NFL Rookie-Analyse 2010/11: Die Erstrundenpicks der Denver Broncos

Sideline Reporter steht wieder auf Sparflamme. Heute die beiden Picks der Broncos im letztjährigen NFL-Draft, zwei Offensiv-Picks für den eigenartigen Head Coach Josh McDaniels. Wie das Urteil wohl ausfallen wird?

Pick #22: Demaryius Thomas

Position: Wide Receiver
College:
Georgia Tech University
NFL-Team: Denver Broncos

Denvers ex-Coach Josh McDaniels war ein Sturkopf und so voller Eigenwillen, dass er eine Serie an merkwürdigen Drafts zu verantworten hat. Moreno, Smith, Tebow sind IMHO alle für sich fürchterliche Picks – und ich gehöre noch zu denen, die ihm den Cutler-Move nicht ankreiden, da ich Cutler nie besonders geschätzt habe.

Aber bei allen schlechten Entscheidungen hatte McDaniels auch die Scheiße kleben. Demaryius Thomas, Wide Receiver, war zwar nicht wirklich ein dringend benötigter Mann in Denver. Aber wenigstens nichts, mit dem man McDaniels vorführen könnte.

Nun ist es bloß so, dass WR Thomas zwar ein gutes Debütspiel gab (8 Catches, 97yds, TD), aber danach völlig abstürzte und schließlich kurz nach Saisonhalbzeit mit Verletzung runtermusste. Endbilanz: 22 Catches über die Saison.

Man könnte meinen, Thomas hat die Möglichkeit, zurückzuschlagen. Dumm nur, dass seine Achillesferse beim Training in der Offseason gerissen ist und er mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Spiel bis Herbst 2012 wird bestreiten können. Thomas – schaut aus wie ein Fehleinkauf, für den McDaniels ausnahmsweise nicht alles kann.

Pick #25: Tim Tebow

Position: Quarterback
College:
University of Florida
NFL-Team: Denver Broncos

Dieser Tage wird in Denver intensiv darüber diskutiert, ob man Tim Tebow für die kommende Saison die Position des Franchise-QBs anvertrauen kann oder noch ein Jahr auf den blassen Kyle Orton vertraut?

Die Mannschaft scheint hinter Orton zu stehen. Verständlich, denn Orton ist ein orthodoxer Quarterback – zumindest sein Spielstil ist orthodox – mit dem sich eine Standard-Offense leichter spielen lässt. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, der uns zum Gegenspieler Ortons bringt, QB Tim Tebow.

IMHO der idiotischste Pick des ersten Runde von 2010.

Tebow war ein großartiger Spieler am College und wurde durch seine eindrucksvolle Persönlichkeit und dieses gewisse Etwas, diese Aura, schon zum Superstar, bevor er überhaupt in die NFL kam. Das ist selten, aber der sportliche Aspekt sollte nicht vernachlässigt werden. Ein verkappter Running Back mit dieser Wurftechnik und dieser Flugkurve des Balls soll in der NFL funktionieren?

Freilich hat Tebow in den wenigen Starts zum Saisonende nicht mal unterirdisch gespielt, sondern sogar Anzeichen von exzellentem Scrambling gezeigt und auch ein paar halbwegs brauchbare Bälle geworfen. Möglich, dass Tebow trotz aller ungünstigen Vorzeichen ein vernünftiger NFL-QB werden wird.

ABER: Der Pick „Tebow“ ist dem Ego von Josh McDaniels geschuldet und war ebenso überhastet wie unnötig. Denver hat ganz fürchterliche Lücken in der Defense und ein annehmbares Passspiel – und dann nimmst du einen Quarterback, der mit absoluter Sicherheit eine lange Einlernzeit braucht, auf den du deine funktionierende, starke – nicht überragende! – Offense umstellen musst und der dann trotzdem mit erhöhter Wahrscheinlichkeit floppen wird?

Ich verstehe sowas nicht – wie auch nicht Owner Pat Bowlen, der Ende November die Reißleine zog und McDaniels‘ Egotrip frühzeitig beendete. Ich befürchte, dass Tebow der letzte von McDaniels‘ mehreren verwirrenden Draftpicks sein und in Denver unter dem sehr konservativen neuen Coach John Fox eher wenig Rückendeckung bekommen wird.

Die Fans lieben Tebow und das Broncos-Shirt mit der #15 gehört zu den meistverkauften in der NFL. Allein, so richtig vorstellen kann ich mir sportlichen Superstar-Status für Tim Tebow nicht.

17 Kommentare zu “NFL Rookie-Analyse 2010/11: Die Erstrundenpicks der Denver Broncos

  1. verstehe die ganze tebow situation nicht,wer im college 2 BCS titel holt muss was drauf haben klar ist die NFL was ganz anderes aber er hat wohl mit seinem talent mehr chancen als der orten,hoffe das er startet den mit im können die broncos eine anständige season machen.

  2. /rant

    Ich kann dieses scheinbar zum Common Sense gewordene Lächerlichmachen von Josh McDaniel nicht nachvollziehen.

    Der Cutler-Deal war die smarteste Managemententscheidung in den letzten zehn Jahren NFL. Die Broncos tauschen ihren überbewerteten QB Cutler gegen einen besseren QB plus zwei 1st-rd picks. Also hat McDaniels für Cutler einen besseren Starter bekommen (Orton) und ein Riesentalent mit Tebow geholt, der gefahrlos zwei Jahre hinter Orton lernen kann. Dann kann man auch Orton noch gewinnbringend verscherbeln. Das allein wär ja schon ein exzellenter Tausch, aber on top gab es noch einen 1st-rounder. Es bleibt mir unerklärlich, wie man das als Fehler hinstellen kann.

    Alphonso Smith war ein Bust. Aber das sind so viele CBs. Es hält auch niemand Belichick für einen Idioten, weil er CBs wie Butler oder Wheatley in der zweiten Runde gedraftet hat. Den 1st-rd pick um raufzutraden hat McDaniels ja außerdem geschenkt bekommen, s.o. Es behauptet auch niemand, Rex Ryan wär ein Trottel, weil er mit Kyle Wilson jemanden in der ersten Runde gezogen hat, der schon als Nickelback überfordert ist.

    Moreno in der ersten Runde war sicherlich nicht ganz so smart. Aber warum wird immer nur Moreno erwähnt und nicht der Brandon-Marshall-Trade? Die Broncos bekamen zwei 2nd-rd picks und hatten urplötzlich – und ohne Gegenleistung, da er schon im Kader war – einen viel besseren WR mit Brandon Lloyd, weil McDaniels sein Talent erkannt und ihn perfekt eingesetzt hat.

    /rant aus.

  3. Ich denke auch, man sollte McDaniels für den Tebow-Pick eher loben. Das war wie damals mit Aaron Rodgers: alle haben sich gefragt, warum man den holt. Nunja, jetzt sieht man dass das in Green Bay ganz clever war.

    Ich denke, dass Tebow ein unglaublich talentierter Quarterback ist. Und ganz wichtig: er ist ein absoluter Kämpfer, der nie aufgibt und sich immer für sein Team den Allerwertesten aufreißt. Sowas muss man als Coach einfach lieben.

    Ich denke, er wird sich auch in der NFL durchsetzen, auch wenn er nie der eleganteste QB werden wird.

  4. Hehe, McDaniels-bashing-bashing.

    Disclaimer: Nein, ich werde mich nicht am Trade Quinn/Hillis aufhängen.

    Ich kann dem Treiben von Josh McDaniels als Head Coach nichts abgewinnen.

    a) Die Offense
    Das beginnt damit, dass als erste Amtshandlung der Quarterback enteiert wird. Ein Cutler hätte bei allem Ego für die Offense eines Josh McDaniels gepasst. Cutler ist viel mehr Quarterback für die Offense eines McDaniels als Orton. Dass zwei Egos wie Cutler und McDaniels aber nicht mehr ansatzweise in den Weiten von Colorado Platz gehabt hätten, nachdem der Ski ab war, ist mir auch klar – allein, es wäre zu verhindern gewesen.

    Sei’s drum. Orton passte erstmal auch, recht gut sogar. Orton ist allerdings ein QB mit sehr viel weniger Standing und einem schwachen Wurfarm. Ergo die schwächere Lösung für McDaniels.

    Und McDaniels wollte eine Big-Play-Offense. Und damit kommen wir zum Grund, warum WR Thomas und QB Tebow im selben Atemzug genannt werden. McDaniels hat in derselben Offseason das Deep Threat Demariyus Thomas ganz hoch einberufen und den langsamen Brandon Marshall verkauft. Zwei Moves, die ich verstehe und die ineinander kongruent sind. McDaniels wollte das tiefe Spiel bauen – um Thomas und um den wohl verkannten Brandon Lloyd.

    Klar ist auch: Mit dem wurfschwachen Orton ging das nicht – und dass Orton zudem als arg nachhilfebedürftig in Sachen „Defenses lesen“ gilt, war auch nie ein Geheimnis. Insofern verständlich, dass McDaniels mittelfristig einen anderen Quarterback brauchte – bizarrerweise den neuen Cutler.

    Warum also Tim Tebow, ein Mann mit grundverschiedenem Spiel? Man komme mir nicht damit, dass McDaniels die Schnellpass/Timing-Offense unter Shanahan gegen die tebowartige Spread-Offense eingetauscht hatte. Florida spielte fast nur Run-Options.

    Sollte Tim Tebow nicht aus Marketing-Gründen genommen worden sein, sehe ich keinen Grund, einen Tim Tebow für diese Mannschaft zu draften. Was bringt Tim Tebow mit seinen eiernden Bällen mit ihrer hohen Flugkurve für eine Offense wie Denver, wo jeder dritte Ball über 50yds das Spielfeld hinuntergebombt werden soll UND WO DREI PICKS FRÜHER das Statement schlechthin für das VERTIKALE SPIEL (Demariyus Thomas nämlich) gemacht wurde?

    Ich sehe hier eklatante konzeptionelle Schwächen, wurscht welchen Wow-Charakter sie da mit Tebow geholt haben.

    Was passt: Der streitbarste Spieler des Drafts (Tebow) ging mit dem streitbarsten Pick (Tebow) zum streitbarsten Head Coach (McDaniels). Also ob McDaniels beweisen wollte, dass seine Spielschemen (whatever) unabhängig vom Spielermaterial funktionieren würden.

    b) Die Defense
    Ich habe grundsätzliche Probleme, wenn schwache Teams zukünftige Erstrundenpicks für Zweitrundenpicks eintauschen. Ob Smith floppte oder nicht, spielt keine Rolle – das macht man nicht, nicht nach all den Umstellungen kurz vorher, als sich abzeichnete, dass Denver Probleme kriegen würde. Man riskiert sehr ernsthaft, einen sehr hohen Pick aufzugeben.

    Ich habe meine Probleme mehr damit, dass man einen Running Back und einen Cornerback holte, als sich abzeichnete, dass die Defensive Line mit ihren schmalen Jungs über sämtliche Haufen gerannt werden würde. (McDaniels scheint den Fehler letztes Jahr sogar eingesehen zu haben, als er haufenweise Defensive Liner via Free Agency einkaufte)

    By the way halte ich Smith für einen durchaus brauchbaren Cornerback und ergo die überhastete Aufgabe als Fehler – als Lions-Fan bedanke ich mich natürlich artig dafür. Für Denver bedeutete es: Ein defacto-Erstrundendraftpick wurde nach einem einzigen Jahr aufgegeben.

    Sieht in der Summe alles sehr schlecht für den Headcoach (wohlgemerkt: Head Coach!, nicht OffCoord) Josh McDaniels aus.

  5. Und um noch anzufügen: „1st round pick geschenkt bekommen“

    Inwiefern dies McDaniels von der Sinnfreiheit, einen 2nd rounder eines Teams mit vielen eklatanten Schwächen und einer massiven Umbruchphase gegen einen 1st rounder einzutauschen, freisprechen soll, möchte ich gerne wissen.

  6. Ich bin eigentlich auch eher pro Tebow Fraktion. Aber deshalb lese ich diesen Blog so gerne, hier wird man auf ganz neue Gedanken gebracht.

  7. Es war ja kein Fehler, einen CB zu draften. Schlecht war nur, daß der nix konnte. (Der Patriots-Fan denkt an dieser Stelle an Thanksgiving zurück und grüßt dankend den Lions-Fan.) Um das 5-INT-Gegenargument vorwegzunehmen: gerade der Hausherr weiß ja bekanntlich wie irreführend solche plumpen Statistiken sind. DeAngelo Hall ist auch kein guter CB, nur weil er mal 4 Interceptions in einem Spiel gemacht hat. (Hier grüßt ironisch der Weltgeist: das war im Spiel gegen Jay Cutler.)

    Sicherlich ist es nicht aus dem Hauptseminar „Personalentscheidungen für Fortgeschrittene“ einen späteren 1st-round pick gegen einen jetzigen 2nd-rounder zu tauschen, aber die Cornerbacks waren, neben Bailey, eine einzige Baustelle. Man kann nie genügend CBs haben und Smith war immerhin All-American 1st-team und hat von vielen 1st-round grades bekommen. Wenn Smith gut gewesen wär, hätte man von dem Trade nie wieder was gehört.

    Der Grundfehler in der Defense war das Zerwürfnis mit DC Mike Nolan. Die beiden konnten angeblich überhaupt nicht miteinander. Aber das hat vielleicht auch was mit Nolan zu tun, der mehrere Jahre Head Coach in der NFL war und sich jetzt einem 30-Jährigen „Wunderkind“ unterordnen sollte. Man weiß es nicht als Außenstehender. Und letztes Jahr war dann auch noch der NFL-Sack-Leader Dumervil verletzt und D- wie O-Line extrem verletzungsgeschwächt.

    Offense: zeige mir jemand einen Menschen auf dieser Erde, der den Hillis-Quinn-Trade zu seiner Zeit als nachteilig für die Broncos bewertet hätte. Nicht einmal die Browns dachten, daß Hillis ein guter RB wär, sonst hätten sie ja nicht zu dem RB, der Starter sein sollte (Jerome Harrison) auch noch in der zweiten Runde einen gedraftet (Montario Hardesty).

    Tebow: ja, er wirft irgendwie komisch. Und Drew Brees ist zwei Köpfe zu klein, um in der NFL zu spielen. Und mit so wenig Athletik wie Peyton Manning kann man vielleicht in den 70ern QB in der NFL spielen. Und wer ständig so dämliche Kurzschlußreaktionen hat wie Brett Favre, kann gar nicht dreimal MVP werden. Und wer nichts kann, außer Laufen, der wird niemals McNabb vergessen machen, der seine Mannschaft viermal ins NFC Championship Game geführt hat. Und wer in seinem Senior-Jahr am College fast seinen Starting-Job an einen Sophmore verliert, kann niemals ein guter NFL-QB sein. Und wenn dieser Brady sich verletzt, kann ihn auch nicht ein Typ ersetzen, der im College nicht ein Spiel Starter war. Gerade der Hausherr hier betont doch immer, daß man solche Dinge wie „he has a rocket for an arm“ niemals überbewerten darf.

    Tebow wirft zwar nicht wie ein Dan Marino. Aber eine bessere „Throwing-Motion“ hat Michael Vick auch nicht. Wer nicht glaubt, daß Tebow auch lange Bälle an den Mann bringen kann, muß sich nur den Sugar Bowl 2010 ansehen (da sieht man auch, daß er nicht nur in einem reinen Option-System gespielt hat, Tebow sollte nach seiner Sophmore-Season viel weniger laufen und mehr werfen und so wurde das System auch umgestellt). Auch in den letzten drei Spielen der vergangenen Saison in Denver hat man das ansatzweise gesehen. Er ist jung, er ist „raw“, er braucht Zeit. Aber er hat das Zeug dazu. Gerade was Brees und Brady erst groß gemacht hat: der unglaubliche Fleiß, der riesige Ehrgeiz, der unstillbare Wille, das unfaßbare Trainingspensum, die „intangibles“ – alles das hat Tebow auch, und darum glaube ich, daß er mit Zeit (und im richtigen Team) ein guter NFL-QB werden wird.

    Er kann auch in einer NFL-Offense spielen. Der Plan war nicht, irgendeine krasse Spread-Option einzuführen, sondern die bekannte McDaniels-Offense mit einer zusätzlichen Dimension, Tebows Beinen, zu spielen.

    Sorry, ich wollte nicht wieder wild ranten. Aber für mich sieht das mehr aus wie blöd gelaufen als volltrottelig agiert. McDaniels hat Fehler gemacht, die viele 1st-time HCs machen. Ihn als Katastrophe hinzustellen, erscheint mir einfach zu harsch. Ohne die Verbindung zu Belly überstrapazieren zu wollen, aber das erinnert an dessen ersten HC-Job in Cleveland, was man hier http://liveballsports.com/2011/07/04/bill-belichick-was-a-really-good-coach-with-the-cleveland-browns/ oder auch in Christopher Prices (http://www.weei.com/columnists/christopher-price) Buch „The Blueprint“ nachlesen kann. (http://www.amazon.de/Blueprint-England-Patriots-System-Superpower/dp/0312384858/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1312489781&sr=8-1)

    @footballissexbaby
    Ich lese Deinen Blog immer freudigst mit. Wünschen würde ich mir noch eine Infobox mit den letzten Kommentaren oder die Möglichkeit, alle Kommentare als rss-fees zu abonnieren, damit ich auch da keine Diskussion verpasse und mitpöbeln kann.

  8. Es war ja kein Fehler, einen CB zu draften. Schlecht war nur, daß der nix konnte. (Der Patriots-Fan denkt an dieser Stelle an Thanksgiving zurück und grüßt dankend den Lions-Fan.) Um das 5-INT-Gegenargument vorwegzunehmen: gerade der Hausherr weiß ja bekanntlich wie irreführend solche plumpen Statistiken sind. DeAngelo Hall ist auch kein guter CB, nur weil er mal 4 Interceptions in einem Spiel gemacht hat. (Hier grüßt ironisch der Weltgeist: das war im Spiel gegen Jay Cutler.)

    Wir werden sehen. Ich habe Vertrauen zu Smith. Es gibt kaum Werte, die gegen Smith sprechen (nope, auch nicht bei PFF. Smith kommt durchgehend in der Kategorie „solide“ durch).

    Wenn Smith gut gewesen wär, hätte man von dem Trade nie wieder was gehört.

    Doch. #2 gegen #1 und #3 gegen #2 macht man nicht. Generell nicht und bei Teams im Komplettumbruch im Speziellen nicht – ich riskiere, einen hohen Pick zu verschenken (in dem Fall #14 oder so).

    Der Grundfehler in der Defense war das Zerwürfnis mit DC Mike Nolan. Die beiden konnten angeblich überhaupt nicht miteinander. Aber das hat vielleicht auch was mit Nolan zu tun, der mehrere Jahre Head Coach in der NFL war und sich jetzt einem 30-Jährigen „Wunderkind“ unterordnen sollte.

    Ein Wunderkind mit sehr hoch angelegtem Kinn. Ein Wunderkind mit Kiffin-Attitüde. Wer sich wundert, dass man da Probleme mit den Arrivierten bekommt, sollte mal im Kapitel „JOHARI“ nachblättern. Wir sprechen über sehr elementare Dinge in Sachen „Menschenführung“. Ein nicht unwesentlicher Teil vom Head-Coach-Job, im Übrigen.

    Offense: zeige mir jemand einen Menschen auf dieser Erde, der den Hillis-Quinn-Trade zu seiner Zeit als nachteilig für die Broncos bewertet hätte. Nicht einmal die Browns dachten, daß Hillis ein guter RB wär, sonst hätten sie ja nicht zu dem RB, der Starter sein sollte (Jerome Harrison) auch noch in der zweiten Runde einen gedraftet (Montario Hardesty).

    Ich möchte auf den Disclaimer im vorherigen Kommentar verweisen. (der war ganz ironiefrei, btw)

    Gerade der Hausherr hier betont doch immer, daß man solche Dinge wie „he has a rocket for an arm“ niemals überbewerten darf. […]Tebow wirft zwar nicht wie ein Dan Marino. Aber eine bessere „Throwing-Motion“ hat Michael Vick auch nicht. Wer nicht glaubt, daß Tebow auch lange Bälle an den Mann bringen kann, muß sich nur den Sugar Bowl 2010 ansehen

    Aber Vick kann den Ball blitzschnell in die Tiefe feuern. Eine Grundvoraussetzung, wenn man eine Offense mit hauptsächlich langen Routen spielen will. „Starker Arm“ ist nicht alles, sehr korrekt, aber ein Quarterback ohne „starken Arm“ (ergo: rakentenscharfe tiefe Bälle mit flacher Flugkurve) wird eine Offense niemals vom Level „stark“ auf Level „großartig“ heben. Und IMHO sprechen die Moves, die McDaniels gemacht hat (Spreading, tiefe Pass-Offense 2009/10, Thomas, evtl auch Lloyd, das Verlangen nach einem neuen QB) für den Willen, einen geeigneten QB dafür zu finden.
    Aber Tebow? In Runde #1? Hochtraden?

    Er kann auch in einer NFL-Offense spielen. Der Plan war nicht, irgendeine krasse Spread-Option einzuführen, sondern die bekannte McDaniels-Offense mit einer zusätzlichen Dimension, Tebows Beinen, zu spielen.

    McDaniels hat die Spread-Offense bereits in seinem ersten Jahr gegen Shanahans System eingetauscht. Von „Spread-Option“ war auch nicht die Rede. Ich hätte gerne gesehen, wie McDaniels Tebow gedacht hätte, einzusetzen.

    Sorry, ich wollte nicht wieder wild ranten. Aber für mich sieht das mehr aus wie blöd gelaufen als volltrottelig agiert. McDaniels hat Fehler gemacht, die viele 1st-time HCs machen.

    Die Kombination aus Egoshooting, einem sehr obskuren, ja widersprüchlichen Offensiv-Plan und einigen horrenden Moves macht „McDaniels in Denver“ für mich zum Flop. Ich zweifle nicht daran, dass der Mann St Louis und seine Offense voranbringen wird und ich traue McDaniels auch die Lernfähigkeit zu, beim nächsten Mal anders zu agieren. Ändert nichts daran, dass die Zeit in Denver unglücklich war.

  9. @korsakoff
    Danke für den Johari-Hinweis. Das kannte ich noch nicht. Kiffin-Attitüde triffts auch ganz gut. Ich sehe ja auch, daß McDaniels sich teilweise aufgeführt hat, als wär er eine Mischung aus Parcells und Belichick. Was mich nur bei McDaniels-Diskussionen immer so aufregt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der man alles, wirklich alles, was er gemacht hat, als völlig dumm hinstellt. Bestes Beispiel ist der Hillis-Trade, wo jetzt die große Gemeinde mit ostentativem Kopfschütteln dasteht und so tut, als hätten sie ja schon immer gewußt, daß er ein guter RB und nicht nur ein mittelmäßiger FB ist.

    Nochmal lange Bälle: Tebow kann die werfen, nur sieht es vielleicht unorthodox aus und nicht lehrbuchmäßig wie bei Elway. Und die 4-/5-WR-Sets kommen gerade einem Typen wie Tebow zugute, weil die D oft in Nickel oder Dime ist, und dann viel Platz zum scambeln ist. Diese Art der Offense führt auch dazu, daß man gar nicht perfekt werfen muß, sondern den offenen Mann finden, den man dann auch mit mittelmäßigen Pässen trifft. Das entscheidende ist decision-making. Das ist ja das, was gerade von PFF einem Brady immer wieder angekreidet wird (einfache Pässe, weil Receiver offen), und was Du, wenn ich mich recht entsinne, hier auch schon kritisiert hast: Brady findet immer den offenen Mann und dann ist der Paß natürlich nicht so geil, wie ein erfolgreicher Aaron-Rodgers-Paß zwischen eine Doppeldeckung. Aber was Brady besser macht, ist, daß er den offenen Mann immer findet und deswegen gar nicht erst auf so riskante Würfe auf den Nr.1-WR in Double Coverage zurückgreifen muß. Gerade die ganz tiefen Bälle sind ja – kontraintuitiv – verhältnismäßig einfach, nämlich dann, wenn man die zwei Situation pro Spiel erkennt, in denen der Safety schläft oder einen schlechten Winkeln zum Mann hat und der WR eine 1-vs-1-Situation gegen einen CB in der großen Prärie hinter der gesamten Abwehr hat. DeSean Jackson hat alle seine Big-Play-TDs im eins gegen eins gemacht, wo der QB nur irgendwo in die freie Pleene werfen muß und Jackson ihn fängt , weil er einfach schneller ist als der Verteidiger. (http://www.youtube.com/watch?v=bSscANT-hAM)

    Letztendlich glaube ich, daß die McDaniel-in-Denver-Ära auch leicht hätte anders ausgehen könne, allein wenn er sich nicht mit Nolan überworfen hätte, Dumervil und NT Jamaal Williams sich nicht verletzt hätten und Smith eingeschlagen wäre. Mein Aufhänger ist ja im Grunde auch nur, daß er ein mittelmäßiger HC in Denver war, aber keine fürchterliche Katastrophe, wie das jetzt beinahe alle ganz selbstverständlich nachplappern. Du hast ja auch gute Argumente, keine Frage, ich wehr mich auch nur dagegen, daß scheinbar überall im großen Internet McDaniels in Grund und Boden verdammt wird. Ich schreib das auch hier in die Kommentare, weil ich hier mit fundierten Gegenargumenten rechnen kann, gerade von Dir, und so macht die Diskussion dann auch Spaß.

  10. Pingback: NFL Rookie-Analyse 2010/11: Die Erstrundenpicks der Denver Broncos … » Beliebteste Suchbegriffe

  11. Ich habe die Diskussion jetzt mit Genuss gelesen und bin irritiert. korsakoff ruft nach starken Armen, das unterscheidet sich zum bisherigen Tenor, den ich von diesem Blog mitbekommen habe. Sagt ein contra Tim Tebow Mann (mag die Gators überhaupt nicht)….

  12. @Addict

    Es ist immer eine Frage, wonach man sucht. Eine Offense für die tiefen Bälle verlangt zwangsläufig eher die wurfgewaltigeren Quarterbacks. Von daher ist der Pick „Tim Tebow“ für mich unverständlich. Natürlich soll ein junger QB nicht zu sehr auf den starken/nicht starken Arm festgenagelt werden, aber wenn eine Mannschaft sehr eindeutig um vertikales Spiel gebaut wird, gewinnt dieser Punkt für mich an Bedeutung.

    Ich hätte aber gerne gesehen, wie McDaniels Tebow gedacht hätte, einzusetzen. Leider wurde daraus nichts. Jetzt kommt John Fox, der bisher eher nicht den Eindruck gemacht hat, auf diese Art von Quarterbacks zu stehen.

  13. Offiziell: Tebow ist nur Backup, Orton wird erstmal Starten und verliert den Platz nur mit einer katastrophen Preseason an Tebow zurück, was so aus Denver durchdringt. Scheint also doch was an deiner Meinung dran zu sein.

  14. Sieht so aus, als wäre Tebow in dieser Saison sogar nur die #3 im Depth Chart der Broncos. Ich bin bei Tebow immer hin- und hergerissen, ich mag ihn und würde ihm den #1-Starterplatz vergönnen und fordern, dass man ihm die Chance zum Starten gibt, aber irgendwie kann ich mir das nicht richtig vorstellen, und John Fox bleibt sich und seiner aus Carolina gewohnten Linie treu. Dass nun schon Brady Quinn an Tebow vorbeizieht, macht zu denken.

  15. Pingback: Die Denver Broncos in der Abenddämmerung « Sideline Reporter

  16. Pingback: Tebow: Star unter Gesichtslosen « Sideline Reporter

  17. Moin,

    das Thema hat sich ja mit dem gestrigen Spiel erledigt. Respekt an korsakoff, die Analyse trifft rückwirkend in fast allen Punkten zu. So leid es mir für Tebow tut.

    Zum Thema starker Arm nur so viel, das bedeutet nicht nur den Ball so weit als möglich zu werfen, sondern auch mit genügend Tempo. Beides trifft bei Tebow nicht zu. Ich hoffe Tebow findet irgendwo noch eine Unterkunft in der NFL, währe schade diesen „Typen“ zu verlieren. Als Beispiel könnte Tom Tupa dienen, der als QB in die NFL gekommen und als Punter gegangen ist! TEbow sollte H-Back werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.