Mit den Houston Texans in den Sonnenaufgang

Mehr als die Hälfte der Franchise-Geschichte der Houston Texans besteht aus enttäuschten Hoffnungen auf den Durchbruch. 2010/11 war die krasseste Form davon, als man mit der mit Abstand besten Mannschaft der AFC South auf den letzten Platz abschmierte. Folge: Coach Gary Kubiak durfte bleiben. D’oh!

Ich krächze normalerweise niemals nach Trainerköpfen, aber es fällt schwer, noch einen Funken Vertrauen in das Coaching – vor allem das Coaching während des Spiels – von Gary Kubiak und seinen Konsorten zu hegen. Schon früher fand ich das Playcalling nicht optimal, 2010/11 war das einige Male aber so stupide, dass ich die Entlassung schon in der Datenbank angekreuzt hatte.

In der jüngsten Offseason haben die Texans genau die richtigen Moves gemacht, um sich zu verbessern. Allein: Es coacht immer noch Gary Kubiak, und ich tue mir damit richtig – RICHTIG – schwer.

Die Offense

Jahrelang bestand Houstons Angriff aus zwei Komponenten: QB Matt Schaub. Und WR Andre Johnson. Im vergangenen Herbst aber geigte Houston mächtig mit Laufspiel auf. RB Arian Foster wurde sogar NFL-Laufkönig mit 1616yds und 4.9yds/Lauf auf und sorgte für eine ausbalancierte Offense.

Basis dafür war eine Offensive Line, die aus dem Nichts kommend plötzlich zu den besten der Liga gezählt wird, sei es nur Pass Protection oder Lauf-Blocken. Als Hauptgrund hierfür werden intelligente Zone-Blockschemata genannt, während man sich aber auch nicht scheut, QB Schaub und vor allem RB Foster ihren Anteil zuzugestehen.

Foster ist mit 66 Catches ein double threat und bei mir vor allem deswegen geschätzt, weil er mit einer gewissen Wucht daherkommt und trotzdem gerne mal einen Linebacker aussteigen lässt. Mit FB Vontae Leach ist in der Free Agency allerdings der Haupt-Blocker abhanden gekommen. Und schon zu Kubiaks Zeiten in Denver waren Running Backs dafür bekannt, nach kometenhaftem Aufstieg plötzlich wieder in der Versenkung zu verschwinden. Foster gilt als zu gut, um diesen Trend fortzusetzen.

Sollte dem nicht so sein, wird man in Houston immer und immer wieder auf die Combo Schaub/Johnson zurückkommen können. Schaub ist ein etwas eigenartiger Quarterback, scheint trotz konstanter 4000yds-Saisons nicht den bedingungslosen Rückhalt in Houston zu genießen und mehr als notwendiges Übel hingenommen zu werden. Ein Orton für Reiche sozusagen, aber vom Hocker reißt der phlegmatische Charakter Schaub irgendwie niemanden.

Das mag auch daran liegen, dass der Mann zwar wenige Fehler, aber auch nicht das ganz große Spektakel liefert. Obwohl WR Andre Johnson potenziell ein deep threat wäre, können die Texans keine vertikale Offense spielen, weil Schaub ein zu schwacher Arm nachgesagt wird. Effizient genug für durchschnittlich 25 Punkte/Spiel aber allemal sein.

Die Defense

Houstons komplette Offseason hat sich auf die Verbesserung der unterirdischen Defense konzentriert. Schritt #1 war die Einstellung von DefCoord Wade Phillips, der auch gleich damit begann, eine komplizierte 3-4 Defense zu installieren, ignorierend, dass Houstons Personal dafür überhaupt nicht geeignet war.

So muss der großartige DE Mario Williams nun auf einmal zum Outside Linebacker umgeschult werden, ein Move, der nicht allen gefällt. Dafür wurde mit DE J.J. Watt im Draft die langweiligst mögliche Entscheidung getroffen, was weniger ein Urteil über den sportlichen Wert ist, denn über den Wow-Faktor eines Defense Liners in einer 3-4 Defense.

Die neu geformte Line soll dem gefährlichen Linebacker-Quartett den Rücken frei halten: Dort spielen neben Williams auch Leute wie ILB DeMeco Ryans und OLB Brian Cushing, Leute, die bereits Rookie des Jahres waren und in gesundem Zustand zu den besseren ihres Fachs gehören. Allerdings wird der Kader schnell dünn, wenn sich einer von ihnen verletzt.

Die zwei spektakulärsten Neuzugänge in der Secondary sind S Danieal Manning und CB Jonathan Joseph, die beide für teures Geld gekommen sind und das schlechteste Defensive Backfield der NFL aufmotzen sollen. Die Starter aus dem letzten Jahr, inklusive des Top-Picks Kareem Jackson, gelten als völlig verunsichert, welch Wunder nach 4499 aufgegebenen Yards im letzten Jahr (12.7yds/Catch, 33 Touchdowns, sensationelle 66.3% completion rate für die gegnerischen Quarterbacks).

Viele Moves und vor allem viele gute Moves in der Defense, aber eine Umstellung auf 3-4 gilt generell als problematisch. Gut ist, dass es schlechter kaum werden kann.

Ausblick

Es wurden haargenau die richtigen Moves gemacht. Spielermaterial in der Offense und der neue Defensive Coordinator Wade Phillips ließen mich auf die Houston Texans als Champion der AFC South tippen und sogar noch weiter gehen: Diese Mannschaft ist im Prinzip titelfähig. Auch wenn der Schedule wie schon im vergangenen Herbst ziemlich böse ist:

Wk #1 vs Colts
Wk #2 @Colphins
Wk #3 @Saints
Wk #4 vs Steelers
Wk #5 vs Raiders
Wk #6 @Ravens
Wk #7 @Titans
Wk #8 vs Jaguars
Wk #9 vs Browns
Wk #10 @Buccaneers
Wk #11 BYE
Wk #12 @Jaguars
Wk #13 vs Falcons
Wk #14 @Bengals
Wk #15 vs Panthers
Wk #16 @Colts (Donnerstagnacht)
Wk #17 vs Titans

Gespannt darf man vor allem darauf sein, wie Kubiak diesen permanenten Durchbruch-Kandidaten wieder um die Playoffs bringen möchte. Aber irgendwie erinnert mich das ganze ein bissl an die Saints, die auch stets eine gute Offense hatten und denen vor zwei Jahren eine halbwegs brauchbare Saison mit ihrer Defense glückte…

Das Zeiteisen verrät: 933 Minuten verbleiben. WordCount nach drei Teams: 2831.

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