Mit den Miami Dolphins in die neue Woche

Die vielleicht krasseste Offseason der NFL hat in Miami stattgefunden. Head Coach Tony Sparano sollte durch Jim Harbaugh ersetzt werden, Quarterback Chad Henne durch Kyle Orton. Beide Moves scheiterten – die beiden wichtigsten Protagonisten der Dolphins sind nun lame ducks, die so richtig keiner mehr haben will und auf die man trotz allem bauen muss. Eine bizarre Situation, aber nicht unerwartet.

Denn Owner Stephen Ross versucht verzweifelt, der Franchise und ihren Fans Leben einzuhauchen – etwas, das kaum gelingt mit langweiligem Offensivspiel aus den 80ern und was auch nicht geht mit einer so eklatanten Heimschwäche: Miami gewann zuletzt eines von acht Heimspielen.

Offense

Wichtigste Änderung nach dem geplatzten Quarterback-Putsch: OffCoord Dan Henning ist weg, Brian Daboll ist da. Daboll war zuletzt in Cleveland für die Offense zuständig, was eher nicht so gut geklappt hat. Die Dolphins verfügen aber über eine recht gute Basis: Left Tackle Jake Long gilt als ligaweiter Benchmark für diese Position, und die eher schwache innere Seite der Line soll durch den gehypten Rookie Mike Pouncey Verstärkung erhalten.

Das Laufspiel soll anscheinend um den Rookie-RB Daniel Thomas gebaut werden, ein Back, der in der Pinstripe Bowl durch hartes Laufspiel und haufenweise Touchdowns über die Mitte aufgefallen ist (und Kansas State spielte BTW auch Wildcat-Offense. Wildcat! Offense! Und! Nun! Die! Dolphins!). Thomas geht aber neben seinem Backup völlig ein: RB Reggie Bush ist der Neueinkauf der Saison, ein Mann wie geschaffen für Ross’ Star-Affinität. Bush sollte ähnlich wie in New Orleans eingesetzt werden und vor allem für sich selbst verkaufende Tickets sorgen (spinn’ ich oder lief Bush in den Preseason-Spielen tatsächlich mit #22 durch die Gegend?).

Die Wide Receivers sind IMHO recht breit aufgestellt: Davone Bess gilt als Welker-Typ für die Slot-Routen, Brandon Marshall ist bei aller Kritik immer noch ein sehr guter possession receiver für die kurzen Routen und machte zuletzt immerhin 86 Catches für über 1000yds, gilt allerdings als glamouröser und im Privatleben nicht immer koscherer Typ, der sich von der Präsenz eines Dwayne Wade oder LeBron James leicht ablenken lässt. Und dann haben wir noch eine Handvoll junger, quicker Spieler – wie gut mir die Idee mit deep threat Ed Gates gefällt, habe ich bereits in der Draft-Analyse geschrieben – plus Tight End Tony Fasano.

Nun stellt sich allerdings die Frage, wie es nach drei schwachen Saisons inklusive der jüngsten Enteierung um das Selbstvertrauen von QB Chad Henne bestellt ist. Henne besitzt einen waffenscheinpflichtigen Wurfarm und soll immer dann gut sein, wenn möglichst viele Wide Receiver auf dem Feld stehen – Miami verzichtete zuletzt gänzlich auf diese Art von Offense. Bleibt die Frage, ob Daboll eine Handvoll Spielzüge für Henne kreieren kann, mit denen der Mann umgehen kann, denn der Backup Matt Moore gilt ebenso als QB, der längst durchschaut worden ist.

Defense

Wir sprechen über eine der herausragenden Defenses der NFL – und keiner kennt sie. Seit DefCoord Mike Nolan aus Denver gekommen ist, haben die Dolphins eine der dominanteren Units beisammen – gegen Lauf und Pass. Es beginnt alles in der Defensive Line, wo mit Paul Soliali ein richtig guter Nose Tackle spielt – und Soliali wird mit dem von einer Verletzung zurückgekehrten hoch gedrafteten Jared Odrick in dieser Saison einen neuen Nebenmann bekommen. Ein völlig unterschätzter Mann soll der halbe Nose Tackle Randy Starks sein.

Diese Line hält einer sehr gefährlichen Linebacker-Unit den Rücken frei. OLB Cameron Wake gilt nach 14 Sacks in der abgelaufenen Saison als sensationeller Pass Rusher, wobei die PFF-Stats in Wake sogar eher noch einen Lauf-Verteidiger vermuten ließen – sprechen wir hier über ein dark horse auf den nächsten Defensive-MVP-Award? Für die OLBs haben die Dolphins auch noch Jason Taylor zum x-ten Mal zurückgeholt, wobei kein Mensch zu sagen vermag, was der olle J.T. noch drauf hat. Ein weiteres Prunkstück ist das Herz der Defense, die Inside Linebackers um den feurigen Leader Karlos Dansby und den Neuzugang Kevin Burnett aus San Diego.

In der Secondary scheinen die Dolphins vor allem auf CB Vontae Davis und dessen Deckungskünste gegen gegnerische #1-Wide Receivers zu vertrauen.

Ausblick

Die Offseason war vom psychologischen Standpunkt an Idiotie kaum zu überbieten, aber die Dolphins sollten auch in der Zeit nach Brown/Williams einen soliden Kader beisammen haben. Vielleicht gelingt mit Daboll die benötigte Feinjustierung in der Offense, sodass QB Henne sein coming out erlebt. Wenn das Passspiel der Dolphins turnoverarm in die Gänge kommen sollte, sprechen wir von einem Playoff-Kandidaten, selbst in engen AFC East.

Bei diesem Schedule…

Wk #1 vs Patriots (MNF)
Wk #2 vs Texans
Wk #3 @Browns
Wk #4 @Chargers
Wk #5 BYE
Wk #6 @Jets (MNF)
Wk #7 vs Broncos
Wk #8 @Giants
Wk #9 @Chiefs
Wk #10 vs Redskins
Wk #11 vs Bills
Wk #12 @Cowboys
Wk #13 vs Raiders
Wk #14 vs Eagles
Wk #15 @Bills
Wk #16 @Patriots
Wk #17 vs Jets

… und mit einer weiterhin so uninspirativen Offense ist ein weiteres, dunkelgraues 7-9 hingegen ebenso nicht weit weg. Ob man sich dann um einen der Top-QBs aus dem Draft 2012 bemühen würde?

Das Zeiteisen verrät: 519 Minuten verbleiben. WordCount nach 17 Teams: 16032.