Faszination College Football VI: Die finanzielle Dimension

Der Pomp ist eine Stufe kleiner als in der NFL, der Sport ist offiziell Amateursport, die Strukturen sind trotzdem professionell. Ein Blick auf die finanziellen Dimensionen in diesem Sport – Achtung, ein etwas kompliziertes Thema.

Um die Fronten zu klären:

Athletic Department = „Sportabteilung“ einer Uni
Footballprogramm = Footballabteilung im Athletic Department

TV-Verträge

Disclaimer: Es handelt sich hier nicht rein um Verträge für Football, sondern meistens um Football & Basketball, wobei die Footballrechte meistens den Löwenanteil ausmachen.

Die SEC als sportlich dominierende Conference der letzten Jahre kassiert runde 200 Millionen Dollar pro Jahr aus ihren Verträgen mit CBS und ESPN. Das ist nichts gegen den neuen Mega-Vertrag, den die Pac-12 Conference unter Commissioner Larry Scott jüngst abgeschlossen hat: Für 12 Jahre an den Rechten für Football & Basketball kassiert die Conference mal eben 2,7 Milliarden Dollar von Fox und ESPN. Im Schnitt fast 250 Millionen Dollar pro Jahr – pro Uni also runde 15 Mio./Jahr. Die Big Ten Conference scheffelt rund 210 Mio./Jahr im Schnitt über 10 Jahre.

Andere Conference sind da schon um einiges davon entfernt. Die ACC kommt ab 2011/12 auf ca. 150 Mio./Jahr für Rechte an Football, Basketball und allen olympischen Sportarten, was immer noch eine massive Steigerung gegenüber den bisherigen 66 Mio. ist. Kleinere Conferences gehen da vergleichsweise leer aus. Immer vor Augen halten, dass diese Zahlen lineare Durchschnitte sind und Front-/Backloading nicht berücksichtigen.

Notre Dame besitzt einen eigenen TV-Vertrag mit NBC, der aktuell runde 15 Mio. Dollar/Saison einbringt, womit die Universität im Spitzenfeld liegen dürfte, trotz sportlicher Mittelmäßigkeit. Denn „Notre Dame“ als Marke zieht immer noch, und erzielt in der Spitze Quoten wie 6,5 Millionen Zuschauer (gegen den Erzfeind USC).

Es gibt auch Universitäten wie die ultraegomanische University of Texas, die zusätzlich zum Big-12-Vertrag noch ein eigenes Longhorn Network besitzt, das über ESPN über die nächsten 20 Jahre 300 Millionen Dollar für die Uni garantiert und dessen Schaffung letztendlich überhaupt den Fortbestand der Big 12 Conference sicherte – ohne wäre Texas abgewandert und hätte eine Big 12 in Trümmern hinterlassen – was in einigen wenigen Jahren sowieso passieren wird, vielleicht in fünf Jahren.

Umsätze

Disclaimer: Im Folgenden handelt es sich tatsächlich um Umsätze der Footballprogramme, wobei die Umsätze der meisten Privatschulen (z.B. Baylor) nicht offenliegen.

Schon jetzt ist Texas der Umsatzkrösus, setzte 2009/10 93 Mio. Dollar um. Alabama ist mit 71 Mio. die #2, Georgia und Penn State folgen mit je 70 Mio., dann kommen LSU und Florida mit je 68 Mio. Dollar/Jahr. Notre Dame setzte 2009/10 64 Mio. Dollar um und ein mittelgroßes Programm wie Iowa immer noch 45 Mio. Dollar. Ein erstaunliches Faktum: USC, das immerhin im Megamarkt von Los Angeles liegt, setzte ganze 29 Mio. Dollar um.

Zum Vergleich: Der Krösus im Basketball war 2009/10 Louisville mit 26 Mio. Dollar.

Die Mid-Majors wie die MWC oder die Conference-USA fallen deutlich ab. Die University of Central Florida ist zum Beispiel mit weitem Abstand der Krösus in der C-USA und setzt pro Jahr 15 Mio. Dollar um. Deutlich leichtere TV-Verträge und weniger Zuschauer machen sich bemerkbar.

Unter diesem Gesichtspunkt fällt der jüngst erfolgte Wechsel von Utah in die Pac-12 stark auf: Utah setzte bislang 14 Mio. Dollar/Jahr insgesamt um. Allein der neue TV-Vertrag der Pac-12 bringt wie beschrieben mal eben runde 12-15 Mio. Dollar/Jahr.

Rentabilität

Footballprogramme sind an den meisten Universitäten die Cash Cows. Top-Footballprogramme erfordern massive Investments, wer jedoch in einer der Top-Conferences spielt, wird mit meist hohen Gewinnen belohnt. Zum Prestige im College-Sport gehören jedoch neben Football eine massive Zahl weiterer Sportarten für Männer und Frauen (teilweise über 25) – und diese ziehen die Athletic Departments meistens runter: 2009/10 machten ganze 14 öffentliche Universitäten ohne öffentliche Bezuschussung mit ihren Sportprogrammen (Football + alle andere Sportarten) Gewinne. Vierzehn aus über 100.

Eine davon ist die Ohio State University – ein Beispiel, das einiges verdeutlicht: Deren Athletic Department (=Sportabteilung) setzt 126 Millionen Dollar um, wovon 63 Millionen, also die Hälfte, mit Football gemacht werden. Die Footballabteilung für sich macht 35 Mio. Dollar Profit. Am Ende des Tages bleiben für das Athletic Department in ihrer Gesamtheit 93.000 Dollar übrig. Dreiundneunzig Tausend. Und dies auch nur dank 22 Millionen Bezuschussung durch Booster (also NICHT öffentlich), ohne die Ohio States Sportprogramme nur 104 Millionen einnehmen und massive Verluste einfahren würden. Ein fettes Sportprogramm mit insgesamt 36 Sportarten macht’s möglich.

Bei Texas sieht es so aus: 93 Mio. Umsatz mit Football, 68 Mio. Gewinn mit Football, aber ganze 29 Mio. Dollar bleiben letztendlich im Athletic Department. 40 Millionen verbraten andere Sportarten.

Generell kann man sagen, dass Universitäten aus den Big-4 (SEC, Big 12, Big Ten, Pac-12) massive Gewinne mit Football machen (SEC zum Beispiel 30 Mio./Jahr), Geld, das zum Teil zurück ins Bildungsbudget der Uni fließt – oder, in den meisten Fällen, in anderen Sportarten verbraten wird, oft so sehr, dass Geld aus dem Bildungsbudget abgezweigt werden muss, um die Verluste auszugleichen. Es handelt sich dabei um öffentliche Gelder.

Ein Blick auf die rentabelsten Footballprogramme: Texas ist mal wieder Spitzenreiter, mit genannten 68 Mio. Dollar Gewinn durch Football im Sportjahr 2009/10, mit deutlichem Abstand folgt Georgia mit 52 Mio. Dollar. Penn State (50 Mio.) und Michigan sowie Florida (je 44 Mio.) sind die nächsten.

Auch hier ein Vergleich mit den Mid-Majors: In der Conference-USA gibt es ganze vier Unis, die überhaupt mit Football Geld verdienen. Central Florida ist mit seinen 6 Millionen Dollar meilenweit allein auf weiter Flur, was Profit im Football angeht (61.000 Dollar von den 6 Mio. bleiben am Ende im Athletic Department übrig, weil 5 Mio. an öffentlichen Geldern dorthin abgezweigt werden).

Fazit: Football ist high-investment, high-revenue und an vielen Unis sehr rentabel. Geld wird meistens in anderen Sportarten verbraten. Und eventuelle Verluste werden dann mit Booster-Zuschüssen (privat) oder öffentlichen Geldern (Studiengebühren, Steuern usw.) aus dem Bildungsbudget ausgeglichen.

Die Coaches

Oftmals gennanter großer Kritikpunkt am College Football sind die Gehälter der Head Coaches und einiger hochbezahlter Assistenztrainer – dass hohe Gewinne auch hohe Investments in gute Coaches bedeuten, wird im Populistensumpf dabei gerne vergessen, auch wenn natürlich nicht alle Trainer dann auch laufend Erfolge einfahren.

Superstar unter den Coaches ist Alabamas Nick Saban, der im Jahr 2010 satte sechs Millionen Dollar kassierte, die mögliche Erfolgsprämie von 700.000 Dollar mal nicht berücksichtigt. Auch der Coach von Texas, Mack Brown, kassiert über fünf Millionen Dollar/Jahr, obwohl er trotz eines gigantischen Recruitings vergleichsweise mickrige Erfolge einfährt. Die Coaches von Oklahoma und LSU, Bob Stoops und Les Miles, kassieren um die vier Mio./Jahr. Das sind die höchstbezahlten Coaches in den reichsten Unis der reichsten Conferences.

Ein Joe Paterno ist dagegen vergleichsweise ein armer Schlucker, auch nach 45 Jahren als Head Coach kassiert der Mann „nur“ um die 1,1 Mio. Dollar/Jahr. Top-Trainer wie TCUs Gary Anderson (1,6 Mio. Dollar), Boise States Chris Petersen (1,5 Mio. Dollar) passen trotz ihrer armen Unis in etwa in dieses Mittelklasseschemas.

In den kleinen Conferences gibt es aber auch reiche Coaches: Ein June Jones (hey, wer kennt den Mann noch aus der NFL?) sackt an der kleinen Southern Methodist University über 2 Mio./Jahr ein.

Man muss dazu sagen, dass ein Head-Coach-Job an der Universität ein brutaler Ganzjahresjob ist inklusive des Recruitings, das exzellentes Networking (und die richtigen Undercover-Agenten) erfordert, inklusive geforderter Totalüberwachung über die Aktivitäten von Boosters, Assistenztrainer und Studenten auf und außerhalb des Platzes. Die Stellenbeschreibung für College-Football-Headcoaches liest sich also insgesamt kaum durchführbar.

Wer sich mal einen Überblick über die Trainergehälter in der FBS machen will: USA Today hat die Auflistung von 2010.

Alle Einträge über die Themenwoche Faszination College Football finden sich unter den Tags oder im Portal über College Football beim Sideline Reporter. Fragen? Nur zu – was beantwortet werden kann, wird beantwortet.

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