Mit den Tampa Bay Buccaneers die Sommeremotionen genießen

Die Tampa Bay Buccaneers waren 2010/11 die Überraschungsmannschaft schlechthin, trotz der vielen quasi „geschenkten“ Siege gegen die NFC West. 10-6 hatte ich dieser Mannschaft in den kühnsten Träumen nicht zugetraut. Das selten coole HC/QB-Gespann aus Raheem Morris und Josh Freeman paart sich in Tampa zu einer Mentalität, auch 1:30 vor Schluss noch die ganz dicken Eier herumzuschleifen und enge Spiele zu biegen. Hätten im vergangenen Dezember nicht die Lions etwas dagegen gehabt, die Buccs wären glatt anstelle des Superbowl-Champs Green Bay mit Pauken und Trompeten in die Playoffs eingezogen.

Dabei waren die Vorzeichen eher ungünstig gestanden: Ein blutjunger, unerfahrener Head Coach und ein blutjunger, nicht Vertrauen erweckender Quarterback. Umso überraschender, wie geladen Tampa spielte und wie eiskalt dort selbst wenn es kritisch wurde, das eigene Spiel durchgedrückt wurde.

Big Ben auf NFC-isch

Die Offense funktionierte trotz schwacher Offensive Line und trotz recht grüner Skill Players. Hauptgrund hierfür: QB Josh Freeman, dessen Entwicklung im zweiten Jahr so fassungslos war, dass Freeman in der Vorjahresform keine Vergleiche mit Big Ben Roethlisberger scheuen muss: Ein Hüne vor dem Herrn, mobil und furchtlos und sehr improvisationsfähig.

Laufspiel muss nach dem doch überraschenden Abgang von Cadillac Williams wohl hauptsächlich der Schläger von Boise, RB Legarrette Blount, machen. Blount kam nach Eklat am College vor einem Jahr aus dem Nichts zurück und legte mal eben 1007yds und 6 TDs hin. Wir sprechen hier von einem brachialen Running Back, Typ Larry Johnson, bei dem ich mir nicht sicher bin, wie lange der Körper diesen Laufstil durchhalten wird: Lieber 1yd verschenken und dem Verteidiger einen blauen Flecken mitgeben als drum herum zu laufen und das eine Yard mitzunehmen.

Über Blounts Ersatzmann wird zu sprechen sein. Allein Earnest Graham ist noch ein bekannter Name, und Graham ist ein Verletzungsrisiko.

Dritter im Bunde der Buccs-Triplets: WR Mike Williams, ein erstaunlich explosiver Mann für die tiefen Bälle. Die Mitteldistanzen werden vom sehr athletischen TE Kellen Winslow jr. bedient, dazu gesellen sich ein Haufen namenloser Receiver und Tight Ends, die alle ihre paar Catches und Yards machen.

Sorgen bereitet die Protection – zumindest mir: LT Donald Penn gilt als solide, aber was in Tampa so alles an Druck über die Mitte durchkommt, kann im Prinzip nicht lange gut gehen. Trotzdem wurden die meisten Blocker für teures Geld im Kader behalten. Der X-Faktor ist Rookie-TE Luke Stocker, dem exzellentes Blocking nachgesagt wird.

Frontloading in der Defense

2010 wurden die Defensive Tackles Gerald McCoy und Brian Price hoch gedraftet, 2011 die beiden Defensive Ends Adrian Clayborn und Da’quan Bowers. Jemand da, der einen Trend erkennt?

Beide 2011er Pick scheiden die Geister, weil sie Verletzungs-Historien mitbringen, aber gemessen an den Vorstellungen im vergangenen Herbst gab es hinsichtlich „sofortige Verstärkungen“ keine Zweifel, welche Position oberste Priorität sein musste. Defensive End nämlich. Am besten im Doppelpack.

Tampas Linebackers sind unbekannt und es wäre blasphemisch, sie mit ehemaligen Kalibern wie Derrick Brooks zu vergleichen, aber die OLBs Geno Hayes und Quincy Black sind quicke, solide Leute, auf denen man aufbauen kann. Bezüglich des Middle Linebackers bestehen noch Fragezeichen: Will man tatsächlich auf Rookie Mason Foster setzen?

Die Secondary wird auf den besten Mann verzichten müssen: Knalltüte FS Tanard Jackson dopte sich zu oft über die erlaubten Limits hinaus und wird gesperrt fehlen. Die Ersatzleute sind die beiden Codys, Grimm und Lynch, und bei den Strong Safetys wird man wohl auf den Wandervogel Sean Jones bauen. Der Rookie SS Ahmad Black, ein Lokalmatador, gilt zwar als talentiert, aber wenn ein Michael Turner das erste Mal über den schmächtigen Black drüberläuft, möchte ich nicht mit Knochensammeln beginnen.

Für die Pass-Deckung stehen zur Verfügung: CB Aqib Talib, ein Mann, der abseits des Spielfelds für mehr Kopfzerbrechen sorgt als drauf oder CB Ronde Barber, der mit 36 nicht jünger wird.

Trotz Barber ist das eine junge Defense, die noch 2-3 Jahre reifen wird müssen. Große Sorgen hätte ich ob der geringen Tiefe im Kader – es ist angesichts dieses Personals nichts anderes als ein Wunder, dass Tampa so eine Saison wie 2010/11 spielen konnte. (Das Geheimnis steckt wohl in den 19 INTs, aber sowas lässt sich kaum planbar wiederholen)

Special Teams

Zu K Connor Barth hege ich nur mäßiges Vertrauen, vor allem jenseits der 40yds-Kicks. P Michael Koenen ragt mit seinem sensationellen neuen Vertrag heraus (6 Jahre/19 Mio. Dollar!!), aber eher wenig mit seinen Leistungen zuletzt als Atlanta Falcon. Returner Micheal Spearlock ist bei Zeiten ein spektakulärer Mann.

Ausblick

Ich sehe viele Fragezeichen, und am meisten frage ich mich, wie die Buccs mit ihren Stats und so vielen Löchern im Kader (O-Line, Secondary) zuletzt zehn Saisonsiege einfahren konnten. In diesem Jahr fällt der Freifahrtschein „NFC West“ im Schedule auch noch weg und ich tue mir schwer, an eine weitere Cindarella-Saison zu glauben.

Das ist der Schedule:

Wk #1 vs Lions
Wk #2 @Vikings
Wk #3 vs Falcons
Wk #4 vs Colts (MNF)
Wk #5 @49ers
Wk #6 vs Saints
Wk #7 vs Bears
Wk #8 BYE
Wk #9 @Saints
Wk #10 vs Texans
Wk #11 @Packers
Wk #12 @Titans
Wk #13 vs Panthers
Wk #14 @Jaguars
Wk #15 vs Cowboys (Samstach)
Wk #16 @Panthers
Wk #17 @Falcons

Ist die Kaderpolitik (sprich: Inaktivität in der Free Agency) am Ende doch nur mir suspekt? Kann der junge Josh Freeman noch einmal sämtliche Schwachstellen übertünchen? Ist ein Preseason-Kader mit nur drei Spielern über 30 und 74/90 unter 25 nicht doch zu jung? Die drei zentrale Fragen für Tampa 2011.

Ich liebte die Buccs 2010/11 und ich liebte Freeman (rein platonisch natürlich), aber ich bin geneigt, den blitzartigen Aufstieg als Zufallsprodukt abzutun. Riecht nach einer losing season. Tampa kann aber zuversichtlich in die Zukunft schauen – es gab in den letzten Jahren andere Mannschaften, die man lange Zeit als „jung“ bezeichnete und die dann den Durchbruch schafften (Green Bay, anyone?).

Falls es mehr wird: Sorry, Mr. Freeman, dann gehören Sie auf der Stelle in die Top 5 der NFL-Quarterbacks.

Das Zeiteisen verrät: 583 Minuten verbleiben. WordCount nach 15 Teams: 14229. (Jo, ich weiß, bissl geschummelt. Ich habe lediglich meinen Beitrag für NFL/Spox überarbeitet)

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