Mit den Pittsburgh Steelers in den Sonnenuntergang

Zur Wochenmitte die Franchise, die wie keine andere für Konstanz im NFL-Zirkus steht: Die Pittsburgh Steelers, sechsfacher Superbowl-Champ und im vergangenen Winter trotz zahlreicher Flauseln und miserabler Offensive Line um ein Haar ein siebtes Mal zum Ringträger geworden.

Die Steelers werden regiert von der integeren Rooney-Familie, die zu sich steht wie kaum eine zweite Besitzerschaft – mal von der scheinbaren Doppelmoral in den Fällen Roethlisberger/Holmes abgesehen – und obwohl ich kein Steelers-„Fan“ bin, kann ich nicht anders, als diese Franchise mit einer Tasse Bewunderung gegenüberzutreten. Wie auch nicht dem Head Coach, der coolen Socke Mike Tomlin.

Die Offense

Wer die These „Offensive Line ist die Basis einer guten Mannschaft“ widerlegen möchte, dem sei auf das Beispiel Steelers verwiesen. Es wäre vermessen, von „zusammenzimmern“ zu sprechen, wenn es darum geht, den Schutz für Quarterbacks und Laufspiel zu beschreiben. Einzig Rookie-Center Maurkice Pouncey zeigte bei aller Unerfahrenheit NFL-Reife, für diesen Herbst kehrt wenigstens der adäquate OT Willie Colon wieder zurück – dazu gibt es den Rookie OT Marcus Gilbert.

Solange jedoch der hünenhafte QB Big Ben Roethlisberger hinter dieser Line seine Improvisationskünste zeigt, wird die Offense halbwegs halten. Roethlisberger wird oft nachgesagt, sich zu ungern vom Ball zu trennen, was ich seit vergangener Saison nicht mehr unterschreiben würde.

Das hat Gründe, die man in der Ballfänger-Armada finden kann. WR Mike Wallace ist ein deep threat vor dem Herrn (60 Catches, 21.0yds/Catch), der eisenharte WR Hines Ward verprügelt wohl noch mindestens ein weiteres Jahr gegnerische Linebackers, dazu gesellen sich der fangsichere TE Heath Miller, der aufstrebende WR Emanuel Sanders und eine Serie an Running Backs mit sicheren Händen.

Einer davon ist das Arbeitstier Rashard Mendenhall, dem man die meisten Carries gibt und trotzdem werde ich nie den Eindruck los, dass man mit Mendenhall nicht 100%ig glücklich ist. Dabei sind 3.9yds/Carry hinter dieser Line nicht zu unterschätzen.

Eine Sollbruchstelle würde ich dann verorten, wenn Roethlisberger verletzt ausfallen sollte. Backup Byron Leftwich ist der vermutlich immobilste QB (und dann hinter dieser Line!), QB Dennis Dixon und Charlie Batch sind dann auch nicht die Leute, auf die ich meine Jetons setzen wollte.

Die Defense

Pittsburghs Abwehr ist die #1 der NFL. Hauptverantwortlich dafür ist DefCoord-Genie Dick LeBeau, der Erfinder des Zone Blitzes und ein fanatischer Kreativkopf, wenn es um Ausarbeiten von Blitzes geht. Keine Defense in der NFL veranstaltet so viel und so variabel Rabatz, wenn es darum geht, gegnerische Quarterbacks unter Druck zu setzen.

Schlüsselspieler ist dabei Safety Troy Polamalu, der seine ganz eigene Rolle als Freigeist spielt und instinktgetrieben spielen darf. Polamalu ist häufiger als andere Spiele in Ballnähe und macht gerne pro Spiel 1-2 Big Plays.

Polamalu ist der Superstar, aber was diese Defense IMHO definiert, ist die Front Seven. Kein Mensch spricht über NT Casey Hampton, der seit Jahrzehnten verlässlich das Loch in der Mitte zumacht, dazu kommen Porno-Bart Brett Keisel, der mittlerweile alternde Aaron Smith und die jungen Ziggy Hood und Cameron Heyward, die alle ihre Einsätze sehen werden.

Diese Line hält der fantastischen Linebacker-Crew den Rücken frei. Pittsburghs Linebacker sind das beste, was man in der NFL so bekommen kann – und wir können dabei ruhig unit-übergreifend sprechen. Die OLBs Lamarr Woodley und James Harrison sind absolute Ligaspitze, der feurige Leader ILB James Farrior ist auch mit 36 noch in Schuss und dann hat man immer noch nicht über den vielleicht besten aus dem Quartett gesprochen: ILB Lawrence Timmons, ein Mann im fünften Jahr. Und mit Backup Larry Foote haben wir noch den Mann mit dem härtesten Würgegriff in der Hinterhand.

Das alles resultiert in einer Lauf-Abwehr, die über 333 Carries zuletzt im Schnitt 3.0yds/Lauf aufgegeben hat. Noch Fragen?

Ausblick

Pittsburgh hat einige der besten Footballspieler in seiner Mannschaft, und trotzdem fand ich den Superbowl-Run in der vergangenen Saison mehr glücklichen Umständen geschuldet denn purer Dominanz. Die Offense kriegt hinter dieser mickrigen Line keinen Rhythmus zustande, die Defense erwies sich in der Post Season als abhängiger von Polamalus Geniestreichen als gedacht.

Wk #1 @Ravens
Wk #2 vs Seahawks
Wk #3 @Colts (SNF)
Wk #4 @Texans
Wk #5 vs Titans
Wk #6 vs Jaguars
Wk #7 @Cardinals
Wk #8 vs Patriots
Wk #9 vs Ravens (SNF)
Wk #10 @Bengals
Wk #11 BYE
Wk #12 @Chiefs (SNF)
Wk #13 vs Bengals
Wk #14 vs Browns (Donnerstagnacht)
Wk #15 @49ers (ESPN)
Wk #16 vs Rams
Wk #17 @Browns

Der Schedule sieht bis auf wenige Kracher recht einfach aus und hat vermutlich zu wenige Stolperfallen eingebaut, als dass Pittsburgh selbst mit einem zweiten Platz hinter Baltimore nicht wenigstens eine Wildcard ergattern kann. Der ernsthaften Prüfung wird man im Jänner gestellt sein, und ich kann mir nicht vorstellen, dass man noch einmal zwei Spiele in Serie gewinnt, in denen man jeweils eine Halbzeit lang nach Strich und Faden dominiert wurde und in der anderen Halbzeit von kollabierenden und nicht vorbereiteten Gegnern profitierte.

Das Zeiteisen verrät: 642 Minuten verbleiben. WordCount nach 13 Teams: 12273.

7 Kommentare zu “Mit den Pittsburgh Steelers in den Sonnenuntergang

  1. Hui, hier kommt man gar nicht mehr mit dem Lesen nach und die Einträge haben immer die selbe Tiefe. 🙂

    Bei den Steelers ist glaube ich weniger das Problem wenn der Quarterback ausfällt, sondern mehr wenn Hampton oder Harrison und am schlimmsten Polamalu weg sind, dann wird auch diese Defense schnell löchrig. In der Offense gibt es genug Optionen, ich verstehe das niedrige Standing von R. Mendenhall nicht, der macht doch über 300 Carries/Season, das qualifiziert einen RB für mich schon als Arbeitstier. Für mich sind die Steelers sicherer Playoff-Kaliber und der klare Favorit in der AFC North.

    Noch eine Frage: Sind die Blogeinträge zufällig, ich kann kein Schema in der Vorschauserie erkennen? Nicht Alphabet, nicht Record, nicht Divisions…

  2. Re: Reihenfolge

    Primär geht es nach Lust und Laune. Zuerst kommen allerdings eher die Mannschaften dran, von denen ich annehme, schon ein Konzept erkennen zu können. Teams mit vielen Wechseln oder neuen Coaches oder neuen Quarterbacks werden tendenziell eher später dran kommen, damit die Vorschau an Wert gewinnt. Ein Favorit auf die letzte Mannschaft dürfte nach momentanem Stand z.B. Seattle sein, bei denen ich noch keinen Schimmer habe, was Carroll da vor hat (ob Carroll da überhaupt weiter ist als ich?).

  3. re Carroll:
    Muahaha! Sieht auch aus meiner Sicht eher aus wie der Plot zu „Planlos in Seattle“.

    Respekt für die Artikelserie und Deinen output. Chapeau!

  4. Pingback: links for 2011-08-17 « Vier Viertel + Nachspielzeit

  5. „Der ernsthaften Prüfung wird man im Jänner gestellt sein, und ich kann mir nicht vorstellen, dass man noch einmal zwei Spiele in Serie gewinnt, in denen man jeweils eine Halbzeit lang nach Strich und Faden dominiert wurde und in der anderen Halbzeit von kollabierenden und nicht vorbereiteten Gegnern profitierte.“

    Dein Wort in Gottes Ohren!

  6. Ich halte die Defense für zu alt, das kommt mir zu wenig durch. Wenn ich das recht überblicke, ist weit mehr als Hälfte der Defense schon weit über 30, das geht nur mehr ein bis zwei Jahre gut. Woodley, Hood und Heyward sind imo die einzigen vielversprechenden Jungen, aber in jeder Unit sind sonst nur Alte. Damit hatte schon New England vor ein paar Jahren große Probleme und die Defense hat sich erst jetzt langsam davon erholt. Pittsburgh hat aber bei weitem keine so gute Offense wie New England damals, daher glaube ich dass sich das Fenster für Pittsburgh spätestens nach dieser Saison schließen wird. Playoffs danach ja, vielleicht, aber Titelanwärter eher nein.

  7. Pingback: NFL 2011/12, TV-Guideline Week 1: Pathos Overkill « Sideline Reporter

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