nick Lamaison) starten, und mit WR Marlon McClure ist der beste Angriffsspieler eine tickende charakterliche Zeitbombe. Wenigstens hat Head Coach Mike Price Erfahrung mit schwierigen Typen. Price hat einst Ryan Leaf gecoacht.

Keine Division ohne einen ultimativen Bodensatz. Welcome to the Tulane Green Wave aus New Orleans, dort wo man regelmäßig im Schlussviertel einklappt und Coach Bob Toledo nur noch wenige Wochen vor dem Rauswurf steht.

Teil 6 wird die erste Conference aus dem BCS-Kartell behandeln.

College Football Preview 2011/12: Western Athletic Conference (WAC)

Teil 4 der College-Vorschau 2011/12. Die WAC feiert 2012 ihren 50. Geburtstag, und wenn kein Wunder passiert, wird es eine Feier mit nur wenigen Geladenen – oder ein Begräbnis. Die WAC war schon mehrmals in Bedrängnis, aber nach dem Abgang von Boise State in diesem Sommer werden jene von Hawaii, Fresno State und Nevada folgen, was nichts anderes bedeutet als die Bedeutungslosigkeit. Mit der University of Dallas ist immerhin ein ambitioniertes Neumitglied für 2012 angekündigt.

Paul Myerberg hat die verzwickte Situation der WAC auf den Punkt gebracht. Was neben Auflösungserscheinungen bleibt: Eine breit gestreute Conference hinsichtlich Geographie (schlappe 7000km von Louisiana bis Hawaii) und sportlicher Künste (5 Touchdowns von Fresno State bis New Mexico State).

Das Favoriten-Trio

Zum ersten wäre das Nevada Wolfpack zu nennen, das in der abgelaufenen Saison eine sensationelle 13-1 Bilanz eingefahren hat. Nevada wird von Chris Ault gecoacht, einem Hall of Famer und Erfinder der spektakulären Pistol-Offense. In dieser Saison müssen allerdings die Hauptprotagonisten der vergangenen Jahre ersetzt werden: QB Colin Kaepernick und RB Vai Taua – dazu auch noch der WR Brandon Wimberly, der in der Offseason so böse angeschossen wurde, dass er nie wieder wird Football spielen können. Ault möchte offenbar Tyler Lantrip als neuen Quarterback installieren, was verwundert, da Lantrip eher ein Typ aus der Schublade „hüftsteif“ ist. Wie sowas mit der Pistol-Offense kombiniert werden kann, bleib schleierhaft.

Defensiv macht die Passverteidigung Sorgen: Seit Jahren gibt es in dieser Hinsicht leichte Verbesserungen, was sich 2010 aber immer noch so liest: #98 FBS-weit. Und mit OLB Dontay Moch ist der beste Pass Rusher gegangen. Mit Fresno State und Hawaii sind die beiden ärgsten Konkurrenten um den WAC-Titel ganz zufällig sehr passgewaltig. Was in diesem Herbst für Nevada erschwerend hinzu kommt: Der Schedule, der brutal eröffnet wird mit @Oregon, @San Jose State, @Texas Tech und @Boise State. Wenn es dumm läuft, marschiert man mit einer gepflegten 0-4 Bilanz in die conference-interne Saison.

Ebenso einen brutalen out of conference-Schedule haben die Fresno State Bulldogs aus Kalifornien, deren einziges Ziel allerdings der WAC-Titelgewinn sein kann. Gegen die härteren Kaliber verliert man ohnehin immer, weswegen auch niemand die Mannschaft ernst nimmt. Quarterback ist Derek Carr, der Bruder von David Carr, der einst in Fresno State so aufgeigte, dass er zum #1-Pick in der NFL wurde. Coach damals wie heute: Pat Hill. Das größte Problem der letzten Jahre wurde für 2011/12 beseitigt: Die pickelharte Unterlage im eigenen Footballstadion, der der Großteil der unglaublichen Verletzungsserien in den letzten Jahren zugeschrieben wurde.

Persönlich würde ich auf einen WAC-Champion Hawaii tippen. Die Warriors müssen zwar personell schweren Aderlass verkraften, aber eine Konstante bleibt in Honolulu, seit ich denken kann: Rohe Passgewalt, die einst von June Jones dorthin gebracht wurde und seither nicht wieder verschwunden ist. Der neueste QB-Hit nennt sich Bryant Moniz, ein Rastamann von stattlicher Statur in futuristischem Outfit, und ein Gunslinger vor dem Herrn: 5040yds und 39 Touchdowns in der abgelaufenen Saison. Nun fallen die beiden Top-Receiver und der beste Running Back weg, dazu muss die komplette Offensive Line neu gebaut werden, aber Moniz spielte – bis auf den fatalen Hawaii-Bowlauftritt – so relaxt, dass ich nicht an einen Kollaps glaube. Dazu eine Defense mit extrem vielen Turnovers (38).

Der Bodensatz

Hawaii ist das westliche Ende, Louisiana Tech das östliche. Eine Uni, die wohl über kurz oder lang in der C-USA landen wird. Das Footballprogramm nennt sich wie jenes von Fresno State „Bulldogs“ und die Sage, wie es dazu kam, ist recht nett:

Einst, vor über 110 Jahren, kehrten ein paar Studenten nach einer durchzechten Nacht nach Hause, fütterten unterwegs eine alte, streunende Bulldogge, die sich prompt mit den Alumni auf den Heimweg machte. In der Nacht brannte plötzlich die Hütte, die Bulldogge weckte die neu gewonnen Freunde, starb dann aber an Rauchgasvergiftung in einer hinteren Ecke des Hauses. Die Studenten begruben die Bulldogge auf dem Campus und deckten das Grab mit zwei Jacken zu: Eine rot, die andere blau. Die Farben der Universität.

Sportlich hat man ein durchaus durchschlagskräftiges Laufspiel rund um RB Lennon Creer, aber die Defense ist ein Schwachpunkt. Head Coach Sonny Dykes hat unter Mike Leach gelernt, für seine Air Raid-Offense aber noch keinen passenden Quarterback gefunden. Der Schedule ist insofern machbar, als dass sechs Siege für die Bowl-Qualifikation durchaus drin sein dürften.

An der magischen .500-Bilanz wird der Rest der WAC hart zu knabbern haben.

Die Utah State Aggies haben sich zwar mit Gary Andersen einen exzellenten Recruiter als Coach geholt, um gegen die hochkarätige Konkurrenz im Land der Mormonen wenigstens ein paar der Talente abzuschöpfen, aber es hakt an der Umsetzung auf dem Feld. Die Offense kollabiert immer wieder unerklärlich, während die Defense zuletzt so schwach war, dass Andersen sich selbst zum DefCoord befördert hat. Anker der Defense ist der massiv gebaute NT Evan Huahulu.

Die Idaho Vandals aus Moscow/Idaho hatten jahrelang unter der verhassten innerstaatlichen Dominanz von Boise State zu leiden. Head Coach ist der sehr beliebte Robb Akey, der sich im Nordwesten ein akzeptables Recruiting-Netzwerk aufgebaut hat, bei dem aber viele fürchten, dass er bei einem Angebot der ums Ecke liegenden Washington State University womöglich abschieben könnte. Sportlich müssen in dieser Saison QB Nathan Enderle (Bears) und DT S Shiloh Keo (Panthers Texans) ersetzt werden.

Zu den landesweit katastrophalsten FBS-Programmen zählt San Jose State, das vor einem Jahr mal eben sechs Touchdowns IN EINER HALBZEIT von Boise State eingeschenkt bekommen hat, bzw. 640yds von Hawaii. Eine 1-11 Bilanz ist nie ein gutes Zeichen, besonders nicht, wenn der einzige Sieg ein Krimi gegen ein viertklassiges Team war, aber immerhin spielten die Spartans 2010/11 in den letzten Wochen leidenschaftlich trotz Misere.

Probleme, die die New Mexico State Aggies gerne hätten. Head Coach Dewayne Walker droht alle drei Monate wegen fehlender Unterstützung mit dem Abgang, soll aber trotz nur fünf Siegen in zwei Saisons weiter Zeit bekommen. Walker galt zu UCLA-Zeiten als Defensivgenie, aber in der Wüste hat sich kaum etwas davon bemerkbar gemacht und der Abgang von CB Davon House (ging in die NFL) dürfte ein weiterer Schlag ins Gesicht sein. Walker könnte auch wegen des QB-Faktors unter Beschuss kommen: Der mit viel Aufwand aus Hawaii (!) geholte QB Andrew Manley spielte eine horrende erste Saison. Dass 2011/12 der dritte OffCoord in drei Saisons unter Walker am Werkeln sein wird, dürfte ebenso wenig hilfreich sein.

Der fünfte Teil wird sich heute Nachmittag mit einer offensivgewaltigen Conference befassen, deren vermeintlicher Topfavorit die einzige Defensiv-Macht ist.

College Football Preview 2011/12: Mid-American Conference (MAC)

Teil 3 der Conference-Vorschau für die College-Footballsaison 2011/12. Diesmal dran im Ranking von worst to first: Die Mid-American Conference, daheim in der Region um die Großen Seen im Nordosten der Vereinigten Staaten und am bekanntesten dafür, oftmals Zwischenstationen für Trainertalente auf dem Weg nach oben zu bieten (oder aber auch als Conference, in der die meisten Träume ambitionierter Coaches zerstört werden, weil die Unipräsidenten zu ungeduldig sind).

Eastern Division

Die traditionelle „Großmacht“ – die Ohio Bobcats – gelten in dieser Saison nach einigen mäßigen Jahren wieder als Topfavoriten in der Eastern Division. Hoffnung macht vor allem die Offense, deren Umstellung auf No-Huddle zwar alles andere als reibungsfrei verläuft (Stichwort: Quarterback-Kontroverse), aber die a) keine Offense Liner ersetzen muss und b) WR LaVon Brazill zurück heißen kann. Ohne Brazill war man zuletzt nur #102 in der Pass-Offense gewesen. Die Defense kommt bis auf Star-MLB Noah Keller sehr grün und unerfahren daher. Großer Pluspunkt ist der einfache Schedule: Die out of conference games sind so lächerlich, dass eine Bowl sicher eingeplant werden kann und conference-intern kommen die ärgsten Rivalen Temple und Miami/Ohio ins eigene Stadion.

Die University of Miami/Ohio RedHawks, die einst Big Ben Roethlisberger herausgebracht haben und es 2010/11 geschafft haben, innerhalb von einer Saison von 1-11 auf 10-4 zu stellen und sogar die MAC zu gewinnen. Dass HC Mike Haywood weg sein würde, hatte man erwartet – allerdings aufgrund zu vieler Niederlagen. Nun wollte Haywood seine neu gewonnene Reputation in eine BCS-Conference einbringen, was nicht gelang, weil Haywood als frisch gebackener Pitt-Headcoach lieber seine Ehefrau verprügelte und noch vor Jahreswechsel wieder auf der Straße war. Miami hat natürlich einen neuen Coach: Don Treadwell, der mit der exorbitanten Erwartungshaltung zurecht kommen muss – etwas, das fast immer schief geht.

Einen neuen Coach haben auch die Temple Owls aus Philadelphia, nachdem der alte Erfolgstrainer Al Golden gen Miami/Florida abgewandert ist. Die letzten beiden Jahre unter Golden waren ein beispielloser Erfolgsrun mit 9 respektive 8 Siegen, aber der bittere Nachgeschmack der verwehrten Bowl-Teilnahme 2010/11 bleibt hängen. Der neue HC ist Steve Addazio, der zuletzt die Offense von Florida gecoacht und sich dabei eher nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Vor allem in der Defense sind die Abgänge in Temple von Gewicht: DT Wilkerson (Jets) und S Jarrett, der gleich von den ums Eck liegenden Eagles gedraftet wurde.

Der Rest der Eastern Division dürfte Kanonenfutter sein. Die Bowling Green Falcons erlebten 2010/11 einen Totalkollaps unter dem eigentlich als Rebuilding-Genie geltenden Dave Clawson: 62,8yds/Partie im Laufspiel mit einem Schnitt von 2.1/yds/Carry!! Die Kent State Golden Flashes demolieren sich seit mehreren Dekaden selbst durch willkürliche Trainerentlassungen und weggeschmissenes Talent (z.B. TE Gates, OLB Harrison, WR Edelman, WR Cribbs). Das neueste Riesentalent: DE Roosevelt Nix, in seinem zweiten Jahr. Der neueste Coach: Darrell Hazell, zuletzt in Ohio State und wohl froh, dort weg zu sein.

Mehrere Jahrzehnte Siechtum sind auch die Buffalo Bulls gewohnt, was sich so ausdrückt: 2010/11 erspielte man sich eine 2-10, die ehrenwert ist allein durch die Tatsache, dass man dank viel Enthusiasmus nur noch wenige Blowouts erleben musste. Hauptschuldig, dass nicht mehr Siege geholt wurden: Die neu installierte No-Huddle-Offense, die nicht funktionierte, weil das Laufspiel böse abschmierte. Noch schlimmer ist es um die Akron Zips bestellt: 1-11 mit meutereiähnlichen Zuständen im Team des neuen Coaches Rob Ianello. Immerhin wurde dann im Saisonfinale gegen Buffalo der einzige Saisonsieg geholt, aber wenn sich die Secondary nicht massiv verbessert, wird dieser Herbst ebenso wieder ein langer werden.

Western Division

Sportlich die qualitativ deutlich bessere Division sollte der Westen bieten, mit drei veritablen Kandidaten für das MAC-Finale. Dabei galten die Northern Illinois Huskies im vergangenen Herbst dank ihrer (bis zur blassen MAC-Finalvorstellung) phänomenalen und Schulrekorde brechenden Offense als MAC-Überflieger, inklusive eines Auswärtssieges bei den Minnesota Golden Gophers. Dumm, dass der Sieg so eindrucksvoll war, dass sich Minnesota dann mal eben dazu entschied, NIUs Head Coach Jerry Kill einen Vertrag anzubieten. Der Neue ist Dave Doeren, über dessen Qualitäten man sich wohl noch nicht ganz einig ist, aber Doerens Wissen um Defensivarbeit sollte helfen, die junge Abwehr auf Trab zu bringen.

Das muss auch schnell passieren, denn die Konkurrenz von der Toledo University scheint unter dem HC Tim Beckman im Aufwind zu sein. Bei den Rockets gilt: Starke und erfahrene Defense, aber Fragezeichen in der Offense. WR Eric Page ist eine fulminante Waffe (181 Catches und 15 TDs in seinen ersten beiden Jahren am College & bester Kickreturner der gesamten FBS), aber die QB-Kontroverse schwebt über allem und könnte dazu führen, dass Beckman eine zweigleisige Offense fährt, mit dem beweglichen Leadertypen QB Austin Dantin und dem hüftsteifen Linkshänder QB Terrance Owens in der Rotation. Ein ganz starkes Tackle-Duo in der Offense Line sollte helfen. Ebenso, dass man fast die gesamte MAC-Konkurrenz zuhause empfängt.

Diesen Luxus genießen die aufstrebenden Western Michigan Broncos nicht: Sie müssen alle ihre Schlüsselspiele auswärts bestreiten. Die Offense gilt nach dem Coming Out von QB Alex Carder (30 TD, 12 INT im ersten Jahr als Starter) als gesattelt, die Defense dagegen muss mehr Pass Rush und bessere Lauf-Abwehr zeigen und wichtige Starter in der Secondary ersetzen. Potenziell traut man WMU sogar 10 Siege zu, vor allem, weil Head Coach Bill Cubit als Kreativkopf gilt.

Eher zum Bodensatz sollte das Rest-Trio gehören. Die Ball State Cardinals kommen mal wieder mit neuem Coach daher, Pete Lembo, der dann auch gleich ankündigte, eine No-Huddle-Offense (he, in der MAC wollen alle No-Huddle!) einführen zu wollen. Erste Saison abschenken, ick hör dir trappsen…

Die Eastern Michigan University ist in Ypsilanti beheimatet und sieht nicht nur deswegen seit Jahren rot. Head Coach Ron English hat nach zwei Jahren 2-22 vorzuweisen und vor allem die schwache Defense macht zu schaffen. English gilt als guter Defensivcoach – wohin Michigans Abwehr nach seinem Abgang gewandert ist, hat man gesehen. Defensivbilanz 2010/11bei Easton Michigan: 32 Pass-TDs zugelassen, 2 INTs gemacht.

Noch schlechter sieht es für Central Michigan aus: Die Chippewas sind seit einigen Jahren im Sinkflug, zuletzt scheiterte die Abkehr von der Spread Offense grandios. Mit QB Ryan Radcliffe ist ein Hoffnungsträger gefunden, allerdings einer mit lockerem Abzugshändchen: 17 INTs im vergangenen Herbst. Die meisten Kopfzerbrechen in der Defense machen die besten Spieler, die allesamt lieber in Kneipen anzutreffen sind und Stunk ohne Ende produzieren.

Morgen morgens im vierten Teil eine Conference, die in Auflösungserscheinungen begriffen ist und 2012/13 mit der Sunbelt Conference um den vorletzten Platz streiten wird.

NFL Preseason 2011, Week #3 Preview

Diese Woche gibt es wieder vier Partien in der Preseason.

Baltimore Ravens – Washington Redskins

Do/Fr 25./26. August 02h LIVE (Wdh. 26.8. um 17h)

Das Maryland-Derby. Bei den Ravens zeichneten sich im Verlauf der bisherigen Preseason leichte Probleme mit ihrer Offensive Line ab, was vor allem auf die Unerfahrenheit von RT Jah Reid, einem Rookie, geschoben wird. Zur Erinnerung: Die Ravens ließen ihren besten Offensive Tackle, den faulen Jared Gaither, bedenkenlos ziehen.

Offensive-Line-Probleme und ein stark veränderter Receiving-Corp erklären auch, dass QB Joe Flacco bisher ziemlich neben den Schuhen stehen soll und noch überhaupt kein Band zu seinen Ballfängern gefunden hat. Am Freitag war die Completion Rate gegen Kansas City 50%.

In Sachen Redskins soll sich langsam und leise der Schrecken aller NFL-Fans, QB Rex Grossman, in den Vordergrund gespielt haben. Die Entscheidung der Redskins wird näher rücken, also ein Auge drauf halten!

Indianapolis Colts – Green Bay Packers

Fr/Sa 26./27. August 02h LIVE (Wdh. 27.8. um 14h)

Die Colts können sich mal ernsthaft darin testen, wie es denn ohne Manning gehen soll. Manning soll tatsächlich gefährdet sein, den Saisonstart verletzt zu verpassen – nach der Saisonvorschau (bitte auch die Kommentare berücksichtigen) wäre das der ultimative worst case, da ich keinen Spieler für essenzieller für seine Mannschaft halte als Manning.

Bei den Packers zählt vor allem, dass sie nach der Serie an Feierlichkeiten inklusive Unterbrechung des Trainingslagers schön langsam wieder zurück zum Alltag finden, sprich: Footballspiele bestreiten.

Detroit Lions – New England Patriots

Sa/So 27./28. August 02h LIVE (Wdh. 28.8. um 15h)

Dass sich QB Matt Stafford in so guter Verfassung präsentiert, sollte ein Hoffnungszeichen sein. Im Laufspiel sollen RB Bell und RB Harrison den Langzeitverletzten Rookie Leshoure ersetzen, was gegen Cincinnati nicht so gut geklappt hat. Die Saisonvorschau für Detroit wird es entsprechend am Samstag geben.

Bei New England ist die Defense im Fokus. Nach dem Einkauf von DT Albert Haynesworth und DE Andre Carter erwartete man einen Trend hin zur 4-3 Defense und tatsächlich soll Belichick bisher auch vermehrt „4-3“ spielen, allerdings ohne Haynesworth bisher gebracht zu haben. Allgemein wird den Patriots eine sehr gute Frühform in der Abwehr bescheinigt, einzig die junge Secondary macht Probleme, weil der FS Brandon Meriweather schon zum zweiten Mal das Messer in den Rücken gesetzt bekommen hat.

Die Offense scheint zu passen, so sehr, dass auch die Backup-QBs Hoyer/Mallett schon ihre lichten Momente hatten. Ansonsten wenig neues: Dutzende verschiedene Receivers mit Catches, im Laufspiel bisher RB Shaun Vereen (Cal) mit der besten Vorstellung.

Oakland Raiders – New Orleans Saints

So/Mo 28./29. August 02h LIVE (Wdh. 29.8. um 12h)

Bei den Raiders wäre der jüngst beim Supplemental Draft verpflichtete QB/WR/whatever Terrelle Pryor im Prinzip einsatzfähig – die Fünfspielesperre greift erst ab Beginn der Regular Season.

Die Saints gelten als erstaunlich fortgeschritten in ihrer Vorbereitung, vor allem die Offense soll in der bisherigen Preseason bereits ihre Visitenkarte abgegeben haben. Man plant im Laufspiel tatsächlich mit allen Running Backs: Thomas/Ingram/Sproles werden schön durchrotiert, man darf gespannt sein, was passiert, wenn Ivory Mitte September wieder zurückkehrt.

College Football Preview 2011/12: Sun Belt Conference

Teil 2 der großen Saisonsvorschau auf den College Football, diesmal mit dem Bodensatz, der sportlich graupigen Sunbelt Conference, die hauptsächlich im Süden der USA, von Texas bis Florida, aber auch hinauf bis nach Tennessee und Kentucky, beheimatet ist. Eine Conference, deren Spitze seit jeher dünn gesät ist, dafür reich an fehlender Qualität außerhalb des oberen Leistungsdrittels.

Die Klassenbesten

Als bestes Team gilt dabei jenes der im Herzen der Conference gelegenen Troy Trojans (aus dem Staate Alabama), die seit fünf Jahren immer mindestens Co-Champion sind, wie 2010, als man allein aufgrund eines verlorenen direkten Duells nur die 1B war. Troy, das ist das Lebenswerk von Head Coach Larry Blakeney, der in den letzten zwei Dekaden den Aufstieg von der Division II bis zur Sunbelt-Spitze vorangetrieben hat und dabei immer wieder fantastische Abwehrspieler herausgebracht hat (Osi Umenyiora, Demarcus Ware, Leodis McKelvin – okay, letzterer war bloß ein hoher Draftpick). In der abgelaufenen Saison lebte man von einer starken Offense um den überzeugenden Freshman-QB Corey Robinson, aber heuer muss man auf die fünf besten Wide Receivers verzichten. Die Defense lebt von einer guten Passdeckung und dem alle überragenden DE Jonathan Massaquoi.

Offizieller Sunbelt-Champ 2010/11 waren die Florida International Golden Panthers aus Miami. Eine weltoffene und rasant wachsende Uni – trotz hoher akademischer Standards. Symbolisch dafür steht das junge Footballprogramm, das im vergangenen Herbst erstmals sechs Siege erringen konnte und sogar seine Bowl gewann. Für den Erfolg stehen neben dem lange unterschätzten Head Coach Mario Cristobal auch die beiden neuen Coordinators, vor allem der OffCoord Scott Satterfield, dessen Unit trotz eines fehlerträchtigen QB Wes Carroll mal eben fast 30 Pkt/Spiel hinzauberte. Superstar ist WR T.Y. Hilton, Receiver, Returner und X-Faktor in einer Person.

In dieser Saison muss man erstmals mit höheren Erwartungen zurecht kommen, hat aber den Vorteil, Troy im Heimstadion begrüßen zu können: Im letzten Herbst gewann man gegen die Trojans sogar AUSWÄRTS, 52-35 – der entscheidende Tie-Breaker zum Sunbelt-Titel.

Von Florida in den Norden

Auf Tuchfühlung zur Spitze war auch die Florida Atlantic University vor einigen Jahren. Die Owls sind ein blutjunges Programm (1998 gegründet, seit 2006 FBS) und waren anfangs schnell Senkrechtstarter, angeführt vom schrulligen Howard Schnellenberger, so was wie der Bill Parcells des College Football: Ein Coach, der durch die Lande zieht, mit der Mission, am Boden liegende Programm auf Normalgröße zu züchten und sich dann vom Acker zu machen. Schnellenberger ist auch der Begründer der großen Dynastie der Miami Hurricanes in den 80ern. Der Mann ist mittlerweile 77 und wird im Winter aufhören, nicht ohne wenigstens noch den Stadionbau zu Ende gebracht zu haben. Die Rahmenbedingungen an der FAU stimmen, sportlich wird 2011/12 schwierig: Die beiden Rivalen um den Platz als Quarterback haben in ihrer College-Karriere gemeinsam sieben Pässe (!) geworfen.

Wenn die FAU den Kinderschuhen entwächst, stecken die Western Kentucky Hilltoppers gar noch in Babykleidung. Erst drei Jahre spielt man in der FBS, die Bilanzen bisher: 2-10, 0-12, 2-10. Vier Siege in drei Jahren. Als Head Coach fungiert Willie Taggart, ein Lokalhero. Taggarts Offensiv-Philosophie: RB Bobby Rainey laufen lassen, bis die Beine abgenutzt sind. Rainey zuletzt mit 340 Carries in 12 Spielen (1649yds, 15 TD). Kein anderer interner Angreifer hatte mehr als 32 Carries.

Die Middle Tennessee Blue Raiders waren 2010 bowlen, und trotzdem etwas enttäuscht, da man sich seit Jahren als Sunbelt-Elite ansieht. Da sich aber QB Dwight Dasher so daneben benahm, dass er Teile der Saison suspendiert war, musste man am Ende froh sein, überhaupt sechs Siege zusammengekratzt zu haben. Weitere Probleme 2010: Turnovers und absurd schlechtes Playcalling. Alle Probleme lassen sich vergleichsweise einfach lösen (Coordinators wurden samt und sonders rausgeschmissen) und die Fanbasis ist trotz der jüngsten Rückschläge erfreulich enthusiastisch.

Das Duo in Louisiana

Die ULM Warhawks (Louisiana-Monroe) kann man als Team im Aufbruch sehen. QB Kolton Browning spielte als Freshman stark und Coach Todd Berry hat einiges für seinen Ruf getan, stellte eine kleine, schnelle Defense auf ein 3-3-5 System, was zu bärenstarken Leistungen gegen die Sunbelt-Topteams führte. Dennoch: ULM spielt nun 17 Jahre in der FBS. Positive oder ausgeglichene Saisonbilanzen: Null. 2010/11 schaffte man 5-7, weil man am letzten Spieltag um einen einzigen Zähler verlor: 22-23.

Gegner damals: Die University of Louisiana-Lafayette, der innerstaatliche Rivale und die Uni, die einst Jake Delhomme herausgebracht hat. Die Ragin’ Cajuns gehören ansonsten zu den schwächsten Teams überhaupt. Star ist DefCoord Greg Stewart, der zu Zeiten bei Jacksonville State die FSU und Ole Miss mit genialen Gameplans in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hatte (Ole Miss sogar geputzt). Auf dem Spielfeld hat ULL ein erbärmliches Laufspiel und eine ungelöste QB-Situation.

Das Duo im Westen

Sehr viel weiter nach oben geht der Blick der Arkansas State Red Wolves, die unter Coach Steve Robarts ein Muster an Beständigkeit waren, jahrein, jahraus zwischen 4 und 6 Siege holten. Datt war zuletzt nicht mehr genug und so wurde OffCoord Hugh Freeze zum Cheftrainer befördert, ein exzellenter Recruiter, dessen Rekrutierungsarbeit im Fall von OT Michael Oher so beeindruckend gewesen ist, dass darüber sogar Bücher geschrieben und Filme gedreht wurden (The Blind Side) – okay, Freeze spielt darin nur eine untergeordnete Rolle. Der Mann ist auch ein guter Coach, hauptverantwortlich für die Leistungsexplosion von QB Ryan Aplin im vergangenen Herbst. Freeze muss allerdings für eine Explosion in Sachen „Saisonbilanz“ dringend eine Zauberformel für die Defense Line (Lauf-Verteidigung!) finden. Auf alle Fälle wäre der Schedule günstig: Die vermeintlichen Top-Teams der Conference, Troy und FIU, kommen ins schnuckelige ASU Stadium.

Weitaus weniger optimistisch ist man bei den North Texas Mean Machine Green. Man machte zuletzt zwar meistens mehr Yards als der Gegner, aber auch weniger Punkte. Problempunkt Effizienz – was machen? Ein Umdenken würden die Grünen verlangen und North Texas holte mit Dan McCarney einen neuen Coach. McCarney ist ein Mann, der erst tot gesagt werden muss, bevor er zur Höchstform aufläuft. Mit RB Lance Dunbar hat O-Line-Guru McCarney eine Top-Waffe in der Offense, aber der Pass Rush in der Defense ist so unterirdisch, da hätten sie auch gleich sieben Defensive Backs abstellen können. Hoffnung bringt nun ein Walk-on, Ex-Marinesoldat DE Brandon McCoy.

In Teil 3: Die kleine Confernce im Norden, um die sich kein Mensch einen Schiss macht, außer ein paar karrieregeile Coaches.

Startschuss zum College Football Preview 2011/12: Die Independents und ein allgemeiner Überblick

Die kommenden eineinhalb Wochen werden parallel zur NFL dem College Football, oder besser: der Division I-A (FBS) des College Football gehören. College Football, das Gebiet, das in der entsprechenden Rubrik seine Eintragungen und Erklärungen findet.

Off-Season 2011

Es war keine langweilige Offseason. Wer in geraffter Form die wichtigsten Ereignisse nachlesen will, kann das in deutscher Sprache im Spox-Eintrag von unser aller Liebling Seminole (a.k.a. Sabine) machen, der von Conference-Verschiebung, über Verschiebung im Recruiting bis hin zur Alkoholstory in West Virginia die wichtigsten Dinge abdeckt.

College Football 2011/12 im TV

Bei uns gibt es in diesem Herbst wieder mehrere Möglichkeiten, College Football auf legale Art und Weise zu verfolgen. Zum einen hätten wir ESPN America, das ein recht umfangreiches Programm anbietet, mit ca. einer Handvoll Live-Übertragungen pro Wochenende und noch mehr Tapes/Spieltag. So zähle ich zum Beispiel allein am ersten Spieltag (1. bis 5. September) ein volles Dutzend Partien, das entweder live oder auf Tape gezeigt wird, neun Partien am zweiten Wochenende und mindestens 13 verschiedene Partien für Wochenende #3.

ESPN America bringt ab 26. August 2011 auch eine ganze Latte an Conference-Previewsendungen, die ich hier mal aufliste:

26. August 2011
11h Big East Preview (60min)
12h SEC Preview (60min)

27. August 2011
6h Big Ten Preview (60min)
10h30 Pac-12 Preview (60min)
17h LIVE College GameDay: Season 2011/12 Preview (60min)

28. August 2011
7h Big East Preview (60min)
8h ACC Preview (60min)

29. August 2011
14h Big 12 Preview (60min)
15h Big Ten Preview (60min)

30. August 2011
19h (Tape) College GameDay: Season 2011/12 Preview (60min)
20h BCS Countdown (90min)

31. August 2011
16h Big 12 Preview (60min)
17h Pac-12 Preview (60min)
18h SEC Preview (60min)

1. September 2011
10h30 ACC Preview (60min)

Ich werde rechtzeitig noch eine eigene Rubrik zu den TV-Sendungen in NFL und College Football für diesen kommenden Herbst einrichten.

In Sachen „ESPN“ gibt es natürlich wie immer den „ESPN Player“, der kostenpflichtig ist und in allen europäischen Staaten bis auf Italien – zu dem leider auch das Heimatland des Blogbetreibers gehört – und Russland empfangbar ist. Zur Homepage des ESPN Players bitteschön hier entlang.

Eine interessante Option ist auch wieder Eurosport 2, das pro Woche eine Partie des Big Ten Networks zeigt (ergo ein Heimspiel einer BigTen-Mannschaft) und alle Notre-Dame-Heimspiele. Nicht alle Übertragungen sind allerdings live, oft gibt es „nur“ eine eineinhalbstündige Zusammenfassung am Sonntag. In Woche 1 zum Beispiel bringt Eurosport 2 zwei Spiele:

Penn State – Indiana (So., 4.9. um 8h als einstündiges Tape)
Notre Dame – USF (So., 4.9. um 9h als 90min-Tape)

Damit zur Vorschau auf alle 120 Mannschaften der Football Bowl Subdivision, beginnend heute mit den vier „Freigeistern“ in der obersten Kategorie. Wir haben im Laufe der allgemeinen College-Football-Einführung gelernt, dass die FBS in Conferences eingeteilt ist, aber vier der 120 Teams keiner solchen Conference angehören: Die Independents.

Notre Dame Fighting Irish

(Update 11h49: Quarterbacks)

Die Marke schlechthin im College Football ist Notre Dame, eine Uni, deren Strahlkraft trotz sportlicher Misere immer noch groß genug ist, dass sie innerhalb des BCS-Kartells eine Sonderstellung besitzt. Wir sprechen hier von einer privaten Universität, die vor allem mit dem Einen wirbt: Sie ist katholisch. Und noch immer wollen die meisten der besten katholischen Talente quer durch die USA für Notre Dame spielen.

Die letzten Jahre waren recht grausam und man konnte als relativer Neuling im College-Sport den Krawall um die Fighing Irish nicht nachvollziehen. Nun ist jedoch mit Brian Kelly ein spektakulärer Head Coach am Werk, der bei gegebenen Voraussetzungen eine atemberaubend schnelle Offense spielen lässt, und unter dem die Mannschaft schon im ersten Jahr 2010/11 große Fortschritte machte.

Kelly ist recht flexibel, und weil er seinen Quarterback noch nicht gefunden hat, wird hier erstmal der Gegner überlaufen. Dabei hätte man mit dem Problemcharakter Michael Floyd einen exzellenten Wide Receiver (1,91m groß und einer, der sofort ins Auge sticht), doch die Quarterbacks Crist/Rees sind zu anfällig gegen Turnovers.

[Update: QB Dayne Crist wurde vorerst zum Starting-QB ernannt. Wie lange der verletzungsanfällige Mann den Vorzug vor Tommy Rees erhält, dürfen wir gespannt sein. Crist hat vergangene Saison bis zu seiner Verletzung eher schwach gespielt./Update]

Viel, viel besser – und das ist überraschend – war zuletzt die Defense, die phasenweise ganze Angriffsserien der Gegner im Ansatz niederwalzte und in dieser Saison haufenweise erfahrene Seniors aufwarten kann. Der Schedule von Notre Dame ist stets attraktiv (u.a. USC, Michigan, Michigan State, Air Force, Navy, dieses Jahr sogar Stanford zum Finale) und man darf gewiss nicht ausschließen, dass Notre Dame die kleine Überraschung schafft und schon heuer in die BCS-Bowls zurückkehrt.

Die Heimspiele von Notre Dame werden wie oben angeklungen wieder bei Eurosport 2 übertragen – nicht immer live, aber manchmal. Los geht’s am Sonntag, 4.9. mit einem Tape der “Holtz Bowl”, Notre Dame gegen South Florida, wo mit Skip Holtz der Sohn von Notre Dames Trainerlegende Lou Holtz coacht (um 9h MEZ).

Am 17.9. dann die Live-Übertragung Notre Dame gegen den traditionellen Rivalen Michigan State (ab 21h30 MEZ).

Brigham Young Cougars

Die Mormonen-Uni aus dem US-Bundesstaat Utah ist ein Frischling unter den Independents, wagt mit dieser Saison den Sprung in die Unabhängigkeit. Kein unlogischer Sprung: Brigham Young ist eine Marke. Brigham Young steht für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (ugs. „Mormonen“) und ist einst von einem deutschen Auswanderer gegründet worden. Die Universität besitzt ein gewisses Standing, war 1984 sogar mal National Champion, und verfügt über einen eigenen TV-Sender. Ziel des Ganges in die Unabhängigkeit: Ein Notre Dame des Westens aufzubauen. Passt wie die Faust aufs Auge: Auch hier haben wir es mit einer konfessionellen Universität zu tun, die bis zu einem gewissen Grad „Kult-Status“ genießt, und BYU strebt langfristig einen ähnlichen BCS-Sonderstatus wie Notre Dame an.

Infrastrukturell sind die Heimspiele von BYU eine Augenweide, was an der phänomenalen Lage des heimischen LaVell Edwards Stadiums liegt, das umgeben ist von einem sagenhaften Bergpanorama. Nachtspiele in Provo: Ein Traum.

Sportlich ist man der Erzfeind der staatlichen (aber ebenso mormonisch geprägten) University of Utah, die nun erstmals nicht mehr Conference-Rivale, aber trotzdem im Schedule geblieben ist (17. September).

Head Coach ist immer noch Bronco Mendenhall, aber der Mann, über den sich alle den Mund fusselig reden, ist QB Jake Heaps, der im vergangenen Herbst schneller als erwartet ins Feuer geworfen werden musste und sich nach anfänglichen, argen Problemen gegen Ende nach oben gespielt hatte: Heaps’ Performance in der New Mexico Bowl war herausragend und man wird das Gefühl nicht los, dass man es hier mit einem kommenden Star zu tun hat. Heaps genießt den Luxus, hinter einen ausgewachsenen und erfahrenen Line zu spielen, erfahrene Receiver an seiner Seite zu haben und ein Laufspiel, das auf ca. fuffzehn Schultern verteilt die Spread Offense mehr als bloß entlasten kann.

Zweite Story der vergangenen Saison: Die Defense, die sich von „furchterregend schlecht“ zu „akzeptabel“ entwickelte. Bester Teil hier ist die Defensive Line, die um den 150kg-Koloss Hebron Fangupo gebaut ist und reihenweise Offense Lines dominiert. Manche Experten haben dieser Line schon das Attribut „best in College Football“ verpasst. Die Schwäche der vergangenen Saison, die Secondary, wird hauptsächlich durch Rückkehrer aus der Mission verstärkt.

Knackpunkt in diesem kommenden Herbst wird der Saisonstart sein – und BYU hat sich unter Mendenhall das Image der „Chargers des College Football“ angelacht: Sie kommen meist nur langsam in die Gänge. Und dann warten an den ersten vier Samstagen @Mississippi State, @Texas, vs Utah, vs UCF, also nicht die Konsorten, die man im Vorbeigehen einfach mal mit zwei Touchdowns aus dem Stadion prügelt…

Navy Midshipmen

Zu den Militärs. Die US Navy lebt seit Jahren ihren Traum – zumindest auf dem Footballfeld. Seit den Jahren unter Paul Johnson wird in Annapolis knallharte flexbone triple option offense gespielt – wie auch unter Johnsons Nachfolger. Der nennt sich Ken Niumatalolo – nochmal: Ken Niumatalolo – der erste samoasche (also aus Samoa) Head Coach der FBS. Niumatalolo – ein Players Coach in der Navy – war schon mehrfach im Coaching Staff von Paul Johnson und hat an dessen Ideen einige Stellschrauben verändert, was zu einer weniger imposanten Offense, dafür einer sehr viel besseren Defense geführt hat.

„Weniger imposante Offense“ liest sich 2010/11 immer noch so: 76 Punkte, 591yds total offense, 521yds rushing offense gegen East Carolina. Allerdings wurde auch 6-14 gegen den Rivalen Air Force verloren.

Für diese Saison müssen die Midshipmen auf den Möchtegern-Obama Ricky Dobbs verzichten, der neue QB nennt sich Kriss Proctor, ein sehr laufstarker Mann mit schonmal über 200yds Rushing in einem Spiel. Eine jede triple option braucht einen starken Fullback und die Navy hat einen in FB Alexander Teich, und, nein ich habe keine deutsche Verbindung zum Ur-Texaner Teich gefunden, aber man wird irgendwo in seinen Wurzeln Connections nach Deutschland oder Österreich finden.

Was weiters für eine starke Navy-Offense spricht: Die erfahrene Offensive Line. Allerdings muss man in der Defense acht Starter ersetzen, verfügt über keinen guten Pass Rush, was der eh schon schwachen Secondary nicht gerade hilfreich sein dürfte.

Der Schedule ist eher schwer, aber acht Siege sollten drin sein. Besonderes Augenmerk gilt für die Navy immer Notre Dame, der Air Force und insbesondere der US Army. Gegen die findet wie immer Mitte Dezember das letzte Regular-Season-Spiel in der FBS statt, dieses Jahr im FedEx Field, und nicht nur böse Zungen behaupten, es sei das wichtigste Spiel in der Historie des Redskins-Stadions.

Army Black Knights

Diese US Army wird die vermeintlich schwächste Mannschaft der vier Independents stellen. Die Black Knights sind aber unter dem 2009 geholten Option-Guru Rich Ellerson wieder im Aufwind, nach jahrelanger Stagnation bzw. Regression in den 2000ern – als sei der Football ein Ebenbild sonstiger Geschehnisse im US-Militär. 2010/11 legte man eine überraschende Saison mit positiver 7-6 Bilanz hin – trotz Niederlagen gegen Air Force und die Navy – und auch das Bowlspiel gegen die passgewaltigen SMU Mustangs war typisch: Zur Halbzeit 16-0 geführt und dann trotz zweier Touchdowns langsam die gegnerische Pass-Offense zum 16-14 abgewürgt.

„Star“ der Offense ist der FB Jared Hassin, der über 1000yds rushte und massiv daran beteiligt war, dass die Offensivproduktion innerhalb eines Jahres von 13 TDs (2009) auf 34 TDs (2010) gestiegen ist. QB Trent Steelman wird ebenso von Jahr zu Jahr sicherer, aber Sorgen bereitet die umgebaute Offensive Line, ein wichtiger Baustein in der Option-Offense. Obwohl man keine sieben Siege mehr erwarten darf: Schlachtopfer auf der Bank sind die Army Black Knights auch nicht mehr.

In Teil 2 werden wir mit der ersten Conference starten, und wie es sich standesgemäß gehört, mit dem Bodensatz der Football Bowl Subdivision. Die Leiter nach oben will schließlich langsam und bedächtig erklommen werden.

Die Philadelphia Iggles in der Sommerhitze

In diesem Sommer ist für mich ein kleiner Teil NFL-Romantik gestorben. Die Philadelphia Eagles, meine netten Freunde von nebenan, mit denen ich gerne mal ein Bierchen getrunken habe und die immer in meinem Schatten gestanden waren, sind auf einmal im Mittelpunkt des Interesses und ziehen bewundernde wie verachtende Blicke auf sich.

Es ist kein Jahr her, da sah man ein Übergangsjahr für die Eagles kommen. Elf Monate, eine Vick-Renaissance und zwei Handvoll Stareinkäufe später, ist die Franchise von Jeff Lurie plötzlich im Zentrum des Interesses. Nichts anderes als der Superbowl-Sieg wird erwartet.

Um mal einen Blick auf den Kader zu werfen…

Die Offense

Es gibt aktuell keine Offense, die mehr Speichel produziert als jene der Eagles. Das liegt vor allem an der sagenhaften Explosivität, die in dieser Angriffsmaschine steckt. Das beginnt beim QB Michael Vick, dem Spieler mit dem meisten Thrill-Potenzial in der NFL. Es ist ganz schlicht und einfach bewundernswert, in welchem athletischen Zustand Vick mit seinen 31 und nach zweieinhalb Jahren Knast im vergangenen Herbst durch die Abwehrreihen gescrambelt ist.

Viel beeindruckender noch war die Präsenz des Michael Vick in der Pocket. Jo, gibt immer noch ca. eineinhalb Dutzend Quarterbacks, die souveräner wirken, aber Vick/Philadelphia verglichen mit Vick/Atlanta, das ist wie Collinsworth verglichen mit Dilfer. Nun hat Vick so seine Probleme mit Blitz-Taktiken jeglicher Natur, aber Vicks Trümpfe, die fassungslose Wendigkeit und der rattenscharfe tiefe Ball, sind für Defenses trotz allem nicht zu unterschätzen.

Und der tiefe Ball ist ein probates Mittel, wenn du so antrittsstarke Wide Receivers wie DeSean Jackson und Jeremy Maclin besitzt. Der allerdings extrem für Drops anfällige Jackson und der krankheitsgeschwächte Maclin hatten beide so ihre Offseason-Problemchen, sollten aber in der Regular Season voll einsatzfähig sein.

OffCoord Marty Mornhinweg ist zwar ein fürchterlicher Unsympath, aber ein sehr guter Coach, und wenn Mornhinweg neben solchen Sprintern auch noch verschiedenste Waffen wie TE Brent Celek oder WR Johnny Lee Higgins einbauen kann, sowie auf einen so fangstarken Running Back wie LeSean McCoy und einen so grundsoliden wie Neuzugang Ronnie Brown zurückgreifen kann, kommt es schon mal vor, dass die Auguren sich nicht mehr einig sind, ob die Eagles nun „Spread“ oder „West Coast“ spielen. So einzigartig ist dieser Angriff derzeit in der Liga.

Einzigartig, aber auch brutal abhängig vom Vick, bei dem die Eagles einfach mal darauf geschissen haben, dass der Mann mit seinem Spiel pro Saison drei mittelschwere Verletzungen riskiert, und dessen soliden Backup Kevin Kolb sie nach Arizona abgeschoben haben. Dafür ist nun der etwas labile QB Vince Young Vicks Ersatzmann für 4-6 Spiele in diesem Herbst. Eine Aussicht, die… interessant ist. Young in diesem Angriff? 6-8 Big Plays/Spiel weniger – was bleibt dann noch übrig?

Gespannt sein darf man auf die Offensive Line, der man zuletzt nachsagte, mit den komplexen Block-Schemen überfordert zu sein. Komplexe Schemen, eingepflanzt von dem Coach, der nun die Defense trainiert: Juan Castillo.

Die Defense

Philadelphias Defense stand für mich dank der Legende Jimmy Johnson stets für massive Blitz-Gewalt. Nun weiß kein Mensch, was unter dem unerfahrenen Castillo zu erwarten ist. Vermutlich weniger Druck aus der zweiten und dritten Reihe – wozu sonst hätte man den jungen Johnson-Jünger Sean McDermott feuern sollen?

Castillo kann auf ein höchst interessantes Personal bauen: Vorne hochkarätig besetzt, mitten drin inexistent, hinten „top-heavy“ – spricht tendenziell stark für eine 4-3 bzw. vielleicht eine Defense, die häufig mit fünf Defensive Backs aufs Spielfeld kommt.

Die Defensive Line ist um den kompletten, ausgelernten Superstar-DE Trent Cole gebaut, dem nun mit DE Jason Babin aus Tennessee ein veritabler Gegenpart zur Seite gestellt wurde. Für die Mitte steht nach Bunkleys Abgang ein neues Trio zum Reinrotieren bereit: Cullen Jenkins, der ehemalige 3-4 End aus Green Bay, Senkrechtstarter Antonio Dixon und der einst hoch gedraftete Mike Patterson, bei dem kein Mensch weiß, wie er sich machen wird. Patterson ist im Trainingslager zusammengeklappt und man darf sich ernsthaft fragen, ob es sinnvoll ist, weiterhin Pattersons Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Ein Star fehlt noch: Line-Coach Jim Washburn, der der Welt in Tennessee mehr starke Defensive Line geschenkt hat als Matthäus Ehen.

Die Linebackers sind recht unterirdisch besetzt, sodass mit Rookie Casey Matthews aus Oregon ein Mann den Middle Linebacker geben soll, dessen Haupt-Referenz lautet „Bruder von Clay“.

Das Maul fusselig redet man sich, wenn das Thema „Phillys Secondary“ aufkommt. CB Asante Samuel, CB Nnamdi Asomugha, CB Dominique Rodgers-Cromartie – dreimal Deckungsspieler mit großem Namen. Asomugha gilt als einer der besten Shutdown Cornerbacks der Liga, und Samuel als Genie, wenn es darum geht, das eine, entscheidende Big Play zum Sieg zu machen. Nicht ausgeschlossen, dass die in der Preseason getestete Varianten mit Samuel als Safety tatsächlich eine Option wird. Samuel als Freelancer? Nehme ich, solange mir der Mann nicht auf Running Backs abgestellt wird.

Dagegen spricht, dass „Free Safety“ genau die richtige Position für den jungen, aufstrebenden, aber von einer schweren Verletzung zurückkommenden Nate Allen ist. In dem Falle würde vielleicht sogar der local guy, Rookie Jaquan Jarrett (kommt von der heimatlichen Temple University) der Starter als Strong Safety werden.

Viele, viele Optionen in dieser Defense – aber, und das zu bestreiten grenzt an Ignoranz, auch mehrere potenzielle Sollbruchstellen.

Special Teams

Huch? DeSean Jackson ist einer der Big Three bei den Returnmännern (nach Hester und neben Cribbs), aber die Schlüsselstelle ist eine andere: Wie kommt der Rookie-Kicker Alex Henery zurecht, nachdem David Akers, einer der besten Kicker der jüngeren und älteren Vergangenheit, aufgrund zweier Playoff-Fehlkicks rausgeschmissen wurde?

Ausblick

Die Einkaufstour war so massiv, dass die Eagles unweigerlich den Druck des Superbowl-Favoriten aufgehalst bekommen. Und ein Head Coach Andy Reid unter Druck, zumal mit Philadelphias traditionell ultra-launischem Publikum im Rücken – ich habe da nicht des Weltgeists größtes Vertrauen drein.

Philadelphias Schedule ist dann auch entsprechend ein sehr Primetime-lastiger:

Wk #1 @Rams
Wk #2 @Falcons (SNF)
Wk #3 vs Giants
Wk #4 vs 49ers
Wk #5 @Bills
Wk #6 @Redskins
Wk #7 BYE
Wk #8 vs Cowboys (SNF)
Wk #9 vs Bears (MNF)
Wk #10 vs Cardinals
Wk #11 @Giants (SNF)
Wk #12 vs Patriots
Wk #13 @Seahawks (Donnerstagsspiel)
Wk #14 @Dolphins
Wk #15 vs Jets
Wk #16 @Cowboys
Wk #17 vs Redskins

Eine Prognose fällt extrem schwer. Wurscht, wie viele Stars da in dieser Mannschaft spielen, wurscht, ob die Defense überragt oder unter neuem Coordinator und ohne Linebackers kränkeln wird: Die Saison steht und fällt mit Michael Vick. Bleibt er die Waffe? Bleibt er überhaupt gesund? Bleibt er gesund und eine Waffe?

Ich sehe bedenklich viele Komponenten, die gegen die Philadelphia Eagles als Superbowl-Champ sprechen. Um noch ein bissl weiter zu gehen: Ich habe sogar in der NFC East eine andere Mannschaft auf der Rechnung. Eine vermutlich blitzfreudige…

Das Zeiteisen verrät: 481 Minuten verbleiben. WordCount nach 18 Teams: 17136.

Mit den Miami Dolphins in die neue Woche

Die vielleicht krasseste Offseason der NFL hat in Miami stattgefunden. Head Coach Tony Sparano sollte durch Jim Harbaugh ersetzt werden, Quarterback Chad Henne durch Kyle Orton. Beide Moves scheiterten – die beiden wichtigsten Protagonisten der Dolphins sind nun lame ducks, die so richtig keiner mehr haben will und auf die man trotz allem bauen muss. Eine bizarre Situation, aber nicht unerwartet.

Denn Owner Stephen Ross versucht verzweifelt, der Franchise und ihren Fans Leben einzuhauchen – etwas, das kaum gelingt mit langweiligem Offensivspiel aus den 80ern und was auch nicht geht mit einer so eklatanten Heimschwäche: Miami gewann zuletzt eines von acht Heimspielen.

Offense

Wichtigste Änderung nach dem geplatzten Quarterback-Putsch: OffCoord Dan Henning ist weg, Brian Daboll ist da. Daboll war zuletzt in Cleveland für die Offense zuständig, was eher nicht so gut geklappt hat. Die Dolphins verfügen aber über eine recht gute Basis: Left Tackle Jake Long gilt als ligaweiter Benchmark für diese Position, und die eher schwache innere Seite der Line soll durch den gehypten Rookie Mike Pouncey Verstärkung erhalten.

Das Laufspiel soll anscheinend um den Rookie-RB Daniel Thomas gebaut werden, ein Back, der in der Pinstripe Bowl durch hartes Laufspiel und haufenweise Touchdowns über die Mitte aufgefallen ist (und Kansas State spielte BTW auch Wildcat-Offense. Wildcat! Offense! Und! Nun! Die! Dolphins!). Thomas geht aber neben seinem Backup völlig ein: RB Reggie Bush ist der Neueinkauf der Saison, ein Mann wie geschaffen für Ross’ Star-Affinität. Bush sollte ähnlich wie in New Orleans eingesetzt werden und vor allem für sich selbst verkaufende Tickets sorgen (spinn’ ich oder lief Bush in den Preseason-Spielen tatsächlich mit #22 durch die Gegend?).

Die Wide Receivers sind IMHO recht breit aufgestellt: Davone Bess gilt als Welker-Typ für die Slot-Routen, Brandon Marshall ist bei aller Kritik immer noch ein sehr guter possession receiver für die kurzen Routen und machte zuletzt immerhin 86 Catches für über 1000yds, gilt allerdings als glamouröser und im Privatleben nicht immer koscherer Typ, der sich von der Präsenz eines Dwayne Wade oder LeBron James leicht ablenken lässt. Und dann haben wir noch eine Handvoll junger, quicker Spieler – wie gut mir die Idee mit deep threat Ed Gates gefällt, habe ich bereits in der Draft-Analyse geschrieben – plus Tight End Tony Fasano.

Nun stellt sich allerdings die Frage, wie es nach drei schwachen Saisons inklusive der jüngsten Enteierung um das Selbstvertrauen von QB Chad Henne bestellt ist. Henne besitzt einen waffenscheinpflichtigen Wurfarm und soll immer dann gut sein, wenn möglichst viele Wide Receiver auf dem Feld stehen – Miami verzichtete zuletzt gänzlich auf diese Art von Offense. Bleibt die Frage, ob Daboll eine Handvoll Spielzüge für Henne kreieren kann, mit denen der Mann umgehen kann, denn der Backup Matt Moore gilt ebenso als QB, der längst durchschaut worden ist.

Defense

Wir sprechen über eine der herausragenden Defenses der NFL – und keiner kennt sie. Seit DefCoord Mike Nolan aus Denver gekommen ist, haben die Dolphins eine der dominanteren Units beisammen – gegen Lauf und Pass. Es beginnt alles in der Defensive Line, wo mit Paul Soliali ein richtig guter Nose Tackle spielt – und Soliali wird mit dem von einer Verletzung zurückgekehrten hoch gedrafteten Jared Odrick in dieser Saison einen neuen Nebenmann bekommen. Ein völlig unterschätzter Mann soll der halbe Nose Tackle Randy Starks sein.

Diese Line hält einer sehr gefährlichen Linebacker-Unit den Rücken frei. OLB Cameron Wake gilt nach 14 Sacks in der abgelaufenen Saison als sensationeller Pass Rusher, wobei die PFF-Stats in Wake sogar eher noch einen Lauf-Verteidiger vermuten ließen – sprechen wir hier über ein dark horse auf den nächsten Defensive-MVP-Award? Für die OLBs haben die Dolphins auch noch Jason Taylor zum x-ten Mal zurückgeholt, wobei kein Mensch zu sagen vermag, was der olle J.T. noch drauf hat. Ein weiteres Prunkstück ist das Herz der Defense, die Inside Linebackers um den feurigen Leader Karlos Dansby und den Neuzugang Kevin Burnett aus San Diego.

In der Secondary scheinen die Dolphins vor allem auf CB Vontae Davis und dessen Deckungskünste gegen gegnerische #1-Wide Receivers zu vertrauen.

Ausblick

Die Offseason war vom psychologischen Standpunkt an Idiotie kaum zu überbieten, aber die Dolphins sollten auch in der Zeit nach Brown/Williams einen soliden Kader beisammen haben. Vielleicht gelingt mit Daboll die benötigte Feinjustierung in der Offense, sodass QB Henne sein coming out erlebt. Wenn das Passspiel der Dolphins turnoverarm in die Gänge kommen sollte, sprechen wir von einem Playoff-Kandidaten, selbst in engen AFC East.

Bei diesem Schedule…

Wk #1 vs Patriots (MNF)
Wk #2 vs Texans
Wk #3 @Browns
Wk #4 @Chargers
Wk #5 BYE
Wk #6 @Jets (MNF)
Wk #7 vs Broncos
Wk #8 @Giants
Wk #9 @Chiefs
Wk #10 vs Redskins
Wk #11 vs Bills
Wk #12 @Cowboys
Wk #13 vs Raiders
Wk #14 vs Eagles
Wk #15 @Bills
Wk #16 @Patriots
Wk #17 vs Jets

… und mit einer weiterhin so uninspirativen Offense ist ein weiteres, dunkelgraues 7-9 hingegen ebenso nicht weit weg. Ob man sich dann um einen der Top-QBs aus dem Draft 2012 bemühen würde?

Das Zeiteisen verrät: 519 Minuten verbleiben. WordCount nach 17 Teams: 16032.

Mit den Green Bay Packers aufs Wiesenfest

Der Titelverteidiger ist jedes Jahr automatisch ein Titelfavorit in der NFL – allein, eine direkte Wiederholung eines Titelgewinns passiert sehr selten in der Superbowl-Geschichte. Trotzdem proklamiert fast jeder in diesem Sommer: Die Packers sind der NFC-Topfavorit. Die Gründe sind klar: Ein immer noch im Kern junges Team, ein sensationeller Quarterback und ein Kader, der kaum verändert wurde.

Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten sieben, acht Jahren jemals über einen Trainer, der die Superbowl gewann, so wenig gesprochen wurde, wie über Green Bays dicklichen Head Coach Mike McCarthy. Sogar DefCoord Dom Capers bekam mehr Schlagzeilen als der Head Coach, was die grundsolide Arbeit in Green Bay jedoch nicht schmälern soll: McCarthy und GM Ted Thompson hatten vor drei Jahren die Eier, die Legende Brett Favre abzusägen und auf den Diamanten Aaron Rodgers zu setzen, und nahmen dafür eine Hasswelle quer durch Fan- und Medienlandschaft in Kauf.

Der Superstar und seine Offense

QB Aaron Rodgers spielte eine phänomenale Saison 2010/11, inklusive ziemlich außerirdischer Playoffs mit zwei fulminanten Vorstellungen gegen Atlanta und Pittsburgh. Rodgers ist der Mann, um den die gesamte Offense gebaut ist und ich übertreibe nicht mit der Behauptung, dass Rodgers neben Peyton Manning wohl wie kein Zweiter die Offense seiner Mannschaft ausmacht. Wer sehen will, was Coolness in der Pocket und blindes Verständnis mit den Ballempfängern bedeutet: Bitte Tape von Rodgers und den Packers anschauen.

Dabei ist es sogar noch wurscht, dass die Offensive Line nicht mal allzu gut ist und demnächst altersbedingt einige Änderungen durchlaufen wird. Rodgers bewegt sich so frappierend souverän, dass gelegentlich schwaches Blockspiel gar nicht auffällt. Ach, und: Rodgers kann auch scrambeln. Ich würde sagen, besser als ein Vince Young.

Ein sehr interessanter Mann ist auch Backup-QB Matt Flynn, der stilistisch wie eine 1B-Variante von Rodgers aussieht und der über fantastisches Coaching und Mentoring verfügt haben dürfte. Flynn zeigte bei wenigen Einsätzen für den hin und wieder für Gehirnerschütterungen anfälligen Rodgers großartiges Potenzial.

Die Ballfänger sind sehr breit aufgestellt. Haupt-Anspielstationen sind WR Greg Jennings, dessen Präzision beim Laufen designter Routen ligaweit unerreicht sein dürfte, WR Donald Driver, das Football-Analog zum alten Wein, und vor allem TE Jermichael Finley. Finley war in der Vorsaison überwiegend verletzt auf der Bank, aber der Mann ist der Tight End schlechthin. Ohne gegen die Größe eines Antonio Gates stänkern zu wollen: Wer einen fangstarken Tight End sucht, wählt Finley.

Dazu kommen die quicken Slot-Männer wie die drop-anfällige WRs Jordy Nelson oder James Jones, die beide im Kader bleiben durften trotz einiger Auf und Abs, und der sehr interessante Rookie Randall Cobb, ein toller, vielseitiger Wide Receiver aus Kentucky, dessen ersten Einsätzen ich bereits jetzt entgegenfiebere.

Weniger orgiastisch kann man über das Laufspiel erzählen. RB Ryan Grant durfte trotz einer schweren Verletzung im Kader bleiben und war jahrelang der Einser-Back, gilt aber als Profiteur der Pass-Offense und insgesamt zu mittelmäßig. Grant muss aufpassen, um nicht von den jungen RBs Alex Green und James Starks überholt zu werden. Generell gilt jedoch: Laufspiel wird nur zur Ablenkung eingesetzt – normalerweise wird hier geworfen bis zum bitteren Ende.

Die Defense und ihre Schachfiguren

So großartig Rodgers spielte, die Packers verfügen unter dem Defensive Coordinator Dom Capers über einen ebenso starke Defense, die mit ihrem 3-4 unspektakulär daherkommt, aber gegnerische Angriffsreihen langsam und kaum spürbar lähmt und somit abwürgt. Die Defensive Line dürfte nach dem Abgang von DE Cullen Jenkins einen wichtigen Anker verloren haben, aber mit NT B.J. Raji und DE Ryan Pickett stehen die beiden zuverlässigsten Liner noch im Kader. Man darf sich allerdings ob der fehlenden Tiefe durchaus fragen, ob man nicht zumindest den enttäuschenden ehemaligen hohen Pick DE Justin Harrell hätte behalten können.

Hinter einer derart guten Offense Line muss es für Linebackers ein Vergnügen sein. Zwar ist mit MLB Nick Barnett der Chef gegangen, aber Barnetts Backup Desmond Bishop bewies Nehmerqualitäten und soll der neue Eckpunkt neben dem als mittelmäßig verschrieenen A.J. Hawk sein. Über den spektakulären OLB Clay Matthews ist bereits viel geschrieben worden – Matthews ist ein schwer zu bremsender Pass Rusher, ein unkompletter Spieler, aber trotzdem pro Spiel mit drei Plays, die das Spiel potenziell wenden können.

In der Secondary spielen die Packers Schach wie kaum eine zweite Mannschaft, mit den Einser-Cornerbacks Sam Shields und Tramon Williams, denen Capers voll zu vertrauen scheint – so voll, dass der alternde Charles Woodson immer mehr als eine Art Freelancer eingesetzt wird, ein Freigeist wie ansonsten nur noch Polamalu in Pittsburgh. Woodson ist ein kompletter Spieler, der häufig auf Blitzes geschickt wird, aber auch großartig in der Deckung ist, jedoch nicht mehr als Shutdown Corner á la Revis gilt. Ach ja, und dann gibt es noch den Safety Nick Collins, der bei Madden ein Gesamt-Rating von 95/99 bekam, wofür Madden meines Wissens von bislang keiner Seite kritisiert worden ist.

Ausblick

Der Kader wurde gegenüber 2010 kaum verändert und nur mit wenigen Spielern und Rookies ergänzt. Eine „logische“ Strategie, aber es passiert selten, dass solche Mannschaften nicht einen leichten Abwärtstrend erleben, zumal als Titelverteidiger. Green Bay ist für mich nicht der Titelfavorit #1, dürfte aber trotz der starken NFC North wieder im Playoffrennen mitmischen können – und wenn Rodgers und seine Crew wieder einen solchen Lauf kriegen…

Der Schedule ist nicht ohne Hindernisse (Bin ich übrigens der einzige, der sich wundert, dass Green Bay ganze viermal in der Primetime – plus einmal um 18h30 MEZ zu Thanksgiving – spielen darf?):

Wk #1 vs Saints (Season Opener)
Wk #2 @Panthers
Wk #3 @Bears
Wk #4 vs Broncos
Wk #5 @Falcons (SNF)
Wk #6 vs Rams
Wk #7 @Vikings
Wk #8 BYE
Wk #9 @Chargers
Wk #10 vs Vikings (MNF)
Wk #11 vs Buccaneers
Wk #12 @Lions (Thanksgiving)
Wk #13 @Giants
Wk #14 vs Raiders
Wk #15 @Chiefs
Wk #16 vs Bears (SNF)
Wk #17 vs Lions

Wenn alle Stricke reißen, hat man am Saisonende zweimal ein Heimspiel gegen die eigene Division – ein leichter Vorteil im Playoffkampf.

Das Zeiteisen verrät: 552 Minuten verbleiben. WordCount zur Hälfte der Preview-Serie: 15206. (50% der Teams abgearbeitet, 46% des Zeitbudgets verbraucht)